KI Espresso

EZB sagt Jobmotor, ifo sagt Jobkiller — wer hat recht?

Episode 21

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Die EZB sagt: KI schafft Jobs. Das ifo Institut sagt: KI vernichtet Jobs. Wer hat recht?

KI Espresso EP021

SPEAKER_01

Die EZB hat 5000 Unternehmen untersucht. Firmen, die KI nutzen, stellen 4% mehr Mitarbeiter ein. Das IFO-Institut hält aber dagegen. Also 27 Prozent der deutschen Firmen erwarten in den nächsten fünf Jahren einen massiven Stellenabbau.

SPEAKER_00

Ja, aber das ist ein gewaltiger Widerspruch. Also direkt hier auf dem Tisch. Auf der einen Seite diese aktuellen EZB-Daten und dann halt die konkreten Planungen für morgen vom IFO-Institut.

SPEAKER_01

Aber die aktuellen Daten sprechen doch eine ganz klare Sprache, oder? Also wenn wir uns das ansehen, dann ist KI ein absoluter Jobmotor.

SPEAKER_00

Ein Jobmotor. Das ist doch wirklich die rosarote Brille der Tech-Branche.

SPEAKER_01

Warte mal. Weltweit sehen wir auf LinkedIn über 1,3 Millionen neue KI-Rollen. Und in Deutschland sind die KI-Ausbildungsplätze seit 2023 einfach extrem in die Höhe geschossen.

SPEAKER_00

Ja, und da muss ich dir wirklich scharf widersprechen. Wieso? Da entstehen doch völlig neue Karrieren. Die Realität abseits von deiner LinkedIn-Bubble sieht deutlich düsterer aus. Wir stehen in Deutschland bei über 3,08 Millionen Arbeitslosen. Das ist ein Zehn-Jahres-Hoch.

SPEAKER_01

Gut, aber das hat ja auch andere Gründe.

SPEAKER_00

Und wenn das IFO-Institut von Stellenabbau spricht, dann sind das keine vagen Theorien, sondern beschlossene Strategien in den Chefetagen. Die rechnen mit Belegschaftskürzungen von rund 8% bei den befragten Firmen. Das ist kein Jobmotor, das ist ein geplanter Kahlschlag.

SPEAKER_01

Moment, du siehst das meiner Meinung nach viel zu schwarz. Schau dir doch mal an, was bei großen Playern wie SAP oder Bosch passiert.

SPEAKER_00

Die bauen beide massiv ab.

SPEAKER_01

Ja, SAP streicht 8000 Stellen, aber sie investieren gleichzeitig eine Milliarde Euro in KI. Und Bosch baut zwar bis 2030 rund 22.000 Stellen ab, beschäftigt aber gleichzeitig 5000 KI-Spezialisten im Haus.

SPEAKER_00

Aber das ist doch genau der Punkt.

SPEAKER_01

Für mich ist das wie beim Bau einer neuen Eisenbahnstrecke oder eines Hauses. Erst brauchst du wahnsinnig viele Architekten und Leute, die die Schienen verlegen und später die Einrichter. Die Aufgaben verlagern sich einfach nur. Es ist eine Umschichtung.

SPEAKER_00

Deine Eisenbahnanalogie ist ja ganz nett, aber du ziehst da den völlig falschen Schluss draus. Wirklich.

SPEAKER_01

Inwiefern?

SPEAKER_00

Das ist keine Umschichtung. Du stellst Tausende ein, um die Schienen zu verlegen. Aber was passiert denn, wenn die Strecke fertig ist?

SPEAKER_01

Dann fahren die Züge.

SPEAKER_00

Genau. Der automatisierte Zug fährt von alleine. Und die Gleisbauer, die werden entlassen. Das ist keine sanfte Verlagerung, das ist ein brutaler Austausch.

SPEAKER_01

Das sehe ich anders.

SPEAKER_00

Stell dir mal vor, du arbeitest seit 20 Jahren in der Verwaltung. KI übernimmt jetzt genau diese strukturierten Prozesse.

SPEAKER_01

Okay, das sind aber spezifische Bereiche.

SPEAKER_00

Ja, und Ferdi warnt genau deshalb so vehement, weil das Bereiche sind, in denen historisch überproportional viele Frauen arbeiten. Es fliegen erfahrene Fachkräfte raus und junge IT-Ler kommen rein. Wenn ein Industriegigant wie 7-6000 Stellen steigt, dann wackeln hier die Säulen der Industrie.

SPEAKER_01

Aber blinder Ersatz durch Algorithmen, also das funktioniert in der Praxis doch gar nicht so leicht.

SPEAKER_00

Ach ja.

SPEAKER_01

Lass uns da mal auf Klaner schauen. Die haben massiv auf Automatisierung gesetzt und 700 Mitarbeiter im Kundenservice durch KI ersetzt. Weißt du, was das Ergebnis war?

SPEAKER_00

Wahrscheinlich enorme Kosteneinsparungen.

SPEAKER_01

Nein, die Servicequalität brach massiv ein, weil eine KI bei komplexen emotionalen Kundenstreitigkeiten einfach keine menschliche Empathie oder Kulanz zeigen kann.

SPEAKER_00

Ja, okay, aber das.

SPEAKER_01

Die Kunden waren frustriert und jetzt muss Klarer wieder echte Menschen einstellen. Mein Fazit ist da ganz klar, blinder Ersatz durch KI scheitert einfach in der Realität.

SPEAKER_00

Dass Klarer sich bei der Umsetzung da jetzt mal verschätzt hat, das lasse ich nicht gelten. Das stoppt die grundlegende Mechanik der Automatisierung nicht.

SPEAKER_01

Aber es zeigt die Grenzen auf.

SPEAKER_00

Wir müssen hier das große Bild sehen. Hast du die Anthropic-Studie auf dem Schirm? Die zeigt, dass 94% aller Aufgaben in diesen kognitiven Bereichen theoretisch bereits automatisierbar sind.

SPEAKER_01

Theoretisch, ja. Aber praktisch.

SPEAKER_00

Praktisch sind wir aktuell bei 33%. Aber diese Lücke schließt sich enorm schnell.

SPEAKER_01

Und was hat das mit den Einstellungen zu tun?

SPEAKER_00

Das erklärt genau deine EZB-Studie vom Anfang.

SPEAKER_01

Wie meinst du das?

SPEAKER_00

Diese 4% mehr Einstellungen, die die EZB da misst, das ist nur die trügerische Aufbauphase.

SPEAKER_01

Also die Gleisbauer für mein Eisenbahnnetz.

SPEAKER_00

Ganz genau. Die Unternehmen stellen jetzt gerade massiv IT-Leute ein, um die KI in ihre Systeme zu integrieren. Aber sobald das steht und wir an diese 94%-Marke kommen, kippt die Bilanz extrem.

SPEAKER_01

Puh, also wenn du das so erklärst, dann ergibt dieser Widerspruch plötzlich Sinn. Das ändert wirklich alles. Eben. Wenn du das jetzt hörst, also du als Zuhörer, denk nochmal an diese allererste Zahl zurück, mit der wir gestartet sind.

SPEAKER_00

Die 4%.

SPEAKER_01

Genau, diese 4%-Mehreinstellungen durch KI von der EZB. Frag dich mal selbst, ist das wirklich ein Zeichen von Sicherheit für uns auf dem Arbeitsmarkt?

SPEAKER_00

Oder müssen wir hier tatsächlich nur diese trügerische Ruhe, bevor das Gleisnetz fertig ist und sich die Automatisierungslücke von Anthropic komplett schließt?

SPEAKER_01

Das ist eine wirklich gute Frage.

SPEAKER_00

Und um dir noch einen provokanten Schlussgedanken mitzugeben, wenn aktuell 109.000 IT-Stellen unbesetzt sind und US-Fachkräfte laut Fortune sogar nach Europa fliehen, weil hier gerade Jobs entstehen, ist die wahre Zeitbombe vielleicht gar nicht die KI, sondern der eigene Stillstand bei der Weiterbildung.

SPEAKER_01

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