Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast
Psychologische Thriller-Geschichten, die unter die Haut gehen.
Dieser Podcast entführt dich in dunkle Welten voller Geheimnisse, vergessener Orte und verstörender Wahrheiten. Jede Episode ist eine eigenständige, intensive Hörgeschichte – kalt, minimalistisch und mit einem verstörenden, offenen Ende.
Perfekt für Fans von:
Psychologischer Thriller,
Horror-Geschichten,
mysteriöse Podcasts,
Dunkle Erzählungen und urbane Legenden.
Neue Folgen erscheinen regelmäßig.
Setz dich. Hör zu. Und frag dich danach, ob du wirklich allein bist.
Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast
21:43 Uhr – Warum du niemals in leerstehende Wohnungen gehen solltest
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
- In dieser fesselnden Geschichte begleiten wir einen Mann, der durch die Geräusche aus einer leerstehenden Wohnung über ihm langsam den Verstand verliert. Was als subtile Störung beginnt, eskaliert in einem verstörenden Paradoxon aus Zeit und Identität. Perfekt für Fans von psychologischem Horror und atmosphärischen Thrillern. Kein Klischee, kein Splatter – nur purer psychologischer Terror.
Was glaubst du – was ist wirklich passiert? Schreib mir.
Eine Geschichte von Klaus Nachtschatten.
Sie hören eine Geschichte aus dem vergessenen Stockwerk. Ein Ort, den es offiziell nie gegeben hat. Doch manche Menschen behaupten, dort gewesen zu sein. Es ist nicht das Geräusch an sich, es ist die Präzision der Bewegung. Seit drei Monaten ist die Wohnung über mir offiziell unbewohnt. Das Licht bleibt aus. Die Fensterläden sind seit dem Auszug der alten Frau Schmidt fest verriegelt. Doch jeden Abend um 21 Uhr 43 beginnen die Schritte. Es ist kein Schlurfen, es ist kein Poltern, es ist ein langsames, methodisches Gehen, Fersendruck, Abrollen, Zehenspitzen. Jemand durchquert das Wohnzimmer exakt von Nord nach Süd. Dann bleibt er stehen. Ich liege im Dunkeln und starre an meine Decke. Der Putz dort oben hat einen feinen Riss. Er sieht aus wie ein Blitzableiter ohne Ziel. Wenn der Unbekannte über diesen Riss geht, vibriert die Luft in meinem Schlafzimmer. Es ist ein Summen in meinen Knochen. Gestern habe ich den Hausverwalter angerufen. Herr Weber klang genervt. Er sagte mir, er besitze den einzigen Schlüssel. Die Alarmanlage sei scharf geschaltet. Sensoren würden jede Fliege registrieren. Er hielt mich für einen Spinner. Ich legte auf und wartete. Um 21 Uhr. setzte ich mich auf die Bettkante. Die Stille im Haus war so dicht, dass ich mein eigenes Blut in den Schläfen hämmern hörte. Dann knackte es über mir. Punktlandung. Die Schritte begannen. Diesmal war etwas anders. Der Rhythmus war schneller, fast gehetzt, als würde jemand einen engen Kreis ziehen. Immer und immer wieder. Ich nahm meinen Besenstiel und schlug einmal hart gegen die Decke. Das Geräusch oben verstummte sofort. Die plötzliche Stille war schlimmer als das Laufen. Ich hielt den Atem an. Ich spürte, wie sich der unsichtbare Gast direkt über mich stellte. Wir trennten nur dreißig Zentimeter Beton und Gips. Ich bildete mir ein, die Wärme seines Körpers durch die Decke zu spüren. Mein Nacken krampfte sich zusammen. Dann kam eine Antwort, ein einzelner, sanfter Klopfer von oben. Genau dort, wo mein Besenstiel die Decke berührt hatte. Am nächsten Morgen kaufte ich mir eine Leiter im Baumarkt. Ich musste wissen, was dort oben geschah. Der Flur des Mietshauses roch nach Bonawachs und kalter Asche. Die Tür zur Wohnung Nummer zwölf war staubig. Das Siegel des Verwalters klebte unversehrt über dem Schloss. Ich legte mein Ohr an das Holz. Nichts, kein Atmen, kein Rascheln. Ich klopfte leise an die Tür. Das hohle Geräusch hallte im leeren Flur wieder. Plötzlich hörte ich von drinnen etwas. Es war ein Klicken. Es klang wie eine mechanische Schreibmaschine, ein einziger Anschlag, dann Stille, dann wieder ein Klicken. Ich rannte die Treppen zurück in meine Wohnung. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und versuchte zu arbeiten. Ich bin Lektor für Fachliteratur. Ich korrigiere Texte über Thermodynamik und Statik. Logik ist mein Anker, aber die Logik versagte hier völlig. Ich begann, ein Tagebuch zu führen. Ich notierte jede Bewegung. 21 Uhr. Beginn der Wanderung. 22 Uhr zwölf. Kurzes Verharren über dem Badezimmer. 23 Uhr 05. Das Ende der Geräusche. Nach einer Woche bemerkte ich ein Muster. Die Schritte bildeten eine Geometrie ab. Wenn ich die Punkte auf einer Skizze meiner Wohnung verbannt, ergab sich eine Form. Es war kein zufälliges Laufen. Es war eine Botschaft. Es war mein eigener Name. In riesigen, unsichtbaren Buchstaben auf meinen Boden gezeichnet. Jemand schrieb meinen Namen mit seinen Füßen, Zentimeter für Zentimeter, Nacht für Nacht. Die Paranoia kroch wie Schimmel an meinen Wänden hoch. Ich mied das Wohnzimmer. Ich schlief in der Küche auf dem harten Boden. Dort fühlte ich mich sicherer, zumindest redete ich mir das ein. Dann kam der Mittwoch, der Tag, an dem der Regen gegen die Scheiben peitschte. Ich saß am Küchentisch und starrte auf die Uhr. 21 Uhr 43. Nichts geschah. Die Decke blieb stumm. Ich wartete zehn Minuten, fünfzehn Minuten, eine halbe Stunde. Die Abwesenheit des Geräusches war unerträglich. Ich fühlte mich verlassen, ich fühlte mich beobachtet. Gegen Mitternacht hörte ich ein neues Geräusch. Es kam nicht von oben, es kam von der Innenseite meiner Wohnungstür. Jemand kratzte ganz leicht am Metall, wie ein Fingernagel auf Seide. Ich schlich zum Spion. Draußen im Flur brannte nur das Notlicht, ein Pfahgelber Schimmer. Ich sah niemanden. Der Flur war leer, aber das Kratzen hörte nicht auf. Ich riss die Tür auf. Der Flur war tatsächlich menschenleer. Die Luft war kühl und roch nach abgestandenem Parfüm. Es war der Duft von Frau Schmidt, Maiglöckchen und Tod. Ich blickte nach oben zur Treppe. Die Tür zur Wohnung zwölf stand sperrangelweit offen. Das Siegel war zerrissen. Es flatterte im Luftzug wie eine tote Fahne. Mein Verstand schrie mich an, die Tür zu schließen. Verbarrikadiere dich, sagte er. Ruf die Polizei, schrie er. Aber meine Beine bewegten sich bereits die Stufen hinauf. Die Neugier war stärker als die Angst. Ich betrat die dunkle Wohnung. Der Boden war mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Jeder Schritt von mir hinterließ einen tiefen Abdruck. Ich schaltete meine Taschenlampe ein. Der Lichtstrahl schnitt durch die Finsternis. Das Wohnzimmer war leer, keine Möbel, keine Vorhänge, nur nackte Wände. Aber im Staub auf dem Boden sah ich etwas. Es gab keine anderen Fußspuren, nur meine eigenen. Ich leuchtete die gesamte Fläche ab. Der Staub war unberührt. Seit Monaten war hier niemand gelaufen. Die Oberfläche war glatt wie ein gefrorener See. Mein Atem wurde flach. Wenn niemand hier oben war, wer war dann über mir gelaufen? Wer hatte meinen Namen in den Boden gestampft? Ich spürte, wie der Boden unter mir nachgab, nur ein Millimeter. Ich bückte mich und legte mein Ohr auf das Parkett. Zuerst hörte ich nur das Rauschen meines eigenen Blutes. Dann wurde es deutlicher. Ein rhythmisches Klopfen. Es kam von unten, aus meiner eigenen Wohnung. Jemand schlug mit einem Besenstiel gegen die Decke. Einmal hart, trocken. Ich erstarrte. Das war ich, das war mein Klopfen von letzter Woche. Aber es geschah jetzt erst hier oben. Der Ton brauchte Tage, um die Etage zu wechseln. Die Zeit in diesem Haus war krank. Plötzlich hörte ich Schritte. Sie waren laut, sie waren schwer. Sie bewegten sich direkt auf mich zu. Aber ich sah niemanden im Lichtkegel meiner Lampe. Der Staub vor meinen Augen blieb vollkommen ruhig. Die Schritte kamen näher. Ich hörte das Knarren der Dielen direkt vor meinen Füßen. Ich spürte den Luftzug eines vorbeiziehenden Körpers. Aber da war nur Leere, nichts als kalte, schwarze Luft. Ich rannte zurück zu meiner Wohnung. Ich stolperte die Treppen hinunter. Ich nestelte an meinem Schlüssel. Ich warf die Tür hinter mir zu und verriegelte alle drei Schlösser. Ich lehnte mich gegen das Holz und zitterte. Ich schaute in den Flur meiner Wohnung. Alles sah normal aus. Die Lampe brannte. Meine Schuhe standen ordentlich neben der Kommode. Dann sah ich nach oben. An meiner Decke war kein Riss mehr. Die Fläche war makellos weiß. Der Blitzableiter ohne Ziel war verschwunden. Stattdessen sah ich etwas anderes. In der Mitte des Wohnzimmers hingen zwei nackte Füße von der Decke. Sie schwebten einen Meter über dem Boden. Keine Beine, kein Körper, nur zwei bleiche, fleischige Füße. Sie bewegten sich. Fersendruck, Abrollen, Zehenspitzen. Sie begannen zu laufen, mitten in der Luft. Sie durchquerten den Raum von Nord nach Süd. Ich wollte schreien, aber meine Kehle war wie zugeschnürt. Ich beobachtete, wie die Füße genau dort stehen blieben, wo ich gerade stand. Sie drehten sich langsam zu mir um. Ich sah nach unten auf meine eigenen Füße. Sie waren schmutzig, sie waren voller Staub aus der oberen Wohnung. Ich wollte sie bewegen, aber ich spürte sie nicht mehr. Meine Beine fühlten sich taub an. Das Gefühl breitete sich aus. Es fraß sich meine Waden hoch, es erreichte meine Knie. Ich sah zu, wie meine Beine unter mir transparent wurden. Ich wurde blasser, ich verlor meine Dichte. Die Füße über mir wurden hingegen realer. Ich sah jetzt die Knöchel. Ich sah die Waden. Ich sah die Knie eines Mannes, der mir erschreckend ähnlich sah. Er trug meine Kleidung, er trug meine Uhr, er landete lautlos auf dem Boden. Er stand nun direkt vor mir. Er atmete die Luft ein, die ich gerade ausgeatmet hatte. Er lächelte nicht. Er sah mich einfach nur an. Ich versuchte, ihn zu berühren. Meine Hand glitt durch seine Brust wie durch kalten Nebel. Er spürte mich nicht einmal. Für ihn war ich nur ein Schatten an der Wand, ein Restgeräusch aus der Vergangenheit. Er ging zum Fenster und schaute hinaus auf die Straße. Er wirkte zufrieden. Er nahm sich ein Glas Wasser von meinem Tisch. Er trank es langsam aus. Ich sah das Wasser in seinem Hals verschwinden. Dann schaute er zur Decke hoch. Er nahm den Besenstiel, der noch immer an der Wand lehnte. Er blickte mich kurz an. Er sah direkt durch mich hindurch. Er hob den Stab. Er schlug einmal kräftig gegen die weiße Decke. Das Geräusch war ohrenbetäubend. Es hallte in meinem Kopf wie eine Explosion. Ich spürte einen plötzlichen Riss, nicht an der Wand, in mir. Ich wurde nach oben gezogen. Die Schwerkraft kehrte sich um. Die Zimmerdecke kam auf mich zu wie eine herabstürzende Mauer. Ich fiel durch den Gips. Ich fiel durch den Beton. Ich landete hart auf dem staubigen Boden der Wohnung Nummer zwölf. Es war dunkel. Es war totenstill. Ich schaute an mir herab. Ich war wieder fest. Ich war wieder real. Aber ich war allein. Der Staub um mich herum war vollkommen unberührt, keine einzige Spur weit und breit. Ich ging zum Fenster und versuchte, die Läden zu öffnen. Sie waren von außen vernagelt. Ich rüttelte an der Tür. Sie war verschlossen. Kein Schlüssel, kein Klinken. Ich schaute auf meine Uhr. Es war 21 Uhr 42. Ich wusste, was ich tun musste. Ich hatte keine andere Wahl. Der Rhythmus war das Einzige, was mir blieb. Ich ging in die Mitte des Raumes. Ich wartete, bis die Sekunde umsprang. Dann setzte ich den ersten Fuß auf den kalten Boden. Fersendruck, Abrollen, Zehenspitzen. Ich begann, meinen Namen in den Staub zu schreiben. Ich hoffte, dass er mich unten hören konnte. Ich hoffte, dass er wußte, dass ich noch da war. Nach ein paar Schritten blieb ich stehen. Ich lauschte angestrengt nach unten. Ich wartete auf den Schlag gegen die Decke. Ich wartete auf das Zeichen, dass ich nicht der Einzige bin, der hier gefangen ist. Aber von unten kam keine Antwort. Nur die Stille derer, die bereits vergessen haben, dass sie existieren. Ich setzte den nächsten Schritt. Ich hatte noch viele Buchstaben vor mir. Ich fragte mich, wie lange es dauern würde, bis jemand Neues in die Wohnung unter mir einzieht. Jemand, der im Dunkeln liegt und starrt. Jemand, der den Riss an der Decke zählt. Ich werde pünktlich sein. 21 Uhr 43, jede Nacht, bis der Staub mich ganz bedeckt, bis meine Schritte nur noch ein Summen in seinen Knochen sind. Ich bin jetzt das Geräusch, und das Geräusch ist hungrig. Sie hörten das vergessene Stockwerk. Wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat, folgen Sie dem Podcast für weitere Psycho-Thriller. Neue Episoden erscheinen regelmäßig. Eine Produktion von Gravelow Voices.