Sabeas Traum

Sabeas Traum - 14. Episode - Björn, Ulla und der Elch

Kevin MacLeod Season 3 Episode 18

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Die in sehr ärmlichen Verhältnissen, mit einer allein erziehenden Mutter aufgewachsene Pflegestudierende Lena steht vor einer kleinen Herausforderung. Sie betreut ein schwerreiches schwedisches Paar, das nicht vom Fernseher wegzubringen ist. Während Tagen wird die Elchwanderung in Nordschweden gestreamt, die jedes Jahr Millionen von Schweden in ihren Bann schlägt.

Zugleich bewegt sich allmählich etwas, und das Studierendendorf unten an der Bühl konkretisiert sich.

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Sabejas Traum Der Podcast Autor Markus Stadler Sebias Traum sowie die beiden vorangehenden Romane Sabeas Haus und Sabeas Baby sind im regulären Buchhandel erhältlich oder bei Amazon bestellbar. 14. Kapitel Björn, Ulla und der Elch. Lena war die zurückhaltendste der vier Studierenden, die derzeit im Pflege- und Alterszentrum Elfenberg ihr Praktikum absolvierten. Sie befand sich im zweiten Semester und somit noch ganz am Anfang ihrer Ausbildung. Nach der Matur hatte Lena ursprünglich Kunstgeschichte studieren wollen, aber alle hatten ihr abgeraten mit der Begründung, als Geografin sei es schwierig, sich eine Existenz aufzubauen. Nur Lenas viel zu früh verstorbener Vater hatte das anders gesehen. Du musst das lernen oder studieren, wofür dein Herz schlägt, hatte er ihr immer wieder nahegelegt. Lena war das einzige Kind aus einer armen Familie, die in einem Randbezirk von Eichenbergwähler, einem etwas abgelegenen Dorf, auf engstem Raum zusammenlebte. Nicole, der alleinerziehenden Mutter, drohte die Kündigung, weil die Liegenschaftsverwaltung ultimativ dazu aufgefordert worden war, das Meerfamilienhaus von Grund auf zu sanieren, nicht zuletzt wegen Schimmel in sämtlichen Wohnräumen und im Keller. Bettina, Sabeas Freundin und Begleiterin während deren Schwangerschaften, die als Wanderhebamme mit einem Planwagen unterwegs war, weil sie sich wegen der niedrigen Tarife als Freischaffende keine Hebammenpraxis leisten konnte, hatte ebenfalls Erfahrungen mit diesen dürftig instand gehaltenen Wohnungen gemacht. Anna Schneeberger, einer von Bettinas Frauen, war in besagtem Eichenberg-Wieler Randbezirk mit Zwillingen schwanger gewesen. Dank Bettinas Einsatz hatte sie nach Bühlwil umziehen dürfen, in eine kleine Dachwohnung, die sich gegenüber derjenigen befand, die von der Wanderhebamme bewohnt wurde. Im selben alten, aber baulich grundsoliden Haus lebte Lena in einer Kellerwohnung, die allerdings über zwei große Fenster verfügte und gut belüftet war. Ihre Mutter hatte mittlerweile einen neuen Partner, Jörg, aber Lenas Bauchgefühl sagte ihr, dass dieser Mann nicht der richtige für ihre Mutter war. Jörg war Forstwart, und sein Gehalt reichte nur knapp, um sich selbst durchzubringen. Das kergliche Gehalt ihrer Mutter, die in Teilzeit als Buchhändlerin arbeitete, verbesserte die Situation nicht wirklich. Seit Lena ausgezogen war, vermisste sie die liebevoll verzierten Muffins, die ihre Mutter an jedem zweiten Wochenende bog. Lena ging so oft als möglich nach Eichenberg-Wähler zu ihrer Mutter, vor allem jetzt, wo die Kündigung anstand. Aber sie war eine zuversichtliche junge Frau und überzeugt, dass sich für ihre Familie, was ein Dach über dem Kopf anging, eine Lösung finden würde. Nach der Geschichte um Hannes Lindenberg, den Kapitän, die sich mittlerweile herumgesprochen hatte, war Lena nun ebenfalls mit einer anspruchsvollen Situation konfrontiert. Sie arbeitete auf der Privatabteilung im Erdgeschoss und tat sich zunehmend schwer damit, den hohen Ansprüchen der zum Teil sehr verwöhnten Seniorinnen und Senioren gerecht zu werden. Allerdings gab es da ein schwedisches Paar, das ihr auf Anhieb ans Herz gewachsen war. Ola und Björn Friedrichssohn teilten sich eine komfortable Suite mit Blick auf die saftigen Weiden und den Tannenwald, die Bühlwil vom Nonnen und vom Mönchskloster trennten. Der Raum war sehr farbenfroh eingerichtet, mit goldenen Glöckchen, der blau-gelben Nationalflagge und schwedischen Holzpferden in allen denkbaren Farbtönen. Lena hatte sich sofort in ein orangefarbenes kleines Pferdchen verliebt, das den Fenster Sims zirrte. An der Wand gegenüber dem Doppelbett prangte ein von den vier Abermitgliedern originalsigniertes, gerahmtes Bild, und Olaf Riedrikssohn erzählte allen, die es wissen wollten, dass sie die vier Talente persönlich kannte. Dann war da die Geschichte mit den Elchen. Die große Elchwanderung findet alljährlich im Frühling statt und dauert bis im Mai. Das Schauspiel, das sich in den Wäldern Nordschwedens zeigt, ist zweifellos faszinierend. Hunderte Elche beenden ihre Winterpause und machen sich auf den Weg ins Inland, vorbei an Flüssen über schneebedeckte Lichtungen. Obwohl das schwedische Paar weit über 90 Jahre alt war, hatten Ulla und Björn mitbekommen, dass die Elchwanderung seit kurzem am schwedischen TV über einen Livestream verfolgt werden konnte. Überall waren Kameras montiert, und auch zahlreiche Drohnen spießen faszinierende Bilder ins Netz ein. In Schweden soll es Menschen geben, die während der Elchwanderung nur Fertignahrung zu sich nehmen und die Toilettenpausen so lange wie möglich hinauszögern. Es konnte nämlich sein, dass sich ausgerechnet dann, wenn die Elchfans am Zähneputzen waren, auf dem Flachbildschirm im Wohnzimmer ein Elch blicken ließ. Millionen von Schwedinnen und Schweden verfolgen den Elch Livestream Jahr für Jahr, und Ulla und Björn waren keine Ausnahme. Gebannt saßen sie in ihrem Doppelbett, mit Lagerungskissen im Rücken und unter den Kniekehlen und verfolgten jede Bewegung im Fernseher, obwohl oft über Stunden nichts anderes zu sehen war als prachtvoll glitzernde Schneeflächen und die seelenbefreuenden Weiten im spärlich besiedelten Nordschweden. Die Elchwanderung stellte nun die Pflegenden, die Ulla und Björn zugeteilt waren, vor gewisse Herausforderungen. Das Paar war von seinen Elchen, die es zu sehen hoffte, durch nichts abzulenken. Die Sendung läuft jedes Jahr während 20 Tagen rund um die Uhr, und die Aufnahmetechnologie war, was Nachtsichtgeräte angeht, ebenfalls weit fortgeschritten. In der Nacht leuchten die Augen der Elche magisch. Viele Schwedinnen und Schweden sorgen vor und decken sich mit Kaffee, ein, chartern einen Pizzalieferdienst und stellen auch ihre Medikamentenschachteln in Bett oder Sofanähe, nur um ja keinen einzigen Elch zu verpassen. Ula und Björn taten es ihnen gleich und verlangten vom Pflegepersonal eine Rundumversorgung während 20 Tagen. Obwohl Ula und Björn problemlos ins Bad mobilisiert werden konnten, zogen beide während der Elchwanderung den Nachttopf oder eine Toilette auf Rädern vor, damit sie den Bildschirm unter Kontrolle hatten. Weil das vermögende schwedische Paar so liebenswert war, trug das Pflegeteam das Ganze mit Humor, aber Lena wurde um gewisse Lärmsituationen wie etwa eine fachgerechte Mobilisation, Kommunikation mit älteren Menschen und Selbsthilfe bei der Körperpflege am Waschbecken gebracht. Das Paar wusch sich im Bett und unterstützte sich gegenseitig, während auf dem riesigen Flachbälschschirm plötzlich eine dunkle, weiche Elchschnauze auftauchte. Die Reise der Elche geht jeden Frühling über den Angermann-Fluss, etwa 300 Kilometer nördlich von Stockholm, hin zu den Sommerweiden. Ich fühle mich entspannt, auch wenn stundenlang kein Elch kommt, so eine 20-jährige Schwedin zu den Medien. Aber oh, was ist, wenn ein Elch kommt und ich gerade auf der Toilette sitze. Die Begeisterung des schwedischen Paars war für die Mitarbeitenden im Elfenberg nachvollziehbar, und selbst die Ärztinnen und Ärzte bewunderten die ausladende Sammlung an Elchplüschtieren, die die gesamte Suite von Ulla und Björn besiedelten. Und doch ging es hier um eine Alten- und Langzeitpflege unter besonderen Umständen, eine Pflegesituation, die Lena ihr ganzes Leben lang niemals mehr vergessen würde. Mittlerweile hatten sich die Verhandlungen mit dem Regierungsstattalteramt, die nun der Form halber doch stattgefunden hatten, wieder erwarten in eine positive Richtung entwickelt, was das künftige Studierendendorf anging. Von Gesetzeswegen, wurde den Antragstellenden, zu denen mittlerweile auch Ambrosius gehörte, beschieden, von Gesetzeswegen liegt eine derartige Baubewilligung nicht in unserem Ermessen. Daher hatte Ambrosi das Ansinnen umgehend an einer der folgenden Geschäftsleitungssitzungen, die einmal pro Woche stattfanden, aufgenommen. Weil er, was die Elfenbergsanierung und auch das Geburtshausprojekt anging, einer der wichtigsten Investoren war, konnte er seinen Einfluss so geltend machen, dass das Thema von der Geschäftsleitung zum Verwaltungsrat und von davor dem Gemeinderat gelangte. Im Gemeinderat saßen gut vernetzte Persönlichkeiten, und allen war mittlerweile bewusst, dass sich Studierende, was deren Finanzen anging, in einer Schieflage befanden. Allen, zumindest denen, die selbst Töchter und Söhne hatten, war mehr als nur bewusst, dass ein Studium allein niemanden ernährt, ganz zu schweigen vom notwendigen Dach über dem Kopf. Eine Zeit lang hatte auch wo sich bereit erklärt, einen Teil des Dachgeschosses auf dem Platanenhof als Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dort waren mittlerweile ein Medizinstudent und eine Studierende der Physiotherapie einquartiert. Beide würden ihr Studium demnächst abschließen und ausziehen. Dennoch waren weitere Lösungen in größerem Umfang gefragt. Während all der Diskussionen rund um eine Studierendendorfsteuppe kam es zu mehreren Begehungen des Areals rund um den Bühlgraben. Auch Sabea und Ambrosius waren mehrmals vor Ort. Florina war so begeistert, dass sie am späteren Nachmittag Sabea um den Hals fiel. Ich bin mir bewusst, dass vergünstigte Wohnmöglichkeiten für Studierende keine Weltneuheit sind, sagte sie. Früher gab es auf dem Schulareal Unterkünfte, was heute kaum mehr denkbar wäre. Ein Studierendendorf direkt am Praktikumsort ist aber um einiges sinnvoller, weil die unregelmäßigen Schichten die Praxis und nicht die Schulsemester betreffen. Das leuchtete allen ein, und der Bühlwiler Gemeinderat sagte sogar zu, einen kleinen Teil der Steuereinnahmen pro Einwohner für den Unterhalt des Studierendendorfs zur Verfügung zu stellen. Ein Gemeinderatsmitglied meinte sich zu entsinnen, das im bernischen Belb einmal ähnlich verfahren worden war, um den lokalen Berner Flughafen zu unterstützen. Als der Pfad zum Bühlwilergraben schmaler wurde, reihte sich Ambrosi hinter Isabelle ein und erneut elektrisierten ihn ihre Anmut, ihr wiegender Gang und ihr wittender dunkelblonder Pferdeschwanz. Wie zarte Schmetterlingsflügel berührte Isabels Anwesenheit sein Herz, aber Ambrosius schrieb das mittlerweile hormonphysiologisch bedingten Frühlingsgefühlen zu, die er bestimmt bald in den Griff bekommen würde. Ein Ausrutscher wie damals mit Amira, der Schlangenbeschwörerin, kam für ihn kein zweites Mal in Frage. Er hatte für Sabea, seine beiden Töchter, das prosperierende Pflege- und Alterszentrum sowie für das Geburtshaus da zu sein.