Autohaus News mit Sina & Steven
Im Podcast diskutieren Sina und Steven die aktuellsten News aus der Autohaus-Welt. Im Fokus stehen Entwicklungen, Trends und Themen, die Autohäuser, Werkstätten und die Automobilbranche bewegen.
Ob Digitalisierung, Kundenkommunikation, Vertrieb, Service, neue Technologien oder Veränderungen im Markt: Sina und Steven ordnen die wichtigsten Nachrichten ein, sprechen über Chancen und Herausforderungen und geben praxisnahe Impulse für den Autohaus-Alltag.
Autohaus News mit Sina & Steven
Folge 1
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Willkommen zu Folge 1. Ich bin Sina und wir schauen uns an, was gerade in der Autohauswelt so hochkocht. Neben mir Steven. Schön, dass du da bist.
SPEAKER_02Sehr gerne. Und hochkocht, trifft's ganz gut, ne? Da ist gerade echt viel Bewegung drin.
SPEAKER_01Total. Ich würde direkt mit einem Thema starten, das für Händler ziemlich praktisch werden kann: Automatisierte Fahrzeugempfehlungen. Also Kunden schon Monate vor Finanzierungsende wieder gezielt ansprechen. Steven, klingt erstmal nach CRM-Zauberwort. Ist das wirklich mehr als nur ein nettes Tool?
SPEAKER_02Ja, also wenn es gut gemacht ist, schon. Der Punkt ist, viele Autohäuser melden sich beim Kunden erst, wenn der Vertrag quasi schon ausläuft oder der Kunde selbst anruft. Und dann ist es oft zu spät, weil der sich schon umgeschaut hat. Wenn du aber früh siehst, Finanzierung endet bald, Fahrprofil passt, Restwert passt vielleicht, dann kannst du ein realistisches Anschlussangebot machen. Nicht plump nach dem Motto, kauf mal was Neues, sondern eher, hey, dein aktuelles Auto ist gerade spannend für Inzahlungnahme und wir hätten eine passende Alternative. Und das ist im Alltag Gold wert, weil Verkäufer nicht jeden Vertrag manuell im Kopf haben können. Also können sie schon versuchen, aber dann wird's wild.
SPEAKER_01Der berühmte Zettelstapel unterm Bildschirm.
SPEAKER_02Genau, oder Excel-Latein Nummer 47.
SPEAKER_01Aber das setzt voraus, dass die Daten sauber sind, oder? Also wenn Kundendaten, Laufzeiten, Kilometerstände, Opt-ins nicht stimmen, dann wird aus Smart schnell peinlich.
SPEAKER_02Absolut. Digitalisierung ist halt nicht, wir kaufen ein Tool und alles läuft. Es ist eher, wir räumen erstmal den Keller auf, bevor wir die neue Küche einbauen. Kundenkommunikation braucht saubere Daten, klare Prozesse und auch ein bisschen Fingerspitzengefühl. Gerade wenn automatisiert Empfehlungen rausgehen, muss der Ton stimmen. Sonst fühlt sich der Kunde verfolgt. Und trotzdem, für Anschlussgeschäfte, Leasing-Rückläufer, junge Gebrauchte, Finanzierung, Servicepakete, da liegt riesiges Potenzial.
SPEAKER_01Dann bleiben wir beim Markt. Die Pkw-Zahlen im April sehen auf den ersten Blick besser aus. Wachstum. Aber wenn man reinguckt, ist es nicht überall Party. Privatkunden und Hersteller tragen das Plus. Flotte schwächelt weiter. Was heißt das fürs Autohaus?
SPEAKER_02Es heißt erstmal, nicht vom Gesamtmarkt blenden lassen. Wenn Privatkunden stabiler unterwegs sind, muss ich meine Ansprache vielleicht stärker auf Sicherheit, Verfügbarkeit, monatliche Rate und Inzahlungnahme ausrichten. Bei gewerblichen Kunden spürt man offenbar Zurückhaltung. Kosten, Unsicherheit, Fuhrparkstrategie, Antriebsmix. Da verschieben manche lieber, statt neu zu beschließen.
SPEAKER_01Weil Flotte ja lange so ein verlässlicher Block war.
SPEAKER_02Ja, wenn der Block wackelt, hat das Auswirkungen auf Planung und Lager. Was stelle ich hin? Welche Motorisierung? Wie viele E-Fahrzeuge? Wie aggressiv muss ich bei Tageszulassungen oder Vorführern sein? Autohäuser müssen gerade viel genauer segmentieren. Privat ist nicht gleich Privat. Gewerbe ist nicht gleich Gewerbe.
SPEAKER_01Und in der Beratung kommt dann wieder diese große Antriebsfrage. Verbrenner, Hybrid, Elektro. Dazu passt BMW. Führungswechsel. Milan Nedelkovic übernimmt von Oliver Zipse. Gleichzeitig hat Zipse zum Abschied nochmal ziemlich deutlich Richtung Brüssel ausgeteilt.
SPEAKER_02Oh ja.
SPEAKER_01Was macht so ein Wechsel mit den Händlern? Erstmal nichts oder doch mehr als man denkt.
SPEAKER_02Kurzfristig verkauft deswegen niemand ein Auto mehr oder weniger. Aber mittelfristig kann das schon wichtig werden. Ein neuer CEO setzt Akzente. Modellpolitik, Plattform, E-Mobilität, Direktvertrieb, Händlernetz, Margenlogik. Und wenn Zipse nochmal so klar sagt, politische Ziele seien vielleicht gut gemeint, aber schlecht umgesetzt, dann spiegelt das eine Stimmung, die viele Händler in Kundengesprächen längst erleben. Nämlich Kunden fragen, was ist mein Verbrenner in fünf Jahren wert? Kommt noch Förderung? Wird laden günstiger? Darf ich überall reinfahren? Ist Elektro wirklich alltagstauglich? Und Verkäufer müssen darauf antworten, obwohl sich Rahmenbedingungen ständig bewegen. Das ist anstrengend. Nicht nur fachlich, sondern auch kommunikativ. Und ich glaube, die besten Betriebe werden nicht die sein, die eine Ideologie verkaufen, sondern Orientierung. Also ehrlich sagen, für dein Fahrprofil passt eh super. Für dich vielleicht hybrid. Für dich noch ein effizienter Verbrenner. Dieses Vertrauen wird wichtiger als jede Hochglanzkampagne.
SPEAKER_01Schön gesagt. Und dann kommt noch die große Klammer darüber. Der VDA warnt vor einer anhaltenden Standortkrise. Auch mit Blick auf mehr Stellenabbau durch den Wandel vom Verbrenner zu Elektromobilität. Das klingt erstmal weit weg vom Autohaustresen. Ist es aber nicht, oder?
SPEAKER_02Nee, gar nicht. Wenn in automobilgeprägten Regionen Jobs unter Druck geraten, betrifft das Kaufkraft. Es betrifft Stimmung. Es betrifft auch Familien, die sagen, wir warten mit dem Neuwagen lieber noch. Und auf der anderen Seite verändern sich Lieferketten, Herstellerprioritäten, vielleicht auch die Modellverfügbarkeit. Für Werkstätten heißt der Wandel außerdem andere Qualifikationen, Hochvolt, Softwarediagnose, Batteriecheck. Da geht es nicht nur um Verkauf, sondern um den kompletten Betrieb.
SPEAKER_01Also Weiterbildung nicht als nettes Extra, sondern über Lebensstrategie.
SPEAKER_02Ganz genau, und zwar nicht erst, wenn der Hof voller E-Autos steht, dann ist es zu spät.
SPEAKER_01Klassischer Satz für die Werkstattwand. Wenn der Hof voll ist, ist es zu spät.
SPEAKER_02Bitte als Poster. Mit Flammen im Hintergrund.
SPEAKER_01Sehr gut. Kommen wir noch zu einem sehr konkreten Aftersales-Thema. Fast schon kurios. Peugeot ruft den 208 zurück, weil die Hupe zu leise ist.
SPEAKER_02Echt jetzt?
SPEAKER_01Ja. Die Hupe erreicht nicht die vorgeschriebene Mindestlautstärke. Klingt erstmal lustig, ist aber für Werkstätten ein echter Prozess. Kunden informieren, Fahrzeug prüfen, Instand setzen, dokumentieren.
SPEAKER_02Genau, und solche Rückrufe zeigen, wie wichtig Servicekommunikation ist. Viele Kunden denken bei Rückruf sofort, oh Gott, mein Auto ist gefährlich. Da muss das Autohaus sauber erklären, worum geht's, wie lange dauert es, muss ich warten, kriege ich einen Termin und bitte nicht so bürokratisch, dass der Kunde nach dem ersten Satz aussteigt.
SPEAKER_00Sehr geehrte Damen und Herren, im Rahmen einer qualitätssichernden Maßnahme.
SPEAKER_02Ja, und dann liest niemand weiter. Besser. Bei Ihrem Peugeot 208 muss die Hupe überprüft werden. Das dauert voraussichtlich so und so lange. Buchen Sie hier Ihren Termin. Fertig.
SPEAKER_01Das ist eigentlich ein roter Faden durch alle Themen heute. Früher, klarer, persönlicher kommunizieren. Ob Finanzierungsauslauf, unsichere Kunden bei Antrieben, Floppenzurückhaltung oder Rückruf.
SPEAKER_02Ja, und nicht warten, bis der Kunde mit einer Frage oder einem Problem aufschlägt. Proaktiv sein, aber nicht nerven. Daten nutzen, aber menschlich bleiben. Das ist die Kunst.
SPEAKER_01Wenn du einem Autohaus für diese Woche nur einen Impuls mitgeben würdest. Einen einzigen. Welcher wäre das?
SPEAKER_02Schaut euch eure Kontaktpunkte an. Wirklich konkret, wer wird wann angesprochen? Mit welcher Botschaft? Über welchen Kanal? Finanzierung läuft aus, Service ist fällig, Rückruf offen, Probefahrt nachfassen, E-Autoberatung anbieten. Wenn das alles zufällig passiert, verschenkt ihr Umsatz und Vertrauen. Wenn es sauber organisiert ist, wirkt es für den Kunden nicht wie Verkauf, sondern wie guter Service.
SPEAKER_01Schöner Abschluss. Steven, danke dir.
SPEAKER_02Danke dir, Sina. Hat Spaß gemacht.
SPEAKER_01Und euch danke fürs Zuhören bei Folge 1. Wenn ihr im Autohaus seid, viel Erfolg da draußen, gute Gespräche mit euren Kunden und achtet auf die Hupen. Bis zum nächsten Mal.