KI Espresso

4,8% gegen 74,5%: Kann Deutschland bei KI noch aufholen?

Episode 20

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Deutschland hat nur 4,8 Prozent der weltweiten KI-Rechenleistung. Die USA haben 74,5 Prozent.

KI Espresso EP020

SPEAKER_01

Deutschland besitzt nur 4,8 Prozent der weltweiten KI-Rechenleistung. Die USA kontrollieren 74,5 Prozent. Ein unglaublicher Unterschied. Total. Also wenn wir uns unseren heutigen Stapel an Quellen ansehen, Strategiepapiere aus dem Digitalministerium, krasse Branchenanalysen und so einen faszinierenden MIT-Bericht, da ist die Mission für unsere Analyse heute echt klar. Verlieren wir gerade komplett die Kontrolle über unsere digitale Zukunft?

SPEAKER_00

Das ist die große Frage.

SPEAKER_01

Genau. Die Pläne der Regierung, die uns hier vorliegen, sind gigantisch. Eine Vervierfachung unserer KI-Kapazität bis 2030, also 28 konkrete Maßnahmen und drei bis fünf Milliarden Euro für eine KI-Gigafactory mit 100.000 Chips. Das wird als der absolute Befreiungsschlag verkauft, quasi unsere letzte Chance auf digitale Eigenständigkeit.

SPEAKER_00

Da muss ich also basierend auf den Gegenstimmen in unseren Wirtschaftsberichten echt extrem scharf widersprechen.

SPEAKER_01

Wirklich?

SPEAKER_00

Ja. Diese Milliarden an Steuergeldern jetzt einfach so in Beton und Chips zu gießen, das wird von vielen in der Industrie als massive Fehlinvestition gesehen. Wenn wir die Analysen von Managern wie SAP-Chef Christian Klein aufschlagen, wird deutlich, der sagt nämlich ganz klar, der Hardware-Zug ist abgefahren.

SPEAKER_01

Krass, okay.

SPEAKER_00

Wir starren völlig geblendet auf die nackte Infrastruktur. Stell dir vor, du baust das modernste Fußballstadion der Welt, hast aber weder eine Mannschaft noch einen Ball. Die eigentliche Wertschöpfung bei komplexen KI-Modellen findet längst woanders statt. Und reine Hardware löst das einfach nicht.

SPEAKER_01

Okay, aber lasst uns das mal aus der Praxisperspektive aufdröseln. Stellt euch vor, also ihr, die ihr gerade zuhört, seid ein deutsches KI-Startup. Ihr wollt ein neues, riesiges Sprachmodell trainieren. Ohne gigantische Rechenleistung geht das physikalisch einfach nicht. Und wenn diese Server dann nur Amazon, Google oder Microsoft in den USA gehören, dann liegen eure sensiblen Daten genau dort. Ihr seid komplett abhängig.

SPEAKER_00

Ja, die Abhängigkeit ist da. Aber.

SPEAKER_01

Und unsere Quellen zeigen zudem, dass Europa beim Bauen durchaus Tempo machen kann. Schau dir das Projekt der Telekom in München an. Dort wurde eine KI-Fabrik mit 10.000 GPUs in nur sechs Monaten hochgezogen. Sogar Nvidia-Chef Jensen Huang war vor Ort.

SPEAKER_00

Ja, das war ein riesiges Event.

SPEAKER_01

Genau. Das beweist doch, wir können Blitz schnell bauen, das Ding läuft und wir können Startups eine physische Basis im eigenen Land bieten.

SPEAKER_00

Es ist auch absolut beeindruckend, dass die Hardware dort so schnell stand, keine Frage. Aber hier kommt das große Aber. Aus den vorliegenden Industriezahlen, Europas eigentlicher Flaschenhals ist überhaupt nicht das Silizium, es sind die Köpfe.

SPEAKER_01

Du meinst die Fachkräfte?

SPEAKER_00

Nau, wir haben laut Statistik aktuell 109.000 komplett unbesetzte IT-Stellen in Deutschland. 109.000. Ein KI-Rechenzentrum ist ja keine magische Box, die du einfach an die Steckdose anschließt und dann läuft das.

SPEAKER_01

Klar, die Software fehlt da noch.

SPEAKER_00

Ja, man braucht hochspezialisierte Ingenieure, die die sogenannte Middleware schreiben. Das ist quasi die komplexe Softwarebrücke, die überhaupt erst dafür sorgt, dass KI-Modelle auf diesen rohen Chips laufen können. Ein Rechenzentrum, ohne diese Leute zu bauen, das ist wie der Bau eines gigantischen Flughafens ohne Fluglotsen.

SPEAKER_01

Die Flugzeuge können dann halt nicht landen.

SPEAKER_00

Exakt. Und genau deshalb warnt auch Siemens CEO Roland Busch in unseren Unterlagen. Er sagt, das Pferd von hinten aufzuzäumen, ist keine gute Idee. Erst die Hardware zu bauen und dann zu hoffen, dass das Personal schon irgendwie auftaucht, das funktioniert in der Tech-Welt einfach nicht.

SPEAKER_01

Okay, verstehe. Aber können wir es uns im internationalen Wettbewerb überhaupt leisten, auf jeden einzelnen ausgebildeten Programmierer zu warten? Die Berichte auf unserem Tisch zeichnen da ein Bild von enormem globalen Druck. Der Druck ist da, das bestreitet ja niemand. Eben. Die EU stellt gerade 20 Milliarden Euro für drei bis fünf Gigafactories bereit. Es gab 76 Bewerbungen aus 16 Ländern. Die Nachfrage nach diesen Rechenzentren explodiert regelrecht. Frankreich investiert parallel 109 Milliarden Euro.

SPEAKER_00

Ja, die Summen sind gigantisch.

SPEAKER_01

Und wenn wir jetzt nicht zugreifen und stattdessen wieder in unserer typischen deutschen Konsenssuche verharren, dann verlieren wir endgültig den Anschluss. Erinnert euch doch mal an das gescheiterte Konsortium zwischen der Telekom und der Schwarzgruppe im Juni 2025 aus unseren Notizen.

SPEAKER_00

Oh ja, das war ein Drama.

SPEAKER_01

Da hat man sich endlos über Standorte und Führung gestritten, bis das Projekt einfach tot war. Der internationale Druck ist doch immens. Wir müssen handeln.

SPEAKER_00

Und genau diese Jetzt oder nie Panik führt laut unseren Quellen extrem oft zu blindem Aktionismus. Hier wird es in der Analyse nämlich richtig spannend. Lass uns mal den aktuellen MIT-Bericht aufschlagen.

SPEAKER_01

Ah, die sogenannte China-Warnung.

SPEAKER_00

Ganz genau. China hat vor ein paar Jahren exakt das gemacht, was unsere jetzigen Regierungspläne vorsehen. Die haben, total getrieben von Subventionen in Rekordzeit, hunderte riesige KI-Rechenzentren aus dem Boden gestampft. Und das Resultat?

SPEAKER_01

Moment, viele dieser gigantischen Anlagen stehen heute völlig leer, richtig? Weil die Nachfrage doch nicht da war.

SPEAKER_00

Richtig. Weil man nicht verstanden hat, wie die Unternehmen eigentlich arbeiten. Die Firmen brauchten flexible, anpassbare Cloud-Mösungen und eben die entsprechende Softwareumgebung. Keine starren, staatlich verordneten Serverfarmen.

SPEAKER_01

Also im Grunde eine reine Fehlinvestition.

SPEAKER_00

Total. Wenn wir Infrastruktur bauen, ohne das Ökosystem der Nutzer zu verstehen, droht uns exakt das gleiche Milliardengrab. Dazu kommt noch ein weiterer Fakt aus den Dokumenten. Deutschland pumpt seit 2018 echt viel Geld in KI. Aber bei der echten Anwendung in der Wirtschaft hängen wir bei 44 von 100 Punkten fest.

SPEAKER_01

Puh, das ist nicht gerade viel.

SPEAKER_00

Nein, gar nicht. Die Analysen zeigen, unser Problem ist eine erdrückende Bürokratie und eine Unternehmenskultur, die Technologie zwar gerne mal teuer einkauft, aber sie nicht innovativ in ihre Prozesse integriert. Da retten uns auch keine staatlich subventionierten Hallen voller Server.

SPEAKER_01

Das ist ein extrem starker Punkt. Und genau das ist der Gedanke, den ihr aus unserer heutigen tiefgehenden Recherche mitnehmen müsst. Gehen wir für diese letzten Sekunden noch einmal ganz zurück zu unserem allerersten Satz. Deutschland hat 4,8% der Rechenleistung, die USA haben 74,5%.

SPEAKER_00

Ein gewaltiger Kontrast.

SPEAKER_01

Absolut. Aber wenn wir all diese Quellen zusammennehmen, müsst ihr euch echt fragen, ist das wirklich ein existenzieller Rückstand, den wir zwingend mit Milliarden an Steuergeldern für neue Gigafactories schließen müssen?

SPEAKER_00

Oder starren wir auf das völlig falsche Problem?

SPEAKER_01

Genau. Starren wir völlig geblendet von blinkender Hardware auf die absolut falsche Metrik, während die eigentliche Software- und Talentrevolution längst ohne uns stattfindet. Denkt mal drüber nach. Abonniert KI Espresso für tägliche KI-Debutton.