KI Espresso

15 Billionen — McKinsey: „Agent-Readable oder unsichtbar

Episode 29

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SPEAKER_01

McKinse prognostiziert bis 2030 einen Billionendollar-Markt für KI-Agenten. Also allein im US-Einzelhandel. Und Gartner legt noch einen drauf mit 15 Billionen Dollar im B2B-Einkauf bis 2028.

SPEAKER_00

Das sind echt absurde Zahlen.

SPEAKER_01

Ja, absolut. Aber dann schaust du in den Dachraum und naja, SAP wird da aktuell als der Grand Canyon zwischen Ankündigung und Realität beschrieben. Der deutsche Mittelstand sitzt quasi auf den agentenfeindlichsten Systemen der Welt.

SPEAKER_00

Naja, aber wir müssen hier echt aufpassen.

SPEAKER_01

Genau. Und unsere Mission für diese Analyse heute ist nämlich genau das für euch zu klären. Verpassen wir hier den wichtigsten technologischen Zug unserer Zeit oder ist diese ganze Agentenwirtschaft am Ende nur eine riesige Illusion?

SPEAKER_00

Also ich halte Letzteres für absolut plausibel, bevor wir da jetzt in blinden Aktionismus verfallen.

SPEAKER_01

Wie bitte?

SPEAKER_00

Fünf Billionen Dollar Web 3-Revolution prophezeit.

SPEAKER_01

Gut, das stimmt schon.

SPEAKER_00

Das ist doch massiv überzogen, das Ganze. Reine Illusion.

SPEAKER_01

Eine Illusion. Nee, also da muss ich dir extrem widersprechen, da bin ich komplett anderer Meinung.

SPEAKER_00

Okay, wieso?

SPEAKER_01

Wir stehen hier an einem existenziellen Wendepunkt. Sich heute gegen KI-Agenten zu sperren, das ist echt so, als hätte man 1999 beschlossen, ach, wir brauchen keine Website für unser Unternehmen.

SPEAKER_00

Das ist jetzt aber ein sehr harter Vergleich.

SPEAKER_01

Aber stimmt doch. Das klassische SEO, wie wir das alle kennen, das ist einfach tot. Wer heute keine maschinenlesbaren, strukturierten Daten liefert, der existiert für Agenten schlichtweg nicht.

SPEAKER_00

Ja, aber Moment mal.

SPEAKER_01

Denkt nur mal an Googles neues Universal Commerce Protocol. Zur Einordnung für euch, das ist im Grunde ein standardisiertes Format. Damit kapiert eine KI sofort, was dein Produkt kann, ohne dass sie ewig Texte lesen muss.

SPEAKER_00

Dann machst du es dir aber sehr einfach.

SPEAKER_01

Die Zahlen beweisen das aber. Shopify hat seit Januar 2025 einen elffachen Anstieg bei KI vermittelten Bestellungen. Und ChatGPT bietet einen Live-Checkout an. Da können 900 Millionen Nutzer direkt im Chat einkaufen. Die Revolution ist doch längst live.

SPEAKER_00

Das nennst du eine Revolution? Schau dir doch mal an, was die großen Player in der Realität wirklich tun.

SPEAKER_01

Was meinst du?

SPEAKER_00

TechGiganten wie Amazon oder Apple und paradoxerweise sogar Google selbst, die sperren Bots ganz bewusst und aktiv aus.

SPEAKER_01

Echt?

SPEAKER_00

Ja, sicher. Die blockieren sogenannte Scraper. Das sind automatisierte Skripte, die massenhaft Websites nach Daten absuchen.

SPEAKER_01

Okay, aber warum machen die das?

SPEAKER_00

Weil sie die direkte Kundenbeziehung unter dar keinen Umständen an KI-Modelle von Dritten verlieren wollen. Das ist pure wirtschaftliche Logik. Wer diese Schnittstelle zum Kunden aufgibt, verliert einfach sein Geschäft.

SPEAKER_01

Okay, ich verstehe den Punkt mit der Kundenbindung total, aber das hält den Markt ja nicht auf. Du ignorierst hier völlig, wie massiv Agenten bereits im Hintergrund agieren.

SPEAKER_00

Ach ja. Wo denn?

SPEAKER_01

Naja, nehmen wir mal Walmart. Die haben mit Packtum AI in nur elf Tagen mit 64 Prozent ihrer Lieferanten verhandelt.

SPEAKER_00

In elf Tagen?

SPEAKER_01

Ja, genau. Und das nicht per E-Mail-Ping-Pong. Die KI hat historische Preisdaten in Sekundenbruchteilen analysiert und dann vollautomatisch Gegenangebote verschickt. Über Chat-Interfaces. Das hätte früher Monate gedauert.

SPEAKER_00

Naja gut, im Handel mag das funktionieren.

SPEAKER_01

Es beschränkt sich ja nicht mal auf den Handel. Albanien zum Beispiel hat mit Diella die weltweit erste KI-Ministerin für öffentliche Beschaffung ernannt.

SPEAKER_00

Eine KI-Ministerin?

SPEAKER_01

Ja, sie erstellt Vertragsbedingungen, prüft Dokumente, setzt Preisobergrenzen. Vollautomatisch. Das ist doch kein Hype mehr. Das passiert genau jetzt.

SPEAKER_00

Okay, dann lass uns doch mal über die brutale Realität sprechen, wenn man wirklich alles den Maschinen überlässt. Erinnerst du dich noch an das Klaner-Desaster?

SPEAKER_01

Ähm ja, dunkel. Die haben extrem viele Leute entlassen, oder?

SPEAKER_00

Genau, sie haben 853 Mitarbeiter durch KI-Agenten ersetzt. Und natürlich sanken die Transaktionskosten erstmal massiv.

SPEAKER_01

Klingt ja eigentlich nach einem Erfolg.

SPEAKER_00

Eben nicht. Weißt du, warum die Qualität dann so dramatisch einbrach, dass der CEO öffentlich einlenken musste?

SPEAKER_01

Lass mich raten, die Kunden waren genervt.

SPEAKER_00

Absolut. Weil die KI komplexe und nuancierte Kundenprobleme überhaupt nicht erfassen konnte. Die Menschen wurden in endlose, frustrierende Support-Schleifen geschickt. Und am Ende musste Klarner wieder echte Menschen einstellen.

SPEAKER_01

Okay, das ist ein krasses Gegenbeispiel.

SPEAKER_00

Und dein Ansatz von wegen einfach alles für Agenten lesbar machen, das scheitert aktuell auch brutal an der Technik selbst.

SPEAKER_01

Inwiefern das denn? Das Universal Commerce Protocol ist doch genau dafür da.

SPEAKER_00

Selbst ein echter Vorreiter wie Stripe ist daran gescheitert. Die wollten ihr Analysetool Sigmar für Agenten nutzbar machen.

SPEAKER_01

Und das hat nicht funktioniert.

SPEAKER_00

Nein. Der Grund ist simpel. Ganz einfache CSV-Dateien, also diese riesigen Tabellen mit Rohdaten, die haben das Kontext-Window der KI komplett gesprengt.

SPEAKER_01

Ah, das Kurzzeitgedächtnis der KI.

SPEAKER_00

Richtig. Das Kontext-Window. Wenn du da tausende unstrukturierte Zahlen reinpumpst, ist das Token-Limit einfach sofort erschöpft. Und ich stelle dir da noch eine viel wichtigere Frage.

SPEAKER_01

Schieß los.

SPEAKER_00

80% des Wertes eines Produkts ist oft pure emotionale Story.

SPEAKER_01

Stimmt, Markenbildung und Storytelling.

SPEAKER_00

Genau. Wie soll eine nackte Datenbank die Geschichte von einem äthiopischen Kaffeebauern an einen Agenten vermitteln?

SPEAKER_01

Okay, schwer vorstellbar.

SPEAKER_00

Also eine Geschichte, wo der Bauer mit seinen Bohnen einen Schulbau finanziert. Wie soll dieser emotionslose, rein logikgetriebene Agent das verstehen und an den Kunden weitergeben? Das geht einfach nicht.

SPEAKER_01

Okay, da hast du absolut recht. Eine Datenbank hat halt keine Emotionen und das Context Window hat harte technische Limits. Das sehe ich ein.

SPEAKER_00

Eben.

SPEAKER_01

Und genau an diesem Punkt müssen wir die Fakten vom Anfang noch einmal auf den Tisch legen. Für euch als Zuhörer zur Einordnung. Richtig. McKinsey und Gartner sprechen von 1 bis 15 Billionen Dollar Umsatz, der durch KI-Agenten fließen soll. Ich möchte euch jetzt auffordern, diese Zahlen für euch wirklich neu zu bewerten.

SPEAKER_00

Ist das wirklich realistisch?

SPEAKER_01

Ja, genau. Ist diese agentengetriebene Billionenwirtschaft wirklich so eine unausweichliche Realität, für die ihr eure Systeme sofort öffnen müsst? Oder zerschellt diese Utopie gerade an massiven technischen Hürden und unserem menschlichen Qualitätsanspruch?

SPEAKER_00

Das ist die entscheidende Frage. Denn überlegt mal, wenn in Zukunft Algorithmen unseren Einkauf nur noch anhand strenger Kriterien, Preisdaten und maschinenlesbarer Protokolle erledigen. Was passiert dann eigentlich langfristig mit dem emotionalen Wert von Markenbindung? Werden Marken und ihre Geschichten überhaupt noch relevant sein, wenn am Ende sowieso nur Maschinen für uns einkaufen?

SPEAKER_01

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