Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast

Noch 39 Tage… dann bist du dran

Klaus Nachtschatten Season 1 Episode 24

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Jeden Tag steht er vor meiner Tür.

Er klopft nicht. Er spricht nicht. Er wartet.

Zuerst sind es kleine Dinge.

Ein Stein. Ein Blatt. Eine Zahl.

Dann beginnt mein Leben zu verschwinden.

Ich habe versucht, die Tür geschlossen zu halten.

Aber ich habe nicht verstanden, was wirklich passiert.

Er will nicht rein.

Er will mich ersetzen.



Was glaubst du – was ist wirklich passiert? Schreib mir.

Eine Geschichte von Klaus Nachtschatten.

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Sie hören eine Geschichte aus dem vergessenen Stockwerk. Ein Ort, den es offiziell nie gegeben hat. Doch manche Menschen behaupten, dort gewesen zu sein. Das Kratzen an der Türschwelle war fast unhörbar. Es klang wie ein Fingernagel auf trockenem Holz. Ich starrte auf den Spalt unter der Eiche. Dort bewegte sich absolut nichts. Trotzdem wußte ich, dass er da war. Er hinterließ niemals Fußabdrücke im Treppenhaus. Er klopfte niemals an. Er stand einfach nur da und wartete auf den Moment, in dem ich wegsah. Sicherheit ist eine Illusion der Ahnungslosen. Ich habe die Schlösser vor drei Tagen ausgetauscht. Der Monteur sah mich dabei mitleidig an. Er fragte, ob ich mich in diesem Viertel sicher fühle. Ich antwortete nicht. Wie soll man einem Fremden erklären, dass Schlösser gegen Schatten wertlos sind? Gestern lag ein einzelner grauer Kieselstein auf meiner Fußmatte. Heute war es ein vertrocknetes Blatt einer Kastanie. In meiner Wohnung gibt es keine Pflanzen. Draußen herrscht tiefer, frostiger Winter. Das Blatt war feucht und roch nach modriger Erde. Ich verbringe die Nächte im Flur auf einem harten Holzstuhl. Das Licht bleibt konsequent ausgeschaltet. Meine Augen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt. Manchmal glaube ich seinen Atem, durch das Schlüsselloch zu hören. Es ist ein flaches, feuchtes Geräusch. Wie jemand, der viel zu lange unter Wasser war. Oder wie jemand, dessen Lungen voller Erde sind. Am Montag fand ich die erste Notiz. Sie klebte an der Innenseite meines Badezimmerspiegels, mitten im beschlagenen Glas nach dem Duschen. Dort stand nur eine einzige Zahl 42. Ich besitze keinen Zweitschlüssel für diese Wohnung. Ich lebe allein im vierten Stockwerk. Die Fenster sind von außen absolut unerreichbar. Trotzdem verändert sich mein Zuhause jede Nacht ein kleines Stück. Die Kaffeetasse steht zwei Zentimeter weiter links. Das Handtuch riecht nach fremdem Regenwasser. Die Zahnbürste ist morgens noch leicht feucht. Ich versuche, mich krampfhaft an sein Gesicht zu erinnern. Aber jedes Mal, wenn ich durch den Spion blicke, sehe ich nur Leere, ein tiefes, sattes Schwarz, das den gesamten Flur verschlingt. Vielleicht trägt er einen Mantel aus reiner Dunkelheit. Vielleicht ist er die Abwesenheit von Licht selbst. Gestern Abend rief meine Mutter an. Ihre Stimme klang seltsam verzerrt und unendlich weit weg. Sie fragte, wer der junge Mann sei, der ständig vor meinem Fenster wacht. Ich erinnerte sie daran, dass ich im vierten Stock wohne. Sie schwieg für eine sehr lange Zeit am Telefon. Dann flüsterte sie, dass er genau wie ich aussieht. Bevor ich nachfragen konnte, legte sie einfach auf. Ich ging zum Fenster und zog die schweren Vorhänge zurück. Der Gehweg tief unter mir war vollkommen leer. Nur die Straßenlaternen warfen gelbe Kreise auf den Asphalt. In einem dieser Kreise lag mein eigener Hausschlüssel. Er glänzte im fahlen Licht wie ein kleiner toter Fisch. Ich rannte nach unten in die beißende Kälte. Meine Lungen brannten bei jedem hastigen Atemzug. Der Schlüssel lag genau dort, wo ich ihn gesehen hatte. Als ich ihn aufhob, war das Metall noch warm. Jemand hatte ihn erst vor wenigen Sekunden losgelassen. Ich blickte nach oben zu meinem beleuchteten Fenster. Das Licht in meinem Wohnzimmer war plötzlich an. Ein dunkler Umriss stand unbeweglich hinter der Scheibe. Er winkte mir nicht zu. Er beobachtete mich einfach nur beim Frieren. Ich stürmte zurück ins Haus und riss die Wohnungstür auf. In der Luft hing der Geruch von meinem eigenen Parfüm. Aber es roch abgestanden und alt. Der Fernseher im Wohnzimmer lief auf voller Lautstärke. Er zeigte nur das flimmernde statische Rauschen, graue Punkte, die wie Insekten gegeneinander kämpften. Auf dem Küchentisch lag eine neue Notiz. 41. In diesem Moment verstand ich das grausame Prinzip. Es war kein klassisches Stalking. Es war eine langsame psychologische Subtraktion. Ich suchte mein Handy, um Hilfe zu rufen. Der Bildschirm blieb vollkommen schwarz. Eingekratzt in das Glas war die Zahl vierzig. Ich legte das Gerät ganz langsam auf die Arbeitsplatte. Meine Hände zitterten nun nicht mehr. Eine seltsame, tödliche Taubheit breitete sich in mir aus. Ich setzte mich wieder auf den harten Stuhl im Flur. Draußen vor der Tür raschelte es erneut. Es klang jetzt fast wie ein unterdrücktes Lachen oder wie das Geräusch von Haut, die über kalten Beton schleift. Ich schloss die Augen und versuchte zu zählen. Woher kenne ich diesen monotonen Rhythmus? Warum fühlt sich diese Bedrohung so entsetzlich vertraut an? Ich ging ins Schlafzimmer und öffnete den großen Kleiderschrank. Alle meine Hemden waren penibel nach Farben sortiert. Früher war ich ein unordentlicher Mensch. In der Tasche meines Wintermantels fand ich ein altes Foto. Es zeigte mich als kleinen Jungen im elterlichen Garten. Hinter mir, im dichten Gebüsch, stand eine dunkle Gestalt. Sie trug exakt die Kleidung, die ich heute trage. Sogar die kleine Narbe an der Schläfe war zu erkennen. Das Kind auf dem Bild lachte in die Kamera. Ich erinnerte mich plötzlich an den Geruch von feuchter Erde und an die Stimme, die mir damals im Schlaf Geschichten erzählte. Geschichten über den Mann, der eines Tages die Tür öffnen würde. Der Mann, der meinen Platz einnimmt, wenn meine Zeit abläuft. Ich lief zurück zur schweren Wohnungstür. Ich legte mein Ohr direkt auf das eiskalte Holz. Bist du es? fragte ich mit brüchiger Stimme. Die Antwort war ein sanftes Klopfen von der anderen Seite. Es war kein Klopfen gegen das Holz der Tür. Es war ein regelmäßiges Pochen gegen mein eigenes Brustbein. Ich sah an mir herab und wollte schreien. Mein Körper wirkte plötzlich seltsam durchsichtig. Meine Fingerkuppen begannen sich langsam aufzulösen. Sie verwandelten sich in feinen, grauen Staub. Ich blickte ein letztes Mal durch den kleinen Türspion. Diesmal sah ich kein tiefes Schwarz mehr. Ich sah mein eigenes Gesicht auf der anderen Seite. Der Mann vor der Tür trug meine Züge mit Stolz. Er trug meine kostbaren Erinnerungen in seinen hellen Augen. Er lächelte, als er den Schlüssel in das Schloss steckte. Es war der warme Schlüssel, den ich auf der Straße gefunden hatte. Ich wollte fliehen, aber meine Beine bestanden bereits aus Asche. Er drehte den Schlüssel zweimal langsam um. Das Geräusch war so laut wie ein Pistolenschuss. Die Tür schwang langsam und schwerfällig auf. Er trat über die Schwelle und sah mich direkt an. Endlich sagte er mit meiner absolut identischen Stimme Ich trat einen Schritt zurück in die Schatten des Flurs, oder das, was von mir noch übrig war. Er hängte seinen Mantel an meinen gewohnten Haken. Er rückte die Kaffeetasse auf dem Tisch zentimetergenau zurecht. Dann setzte er sich zufrieden auf meinen Stuhl. Ich stand nun draußen auf dem dunklen und leeren Treppenhausflur. Die schwere Eichentür fiel vor meiner Nase ins Schloss. Ich hörte, wie er den schweren Riegel von innen vorschob. Das Klacken des Schlosses besiegelte mein Schicksal. Ich starrte auf das dunkle Holz und die goldene Hausnummer. Meine Hände fühlten sich fremd und taub an. Ich tastete mechanisch in meine rechte Tasche. Dort lag ein kleiner, grauer Kieselstein. Ich legte ihn vorsichtig und leise auf die Fußmatte. Morgen werde ich ein vertrocknetes Blatt bringen. Ich habe noch genau 39 Tage Zeit. Dann wird der Nächste die Tür für mich öffnen. Ich stelle mich ganz nah an das Holz und warte. Ich höre, wie er drinnen meinen Namen flüstert. Es klingt wie ein langer, schmerzhafter Abschied. Ich bin jetzt der Schatten, der auf die Dunkelheit wartet. Ich bin der Mann, der jeden Tag vor deiner Tür steht. Hörst du das Kratzen am Holz? Es fängt gerade erst an. Sie hörten das vergessene Stockwerk. Wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat, folgen Sie dem Podcast für weitere Psycho-Thriller. Neue Episoden erscheinen regelmäßig. Eine Produktion von Gravelow Voices.