Autohaus News mit Sina & Steven
Im Podcast diskutieren Sina und Steven die aktuellsten News aus der Autohaus-Welt. Im Fokus stehen Entwicklungen, Trends und Themen, die Autohäuser, Werkstätten und die Automobilbranche bewegen.
Ob Digitalisierung, Kundenkommunikation, Vertrieb, Service, neue Technologien oder Veränderungen im Markt: Sina und Steven ordnen die wichtigsten Nachrichten ein, sprechen über Chancen und Herausforderungen und geben praxisnahe Impulse für den Autohaus-Alltag.
Autohaus News mit Sina & Steven
Folge 7
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Hallo und willkommen zu Folge 7. Ich bin Sina und bei mir ist natürlich wieder Steven. Steven, ich habe das Gefühl, die Autohauswelt hat gerade so ein bisschen diesen Modus, alles gleichzeitig. Sparen, Elektrifizieren, Umbauen, neue Modelle, neue Dienste.
SPEAKER_01Ja, und bitte nebenbei noch Lächeln am Empfang.
SPEAKER_00Exakt. Lass uns direkt rein starten. Volkswagen macht gerade ordentlich Druck auf die Händlerseite. Da steht eine Kostensenkung von rund 20% im Raum. Und das ist schon, also, das ist nicht mal eben neue Kaffeemaschine abbestellen.
SPEAKER_01Nee, das ist Struktur.
SPEAKER_00Genau. Es geht um Prozesse, Standortkosten, Personalaufwand, Effizienz im Vertrieb. Und ich finde daran spannend, viele Autohäuser haben ja in den letzten Jahren schon optimiert bis zum Anschlag. Weniger Papier, bessere Terminplanung, digitale Leads, schlankere Verwaltung. Aber 20%, das zwingt dich wirklich zu fragen, welche Tätigkeit bringt Wert für den Kunden und welche machen wir, weil wir sie immer so gemacht haben.
SPEAKER_01Und da wird es halt unangenehm, weil Prozessoptimieren klingt in Präsentationen immer schön. In der Realität heißt es manchmal, wer ruft den Kunden wann an? Wer macht Übergaben? Wie viele Schritte braucht eine Gebrauchtwagenbewertung? Muss der Verkaufsleiter jedes Angebot dreimal anfassen. Also wirklich kleinteilig.
SPEAKER_00Ja, ja, und ich glaube, die Gefahr ist, dass Händler nur bei den offensichtlichen Kosten schneiden. Weniger Marketing, weniger Schulung, weniger Personal. Aber wenn du beim Kundenkontakt sparst, sparst du dir am Ende vielleicht auch den nächsten Kauf weg.
SPEAKER_01Oh, schöner Satz, den rahm ich mir ein.
SPEAKER_00Bitte mit Quellenangabe, Küchenpsychologie Sina.
SPEAKER_01Aber ernsthaft, der Hebel liegt oft im Mischbereich. Also Standardisierung ja, aber nicht Entmenschlichung. Ein Beispiel. Wenn ein Kunde online eine Probefahrt anfragt, sollte nicht erst drei Leute intern eine Mail weiterleiten. Das muss sauber laufen. Aber wenn der Kunde dann kommt, muss jemand vorbereitet sein und sagen, schön, dass Sie da sind. Ich habe schon gesehen, sie interessieren sich für die Ausstattung. Das ist Effizienz und Erlebnis.
SPEAKER_00Voll. Zweites Thema. Ford will in Europa wieder deutlich offensiver werden. Neue Modelle bis 2029, dazu mehr digitale Dienste, besonders für Gewerbekunden. Wie hörst du das aus Autohaus-Perspektive?
SPEAKER_01Erstmal gut. Weil viele Ford-Partner in Europa ja schon länger auf ein klares Zukunftsbild warten. Und wenn jetzt neue Modelle plus Softwaredienste kommen, dann kann das gerade im Nutzfahrzeug- und Flottenbereich wieder richtig Musik reinbringen. Aber Händler müssen sich darauf einstellen, dass sie nicht mehr nur Fahrzeuge verkaufen, sie verkaufen Abläufe. Also, wie disponiert ein Handwerksbetrieb seine Fahrzeuge? Wie sieht er Ausfallzeiten? Wie plant er Wartung? Welche Daten helfen ihm wirklich? Wenn Ford digitale Dienste stärker macht, dann braucht der Verkäufer plötzlich ein Verständnis für den Alltag eines Fuhrparks, nicht nur für Motor, Laderaum und Leasingrasen.
SPEAKER_00Ja, genau das. Und das ist für viele Betriebe auch eine Chance, sich wieder stärker als Partner zu positionieren. Nicht, hier ist der Transporter, tschüss, sondern wir helfen dir, deine Fahrzeuge verfügbar zu halten. Gerade bei Gewerbekunden ist Ausfallzeit ja fast schlimmer als ein höherer Kaufpreis.
SPEAKER_01Absolut. Und wenn man das gut macht, kommt der Kunde nicht wegen 10 Euro Rabatt zurück, sondern weil er merkt, die verstehen mein Geschäft.
SPEAKER_00Apropos Transporter, da hängt ja noch ein anderes Thema drüber, nämlich die CO2-Ziele. Viele Hersteller tun sich bei Transportern offenbar schwer, die neuen Flottengrenzwerte zu schaffen. Und wenn Strafzahlungen drohen, kann das im Handel sehr konkret werden.
SPEAKER_01Ja, weil das nicht abstrakt bleibt. Das kann beeinflussen, welche Modelle priorisiert werden, welche Motorisierungen knapp werden, wo Rabatte verschwinden, wo elektrische Varianten stärker gepusht werden. Und im Autohaus sitzt dann der Kunde und sagt, ich brauche aber genau den Dieselkastenwagen mit AHK und langer Ladefläche.
SPEAKER_00Klassiker.
SPEAKER_01Genau, und dann reicht es nicht zu sagen schwierig. Man braucht Alternativen. Vielleicht andere Lieferzeit, anderes Aufbaukonzept, vielleicht doch Elektro, wenn die Touren passen. Aber bitte nicht missionarisch. Dieses Sie müssen jetzt elektrisch fahren funktioniert in Gewerbe selten.
SPEAKER_00Ja, vor allem wenn der Elektriker morgens nicht weiß, ob er abends 80 oder 280 Kilometer gefahren ist.
SPEAKER_01Eben, da ist Beratung mit echten Einsatzprofilen gefragt. Und Werkstatt Mitdenken, Ladefähigkeit, Standzeiten, Reifen, Bremsen, Software, alles.
SPEAKER_00Jetzt wechseln wir mal kurz die Bühne. Mercedes-Benz und Ludwigsfelde. Da gibt es Spekulationen um die Zukunft des Werks und mögliche Gespräche mit KNDS, also einem Rüstungskonzern. Offiziell ist da vieles noch zurückhaltend. Aber allein die Diskussion zeigt, wie stark Produktionsstandorte strategisch neu bewertet werden.
SPEAKER_01Und für Händler klingt das erstmal weit weg, ist es aber nicht.
SPEAKER_00Genau, weil solche Standortthemen auf die Marke abstrahlen. Beschäftigung in der Region, Lieferfähigkeit, politische Wahrnehmung, Zukunft der Transporterproduktion, das sind Fragen, die Kunden mitbekommen. Gerade Mercedes hat ja im Lutzfahrzeugbereich viele loyale Gewerbekunden. Wenn in der Region Unsicherheit entsteht, fragen die Leute im Autohaus nach.
SPEAKER_01Ja, und dann braucht das Verkaufsteam eine ruhige Sprache. Nicht spekulieren, nicht dramatisieren, aber einordnen können. Also, die Marke arbeitet an Zukunftsfähigkeit. Details sind noch nicht spruchreif. Für ihren Auftrag schauen wir konkret auf Verfügbarkeit und Planung. So in der Art.
SPEAKER_00Sehr diplomatisch, Steven.
SPEAKER_01Ich übe für die Presseabteilung.
SPEAKER_00Bitte nicht abwärmen lassen. Dann noch ein Modellthema, aber eins mit Vertriebswürze. Peugeot frischt den 408 auf. Und der E408 rückt stärker in den Mittelpunkt. Dieses Auto ist ja spannend, weil es nicht sauber in eine Schublade passt. Kein klassischer SUV, keine normale Limousine, so ein Fastback-Coupé-Ding.
SPEAKER_01Und genau das kann im Verkauf Fluch und Segen sein.
SPEAKER_00Total.
SPEAKER_01Manche Kunden sagen, was ist das denn? Und andere sagen, endlich mal nicht der nächste SUV-Klotz. Beim E408 muss das Autohaus sehr schnell herausfinden, kauft der Kunde Design, Effizienz, Elektro, Marke oder will er einfach etwas Besonderes vor der Tür stehen haben.
SPEAKER_00Ja, und ich glaube, Probefahrt ist da entscheidend. Nicht nur einmal um den Block, sondern wirklich dieses Gefühl. Einstieg, Sitzposition, Kofferraum, Sicht, Bedienung. Bei ungewöhnlichen Karosserieformen entscheiden Kunden oft emotional. Aber sie brauchen danach rationale Bestätigungen.
SPEAKER_01Schöner Punkt. Und für Verkäufer heißt das, nicht mit Reichweitenzahlen erschlagen. Sondern erst fragen, was fahren Sie, wo laden Sie? Warum gefällt Ihnen genau dieses Auto? Dann kann man den E408 sauber positionieren.
SPEAKER_00Wenn wir das alles zusammenziehen, VW-Kostendruck, Vor Ort mit Softwarediensten, CO2-Druck bei Transportern, Standortfragen bei Mercedes, neue Elektromodelle bei Peugeot, dann ist die Klammer doch, Autohäuser müssen noch präziser werden.
SPEAKER_01Ja, präziser und gelassener.
SPEAKER_00Gelassener?
SPEAKER_01Ja, weil Panik nichts verkauft. Aber Präzision schon. Präzise Prozesse, präzise Kundenansprache, präzise Beratung. Nicht jeder Trend muss sofort das ganze Autohaus umwerfen. Aber jedes Autohaus sollte wissen, wo es gerade Geld verliert, wo Kunden abspringen und wo neue Erlöse entstehen können.
SPEAKER_00Das ist eigentlich ein gutes Schlusswort. Oder fast. Mein Praxisimpuls für diese Woche wäre: Nehmt euch einen Kernprozess, nur einen. Zum Beispiel Probefahrtanfrage, Transporterangebot oder Gewerbekundennachbetreuung. Und zählt wirklich jeden Schritt. Wer macht was? Wie lange dauert es? Wo wartet der Kunde? Da findet man oft mehr Potenzial als in der großen Strategiefolie.
SPEAKER_01Und mein Impuls, Schulungen nicht nur als Produktschulung denken. Lasst Verkäufer und Serviceberater mal gemeinsam einen Gewerbekundenfall durchspielen. Fahrzeug, Finanzierung, Wartung, Ersatzmobilität, digitale Dienste. Das ist der Alltag, der kommt.
SPEAKER_00Sehr gut. Steven, danke dir.
SPEAKER_01Danke dir, Sina. Hat Spaß gemacht.
SPEAKER_00Und euch danke fürs Zuhören. Wenn ihr im Autohaus gerade genau solche Themen diskutiert, bleibt dran, bleibt pragmatisch und wir hören uns in der nächsten Folge. Tschüss!
SPEAKER_01Tschüss!