Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast
Psychologische Thriller-Geschichten, die unter die Haut gehen.
Dieser Podcast entführt dich in dunkle Welten voller Geheimnisse, vergessener Orte und verstörender Wahrheiten. Jede Episode ist eine eigenständige, intensive Hörgeschichte – kalt, minimalistisch und mit einem verstörenden, offenen Ende.
Perfekt für Fans von:
Psychologischer Thriller,
Horror-Geschichten,
mysteriöse Podcasts,
Dunkle Erzählungen und urbane Legenden.
Neue Folgen erscheinen regelmäßig.
Setz dich. Hör zu. Und frag dich danach, ob du wirklich allein bist.
Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast
Ich habe mir selbst geschrieben… und die Antwort kam zu früh
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Du erhältst eine Nachricht von deiner eigenen Nummer.
Kein Fehler. Kein Hacker. Nur ein Satz, den du nie geschrieben hast.
Was, wenn du dir selbst Dinge schickst, an die du dich nicht erinnerst?
Was, wenn jemand deine Zukunft kennt… und es bist du selbst?
Eine verstörende psychologische Geschichte über Kontrolle, Erinnerung und Entscheidungen, die vielleicht nie wirklich deine waren.
Hör genau zu. Manche Details kommen zurück.
Was glaubst du – was ist wirklich passiert? Schreib mir.
Eine Geschichte von Klaus Nachtschatten.
Sie hören eine Geschichte aus dem vergessenen Stockwerk. Ein Ort, den es offiziell nie gegeben hat. Doch manche Menschen behaupten, dort gewesen zu sein. Als ich die Nachricht sah, dachte ich zuerst an einen Fehler, nicht an etwas Großes, nur an einen dieser kleinen digitalen Aussetzer, die man sofort wieder vergisst. Der Absender war meine eigene Nummer, kein Name, keine fremde Vorwahl, mein Kontaktbild, mein Profil. Und darunter nur ein Satz. Lösch die blaue Mappe nicht. Ich stand noch im Flur, die Wohnungstür halb offen. Die Einkaufstasche schnitt mir in die Finger. Ich hatte keine blaue Mappe. Ich weiß noch, dass ich zuerst lächelte, eher genervt als erschrocken. Vielleicht eine automatisch weitergeleitete Nachricht. Vielleicht eine App, vielleicht irgendein Müll aus der Cloud. Ich stellte die Tasche ab, schloss die Tür und las die Nachricht noch einmal. Lösch die blaue Mappe nicht. Kein Punkt, keine Erklärung, kein vorheriger Verlauf. Nur diese eine Nachricht. Gesendet um zwei Uhr siebzehn nachts. Um 2.17 Uhr hatte mein Handy auf dem Nachttisch gelegen. Daran erinnerte ich mich genau. Ich schlafe leicht. Jedes Aufleuchten hätte mich geweckt. Trotzdem war die Nachricht da, als gesendet markiert, von mir. Ich ging ins Schlafzimmer und nahm das Handy vom Tisch. Der Akkustand passte, die Verbindung passte. Nichts wirkte fremd. Auch nicht der Chatverlauf. Er sah sauber aus. Als hätte ich tatsächlich irgendwann beschlossen, mir selbst genau diesen Satz zu schicken. Ich suchte nach einer blauen Mappe. Im Arbeitszimmer standen zwei schwarze Ordner, ein grauer Karton, lose Rechnungen und ein Stapel alter Notizhefte. Keine Mappe, nicht einmal etwas Blaues. Ich öffnete Schubladen, hob Papiestapel an, zog Regalbretter vor. Nach zehn Minuten war ich nicht beunruhigt, nur gereizt. Es war lächerlich. Eine dumme Nachricht. Mehr nicht. Dann fiel mir auf, dass ich denselben Satz schon einmal gelesen hatte. Nicht gestern, nicht letzte Woche, sondern irgendwann früher, vielleicht Monate, vielleicht länger, nicht auf dem Handy, eher auf Papier. Der Gedanke war sofort da und ebenso sofort wieder weg, wie ein Wort, das einem auf der Zunge liegt und sich im nächsten Moment entzieht. Den restlichen Vormittag bekam ich nichts fertig. Ich arbeitete von zu Hause. Normalerweise hilft mir die Ruhe. An dem Tag hörte ich jedes kleine Geräusch. Das Summen des Kühlschranks, den Fahrstuhl im Treppenhaus, das Kratzen eines Stuhls bei den Nachbarn über mir. Alles klang, als würde etwas gleich passieren. Gegen Mittag schrieb ich mir testweise selbst eine Nachricht. Test! Sie kam an. Sofort, ganz normal. Ich löschte sie wieder. Dann klickte ich auf die fremde, vertraute Nachricht. Es gab keine Weiterleitungsinfo, keinen technischen Hinweis, nichts, nur diesen Satz. Ich drückte lange darauf. Kopieren, Löschen, Weiterleiten, Reagieren. Ich löschte sie nicht. Am Abend fiel der Strom für drei Sekunden aus. Es war kein richtiger Ausfall, eher ein kurzes Wegkippen. Das Licht zuckte, der Router brauchte neu, der Backofen piepte. Mein Handybildschirm leuchtete auf, obwohl ich es nicht berührt hatte. Neue Nachricht. Wenn das Licht wiederkommt, schau nicht in den Badezimmerspiegel. Mir wurde kalt, nicht schlagartig, eher langsam von innen her. Ich stand in der Küche und starrte auf den Bildschirm, während es im Bad noch dunkel war. Dann klickte irgendwo im Flur die Sicherung, und das Licht kam zurück. Ich sah nicht in den Spiegel. Das klingt jetzt vernünftig, fast kontrolliert. War es aber nicht. Ich hielt einfach den Blick gesenkt, wie ein Kind. Ich ging am Badezimmer vorbei, zu schnell, atmete zu flach, sperr mich im Schlafzimmer ein und wartete. Worauf wusste ich nicht. Später zwang ich mich doch hinein. Der Spiegel war beschlagen, obwohl niemand geduscht hatte. Nur ein matter Fleck in der Mitte war frei, als hätte dort kurz eine Stirn oder eine Hand gelegen. Sonst nichts, kein Satz, kein Zeichen. Nur mein eigener blasser Kopf, der aussah, als gehöre er jemandem, den ich aus einem Wartezimmer kannte. Ich schlief schlecht. Um zwei Uhr siebzehn wachte ich auf. Das Zimmer war still. Zu still. Das Handy lag neben mir, schwarz und stumm. Ich griff trotzdem danach, noch bevor es vibrierte. Diesmal erschrak ich nicht über die Nachricht. Ich erschrak darüber, daß ein Teil von mir schon mit ihr gerechnet hatte. Morgen um neunzehn klingelt es. Öffne nicht sofort. Das war der Moment, in dem aus Irritation etwas anderes wurde, nicht Angst, noch nicht. Eher dieser unangenehme Riss im Inneren, wenn zwei Erklärungen gleichzeitig möglich sind und beide schlecht wirken. Entweder spielte jemand ein krankes Spiel mit mir, oder ich selbst war an etwas beteiligt, an das ich mich nicht erinnerte. Ich überprüfte alles: Kontozugänge, App-Berechtigungen, verknüpfte Geräte, alte Backups, nichts Auffälliges. Mein Provider sah keine zweite SIM. Meine Cloud war sauber. Niemand hatte sich eingelockt. Ich war allein mit einer Sache, die sich zu ordentlich verhielt, um ein Fehler zu sein. Am nächsten Tag verließ ich die Wohnung nicht. Ich arbeitete kaum. Ich räumte Schubladen aus, durchsuchte Kartons, wischte sogar hinter dem Schrank entlang, obwohl ich nicht sagen konnte, wonach ich suchte. Am späten Nachmittag fand ich in einer Metallkiste einen Schlüssel, den ich nicht zuordnen konnte. Klein, Messingfarben, ohne Anhänger. Ich hätte geschworen, ihn noch nie gesehen zu haben. Um 19.14 Uhr klingelte es. Nicht laut, nur einmal, kurz. Ich blieb sitzen. Eine Minute verging, vielleicht zwei. Dann kam keine zweite Klingel, sondern ein Klopfen. Drei Schläge. Ruhig, als wüßte die Person draußen, dass ich da war und gerade entschied, ob ich feige oder vernünftig war. Ich ging zur Tür und sah durch den Spion. Niemand, nur der schmale Flur, der Läufer, das matte Licht, der Aufzug am Ende. Ich wartete, öffnete noch immer nicht. Als ich schließlich doch aufschloss, lag vor der Tür nichts außer einem schmalen, ungefalteten Blatt Papier. Darauf stand in meiner Handschrift. Du wirst gleich denken, dass du diese Schrift nachgemacht findest. Tu es nicht. Geh ins Kellerarchiv. Fach 27. Nimm nur die blaue Mappe. Meine Hände wurden weich, nicht zittrig, weich. Als wären die Knochen für einen Moment aus ihnen verschwunden. Ich sah das Blatt an, drehte es um, hielt es gegen das Licht. Kein Name, keine Spur, nur meine Schrift, nicht ähnlich, nicht fast. Meine Schrift, wenn ich schnell schreibe und das letzte Wort vergesse, sauber zu setzen. Ich hatte nie ein Kellerfach. Zumindest dachte ich das. Im Hausflur hing die Liste mit den Mietparteien und den Zusatzfächern. Neben meiner Wohnung stand tatsächlich eine kleine, verblichene Nummer. 27. Ich war seit fast vier Jahren in dieser Wohnung. Ich hatte dieses Schild nie bewusst wahrgenommen. Im Keller roch es nach Staub und Beton. Das Neonlicht flackerte beim Einschalten. Fach 27 war verschlossen. Der kleine Messingsschlüssel passte. Darin lag nur eine Mappe, blau, nichts sonst, kein Staubfilm, keine alten Unterlagen, kein Gerümpel, das man vergessen konnte. Nur diese Mappe, so sauber, als hätte sie jemand heute Morgen hineingelegt. Ich nahm sie mit hoch. Auf dem Weg in die Wohnung hatte ich das absurde Gefühl, beobachtet zu werden, nicht von einem Menschen, eher von einer Version des Hauses, die bereits wusste, wie sich meine Schritte in den nächsten Minuten anhören würden. In der Mappe lagen Ausdrucke. Ein Teil waren E-Mails, die ich nie geschrieben hatte. Ein anderer Teil waren Notizen über Tage, die noch nicht passiert waren, keine spektakulären Dinge, Kleinigkeiten, dass ich am Donnerstag die Milch verschütten würde, dass mich meine Schwester am Samstag um elf Uhr 32 Uhr anrufen würde, obwohl wir sonst nie am Vormittag telefonierten, dass im Bürochat am Montag ein Kollege das Wort irrtümlich falsch schreiben würde, so wie immer, nur dass dieser Montag noch in der Zukunft lag. Dazwischen lagen Seiten, die schlimmer waren, nicht wegen des Inhalts, wegen der Präzision. Da stand, welche Tasse mir morgen früh aus der Hand rutschen würde, nicht ob, welche. Da stand, wie oft ich versuchen würde, den Chat mit meiner eigenen Nummer zu exportieren. Viermal. Da stand sogar, in welcher Reihenfolge ich beginnen würde, an meinem Gedächtnis zu zweifeln. Erst Schlafmangel, dann Stress, dann ein unbemerkter Blackout. Dann etwas, das du niemandem erzählst. Der Satz machte mich starr. Etwas, das du niemandem erzählst. Ich blätterte weiter und merkte plötzlich, dass einige Seiten handschriftlich ergänzt waren, mit Korrekturen, durchgestrichene Uhrzeiten, neue Formulierungen, kleine Verschiebungen, als hätte jemand dasselbe Geschehen mehrfach dokumentiert und jedes Mal genauer getroffen. Am unteren Rand einer Seite stand Du glaubst immer noch, dass die Nachricht der Anfang war. Das ist der Fehler. Ich setzte mich und versuchte, mich an irgendetwas zu erinnern, das davor lag, nicht an die Nachricht, an ein Gefühl, einen Gedanken, einen Entschluss, irgendetwas, das ich verdrängt haben könnte. Aber je mehr ich suchte, desto stärker bekam ich den Eindruck, dass in meinem Kopf nicht einfach eine Lücke war, sondern eine sauber ausgeschnittene Stelle. Ich rief meine Schwester an, noch bevor ich darüber nachdenken konnte. Sie ging nicht ran. Drei Minuten später rief sie zurück. Um elf Uhr 32 Uhr hätte in diesem Moment auf einem Blatt vor mir gestanden. Ich schaute nicht nach. Ich wollte es nicht wissen. Wir sprachen nur kurz, belanglos, ihre Stimme klang normal. Trotzdem hörte ich bei jedem zweiten Satz auf den Hintergrund, als müsste dort etwas sein, das mir beweisen konnte, dass die Welt noch zufällig funktionierte. In der Nacht kam keine Nachricht, das war schlimmer. Ich lag wach und wartete. Auf Vibration, auf Licht. Auf zwei Uhr siebzehn. Als die Uhr darüber hinwegging und nichts kam, fühlte ich zum ersten Mal echte Panik. Nicht weil etwas passiert war, sondern weil etwas Erwartetes ausblieb. Als hätte ich mich bereits an eine Führung gewöhnt, die ich nie gewollt hatte. Am Morgen war auf meinem Küchentisch ein neues Blatt. Ich hatte die Wohnung abgeschlossen. Zweimal. Trotzdem lag es da, sauber ausgerichtet neben der Obstschale. Heute wirst du beschließen, die Mappe zu verbrennen. Tue es nicht. Darunter, Kleiner, beim dritten Durchgang hast du es getan. Ich las den Satz fünfmal, nicht wegen des Wortes Durchgang, wegen des Tons. Er klang nicht dramatisch, nicht drohend, eher müde, so wie man sich selbst etwas hinschreibt, das man schon zu oft erklären musste. Ich brachte die Mappe ins Bad und wollte sie ins Waschbecken werfen, nur um endlich wieder selbst eine Handlung zu setzen, die nicht angekündigt worden war. Doch noch bevor ich den Wasserhahn aufdrehte, sah ich im Spiegel etwas hinter mir. Keine Gestalt, keinen Schatten, nur die Wand über dem Flurregal, auf der sonst nichts hing. Im Spiegel klebte dort ein gelber Zettel. In der wirklichen Wohnung war die Wand leer. Ich drehte mich um. Leer. Ich sah zurück in den Spiegel. Der Zettel war wieder da. Darauf stand nur ein Datum. Morgen! Dann flackerte das Bild kurz, ganz leicht, als hätte der Spiegel einen Atemzug gemacht. Der Zettel war weg. Ich stand allein da, die blaue Mappe in der Hand, und wußte plötzlich, warum ich beim ersten Mal nicht in den Spiegel hatte schauen sollen. Nicht, weil dort etwas auf mich wartete, sondern weil er manchmal voraus war. Von da an begann alles weich zu werden, nicht die Möbel, nicht die Wände, eher die Abstände zwischen den Dingen. Zeit fühlte sich an wie Stoff, den jemand heimlich an einer Seite zog. Nachrichten erschienen, bevor ich das Handy berührte. Gedanken klangen wie Erinnerungen, Erinnerungen wie Proben. Am Abend nahm ich die letzte Seite der Mappe aus der Hülle. Sie war leer, bis auf eine Zeile am unteren Rand. Wenn du das hier liest, bist du fast dort, wo ich war. Kein Name, keine Erklärung. Nur unter dem Satz Eine Uhrzeit. 2 Uhr 17. Ich setzte mich mit dem Handy in der Hand ins Dunkel und wartete. Als der Bildschirm aufleuchtete, noch bevor die Uhr umsprang, sah ich mein eigenes Kontaktbild, mein eigener Name. Das Eingabefeld war offen, kein empfangener Text, kein neuer Chat, nur eine bereits vorbereitete Nachricht, als hätte ich sie gleich selbst abschicken müssen. Lösch die blaue Mappe nicht. Meine Finger lagen schon auf der Tastatur. Ich kann nicht sicher sagen, ob ich sie berührt habe. Ich weiß nur noch, daß in diesem Moment ein zweites Handy vibrierte. Nicht meines, irgendwo in der Wohnung. Und daß die Antwort darauf schon unterwegs war. Sie hörten das vergessene Stockwerk. Wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat, folgen Sie dem Podcast für weitere Psycho-Thriller. Neue Episoden erscheinen regelmäßig. Eine Produktion von Gravelow Voices.