Sprechstunde Weltschmerz
Drei Deutsche in Chicago. Der Versuch eines Gesprächs. Über Zugehörigkeit, Frausein in einer Männerwelt, Wut, Kulturclash und das Leben im Dazwischen. Zwischen Alltag, Haltung und latentem Crash-out – schließlich leben sie schon rein geographisch mitten im Epizentrum des Weltschmerzes.
Und dann sind da auch noch (tendenziell etwas zu viele) Kinder, die das Stresslevel zuverlässig erhöhen. Wie man dabei nicht komplett durchdreht? Keine Ahnung – ambitioniert wäre schon, es halbwegs würdevoll zu schaffen. Mal klug, mal lustig, meist keins von beidem. Aber stets bemüht, Widersprüche auszuhalten.
Sprechstunde Weltschmerz
Wir sind HIER die Ausländer #0
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** skip Intro: ab Minute 13:00 **
Die Welt ist laut.
Zu laut.
Und selbst für Erwachsene oft kaum auszuhalten.
Wir sind drei Deutsche in Chicago.
Frauen. Mütter.
Ausländerinnen.
Und genau darum geht’s in dieser Folge.
Denn, ey Alman: irgendwo bist auch du der Ausländer. Spoiler: fuehlt sich anders an, wenn man drinsteckt, oder?
Integration war lange etwas, das wir uns für andere gewünscht haben.
Plötzlich geht es um uns selbst.
Wir leben das jeden Tag:
Zwischen Sprachen.
Zwischen Kulturen.
Zwischen „wir gehören dazu“ und „wir sind fremd“.
Und ja – wir dachten auch vorher schon, wir wären solidarisch.
Aber Realität hat nochmal eine ganz eigene Art, Dinge geradezurücken.
Wir schauen nicht von außen auf das große Ganze.
Sondern mitten aus unserem chaotischen Mikrokosmos:
zwischen Kita, Kaffee und latentem Nervenzusammenbruch.
Diese Folge ist ein Anfang.
Kein fertiger Plan.
Sondern der Versuch, Dinge auszusprechen,
die sich nicht mehr richtig anfühlen.
Zwischen Zugehörigkeit, Mutterschaft und Weltschmerz fragen wir uns:
Was passiert hier eigentlich gerade –
und was machen wir jetzt damit?
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Die Welt ist gerade ziemlich laut, also dachten wir, wir reden einfach auch noch ein bisschen mit. Wir senden hier aus dem Epizentrum des Weltschmerzes. Wir sind drei Deutsche in Chicago. Die Welt fühlt sich gerade mega ungerecht an. Und obwohl man denkt, roh geht's eigentlich gar nicht mehr, wird es jeden Tag gefühlt immer noch schlimmer. Also dachten wir irgendwann, was kann ich als kleines Lichter überhaupt ändern? Man verliert langsam Empathie, den Glauben an die Menschheit und manchmal auch ein bisschen den Lebensmut und fragt sich, wo sind eigentlich die guten Menschen? Hallo! Ist da noch jemand? Irgendjemand, der noch fühlt und den das alles noch berührt? Ein Blick in die Kommentarspalten hilft da meistens auch nicht weiter. Das Internet ist ein ziemlich roher Ort. Wir drei leiden auch ziemlich unter dem Weltgeschehen gerade, aber ehrlicherweise halt auch unter diversen selbstverschuldeten Krisen. Also dem ganz normalen Wahnsinn im Mikrokosmos. Before we jetzt aber anfangen, Dinge in irgendwelche Kommentarspalten zu schreien, machen wir lieber einen Podcast. Jaha! Die Welt braucht wirklich keinen weiteren Podcast. We know. Aber wir brauchen offensichtlich ein Ventil. Willkommen in der Sprechstunde Weltschmerz. Weltschmerz teilen hilft und Weltschmerz zulassen auch. Denn wenn man ihn immer nur wegdrückt, verhärtet er sich irgendwann, verkantet sich und sucht sich dann seinen Weg nach draußen. Und manchmal fängt er dabei halt an zu schwurbeln. Vielleicht liegt die Lösung ja sowieso anderswo. Vielleicht sollten wir alle erst einmal unseren eigenen Mikrokosmos halbwegs auf die Reihe bekommen, bevor wir versuchen, den Makrokosmos da draußen zu reparieren. Quasi heilenden Schichten. Erst das eigene Chaos sortieren, dann die Welt retten. Oder wenigstens versuchen, sie ein klein bisschen weniger schlimm zu machen. Und genau dabei wollen wir euch hier ein bisschen unter die Arme greifen. Beim Abtauchen in unseren Mikrokosmos kommt ihr euch vielleicht plötzlich gar nicht mehr so doof oder unfähig vor. Gut möglich. Auf jeden Fall aber hoffentlich ein bisschen weniger allein. Und solange ihr hier zwischendurch herzlich ablachen könnt, war es den ganzen Aufwand schon wert. In unserer Sprechstunde Weltschmerz kümmern wir uns um die großen und kleinen Krisen. Auch wenn sie komplett selbst verschuldet sind.
SPEAKER_01Ihr Lieben, erstmal Eierlike und dann los geht's mit dem Podcast.
SPEAKER_02Bevor wir aber starten können, fragt ihr euch sicher: Was sind das für Menschen? Wer sind wir?
SPEAKER_00Wir sind drei Deutsche in Chicago und wie bei Banksy weiß auch keiner, wer wir wirklich sind. Nicht mal wir selbst. Alles, was ihr bekommt, sind die Anfangsbuchstaben unserer Nachnamen und die ergeben rein zufällig L S D.
SPEAKER_01Da frage ich mich schon. Oder ist das einfach Fügung? Naja, das lassen wir mal offen. Ehrlich gesagt, das passt doch schon ganz gut. Ihr dachtet das steht für Rauschgift. Nein, weit gefehlt. Sondern es steht für Lakeshore Drive, die Hauptschlagader in Chicago, eine Straße, die am Strand entlang in unserer tollen Heimatstadt läuft.
SPEAKER_02Die Abkürzung LSD ist eigentlich so ein bisschen wie TKKG, also TKKG für Erwachsene quasi, nur mit mehr Weltschmerz und einem leicht überdurchschnittlichen Bezug zu Eierlikör.
SPEAKER_00Übrigens, ich habe gelesen, es ist gar nicht so ideal, wenn Influencer Alkohol thematisieren.
SPEAKER_01Wir sind doch gar keine Influencerin.
SPEAKER_02Das Einzige, was wir können hier, ist sowieso Influenza. Alter war der schlecht. Aber ich konnte ihn leider auch nicht nicht sagen. Den konnte ich mir leider nicht verkneifen.
SPEAKER_00Ist doch klar, Frau Professor Doktor. Und die Kinder bringen halt jeden Scheiß mit nach Hause.
SPEAKER_01Ja. Also weiter im Text.
SPEAKER_00Also weiter im Text. Wer steckt hier hinter diesen zugegebenermaßen etwas überambitionierten Kürzel LSD?
SPEAKER_02Und bevor wir uns jetzt irgendwie hier cringe und steif vorstellen, haben wir ein paar Snippets für euch aus unseren Vorbereitungen eingebaut, wo ihr uns, denke ich, am besten kennenlernt. Hört selbst. Was dich so richtig auszeichnet, finde ich, ist, dass du egal wie laut es um einen rum ist, egal welche Kinder wie schreien, egal wer gerade durchdreht, einfach immer dich irgendwie unter Kontrolle hast, immer deine Gefühle unter Kontrolle hast. Dass sie einfach auch für jeden Kram zu haben ist.
SPEAKER_00Man kann sich auch mega auf sie verlassen. Wenn sie da ist, ist sie da. Also ganz so cool bin ich doch nicht.
SPEAKER_02Da kommt jetzt ja gleich die Tränen, sag mal, dass du sehr fuss. Okay, wir haben Feelings im Podcast, sehr gut.
SPEAKER_01Ja, na wie bei, ist das nicht bei Kafka, wo die den Polizisten den Körper zum Lunch serviert? Mein Blond. Ja, weil die halt von allen anderen Teams alles wegkaufen. Jeder, der irgendwas kann, zack. Und noch berührt, komm, ich gebe mir mega Mühe. War das Ei für den Eioli-Kör zuerst? Oder gab es erst das Huhn? Es gibt eine Studie, dass Frauen über, ich meine, es war 65, länger leben, irgendwie, wenn sie sich schminken. Ja, da ich schon ein paar Jahre jetzt in dieser wunderschönen Stadt hier bin, hat sich der Weltschmerz eben schon ziemlich hochgeschaukelt und es wird Zeit für diesen Podcast.
SPEAKER_00Kommen wir zum S.
SPEAKER_02Genau, wir kommen zur. Achso, ich bin ja ich.
SPEAKER_01Ich wollte gerade loslegen, so wär's sie eigentlich. Ja, hau mal raus. Super, Mama, weil sie ist die mit den drei Kids. Aber ich bin Doktor für Pflanzen, nicht für Menschen.
SPEAKER_02Oder Eier LeCœur. Tiere geabcycelt. Wieder hergerichtet. Das ist überhaupt ein sehr arroganter Baum. So eine Kuhzunge wäre gut. Also dafür. Wieso reden wir dauernd über Tiere? Mir ist es nie aufgefallen, wie oft ich über Tiere und Pflanzen rede. Oh Gott, eine Person haben wir schon mal eingeschläfert. Mitten durch München, Downtown. Aber das führt soweit. Wir sind ja halb gebildet. Es ist mal wieder gut, dass wir keinen Videopodcast haben. Nein, nein, auf keinen Fall. Auf keinen Fall. Auf keinen Fall. Podcast away. How to podcast people away. Itzami, Mario. Hey, das ist, glaube ich, ja Namenstag. Dede. Alter. Schenkenboss, Tabs. Gibt es die noch? Oder ist die mittlerweile an Darmkrebs? Du hast meine Jugend bereichert. Kann ja stolz drauf sein, ey. Ist der Mann Postboot oder Marseille? Wie viel Energy kann man bitte einfach haben?
SPEAKER_01Energizer Hase.
SPEAKER_00Das ist doch das, was mich an meinen Kindern am meisten nervt. Ja. Genetics.
SPEAKER_01Ja, erzähl mal davon. Ich kann gar nichts dafür. Unser Zumba, Dance Instructor, auch unsere Shopperin, denn wer nicht shoppt, der kann auch nicht Sales shoppen und nicht sparen. Richtig.
SPEAKER_02Wenn du überlegst, was du schon gespart hast in deinem Leben, das ist, da kann dir keiner ausreichend danken.
SPEAKER_00Das stimmt, das stimmt. Ja, bitteschön. Das ist so ein deutsches Wort Sprechstundenhilfe. Rita, wo liegen die Kondome? Ich kaufe das bei Trädertoos. Aber das ist ja das. Also, irgendwie Hass und Schmerz und alles negativ zu sehen, ist ansteckend genauso wie Happy sein, glücklich sein, Dinge positiv nehmen. Ein Lächeln. Und ein Lächeln ist halt einfach ein universelles Wort in allen Sprachen. Das ist das Schönste überhaupt, das versteht jeder.
SPEAKER_02Okay, an unsere zwei, drei Hörerinnen, die noch dabei sind. Hallo Leute, Respekt und please stay. Ihr habt jetzt, denke ich, ein ganz gutes Bild von uns drei Chaotinnen bekommen. Im besten Fall ein optimistisches oder ein positives, im schlimmsten Fall ein realistisches. Und jetzt zur eigentlichen Frage. Warum sind wir hier? Ja, wir sind drei Auslandsdeutsche, wie man das nennt, hier in Chicago und es verbindet uns natürlich, dass wir sprachlich-kulturell aus einer Richtung kommen, dass wir ziemlich selbstbewusste oder möchte gern selbstbewusste Frauen sind und übernächtigte Mütter und Ausländerinnen in diesem Land. Und genau darüber werden wir später noch detaillierter sprechen, was das eben mit uns macht. Wir drei haben untereinander und auch sicherlich mit euch gemeinsam, dass wir uns zunehmend mit einer Welt konfrontiert sehen, die selbst für Erwachsene viel zu roh ist. Geschweige denn für Kinder natürlich. Und wo nachgewiesenermaßen Menschen nicht zur Verantwortung gezogen werden für Sachen, die sie tun. Und wir können einfach nicht mehr schweigen. Also wir drei können einfach nicht mehr schweigen, also reden wir mit euch und vielleicht auch ein bisschen einfach für uns selbst. Und wir wollen natürlich, das Ziel ist, wir wollen, dass ihr optimistisch bleibt oder es werdet, damit ihr Kraft zum Kämpfen habt für eine bessere Welt. Wir Frauen müssen da speziell zusammenhalten. Tschaka! Und ja, was ist unser Ansatz, um hier klarzukommen? Vor allem hier im Zentrum des Weltschmerzes. Obacht Ironie.
SPEAKER_00Von dem nach sitzen wir jetzt lieber zu Hause, trinken Eierlikör selbst gemacht.
SPEAKER_02Also nicht von uns, von unserer Frau Dr. Superschlau. Genau, von unserem Herrn Dr. Thermomix, beziehungsweise Frau Dr. Thermomix ist es. Ja, absolut, Dr. Thermomix. Ich bitte dich. Das ist ja eine Maschine. Das heißt ja auch die Maschine. Es heißt die Maschine, stimmt. Kleiner Teaser am Rade, dass jemand mit Sprache beruflich schon was gemacht hat oder macht. Das ist wohl wahr.
SPEAKER_00Genau, und dann haben wir bei uns all unseren Boosy-Lunches gemerkt, gut, wir sind Mütter. Wir haben festgestellt, dass uns, als wir noch keine Kinder hatten, noch nie jemand gesagt hatte, hey übrigens, das ist scheiße anstrengend. Und das ist nicht nur Regenbogen und Sonnenschein. Wir unterstützen uns. Was machen wir noch? Wir schimpfen zusammen. Lachen zusammen. Immer trinken Eier oder anderes zusammen. Und nach und nach ist uns aufgefallen, es gibt ja nicht nur uns drei tatsächlich. Es gibt noch viel mehr da draußen. Und irgendwie kommen wir nicht mehr klar. Irgendwie ist die Welt gerade total verrückt. Wir sind keine Journalisten, wir sind keine Politologen, aber es geht halt auch nicht spurlos an uns vorbei.
SPEAKER_02Wir haben einen extrem mäßigen Überblick über das Weltgeschehen, eigentlich zu wenig Ahnung. Also wir würden gerne natürlich jetzt hier irgendwie total abliefern und faktenbasiert alles aufarbeiten, können das aber gar nichts, können wir gar nicht leisten einfach. Wir würden da einfach nur noch mehr spalten. Das wollen wir gar nicht. Wir wollen irgendwie lieber ins Gespräch kommen, im Gespräch bleiben, versuchen, Diskurs auszuhalten, versuchen, dazu beizutragen, genau, und uns euch einfach helfen. Dadurch, dass wir euch mitnehmen in unseren Mikrokosmos, der am Explodieren ist, euch zeigen, es geht uns auch so wie euch. Ihr seid nicht alleine und euch ein bisschen helfen, den Mikrokosmos jeweils bei euch auch zu reparieren, damit wir irgendwann gemeinsam, alle gemeinsam die Welt retten können mit gesundem Mikrokosmos.
SPEAKER_00Kleine Ziele, die wir uns da gesteckt haben. Winzig. Aber ich meine, wenn du einmal in der Folge gelacht hast, dann hat sich das Anhören doch auch schon lohnt.
SPEAKER_02Ich habe schon dreimal gelacht. Ansat für jeden schon mal einen Lacher dabei von uns.
SPEAKER_00Ja, und wir machen den natürlich auf Deutsch. Wir werden sicherlich vieles, was wir aus unseren Erfahrungen in Deutschland, in unserem kulturellen Hintergrund, aber auch in unserem, für unsere Kindheitserfahrung, ne, spielen hier eine große Rolle. Und das ist ja auch das, was uns sehr von Amerikanern unterscheidet, wo ich persönlich ganz oft merke, da kann ich gar nicht mitreden, ich weiß nicht, um was es geht. Da fehlt einfach irgendwas, was eben nicht in einem Textbuch steht. Und selbst das, was in einem Textbuch steht, nämlich die Sprache, die wir alle mühsam irgendwann gelernt haben und die wir auch alle fließend sprechend, das hilft uns im Alltag und das ist super. Aber ich finde, wenn man auf ein bestimmtes Level kommt und wir wohnen hier eben in der Nordside Chicago, genau da, wo es allen Leuten gut geht, die sind alle gut gebildet, da kommt man in Gespräche, wo ich dann irgendwann an meine Grenze komme, weil mir einerseits das Vokabular fehlt, dass wirklich dezidiert dieses Wort, das ich suche, das habe ich nicht, das ist einfach nicht da. Aber auch der Fluss, der Sprachfluss, wie man sich einbringen kann, dass ich mir doof vorkomme, wenn ich immer nur rumstottere und hier und da und das hat einen verdammt großen Einfluss und ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich habe das Gefühl, dass mich jemand, der nicht meine Muttersprache mit mir spricht, spricht, der kann mich nicht zu 100% kennenlernen. Der wird niemals die Nancy kennenlernen können, die ihr kennt, einfach weil ich es nicht ausdrücken kann, weil ich es nicht leisten kann.
SPEAKER_01Ich habe sogar das Gefühl, ich habe irgendwie in der anderen Sprache eine andere Stimme. Ja. Oder weil man sich eben nicht so hundertprozentig wohl fühlt und das wahrscheinlich dadurch rauszieht. Sicherlich auch, ja. Und andersrum, frag mal meine Familie, wenn ich irgendwie versuche, was zu erklären oder halt von hier irgendwie was erzähle. Oh, wie ist jetzt die Vokabel auf Deutsch? Man lebt ja halt hier und macht Sachen vielleicht hier das erste Mal für mich. Zum Beispiel ein Kind bekommen. Ich habe in Deutschland keins bekommen. Ich weiß nicht, was die Vokabeln sind. Oder man nimmt irgendwie Kredit auf, weil man sich eine Wohnung kauft oder ein Haus und dann, ah, wie ist das jetzt nochmal auf Deutsch? Weil Credit ist nicht Kredit. Spannend. Spannend, ist genau das Gegenteil. Und ja, solche Sachen, die man im Alltag halt ständig dann zu überwinden hat in dem Sinne. Du sitzt beim Arzt oder beim, weiß ich, eben bei der Bank oder was und dann fliegen dir da Worte um die Ohren, die du noch nie gehört hast. Obwohl du vielleicht irgendwie Englisch Leistungskurs mal hattest in der Schule oder so, aber das bereitet dich ja halt nicht aufs Leben.
SPEAKER_00Ja, absolut. Ja, in beide Richtungen. In beiden Welten ist man da irgendwann auffällig, sag ich mal. Und wie du sagst, auch in Deutschland, mir geht es ganz genauso wie dir. Ich habe ja gerade alles rund um meinen Sport, meine Fitnes-Ausbildung hier gemacht. Das heißt, alle Vokabeln, alle Formulierungen habe ich aus dem amerikanischen Kontext. Also nicht nur englischsprachig, sondern eben auch einfach amerikanisch, die Amis mit ihren Hype und ihrem und ich bin da voll mit drin und ich lebe das und ich liebe das. Damit fällst du in Deutschland total auf. Und dann kriegst du eigentlich aus Deutschland die Rückmeldung, so, oh, jetzt so aufgesessen, jetzt du doch nicht so und so. Und dann, das im Kopf ist es halt so und unser Gehirn ist magisch. Ja, das funktioniert bei bilingualen Menschen und bei mehrsprachigen Menschen ja total anders. Und es ist für unsere Kinder ja noch extremer.
SPEAKER_02Genau. Mir geht es auch so, ich bin ja angekommen und dachte eigentlich, ja gut, Englisch, meine Güte, ist ja nicht schwer, kann ich doch, das ist doch ganz klar. Habe ich in der Arbeit gehabt, Meetings auf Englisch fand ich jetzt nicht, dass das Englisch so schlecht war. Ich habe meine Doktorweit auf Englisch geschrieben. Es sind halt Bio-Vokabeln, die bringen mir halt hier gar nichts natürlich. Und man merkt dann ganz. Bringt mir gar nichts. Ich roll das R, das hilft mir auch nicht. Genau, also man merkt einfach sehr schnell, man ist selbst mit diesem Werkzeugkasten, den wir haben, mit gutem Englisch, mit irgendwie abgesichert sein. Also gerade bei uns, wir sind hergekommen mit eigentlich kompletter Absicherung, mit Puffer. Trotzdem ist man hier fremd. Und Sprache ist, das war mir davor in der Theorie vielleicht klar, aber gar nicht in der Praxis. Sprache ist einfach nicht nur Kommunikation, Sprache ist Charakter. Und gerade jetzt bei mir, ich rede viel, ich reiß gern mal einen Witz, ob der witzig ist oder nicht. Er kommt hier einfach gar nicht an oder ich kann ihn nicht transportieren, ich kann ihn nicht rüberbringen. Und dann fehlt einfach beim Charakter sehr, sehr viel. Und man ist einfach zwei Persönlichkeiten oder zwei Versionen. Es ist so ein bisschen irgendwie, finde ich, wie eine Dual-Sim. Man legt die ein und man ist irgendwie immer, hat den Primär quasi immer falsch eingelegt. Also immer irgendwie ist man in der falschen Sprache unterwegs und da auch nicht so richtig. Und es ist irgendwie so ein bisschen, kommt es mir vor, wie so eine Vollversion von meinem Charakter in Deutsch und Englisch ist irgendwie nur so die Probeversion. Da ist es halt irgendwie 2D. Es ist irgendwie nur ein Gefühl und wir wollen uns da auch nicht auf eine Stufe stellen jetzt mit quasi, oh, wir armen Ausländer, wir sind so arm, darum soll es gar nicht gehen. Sondern einfach nur aufzuzeigen, es ist jeder irgendwo Ausländer und es ist vielleicht gar nicht mal schlecht, weil das einfach wirklich die Empathie und so den Blick auf die Welt enorm schult und auch das Bewusstsein dafür, wie gut es einem einerseits geht, aber auch wie schwierig dieses Gefühl ist auszuhalten, dass man nicht voll auf seinen Charakter zugreifen kann und vielleicht auch manchmal dumm wirkt. Ja, ja.
SPEAKER_00Und das ist eigentlich total schlimm. Das würde jedem so gehen, auch wenn man privilegiert ist. Und wir sind absolut privilegiert. Wir sind auch weiß in diesem Land. Damit haben wir ja sowieso einen Vorteil. Nicht nur in dem Land, ich bin in jedem Land weiß.
SPEAKER_02Aber hier besonders. Ja, absolut. Und ich merke auch, mir haben das viele Freunde irgendwie mit Migrationshintergrund. Ich habe eine Freundin, die ist Philippiner, ich habe türkisch, deutsch-türkische Freunde, die haben immer schon gesagt, naja, sie sind in ihrer Heimat, sind sie genauso Ausländer wie jetzt hier in Deutschland oder nicht hier wie in Deutschland. Und das habe ich schon, die Wörter habe ich schon verstanden, die haben Sinn ergeben, aber dieses Gefühl, was ja nochmal deutlich schlimmer ist, weil bei uns ist dieses Experiment, jedenfalls bei mir persönlich, irgendwann beendet. Man kann immer zurück, man hat immer die Absicherung. Aber nie so ganz dazu zu gehören, immer so dazwischen zu sein, in so einem Zwischenzustand, ist einfach sehr, ein sehr schwieriges, ein sehr schwieriges Gefühl letztlich.
SPEAKER_01Ja, das wollte ich auch gerade noch hinzufügen. Wir sind ja jetzt schon länger hier und ab auch absehbare Zeit auch noch lange hier. Und genau, wenn man jetzt halt nach Deutschland oder überhaupt Europa kommt, das ist halt so ein bisschen okay, du liest das in Nachrichten und wie du schon sagst, das finde ich gut. Du verstehst die Worte, die da gesagt werden, über was auch immer gerade vorgeht, und du verstehst auch die Worte, die gesagt werden, über was in diesem Land hier vorgeht, was nochmal anders ist, als was in Chicago gerade passiert. Und du bist wie hier nicht hundertprozentig hier und dort nicht hundertprozentig dort. Und ja, dieses Wo ist denn zu Hause? Oder zu Hause ist hier, aber meine Heimat ist die hier? Ist die dann vielleicht in 20 Jahren hier, wenn ich schon lange hier bin, viel länger als ich in Deutschland gelebt habe, dann und auch ja, meine Kinder sind noch zu klein, um zu fragen, aber wo denken denn die, dass die in ihrer Heimat ist? Weil das Oma und Opa in Deutschland sind, finden die eigentlich ziemlich cool. Dann geht man mit dem Flugzeug hin und yay! Aber ja, dieses, naja, nicht-Dazugehören in dem Sinne oder eben einfach an mehrere Plätze vielleicht sogar gleichzeitig zu gehören, ist ein Gefühl, was ich nicht gedacht habe, dass ich das mal haben werde, ja, wenn ihr mich gefragt hättet damals in der Schule.
SPEAKER_00Und eigentlich ja total toll. Also diese Möglichkeit zu haben, ne, Maria, du hast das auch so erwähnt, mit Puffer zu kommen. Das heißt, nichts verlieren, nichts, also wir hatten auch nichts zu verlieren, haben diesen Schritt gewagt, sind ultra dankbar und haben ja den Luxus. Wir können jederzeit zurückgehen oder irgendwo hingehen, einen Neustart machen. Aber ich finde auch, dass man eigentlich nicht einschätzen kann, was zu einem Neustart gehört. Also, besides, du brauchst halt eine Wohnung und du brauchst halt eine Versicherung und die Kinder müssen zur Schule gehen. Das ist ja, ich nenne es jetzt mal Pillepalle, weil das ist ganz klar und das steht ganz oben. Aber die Jahre ziehen ins Land und man kommt immer mehr an, man sagt das auch so. Naja, sind wir endlich richtig angekommen. Aber was gehört da eigentlich dazu? Und da gehören ja auch Freundschaften dazu. Da gehört eben mein Charakter, wo finde ich mich? Was brauche ich eigentlich, um mich wohlzufühlen? Und das ist echt spannend, das ist ein Luxus, aber das ist auch verdammt schmerzhaft und anstrengend. Und eigentlich wünscht man sich dann doch, zu Hause zu sein und letztlich. Jetzt werdet ihr schmunzeln. Eigentlich wünschen wir uns dann alle nur die Mama. Wir wünschen sich immer nur die Mama.
SPEAKER_02Ist blöd, wenn man die selber isst, ne? Ja. Schwierig. Ja. Ja. Nee, ich finde auch, dass dieses nicht richtig dazu zu gehören, der Charakter ändert sich vielleicht auch. Finde ich auch wirklich schwierig. Und genau dazu freue ich mich einfach umso mehr, dass wir uns kennengelernt haben und dass wir einfach Spaß miteinander haben und irgendwie uns Zitat ein Zuhause-Gefühl geben. Ich weiß leider nicht, von wem das Zitat genau ist. Ich glaube, es ist vielleicht von Tassim Durgo und ich bin mir nicht sicher, habe es nicht geschafft, nochmal nachzuschauen. Aber ich finde, das ist so eine Sache, das muss man sich erarbeiten und das muss man auch irgendwie erstmal für sich so ein bisschen definieren. Und ich finde eigentlich, dieses Mal woanders nicht dazuzugehören oder Ausländer zu sein, finde ich eigentlich sehr, sehr gut. Und das sollte meiner Meinung nach jeder mal irgendwie, sollte es sowas geben wie eine Wehrpflicht, eine Ausländerpflicht, dass man einfach mal woanders hinkommt und sich da neu sortiert, um einfach mal ein bisschen mehr Bewusstsein dafür für andere Menschen zu haben, den es eben aus sehr vielen schlimmeren oder überhaupt schlimmen Situationen so geht, die eben flüchten müssen und die darauf angewiesen sind, dass sie gut aufgenommen werden und eben ein Zuhause-Gefühl entwickeln dürfen und auch können.
SPEAKER_00Ja, und auch den Blick auf sein eigenes Leben nochmal ganz anders und ganz neu zu bekommen. Was, wenn ich jetzt zum Beispiel in Deutschland lebe, welche Vorteile habe ich da? Ich lebe in einem Sozialstaat, ich bin da ziemlich sicher und so weiter und so fort. Und es gibt in jedem Land sicherlich, also jedenfalls in jedem, sag ich mal, entwickelten Land, wo wir, wo es typisch ist, als Expats neu anzufangen, da gibt es immer irgendwas Positives. Und da gibt es auch irgendwas, was überhaupt nicht gut läuft und was man in seinem eigenen Heimatland viel besser findet. Und diesen Blick zu bekommen, aus dem Land heraus zu sagen, ey, das klappt super toll in Deutschland, darauf kann man sich verlassen, das ist ein Luxus, dafür zahle ich gerne meine Steuergeldern. Und da, deswegen bin ich stolz, dass das meine Heimat ist.
SPEAKER_02Aber habt ihr, also seid ihr stolz darauf? Weil ich finde als Deutscher, ja, ich bin es nämlich auch erst hier geworden. Ich finde, als Deutscher hat man immer so dieses, oh Gott, drittes Reich, oh Gott, sorry, sorry, und merkt gar nicht eigentlich, dass man darauf vielleicht auch stolz sein kann. Oder ich weiß es, ich sei mal dahingestellt, sollte man darauf stolz sein, kann man, darf man darauf stolz sein? Oh Gott, Alter, ich meine natürlich nicht, dass man auf das Dritte Reich stolz sein soll, sondern dessen unbedingt eingedenk auf sein eigenes Deutsch sein. Also vielleicht unpopular opinion, vielleicht sollten wir sogar stolz auf unser Land sein. Also so ein behutsamer und reflektierter Stolz. Weil wenn wir nicht stolz auf unser Land sind, dann sind es die anderen und damit auf jeden Fall die Falschen. Und so eine Art von Stolz, den ich jetzt meine, der sollte dann vielleicht irgendwie auch, sollte einem den Antrieb geben, etwas im Mutterland, wie auch immer, in Deutschland zu verbessern. Und zwar für alle und für jeden dort. Finde ich so ein bisschen, also ich hatte davor irgendwie so emotionsloses Deutschum. Es war halt einfach so, dass ich Deutsch bin. Es war mir vollkommen egal. Und jetzt bin ich schon auf manche Errungenschaften irgendwie stolz, merke aber auch, dass mich deutsche Berichterstattung wirklich zunehmend wahnsinnig macht. Dieses dauernde, now it's me complaining about Germans complaining, aber es ist wirklich so diese Sache, dass einfach immer mit dem Finger so quasi Moralin schwer irgendwie erklärt wird, wie man es zu machen hat. Ich meine, ganz ehrlich, wer hat die Weltkriege angefangen? Also man sollte nicht immer so von oben herab, finde ich, des anderen erklären. Das stört mich so ein bisschen am Deutsch sein, aber es gibt auch gute Eigenschaften, wie die gute German-Pünktlichkeit zum Beispiel.
SPEAKER_01Ja, stimmt. Ja, aber mal zurück zum Ist man stolz auf Deutschland. Ich muss sagen, ich habe die deutsche Nationalhymne erst 2006 gelernt, als wir die Fußball-WM gehostet, wie heißt das, ausgerichtet haben, siehst du? Aber seitdem singe ich immer voller Innenbrunst. Und WM ist ja dieses Jahr in diesem Land, aber da bin ich dann auf jeden Fall irgendwie stolz auf Deutschland oder wie auch immer. Und ja, wenn man, ich war ja schon mal Ausländer in der Schweiz, deutschsprachiges Ausland, denkt man, und wenn man dann da hinkommt, ist es auch so, aber irgendwie auch gar nicht so. Und da habe ich halt festgestellt, dass, wenn man in ein Land kommt, wo, oder in den deutschsprachigen Teilhalt der Schweiz, wo deine Sprache gesprochen wird, du gleich aussiehst, und man das trotzdem da schwer integrieren kann, aus welchen Gründen auch immer, das sprengt jetzt vielleicht den Rahmen, dann wie soll sich denn, wie Maria das sagt, ein Flüchtling, der schrecklichste Sachen erlebt hat, dann nach Deutschland kommt, wo alles komplett anders ist, anderer Kulturkreis, alle Menschen sehen anders aus, sprechen eine andere Sprache, also wo wirklich alles komplett anders ist, sich dann da zu integrieren.
SPEAKER_02Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Wenn man nicht mal arbeiten darf und sich nicht mal eine neue Identität letztlich aufbauen kann, oftmals. Genau.
SPEAKER_01Und ja, ist man darauf dann stolz? Weiß ich nicht. Ist aber natürlich irgendwie, das muss ich jetzt halt sagen, und das ist ein ganz, ganz großer Blick von ganz oben. Es ist in jedem Land gleich, oder? Wir, ich finde, wenn man hier ist. Oh, cool, you're German, okay, cool. German cars. I've been to Munich, yeah.
SPEAKER_00Aberce, in the airport. I'm three quarters German.
SPEAKER_01Und woher?
SPEAKER_02Ah, yeah, I don't know. Nee, dann kommt. Do you know the Huber Family? Ja klar, es gibt nur eine Familie Hubern, ganz klar in Deutschland. Die einzige, ich meine, wir haben 80 Menschen in Deutschland. Achso, im Moment, Millionen, keine Ahnung. Es gibt nur diese eine Familie, klar kenne ich die. Da unten bei euch, da tragen es doch alle Leder von. Da gibt es viele. Hurbas, Hurbers heißt das.
SPEAKER_00Also ich würde mich auch nochmal gerne dazu äußern. Ich bin definitiv stolz, Deutsche zu sein, aus einem Land zu kommen, in dem es mir und dem Durchschnitt sehr gut geht. Und mit dem Durchschnitt meine ich nicht finanzieller Durchschnitt, sondern ein Durchschnitt ist vielleicht total das falsche Wort, das klingt total dämlich. Wo es den meisten Menschen gut geht, eben weil wir ein Sozialstaat sind, weil wir eine enorme Masse an Steuern zahlen, mit denen das halt bezahlt werden kann. Davon aber mal abgesehen, ich bin auch schon viel gereist, klar, jetzt hier, ich meine, wir haben es jetzt ja schon so ein bisschen angerissen, Amis sind ja total, fahren ja eigentlich total auf unsere Art von Ausländern ab. Aber du kommst aus Deutschland, dann haben die immer gleich eine Assoziation, kennen jemanden, der war, aber es ist eigentlich sofort Begeisterung da. Und dann gibt es unsere Autos, unsere Pünktlichkeit, so ein paar Charaktereigenschaften. Aber Made in Germany kennt halt jeder. Und ich, mein Mann und ich, wir sind schon viel gereist, wir haben viele, einige Weltreisen hinter uns in vielen Monaten unterwegs gewesen, in sehr vielen kleinen, großen, weit entfernten Ecken dieser Welt. Und Deutschland kennt jeder. Irgendwas verbindet jemand mit Deutschland. Sei es, ne? Die Autos, aber doch der Welt. Aber das muss ich sagen, habe ich wenig erlebt. Also ich habe das ganz wenig, ganz wenige Situationen, die mir da einfallen würden, wo jemand sagt, so mit euren Kriegen oder so, ja, Nazis, ja, natürlich. Das ist ja auch Teil unserer Geschichte. Also, aber an sich kann man echt stolz sein, dass so ein winziges Land, schau es dir mal auf der Karte an, so ein winziges Land ganz vorne mitsprechen kann. Und darauf kann man doch stolz sein.
SPEAKER_02Ja. Das stimmt. Ich habe Sorge, dass es jetzt kippt, aber ich meine, wenn man jetzt sagt, man wohnt in den USA, dann ist sowieso der Rent riesengroß. Es wird gefragt, ja, warum, wie kann man nur? Ja, frage ich mich auch, wie kann man nur. Auf der anderen Seite denke ich mir, ja, kann man und wenn man gar keine andere Chance oder gar keine andere Wahl gerade hat, dann muss man. Und dafür ist, denke ich, auch dieser Podcast da, dass wir einfach weiterhin hier klarkommen, dass wir die Themen nicht umschiffen, die es gibt, aber eben versuchen, hier möglichst nicht durchzudrehen oder halt auch komplett durchzudrehen, dann werdet ihr Zeuginnen und Zeugen, ist auch bestimmt lustig und nett.
SPEAKER_00Aber dann halt zusammen.
SPEAKER_02Dann halt gemeinsam, dann gemeinsam am Schnitt.
SPEAKER_01Eierlecur hilft immer.
SPEAKER_02Eierlecur ist das Antidot gegen Weltschmerz. Ist einfach fehlt. Ist einfach Fakt. Ja, genau, was ich mir jetzt irgendwie für eine Frage gestellt habe, weil wir jetzt viel über Zuhause, über Fremde, über was macht dich als Deutschen aus oder was ist Deutschsein eigentlich geredet haben. Habt ihr irgendwie so ein paar Momente, wo ihr gemerkt habt, Alter, ich check ja hier überhaupt gar nichts. Ich verstehe die Worte vielleicht zu 50 Prozent, aber ich habe keine Ahnung, was ist denn hier los? Ich bin ja komplett fremd. Habt ihr da irgendwas?
SPEAKER_00Ich könnte keine explizite Situation nennen, aber ich weiß, dass es durchaus, vielleicht nicht in regelmäßigen Abständen, aber immer mal wieder vorkommt, wo ich in einer Situation feststecke, wo jemand mit mir spricht und ich auch wirklich, sagen wir mal, jedes Wort verstehe, was aus diesem Mund kommt, aber eben, und das habe ich eingangs so erwähnt, diesen kulturell, sprachlich-sozialen Hintergrund nicht habe und einfach nicht weiß, was der Mensch damit ausdrücken möchte. Und Amis sind ja auch Meister der Abkürzungen, die sprechen ja auch so. Und mittlerweile weiß ich auch, was irgendwie PTO und FYI heißt, aber diese 50.000 anderen, die uns ja auch begegnen, Franzi, du hattest das erwähnt, mit ich muss mich um Kredit kümmern, ich muss das und das, da wird alles abgekürzt und dann sitzt du da und dann denke ich so, ich weiß schon, also ich habe das verstanden, was du sagst, aber ich verstehe es doch nicht. Oder eben diese Situation, diese Situation über man möchte irgendwas teilen. Wir lachen ja auch über, ach, weißt du noch vor 35 Jahren Thomas Gottschalk, wetten das. Und das haben die Amis ja auch. Das hat ja jeder. Genau. Und da kann ich nicht sprechen, da stehst du nebendran.
SPEAKER_01Das wollte ich gerade sagen. Wir haben jetzt so eine Spendenveranstaltung, die organisiert wird, zum Thema Prom. Und Prom, ich habe dann halt geschrieben, ah ja, cooles Thema, kenne ich nur aus dem Film. Ja, hatte ich einen Abi-Ball, klar, aber das ist ja überhaupt nicht damit zu vergleichen. Nein. Und dann habe ich halt so geschrieben, ich komme gerne dazu und kaufe ein Ticket, aber ich bin, ich kann, glaube ich nicht viel beisteuern, weil Prom, Prom, ich bin mal gespannt. Dann habe ich mal gegoogelt, oh, Prom, was zieht man da an? Aber sind wir ehrlich, 16 bin ich halt nicht mehr. Das ziehe ich also nicht an, was Google da ausgesprochen hat. Gerade erst du jetzt. Hab rechts. So einfach, es ist schon vorgekommen, dass ich gesagt habe, das kenne ich nur aus dem Film. Oder es ist ja wie im Film. Oder so einfach oder so American Football. Ich finde es mega, wir sind jetzt lange genug hier, dass ich ungefähr ein Drittel der Regeln vielleicht verstehe. Aber kennst du halt nur aus dem Film.
SPEAKER_00Und da finde ich, in solchen Situationen kann man emotional nicht mitschwingen, weil du das, weil halt Promfit in dir ja gar nichts auslöst. Eben dieses in den Filmen. American Pie Vibes. Oder irgendwie amerikanische Hochzeiten, wo jeder irgendwie 15 gleich angezogene Bridesmaids hat. Wir machen uns dann eher drüber lustig. Schwinge ich nicht mit, weil hatte ich nicht. Wollte ich auch nicht, würde ich auch jetzt immer noch anders machen. Kindergartengraduation. Da habe ich gedacht so, hä? Mein Kind ist fünf, was für eine Graduation.
SPEAKER_02Das hat eine Robe, das hatte ich bei meiner Verteidigung von nichts. Geile Sache, aber.
SPEAKER_00Genau, mein Kind kommt mit Bild nach Hause, Robe an, hat mir gesagt, ja, da musste ich so einen komischen Vorhang anziehen, Mama. Die typisch quadratische Mütze auf dem Kopf. Hä? Und da sind Großeltern eingeflogen und waren da dabei. Mein immer arbeitender Mann war, ja, muss ich mir da jetzt irgendwie, muss ich das mir jetzt in meinen Kalender eintragen? Ich habe da eigentlich einen Call, ne?
SPEAKER_02Ja, das sind auch immer so, die deutschen Papas haben es einfach auch noch nicht gecheckt, dass sie das bei uns auch bei jedem Konzert, wo ist denn der Vater vom Kind? Ja. Zu Hause, der duscht gerade. Der duscht. Oder macht whatever, aber es ist wirklich, finde ich, auch, es ist ganz eine andere Gewichtung. Ich meine, Kindergarten, klar, Schulanfang ist krass, aber Kindergarten.
SPEAKER_01Was es ja hier nicht gibt, also machen sie halt den Abschluss vom Kindergarten als große Feier. So Anfang von irgendwas scheint ja nicht so das Krasse zu sein, aber Ende von irgendwie, dass man einfach mal was durchzieht.
SPEAKER_02Einfach mal den Kindergarten auf Anhieb geschafft, bestanden, mit Bravo. Geil. Er war auch anwesend.
SPEAKER_00Ja, also wir haben auf jeden Fall viel über Ausländersein und das Gefühl und was dahinter steckt, gesprochen. Und das wollen wir ja in unserer nächsten und damit auch ersten richtigen Podcast-Folge behandeln. Denn so haben wir es ja uns überlegt, dass wir uns schon jedes Mal ein Thema überlegen und uns daran entlanghangeln, aber ihr werdet uns kennenlernen. Wir schweifen auch gerne mal ab.
SPEAKER_02Und wir sind für einen Laber-Podcast einfach effing, not famous enough. Also wir sind einfach überhaupt nicht famous. Vielleicht fängt es mal so an und das wird hier sicherlich auch nicht passieren. Ist aber auch gar nicht der Plan. Das ist eigentlich die perfekte, perfekte Überleitung, für wen ist dieser Podcast und für wen ist er explizit vielleicht nicht. Also ich finde, wir sind alle mehr als ready for good news aus den USA. Und wenn da nichts kommt, dann müssen wir es einfach selber machen, müssen wir es einfach selber in die Hand nehmen. Gerade wir als Frauen. Und deswegen persönlich ist es gar nicht auch so sehr irgendwie um, wer ist der Empfänger, sondern es muss einfach dieser Weltschmerz, der sich aufgestaut hat und weiterhin aufstaut, der muss einfach raus. Mir geht es ums Senden. Klar, Hörer und Hörerinnen wären schön, aber es muss jetzt erstmal, es soll als Ventil dienen und es muss jetzt erstmal was raus.
SPEAKER_00Richtig, aber wir sind auch immer offen für Fragen, Anregungen, Tipps, Ideen, Einwürfe. Wir haben ja auch schon Instagram mit einigen Followern. Von denen dich. Verwandte! Geht's doch los. Ja, auf jeden Fall.
SPEAKER_01Ich habe ja gar kein Instagram.
SPEAKER_02Franziska.
SPEAKER_012026.
SPEAKER_00Deswegen siehst du meine Reels alle.
SPEAKER_012026 habe es jetzt was 10, 15 Jahre ohne ausgehalten. Ich glaube, ich halte es noch weiter aus. Ja, das stimmt. Ich setze einen Rekord.
SPEAKER_02Und eigentlich wäre es mir auch lieb, wenn es niemand hört. Also, ich meine, Verwandte, Leute, die uns kennen, vielleicht nicht. Es ist leider so. Aber ich meine, wenn es jetzt niemand hört, dann gibt es einfach drei Therapieplätze, die weiter besetzt werden.
unknownAlso wirklich.
SPEAKER_00Bitte hört gekonnt weg. Wie willst du denn jemals Thermomix als unseren Sponsor ranziehen? Bitte hört nicht zu. Wir haben ja übrigens auch noch gar nicht angestoßen, ne? Oh Gott. Das müssen wir reinschieben.
SPEAKER_01Naja, wir haben halt vorher in Glas das Buch. Das ist richtig.
SPEAKER_02Vielleicht noch eine FSK oder eine unfreiwillige Fremdkontrolle für den Podcast. Also generell ist der Podcast nicht geeignet für Kinder unter drei Jahren. Zum Thema Abkürzungen, die keiner checken. Und das sind doch genau die, die Schau sich so lässt, dass du jetzt in meinem eigenen Packst.
SPEAKER_00Vor allem Kinder unter drei. Das sind ja genau die, die ständig hier rumkrabbeln und tanzen und nerven.
SPEAKER_02Wenn die noch jünger sind, verstehen sie es eh nicht. Weil wir einfach Ausdrücke verwenden, vielleicht aus Versehen oder weil wir die Abkürzungen dafür nicht verstehen.
SPEAKER_00Das muss in die Shownotes.
SPEAKER_02Absolut. Also alle Faschisten zwischen 4 und 99 raus mit euch. Raus! Raus hier! Haut ab! No trespassing! Und vor allem wollen wir auch ganz gerne, wir wollen auch ganz gerne noch ein bisschen mehr Ostdeutsche ranlocken, aber da kommen wir, warum? Kommen wir beim nächsten Mal drauf. Genau, also wenn ihr Anregungen, hattest du ja auch schon gesagt, Nancy, Anregungen habt, Fragen, irgendwelche Ideen, dann schreibt uns das einfach auf Insta unter Sprechstunde Weltschmerz.
SPEAKER_00Lockerflockig geht ja das über die Lippen.
SPEAKER_02Liebevolle Kommentare werden liebevoll beantwortet und für Hate gibt es irgendwie stille Treppe oder Block oder einen kleinen Rant. Es wird dann mit verstellter Stimme vorgelesen. So schaut es nämlich aus.
SPEAKER_00Oder gemeldet, je nachdem, welcher Schwerhütte hat. Wir sind im Land der Anzeigen. Hier oder dort. Ja.
SPEAKER_01Hier und dort.
SPEAKER_02So, ich glaube, besser wird es jetzt wirklich nicht mehr.
SPEAKER_01So, Leute, das war's dann auch für heute. Und denkt daran, ihr seid genug.
SPEAKER_00Mehr brauchen wir von euch auch wirklich nicht.
SPEAKER_02Gleich noch mehr Hörer verschreckt. Wir brauchen noch ein richtiges Ende, glaube ich. Ein richtig diebes Ende. So deep wie unser Anfang. Vielleicht geht es gar nicht ums Recht haben. Sondern darum, Widerspruch auszuhalten. Zwischen Shitstorm und Schweigen gibt es immer noch Gespräch. Passt auf euch auf, bleibt im Gespräch, haltet die Welt so gut aus, wie es geht. Bis zum nächsten Mal. Das ist sowas von over and out bitches.