Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast

Er wusste mein Todesdatum… bis ich verstand, wer wirklich vor meiner Tür steht

Klaus Nachtschatten Season 1 Episode 15

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Ein Datum taucht immer wieder auf.

Ohne Erklärung. Ohne Absender.

Zuerst auf einem Zettel.

Dann in der eigenen Wohnung.

Dann in den eigenen Gedanken.

Sein Nachbar behauptet, es sei kein Todesdatum.

Doch je näher der Tag rückt, desto weniger stimmt die Realität.

Geräusche verändern sich.

Spiegel reagieren verzögert.

Notizen schreiben sich von selbst.

Und plötzlich stellt sich nicht mehr die Frage, wann er stirbt.

Sondern ob er überhaupt noch derselbe Mensch ist.

Eine psychologische Thriller-Geschichte über Kontrolle, Identität und die Angst, sich selbst zu verlieren.

Hör bis zum Ende.

Denn was hinter dieser Tür steht… ist vielleicht näher, als du denkst.



Was glaubst du – was ist wirklich passiert? Schreib mir.

Eine Geschichte von Klaus Nachtschatten.

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Sie hören eine Geschichte aus dem vergessenen Stockwerk, ein Ort, den es offiziell nie gegeben hat. Doch manche Menschen behaupten, dort gewesen zu sein. In der ersten Nacht hörte ich ihn nicht. Ich hörte etwas anderes. Ein leises, unregelmäßiges Kratzen hinter der Wand, als würde jemand versuchen, eine Erinnerung freizulegen. Ich hielt still, und das Geräusch hörte nicht auf. Am Morgen lag kein Zettel vor meiner Tür. Er lag auf meinem Küchentisch, sauber gefaltet, genau in der Mitte platziert, wo ich ihn nicht übersehen konnte. Der zwölfte November. Ich wusste sofort, dass ich ihn nicht dort hingelegt hatte. Nicht, weil ich mich erinnerte, sondern weil ich mich nicht erinnern konnte. Die Wohnungstür war abgeschlossen gewesen. Ich prüfte sie. Zweimal, dreimal. Alles wirkte normal, zu normal. Im Haus flur roch es nach frischer Farbe. Dabei hatte hier seit Monaten niemand renoviert. Ich ging langsamer als sonst. Als ich an seiner Tür vorbeikam, stand sie einen Spalt offen. Ich sah nur Dunkelheit dahinter und etwas, das sich ganz leicht bewegte. Als hätte jemand den Kopf zurückgezogen, genau in dem Moment, in dem ich hinsah. Ich blieb stehen. Ich weiß nicht warum. Vielleicht, weil ich sicher war, daß er wußte, dass ich stehen geblieben war. Dann schloss sich die Tür, ohne Geräusch. Ich begegnete ihm erst am Abend. Er stand im Treppenhaus, als hätte er mich erwartet, nicht direkt vor meiner Tür, ein paar Stufen darunter, genau dort, wo man jemanden nicht ausweichen kann, ohne es offensichtlich zu machen. Sie haben den Zettel gesehen, sagte er. Es war keine Frage. Ich nickte. Er sah nicht mein Gesicht an. Er sah meine Hände. Sie zittern, sagte er ruhig. Ich zog sie sofort zurück. Wer waren Sie in meiner Wohnung? Er schüttelte langsam den Kopf. Ich war nie dort. Dann hob er den Blick. Sie lassen Dinge einfach liegen. Ich verstand nicht, was er meinte. Noch nicht. In dieser Nacht begann ich alles zu notieren. Geräusche, Uhrzeiten, Gedanken. Es gab mir das Gefühl von Kontrolle. Bis ich bemerkte, dass einige Einträge nicht von mir waren. Sie standen zwischen meinen Sätzen, in meiner Handschrift, aber nicht von mir geschrieben. Ein Beispiel. Ich hatte notiert 1 Uhr 27 Uhr kratzen in der Wand. Darunter stand Nicht die Wand. Ich blätterte weiter. 2.10 Uhr. Schritte im Flur. Darunter, du hörst falsch. Ich legte den Block weg, ganz langsam, als hätte jede schnelle Bewegung etwas bestätigen können. Am nächsten Morgen war der Zettel wieder da. Der zwölfte November. Diesmal lag er im Badezimmer, auf dem Rand des Waschbeckens. Feucht, als wäre er gerade erst dorthin gelegt worden. Ich sah in den Spiegel. Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, dass mein Gesicht minimal verzögert reagierte. Nicht sichtbar, aber spürbar, als würde ich mich einen Bruchteil zu spät erkennen. Ich trat zurück. Der Zettel fiel ins Waschbecken. Ich hob ihn nicht auf. Ich ließ ihn dort liegen, wie etwas, das man nicht berühren sollte, wenn man es nicht versteht. Am Nachmittag hörte ich Stimmen im Flur. Ich legte mich auf den Boden und sah durch den Spalt unter meiner Tür. Zwei Paar Schuhe, seine dunklen. Und ein zweites Paar. Unbekannt. Sind Sie sicher? fragte die fremde Stimme. Ja, sagte mein Nachbar, diesmal bleibt es nicht stehen. Ich hielt den Atem an. Was bleibt nicht stehen, wollte ich fragen. Aber ich wusste, dass ich keine Antwort bekommen würde, die ich verstehen konnte. Am Abend ging ich zu ihm. Ich klopfte nicht. Ich wartete nur vor seiner Tür. Nach einigen Sekunden öffnete er, nicht überrascht, eher erleichtert. Sie sind früher gekommen, sagte er. Was meinen Sie damit? Er sah mich lange an, dann sagte er. Sie kommen jedes Mal später. Mir wurde kalt. Ich war noch nie hier. Doch, sagte er ruhig, nur nicht so. Ich spürte, wie sich etwas in meinem Kopf verschob, wie ein Gedanke, der sich weigert, zu Ende gedacht zu werden. Ich ging einfach hinein. Seine Wohnung war leerer als meine, kaum Möbel, kaum Spuren von Leben, nur ein Tisch, darauf ein Stapelpapier. Ich erkannte sofort die Handschrift Meine. Ich trat näher. Es waren Saiten aus meinem Block, zerrissen, neu geordnet, nicht chronologisch, sondern verbessert. Sätze waren ergänzt, andere gestrichen, und zwischen ihnen standen Dinge, die ich nie geschrieben hatte. Heute hat er es fast verstanden, nicht genug. Noch nicht. Ich sah ihn an. Was ist das? Er antwortete nicht sofort. Er schob nur eine Seite nach vorne. Darauf stand ein Datum, der zwölfte November. Und darunter, dies ist nicht dein Todesdatum. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. Dann was? Er lächelte nicht. Es ist der Punkt, an dem du aufhörst, die richtige Version von dir zu sein. Ich wich einen Schritt zurück. Das ergibt keinen Sinn. Doch, sagte er leise, nur nicht für dich. Noch nicht. Ich ging rückwärts zur Tür. Er ließ mich gehen. Als ich wieder in meiner Wohnung war, wußte ich nicht mehr, was real war. Nicht wirklich. Die Geräusche klangen anders. Die Räume fühlten sich leicht verschoben an, als hätten sie ihre Position minimal verändert. Ich setzte mich an den Tisch. Der Zettel lag wieder da, trocken, unberührt. Ich nahm ihn diesmal. Ich wollte ihn zerreißen. Aber ich konnte nicht. Meine Hände gehorchten nicht sofort. Als würden sie erst prüfen, ob diese Version von mir das darf. In der Nacht klingelte mein Telefon, unbekannte Nummer. Ich nahm ab. Ich hörte meine eigene Stimme. Ruhig, klar. Du bist nicht der Erste, der das hört. Ich sagte nichts. Wenn er dir sagt, dass es kein Todesdatum ist, glaub ihm nicht. Warum? Weil du jedes Mal denselben Fehler machst. Welchen Fehler? Zu glauben, dass du noch entscheiden kannst. Die Verbindung brach ab. Ich blieb sitzen, stundenlang. Am nächsten Morgen war der Block verschwunden. Nicht weg. Er lag bei meinem Nachbarn. Ich wusste es, bevor ich nachgesehen hatte. Ich ging nicht mehr hin. Ich wollte ihn nicht sehen, nicht hören. Ich verbrachte den Tag damit, nichts zu tun, einfach nur zu warten, als würde etwas ohnehin kommen. Am Abend hörte ich Schritte im Flur, langsam, vertraut. Sie stoppten vor meiner Tür, dann ein leises Klopfen. Dreimal, genau wie in der ersten Nacht. Ich ging nicht zur Tür, ich blieb sitzen. Mein Blick fiel auf den Spiegel im Flur. Für einen Moment sah ich dort jemanden stehen. Nicht ganz ich, nicht ganz fremd. Er sah mich an und schüttelte ganz leicht den Kopf. Dann klingelte es erneut, diesmal länger. Ich stand auf, langsam, nicht weil ich wollte, sondern weil es sich anfühlte, als hätte ich es schon getan. Meine Hand lag auf der Klinke. Ich erinnerte mich an die Stimme am Telefon. Du kannst nicht mehr entscheiden. Ich öffnete die Tür nicht. Ich blieb einfach stehen und wartete. Die Schritte draußen bewegten sich nicht. Keine Bewegung, kein Geräusch, nur Präsenz. Nach einer Weile hörte ich eine zweite Bewegung hinter mir, ganz nah. Ich drehte mich langsam um und sah, dass die Wohnungstür bereits offen war, nicht nach außen, nach innen, ein paar Zentimeter genug, genug, um zu sehen, dass jemand schon eingetreten war. Und ich verstand plötzlich, warum mein Nachbar mein Todesdatum kannte, weil er nicht darauf wartete, dass ich die Tür öffne, sondern darauf, dass ich merke, dass ich sie nie geschlossen habe. Sie hörten das vergessene Stockwerk. Wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat, folgen Sie dem Podcast für weitere Psychothriller. Neue Episoden erscheinen regelmäßig. Eine Produktion von Gravelow Voices.