Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast

Der Spiegel im Flur – Warum du nachts niemals zurückblicken darfst

Klaus Nachtschatten Season 1 Episode 32

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Stell dir vor, du stehst nachts in deinem dunklen Flur. Du blickst in den alten Goldrahmen-Spiegel und bemerkst eine Hand auf deiner Schulter – doch da ist niemand. In diesem psychologischen Thriller verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Spiegelbild. Was passiert, wenn deine Reflexion aufhört, dir zu gehorchen? „Im Spiegel meines Flurs steht manchmal jemand hinter mir“ ist eine Reise in die tiefsten Abgründe der menschlichen Wahrnehmung. Perfekt für Fans von Creepypastas, Psychothrillern und immersivem Storytelling.

Was glaubst du – was ist wirklich passiert? Schreib mir.

Eine Geschichte von Klaus Nachtschatten.

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Sie hören eine Geschichte aus dem vergessenen Stockwerk. Ein Ort, den es offiziell nie gegeben hat. Doch manche Menschen behaupten, dort gewesen zu sein. Das Atmen in der Dunkelheit klingt anders als am Tag. Es ist schwerer und besitzt eine eigene, feuchte Textur. Ich stehe reglos vor der geschlossenen Badezimmertür. Das Licht im Flur ist aus. Hinter mir dehnt sich die Schwärze des Ganges bis zur Wohnungstür aus. Dort hängt der große Spiegel mit dem Goldrahmen. Eigentlich wollte ich nur ein Glas Wasser holen. Jetzt spüre ich den Luftzug an meinen nackten Fesseln. Es ist kein Durchzug von einem offenen Fenster. Es ist eine rhythmische, warme Bewegung der Luft. Ich wage es nicht, mich umzudrehen. Mein Blick starrt auf das matte Holz der Tür vor mir. In der Maserung des Holzes erkenne ich verzerrte Gesichter. Sie scheinen mich davor zu warnen, den Kopf zu bewegen. Ein leises Knistern bricht die Stille. Es klingt wie Leder, das langsam gedehnt wird. Ich kenne jedes Geräusch dieser Wohnung auswendig. Dieses Geräusch gehört nicht hierher. Mein Herz schlägt gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel. Ich versuche, flach zu atmen. Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein. Schlafmangel kann grausame Spiele mit dem Verstand treiben. Seit drei Wochen schlafe ich kaum mehr als zwei Stunden am Stück. Jedes Mal schrecke ich hoch, weil ich glaube, beobachtet zu werden. Ich zwinge meine Hand, sich nach dem Lichtschalter zu bewegen. Meine Finger zittern so stark, dass ich die Wand nur blind abtaste. Das kalte Plastik des Schalters fühlt sich fremd an. Ich drücke ihn nach unten. Das grelle Licht schneidet in meine Augen. Für einen Moment sehe ich nur weiße Flecken. Der Flur ist leer. Nur der Spiegel reflektiert das sterile Licht der Deckenlampe. Ich atme zittrig aus und schließe die Augen. Mein Verstand beginnt, logische Erklärungen zu konstruieren. Es war das Knacken der alten Dielen. Es war der Kühlschrank in der Küche. Ich öffne die Augen wieder und blicke in den Spiegel am Ende des Flurs. Mein eigenes Spiegelbild wirkt blass und eingefallen. Hinter mir ist nichts als die weiße Wand und das dunkle Holz der Schlafzimmertür. Ich gehe einen Schritt auf den Spiegel zu. Irgendetwas an meinem Spiegelbild stimmt nicht ganz. Die Bewegungen wirken minimal verzögert. Ich hebe die rechte Hand, um mir durch das Haar zu fahren. Das Bild im Glas reagiert, aber die Augen bleiben starr auf meine Kehle gerichtet. Ein kalter Schauer läuft über meinen Rücken. Ich bleibe abrupt stehen. In der Reflexion sehe ich die offene Tür zum Abstellraum hinter mir. Ich bin sicher, dass ich sie vorhin geschlossen habe. Dunkelheit quillt aus der schmalen Öffnung wie eine zähe Flüssigkeit. Ich drehe mich nicht um. Ich starre weiter in den Spiegel. Mein Spiegelbild beginnt zu lächeln, obwohl meine eigenen Lippen fest verschlossen sind. Das Lächeln ist breit und zeigt zu viele Zähne. Es ist kein menschliches Lächeln. Ich will schreien, aber meine Kehle ist wie zugeschnürt. Ein taubes Gefühl breitet sich in meinen Gliedmaßen aus. Plötzlich bemerke ich eine Bewegung am unteren Rand des Spiegels. Ein Schatten schiebt sich langsam in das Sichtfeld. Es ist eine Hand, die auf meiner Schulter ruht. Im Spiegel ist sie deutlich zu sehen. Die Finger sind unnatürlich lang und blass. Die Fingernägel sind schwarz und tief in den Stoff meines T-Shirts gegraben. Ich spüre den Druck auf meine Haut. Es ist keine Einbildung mehr. Ich schaue an mir selbst herunter. Auf meiner echten Schulter liegt nichts. Dort ist nur die leere Luft des Flurs. Ich sehe keine Hand, kein Wesen, keine Bedrohung. Ich blicke zurück in den Spiegel. Die Hand ist immer noch da. Sie zieht mich langsam nach hinten. Mein Spiegelbild bewegt sich synchron mit mir, aber sein Gesichtsausdruck ist voller Vorfreude. Ich stemme meine Füße gegen den Boden. Mein Körper weigert sich, der physikalischen Realität des Flurs zu folgen. Die Logik zerbricht an der glatten Oberfläche des Glases. Was ich sehe, ist realer als das, was ich fühle. In der Reflexion taucht nun ein Kopf hinter meiner Schulter auf. Das Gesicht ist vollkommen glatt, ohne Nase oder Augenbrauen. Nur zwei dunkle Höhlen starren mich an. Sie funkeln vor bösartiger Intelligenz. Das Wesen flüstert mir etwas ins Ohr. Ich höre es nicht mit den Ohren, sondern direkt in meinem Schädel. Es ist mein eigener Name, ausgesprochen mit einer Stimme, die nach verrottetem Laub klingt. Ich schließe die Augen und zähle bis zehn. Ich versuche, die psychotische Episode zu beenden. Als ich die Augen öffne, stehe ich direkt vor dem Glas. Mein Gesicht berührt fast die kühle Oberfläche. Das Wesen im Spiegel hat seine Arme nun fest um meinen Hals geschlungen. Ich sehe den Abdruck der Finger auf meiner Kehle im Glas. Doch im echten Flur bekomme ich immer noch perfekt Luft. Mein Puls rast, aber meine Atemwege sind frei. Ich greife nach dem Spiegelrahmen, um ihn von der Wand zu reißen. Ich will dieses verdammte Ding zerschmettern. Meine Hände greifen ins Leere. Der Spiegel ist nicht mehr da. An der Wand hängt nur noch ein altes, vergilbtes Foto von mir als Kind. Ich stehe allein in einem dunklen Waldweg. Verwirrung mischt sich mit nacktem Entsetzen. Ich drehe mich im Kreis, der Flur ist verändert. Er ist schmaler geworden und die Decke scheint tiefer zu hängen. Das Licht der Lampe flackert und färbt sich gelblich. Die Wände, sondern einen süßlichen Geruch, nach Verfall ab. Ich renne zur Wohnungstür und reiße am Griff. Sie ist verschlossen, obwohl ich niemals den Schlüssel umgedreht habe. Hinter mir höre ich wieder dieses Lederknacken. Diesmal ist es direkt in meinem Nacken. Ich traue mich nicht, mich umzudrehen, aber die Neugier des Verzweifelten siegt. Ich blicke über die Schulter. Dort, wo der Spiegel hing, ist jetzt ein tiefes Loch in der Wand. Es führt in einen Raum, den es in diesem Haus nicht geben dürfte. Es ist eine exakte Kopie meines Flurs, aber alles ist seitenverkehrt. Die Farben sind ausgeblichen und grau. Dort stehe ich. Ich sehe mich selbst von hinten, wie ich in das Loch starre. Ich erkenne meinen eigenen Hinterkopf und das T-Shirt, das ich gerade trage. Ich beobachte mich selbst dabei, wie ich mich beobachte. In diesem Moment begreife ich den Irrtum meines Lebens. Ich bin nicht derjenige, der in den Spiegel schaut. Ich bin die Reflexion, die vergessen hat, auf welcher Seite sie steht. Die Hand auf meiner Schulter war immer meine eigene. Das Wesen hinter mir ist die Wahrheit, die ich jahrelang verdrängt habe. Es ist die Lehre, die entsteht, wenn man zu lange nur eine Oberfläche ist. Ich sehe, wie mein echtes Ich im anderen Flur eine Flasche Wein öffnet. Er wirkt glücklich und ahnungslos. Er geht ins Wohnzimmer und schaltet den Fernseher ein. Er hat mich längst vergessen. Ich bleibe hier im grauen Zwischenreich zurück. Die Wände rücken immer näher zusammen. Das Wesen ohne Gesicht tritt nun vollständig aus dem Loch hervor. Es nimmt meine Hand und führt mich tiefer in den verkehrten Flur. Ich leiste keinen Widerstand mehr. Es gibt keinen Ort, an den ich fliehen könnte. Ich schaue ein letztes Mal zurück durch die Öffnung in der Wand. Der Flur auf der anderen Seite ist jetzt völlig leer. Das Licht geht dort drüben aus. Ein kurzes Klicken, dann herrscht still. Ich spüre, wie meine eigene Haut beginnt, sich glatt und wechsern anzufühlen. Meine Züge verblassen und verschmelzen mit der grauen Tapete. Bald werde ich nur noch ein Schatten sein, der darauf wartet, dass jemand das Licht einschaltet. Ich werde hinter jedem stehen, der es wagt, nachts in das Glas zu blicken. Ich werde nicht sprechen. Ich werde nur warten, bis sie den ersten Schritt auf mich zumachen. Manchmal höre ich die Schritte auf der anderen Seite. Sie klingen so hohl und weit entfernt. Ich lege meine Hand gegen die unsichtbare Barriere. Sie ist kalt und unnachgiebig, wie gefrorene Zeit. Irgendwann wird jemand kommen und nach seinem eigenen Gesicht suchen. Dann werde ich bereit sein. Ich werde lächeln, auch wenn ich keinen Mund mehr habe. Ich werde sie fest an mich drücken. In der Dunkelheit meines neuen Zuhauses gibt es keine Zeit. Es gibt nur das endlose Warten auf einen flüchtigen Blick. Hörst du das Knacken der Dielen in deinem eigenen Flur? Dreh dich nicht um. Es könnte sein, dass ich direkt hinter dir stehe. Und ich habe die Tür bereits für dich geöffnet. Sie hörten das vergessene Stockwerk. Wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat, folgen Sie dem Podcast für weitere Psychothriller. Neue Episoden erscheinen regelmäßig. Eine Produktion von Gravelow Voices.