Sonntagsgespräche

Den eigenen Weg gehen

Pfarre Raum Wels Season 1 Episode 1

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

0:00 | 30:51

6 Wochen unterwegs auf dem weltberühmten Jakobsweg haben im Leben von Regina und Christoph Hofer einiges verändert und ins Wanken gebracht. Wir sprechen über besondere Wege, Herausforderungen und Glaubenserfahrungen. Passend zum Evangelium vom Palmsonntag, indem wir Jesus beim umjubelten Einzug nach Jerusalem (Mt 21,1-11) und dann auf seinem Leidensweg (Mt 27,11-54) begleiten, stellen wir diese Folge unter das Thema „Den eigenen Weg gehen“. Wir sprechen von Wegen, die in die Freiheit führen- mit Regina und Christoph Hofer aus der Pfarrgemeinde Wallern a.d.Trattnach.

Wenn dir der Podcast gefällt, abonniere ihn doch und schick ihn an eine andere Person weiter.

Wir freuen uns über dein Feedback!

Ein Podcast der Pfarre Raum Wels

Host: Birgit Poimer, Schnitt: Felbermair Jakob

SPEAKER_01

Sich selber treu bleiben, dem inneren Ruf folgen, den eigenen Weg gehen. Ein Thema, das uns alle betrifft. Zwischen Konformität und Individualismus den richtigen Weg zu finden, ist nicht immer ganz leicht und führt mitunter auch zu Spannungen. Ich bin Birgit Poller und das sind die Sonntagsgespräche, ein Podcast der Pfarrerraum Wels. Heute zu Gast bei mir, Regina und Christoph Hofer. Wir sprechen über außergewöhnliche Wege, persönliche Glaubenserfahrungen und auch über das Evangelium vom Sonntag, vom Palmsonntag ganz genau, in dem wir auch Jesus auf zwei sehr unterschiedlichen Wegen begleiten. Ja, liebe Regina, lieber Christoph, danke, dass ihr euch Zeit nehmt, auch für unsere erste Folge vom Podcast. Das heißt, wir alle sind ein bisschen aufgeregt. And we wollen heute über eure persönlichen Glaubenserfahrungen sprechen, aber eben auch über das Evangelium von Palmsonntag. Ich habe euch kennengelernt als Paar, das einerseits sehr harmonisch ist miteinander. Ihr singt auch gemeinsam. Dort ist Harmonie gut spürbar immer und hörbar. Ich liebe es, wenn ihr singt gemeinsam. Und andererseits als extrem engagiertes und sehr ungewöhnliches Paar. Ihr habt gerade einen Weg hinter euch, der auch eher außergewöhnlich ist. Ihr seid den Jakobsweg gegangen, fast 900 Kilometer zu Fuß, zu zweit gemeinsam. Unsere heutige Folge stellen wir eben unter dieses Motto: den eigenen Weg gehen. Ihr seid eben diesen besonderen Weg gegangen. Und meine erste Frage an euch wäre so: Wie hat denn euer gemeinsamer Weg begonnen?

SPEAKER_00

Ja, unser gemeinsamer Weg hat eben auch in einem Chor begonnen. Das war damals in Bad Schalerbach, da hat die Regina schon lange in diesem Chor gesungen. Und ich bin dann im Jahr 2006, nein, 2005 dazu gestoßen. Und wie es der Zufall wollte, wollte ich zur Klangwolt gefahren. Und die einzige, die vom Chor heute mitgefahren ist, war die Regina. Und ja, so haben wir uns aneinander angetastet.

SPEAKER_01

Das heißt, es war nicht so klassisch Liebe auf den ersten Blick, sondern einmal so sich kennenlernen und weiterkommen.

SPEAKER_02

Ein bisschen antasten, einmal schauen, kann das passen oder nicht. Es waren natürlich große Zweifel da, es ist ein großer Altersunterschied. Wir haben 15 Jahre Altersunterschied. Und es ist jetzt nicht unbedingt das ganz Gewöhnliche, dass sie Paare, die 15 Jahre Altersunterschied haben, klären einander.

SPEAKER_01

Du bist 15 Jahre jünger, Regina. Genau. Waren da die Zweifel eher auf deiner Seite oder auf deiner Seite, Christoph? Fen war das ein größeres Thema?

SPEAKER_00

Ich glaube, das ist ein größeres Thema für die Regina. Das war ein ganz grosses Thema, dass die Magdalena den neuen Partner annehmen kann. Und es war für mich ein wichtiges Thema, dass meine Kinder sie wohlfühlen, wenn ich eine neue Beziehung eingehe.

SPEAKER_01

Das heißt, ihr kommt beide, ihr seid beide aus Beziehungen gekommen. Die Magdalena ist deine Tochter Regina. Die war damals ungefähr.

SPEAKER_02

Okay. Und ich habe gesagt, wenn das für die Magdalena nicht passt, dann passt es einfach nicht. Wann dann muss es für sie passen, auch. Und sonst geht es nicht.

SPEAKER_01

Und wie hast du das Herz der Magdalena dann erobert, Christoph? Wie ist das dann gegangen?

SPEAKER_00

Ja, das war so einmal grundsätzlich relativ einfach. Also ich habe das Gefühl gehabt, sie hat mich recht schnell angenommen. Allerdings hat es sehr, sehr lange gedauert, bis sie dann zu mir Papa sagen konnte.

SPEAKER_01

Okay, also sie hat auch zu dir Papa gesagt dann.

SPEAKER_00

Ja, das war zu meinem 50. Geburtstag. Also ungefähr acht Jahre, nachdem wir uns kennengelernt haben.

SPEAKER_02

Das ist dann gekommen und hat gesagt, darf ich zu dir Papa sagen. Das war dann schon.

SPEAKER_00

Das war sehr berührend.

SPEAKER_01

Merkbar jetzt, dass es dich immer noch berührt. Das heißt, ihr habt dann nach guten Überlegungen sozusagen doch gemerkt, der andere, der könnte passen für mich.

SPEAKER_02

Und man merkt immer wieder, und ich merke immer noch, dass die Liebe nicht weniger wird, sondern eigentlich von Dog zu Tag mehr. Dass das immer mehr sich steigert, dass die Beziehung sich immer mehr vertieft. Und ich habe auch gesagt, sie ist ja nicht mein Ehemann, sie ist mein bester Freund, mein Seelentröster, mein Pilgerpartner.

SPEAKER_01

Habt ihr außer das Singen noch gemeinsame Leidenschaften? Beim Singen fällt es auf, wie gesagt, ich höre euch immer wieder mal gemeinsam musizieren. Ihr musiziert auch sehr viel in der Kirche, seid ihr auch bei diversen Chören, du leitest selbst an Choregina. Und wie ich euch das erste Mal gehört habe, habe ich wirklich, das war so spürbar und ich habe mir gedacht, wow, das wäre irgendwie, das wünscht man sich auch so ein bisschen, diese Harmonie, diese kräftige Stimme, die du auch hast. Also da ist sehr viel Kraft drinnen in eurem gemeinsamen Musizieren. Habt ihr sonst noch Leidenschaften, die ihr gemeinsam teilt? Also ich denke mal, Leidenschaften gibt es ganz viel.

SPEAKER_02

Das ist einerseits der Garten, der uns miteinander beschäftigt, den wir gern machen. Wir gingen eben, wie gesagt, wahnsinnig gern gemeinsam pilgern. Das ist eine Leidenschaft, die wir für uns entdeckt haben. Ich glaube, das ist unsere größte Leidenschaft, kann man sagen. Wir gingen gern zu kulturellen Veranstaltungen.

SPEAKER_01

Weil du gesagt hast, das pilgern, habt ihr vor dem Jakobsweg schon, habt ihr da auch schon Pilgerwanderungen unternommen oder war das das erste Mal?

SPEAKER_00

Ja, Pilgerwanderungen in dem Sinne, wir sind Weitwandern gewesen. Also wir sind den ersten längeren gemeinsamen Weg, den Nordwaldkampfweg gegangen im Jahr 2013. Und mein Ansinnen war, dass ich am Ende meiner aktiven Berufslaufbahn irgendwann einmal von Wien nach Hause gehe. Und auch diesen Weg haben wir gemeinsam beschritten. Das waren größere, längere Wanderungen, die wir gemeinsam gemacht haben. Aber wir sind grundsätzlich gern in der Natur unterwegs. Wir gingen gern Schwammersuchen, wir gingen gern gemeinsam Nordikwoken, wir gingen halt so im Umkreis halt verschiedene Weiterwege.

SPEAKER_01

Du hast gesagt, ihr seid zu in Wien nach Hause gegangen. Das war, aber du warst nicht in Wien tätig, sondern das, wie ist die Begekommen?

SPEAKER_00

In ganz Österreich tätig und meine zentrale, also der Dienstgeber selbst und meine Abteilung waren in Wien und ich war auch viel in Wien.

SPEAKER_01

Okay, das heißt, so vom das letzte Mal von der Arbeitsstelle dann nach Hause gehen zu Fuß.

SPEAKER_00

Ja, das war der Plan.

SPEAKER_01

Okay, wie lange habt ihr gebraucht von Wien? Insgesamt waren es ca. sieben Tage. Das heißt, wie viel seid ihr da jeden Tag dann gewandert? Ich muss gerade regnen, so 30 Kilometer ungefähr jeden Tag. Das ist eine ganz schöne Strecke.

SPEAKER_00

Und da sind wir das erste Mal auch in Berührung mit dem österreichischen Jakobsweg gekommen. Und vielleicht damals schon ein Hinweis darauf, dass man eines Tages eben den Jakobsweg in Spanien, also den Camino Francais gehen, möchte.

SPEAKER_02

Irgendwie hat er uns magisch anzogen. Das war. Man kann es eigentlich nicht genau sagen, was genau war, warum wir den Jakobsweg gewählt haben, diesen Camino Frances, aber irgendeine Magie muss er haben, die uns angezogen hat.

SPEAKER_01

Wie ich euch kennengelernt habe, da war das schon, da habt ihr schon ein Programm gehabt, habt ihr schon gesagt, okay, wir sind jetzt dann zwei Monate weg, wir gehen den Jakobsweg. Wie lange hat diese Entscheidung gedauert oder wie lange, du hast jetzt gesagt, das war schon länger da, wie ist das gereift in euch?

SPEAKER_00

Das war irgendwie auf einmal da. Es war einfach einmal die Entscheidung, den Jakobsweg zu gehen. Es hat heute dann auch eine lange, lange Vorbereitungszeit gebraucht. Wir haben uns über ein Jahr auf diesen Weg vorbereitet. Wir haben verschiedene Überlegungen gemacht. Es hätte bei diesen Überlegungen auch rauskommen können, nein, das ist nicht der richtige Weg, wir gehen einander.

SPEAKER_01

Das heißt Vorbereitungen, wie wir sind zwei Monate nicht da, was machen wir? Du hast ja bist ja noch in der Arbeit gelesen, du warst schon in Pension.

SPEAKER_02

Vorbereiten darauf, wie ich scheu, dass ich überhaupt so viel Zeit weg. Es ist nicht so ganz einfach, weil ich arbeite im Kindergarten. Also es ist einfach zu einer Zeit gewesen, wo man nicht im Normalfall im Kindergarten freihaben kann. Das war ein bisschen viel organisieren, aber es ist alles super gut ausgegangen. Wo habt ihr gestartet vor dieser Weg? In Saint-Jo-Pied-de-Paul sind wir gestartet in Frankreich und unsere erste Etappe sozusagen war über die Pyrenäen und hat uns dann nach Spanien geführt. Und dann sind wir eben im Norden von Spanien bis zuerst einmal Santiago de Compostela gegangen und dann bis zum Kap Finestern, weil wir gesagt haben, das gehört nur dazu. Und wenn der Weg noch viel weitergegangen war, dann waren wir am liebsten weitergegangen. Ich war zuerst immer wahnsinnig gern daheim und habe mir doch gehabt, ich glaube, mein kresstes Problem wird haben sein. Und wenn wir dort gewesen sind, habe ich im Flieger noch zum Christus gesagt, steigen wir wieder raus, bleiben wir da, gehen wir weiter, ich habe nicht anfahren, weil irgendwie war es einfach so gut. Und das Gefühl ist einfach unbeschreiblich gewesen. Das kann man nicht.

SPEAKER_01

Das heißt, wie würdest du den Unterschied beim Hinflug oder beim Rückflug?

SPEAKER_02

Beim Hinflug war viel Anspannung da, da war einfach viel da, wo man gesagt hat, wie wird das jetzt? Schaffe ich das überhaupt? Für mich war es so, ich bin doch, ich habe sehr viel Übergewicht gehabt und es war dann doch nicht ganz so klar, schaffe ich das jetzt überhaupt? Habe ich so viel Kraft, dass ich das zusammenbringe. Und darum habe ich auch viel trainiert vorher, habe viel geschaut, dass ich meinen Körper so weit fit mache, dass ich das schaffe. Das war mein absolut grösstes Ziel, ich würde es haben. Und ich habe es geschafft. Und das war das Alerschänzte dran.

SPEAKER_01

Was war ich stelle mir vor, 900 Kilometer zu Fuß gehen jeden Tag, weiß nicht, wahrscheinlich zwischen 20 und 40 Kilometer oder so in die Richtung?

SPEAKER_02

Ja, meistens waren es so um die 25 Kilometer waren es meistens.

SPEAKER_01

Also ich stelle mir das ja sehr, sehr körperlich sehr, sehr schwierig vor. Was waren so eure größten Herausforderungen? Mit welchen Problemen ist man dann konfrontiert?

SPEAKER_00

Ja, wir haben für die Bewältigung dieses Weges eine App zur Verfügung gehabt. Wir wollten ursprünglich auch ganz ohne elektronische Hilfsmittel auskommen. Und diese App war in drei Teile geteilt. Da war zuerst die körperliche Phase, dann war die geistige Phase und dann war die seelische Phase. Und wir haben uns vorher gedacht, eine App heute hat sich ja was ausgedacht. Und es hat aber gestimmt. Also die ersten 150 Kilometer war es so, wenn einer den anderen gefragt hat, wie geht es da denn, dann hat die Antwort gelautet, wenn ich da sage, was man nicht wehtut, dann sind wir schneller fertig. Das hat sich aber dann wirklich irgendwann einmal beruhigt gehabt. Man gewohnt wohnt sich einfach dran, man geht dann mit dieser Last am Rücken einfach dahin. Und kommt dann in so eine Phase, wo man viel zum Nachdenken kommt, wo man einfach so geht, vielleicht auch gar nicht viel zum Reden hat miteinander, aber trotzdem füreinander da ist. Und die größte Herausforderung jetzt waren eigentlich dann die mehr oder weniger unter Anführungszeichen Krankheiten, die halt so dahergekommen sind. Also ich habe ja ein RSI Pelle, einen Rotlauf gekriegt am Fuß und habe dann fünf Tage pausieren müssen. Und die Regina ist in der Zeit alleine gegangen und ich glaube, das war eine wichtige Phase für sie auf dem Weg und hat dann aber nach diesen drei Tagen, an denen es alleine war, einen Riesenblasen gehabt auf der Fersen und hat dann auch noch pausieren müssen.

SPEAKER_01

Das wollte ich gerade fragen. Es gibt ja Dinge, eben ich habe jetzt auch in erster Linie an die Blasen an den Füssen gedacht, wo man sagen muss, jetzt geht es nicht mehr. Also einen Rückenschmerz kann man vielleicht nur ignorieren, aber so eine richtig offene Stelle.

SPEAKER_02

Ja, bei mir war es auch so, ich habe wirklich auf der Ferse eine wirklich riesige Blasen gekriegt gehabt. Und ja, es hat einen gezwungen dazu, einfach jetzt eine Pause einzulegen. Aber wir haben gesagt, wir wollen unbedingt weitergehen und ja, sind wir angegangen. Das heißt, also willensstark seid ihr. Auf jeden Fall, glaube ich. Ja, und diese Zeit alleine für mich, das muss ich schon sagen, das war einfach genau das, wo ich mir gedacht habe, genau da habe ich gespielt, dass ich nicht alleine bin, dass nur wer da ist, der mit mir geht. Und wenn ich irgendeinen Hügel vor mir gesehen habe, habe ich immer so das Gefühl gehabt hinter mir, so geht wer und der schiebt mir eigentlich ein wenig an. Und das war ein voll kurzes Gefühl.

SPEAKER_01

Das heißt, du hast eigentlich eine spirituelle Erfahrung gemacht.

SPEAKER_02

Ja, voll. Also gerade in dieser Zeit, wie ich alleine unterwegs war, wenn man das vorher wäre gesagt hätte, ganz ehrlich, dann hätte ich gesagt, ich sehe recht, kannst du mir schon erzählen, aber ja. Aber die Nähe von der Mutter Gottes so sehr wahrzunehmen und so sehr im Herzen zum Gespüren, das treibt mir jetzt drinnen in die Augen, weil es einfach ein unbeschreiblich schönes Gefühl gewesen ist.

SPEAKER_01

Das heißt, du hast das Gefühl gehabt, es war so Maria.

SPEAKER_02

Maria, die mit mir gegangen ist, die mich an der Hand genommen hat, die mir ja, ich habe einfach viel gebetet zu deren Zeit. Ich habe ja viel viel mitgeben dürfen, ich habe ja einfach meine Lasten geben dürfen. Das war wahnsinnig schön.

SPEAKER_01

Da sind wir schon mittendrin, du hast gesagt, diese App hat dann so drei Teile gehabt, das Körperliche, das Geistige, das Seelische. Wie war es für dich, dieser geistige, seelische Weg?

SPEAKER_00

Ja, also vielleicht kann man ergänzen zu dem, was die Regina erzählt hat, auch noch sagen, es waren viele Menschen aus allen Teilen der Welt, die wir da begegnet sind und die zum Teil sehr prägend waren für uns, die uns einfach so Sätze mitgegeben haben, die uns zum Nachdenken angeregt haben. Und wir haben auch am ersten Teil des Weges eine wundertätige Medaille in einer Kapelle geschenkt gekriegt. Und auch dieses war fast schon zeremoniell, weil das war so ein ergreifendes Szenario. Und wir haben diese Medaille seither immer bei uns. Ich habe auf das früher wirklich nicht so viel geholfen, aber die kommt nicht mehr weg von mir. Das ist jetzt wie ein Teil von mir. Dieser Weg und dieser geistige seelische Teil. Also der seelische Teil, der hat halt einfach gearsen. Ich bin gegangen, habe mir nichts dabei gedacht und habe dann plötzlich zum Rennen angefangen, ohne zu wissen, warum. Und das war irgendwie einfach befreiend. Das war so ein Loslassen können. Das kann man, glaube ich, genauso sehen.

SPEAKER_01

Du hast gesagt, das waren so einige Sätze, die euch sehr geprägt haben. Was habt ihr noch im Kopf so vielleicht einen, zwei Sätze?

SPEAKER_02

Die Jessica, die wir kennengelernt haben, war ganz am Anfang des Weges schaut, wie wir hingefahren sind mit dem Regionalzug. Sie war aus Minnesota und hat dann im Gespräch zu uns gesagt: Home is where we meet. Und ich habe mir damals gedacht, ja, this is lib. But it hat uns nicht loslassen. Genauso wenig wie the Earl to used, every plan you have, be prepared to change it.

SPEAKER_01

He was a grosser farmer aus Kansas. This he was für me, there is so in Richtung Freiheit gegangen. Also sie lösen von alten Mustern, von Konventionen, wie man sie kennt, dieses Haus zu haben, dieses Heim, in einem selben Ort zu sein, sondern vielmehr größer zu denken. Also oft gesagt, Heimat is dort, wo du die Menschen triffst, die du jetzt gesagt hast, die du liebst oder wie dem begegnen.

SPEAKER_00

Genau, die Jessica hat eben so ein Leben gelebt. Das war eine Amerikanerin, die in Thailand gearbeitet hat. Ihre beiden Töchter sind in Amerika geblieben, haben diesen Weg nicht verstanden. Und wir sind jetzt auch nur mit ihr in Kontakt. Also sie ist jetzt gerade dann am Weg, ein Jahr lang mit einem Auto durch Amerika zu trampen. Als Freigeist.

SPEAKER_01

Das ist jetzt sozusagen das Stichwort, wo ich jetzt ein bisschen zum heutigen Evangelium schauen möchte. Freigeist, da denke ich auch sofort an Jesus Christus. Der hat auch eigentlich seinem Ruf, seinem inneren Ruf, seinem Auftrag gefolgt. Ist sie immer selbst treu geblieben? Heute am Palm Sonntag, da hören wir ja zwei Stellen aus seinem Leben. Eigentlich hören wir von zwei Wegen, die sehr, sehr unterschiedlich sind, die er beschritten hat. Die erste Stelle ist in Matthäus 21, 1 bis 11. Das ist der Einzug nach Jerusalem. Und in dieser Stelle wird eben beschrieben, wie Jesus da einzieht auf diesem Esel, so als Zeichen erreitet, also wie ein König, aber ein König der Armen. Und die Leute jubeln ihm zu. Sie legen Kleider auf die Straße, sie legen Palmzweige auf die Straße. Heute könnte man das vergleichen wie einen Hollywoodstar, dem der rote Teppich ausgelegt wird, oder bei einem Staatsempfang. Also er wird umjubelt, die Leute lieben ihn, sie rufen ihn zu, sie möchten mit ihm in Kontakt kommen. Das ist so der eine Weg, den er geht. Und dann in wenigen Kapiteln später, in Matthäus 27, 11, beginnt dann dieser andere Weg, die Leidensgeschichte, der Leidensweg Jesu, der also sehr lange ist und voll von Schmerz, von Verspottung, von Missverständnis für ihn, von Hass, der letztlich zum Tod am Kreuz führt. Also so könnte man sagen, die zwei Wege sind so unterschiedlich und doch liegen sie so eng zusammen. Und er hat eigentlich, was man ihm anlasten konnte, war das, dass er seinem Auftrag treu geblieben ist, dass er nicht davon abgegangen ist, auch im Angesicht oder im Bewusstsein dessen, dass ihm das das Leben kosten kann oder dass eben das ziemliche Konsequenzen für ihn haben wird. Also sozusagen, ich bin Gottes Sohn, dem treu zu bleiben. Ich denke, er damals ein Wort gesagt, das hat er hart für uns erkämpft. Für uns ist es heute selbstverständlich zu sagen, wir sind Gottes Kinder. Er hat dafür sein Leben gelassen. Ja. Ich denke, so wenn man den eigenen Weg geht, dann führt es eben auch zu Konflikten. Dann ist das nicht etwas, was alle gut verstehen können. Wenn ihr jetzt so ein bisschen erzählt, auch von dieser Jessica und euren eigenen Ringen, dann kann ich mir vorstellen, dass das für viele Leute eben nicht leicht ist, weil das natürlich auch Angst macht, in diese Freiheit zu gehen. Und da kommen dann natürlich Konflikte, da kommen dann eben Anklagen, da kommt dann das, dass man das eigentlich wegdrängen will, um das eigene nicht in Frage zu stellen. So wie ist es euch da damit gegangen? Wo habt ihr, habt ihr auch Anfeindungen erfahren oder Unverständnis?

SPEAKER_00

Also ich würde einmal an der positiven Ecken anfangen. Also wir haben wahnsinnig viel Zustimmung erfahren. Es ist uns in der Erklärung für unseren Schritt, ein neues Zuhause im Waldviertel zu suchen, darum gegangen, uns zu verkleinern, uns weniger Last aufzubürden. Das ist eine Folge dessen, was wir am Jakobsweg eben erlebt haben, wo wir gesehen haben, man kommt mit einem Rucksack voll Sachen, also inklusive Quand und Schuch und Waschzeig und alles sechs Wochen ganz gut über die Runden. Also auch wenn die Infrastruktur nicht so gut ausgebaut wäre wie am Jakobsweg, würde man das schaffen. Und das hat uns dazu bewogen, zu sagen, wir wollen uns einfach reduzieren, wir werden in Zukunft auf 65 Quadratmeter Wohnfläche zu Hause sein. Wir wollen weniger Garten haben, wir wollen mehr für uns Zeit zur Verfügung haben und wir wollen mehr pilgern gehen können. Also die Freiheit haben, die Freiheit zu haben, wieder unseren Rucksack zu packen und einfach loszuziehen. Das ist einmal das Ziel.

SPEAKER_01

Ich habe da kurz ein bisschen was eigentlich übersprungen. Du bist jetzt eh gleich eingestiegen. Ihr habt das ja schon im Kopf gehabt. Ihr habt es quasi nach diesem Jakobsweg, nach diesen Gedanken, die da auch da waren, so reduziert leben, Freileben, so eher im Sinne, sich zu befreien von den äußeren Zwängen und zu diesem eigenen inneren Ruf folgen, habt ihr beschlossen, dann euer ganzes Leben eigentlich noch einmal umzukrempeln, neu zu starten, was ihr jetzt erzählt, ihr werdet jetzt ins Waldviertel ziehen. Wir sitzen jetzt hier noch zusammen in eurem großen Haus. And in a few Monaten seid ihr dann, das ist gesagt, auf 65 Quadratmeter und werdet sozusagen nochmal ganz neu starten in einem vielleicht etwas befreiteren Leben.

SPEAKER_00

Das ist genau das Ziel. Ja, und weil du gesagt hast, es haben nicht alle verstanden. Ich glaube, den Schritt zu wagen, sich zu verkleinern, den können nicht alle verstehen. Und nämlich das eine ist davon zu sprechen und das andere ist, es auch zu tun. Und wir haben uns entschieden, diesen Schritt gemeinsam zu gehen und vielleicht auch ein bisschen the Zeit work zu lassen und einmal zu schauen, ob die Menschen, die das jetzt nicht ganz so gut verstehen können, dann vielleicht da ein Verständnis finden für uns.

SPEAKER_01

Darf ich fragen, wie ist das angekommen bei der Familie, bei euren Kindern oder by deiner Tochter, bei denen wo seid ihr sozusagen auf Widerstand gestoßen?

SPEAKER_02

Also meine Tochter hat das voll super weggesteckt. Also, was heißt weggesteckt? Die hat das voll gefeiert eigentlich. Die hat gesagt, ich finde das voll klasse, ich finde diese Entscheidung voll klasse. Innerfamiliär, jetzt von den Eltern und Geschwistern wird es vielleicht nicht mehr. Ganz so verstanden, ja.

SPEAKER_01

Ich glaube, es ist sehr schwer. Es ist jetzt zu meiner persönlichen Erfahrung, so wie du das vorher berichtet hast, Regina, dieser Moment, wo du ganz für dich bist und diese Verbindung nach oben spürst und merkst, da ist jemand. Das sind Momente im Leben, die kann man sehr schwer beschreiben, erfahrbar machen für andere. Das sind ganz besondere Momente, die irgendwo was verändern und wo man den starken Wunsch hat, viel mehr ins Innere zu gehen. Ich sage immer so diesen Spruch, man kann nicht gleichzeitig im Haus oder außerhalb vom Haus sein, also du bist entweder drinnen oder draußen. Und wenn man mehr und mehr diesen Wunsch verspürt, in sich zu gehen und das Äußere ein bisschen sozusagen abzulegen, gleichzeitig auch damit einher, dass man den Wunsch verspürt, auch diesem Lärm, die Aktivität, das viele Materielle einfach zu reduzieren. Und das ist natürlich für viele Menschen, glaube ich, eher furchterregend, weil man so sehr in dem drinnen ist und immer hört, das ist das, worum es eigentlich geht im Leben, immer mehr, mehr, mehr zu schauen, dass man Sicherheit hat, eben ein gutes Dach über dem Haus und dann ist mehr beschäftigt, dass man immer schaut, dass sozusagen alles passt und arbeiten muss. Und also schaffe, schaffe, Häusle bauen ist nur, glaube ich, mehr in unseren Köpfen drinnen, als zu sagen, in diese Freiheit zu gehen, in diese innere Freiheit auch.

SPEAKER_02

Genau, darum habe ich auch gesagt, ich dachte, wir sind in der privilegierten Situation, dass wir uns das leisten können, dass wir uns reduzieren. Es ist nämlich nicht so einfach, genau diesen Schritt zu tun, sich zu reduzieren, einfach herzugehen. Man merkt auch jetzt, wenn wir schon die Schachteln bocken für das, was wir mitnehmen und einfach aussortieren, wie viele Dinge sie angesammelt haben, wo man dann echt mal überlegt, das wirklich? Sind das Dinge, die echt braucht, dass ich da sein kann? Nein. Und ja, es gibt natürlich Erinnerungssachen, die man sagt, die will ich nicht wegtun. Das heißt, ich habe letztens gerade angeschaut, ein kleines Deckel von der Magdalena, das sie gehabt hat das Baby, wo ich gesagt habe, das tut mir jetzt leid, das kann ich nicht weg tun, das muss mit. Das kann ich einfach nicht irgendwo hingeben. Aber dafür sind es ganz viele andere Dinge, wo ich mir denke, weg damit, ich weiß nicht, wo ihr es hinter sollte klar.

SPEAKER_01

Wie macht ihr das jetzt ganz konkret? Das heißt, ihr schaut jetzt, dass ihr sozusagen einmal alles aussortiert, wo kommen die Sachen hin? Gibt es bei euch immer wie ein Flohmarkt?

SPEAKER_02

Ja, genau. Wir haben dann einen Hausflohmarkt und haben gesagt, wir haben unter das Motto gestellt, alles muss raus, wie auch.

SPEAKER_01

Das heißt, da könnte man noch teilnehmen. Wann wird dieser Flohmarkt sein? Am 9.

SPEAKER_02

Mai werden wir bei uns im Haus haben und ja, alle herzlich eingeladen zum Kaffee Blausch.

SPEAKER_01

Genau. Okay. Das heißt, am 9. Mai werdet ihr sozusagen euer Haus zur Verfügung stellen oder das, was eben da ist und jeder kann sich holen und nehmen, was er braucht. Ganz genau. Natürlich auch, da gibt es ja sehr viel von euch dann auch Preis. Das ist natürlich, da öffnet sie euch auch sehr.

SPEAKER_02

Ja, aber es fühlt sich einfach gut an. Ich habe auch gesagt, wenn sich das jetzt für den Außenstehenden ausschaut, wie es ist alles viel weniger, für mich spürt sie sich alles viel mehr an, weil es ist viel mehr Freiheit, viel mehr Leben, viel mehr Wir. Es ist nicht weniger, es ist einfach viel mehr. Es tut sich einfach viel mehr auf. Und ich freue mich wahnsinniger von der Zukunft.

SPEAKER_01

Du hast Regina vorher noch vor unserem Gespräch zu mir gesagt, es ist schon sehr kränkend gewesen für dich. So manche Reaktionen, die du bekommen hast. Ich weiß jetzt nicht, ob du was wiedergeben möchtest, aber was hat dich getroffen, weil du gesagt hast, es ist dann schwer für dich, das auch zu verzeihen oder das einfach zu. Was war nicht bei dir zu lassen?

SPEAKER_02

Es gibt kränkende Worte dabei, die, ich will es eigentlich gar nicht wiederholen, was für ihre Worte dabei waren, aber es hat mir einfach wirklich sehr, sehr schwer gefallen, das zu verzeihen. Und ich habe dann ganz viel mit meiner Tante, die Pflosterschwester ist, gerät auch drüber. Und sie hat damals schon zu mir gesagt, gibt es in Hergut, der hilft da eh dabei. Und ich habe es ein bisschen schwer, nehmen so. Und interessanterweise habe ich dann vor ein paar Tagen was gelesen, das mir dann wirklich geholfen hat, weil da habe ich gelesen gehabt, meine Gedanken waren immer, Jesus hat alle verziehen, sogar seinen Feinden und wie er am Kreuz gewesen ist. Und die hat damals geschrieben gehabt, das stimmt so nicht. Weil er hat nicht gesagt, ich verzeih dir, sondern er hat gesagt, Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Und dann ist mir erst so richtig klar, wenn jetzt weiß ich, was gemeint hat. Das ist, jetzt habe ich mir auch gedacht, ja Gott, vergib ich noch du, weil ich kann es nicht. Und vielleicht ist genau das das Gute.

SPEAKER_01

Also wieder auch diese Hilfe von oben, von außen. Genau. Ich glaube, es ist schwer, das mit dem Verzeih. Das ist interessanterweise, weil du jetzt diese Stelle zitierst, das ist ja genau auch die Stelle heute, ein paar im Sonntag, wo Jesus am Kreuz dann sagt. Diese Worte, die du gerade gesprochen hast, Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Meine persönliche Erfahrung ist, zu vergeben, Verzeihen, geht erst dann, wann die Kränkung in einem selbst sozusagen auch geheilt ist. Das heißt, das ist ein schwieriger Prozess, den wir alle da mehr oder weniger vor uns haben. Ich finde es sehr schön, dass du sagst, okay, solange es bei mir noch nicht geht, weil die Kränkung noch da ist, überlasse ich es einmal dem Herrn, dass er das für mich einmal macht und vertraue darauf, dass er mir da helfen wird, dass es auch in mir irgendwann möglich ist. Ihr brecht hier eure Zelte ab. Ihr wart sehr aktiv hier in der Pfarre. Was mich noch interessieren würde, weil wir sind ja auch Pfarreraum Wels, was habt ihr in eurem pfarrlichen Leben, wo steht Karl-Pierre oder vielleicht auch in anderen Orten? Was habt ihr immer als stärkend, als positiv erlebt?

SPEAKER_02

Für mich war es ganz viel einfach die Gemeinschaft dieses dazu. Da bin ich angenommen, da bin ich dabei. Das ist für mich schon ein grosser Punkt gewesen und einfach trotz allem auch der Raum der Kirche, das da hinkommen und sich da aufgefangen fühlen, da braucht gar nicht da sein. Dieser Raum der Kirche ist für mich ein grosser Punkt. Und es war schon immer für mich schön, etwas mitzugestalten, mitzubewegen, das fühlt sich für mich gut an.

SPEAKER_00

Ja, ich glaube, es ist noch hinzuzufügen, so der eine oder andere Seelsorger, wo man sich einfach aufgehoben fühlt, wo man sich geborgen fühlt und zu dem man gehen kann und eben wirklich oder ihr jede Sorge anvertrauen kann.

SPEAKER_01

Und was mich auch noch interessieren würde, wenn sie sagt, so vielleicht die eine Sache, also wenn ich jetzt, sag ich mal, werde ich jetzt vielleicht Papst, Päpstin, ihr könntet sagen, okay, ich kann diese eine Sache entscheiden und ändern. Was in unserer Kirche oder auch ganz konkret hier in der Pfarre, was wäre das, wo du sagen würdest, das würde ich, wenn ich könnte, würde ich das morgen sofort ändern.

SPEAKER_00

Mehr Funktion von Frauen in der Kirche, das wäre ein wichtiges Thema, glaube ich.

SPEAKER_02

Ja, da bin ich dabei. Mehr Funktion der Frauen in der Kirche.

SPEAKER_01

Ja, ich glaube bei der Frauenfrage da werden wahrscheinlich viel zustimmen, genau. Vielleicht gibt es noch was anderes. Du sagst, das würde ich mir auch wirklich wünschen. Das würde ich mir wünschen, dass es.

SPEAKER_02

Mehr gelebtes Evangelium. Ich darf mir ganz oft wünschen, dass das, was wir immer wieder herren und immer wieder spüren dürfen, einfach einem Alltag ankommen darf. Lieber deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn wir sich das alle ein bisschen mehr zubereimmert haben, ich glaube, schaut unsere Welt viel besser aus.

SPEAKER_01

Ja, liebe Regina, lieber Christoph, danke. Es ist ein schönes Schlusswort. Mehr gelebtes Evangelium. Das ist das, was ihr jetzt ganz konkret macht, diesen Weg in die mehr ins Innere, weg vom Äußeren, diesen Weg, den Jesus ja ganz klar vorausgegangen ist. Diese Reduktion, dieses Leben in dieser inneren Verbundenheit, in einem großen, großen Vertrauen, dass das Äußere einfach auch sich entsprechend dazu gesellt und keine Angst zu haben, weder vor den Konflikten noch vor einer ungewissen Zukunft. Ich danke euch und wünsche euch alles Gute für diesen gemeinsamen Weg, den ihr weitergeht. Und ich freue mich, wenn wir vielleicht demnächst dann einmal ein Gespräch im Waldviertel haben und ihr uns berichtet, wie es weitergegangen ist.

SPEAKER_00

Danke, da freuen wir uns auch schon drauf.

SPEAKER_02

Danke, dass du uns als so interessante Personen ausjirkst, mit denen du einen Podcast machst. Ich fühle mich sehr geehrt dadurch.

SPEAKER_01

Dankeschön. Und ich hoffe, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Ihnen hat das Gespräch ebenso gut gefallen wie mir und wir hören uns dann demnächst wieder. Alles Liebe, Birgit Polmer.