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44,1 Prozent — stirbt der Führerschein aus?

Episode 50

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SPEAKER_00

Von 57,4% auf 44,1%, so drastisch, ist die Führerscheinquote der 17- bis 20-Jährigen in Deutschland abgestürzt, während unser privates Auto 90% seiner Lebenszeit völlig ungenutzt stillsteht. Wir haben hier heute einen massiven Stapel an Branchenberichten vor uns.

SPEAKER_01

Ja, Wahnsinn eigentlich.

SPEAKER_00

Total. Also, Prognosen der Boston Consulting Group. Strategiepapiere von Tesla und Waymo. Unsere Mission in dieser ausführlichen Analyse ist es, herauszufinden, ob das private Auto gerade vor unseren Augen stirbt. Die BCG prognostiziert nämlich bis 2035 weltweit bis zu drei Millionen Robotaxis.

SPEAKER_01

Ja, und das hieße.

SPEAKER_00

Genau, das hieße, dass 85 Prozent aller appgesteuerten Fahrdienste komplett autonom ablaufen. Also das Auto wird quasi ganz radikal vom Besitz zum Service.

SPEAKER_01

Halt, also da müssen wir sofort relativieren. Diese drei Millionen suggerieren so eine globale Revolution, die so einfach nicht stattfindet.

SPEAKER_00

Wieso nicht?

SPEAKER_01

Naja, wenn wir in unsere europäischen Quellen schauen, liegt die Prognose für Europa bei gerade mal 120.000 Fahrzeugen.

SPEAKER_00

Moment, äh, warum so eine gewaltige Diskrepanz? Die Technologie rollt doch ohnehin weltweit aus.

SPEAKER_01

Die Technologie ja, aber halt nicht die Regulatorik. Unsere Sicherheitsaufsichten und vor allem die Haftungsfragen im Mischverkehr.

SPEAKER_00

Ah, also wenn Robotexis und menschliche Fahrer sich dieselbe Straße teilen.

SPEAKER_01

Exakt. Das bremst das massiv aus. Wer zahlt denn bei einem Unfall? Der Algorithmusentwickler? Oder der Flottenbetreiber?

SPEAKER_00

Stimmt ja.

SPEAKER_01

Solange diese strengen Zulassungsprozesse, also die sogenannte Homologation, nicht rechtssicher geklärt sind, bleibt das in Europa ein regulatorischer Albtraum und keine Revolution.

SPEAKER_00

Okay, ja, die Bürokratie ist langsam, das kennen wir. Aber schaut euch doch mal die reine Ökonomie in diesen Dokumenten an. Tesla und Waymo kalkulieren mit Zielkosten von 20 bis 40 US-Cent pro Meile.

SPEAKER_01

Ja, angeblich.

SPEAKER_00

Überlegt mal, warum das so extrem billig ist. Man streicht halt den teuersten Faktor, also den menschlichen Fahrer, komplett raus. Richtig. Die Flotte ist elektrisch, wartungsarm und amortisiert sich, weil sie 24 Stunden am Tag fährt. Wenn diese Rechnung auch nur ansatzweise aufgeht, ist das zwei- bis dreimal günstiger als jede klassische Mobilität. Ja, aber Das würde den heutigen Markt schlichtweg zerstören.

SPEAKER_01

Da fallen wir auf klassische Marketingzahlen herein, die primär dazu dienen, Investorengelder anzuziehen. Externe Analysen in unseren Unterlagen zeigen da eher 50 Cent pro Meile.

SPEAKER_00

Okay. 50 Cent ist aber auch noch extrem günstig.

SPEAKER_01

Ja, aber das auch nur bei einer perfekten Auslastung der Flotte, die es in der Realität so gut wie nie gibt. Und hier ist der große Haken der vollen Autonomie, der in den Hochglanzbroschüren immer verschwiegen wird.

SPEAKER_00

Welcher Haken?

SPEAKER_01

Die sogenannte Remote Assistance.

SPEAKER_00

Ah, sprich die Fernsteuerung durch Menschen im Hintergrund.

SPEAKER_01

Exakt. Die Berichte zeigen, wie oft diese Fahrzeuge in komplexen Situationen wie einer unübersichtlichen Baustelle oder bei extremem Wetter einfach stehen bleiben.

SPEAKER_00

Oh wow, wirklich.

SPEAKER_01

Dann muss ein Mitarbeiter in einem Callcenter per Joystick eingreifen. Das treibt die verdeckten Personalkosten enorm nach oben. Wir ersetzen den Fahrer im Auto teilweise einfach durch einen Operator am Bildschirm. Das ist vieles, aber halt keine volle Autonomie.

SPEAKER_00

Gut, die Kostenseite mag noch geschönt sein. Aber lasst uns das mal auf unseren Alltag übertragen. Selber fahren wird meiner Meinung nach das Schicksal der mechanischen Urteilen. Wie meinst du das? Naja, vom notwendigen Alltagsobjekt zum reinen Hobby für Liebhaber. Stellt euch mal eure Familienlogistik vor. Eine einzige Robotaximitgliedschaft übernimmt alles. Oh je. Das Auto fährt morgens die Kinder zur Schule, holt nachmittags die Eltern ab, der Stress fällt komplett weg.

SPEAKER_01

Niemals. Da ignorierst du völlig, wie Familien psychologisch funktionieren. Millionen Menschen werden ihre Privatsphäre und die Vorhersehbarkeit ihres Alltags nicht für ein Servicemodell opfern.

SPEAKER_00

Warum denn nicht, wenn es so viel bequemer und vor allem billiger ist?

SPEAKER_01

Weil ein eigenes Auto die absolute Kontrolle bedeutet. Der Kindersitz bleibt festmontiert, die dreckigen Fußballschuhe liegen im Kofferraum.

SPEAKER_00

Ja, okay, das ist praktisch.

SPEAKER_01

Und wenn nachts um drei ein medizinischer Notfall passiert, drehst du den Schlüssel um und fährst los. Diese hundertprozentige Verfügbarkeit deines privaten Raums tauscht du nicht gegen eine App ein, die an einem verregneten Freitagabend bei Großveranstaltungen plötzlich 25 Minuten Wartezeit hat.

SPEAKER_00

Okay, ein valider Punkt. Aber wenn Familien ihr Auto als privaten Raum dermaßen verteidigen, dann passiert die eigentliche Revolution vielleicht gar nicht beim Personentransport.

SPEAKER_01

Sondern?

SPEAKER_00

Wenn ich mir die Pilotprojekte von Amazon in unseren Quellen ansehe, dann fusionieren Mobilität und Logistik gerade völlig.

SPEAKER_01

Ah ja, die Roboter.

SPEAKER_00

Genau. Da steigen humanoide Roboter aus dem Robotaxi und tragen das Paket direkt bis vor die Wohnungsstür. Das Auto liefert den Roboter, der Roboter macht die letzte Meile.

SPEAKER_01

Das ist für die Fracht faszinierend, absolut. Aber was bedeutet das für uns als Gesellschaft? Lassen wir uns das Ganze nochmal auf die Statistik vom Anfang zurückführen. Auf euch, die Zuhörer.

SPEAKER_00

Richtig.

SPEAKER_01

44,1 Prozent. So drastisch sinkt die Führerscheinquote der jungen Generation. Überlegt euch das mal ganz genau. Wenn eure Kinder sagen, ich brauche keinen Führerschein, ich rufe mein Auto, ist das wirklich ein technologischer Fortschritt und eine Erleichterung? Oder geben wir damit eine fundamentale Unabhängigkeit auf?

SPEAKER_00

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SPEAKER_01

Und nehmt noch diesen letzten Gedanken mit, wenn das private Auto wirklich aus den Städten verdrängt wird, drohen unsere Straßen dann nicht mit leeren endlos kreisenden Robotaxis zu verstopfen? Einfach weil ständiges Fahren für die Algorithmen am Ende billiger ist, als das teure Parken im Stadtzentrum zu bezahlen?