Sabeas Traum

Sabeas Traum - 13. Episode - zum Seehund nochmal!

Kevin MacLeod Season 3 Episode 16

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Die Stationsleiterin Ronika Gerbermayr kommt mit der kreativen Gestaltung von Hannes Lindenbergs Zimmer nicht klar. Sie äussert dies Jon und dessen anwesender Kollegin Brigitte gegenüber, sieht aber von einer Verwarnung ab.

Wie der strahlende Hannes Lindenberg seine Meerlandschaft trotzdem behalten durfte.

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Sabejas Traum Der Podcast Autor Markus Stadler Sebias Traum sowie die beiden vorangehenden Romane Sabeas Haus und Sabeas Baby sind im regulären Buchhandel erhältlich oder bei Emerson bestellbar. 13. Kapitel Zum Seehund nochmal. Seufzend begaben sich John und Brigitte um 4 Uhr ins Stationsleitungsbüro zur Ronika Gerbermeier. Beiden war bewusst, dass sie sich nicht an die Hausordnung gehalten hatten und dass es keinesfalls üblich war, einen Nachtdienst dazu zu nutzen, ein Bewohnerzimmer zu verschönern. Dies selbst dann nicht, wenn die Überlegungen auf der Hand lagen und sich durch Konzepte wie das der basalen Stimulation sogar fachlich rechtfertigen ließen. Das Pflege- und Alterszentrum Elfenberg galt zwar, was Architektur und Konzeption sowie die Arbeitsbedingungen für das Personal anging, als Wegbereiterin. Aber wie an jeder Arbeitsstelle hing auch im Elfenberg sehr viel von den jeweiligen Menschen ab, die dort arbeiteten. Sei es nun das Management, seien es Berufsbildungsverantwortliche, Stations- oder Pflegedienstleitungen, Chef- und Oberärzte oder weitere Mitglieder der Geschäftsleitung, selbst in diesen Bereichen galt der Elfenberg als tolerant. Aber es gab Grenzen, und Frauen Vironika Gerbermeier achteten sehr konsequent auf diese Grenzen, während andere wiederum eines oder gar beide Augen zudrückten. Mit gesenkten Köpfen saßen John und Brigitte nun bei der gestrengen Frau, die selbst viel hatte entbehren müssen, um später endlich zur Stationsleiterin befördert zu werden. Das geht einfach nicht, bekräftigte sie ihre Haltung vom Morgen desselben Tages. Eigentlich müsste ich euch verwarnen, und du weißt, was das bedeutet, Jean. Es gäbe einen Eintrag im Studierendendossier der Schule, und danach könntest du dir überhaupt nichts mehr erlauben, nicht den kleinsten Fehltritt, nichts. Allerdings fügte sie an, allerdings bist du einer der besten Studierenden, die je auf unserer Demenzstation ein Praktikum absolviert haben. Darum sehe ich ausnahmsweise von weiteren Maßnahmen ab. Aber das Segeltuch und die Muscheln im Zimmer von Hannes Lindenberg müssen weg. Jetzt. Ich habe zur Entsorgung den technischen Dienst herbestellt. Herr Brandt und Herr Übersax sind unterwegs. Brigitte, die Pflegeassistentin, fixierte sie nur kurz. Mitgehangen, mitgefangen, sagte sie schulterzuckend zu ihr. Das Zimmer in den vorherigen Zustand zu versetzen, ist das eine, räusperte sich Jean. Aber entsorgen? Ist dir bewusst, wie wenig wir Studierenden verdienen und wie viel Geld ich in dieses unwiederbringliche Kunstwerk investiert habe. Unwiederbringliches Kunstwerk. Jetzt musste sich sogar Ronika Gerbermeier ein Lachen verbeißen. Ich behalte es einfach, sagte John entschieden. Lieber hätte er sich die Zunge abgebissen, als etwa zu erwähnen, dass nebst Brigitte und ihm noch zwei Mitstudierende, Samira und Annie, an der Deko beteiligt gewesen waren. Die beiden Kolleginnen, die er längst ins Herz geschlossen hatte, würde er keinesfalls verraten. Wie eine kleine Armee aus Marionetten marschierten Ronika Gerbermeier, Herr Brandt, Herr Übersax, Brigitte und John in die Richtung von Hannes Lindenbergs Zimmer. Dieser schien den Spätnachmittag zu genießen. Er saß im Rollstuhl am Fenster und spielte versonnen mit einer der Muscheln, die die DekorateurInnen und Dekorateure auf der Fensterbank zurückgelassen hatten. Ronika Gerbermeier ging auf ihn zu. Sie war überrascht, dass Herr Lindenberg, der gegen Mittag normalerweise in Apathie versank, die bis am nächsten Morgen andauerte, so aktiv war. Seine Augen leuchteten. Sehen Sie das große Weite Meer dort, strahlte er die Stationsleiterin an und wies mit dem Kinn in Richtung des bemalten und gestalteten Segeltuchs, das auch auf die beiden Mitarbeiter des technischen Dienst einen prachtvollen Eindruck machte. Endlich bin ich es wieder. Ich bin wieder Kapitän, strahlte Hannes Lindenberg. Ihm fehlte nur noch eine Meerschaumpfeife und eine Kapitänsmitze. Das Bild wäre perfekt gewesen. Ronika Gerbermeier betrat das Zimmer von Hannes Lindenberg nur selten. Er mochte sie ganz offensichtlich nicht und hatte vor ihr auch schon mal verächtlich aufs Frühstückstablett gespuckt. Nicht gerade die feine Art für einen Käpt'n, hatte Ronika Gerbermeier schlagfertig reagiert. Ab diesem Moment ignorierte Hannes Lindenberg die Stationsleiterin komplett und ließ sich von ihr weder mobilisieren noch zur Toilette führen. Aber an jenem Spätnachmittag war alles anders. Hannes Lindenberg war hellwach und strahlte aus seinen eisblauen Augen in die Runde. Wer hat das für mich gemacht? fragte er und hob die buschigen Augenbrauen. Eine Weile lang war es still. Ihm, ich, ließ Jean verlauten. Herr Lindenberg, wir sind an gewisse Vorschriften gebunden, kam Ronika Gerbermeier auf den Punkt. Schon nur aus feuerpolizeilichen Gründen. Nun schauten sich die beiden Mitarbeiter des Technischen Dienstes mit großen Augen an. Ihnen, die sie das Sicherheitskonzept fürs Pflege- und Alterszentrum mitentwickelt hatten, war nicht bewusst, was ein Wandbehang mit feuerpolizeilichen Maßnahmen zu tun haben könnte. Aber sie schwiegen aus Respekt und Loyalität der Stationsleiterin gegenüber. Hannes Lindenberg erfasste sofort, worum es hier ging. Was denn, knurrte er. Was denn? Überraschend behände löste er die Bremsen seines Rollstuhls, wendete und fuhr direkt zwischen Ronika Gerbermeier und den Wandbehang. Du hast von nichts wirklich eine Ahnung, Mädchen, blaffte er. Wasser bedeckt bis heute den größten Teil unseres Planeten. Das ist erst recht ein Grund, dass ich hier an der Wand in meinem Zimmer ein bisschen Wasser haben darf. Wasser, Wind, Wellen und ein paar Seeungeheuer. Um positive Zustimmung heichend, sah er zu John, Brigitte, Herrn Brand und Herrn Übersax. Dann setzte er noch einen obendrauf. Weiber, schimpfte er. Bevor Ronika Gerbermeier ihn zurechtweisen konnte, denn nun war Hannes Lindenberg wirklich zu weit gegangen und hatte ihre aufkeimende Sympathie schon wieder verscherzt, betrat Ambrosius Lämmer in Begleitung von zwei Assistenzärzten das Zimmer. Was ist denn hier los, fragte er erstaunt und betrachtete schweigend das Wandgemälde. Befördern Sie Herrn Ulrich, durchbrach Hannes Lindenberg die Stille und nickte in Richtung von John. Er hat das für mich gemacht. Einfach so. Dabei habe ich doch erst im Dezember Geburtstag. Er wischte sich eine Rührungsträne aus dem Gesicht. Seine Stimme überschlug sich. Also eigentlich, entgegnete Ambrosius. Also wenn in allen Zimmern plötzlich. In den anderen Zimmern ist nichts, die Wände sind leer und weiß wie undurchdringlicher Nebel, beim Seehund nochmal, unterbrach ihn Hannes Lindenberg. Nur in meiner Kuje ist jetzt alles anders, und schließlich bin ich hier der Kapitän. Ambrosius, der ja nicht wusste, was seiner Visite vorangegangen war, musste dem alten Mann recht geben. Hannes Lindenberg war zudem schwerreich und selbstzahler, ein weiterer Grund, ihn nicht unnötig herauszufordern. Was Ambrosius und auch die beiden Assistenzärzte erstaunte, war, wie vital der alte Herr am späten Nachmittag erschien. Dabei hatten sie sich gerade erst mit den Neurologen über einen cirkadianen Rhythmus, eine womöglich neue Form der Demenz, unterhalten, am Fallbeispiel von Hannes Lindenberg, der am Morgen immer sehr gesprächig und adäquat war, am Nachmittag und Abend aber nahezu willenlos vor sich hindämmerte. Und so kam es, dass Hannes Lindenberg, der Kapitän, seine Meerlandschaft behalten dürfte. Je, hochanständig wie er war, äußerte der Stationsleiterin gegenüber nicht die leisesten Zeichen von Häme oder gar von Überlegenheit. Er verabschiedete sich freundlich, hatte seinem Freund Matteo in Abteißingen etwas zu erzählen und würde sich nochmals schlafen legen. Nach der letzten Nacht hatte er zwei Tage frei und freute sich auf sein Bett.