KI Espresso
KI Espresso ist dein täglicher KI-Podcast für Künstliche Intelligenz, AI News und Tech News aus Deutschland und der Welt. In 5 bis 7 Minuten bekommst du die wichtigsten KI-News, klar eingeordnet und auf den Punkt. Für alle, die verstehen wollen, wie KI Arbeit, Wirtschaft und Alltag verändert. Neue Folgen von Montag bis Freitag.
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44,1 Prozent — stirbt der Führerschein aus?
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Von 57,4% auf 44,1%, so drastisch, ist die Führerscheinquote der 17- bis 20-Jährigen in Deutschland abgestürzt, während unser privates Auto 90% seiner Lebenszeit völlig ungenutzt stillsteht. Wir haben hier heute einen massiven Stapel an Branchenberichten vor uns.
SPEAKER_01Ja, Wahnsinn eigentlich.
SPEAKER_00Total. Also, Prognosen der Boston Consulting Group. Strategiepapiere von Tesla und Waymo. Unsere Mission in dieser ausführlichen Analyse ist es, herauszufinden, ob das private Auto gerade vor unseren Augen stirbt. Die BCG prognostiziert nämlich bis 2035 weltweit bis zu drei Millionen Robotaxis.
SPEAKER_01Ja, und das hieße.
SPEAKER_00Genau, das hieße, dass 85 Prozent aller appgesteuerten Fahrdienste komplett autonom ablaufen. Also das Auto wird quasi ganz radikal vom Besitz zum Service.
SPEAKER_01Halt, also da müssen wir sofort relativieren. Diese drei Millionen suggerieren so eine globale Revolution, die so einfach nicht stattfindet.
SPEAKER_00Wieso nicht?
SPEAKER_01Naja, wenn wir in unsere europäischen Quellen schauen, liegt die Prognose für Europa bei gerade mal 120.000 Fahrzeugen.
SPEAKER_00Moment, äh, warum so eine gewaltige Diskrepanz? Die Technologie rollt doch ohnehin weltweit aus.
SPEAKER_01Die Technologie ja, aber halt nicht die Regulatorik. Unsere Sicherheitsaufsichten und vor allem die Haftungsfragen im Mischverkehr.
SPEAKER_00Ah, also wenn Robotexis und menschliche Fahrer sich dieselbe Straße teilen.
SPEAKER_01Exakt. Das bremst das massiv aus. Wer zahlt denn bei einem Unfall? Der Algorithmusentwickler? Oder der Flottenbetreiber?
SPEAKER_00Stimmt ja.
SPEAKER_01Solange diese strengen Zulassungsprozesse, also die sogenannte Homologation, nicht rechtssicher geklärt sind, bleibt das in Europa ein regulatorischer Albtraum und keine Revolution.
SPEAKER_00Okay, ja, die Bürokratie ist langsam, das kennen wir. Aber schaut euch doch mal die reine Ökonomie in diesen Dokumenten an. Tesla und Waymo kalkulieren mit Zielkosten von 20 bis 40 US-Cent pro Meile.
SPEAKER_01Ja, angeblich.
SPEAKER_00Überlegt mal, warum das so extrem billig ist. Man streicht halt den teuersten Faktor, also den menschlichen Fahrer, komplett raus. Richtig. Die Flotte ist elektrisch, wartungsarm und amortisiert sich, weil sie 24 Stunden am Tag fährt. Wenn diese Rechnung auch nur ansatzweise aufgeht, ist das zwei- bis dreimal günstiger als jede klassische Mobilität. Ja, aber Das würde den heutigen Markt schlichtweg zerstören.
SPEAKER_01Da fallen wir auf klassische Marketingzahlen herein, die primär dazu dienen, Investorengelder anzuziehen. Externe Analysen in unseren Unterlagen zeigen da eher 50 Cent pro Meile.
SPEAKER_00Okay. 50 Cent ist aber auch noch extrem günstig.
SPEAKER_01Ja, aber das auch nur bei einer perfekten Auslastung der Flotte, die es in der Realität so gut wie nie gibt. Und hier ist der große Haken der vollen Autonomie, der in den Hochglanzbroschüren immer verschwiegen wird.
SPEAKER_00Welcher Haken?
SPEAKER_01Die sogenannte Remote Assistance.
SPEAKER_00Ah, sprich die Fernsteuerung durch Menschen im Hintergrund.
SPEAKER_01Exakt. Die Berichte zeigen, wie oft diese Fahrzeuge in komplexen Situationen wie einer unübersichtlichen Baustelle oder bei extremem Wetter einfach stehen bleiben.
SPEAKER_00Oh wow, wirklich.
SPEAKER_01Dann muss ein Mitarbeiter in einem Callcenter per Joystick eingreifen. Das treibt die verdeckten Personalkosten enorm nach oben. Wir ersetzen den Fahrer im Auto teilweise einfach durch einen Operator am Bildschirm. Das ist vieles, aber halt keine volle Autonomie.
SPEAKER_00Gut, die Kostenseite mag noch geschönt sein. Aber lasst uns das mal auf unseren Alltag übertragen. Selber fahren wird meiner Meinung nach das Schicksal der mechanischen Urteilen. Wie meinst du das? Naja, vom notwendigen Alltagsobjekt zum reinen Hobby für Liebhaber. Stellt euch mal eure Familienlogistik vor. Eine einzige Robotaximitgliedschaft übernimmt alles. Oh je. Das Auto fährt morgens die Kinder zur Schule, holt nachmittags die Eltern ab, der Stress fällt komplett weg.
SPEAKER_01Niemals. Da ignorierst du völlig, wie Familien psychologisch funktionieren. Millionen Menschen werden ihre Privatsphäre und die Vorhersehbarkeit ihres Alltags nicht für ein Servicemodell opfern.
SPEAKER_00Warum denn nicht, wenn es so viel bequemer und vor allem billiger ist?
SPEAKER_01Weil ein eigenes Auto die absolute Kontrolle bedeutet. Der Kindersitz bleibt festmontiert, die dreckigen Fußballschuhe liegen im Kofferraum.
SPEAKER_00Ja, okay, das ist praktisch.
SPEAKER_01Und wenn nachts um drei ein medizinischer Notfall passiert, drehst du den Schlüssel um und fährst los. Diese hundertprozentige Verfügbarkeit deines privaten Raums tauscht du nicht gegen eine App ein, die an einem verregneten Freitagabend bei Großveranstaltungen plötzlich 25 Minuten Wartezeit hat.
SPEAKER_00Okay, ein valider Punkt. Aber wenn Familien ihr Auto als privaten Raum dermaßen verteidigen, dann passiert die eigentliche Revolution vielleicht gar nicht beim Personentransport.
SPEAKER_01Sondern?
SPEAKER_00Wenn ich mir die Pilotprojekte von Amazon in unseren Quellen ansehe, dann fusionieren Mobilität und Logistik gerade völlig.
SPEAKER_01Ah ja, die Roboter.
SPEAKER_00Genau. Da steigen humanoide Roboter aus dem Robotaxi und tragen das Paket direkt bis vor die Wohnungsstür. Das Auto liefert den Roboter, der Roboter macht die letzte Meile.
SPEAKER_01Das ist für die Fracht faszinierend, absolut. Aber was bedeutet das für uns als Gesellschaft? Lassen wir uns das Ganze nochmal auf die Statistik vom Anfang zurückführen. Auf euch, die Zuhörer.
SPEAKER_00Richtig.
SPEAKER_0144,1 Prozent. So drastisch sinkt die Führerscheinquote der jungen Generation. Überlegt euch das mal ganz genau. Wenn eure Kinder sagen, ich brauche keinen Führerschein, ich rufe mein Auto, ist das wirklich ein technologischer Fortschritt und eine Erleichterung? Oder geben wir damit eine fundamentale Unabhängigkeit auf?
SPEAKER_00Wenn euch diese Debatte zum Nachdenken gebracht hat, abonniert KI Espresso. Jeden Tag eine neue KI-Debatte in sechs Minuten.
SPEAKER_01Und nehmt noch diesen letzten Gedanken mit, wenn das private Auto wirklich aus den Städten verdrängt wird, drohen unsere Straßen dann nicht mit leeren endlos kreisenden Robotaxis zu verstopfen? Einfach weil ständiges Fahren für die Algorithmen am Ende billiger ist, als das teure Parken im Stadtzentrum zu bezahlen?