Das vergessene Stockwerk – Psychothriller Podcast

Ich hörte meinen eigenen Schritt im Treppenhaus

Klaus Nachtschatten Season 1 Episode 35

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Ein Mann kehrt nachts in seine Wohnung zurück und bemerkt subtile Veränderungen in der Realität. Das Grauen schleicht sich nicht auf Zehenspitzen an – es kommt mit seinen eigenen schweren Schritten. Eine immersive Audio-Erfahrung, die die Grenze zwischen Beobachter und Beobachtetem auslöscht.

Was glaubst du – was ist wirklich passiert? Schreib mir.

Eine Geschichte von Klaus Nachtschatten.

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Sie hören eine Geschichte aus dem vergessenen Stockwerk. Ein Ort, den es offiziell nie gegeben hat. Doch manche Menschen behaupten, dort gewesen zu sein. Das Licht im Flur flackert nicht. Es erlischt einfach für eine Sekunde. Ich stehe vor meiner Wohnungstür und halte den Schlüssel fest. Das Metall ist so kalt, dass es an meiner Haut klebt. In der Dunkelheit des Treppenhauses riecht es nach Bonawachs und altem Beton. Hinter der Tür meiner Nachbarn herrscht absolute Stille. Ich schließe auf und trete in meine Wohnung. Die Luft hier drinnen ist abgestanden und viel zu warm. An der Wand hängt mein Mantel genau dort, wo ich ihn heute Morgen aufgehängt habe. Trotzdem wirkt der Flur schmaler als sonst. Ich ziehe meine Schuhe aus und lasse sie auf den Teppich gleiten. Das dumpfe Geräusch hallt seltsam lange nach. Es ist drei Uhr morgens. Ich war bei einem Abendessen, an das ich mich kaum erinnere. Ich gehe in die Küche, um ein Glas Wasser zu trinken. Das Glas klirt leise gegen meine Zähne. Meine Hand zittert minimal. Ich schaue auf das dunkle Fensterglas und sehe mein eigenes Spiegelbild. Hinter mir im Flur bewegt sich nichts. Aber ich habe das Gefühl, dass die Wohnung auf etwas wartet. Ich stelle das Glas ab und bleibe stehen. Irgendetwas stimmt mit der Geometrie des Raumes nicht. In der Stille höre ich plötzlich ein Geräusch von draußen. Es kommt aus dem Treppenhaus. Ein rhythmischer Schlag auf dem Steinboden, ein schwerer, langsamer Schritt. Jemand kommt die Treppe hoch. Die Schritte klingen trocken und präzise. Ich kenne diesen Rhythmus. Es ist ein leichtes Schleifen des linken Absatzes zu hören. Genauso klingen meine eigenen Schritte, wenn ich müde bin. Ich bewege mich nicht und halte den Atem an. Der Fremde ist jetzt im zweiten Stock angekommen. Er geht ohne Zögern weiter nach oben. Ich wohne im vierten Sto. Mein Herz schlägt jetzt hart gegen meine Rippen. Der Takt der Schritte ändert sich nicht. Er ist gleichmäßig und absolut ruhig. Ich gehe leise zur Wohnungstür und lege mein Ohr an das kalte Holz. Das Treppenhaus wirkt wie ein riesiger Resonanzkörper. Jetzt erreicht die Person den dritten Stock. Das Schleifen des Schuhs ist nun deutlicher zu hören. Es ist kein Einbrecher. Ein Einbrecher würde sich leiser bewegen. Das hier ist die Demonstration einer Ankunft. Jemand kommt nach Hause. Die Schritte stoppen auf meinem Absatz, direkt vor meiner Tür. Ich starre auf die Türklinke. Sie bewegt sich nicht. Ich höre das Atmen auf der anderen Seite. Es ist flach und kontrolliert. Plötzlich höre ich das metallische Geräusch eines Schlüssels. Jemand schiebt ihn langsam in das Schloss meiner Tür. Ich springe zurück und stolpere in das dunkle Wohnzimmer. Mein ganzer Körper bebt vor Kälte. Der Schlüssel dreht sich zweimal um. Der Riegel springt mit einem harten Knallen zurück. Die Tür schwingt langsam auf. Ein Lichtstreifen aus dem Flur fällt auf den Boden meiner Wohnung. Ich sehe niemanden im Rahmen stehen. Die Tür wurde geöffnet, aber der Raum davor scheint leer zu sein. Ich warte auf ein Zeichen oder eine Stimme, aber es bleibt vollkommen still. Vorsichtig trete ich näher an die offene Tür heran. Ich schaue hinaus in das Treppenhaus. Dort ist niemand zu sehen. Das Licht im Flur brennt hell und unnatürlich weiß. Ich sehe hinunter in das tiefe Loch des Treppenauges. Die Stufen führen endlos in die Dunkelheit hinab. Dann bemerke ich etwas auf der Fußmatte. Es sind meine eigenen Schuhe, dieselben Schuhe, die ich vor wenigen Minuten in den Flur gestellt habe. Sie stehen jetzt draußen im Treppenhaus. Die Spitzen zeigen exakt auf die offene Tür, als wären sie gerade erst ausgezogen worden. Ich drehe mich panisch um und schaue in meinen Flur. Wo meine Schuhe eben noch lagen, ist jetzt nur noch leerer Boden. Ich schließe die Tür und verriegele sie dreifach. Mein Verstand versucht, eine logische Erklärung zu finden. Vielleicht habe ich sie gar nicht ausgezogen. Vielleicht bin ich noch gar nicht richtig wach. Ich setze mich auf das Sofa und starre auf die geschlossene Tür. Ich darf nicht einschlafen. Nach einer Stunde fange ich an zu zweifeln. Die Stille in der Wohnung wird schwer wie Blei. Ich stehe auf und gehe zum Badezimmerspiegel. Ich muss mein Gesicht sehen, um mich zu verankern. Ich schalte das Licht ein. Das helle Neonröhrenlicht brennt in meinen Augen. Im Spiegel sehe ich mich selbst, aber mein Blick wirkt fremd und leer. Ich bemerke einen dunklen Fleck auf meiner Schulter. Ich drehe mich, um ihn im Spiegel zu untersuchen. Es ist kein Schmutz, es ist ein Fingerabdruck aus feuchtem Staub. Jemand hat mich berührt, während ich auf dem Sofa saß. Ich habe nichts gespürt. Ich verlasse das Badezimmer und gehe zurück in den Flur. Ich muss wissen, ob die Schuhe noch draußen stehen. Ich greife nach der Klinke und halte inne. In der Wohnung über mir fängt jemand an zu laufen. Es sind dieselben Schritte, schwer, rhythmisch und mit diesem charakteristischen Schleifen. Das Problem ist, dass über mir niemand wohnt. Der fünfte Stock ist eine unbewohnte Baustelle. Ich höre, wie die Person über mir genau dieselben Wege geht wie ich. Sie geht in die Küche, sie stellt ein Glas ab. Das Geräusch ist so klar, als stünde die Person direkt neben mir. Ich schaue an die Decke und sehe, wie sich der Staub aus den Fugen löst. Die Schritte werden schneller. Die Person da oben rennt jetzt im Kreis. Es klingt wie pure Verzweiflung. Plötzlich hören die Schritte auf. Absolute Stille kehrt zurück. Ich wage es nicht, mich zu bewegen. Dann höre ich ein Geräusch aus meinem eigenen Schlafzimmer. Ein leises Knarren der Dielen. Jemand setzt sich auf mein Bett. Ich gehe ganz langsam zum Schlafzimmer und schiebe die Tür einen Spalt weit auf. Das Zimmer ist leer. Die Bettdecke ist jedoch zurückgeschlagen. Auf dem Kopfkissen ist eine tiefe Einbuchtung zu sehen. Als hätte dort gerade noch jemand gelegen. Die Stelle ist noch warm, als ich sie berühre. Ich renne zurück zur Wohnungstür und reiße sie auf. Ich will nur noch weg von hier. Ich stürme hinaus in das Treppenhaus und renne die Stufen hinunter. Meine Lunge brennt. Ich erreiche den dritten Stock und bleibe abrupt stehen. Ich höre etwas von oben. Es sind Schritte. Jemand rennt mir hinterher. Ich beschleunige mein Tempo und fliege förmlich die Treppen hinunter. Das Echo meiner Tritte ist ohrenbetäubend. Ich erreiche das Erdgeschoss und greife nach dem schweren Griff der Haustür. Sie ist abgeschlossen. Ich rüttele wahnsinnig an dem Metall. Aber es bewegt sich kein Millimeter. Ich habe keinen Schlüssel für die Haustür dabei. Ich drehe mich um und schaue die Treppe hinauf. Die Schritte von oben kommen näher. Sie klingen nicht mehr wie die eines Verfolgers. Sie klingen synchron zu meinen eigenen Bewegungen. Ich hebe den Arm. Das Geräusch über mir klingt, als würde jemand Kleidung zurechtrücken. Ich mache einen Schritt nach vorn. Von oben antwortet das exakt gleiche Geräusch. Ich fange an zu schreien, aber kein Ton verlässt meine Kehle. Ich bin in diesem Treppenhaus gefangen. Ich schaue nach oben in das Geländer. Dort oben steht eine Gestalt und schaut zu mir hinunter. Ich kann ihr Gesicht nicht erkennen, aber sie trägt meinen Mantel. Sie hält einen Schlüsselbund in der Hand. Die Gestalt hebt den Arm und winkt mir langsam zu. Es ist keine drohende Geste. Es ist die Geste von jemandem, der endlich nach Hause gekommen ist. Die Gestalt dreht sich um und geht die Treppen wieder hinauf. Ich folge ihr, ohne es zu wollen. Meine Beine bewegen sich von selbst. Wir steigen Stufe um Stufe nach oben. Der Rhythmus ist perfekt. Zwei Körper, die sich wie ein einziger Schatten bewegen. Das Schleifen der Schuhe halt im Gleichschritt. Wir erreichen den vierten Stock. Die Gestalt öffnet meine Wohnungstür und tritt ein. Ich stehe auf dem Absatz und schaue auf meine Füße. Ich trage keine Schuhe mehr. Ich schaue durch den Türspalt in meine Wohnung. Ich sehe mich selbst auf dem Sofa sitzen. Die Person auf dem Sofa starrt mit weit aufgerissenen Augen zur Tür. Sie sieht mich nicht an. Sie sieht durch mich hindurch, als wäre ich nur ein Hauch von kalter Luft. Ich spüre, wie ich langsam verblasse. Meine Hände werden durchsichtig wie Glas. Ich versuche zu rufen, dass ich noch hier bin. Aber mein Bewusstsein teilt sich auf. Ich bin derjenige, der auf dem Sofa sitzt und zittert. Und ich bin derjenige, der draußen im Flur im Licht steht. Ich sehe, wie die Person auf dem Sofa aufsteht und zum Badezimmer geht. Ich kenne jeden Gedanken, den sie jetzt hat. Ich weiß genau, dass sie gleich den Fleck auf ihrer Schulter entdecken wird. Ich habe ihn dort hinterlassen, als ich an ihr vorbeiging. Ich setze mich auf das Bett im Schlafzimmer und warte. Die Matratze gibt unter meinem Gewicht nach. Ich höre, wie die Person an der Wohnungstür rüttelt und dann das Treppenhaus hinunterrennt. Ich lasse ihr einen kleinen Vorsprung, dann stehe ich auf und folge ihr. Ich genieße den Klang meiner Schritte auf dem Stein. Es ist ein schönes Geräusch. Es klingt so vertraut. Unten an der Haustür angekommen, sehe ich die Person verzweifelt am Griffrütteln. Ich stehe oben am Geländer und beobachte sie. Ich trage den Mantel, den sie so sehr liebt. Ich fühle mich zum ersten Mal seit Jahren wieder lebendig. Ich winke ihr zu. Sie sieht mich nicht, aber sie spürt meine Anwesenheit. Dann drehe ich mich um und gehe zurück in die Wohnung. Ich schließe die Tür hinter mir ab. Ich lege mich in das warme Bett und schließe die Augen. Endlich ist die Stille perfekt. Draußen im Treppenhaus höre ich ein einsames Schluchzen. Dann beginnen die Schritte von vorn. Ich lausche dem vertrauten Schleifen des linken Absatzes. Es kommt immer näher. Ich frage mich, wie lange ich diesmal bleiben darf. Jemand schiebt einen Schlüssel in das Schloss meiner Tür. Sie hörten das vergessene Stockwerk. Wenn Ihnen diese Geschichte gefallen hat, folgen Sie dem Podcast für weitere Psycho-Thriller. Neue Episoden erscheinen regelmäßig. Eine Produktion von Gravelow Voices.