Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast
Psychologische Thriller-Geschichten, die unter die Haut gehen.
Dieser Podcast entführt dich in dunkle Welten voller Geheimnisse, vergessener Orte und verstörender Wahrheiten. Jede Episode ist eine eigenständige, intensive Hörgeschichte – kalt, minimalistisch und mit einem verstörenden, offenen Ende.
Perfekt für Fans von:
Psychologischer Thriller,
Horror-Geschichten,
mysteriöse Podcasts,
Dunkle Erzählungen und urbane Legenden.
Neue Folgen erscheinen regelmäßig.
Setz dich. Hör zu. Und frag dich danach, ob du wirklich allein bist.
Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast
Die verlassene Wohnung hat mich angerufen… und meine Stimme benutzt
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Ich dachte, die Wohnung wäre seit Jahren leer.
Keine Möbel. Kein Strom. Kein Anschluss.
Und trotzdem klingelte mein Telefon.
Die Nummer gehörte mir.
Oder besser gesagt… meinem alten Leben.
Zuerst war es nur ein Geräusch.
Dann mein eigener Atem.
Und schließlich… meine Stimme.
Diese Geschichte ist kein klassischer Horror.
Es gibt keine Antworten.
Nur eine Frage:
Was passiert, wenn du selbst derjenige wirst, der anruft?
Was glaubst du – was ist wirklich passiert? Schreib mir.
Eine Geschichte von Klaus Nachtschatten.
Sie hören eine Geschichte aus dem vergessenen Stockwerk, ein Ort, den es offiziell nie gegeben hat. Doch manche Menschen behaupten, dort gewesen zu sein. Beim ersten Klingeln dachte ich, es sei ein Irrtum. Beim zweiten wußte ich, daß etwas nicht stimmte. Auf meinem Display stand die Nummer meiner alten Wohnung, dieselbe Festnetznummer, die seit Jahren abgeschaltet war, dieselbe Wohnung im dritten Stock, deren Briefkasten längst versiegelt war. Ich starrte auf das leuchtende Rechteck in meiner Hand, bis das Klingeln verstummte. Eine Minute später rief dieselbe Nummer wieder an. Ich nahm nicht sofort ab. Ich hörte erst dieses leise knistern, das sich in die Leitung drückte, noch bevor ich das Telefon ans Ohr hob. Kein normales Rauschen, eher wie Stoff, der an einer Wand entlangstreift. Dann atmete jemand. Nicht tief, nicht hektisch, eher vorsichtig. Als wolle man prüfen, ob ich noch dieselbe Stimme hatte wie früher. Ich sagte nichts. Am anderen Ende sagte auch niemand etwas, nur dieses schwache Geräusch. Ein fernes Ticken vielleicht, oder tropfendes Wasser. Dann ein Satz, sehr leise, fast verschluckt. Du bist noch nicht gegangen. Die Leitung brach ab. Ich blieb mit dem Telefon in der Hand in meiner Küche stehen und wartete auf die übliche Erleichterung, die nach einem erklärbaren Schreck einsetzt. Sie kam nicht. Stattdessen schaute ich zur Uhr. Viertel nach neun. Draußen fuhr eine Tramm vorbei. Jemand lachte auf der Straße. Alles wirkte lächerlich normal. Ich suchte die Nummer in meinen alten Kontakten. Sie war noch gespeichert, Unterwohnung Balanstraße. Ich hatte sie nie gelöscht, wahrscheinlich aus Trägheit. Oder weil ich nie ganz verstanden hatte, warum ich dort damals so plötzlich weg musste. Offiziell war es Schimmel, ein Wasserschaden und ein Streit mit der Hausverwaltung. So hatte ich es allen erzählt. In Wahrheit erinnere ich mich vor allem an die Anrufe, nicht viele, nur drei in jenem letzten Monat. Immer dann, wenn ich allein war, immer aus dem eigenen Festnetz, immer ohne erkennbare Stimme am Anfang. Beim ersten Mal hörte ich nur mein eigenes Atmen. Beim zweiten Mal fragte mich eine Frau, ob ich schon im Schlafzimmer gewesen sei. Beim dritten Mal legte ich auf, bevor sie etwas sagen konnte. Zwei Tage später zog ich aus. Ich rief zurück. Es kam sofort die Bandansage, dass diese Nummer nicht vergeben sei. Ich legte auf und rief erneut an. Dasselbe. Keine Verbindung, kein Anschluss. Mein erster klarer Gedanke war banal. Vielleicht hatte jemand die Nummer neu bekommen. Vielleicht gab es eine technische Überschneidung. Vielleicht war das Ganze weniger unheimlich als peinlich. Dann vibrierte mein Telefon. Eine Sprachmitteilung unbekannter Absender. Die Datei dauerte zwölf Sekunden. Zuerst hörte ich nichts, dann ein Knacken. Drei schnelle Schritte auf altem Parkett. Danach meine eigene Stimme. Nicht ähnlich meine Stimme. Ich sagte, Bleib nicht im Flur stehen. Dann ein zweiter Satz. Leiser. Sonst sieht sie dich. Die Aufnahme endete. Ich spielte sie noch einmal ab und noch einmal. Mit jeder Wiederholung wurde das Blut in meinen Armen kälter. Ich kannte den Satz nicht. Ich erinnerte mich nicht daran, ihn je gesagt zu haben, aber ich kannte den Tonfall. Dieses angespannte Flüstern, mit dem man nur dann spricht, wenn man nicht allein sein will. Ich öffnete den alten E-Mail-Verlauf mit der Hausverwaltung. Die Wohnung stand seit über sechs Jahren leer, Eigentümerwechsel, Umbau gestoppt, das Stockwerk gesperrt. Ich fand ein altes PDF mit Fotos, abgeklebte Türen, staubige Geländer, ein Flur, der auf jedem Bildschmaler wirkte. Ich vergrößerte eines der Fotos. Meine Wohnungstür war zu sehen. Rechts daneben die kleine Messingplatte mit der Nummer 7. Sie hing nach links. Auf dem Foto hing sie nach recht. Ich zoomte weiter hinein. Unter dem Türspion steckte ein weißer Zettel. Ich war sicher, dass er auf älteren Fotos nie dagewesen war. Am nächsten Vormittag fuhr ich hin. Schon im Treppenhaus roch es nicht nach Verfall, eher nach trockener Heizungsluft, zu sauber, zu still. Ein renoviertes Schweigen. Niemand hielt mich auf. Im dritten Stock blieb ich stehen. Der Flur war heller als früher. Frische Wände, neue Lampen. Aber meine alte Tür war noch da. Dieselbe stumpfe Oberfläche, dieselbe schiefe Sieben. Und unter dem Türspion steckte tatsächlich ein Zettel. Er war nicht alt, darauf stand nur ein Satz. Du hast den ersten Anruf ignoriert. Ich sah mich um, der Flur blieb reglos. Von unten klapperte Geschirr. Aus keiner anderen Wohnung kam ein Laut. Ich berührte die Klinke. Abgeschlossen. Natürlich. Ich nahm den Zettel mit. Im Treppenhaus las ich ihn noch einmal. Die Handschrift kam mir fremd vor, fast absichtlich neutral. Aber das Wort Hast blieb an mir hängen. Ich rief einen alten Nachbarn an. Ja, sagte er, an sie erinnere ich mich. Sie sind der mit den nächtlichen Telefonaten. Er erzählte es von selbst. Mehrere Mieter hätten sich beschwert, nicht über Lärm, über Gespräche. Man habe nachts oft eine Stimme im dritten Stock gehört, eine Männerstimme, die immer leiser wurde, je näher man ihr kam. Warum haben Sie mir das nie gesagt? Sie haben ja selbst so getan, als wüssten Sie es. Ich fragte, ob nach mir noch jemand dort gewohnt habe. Nein, sagte er, jedenfalls nicht offiziell. Aber einmal habe Licht gebrannt im Schlafzimmer. Nur für wenige Minuten. Ich legte auf. Dann fiel mir etwas auf. Die Schrift auf dem Zettel war leicht nach links geneigt, wie meine. Zu Hause suchte ich in alten Kartons. Ganz unten fand ich einen kleinen Anrufbeantworter. Schwarz, staubig. Ich erinnerte mich plötzlich genau daran. In meiner letzten Nacht hatte er neben dem Bett gelegen. Ich lud das Gerät auf. Drei gespeicherte Nachrichten. Die erste begann mit einem Summen. Dann hörte ich mich selbst sagen, Ich bin jetzt im Flur. Wenn das wieder du bist, hör auf. Dann ein Knacken, dann dieselbe Frauenstimme. Ich rufe nicht an, solange du noch drin bist. Die zweite Nachricht war kürzer. Drei Schritte, dann meine Stimme. Ich flüstere. Sie steht schon im Schlafzimmer. Ich erstarrte. Ich hatte diesen Satz nie gehört. Die dritte Nachricht war vom Datum meines Auszugs. Zuerst Schritte, dann meine Stimme. Deutlich. Wenn ich morgen weg bin, ruft sie nicht mehr an. Eine Pause, dann die Antwort. Sie ruft nicht dich an, sie wartet, bis du es bist. Ich hörte die Nachricht wieder und wieder. Dann verstand ich, was daran falsch war. Der Hintergrund, kein Echo, kein großes Zimmer, zu gedämpft, zu eng. Ich ging in meinen Abstellraum, da war es, derselbe Klang. Ich stand zwischen Kisten und Jacken und begriff langsam, dass ich diese Nachricht nie in der alten Wohnung aufgenommen hatte, sondern hier, in meiner jetzigen, in dieser Nacht schlief ich nicht. Kurz vor vier klingelte mein Telefon erneut. Diesmal nahm ich sofort ab, niemand sprach. Dann hörte ich hinter mir ein Geräusch, nicht aus dem Telefon, aus meiner Wohnung. Ein leises, metallisches Klicken, als würde eine Türfalle zurückspringen. Ich drehte mich nicht um. Am anderen Ende begann jemand zu gehen, langsame Schritte, dann näher, dann direkt vor dem Mikrofon. Ich flüsterte. Wer ist da? Die Antwort kam sofort. Wenn du dich diesmal umdrehst, bleibst du. Mein Blick blieb auf der dunklen Wand vor mir. Mein Telefon glitt mir aus der Hand. Die Verbindung lief weiter. Dann hörte ich etwas, das nicht aus der Leitung kam. Hinter mir, ganz nah, meine eigene Stimme. Leise, ruhig. Ich bin jetzt im Flur. Dann eine Pause, so wie auf der ersten Aufnahme. Ich drehte mich nicht um. Ich wartete. Ich weiß nicht, wie lange. Als ich schließlich aufstand, war es still. Alles war still. Bis ich meine Wohnungstür öffnete. Innen auf dem Boden lag ein frischer Zettel, sauber hingeschoben. In meiner Handschrift stand darauf ein neuer Satz. Diesmal hast du lange genug gewartet und darunter kleiner geschrieben. Jetzt kannst du endlich anrufen. Sie hörten das vergessene Stockwerk. Wenn ihnen diese Geschichte gefallen hat, folgen Sie dem Podcast für weitere Psychothriller. Neue Episoden erscheinen regelmäßig. Eine Produktion von Gravelow Voices.