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"Jetzt freu ich mich, wenn ich wütend werde!" Ein Gespräch mit Kathi Bode

Marie Mewes Season 1 Episode 3

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In dieser Folge erlebst du die wunderbare Kathi Bode.

Sie erzählt von ihrem Weg durch persönliche Umbrüche, ihre Trennung, den Mut zum Neuanfang und darüber, wie sie durch systemische Aufstellungsarbeit gelernt hat, alte Muster zu erkennen und loszulassen und dies zu ihrem Beruf gemacht hat.

Kathi spricht offen von ihrer Kindheit, von Prägungen rund um Gefühle, Anpassung und Selbstzweifel – und davon, wie sie Schritt für Schritt zu sich selbst gefunden hat.

Viel Freude beim Zuhören!

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Hey, wie schön, dass du da bist. In dieser Folge erlebst du die wunderbare Kathi Bode. Sie erzählt von ihrem Weg durch persönliche Umbrüche, ihre Trennung, den Mut zum Neuanfang und darüber, wie sie durch systemische Aufstellungsarbeit gelernt hat, alte Muster zu erkennen und loszulassen. Und die es zu ihrem Beruf gemacht hat. Kathi spricht offen von ihrer Kindheit, von Prägung rund um Gefühle, Anpassung und Selbstzweifel und davon, wie sie Schritt für Schritt zu sich selbst gefunden hat. Viel Freude beim Zuhören. Ich freue mich ganz doll, dass du bei mir bist, liebe Kathi Bode. Ja, ich freue mich auch sehr. Vielen Dank für die Einladung, Marie. Die Karte, die du verdeckt gezogen hast. Da lautet die Frage: Was kommt dir zuerst als früheste Kindheitserinnerung? Da erscheint immer wieder ein Bild, wenn ich mich an die Zeit zurück erinnere, wie ich auf meiner roten Schaukel unter dem Apfelbaum, da muss ich so ich würde sagen, ich war noch nicht in der Grundschule. Fünf oder sechs Jahre muss ich gewesen sein, in einer Jeans-Latzhose, ganz hoch schaukeln. Und ist das eine schöne Erinnerung? Mittlerweile ist es eine schöne Erinnerung. Mittlerweile habe ich Gedanken zur Freiheit, wie ich auf der Schaukel schaukel und dass ich richtig Schwung habe. Das hat aber gedauert, bis ich dahin gekommen bin. Früher war das eine traurige Erinnerung, denn ich war immer alleine auf der Schaukel. Und ich habe die Schaukel oft als Rückzugspunkt genommen. Wenn ich alleine war oder traurig war, bin ich oft auf die Schaukel gegangen. Das hat sich meine Kindheitserinnerung so ein bisschen geändert. Das heißt, du bist Einzelkind? Nein, Ich habe eine 13 Jahre ältere Schwester. Die ist aber ausgezogen, als ich vier war, und daher habe ich an meine Schwester zu Hause bewusst keine Erinnerung. Ich bin wie ein Einzelkind groß geworden. Und ich fand es schlimm. Ich hätte sehr gerne sehr viele Geschwister gehabt und in der Nachbarschaft unsere unmittelbaren Nachbarn. Das war eine Familie mit vier Kindern. Da war ich. Ich glaube, ich war immer die erste, die sonntags morgens am Frühstückstisch saß. Ich fand das aufregend, dass da immer so viel Übernachtungsbesuch war und so viel Familie war. Danach habe ich mich total gesehnt. Und wie warst du als Kind? Also, ich war immer unterwegs. Ich war, glaube ich, sehr kreativ. Ich habe viel, wie gesagt, in der Nachbarschaft gespielt. Mit der Familie, mit den vier Kindern war ich viel in der Natur. Und wenn ich zu Hause war, dann war ich schon war ich sehr in meiner Fantasiewelt unterwegs. Und wenn du dann in deiner Fantasiewelt warst, konntest du da gut alleine sein. Ich muss das ja. Ich hatte ja keine andere Wahl. Ich musste ja mit mir selber zurechtkommen. Meine Eltern haben jetzt nicht. Es waren keine Eltern, die viel mit mir gespielt haben. Meine Mutter sowieso nicht. Mein Vater hat mir vorgelesen, wenn er abends nach Hause kam oder ich krank war. Und sonst war ich aber sehr auf mich alleine gestellt. Mhm. Wie ging es dann weiter? Also wie kann ich mir die Karte vorstellen, die dann jugendlich und älter wurde? Also in der Schule. Ich hatte immer sehr viele Freunde. Ich wusste immer, wo was los war. Schule war jetzt kein großer Schwerpunkt von mir. Ich bin ungerne zur Schule gegangen. Ich war in der Schule meistens müde. Meine Konzentrationsspanne war auch nicht groß. Ich hatte immer Schwierigkeiten in der Schule. Ich war immer gerade so nah an der Versetzung und nachmittags. Mein Nachmittagsprogramm war durch Tennis und Fahrradfahren gefüllt. Wir sind immer mit dem Fahrrad durch die Stadt gefahren und haben geguckt, wo was los ist. Also ich bin sehr ländlich groß geworden. Das war eine Stadt mit 15.000 Einwohnern. Da. Wir nannten es immer OGS. Da hat man eine Ortskontrollfahrt gemacht und geguckt, wer zu Hause ist und wer mit wem gespielt hat. Das ist für unsere Kinder jetzt natürlich total unvorstellbar. Und warst du ein ein Revoluzzer Kind oder in der Pubertät? Meine Eltern würden wahrscheinlich sagen Ja. Meine Eltern sind. Ich bin in einem Beamtenhaushalt groß geworden. Es gab um 7:30 oder 7:00 Frühstück, um 12:30, 12:00 Mittagessen, um 18:30 Abendessen. Und das, solange ich mich zurückerinnern konnte. Und jetzt immer noch bei meinen Eltern. Für die war alles, was außerhalb der Norm ist, immer schwierig. Für mich war alles, was in der Norm stattgefunden hat, schwierig. Ich war immer laut und meine Mutter hat gesagt zu mir Entweder bist du himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt. Und was sie auch oft gesagt hat zu laut, zu bunt, zu schrill. Und das hat mich schon damals sehr verletzt. Es hat mir immer das Gefühl gegeben, dass das nicht dass ich nicht der Norm entspreche. Ja. Und wie bist du dann damit umgegangen? Na ja, schon rebellisch. Also ich habe glaube ich, auch viel rumgeflunkert in meiner Jugend. Ich habe schnell woanders geschlafen, weil bei Freunden, weil da immer mehr erlaubt war und weil die Häuser einfach die Elternhäuser ein bisschen offener waren. Ich habe sehr viel gefeiert, sehr viel getrunken, habe viele Grenzen ausgetestet. Mhm. Hast du noch mal mit ihr darüber gesprochen, Über diese Sätze von ihr? Nein, habe ich nicht. Ich weiß gar nicht, ob sie das so. Ob ihr das so bewusst ist, dass mich das verletzt hat. Ich habe aber später, als ich mit der Aufstellungsarbeit angefangen habe, erst gemerkt, was das mit mir gemacht hat. Ja, das war mir gar nicht so bewusst, dass das eine tiefste Prägung aus meiner Kindheit ist. Und dass ich gegen diese Glaubenssätze, dass die sehr viel mit meinem Wertesystem gemacht haben. Was haben Sie gemacht? Ich habe mich lange Zeit immer so gefühlt, als wenn ich nicht richtig wäre. Dass meine Gefühle zu viel sind, dass meine Gefühle keinen richtigen Platz gefunden haben. Mhm. Ich war zum Beispiel als Kind nie wütend. Meine Eltern haben mir praktisch untersagt. Also besonders meine Mutter. Mein Vater hat den ganzen Tag gearbeitet. Meine Mutter war damals halbtags tätig. Wut wurde mir untersagt. Und Wut steht ja dafür, dass man seine Grenzen setzen kann. Also es wurde eigentlich schon in meiner Kindheit viel über die Grenze hinweggegangen und das ist eben ein Muster, was ich sehr durch mein Leben gezogen hat. Und ist das unterschwellig passiert oder wurde es richtig gesagt? Du darfst nicht nicht wütend sein. Bei mir ist es unterschwellig passiert, aber als ich Kinder bekommen habe und wenn ich mit den Kindern bei meinen Eltern war und. Wir zum Beispiel spazieren gegangen sind, zusammen und meine Tochter so in die erste Bockphase gekommen ist und auf ihrem Laufrad nicht weiterfahren wollte und das in die Ecke geworfen hat im Kurpark und angefangen hat rumzuschreien. Die war sehr trotzig. Dann hat meine Mutter sich die Ohren zugehalten und sagt das kann sie nicht aushalten und ist dann schnell nach Hause gegangen, weil sie damit nichts zu tun haben wollte. Für mich war das ganz klar, dass das das sein darf und ich musste das für mich aber wirklich erst als erwachsene Frau lernen, richtig in die Wut zu kommen. Und wie war das für dich, dieses dass du dir das selbst erlaubt hast? Das war total verrückt. Ich habe, glaube ich, das erste Mal richtig Wut gespürt. Also ich habe Ärger vorher gespürt, aber richtig Wut habe ich in einer Aufstellung mal gespürt. Als ich angefangen habe, Aufstellungsarbeit zu machen und nur als Stellvertreter erstmal tätig war, sind diese Rollen der Wut automatisch zu mir gekommen. In jeder Aufstellung, in der ich stand, stand ich für jemanden, der sonderlich viel Wut empfand. Und habe immer gedacht Was ist denn das, was ich sehe? Ich bin sehr gut in Körperwahrnehmung. Was ist denn das jetzt so komisch? Mein Bauch wird auf einmal so heiß und ich habe das Gefühl, mein Kopf explodiert gleich und ich wusste das gar nicht zuzuordnen. Zuerst habe ich gesagt, ich kriege Angst. Und meine Ausbilderin sagte dann wirklich Wie fühlt sich die Angst denn an? Und wie verändert sich die Angst, die wusste, was kommt? Und für mich war das ein total befremdliches Gefühl. Und jetzt freue ich mich, wenn ich wütend werde. Toll! Ja, aber viele Frauen kennen das nicht in unserem Alter. Ich habe auch gedacht, es steht mir auch nicht zu. Die Wut, ich darf das gar nicht. Und ich musste mir wirklich erst mal richtig die Erlaubnis geben, dass dieses Gefühl ganz normal ist und dazugehört und mich ja auch schützt. Ja. Dass Wut was Positives hat. Natürlich. Und ich finde es super, wenn meine Kinder wütend sind. Da freue ich mich. Das bedeutet nämlich, dass man ihnen das Zeichen gibt, dass sie die Erlaubnis haben, dass dieses Gefühl sein darf, dass sie sich abgrenzen dürfen und sagen Stopp, bis hierhin nicht. Ja, ich habe gerade überlegt, ob es in meinem Elternhaus ja das Gefühl Wut gab. Es insgesamt nicht. Ich habe es auch bei meinem Vater nicht erlebt. Ah, okay. Und wenn ihr. Wenn ihr eine Meinungsverschiedenheit hattet. Es gab keine Meinungsverschiedenheit. Also, es wurde nicht groß diskutiert. Es wurde nicht zur Diskussion angeregt. Wer hat gesagt, was gemacht wird? Hm. Wahrscheinlich mein Vater. Meine Mutter ist aber oftmals dann auch einfach aus dem Raum gegangen. Das habe ich lange Zeit auch gemacht. Es war auch eine Taktik. Aber es war nicht oft laut, es war nicht impulsiv. Es waren so die leisen Zwischentöne, die. Die mich immer eher haben erschaudern lassen. Mhm. Wie ging es dann weiter? Wann hast du. Wann hast du deinen Mann kennengelernt? Mein Mann habe ich kennengelernt. Nach meiner Schullaufbahn habe ich eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht. Und dann bin ich nach Hamburg gegangen und habe für einen Arzt gearbeitet, der gerade eine Praxisklinik aufgebaut hatte, hier in Hamburg. Und da habe ich meinen Mann kennengelernt. Da war ich sehr jung und mein Mann kam aus einem Unternehmerhaushalt, und mit dem war alles aufregend Am Anfang, mit dem war es laut, bunt, schrill, wild und immer anders als geplant. Und das hat mich magisch angezogen. Und dann konntest du auch laut, bunt und schrill sein. Ja, das war am Anfang wirklich sehr schön. Wie ging es dann weiter? Wir haben uns schnell, schnell festgestellt, dass das die große Liebe ist. Und ich bin nach Nordhessen gezogen, weil er dort ein Familienunternehmen übernommen hat. Und unsere Tochter ist ziemlich schnell zur Welt gekommen. Kurzer Zeit Ja, und dann hat auch der Alltag schnell Fuß gefasst in unserer Beziehung. Und. Dann kamen viele Themen dazu und wir sind. Eine Zeit lang hat es gut mit uns geklappt und dann haben wir angefangen, nebeneinander her zu leben. Eine ganze Zeit. Wir haben noch ein zweites Kind bekommen. Ich wollte immer sehr viele Kinder haben. Ich bin ja in einem kinderarmen Haushalt groß geworden. Ich wollte immer 4 bis 5 Kinder haben und mein Exmann wollte das am Anfang auch. Er hatte auch eine Schwester und wollte immer mehr Geschwister haben. Und aber als sehr viel Verantwortung durch das Familienunternehmen dazugekommen ist und unsere Tochter am Anfang auch krank war, hat er gesagt, dass er also wollte eigentlich schon kein zweites Kind haben. Und das hat mich wahnsinnig verletzt. Ich hätte sehr gerne viele Kinder gehabt und unser zweites Kind musste ich wirklich richtig erbetteln. Irgendwann wurde das Familienunternehmen verkauft. Wir sind nach Braunschweig gegangen, haben dort eine Zeit lang gelebt und sind dann zurück in den Norden gegangen. Er hat sich dann selbstständig gemacht. Wir sind in den Norden gegangen und ich habe dann angefangen, als Maklerin zu arbeiten. Jeder hat so sein Ding gemacht. Er in seiner Selbstständigkeit, ich in meiner Selbstständigkeit als Maklerin. Wir hatten die Kinder, wir hatten einen großen Freundeskreis, der uns lange Zeit getragen hat. Die Eltern von ihm waren 60 Jahre miteinander verheiratet. Meine Eltern waren 60 Jahre lang miteinander verheiratet. Und als es uns in der Ehe nicht mehr so gut ging, stellte sich gar nicht die Frage, ob wir uns trennen. Denn wir haben es auch nicht so vorgelebt bekommen und wir hatten uns das beide auch wirklich anders erhofft. Hm. Und was war das für ein Gefühl, als du gemerkt hast, dass es hier doch nicht das wahre. Also es ging mir zum Ende der Ehe. Wir waren beide nicht glücklich. Und ich hätte das niemals thematisiert. Ich hatte viel zu großen Respekt davor gehabt. Also mein Exmann hat es ab und zu thematisiert, aber wir haben darüber nicht wirklich einen guten Austausch haben können. Und ich hatte alle möglichen Erkrankungen. Ich hatte eine Frozen Schulter, ich hatte Probleme mit dem Fuß. Ich hatte ein Morton Syndrom an den Füßen, konnte nicht richtig laufen. Ich hatte unglaubliche Schlafstörungen. Also mein Körper hat mir schon gezeigt, das ist was nicht in Ordnung. Ich sollte handeln und ich habe alles weggedrückt. Wir waren bei einer Eheberatung zusammen. Das hat aber nicht gut funktioniert. Da waren wir auch nicht lange. Ich glaube, weil die Bereitschaft, wirklich hinzugucken, da noch nicht von beiden da war. Denn wenn man wirklich hinguckt, dann ist natürlich auch die Gefahr da, dass alles aufgewirbelt wird und dass es zu einer Trennung kommen konnte. Und ich wollte auf jeden Fall an dieser Verbindung festhalten. Ich hatte das Gefühl, dass ich es wirtschaftlich nicht schaffe ohne ihn. Ich hatte auch das Gefühl, mit zwei Kindern alleine dazustehen. Ich habe mich unglaublich geschämt dafür, dass ich es nicht schaffe. Vor anderen, aber auch vor mir selber. Ich wollte es mir selber nicht eingestehen. Und wie bist du dann mit diesen, diesen Ängsten umgegangen und dieser Scham? Ich habe es mitgenommen in meine Träume oder in meine, In meine Nächte, sage ich mal, Ich habe ja nicht viel geträumt, weil ich nicht viel geschlafen habe. Und es wurde immer stiller zwischen uns beiden. Eine Zeit lang habe ich wahnsinnig viel Sport gemacht, weil ich dachte, ich muss Gewichte stemmen, um es wegzudrücken. Aber ich hatte total den Kontakt zu mir selber verloren, auch zu meinen Gefühlen. Ich war wie innerlich, wie eine Hülle. Und hat das die Außenwelt mitbekommen? Ja, es haben Freundinnen mitbekommen, die mich auch eine Zeit lang gefragt haben, warum ich mich nicht trenne. Ich hatte darauf nicht wirklich eine Antwort. Ich habe auch die Kinder vorgeschoben. Ich habe gesagt, ich kann mich nicht trennen. Unser Sohn hatte auch erhebliche Probleme in der Schule. Ich habe ihn auch gerne vorgeschoben, aber seine Probleme in der Schule oder die Themen, die er hatte, wurden durch unsere Ehe natürlich noch verstärkt. Ja, und irgendwann war es nicht mehr tragbar. Wo war da der Moment? Es gab einen anderen Mann, den ich gesehen habe, in dem ich auf einmal ganz viel Lebendigkeit von mir wiedererkannt habe und dadurch verstanden hast, dass in der Beziehung etwas fehlt. Dadurch verstanden hat, dass es auch keinen Weg zurück gibt. Es gab einen Moment, wo ich mich mit dem anderen Mann unterhalten habe, in dem ich gemerkt habe, ich habe mich auch so lange selber belogen. Ich habe es auch nicht konkret ausgesprochen. Freundin gegenüber oder meinen Eltern gegenüber. Aus Angst, wenn es einmal benannt ist. Das Thema, dass man nicht mehr zurück kann. Und mit diesem Mann habe ich es einmal ausgesprochen gehabt und hatte das Gefühl, jetzt kann ich nicht mehr zurück. Jetzt muss ich da hingucken. Und was genau hast du ausgesprochen? Wie unglücklich ich war? Und wie war das, das einmal auszusprechen? Das war so ein bisschen wie aufs wie auf eine zugefrorene Eisfläche gehen und nicht wissen, ob das Eis hält. Wie ging es dann weiter? Wir haben uns getrennt. Und ich dachte natürlich, es muss alles so weitergehen wie vorher. Ich wäre gerne gleich wieder in eine Beziehung gegangen und hätte gerne direkt in einer Verbindung weitergelebt. Aber dazu war ich natürlich überhaupt nicht bereit und habe mich auch. Ich habe es wirklich nicht verstanden, wie es so weit kommen konnte, weil ich glaube, dass mein Exmann wirklich meine große Liebe war. Und ich habe es nicht verstanden, warum es nicht funktioniert hat und warum wir die Zeichen, warum es nicht funktioniert hat, nicht gesehen haben. Und hast du da jetzt Antworten drauf? Ja, also ich bin ihm sehr dankbar über die Kinder, die wir hatten und wir hatten auch eine sehr gute Zeit zusammen. Aber wir haben auch sehr lange Zeit miteinander gelebt, wo wir uns nicht gut getan haben. Beide nicht. Und ich glaube, so wie wir jetzt beide sind, hätten wir gar keine. Also es würde gar nicht mehr zusammengehen, Okay. Und ich habe aber durch meine Zeit, durch die Aufstellungsarbeit, durch Gesprächstherapien, die ich gemacht habe. Ich habe viel gefastet zu der Zeit. Ich habe mich sehr mit mir beschäftigt, konnte ich meinen Frieden einfach mit der Vergangenheit schließen. Und das war etwas, was ich jetzt auch wenn Freundinnen sich trennen, wo ich immer ganz großes Augenmerk darauf lege, auch bei der Aufstellungsarbeit. Wenn du mit deiner Vergangenheit nicht in Frieden abschließen kannst und hinschauen kannst, dann fällt es dir schwer, nach vorne zu gucken. Interessant. Das heißt nicht, dass ich alles. Dass ich mit allem. Ich kann das akzeptieren. Das heißt nicht, dass ich mit allem einverstanden sein muss, wie es gelaufen ist. Aber ich hege keinen Groll mehr. Hm. Wie hast du das gemacht? Indem ich mich erstmal sehr mit mir selber auseinandergesetzt habe, auf meine Prägung geguckt habe. Was brauche ich? Was gibt mir Sicherheit? Was sind meine Glaubenssätze? Wie bin ich groß geworden? Was habe ich auch in meinem Partner gesucht, was ich in meinem Partner gar nicht finden kann, was ich nur bei mir finden kann? Wenn du jetzt an eine Situation aus der Vergangenheit denkst, wo du Groll hattest und wo du sagst, ich habe da jetzt meinen Frieden gefunden. Hm. Wie genau hast du, bist du dahin gekommen? Du hast ja gesagt. Es heißt nicht, dass ich das absegne. Ja. Und trotzdem bin ich da jetzt im Frieden mit mir, wie ich glaube. Mein Groll konnte ich durch die Aufstellungsarbeit ablegen. Mein Groll konnte ich ablegen, indem ich hingeschaut habe und einen Perspektivwechsel eingenommen habe. Wir sind alle in unseren Systemen gefangen, wie wir groß geworden sind, wie wir geprägt worden sind. Und hinzusehen und zu verstehen. Mit einem anderen Blick von draußen, warum jemand so handelt. Das hat mir unheimlich geholfen. Ja, und ich habe es wirklich auch sinnbildlich den Groll abgegeben in der Aufstellungsarbeit. Habe ihn wirklich dahin gelegt, wo er hingehört. Aber ich wollte ihn nicht mehr bei mir tragen. Vielleicht magst du einmal Aufstellungsarbeit erklären, weil jetzt schon öfter das Wort gefallen ist und vielleicht, dass nicht alle wissen. Also Aufstellungsarbeit ist für mich eine Methode, um Familiensysteme sichtbar zu machen. Man kann Aufstellungsarbeit mit echten Stellvertretern machen, mit Menschen oder mit Playmobilfiguren. Es gibt ganz unterschiedliche Formen. Ich arbeite mit echten Stellvertretern, weil ich immer einen besonderen Fokus auf die Gefühle habe. Mir sind Gefühle besonders wichtig. Wahrscheinlich gerade deswegen, weil meine Gefühle eine ganze Zeit lang auch selber blockiert waren und ich nicht Zugang zu allen Gefühlen hatte, zu meinen eigenen Gefühlen. Vielleicht lege ich deswegen immer einen besonderen Schwerpunkt darauf, wo Gefühle im Körper spürbar sind. Und das lässt sich einfach meiner Meinung nach besser mit Stellvertretern beschreiben als mit einer Playmobilfigur. Und wie sieht das aus, wenn ich jetzt zu dir komme und ein Thema aufstellen lassen möchte, was passiert da? Wenn du zu mir kommen würdest und ein Thema aufstellen lassen würdest, dann würde ich würde es erstmal ein Vorgespräch geben und ich würde mir bei diesem Vorgespräch ganz genau dein Familiensystem erstmal anschauen und einen Familienstammbaum aufzeichnen, weil sich wirklich viele Dinge in der Familie wiederholen. Und wenn ich dein Familiensystem verstanden habe, dann würden wir über dein Anliegen sprechen und 1 bis 2 Wochen später würden wir uns dann zur Aufstellung treffen. Ich arbeite meistens mit zwei oder drei Anliegen an einem Tag und habe einen Pool von 5 bis 8 Stellvertretern dann dabei. Und dann suchst du dir jemand praktisch für dich aus, der dich vertritt. An dem Tag die Stellvertreter ist es total anonym. Die haben vorher deinen Namen noch nicht gehört und wissen nichts von dir und wissen nichts von deinem Thema. Du kannst die Stellvertreter führen, die stellen sich in deinen Dienst und dir zur Verfügung und die nehmen nur das wahr, was in dem Moment an Schwingung im Raum ist. Es geht wirklich bei Aufstellungsarbeit nur darum, was jetzt im Moment bewusst wahrgenommen wird. Ist ein Bewusstseinstraining und ein Perspektivwechsel. Genau. Und du selber sitzt außen vor und kannst ganz anders auf die Dinge schauen. Und das ist ein großartiges Geschenk. Ja, also ich habe selber viel. Als Stellvertreter stand ich zur Verfügung, als ich angefangen habe mit der Aufstellungsarbeit. Dann habe ich eigene Themen aufgestellt. Und dann habe ich die Ausbildung als systemische Familienaufstellung gemacht, viel bei anderen Therapeuten hospitiert und ich bin jedes Mal wieder begeistert, mit was für einer Präsenz Stellvertreter im Raum sind. Alle Handys sind aus und diese Zeit ist wie ein kostbares Geschenk und man kann es unglaublich schwer beschreiben. Ich versuche auch immer, mir kurze, prägnante Sätze zusammenzulegen und dann ist es doch ganz anders, wenn man da drin ist und dabei ist. Also ich kann wirklich nur jedem raten, wer neugierig ist, sich das einmal anzuschauen als Stellvertreter oder einfach nur mal als Beisitzer. Und die meisten sind total geflasht davon. Es ging dir auch so? Ja, also ich hatte ja auch schon einige Aufstellungen, auch bei dir, bei dir als Stellvertreterin und ich hatte aber auch schon welche, wo ich selbst aufgestellt habe. Und die erste, wo ich war, habe ich selbst aufgestellt. Und war auch total geflasht. Ja, weil fremde Menschen Stellvertreter waren für Personen, die ich aufgestellt habe und exakt deren Haltung eingenommen haben. Deren Tonfall, die Art und Weise, wie sie sprechen. Und ich. Ich war wie von Sinnen und dachte Das kann doch nicht sein. Die kennen mich nicht, die kennen die Person nicht. Und trotzdem ist es genau so! Ja, es ist auch ein großes Geschenk, als Stellvertreter dabei zu sein, denn du hast als Stellvertreter kein eigenes Anliegen. Du kommst vollkommen erwartungslos zu einer Aufstellung und bist dann aber in einer Aufstellung auf einmal präsent und wirst für etwas ausgewählt und fragst dich nach kürzester Zeit. Oh, das hat ja doch etwas mit mir zu tun. Es hat immer etwas mit einem zu tun und deine Wahrnehmung wird ganz anders trainiert. Lass uns noch einmal den Umbruch angucken. Aufbruch. Ja, Du hattest ja gesagt, dass du in der Beziehung oder am Ende der Beziehung nicht so gerne hingucken wolltest und dann aber hingeguckt hast. Ja, und dass du Ängste hattest und Scham. Und wie hat sich das dann alles bewahrheitet? Was dann wirklich nach der Trennung? Wurden diese Ängste real? Oder war es doch ganz anders? Nein, die Ängste wurden nicht real. Ich habe erstmal muss ich sagen, dass ich wirklich großartige Eltern habe, die mir zur Seite standen in ihrer. Also da ist es dann ein Vorteil, wenn man aus einem Beamtenhaushalt kommt. Es hat alles ja seine gute und schlechte Seiten. Meine Eltern waren wirklich für mich da und haben mich unterstützt in allem was ging. Ich hatte einen großartigen Freundeskreis. Meine Kinder standen mir zur Seite und ich hatte das Gefühl, von außen ist für alles gesorgt und von außen werde ich gehalten. Aber ich hatte den Halt von innen nicht. Er war eine große Leere und eine große Unsicherheit. Und ich habe dann auch angefangen, mir meine Themen aufzuschreiben, was mich am meisten beschäftigt. Ist es der wirtschaftliche Aspekt? Ist es, das Gesellschaftliche, auf einmal alleine dazustehen? Ist es die Angst, mit der Verantwortung den Kindern gegenüber nicht zurechtzukommen? Und ich habe angefangen, diese Themen auseinander zu clustern und habe mir diese unterschiedlichen Themen auch in der Aufstellungsarbeit angeguckt und habe dann gemerkt ich bin ein ziemlich resilienter Typ. Ich bin mir meiner Stärken durchaus bewusst und ich habe im Laufe der Zeit gelernt, mit meinen Ängsten umzugehen und meine Symptome, die sich körperliche Symptome, die sich gezeigt haben, immer als Hinweisschild zu nehmen für etwas. Wenn ich also ein körperliches Symptom bekommen habe und mir ging es nicht gut, ich war in der Krise, dann habe ich mir dieses Symptom angeguckt. Warum kommt das gerade jetzt und was will mir dieses Symptom zeigen? Früher habe ich viel weggeguckt. In der Zeit nach der Trennung habe ich, glaube ich, extrem viel hingeguckt. Viele sagen zu viel, aber für mich war das genau richtig, um mich besser kennenzulernen und um mich besser einzujustieren. Meiner Intuition mehr zu vertrauen, besser auf mich und meinen Körper zu hören. Hm. Hattest du in der Zeit so was wie ein Mentor oder hast du dir mit einer Therapie geholfen? Oder. Ja, ich hatte eine Therapeutin, die auch später meine Ausbilderin geworden ist, hier in Hamburg Carola von Bismarck. Und das war ein großer Pfeiler für mich, eine große Stütze. Ich habe eine Freundin, die mich immer so ein bisschen reguliert, wenn meine Gefühle zu sehr Achterbahn fahren. Die, die mein rationales Wesen strukturiert. Ich bin ja sehr emotional und sehr. Ja, hochsensible Menschen sind so emotional, dass sie sich manchmal schwer selber regulieren können. Und sie war wie ein Kompass, wenn es um rationale Dinge ging. Und das war am Anfang natürlich eine Trennung. Muss man auch sich mit Zahlen, Daten, Fakten auseinandersetzen. Das war jetzt nicht so mein Lieblingsthema. Aber da habe ich viel Unterstützung bekommen. Und die Selbstregulierung habe ich im Laufe der Zeit gemerkt, was mir gut tut und wann es doch besser ist, ein bisschen mehr von der Emotionalität abzulegen und ein bisschen rationaler zu denken. Hm. Und wie bist du mit der finanziellen Angst umgegangen? Wie hat sich das Thema dann gefügt? Finanzielle Angst ist ein Thema, was mich nach wie vor beschäftigt. Meinen Eltern ging es finanziell nie schlecht. Trotzdem haben sie mir immer das Gefühl gegeben, dass es eher im Mangel ist als im Überfluss. Und das ist etwas, was ich durch mein Leben gezogen hat. Und daher bereitet mir dieses Thema Finanzen auch immer Bauchschmerzen. Und ich muss da einfach versuchen, ganz klar hinzuschauen und mich damit auseinanderzusetzen. Da müssen wir auch immer drauf achten. Sind es wirklich unsere Themen, die wir haben? Oder sind es Themen, die vielleicht unsere Eltern auf uns übertragen oder schon die Großeltern auf uns übertragen? Hm. Habe ich wirklich Grund dazu zu denken, dass ich jetzt im finanziellen Mangel bin? Oder ist es vielleicht ein Gefühl der Sorge der Eltern? Ja. Dann war noch eine weitere Angst war ja diese gesellschaftliche. Was sagt die Gesellschaft? Was sagen die anderen? Was sagen die anderen? Das hat lange gedauert, dass ich mich davon freimachen konnte, was andere sagen. Da war ich sehr gefangen, und mir war viel unangenehm. Es war sehr schambelastet. Aber ich habe irgendwann erkannt, dass es wichtiger ist, wie ich mich mit mir selber fühle und dass es für mich in Ordnung ist. Und dann kommen die Kinder. Und wenn es für diesen kleinen Kreis in Ordnung ist, dann kann ich es auch nach außen vertreten. Aber es ist natürlich in unserem Freundeskreis. Und wie ich dir vorhin von hatte es glaube ich auch schon erwähnt: meine Eltern 60 Jahre verheiratet. Meine Ex Schwiegereltern, 60 Jahre verheiratet. Den war es so unangenehm, dass wir uns getrennt haben. Mhm. In ländlichen Strukturen ist es sowieso noch mal anders als hier in Hamburg, glaube ich. Also mittlerweile auch nicht mehr ganz so schlimm. Aber ich glaube, auf dem Land wird sich auch eher noch zusammengerissen. In meinem Freundeskreis gab es wenig Trennung. Und es ist auch was anderes, die 13. Person am Tisch zu sein oder die siebte Person an Silvester. Ich bin das erste Jahr. Als wir uns getrennt haben, habe ich mich Silvester alleine in einem Restaurant eingebucht, wo nur Pärchen angemeldet waren. Und ich habe gedacht Nein, ich möchte auf gar keinen Fall jetzt in meinem Freundeskreis das fünfte Rad am Wagen sein. Ich möchte das jetzt ganz alleine nur so für mich machen und fand diesen Schritt unheimlich mutig und war sehr, sehr stolz auf mich. Ich hatte auch einen Bombenabend. Ich glaube, das lustigste Silvester, was ich je gefeiert habe. Na ja, wie gesagt, ich war in einem Restaurant. Das ist eines meiner Lieblingsrestaurants. Und da war das Silvestermotto Schnaps und Amore. Ich war dort essen und habe davon gelesen. 31.12. Schnaps und Amore. Und dann habe ich gedacht. Genau, Genau das ist meine Veranstaltung. Da muss ich hin. Und dann habe ich die Servicekraft gefragt An dem Abend sind denn da auch Singles oder haben sich nur Paare angemeldet? Und er sagte mir nein. Sie würden alle Tische ausräumen und nur zwei lange Tafeln machen und es hätten sich auch Singles angemeldet, aber auch so Gruppen mit fünf oder sieben Personen und es wäre überhaupt kein Problem. Und mein Freundeskreis konnte das nicht verstehen, dass ich jetzt alleine Silvester feiern wollte. Ich habe dann in der Wohnung meiner Tochter hier in Hamburg geschlafen und mir ein schickes Kleid angezogen und bin dann richtig tanzen gegangen. Abends erst gab es ein fünf Gänge Menü und dann wurde da wild getanzt und ich habe ganz lustige Leute kennengelernt. Und es war auch so ein wie so ein Befreiungstanz für mich, dass ich so mutig war, das gemacht habe und mir egal war, das, was alle über mich geredet haben. Ich hatte mein Handy ausgeschaltet. Als ich das am nächsten Morgen angeschaltet hatte, hatte ich, glaube ich, 100 Nachrichten von Freunden. Du Arme, wie bist du reingekommen? Und du hattest den besten und ihr armen Raclette gegessen und Hitstar gespielt. Und ich hatte einen sensationellen Abend. Und ich. Ich habe es das Jahr darauf auch noch alleine gefeiert. Ja, toll. Aber ich habe lauter Dinge gemacht, die ich früher nie gemacht habe. Ich bin ja praktisch von meinem Elternhaus direkt in die Ehe gegangen. Und ich bin nie allein in Urlaub gefahren und habe mich allein zum Volkshochschulkurs angemeldet. Ich habe alles Mögliche gemacht und es war toll. Ja, ich finde schon. Wenn du das erste Mal etwas alleine machst, zum Beispiel alleine ins Kino gehst. Da war ich total aufgeregt davor. Ich meine, es kriegt keiner mit, aber ich war trotzdem aufgeregt. Ja, und dann saß ich da drin mit meinem Popcorn und fand es so toll. Ja, alleine ins Kino. Fand ich auch toll. Allein Städtetrip habe ich gemacht. Ich bin zum Fasten gefahren, in die Berge, habe mir dann aber auch die. Hab dann in so einer einsamen Hütte auf dem Berg gewohnt. Ich habe bewusst die Einsamkeit auch gesucht, um mich bewusst mit mir selber auseinanderzusetzen. Ja, das war sehr lange. Das war auch sehr schön. Jetzt bin ich Gott sei Dank nicht mehr in der Einsamkeit. Aber es hat mir einfach gut getan, um mich davon zu lösen und mich richtig frei zu schwimmen. Und um den ganzen Groll und um das, was hinter mir lag, auch wirklich in Ruhe gehen zu lassen. Und so auf die Stimmen zu hören Wer ist gut für mich und wer ist nicht gut für mich? Was mache ich nur aus Zwang? Aus gesellschaftlichem Zwang? Und kannst du dich da gut abgrenzen? Sehr mittlerweile sehr. Wie gehst du mit Verpflichtung um? Kommt drauf an, was für Verpflichtungen, Familiäre Verpflichtungen oder freundschaftliche Verpflichtungen? Wir machen beides. Wir machen beides. Freundschaftliche Verpflichtung. Kann ich ziemlich gut eine Grenze ziehen. Da mache ich nur noch das, was ich möchte. Und kommunizierst das. Ja. Kommuniziere das ganz direkt und mache auch nur noch was mit wem ich möchte. Familiäre Verpflichtung. Da ist es etwas schwieriger. Man fällt doch oft in die Rolle zurück, der Tochter, der Schwester, der Mutter. Meine Kinder zum Beispiel erwarten an Weihnachten immer, dass es genauso ist wie früher. Und auch wenn ich neue Rituale für mich gefunden habe, weil es eben nicht mehr so ist wie früher, erwarten die Kinder es natürlich trotzdem, dass es genau so ist wie früher. Es gibt das Gleiche zu essen, gibt die gleichen Geschenke, Es gibt die gleichen Rituale an Weihnachten, an Ostern, an allem. Und dann ist es schwierig, sich in solchen Momenten stark zu bleiben oder bei sich zu bleiben und nicht in alte Muster zurückzufallen. Und das geht mir nach wie vor so, aber dafür bleibe ich ja auch deren Mutter. Und ich bleibe Tochter. Und ich bleibe Schwester. Ich habe mich verändert und die anderen müssen auch lernen, damit zurechtzukommen. Nee, also bei Freunden ist das bedeutend einfacher als bei Familie. Ja, weil du da lange in einer Rolle warst. Ja, ja, das legt man auch nicht so einfach ab. So rum und für die anderen ist es natürlich auch schwer nachzuvollziehen. Die Verwandlung teilweise auch unbequem, die Verwandlung. Und die wollen das vielleicht gar nicht akzeptieren. Mhm. Ich habe gerade noch mal so das Bild von der Katze, die da auf der Schaukel sitzt. Unser Eingangsbild Wie ist die Karte von heute? Ich würde fast sagen, die schaukelt auch. Aber die schaukelt vielleicht wie im Hansa Park auf der. Wie heißt es? Ja, die Schiffschaukel. Sie ist es. Die Schiffschaukel. Die, wo man immer oben denkt, jetzt kippt über. Ja, das ist die Schiffschaukel, glaube ich. Und es ist auch mit allen Höhen und Tiefen so eine Schiffschaukel. Ja, immer so im Bauch, so einen kleinen Sprung nach oben. Und immer zu überlegen War das jetzt gut oder war das nicht gut? Aber das ist ja auch wie das Feuer oder das Spiel des Lebens. So ein bisschen. Und es ist für mich mehr als gesund. Ein tolles Bild. Ich habe dich jetzt immer auf der Schiffschaukel. Wir können ja mal zusammen Schiffschaukel fahren. Magst du es nicht? Nein, ich brauche es nicht. Du schaukelst eher im Gemächlichen. Gar nicht. Ich schaukel in meinem Herzen. Ach so, okay. Ich mag ab und zu schon mal schaukeln. Hmmm. Wir haben ja schon über die systemische Familienaufstellung gesprochen. Und dass du das anbietest. Ja. Ist das dein Hauptberuf? Nein. Hauptberuflich arbeite ich in einem mittelständischen Unternehmen der „BB Chance“. Und da bin ich aber auch erst seit einem Jahr. Wahrscheinlich zielt deine Frage auf das Bewerbungsgespräch. Sehr gerne. Ich wurde gerade geschieden in dem Jahr. Und es ist noch mal etwas anderes, ob man getrennt lebend ist oder ob man geschieden ist. Wo ist der Unterschied? Es ist gesellschaftlich ein Unterschied, ob du in einer Spalte auch ankreuzt, getrennt, lebend oder noch weiter runter scrollst. Und geschieden. Angekreuzt. Geschieden. Ist so ein bisschen wie Sie hat es nicht hinbekommen. Ein bisschen wie scheitern. Es hat eine andere Endgültigkeit als getrennt lebend. Ich glaube, getrennt leben sind viele oder nicht mehr in Verbindung lebend, aber geschieden ist ein radikales Wort. Ich war gerade geschieden und fühlte. Mein Selbstwertgefühl war am Boden. Ich habe vorher in einem Hotel gearbeitet und wurde da gekündigt und brauchte dringend einen neuen Job und habe mich bei der „BB Chance“ beworben. Was ist das? Wir sind ein Weiterbildungsinstitut. Wir bieten Weiterbildung an für Menschen, die mit Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten. Und ich hatte mich dort beworben für einen Job, der gar nicht zu mir passt. Aber es gab nicht viele Positionen, gerade die, die frei waren auf dem Markt. Und es war eine geringe Stundenzahl für einen Job, der nicht passt. Aber mir wurde dieses Unternehmen empfohlen von einer Freundin und ich bin zu dem Bewerbungsgespräch gegangen. Gar nicht. Sonst lege ich schon sehr viel Wert auf mein Äußeres und mache mich für sowas auch schick. Aber zu dem Bewerbungsgespräch bin ich gegangen. Ich hatte glaube ich, einen dreckigen Pulli an und weiß gar nicht, ob ich mir die Haare groß gekämmt hatte. Ich kam aus dem Wald, hatte vorher einen großen Spaziergang gemacht und kam also mit meinen Waldschuhen zu diesem Bewerbungsgespräch und fühlte mich wirklich wie ein angeschossenes in der Ecke. Hm. Melanie, meine jetzige Vorgesetzte, hat sich meinen Lebenslauf angeguckt und ich habe eigentlich nur erzählt, was in meinem Leben nicht gepasst hat und was nicht gelaufen ist und war wirklich wie ein kleines verletztes Wesen saß ich dort und fühlte mich beschmutzt und nicht richtig dazugehörend. Und dann hat Melanie den Lebenslauf beiseitegelegt und wir haben angefangen uns über. Blockaden zu unterhalten, über Hindernisse im Lebenslauf, über Fehlschläge, Rückschläge. Und es war so ein empathisches nettes Gespräch, was ich auf einmal gewandelt hat und wo ich so viel gesehen habe auf einmal im Gespräch. Und ich fühlte mich auch auf einmal gesehen und ich fühlte mich auch verstanden und ich fühlte mich nicht mehr so allein und fühlte mich nicht mehr, als wäre ich fehl am Platz oder ausgeschlossen. Und dann bin ich dort nach zwei Stunden rausgegangen und habe gedacht Um Gottes willen, was habe ich jetzt hier eigentlich gemacht? So eine, so eine nette Frau und so eine gute Firma. Und ich habe mich so schlecht verkauft. Aber ich habe mich eben so verkauft, wie es in dem Moment war. Ja, und am nächsten Tag Melanie und ich telefoniert und sie hat gesagt Also die Stelle, die wäre ja wohl überhaupt gar nichts für mich, das würde mir wohl klar sein, sage ich Ja, das ist nichts für mich. Aber sie hat sich Gedanken gemacht und sie würde mir das und das anbieten und ich müsste ja eher in die Kundenbetreuung und mit Kunden arbeiten und da hätte ich so viel Erfahrung und das würde ich bestimmt ganz gut machen. Und ich fühlte mich so gebauchpinselt und auf einmal so groß und stark wieder. Und es war genau das, was ich gebraucht habe in dem Moment. Ihre Wertschätzung Im Laufe der Zeit hat mir wieder so viel Achtung gegeben und ich hatte das Gefühl, langsam wieder wachsen zu können und mich aufrichten zu können. Und jetzt habe ich das Gefühl, dass alles, was ich gemacht habe, meine psychologischen Weiterbildungen, das Emotionscoaching, das systemische Familienstellen, dass ich das wie so ein Zopf ineinander miteinander verwoben hat und dass es jetzt so ein ganz schöner, langer Pferdeschweif ist, der nur noch geölt und geglänzt werden muss. Das klingt wie so ein Ankommen. Ich hatte jetzt gerade ein Mitarbeitergespräch und wir haben es wirklich tatsächlich so ähnlich bezeichnet. Ich habe nicht das Gefühl, ich muss da was erreichen, Ich muss da was beweisen. Ich muss mich unter Beweis stellen. Ich habe das Gefühl, ich kann einfach so sein, wie ich bin. Ich muss mich nicht verstellen, ich muss auch nicht performen. Ich möchte auch gar nicht mehr performen. Ich gehe jetzt auf die 50 zu. Ich möchte einfach mit mir im Gleichklang und in der Balance leben und alles, was ich an Ausschweifung habe, was gut ist für mich, was mal abweicht von der Norm, das wird dort akzeptiert und angenommen. Und als Geschenk gesehen. Hm. Und das ist etwas ganz Wunderbares. Ja. Was für eine tolle Frau. Dass die um die Ecke geguckt hat. Du hast mich vorhin nach Mentoren gefragt. Und in meiner Krisenzeit war bestimmt Carola von Bismarck, meine Mentorin, bei der ich auch die Ausbildung gemacht habe, zum systemischen Familienstellen. Und jetzt ist bestimmt auch Melanie meine Mentorin als meine jetzige Vorgesetzte, die in mir einfach dieses Wachstum sieht und fördert und mit der es wirklich ohne große Mühen einfach organisch passiert. Hm. Das ist ein wahres Geschenk. Schön. Für jemanden, der oder die sich gerade in der Trennung befindet. Kurz davor, kurz danach. Mittendrin. Gäbe es da etwas, was du gerne sagen möchtest? Also ich würde immer sagen, Mut wird belohnt. Und ich würde auch sagen, man hat uns vorher nie gesagt, dass sich Mut oft wie Angst anfühlt. Also genau in sich hineinzuhören und zu gucken Ist es Angst oder ist es was anderes, was da in mir hochkommt? Sich wirklich mit sich selber auseinanderzusetzen, Zugang zu seinen Gefühlen zu haben und der inneren Stimme zu horchen? Hm. Und was war der beste Tipp, den du jemals bekommen hast? Mit Dankbarkeit in die Vergangenheit gucken, dass man mit Freude in die Zukunft gehen kann? Ja, ja. Ich bedanke mich ganz doll bei dir für dieses schöne Gespräch. Sehr, sehr gerne. Danke, dass du bei mir warst, liebe Kathi Bode, ich komme immer gerne wieder. Danke. Das war mein Gespräch mit der wunderbaren Kathi Bode. Alle Infos zu ihr und Ihrer systemischen Aufstellungsarbeit findest du in den Shownotes unter dieser Folge. Wenn du mehr über mein Coaching und meine Kunst erfahren möchtest, schau ebenfalls dort vorbei. Ich habe dir alle Links zusammengestellt. Und wenn dir diese Folge gefallen hat, folge mir gerne und lass fünf Sterne da, damit noch andere den Podcast entdecken können. Alles Gute und bis zur nächsten Folge. Ich freue mich über dich.