Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast
Psychologische Thriller-Geschichten, die unter die Haut gehen.
Dieser Podcast entführt dich in dunkle Welten voller Geheimnisse, vergessener Orte und verstörender Wahrheiten. Jede Episode ist eine eigenständige, intensive Hörgeschichte – kalt, minimalistisch und mit einem verstörenden, offenen Ende.
Perfekt für Fans von:
Psychologischer Thriller,
Horror-Geschichten,
mysteriöse Podcasts,
Dunkle Erzählungen und urbane Legenden.
Neue Folgen erscheinen regelmäßig.
Setz dich. Hör zu. Und frag dich danach, ob du wirklich allein bist.
Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast
Du wohnst hier nicht. Aber jemand klingelt.
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Mitten in der Nacht klingelt es an seiner Tür.
Kein Nachbar. Kein Geräusch im Haus. Nur Schritte, die nie enden.
Im Treppenhaus scheint alles normal. Sechs Wohnungen. Sechs Briefkästen.
Und doch taucht ein siebter auf.
Ein Name, den niemand kennt.
Ein Bewohner, der nicht existiert.
Als die Geräusche immer näher kommen, beginnt sich etwas zu verändern.
Nicht im Haus. Sondern in ihm.
Und irgendwann bleibt nur noch eine Frage:
Was, wenn er nie allein war?
Was glaubst du – was ist wirklich passiert? Schreib mir.
Eine Geschichte von Klaus Nachtschatten.
Sie hören eine Geschichte aus dem vergessenen Stockwerk, ein Ort, den es offiziell nie gegeben hat. Doch manche Menschen behaupten, dort gewesen zu sein. Als ich in den dritten Stock kam, stand die Tür zum Treppenhaus offen, nicht angelehnt, nicht halb geschlossen. Ganz offen, als hätte jemand sie für mich aufgehalten. Dabei war ich allein im Flur, das wusste ich, weil ich unten niemandem begegnet war und oben nie jemand wartete. Ich blieb stehen und hörte hin. Kein Radio, kein Besteck, kein Fernseher, nur dieses matte Summen der Hausbeleuchtung, das sonst nie auffiel, und irgendwo zwischen den Stockwerken ein Atemzug, zu langsam für Eile, zu ruhig für Zufall. Ich sagte mir, es sei der Luftzug. Dann sah ich den Schatten an der Wand. Kein ganzer Körper. Nur eine Bewegung, knapp über dem Geländer, als wäre jemand eben weiter nach oben gegangen. Ich trat zur Treppe, schnell genug, um ihn noch zu sehen. Da war niemand. Ich wohne seit vier Jahren in diesem Haus. Altbau, fünf Etagen, schmale Stufen, hell gestrichene Wände, die jedes Geräusch speichern. Man lernt hier mit der Zeit alles. Wer nachts hustet, wer sonntagsbohrt, wer auf dem Absatz telefoniert, weil es in der Wohnung Streit gibt. Man lernt auch, wie viele Menschen hier leben, sechs Parteien. Ich kannte ihre Namen nicht alle, aber ihre Gewohnheiten. Die Frau mit den roten Gummistiefeln im Erdgeschoss, das ältere Paar im zweiten Stock, der Student im Dachgeschoss, der nachts Pasta kochte, ich im dritten, gegenüber eine Wohnung, die seit Monaten leer stand. Genau deshalb störte mich das Geräusch am nächsten Abend. Ich kam später nach Hause, kurz nach zehn. Als ich den Schlüssel ins Schloss steckte, hörte ich oben Schritte. Langsam, nicht schwer, eher tastend. So, als suche jemand im Dunkeln den nächsten Tritt. Sie stoppten direkt über mir. Ich wartete. Niemand ging weiter. Ich schloss die Tür wieder auf und trat noch einmal hinaus. Das Licht im Treppenhaus flackerte kurz. Eine Sekunde nur. In diesem Moment war ich sicher, dass am Geländer jemand stand. Als das Licht zurückkam, war da nur die Wand. In der Nacht schlief ich schlecht, nicht aus Angst, eher aus Ärger. Häuser machen Geräusche, Menschen auch. Aber mein Kopf blieb an dieser Pause hängen, an dem Stillstand genau über meiner Tür, als hätte jemand gewartet, bis ich drinnen war. Am Morgen fand ich einen feuchten Abdruck auf meiner Fußmatte. Kein Schuh, keine Form, nur eine dunkle, unregelmäßige Spur, als hätte etwas Nasses dort kurz geruht. Ich wischte sie weg. Dabei fiel mir auf, daß auch das Geländer vor meiner Wohnung feucht war, nicht überall, nur auf einem Abschnitt, ungefähr dort, wo man sich im Vorbeigehen festhalten würde. Es roch leicht metallisch. An dem Tag fragte ich unten die Frau mit den Gummistiefeln, ob jemand Neues eingezogen sei. Sie sah mich an, als hätte ich eine Frage zu einem Traum gestellt. Hier zieht keiner ein, sagte sie, hier zieht man aus. Dann lächelte sie kurz, fast entschuldigend, und schleppte ihren Einkauf weiter. Es war kein unfreundliches Lächeln, eher das eines Menschen, der etwas abtut, weil es sonst zu viel Raum bekäme. Am Abend nahm ich den Müll mit runter. Unten im Eingangsbereich hängen die Briefkästen. Sechs Stück, einer pro Wohnung. Ich sah sie mir an, vielleicht gründlicher als nötig. Zwei Namen fehlten bereits, weil die Wohnungen leer standen. Einer der Kästen war überklebt, ohne Schild, ohne Nummer, als hätte jemand vergessen, dass dort einmal Post ankam. Ich hatte diesen Kasten nie bewusst bemerkt. Er war schmaler als die anderen. Das Unsinnige daran traf mich erst eine Minute später. Es gab im Haus gar keine siebte Wohnung. Ich ging die Stufen wieder hinauf und zählte unterwegs die Türen. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs. Mehr nicht. Trotzdem stand unten ein zusätzlicher Briefkasten, nicht neumontiert, nicht provisorisch, alt, lackiert wie alle anderen, als hätte er immer dazugehört. In der nächsten Nacht hörte ich das erste Mal das Klopfen. Nicht an meiner Wohnung. Im Treppenhaus. Drei kurze Schläge, eine Pause, dann zwei weitere, leise, aber präzise, als würde jemand mit den Fingerknöcheln gegen Holz tippen. Ich lag wach und zählte mit, bevor ich überhaupt verstand, was ich da tat. Drei Pause, zwei, danach Stille. Am nächsten Morgen öffnete ich meine Tür und sah auf der gegenüberliegenden Wand, knapp über dem Lichtschalter, einen schmalen, grauen Strich, darunter noch einen und darunter noch einen, fünf insgesamt, sauber nebeneinander, als hätte jemand mit einer stumpfen Klinge Markierungen in den Putz gedrückt. Drei oben, zwei unten. Ich sagte niemandem etwas, nicht aus Scham, eher weil ich selbst nicht wusste, was ich behaupten sollte, dass mich ein Briefkasten nervös machte, dass Schritte auf einer Treppe schlimmer wirkten, wenn niemand erschien. Das klingt schon im eigenen Kopf unerquicklich. Also begann ich zu beobachten. Ich stellte meine Arbeit früher ein, hörte abends nicht mehr mit Kopfhörern Musik, ließ die Wohnungstür manchmal einen Spalt offen, wenn ich kochte. Ich wollte nur wissen, wer dort stand. Mehr nicht. Nach zwei Tagen wußte ich etwas anderes. Die Geräusche kamen nie, wenn jemand anderes im Haus unterwegs war. Sobald unten eine Tür ging oder oben Wasser lief, blieb das Treppenhaus harmlos. Nur in diesen leeren Zwischenzeiten begann es. Schritte, die nirgends endeten, ein Atemzug zwischen den Etagen, das Klopfen, manchmal das leise Schleifen von Stoff an der Wand. Es war, als würde jemand den Moment abpassen, in dem nur ich übrig blieb. In der Mitte der Woche fand ich im Keller den alten Reinigungsplan des Hauses. Er hing hinter der Waschmaschine, vergilbt, mit Namen aus den letzten Jahren. Ich weiß nicht, warum ich ihn hervorzog. Vielleicht, weil ich etwas Greifbares brauchte, etwas Dummes. Eine Erklärung, die nach Papier roch und nicht nach Nerven. Ganz unten standen frühere Bewohner. Einige Namen waren durchgestrichen, einer nicht. Elias Dorn, vierter Stock links. Ich starrte lange auf die Zeile. Im vierten Stock links wohnte das ältere Paar, schon seit Jahren. Davor hatte dort niemand gewohnt, soweit ich wusste, und doch stand der Name da, nicht alt genug für Nachkriegsreste, nicht neu genug für einen Irrtum, mit Kugelschreiber, mit Datum, vor drei Jahren. Neben dem Namen stand eine Bemerkung in anderer Handschrift. Nie öffnen, wenn er wieder klingelt. Ich lachte kurz auf. Nicht weil es lustig war, eher weil der Satz so unerquicklich konkret wirkte, dass mein Kopf ihn sofort abwehrte. Jemand hatte sich einen schlechten Scherz erlaubt. Mußte so sein. Alles andere wäre lächerlich. Ich nahm ein Foto davon auf und ging hoch. Im vierten Stock roch es nach Bonawachs. Die Tür links stand einen Spalt offen. Ich klingelte trotzdem. Das ältere Paar machte nicht auf. Ich hörte Stimmen im Inneren, dann Schweigen, dann den Schlüssel, der langsam gedreht wurde. Der Mann sah mich nur einen Moment an. Als ich den Namen nannte, veränderte sich sein Gesicht nicht sofort. Es wurde erst leer, dann vorsichtig, dann müde. Da wohnt niemand, sagte er. Hat da jemand gewohnt? Er antwortete nicht. Neben ihm erschien seine Frau. Sie trug eine Strickjacke und hielt sich am Türrahmen fest, als brauche sie Halt. Als sie das Foto auf meinem Handy sah, wich alle Farbe aus ihrem Gesicht. Wo haben Sie das gefunden? fragte sie. Im Keller. Sie sah ihren Mann an. Er nahm ihr das Handy aus der Hand, betrachtete das Bild, dann gab er es wortlos zurück. Seine Finger zitterten leicht. Reißen Sie das ab, sagte er, alles, was unten noch hängt. Und wenn es klopft, machen Sie nicht auf. Warum? Weil man sich sonst erinnert. Damit schloss er die Tür. Die nächsten Stunden verbrachte ich nicht ruhig. Ich räumte mechanisch Dinge von einem Regal ins andere, schaltete den Fernseher ein, wieder aus, las denselben Satz auf meinem Handy siebenmal, nie öffnen, wenn er wieder klingelt. Ich fragte mich, was schlimmer war, daß jemand im Haus verrückt geworden war, oder daß alle anderen längst wußten, wovon die Rede war. Kurz vor Mitternacht klingelte es. Einmal, nicht laut, nicht lang. Eine höfliche Berührung der Glocke. Ich stand sofort still. Mein Blick ging zur Tür, bevor ich überhaupt entschieden hatte, mich zu bewegen. Dann kam das Klopfen. Drei, Pause, zwei. Es war direkt vor meiner Wohnung. Ich trat nicht näher. Ich blieb mitten im Flur stehen und starrte auf die Tür, während in meinem Kopf tausend harmlose Möglichkeiten gegeneinander anrannten und jede verlor. Falsche Wohnung, betrunkener Nachbar, schlechter Scherz, jemand mit Zwang, jemand mit Demenz. Dann hörte ich etwas, das keine Erklärung zuließ. Meine eigene Stimme, leise, gedämpft. Direkt hinter der Tür. Nicht ein Wort, nur mein Atmen. So wie ich atme, wenn ich mich konzentriere. Zu kurz durch die Nase, dann stockend aus dem Mund. Ich habe das nie bewusst bemerkt. Aber ich erkannte es sofort. Ich ging einen Schritt zurück. Draußen bewegte sich nichts mehr. Trotzdem war da jemand. Das spürte man an dieser Form von Stille, die nicht leer ist, sondern wartet. Ich öffnete nicht. Nach einer Minute hörte ich langsame Schritte, die die Treppe hinuntergingen. Nicht eilig, nicht enttäuscht, als wäre nur eine Gewohnheit erledigt worden. Am Morgen stand meine Wohnungstür offen, nicht weit, nur fingerbreit. Der Schlüssel steckte innen. Ich wusste noch genau, dass ich abgeschlossen hatte. Ich tue das immer, zweimal sogar seit Jahren, ohne nachzudenken. Der Flurroch feucht. Am unteren Rand der Tür klebte ein Streifen Papier. Vergilbt, schmal, offenbar aus einem Heft gerissen. Darauf stand in gedrängter Handschrift nur ein Satz. Du warst schon weiter. Ich ging damit zu den Briefkästen. Ich weiß nicht warum. Vielleicht, weil mein Kopf inzwischen nur noch in Kreisen dachte und etwas suchte, das dieser Satz greifen konnte. Der zusätzliche Kasten war offen. Er hing nicht mehr verschlossen zwischen den anderen, sondern stand einen Spalt auf, als hätte ihn jemand gerade benutzt. Innen lag kein Brief, nur ein zusammengefalteter Zettel. Ich zog ihn heraus. Es war ein Auszug aus dem Einwohnermeldeamt. Verblasst, amtlich, echt genug, um den Boden unter allem weich zu machen. Name Elias Dorn. Adresse. Vierter Stock, links. Status Abgemeldet, verstorben. Und darunter fiel später hinzugefügt, mit anderer Tinte, neue Adresse, dritter Stock. Ich stand lange im Hausflur und merkte erst spät, dass ich die Stufen über mir ansah. Zu meiner Wohnungstür führte keine einzige. Das ist Unsinn, dachte ich sofort. Natürlich führten sie dorthin. Ich war sie eben noch hinuntergegangen. Trotzdem wirkte der Absatz zwischen dem zweiten und dritten Stock plötzlich falsch, zu eng, zu kurz. Als fehle ein halber Abschnitt, als hätte das Haus eine Etage vergessen und sie notdürftig zusammengedrückt. Ich ging langsam hoch. Auf Höhe des zweiten Stocks blieb ich stehen. Die Wand rechts vom Geländer war voller alter Farbschichten. Dort, wo man achtlos vorbeisah, erkannte ich unter dem letzten Anstrich eine Kontur. Rechteckig, verputzt, zugemacht. Eine Tür, nicht groß, eher schmal. Genau dort, wo zwischen den Etagen gar keine Wohnung sein konnte. Meine Hände wurden kalt. Ich legte die Finger an die Stelle, an der einmal der Rahmen gewesen sein musste. Der Putz war dort nicht ganz eben. Im Holz dahinter, ganz tief, ganz dumpf, klopfte es. Dreimal. Pause, dann zwei. Ich wich zurück und stieß mit dem Ellenbogen gegen etwas Warmes. Jemand stand hinter mir. Nicht dicht, nicht bedrohlich, einfach da, auf der Treppe, als hätte er schon länger gewartet, dass ich es selbst finde. Ich drehte mich nicht sofort um. Ich sah erst den Schatten auf der Wand, Schulter, Kopf, eine Haltung, die ich kannte, meine eigene. Da sagte eine Stimme nah an meinem Ohr, ruhig und beinahe müde. Jetzt wissen Sie wieder, wo ich wohne. Als ich mich endlich umdrehte, war auf der Treppe niemand. Nur meine Wohnungstür oben im dritten Stock stand offen. Weiter, als ich sie je offen gelassen hätte. Und aus dem dunklen Flur dahinter hörte ich Schritte, die langsam nach unten kamen. Sie hörten das vergessene Stockwerk. Wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat, folgen Sie dem Podcast für weitere Psychothriller. Neue Episoden erscheinen regelmäßig. Eine Produktion von Gravelow Voices.