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9. Juni: Microsoft kontrolliert den Rückweg?

Episode 73

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#KIEspresso #EuroOffice #Microsoft365 #Nextcloud #DigitaleSouveraenitaet Euro-Office startet am 9. Juni 2026. Nextcloud und IONOS haben gemeinsam mit europäischen Partnern eine kollaborative Office-Suite angekündigt, die Microsoft 365 und Google Docs die Stirn bieten soll. Frank Karlitschek, CEO von Nextcloud, formuliert das Ziel klar: „Unsere oberste Priorität war es, eine Version bereitzustellen, mit der die Nutzer tatsächlich arbeiten können." Die erste allgemein verfügbare Version soll ab dem 9. Juni für alle Nutzer zum Download bereitstehen. ⏰ Timestamps: 0:00 — Startsignal: Euro-Office am 9. Juni 0:36 — Warum blindes Wechseln gefährlich wäre 0:56 — Kosten: Lizenzersparnis vs. Parallelbetrieb 1:18 — Was Migration im Alltag bedeutet 1:40 — Europas eigene Office-Infrastruktur 2:11 — Roadmap-Lücken: Desktop, Mobile, Integration 2:50 — Warum Formate wichtiger sind als Hosting 3:21 — Offene Standards und US-Cloud-Abhängigkeit 3:45 — Formatbrüche im Arbeitsalltag 4:14 — Der Preis von Kompatibilität 4:43 — OnlyOffice-Fork und Governance-Streit 5:12 — Rückweg als eigentliche Machtfrage 5:41 — Kann eine Kommune wirklich zurück? 6:01 — Schlussfrage: Standards oder Souveränität? 💡 3 Fragen vor dem Wechsel: 1. Welche Microsoft-Formate, Makros und externen Workflows sind wirklich kritisch? 2. Wer testet ODF, Datenaustausch, Support und Parallelbetrieb vor einem Rollout? 3. Wer kontrolliert den Rückweg, wenn Euro-Office später doch nicht passt? 📖 Quellen: • [1] https://nextcloud.com/de/blog/press_releases/souverane-office-suite-euro-office-ab-9-juni-allgemein-verfugbar/ • [2] https://www.ionos-group.com/investor-relations/newsroom/industry-initiative-launches-euro-office-as-true-sovereign-office-suite.html • [3] https://www.heise.de/en/news/Euro-Office-OnlyOffice-accuses-of-license-violations-11241334.html 🎙️ KI Espresso — Jeden Tag eine neue KI-Debatte in sechs Minuten. 🎧 Podcast hören: • Apple Podcasts: https://podcasts.apple.com/podcast/id1885621764 • Alle Plattformen: https://www.buzzsprout.com/2603567 𝕏 @KIEspresso
SPEAKER_00

EuroOffice startet am 9. Juni. Der Streit ist nicht nur Microsoft gegen Europa, sondern wer kontrolliert Dokumentenstandards, Migration und den Rückweg, wenn Behörden und Unternehmen wirklich wechseln? Stellt euch vor, ihr seid IT-Leiterin in einer deutschen Kommune. Am 9. Juni liegt da auf eurem Schreibtisch so eine europäische Alternative, also ziemlich Ionos-nah und Nextcloud getrieben. Aber halt jeder Sachbearbeiter, jede Kollegin und auch jeder externe Dienstleister nutzt seit Jahren Microsoft-Formate. Was entscheidet ihr da?

SPEAKER_01

Also, wenn ihr den reibungslosen IT-Betrieb sichern wollt, dann entscheidet ihr euch definitiv gegen diesen blinden Aktionismus. Weil ein europäisches Label reicht einfach nicht gegen diese geballte Formatmacht von Microsoft.

SPEAKER_00

Okay, aber.

SPEAKER_01

Wer da jetzt unüberlegt wechselt, der holt sich halt massive Kompatibilitätsrisiken ins Haus. Und also wir müssen auch kurz über die Finanzen reden. Ein Wechsel bringt ja nicht sofort Ersparnisse. Ganz im Gegenteil.

SPEAKER_00

Ja, am Anfang wird es teurer, das stimmt.

SPEAKER_01

Richtig. Es verdoppelt kurzfristig die Kosten durch diesen ganzen Parallelbetrieb. Ihr zahlt plötzlich doppelte Lizenzgebühren, doppelten Support, weil man ja das alte und das neue System irgendwie gleichzeitig am Leben erhalten muss. Bei zehntausenden Nutzern legst du den Schalter halt nicht einfach über Nacht um.

SPEAKER_00

Da muss ich dir jetzt aber echt vehement widersprechen. Also wir dürfen uns da nicht in so anfänglichen Staatsschwierigkeiten verlieren. Wir müssen das große Bild sehen.

SPEAKER_01

Naja, das große Bild.

SPEAKER_00

Das hier ist ein gigantischer Meilenstein für uns. Das ist, als würden wir in Europa endlich ein eigenes öffentliches Straßennetz bauen, anstatt jeden Monat so eine horrende Maut für amerikanische Autobahnen zu zahlen, weißt du?

SPEAKER_01

Das ist ein netter Vergleich, aber.

SPEAKER_00

Frank Kalicek, also der CEO von Nextcloud, bringt es da eigentlich auf den Punkt. Er sagt, unsere oberste Priorität war es, eine Version bereitzustellen, mit der die Nutzer tatsächlich arbeiten können. Und wir haben hier ja auch ein massives, dachzentriertes Partnernetzwerk. Nextcloud, Jonos, Eurostack, Open Exchange, das ist eine echte greifbare Infrastruktur.

SPEAKER_01

Ja, aber dein europäisches Straßennetz hat halt noch massive Schlaglöcher. Also wenn du Kaleczek schon zitierst, dann nutze ich mal sein eigenes Eingeständnis als Gegenargument.

SPEAKER_00

Okay, schieß los.

SPEAKER_01

Er hat nämlich auch ganz offen gesagt, der nächste Schritt ist die Arbeit an den Desktop- und Mobil-Apps, sowie den Integrationsfunktionen. Da frage ich dich doch ganz direkt, wie soll das in der Praxis funktionieren?

SPEAKER_00

Ähm, wie meinst du das genau?

SPEAKER_01

Eine Behörde kann doch nicht ernsthaft wechseln, wenn absolut entscheidende Enterprise-Bausteine erst irgendwann nach dem Launch nachgeliefert werden. Also denk mal an die mobile App für den Außendienst oder diese wirklich tiefe Integration in bestehende Fachverfahren.

SPEAKER_00

Ich sehe deinen Punkt. Aber vielleicht verbeißen wir uns da gerade auch ein bisschen zu sehr in diese Benutzeroberfläche und die Apps. Wieso? Weil selbst wenn die mobile App noch auf sich warten lässt, der wahre Kampf findet ja gar nicht auf dem Bildschirm statt, sondern auf der Festplatte, also bei den Dateiformaten.

SPEAKER_01

Da hast du recht, das ist das eigentliche Schlachtfeld.

SPEAKER_00

Genau. Und EuroOffice setzt voll auf ODF, also das Open Document Format? Das ist ein offener Standard, der gehört niemandem. Ist das nicht der einzige echte Hebel, um endlich aus diesen geschlossenen Ökosystemen der US-Clouds auszubrechen? Sind diese anfängliationsschmerzen nicht einfach der absolut nötige Preis für eine langfristige Datenhoheit?

SPEAKER_01

Ich verstehe diese idealistische Vision total. Wirklich. Aber in der harten Realität der Nutzer ist das einfach nur purer Stress. Microsoft hat mit seinen Formaten diese globale Alltagserwartung komplett geprägt.

SPEAKER_00

Leider, ja.

SPEAKER_01

Wenn du heute ein komplexes Dokument in so ein ODF-basiertes System importierst, dann passiert hinter den Kulissen folgendes. Diese Übersetzungsengine von EuroOffice muss quasi raten.

SPEAKER_00

Raten. Echt jetzt?

SPEAKER_01

Ja, die muss raten, wie Microsoft bestimmte Tabellen, Zeilenumbrüche oder Makros programmiert hat. Und dieses Ratespiel, das geht oft schief.

SPEAKER_00

Ah, und dann zerschießt es das Layout?

SPEAKER_01

Genau. Das Resultat sind zerschossene Layouts, völlig unlesbare Rechnungen für externe Partner. Das kostet im Alltag einfach Nerven und unzählige Arbeitsstunden.

SPEAKER_00

Aber genau diese Abhängigkeit von Microsofts Formatierungsratespiel ist doch das Problem, das wir eigentlich lösen wollen.

SPEAKER_01

Richtig, aber EuroOffice bringt halt ganz eigene, völlig neue Probleme mit, insbesondere Governance-Risiken. Das Ganze basiert nämlich auf einem sogenannten OnlyOffice Fork.

SPEAKER_00

Okay, und das heißt?

SPEAKER_01

Das bedeutet, Entwickler haben den originalen Code einer bestehenden Software kopiert und spalten den in eine eigene Version ab. Nur gibt es zwischen den ursprünglichen Machern und diesen neuen Entwicklern bereits heftige öffentliche Lizenzstreitigkeiten.

SPEAKER_00

Oh wow. Darüber, wem die Rechte gehören.

SPEAKER_01

Genau. Als Kommune stehst du also potenziell mitten in einem juristischen Kreuzfeuer um Softwarelizenzen. Von wegen saubere, rechtssichere Alternative.

SPEAKER_00

Krass, das ist natürlich ein verheerendes rechtliches Risiko. Und genau deshalb möchte ich, dass ihr noch einmal an unseren allerersten Satz aus diesem Deep Dive denkt. Wer kontrolliert Dokumentenstandards, Migration und den Rückweg?

SPEAKER_01

Sehr wichtiger Punkt.

SPEAKER_00

Angesichts dieser zerschossenen Formatierungen und juristischen Unsicherheiten müsst ihr diese anfängliche These einfach völlig neu bewerten. Wenn ihr euch entscheidet, dieses amerikanische Straßennetz zu verlassen und die Kompatibilität im Alltag dann scheitert, seid ihr dann überhaupt noch in der Lage, den Rückweg anzutreten?

SPEAKER_01

Exakt. Also nehmt diesen Impuls bitte mit. Hinterfragt in eurem nächsten Architecture Review mal ganz präzise, wie tief proprietäre Dokumenten-APIs, also diese geschlossenen, unsichtbaren Schnittstellen von Microsoft, bereits in eure eigenen Systeme verwurzelt sind.

SPEAKER_00

Sind eure Prozesse überhaupt noch in der Lage, ohne diese US-Schnittstellen zu funktionieren?

SPEAKER_01

Wenn euch diese Debatte zum Nachdenken gebracht hat, abonniert KI Espresso. Jeden Tag eine neue KI-Debatte in sechs Minuten.

SPEAKER_00

Das war KI Espresso.