Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast

Mein Schlüssel öffnet eine Wohnung, die nicht existiert

Klaus Nachtschatten Season 1 Episode 33

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  • Was passiert, wenn die Realität Risse bekommt? In diesem Premium-Audio-Thriller begleitest du einen Mann in den vierten Stock eines Hauses, das seine eigenen Gesetze schreibt. Keine Klischees, kein billiger Horror – nur tiefer, psychologischer Terror.
    Inhalt:
    • Die Wohnung Nummer 104
    • Das Telefonat mit dem eigenen Ich
    • Wenn die Tapete zum Gefängnis wird
  • Ein Erlebnis für Fans von Sebastian Fitzek und Dark-Surrealism. Kopfhörer empfohlen für maximale Immersion.


Was glaubst du – was ist wirklich passiert? Schreib mir.

Eine Geschichte von Klaus Nachtschatten.

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Sie hören eine Geschichte aus dem vergessenen Stockwerk. Ein Ort, den es offiziell nie gegeben hat. Doch manche Menschen behaupten, dort gewesen zu sein. Das Metall des Schlüssels fühlt sich in meiner Tasche kälter an als sonst. Es ist ein dumpfer, unnachgiebiger Schmerz in meiner Handfläche. Ich drücke ihn so fest, dass die Kanten in meine Haut schneiden. Vier Treppenabschnitte liegen hinter mir. Das Licht im Flur flackert in einem Rhythmus, den ich nicht verstehe. Es klingt wie ein unregelmäßiger Herzschlag hinter der Wand. Vor der Tür Nummer 104 bleibe ich stehen. Meine Hand zittert nicht. Sie fühlt sich nur schwer an, als gehörte sie einem Fremden. Der Schlüssel gleitet lautlos in das Schloss. Es gibt keinen Widerstand, kein Klicken, das eine Sperre überwindet. Die Tür schwingt auf und gibt den Blick auf den Flur frei. Alles riecht nach Bonawachs und kalter Asche. Ich ziehe die Schuhe aus und stelle sie ordentlich neben die Kommode. Dort stehen bereits zwei andere Paare: schwarze Lederschuhe, genau wie meine. Sie sind staubig, als hätten sie jahrelang auf meine Rückkehr gewartet. Ich zähle die Schnürsenkelösen an den fremden Schuhen. Es sind genau sechs, genau wie bei meinen. In der Küche brennt ein kleines Licht über dem Herd. Es wirft lange, verzerrte Schatten an die Decke. Auf dem Tisch steht eine Tasse Kaffee. Ein feiner Dampf steigt noch immer von der Oberfläche auf. Ich setze mich auf den harten Holzstuhl. Der Kaffee schmeckt nach Eisen und altem Regenwasser. Ich nehme einen zweiten Schluck, weil ich das Gefühl nicht loswerde. Das Gefühl, dass ich beobachtet werde, während ich schlucke. Im Nebenzimmer höre ich ein leises Kratzen. Es ist das Geräusch von Fingernägeln auf trockenem Papier. Ich stehe nicht auf, um nachzusehen. Stattdessen betrachte ich die Tapete im Flur. Das Muster aus blassen Blumen scheint sich zu bewegen. Es sieht aus wie Gesichter, die versuchen, aus der Wand zu treten. Ich greife in meine Tasche und ziehe mein Handy heraus. Ich brauche eine Bestätigung, dass ich noch existiere. Ich wähle die Nummer meiner Frau. Es tutet dreimal, dann hebt jemand ab. Ich höre das Atmen am anderen Ende der Leitung. Es ist ein vertrautes Atmen, ruhig und tief. Ich sage ihren Namen, aber meine Stimme bricht. Sie fragt, wer dort ist. Ich sage ihr, dass ich es bin. Sie antwortet, dass mein Name ihr nichts sagt. Dann höre ich im Hintergrund eine Stimme. Es ist meine eigene Stimme. Sie ruft aus der Ferne, ob das Essen schon fertig ist. Meine Frau lacht und legt einfach auf. Das Display meines Handys wird schwarz. Ich starre in die Reflexion des Bildschirms. Dort sehe ich nicht mein Gesicht. Ich sehe nur die leere Küche hinter mir. Ich gehe ins Badezimmer und meide den großen Spiegel. Das Wasser im Waschbecken läuft bereits. Es ist klar und eiskalt. Ich wasche mir das Gesicht, bis meine Haut brennt. Als ich den Kopf hebe, sehe ich eine Zahnbürste im Becher. Die Borsten sind noch feucht und leuchten neongrün. Ich besitze keine elektrische Zahnbürste. Trotzdem summt das Gerät leise auf der Ablage. Das Summen vibriert in meinen Kieferknochen. Ich öffne den Medizinschrank über dem Waschbecken. Darin stehen Fläschchen mit Pillen gegen Vergessenheit. Auf dem Etikett steht mein Name, aber das Geburtsdatum ist falsch. Es liegt in der Zukunft. Ich schließe den Schrank und gehe zurück in den Flur. An der Wand hängt ein Bild, das ich nie zuvor gesehen habe. Es zeigt einen Mann, der vor dieser Tür steht. Er hält denselben Schlüssel in der Hand wie ich. Sein Gesicht ist im Schatten verborgen, aber ich erkenne meine eigene Uhr an seinem Handgelenk. Die Zeiger auf dem Bild stehen auf zwei Uhr sieben. Ich schaue auf meine Uhr. Es ist genau zwei Uhr sieben. Der Sekundenzeiger bewegt sich nicht mehr. Er zuckt nur noch auf der Stelle wie ein gefangenes Insekt. Ein Windzug lässt die Vorhänge im Wohnzimmer tanzen. Das Fenster steht weit offen, obwohl ich es nie berührt habe. Draußen ist nur absolute Schwärze zu sehen. Keine Straßenlaternen, keine Sterne, keine Stadt. Nur ein bodenloses Nichts unter dem vierten Stockwerk. Ich trete an den Rand des Fensters. Die kalte Luft riecht nach verbranntem Plastik. Ich lasse eine Münze aus meiner Tasche fallen. Ich warte auf das Geräusch des Aufpralls auf dem Asphalt. Zehn Sekunden vergehen. 20 Sekunden. Es bleibt vollkommen still. Die Münze ist einfach im Nichts verschwunden. Plötzlich klingelt das Telefon im Schlafzimmer. Das Geräusch ist schrill und schneidet durch die Stille. Ich gehe langsam durch die Wohnung, die mir gehört oder die mich gepachtet hat. Das Telefon liegt auf dem Nachttisch neben dem Bett. Das Bettlaken ist zerwühlt, als wäre gerade jemand aufgestanden. Ich sehe einen Abdruck im Kissen. Er ist noch warm, als ich meine Hand darauf lege. Ich nehme den Hörer ab, sage aber nichts. Am anderen Ende höre ich schweres Atmen. Es ist mein eigener Atemrhythmus, leicht versetzt. Eine Stimme flüstert meinen Namen. Es ist meine Stimme, aber sie klingt tiefer. Sie fragt, warum ich so lange gebraucht habe. Sie sagt, der Platz in der Wand sei bereits vorbereitet. Ich lege den Hörer nicht auf, sondern lasse ihn fallen. Er schwingt am Kabel hin und her, wie ein Pendel. Ich versuche, meine Hände zu betrachten. Sie werden blasser, fast durchsichtig. Ich kann die Maserung des Holzbodens durch meine Finger sehen. Ich öffne den Kleiderschrank, um meine Jacke zu holen. Der Schrank ist leer, bis auf einen einzigen Spiegel an der Rückwand. In diesem Spiegel sehe ich nicht mein Spiegelbild. Ich sehe einen leeren Raum ohne Türen und Fenster. In der Mitte des Raumes steht ein Stuhl. Auf dem Stuhl liegt ein Schlüsselbund. Ich merke, wie meine Erinnerungen an den Tag verblassen. Wie hieß die Straße, in der ich gerade noch war? Wie bin ich hierher gekommen? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass dieser Schlüssel passt. Ich drehe mich um und will die Wohnung verlassen. Die Haustür hat keine Klinke mehr auf der Innenseite. Dort, wo das Schloss sein sollte, klafft ein glattes Loch. Ich lege mein Ohr an das Holz der Tür. Von draußen höre ich Schritte im Treppenhaus. Sie sind schwer und rhythmisch. Jemand bleibt direkt vor meiner Tür stehen. Ich höre das Keuchen eines Mannes, der viele Treppen gestiegen ist. Ich höre, wie ein Schlüssel in das Schloss gesteckt wird. Es gibt keinen Widerstand. Die Tür beginnt sich langsam nach innen zu öffnen. Ich weiche zurück in den dunklen Flur. Ich sehe eine Hand, die sich um den Türrahmen legt. Es ist meine Hand mit der Narbe am Zeigefinger. Der Mann, der eintritt, trägt meine Kleidung. Er sieht müde aus, fast erschöpft. Er sieht mich nicht an, während er seine Schuhe auszieht. Er stellt sie ordentlich neben meine Paare. Jetzt stehen dort vier Paare, alle identisch, alle staubig. Ich will schreien, aber meine Kehle ist voller Staub. Kein Ton verlässt meine Lippen. Er geht in die Küche und setzt sich auf den Stuhl. Er nimmt die Tasse Kaffee, die ich eben noch hielt. Er trinkt den kalten Rest und schaudert. Ich merke, wie mein Körper immer leichter wird. Die Schwerkraft scheint mich zu vergessen. Ich fange an, die Tapete hinter mir zu spüren. Das Papier ist kühl und riecht nach alter Zeit. Meine Arme lassen sich nicht mehr bewegen. Ich verschmelze mit den blassen Blumenmustern an der Wand. Meine Haut nimmt die Farbe von altem Pergament an. Ich sehe zu, wie mein Ebenbild den Kaffee trinkt. Er starrt genau auf die Stelle, an der ich jetzt bin. Ein leichtes Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht. Er weiß, dass ich ihn beobachte. Er weiß, dass ich jetzt der Zuschauer bin. Im Nebenzimmer beginnt das Kratzen auf Papier von vorn. Es ist das Geräusch von jemandem, der meinen Namen durchstreicht. Ich versuche zu blinzeln, aber meine Augenlider sind festgewachsen. Ich bin jetzt ein Teil der Dekoration dieser Räume. Draußen im Nichts beginnt es leise zu schneien. Die Flocken fallen nach oben gegen die Schwerkraft. Mein Ebenbild steht auf und geht zum Fenster. Er schließt es mit einer ruhigen, endgültigen Geste. Dann löscht er das Licht über dem Herd. Die Dunkelheit in der Wohnung ist jetzt absolut. Nur das Summen der Zahnbürste ist noch zu hören. Es wird lauter und füllt meinen gesamten Kopf aus. Ich warte darauf, daß jemand den Schlüssel erneut benutzt. Ich hoffe, dass der Nächste schneller ist als ich, denn die Wand ist eng und die Blumen ersticken mich. Irgendwo tief im Haus fällt eine weitere Tür ins Schloss. Ich spüre den Metallschlüssel in meiner Tasche. Er ist das Einzige, was mir noch geblieben ist. Aber es gibt kein Schloss mehr, das er öffnen könnte. In der Stille höre ich, wie sich jemand draußen räuspert. Es klingt genau wie ich, wenn ich nervös bin. Ich halte den Atem an, der gar nicht mehr existiert. Das Licht im Flur flackert ein letztes Mal auf. Dann höre ich, wie der Schlüssel im Schloss gedreht wird. Sie hörten das vergessene Stockwerk. Wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat, folgen Sie dem Podcast für weitere Psychothriller. Neue Episoden erscheinen regelmäßig. Eine Produktion von Gravelow Voices.