Sabeas Traum

Sabeas Traum - 21. Episode - Annie ist verzweifelt

Kevin MacLeod Season 3 Episode 32

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Annie ist eine ausgesprochene Schnelldenkerin und hat eine vielversprechende Berufslaufbahn vor sich. Sie ist zudem sehr geschickt, beherrscht die kinästhetischen Prinzipien und geht mit viel Empathie auf die Bewohnerinnen und Bewohner ein. Dennoch findet Sina, die Pflegeroboterin, die Annie begleitet, immer ein Haar in der Suppe. Sie demütigt die Pflegestudierende, diese findet zum Glück Trost bei Samira, ihrer mittlerweile besten Freundin.

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Sabejas Traum Der Podcast Autor Markus Stadler Sebias Traum sowie die beiden vorangehenden Romane Sabeas Haus und Sabeas Baby sind im regulären Buchhandel erhältlich oder bei Amazon bestellbar. 21. Kapitel Annie ist verzweifelt. Mit schon fast unheimlicher Perfektion führte Sina mit Annie nach der Tagsschicht ein Standortgespräch. Annie war eine Schnelldenkerin und den meisten Situationen, denen sie im Pflegealltag im zweiten Stock begegnete, gewachsen. Ob es nun um die Händehygiene ging, um die Kontrolle von Medikamenten oder um die Mobilisation der Bewohnerinnen und Bewohner, sei es in den Rollstuhl oder an den Rollator. Annie war geschickt, nutzte die kinesthetischen Prinzipien, arbeitete rückenschonend und war den ihr anvertrauten Menschen gegenüber rücksichtsvoll und empathisch. Dennoch fand Sina bei Annie ein Haar in der Suppe. Es ging um die Kommunikation mit Lorenz mit Hilfe der Piktogramme. Tatsächlich war es schwierig, zu Lorenz durchzudringen. Sina schien ein fotografisches Gedächtnis zu haben, nahm sich ein Blatt Papier und zeichnete ein paar Piktogramme auf. Auf die Toilette gehen. Essen und Trinken. Gefühle und Emotionen. Die Piktogramme sahen genauso aus wie diejenigen, die sich bei Lorenz im Zimmer in Form von Würfeln oder auf dem Tablet befanden, das er im Übrigen virtuos bedienen konnte. Sein Tablet war ein Braillezeilengerät, das Bildschirmtext in Blindenschrift umwandelt, in dem taktile Punkte erzeugt werden, die mit den Fingern abgetastet werden können. Das mit aber war ein Glücksfall, sagte Sina und blickte Annie durchdringend an. Mit dieser Musik konnten wir Lorenz auf der psychoemotionalen Ebene abholen. Auf die Toilette ging Lorenz selbstständig. Mit dem Essen und Trinken hattest du aber Schwierigkeiten, Lorenz zu erreichen. Er wäre gerne selbstständig, kann sich aber wegen seines Aufmerksamkeitsdefizits-Syndroms nicht lange konzentrieren. Noch nicht einmal darauf, ein Brot mit Butter zu streichen. Da hättest du ihn gezielter unterstützen müssen. Annis Berufsbildnerin, die an diesem Tag nicht anwesend war, hatte Annie aber mit Nachdruck gesagt, sie solle Lorenz einfach machen lassen und sich im Hintergrund halten. So könne sein Selbstvertrauen gestärkt werden. Sina verlangte nun das genaue Gegenteil. Du hättest ihn gezielter unterstützen müssen. Annie war den Tränen nahe. Sie war sich Kritik gewöhnt, es gehörte wohl zum Leben einer Pflegestudierin einzustecken. Aber der ganze Tag war für sie zu viel gewesen, dieses dauernd sich beobachtet fühlen, und erst noch von einer Pflegeroboterin, der nichts entging und die sogar Piktogramme aus dem Gedächtnis exakt nachzeichnen konnte. Annie war erschöpft und wollte nur noch nach Hause in ihre Rosengartenwohnung, um sich bei Samira auszuweinen. Samira war Annie ohnehin eine sehr große Stütze, nicht nur als Freundin, sondern auch als Begleiterin während dieses nicht ganz so einfachen Praktikums auf der Langzeitabteilung. Beide Studierenden befanden sich in einer ununterbrochenen Balance zwischen Nähe und Distanz, Nervenbewahren, Authentizität, Geduld, Zeitmanagement, Effizienz und Lernzielen, ganz zu schweigen vom Konsumverzicht und vom Spardruck, weil sie schlicht und einfach kein Geld hatten. Lief alles nach Plan, erhielten die beiden Studierenden kaum jemals ein Feedback. Lief etwas aus dem Ruder, standen die beiden jungen Frauen unter Generalverdacht. Sie waren Studierende, unberechenbar, fehleranfällig und nach freiem Belieben vorm, und manipulierbar. Sie waren stark davon abhängig, mit wem sie zusammenarbeiteten, da ging es Samira genauso wie Annie. Beide hatten allerdings, was ihre Praktikumsbegleiterinnen anging, mit denen sie oft zusammenarbeiteten, Glück. Samira arbeitete mit Xene Putt, einer von Sabeas Freundinnen zusammen, Annie mit Eleonora, einer Pflegefachfrau, die während vieler Jahre im Abteißinger Notfallzentrum gearbeitet hatte, nun aber, auf der Suche nach etwas mehr Ruhe, auf der Abteilung Maas angestellt war. Wir sehen uns morgen um 6.30 Uhr wieder, sagte Sina kalt, stand auf und verließ ohne ein weiteres Wort das Stationsbüro. Erneut bildeten sich in ihrem Kopf zusätzliche Synapsen, weitere neuronale Verbindungen. Durch Annie hatte sie an diesem Tag sehr viel gelernt. Als Annie erschöpft in ihre Wohnung hinunterkletterte, duftete es nach Speck und Spiegeleiern. Samira hatte ihr rotes Haar nach hinten gekämmt und es mit Haarspangen fixiert, trug einen grünen Hausanzug, hatte eine Küchenschürze umgebunden und sah umwerfend aus. Anni konnte nicht anders als auf sie zuzugehen und sie wortlos zu umarmen. Was ist denn mit dir los? Samira war es sich gewöhnt, dass Annie oft ihre Nähe suchte, aber so traurig und erschöpft hatte sie ihre Kurskollegin noch nie erlebt. Annie vergrub ihr Gesicht an Samiras Schulter, dann weinte sie haltlos. Ado, der Pflegeinformatiker, begleitete Sina zurück auf die Abteilung Klosterblick. Wortlos drückte er auf Sinas Brustbein, so rasch, dass diese gar nicht dazu kam, sich zu beschweren. Ihr Blick erlosch, sie begab sich in die Neutralstellung und Ado öffnete ihren Kassak, der über einen unauffälligen Reißverschluss verfügte. Direkt unter dem linken Schlüsselbein befand sich der Anschluss für einen USB-Stecker, auf den nun Sinas Daten übertragen wurden. Daten, die sie während des Tagdienstes mit Annie gesammelt hatte. Ado verglich die Dateien mit den bereits Bestehenden. Dann knurrte er zufrieden. Sinas Tagdienst in der Rolle von Annis Praktikumsbegleiterin ergab deutliche Hinweise darauf, dass Sinar vermehrt über Eigenschaften verfügte, die eine Praktikumsbegleiterin aus Fleisch und Blut demnächst überflüssig machen würde. Besonders fasziniert war Addo vom Gespräch, das Sina mit Annie am Ende des Tages geführt hatte. Sina, dieses teuflische Ding, verstand es immer besser, gute von mittelmäßiger bis hin zu schlechter Arbeit zu unterscheiden. Anscheinend war ihre Strenge mittlerweile derart authentisch, dass die Studierenden Tränen in den Augen hatten, wenn sie am Abend erschöpft die Station verließen. Addo freute sich bereits, den Geschäftsleitungsmitgliedern des Pflege- und Alterszentrums Elfenberg die neuesten Datenvergleiche präsentieren zu dürfen. Eine Pflegeroboterin, Samira, schluchzte Annie. Sie haben mich mit einer Pflegeroboterin arbeiten lassen, und zwar den ganzen Tag. Sie ist mir auf Schritt und Tritt gefolgt, wie ein Schatten. Es gab zwar einen lustigen Moment, mit Lorenz, den du ja auch kennst. Er war so glücklich, als ich eine Aberplatte aufgelegt hatte, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Und Sina hat zu Dancing Queen getanzt. Richtig getanzt. Aber dann gab es ein vernichtendes Standortgespräch. Dieser Avatar Tussi ist nichts entgangen, aber auch gar nichts. Sogar die Piktogramme, die wir bei Lorenz verwenden, konnte sie einwandfrei nachzeichnen. Warum machen sie das mit dir? Samira konnte sich darauf keinen Reim machen. Wenig später lagen die beiden Freundinnen im Bett. Anni kuschelte sich an Samira und zog den Duft von deren frisch gewaschenem Schlafanzug ein. An jenem Tag hatte in der Bühlwiler Verwaltung eine impulsive Sitzung stattgefunden. Nachdem Bruno und Melchior Tiefenthaler, die beiden ehemals zerstrittenen Brüder, sich zusammengerauft und das Land verkauft hatten, lag der Ball nun bei den Planern. Frauen waren keine am Tisch. Es stellte sich die Frage, ob für den Bau des Studierendendorfs beim Bühlgraben ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden sollte, oder ob tatsächlich iglu-artige Bungalows, die es in verschiedenen Ausführungen gab, errichtet werden sollten. Nach einer hitzigen Debatte entschied sich die Gemeinde für Letzteres. Für ungefähr 100.000 Schweizer Franken wurden acht Bungalows bestellt, die als Fertigteile angeliefert würden. Geplant wurde auch ein Dorffest, und freiwillige Helferinnen und Helfer würden das erste Studierendendorf der Schweiz, das seinen Namen wirklich verdiente, errichten. Bereits jetzt überlegte sich der praktisch orientierte Polizist Weckerli, wo der Tross, der die mobilen Wohnungen anlieferte, parkieren sollte. Auch die Fragen rund um die sanitären Einrichtungen war keineswegs geklärt. Aber künftig würde nicht nur das Pflege- und Alterszentrum Elfenberg mit seinem Geburtshaus in die Schweiz hinausstrahlen, sondern eben auch das im Entstehen begriffene Pueblo. Pueblo heißt auf Spanisch Dorf oder Volk, vom lateinischen Wortstamm Populus. Die spanischen Kolonialisten bezeichneten ihre Dörfer so, schob Germont Rosenmeier ein. Er war Oberstufendeutschlehrer in Bühlwil, ebenfalls anwesend und das einzige ausländische Mitglied des Gemeinderates.