Autohaus News mit Sina & Steven

Folge 12

Episode 12

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

0:00 | 7:23
- Elektro-Supersportler und Luxus-EVs im Autohaus-Kontext - Veränderung der Kundenerwartungen an E-Autos durch Performance-Modelle - Emotionale Präsentation von Elektromobilität im Verkaufsgespräch - Probefahrten und Fahrerlebnis als Verkaufsargument für E-Autos - Hochvolt-Kompetenz und Schulungsbedarf in Werkstätten - Serviceanforderungen bei leistungsstarken Elektrofahrzeugen - Softwareupdates, Sensorprobleme und Diagnose bei modernen E-Autos - Standardisierte Serviceannahme für Ladeprobleme, App-Verbindung, Geräusche und Reifenbild - Segmentierte Kommunikation für E-Auto-Kundengruppen - Beratung zu Reifen, Thermomanagement, Garantiebedingungen und Serviceintervallen bei Performance-EVs - E-Auto-Übergabe mit App-Kopplung, Ladeprofilen und Nachbetreuung - Zusammenarbeit zwischen Vertrieb, Service, Technikern und Auszubildenden im Autohaus
SPEAKER_01

Willkommen zu Folge 12. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Steven, ich hab das Gefühl, die Autohauswelt ist gerade so ein bisschen zwischen Bodenhaftung und Raketenstart unterwegs.

SPEAKER_00

Sehr schönes Bild. Und ja, absolut. Auf der einen Seite Alltag. Prozesse, Leads, Werkstatttermine. Auf der anderen Seite rollen plötzlich elektrische Exoten durch die Gespräche. Also diese edlen, schnellen, teilweise völlig überdrehten Stromer.

SPEAKER_01

Edel und eilig quasi.

SPEAKER_00

Genau, sehr eilig.

SPEAKER_01

Und jetzt könnte man ja sagen: Na gut, was hat ein normales Autohaus mit Elektro-Supersportlern oder Luxus-IFs zu tun? Die stehen ja nicht bei jedem Händler vorne neben dem Kaffeeautomaten. Aber ich glaube, genau da wird spannend. Bei solche Fahrzeuge Erwartungen verschieben. Kunden sehen, Elektro kann nicht nur vernünftig und effizient sein, sondern eben auch begehrlich, emotional, brutal schnell. Und dann kommen sie ins Autohaus und fragen plötzlich anders.

SPEAKER_00

Ja, voll. Das ist ein wichtiger Punkt. Früher war beim E-Auto oft die erste Frage, wie weit kommt der? Und wo lade ich? Jetzt kommt häufiger, wie fühlt sich das an? Ist das wirklich sportlich? Wie ist die Software? Wie schnell ist die Ladeplanung? Also es wird weniger ein reines Technikverhör und mehr ein Produkterlebnis.

SPEAKER_01

Merkst du das auch im Verkaufsgespräch, dass Emotion wieder stärker wird?

SPEAKER_00

Ja, und zwar gerade bei Leuten, die vorher gesagt haben, Elektro, nee, das ist mir zu nüchtern, wenn die dann mal in einem wirklich kräftigen E-Modell sitzen, nicht mal zwingend Luxusklasse, aber halt mit ordentlich Drehmoment, dann passiert was. Dieses Grinsen nach der Probefahrt ist ein Argument, das du nicht in eine Broschüre schreiben kannst.

SPEAKER_01

Oh ja.

SPEAKER_00

Gleichzeitig muss das Autoha aufpassen, nicht nur in Begeisterung zu verkaufen. Denn je leistungsstärker die Autos werden, desto wichtiger werden Reifen, Bremsen, Fahrwerk, Versicherung, Softwarestände, Hochvoltkompetenz. Das ist dann nicht mehr, hier ist der Schlüssel viel Spaß, sondern eher, wir begleiten dich da wirklich rein.

SPEAKER_01

Das klingt fast wie Premium-Beratung für alle.

SPEAKER_00

Ja.

SPEAKER_01

Also nicht nur, wenn da ein sechsstelliger Preis dran steht.

SPEAKER_00

Exakt. Und das ist die eigentliche Chance. Autohäuser können von diesen elektrischen Exoten lernen, wie man E-Mobilität emotionaler präsentiert. Nicht nur Ladekabel auf den Tisch legen und Reichweite runterbeten, sondern was ist das Nutzungserlebnis? Wie fühlt sich die Beschleunigung an? Wie leise ist das? Was macht das mit dem Alltag?

SPEAKER_01

Und trotzdem bitte nicht jeden Kunden in den Sitz drücken und sagen, guck mal, null auf 100.

SPEAKER_00

Bitte nicht, vor allem nicht direkt nach dem Espresso. Krass.

SPEAKER_01

Aber mal ernsthaft. Für Werkstätten heißt das doch auch, dass die Vorbereitung tiefer gehen muss. Hochwollschulungen sind das eine. Aber so ein Performance-IF frisst ja unter Umständen Reifen anders, hat andere Diagnosethemen, andere Kundenansprüche.

SPEAKER_00

Ja, ja, genau. Und die Kunden sind bei teuren oder besonders leistungsstarken Fahrzeugen oft weniger tolerant, wenn irgendwas nicht rund läuft. Wenn ein Software-Update hakt oder ein Sensor spinnt, dann erwarten die nicht, wir melden uns nächste Woche. Die erwarten Tempo, Transparenz und jemanden, der ihnen nicht das Gefühl gibt, das Auto sei ein Rätsel.

SPEAKER_01

Wobei, manchmal ist es ja auch ein Rätsel.

SPEAKER_00

Schon, aber das darf man nicht ausstrahlen.

SPEAKER_01

Guter Satz fürs Lerkstattbüro. Es darf ein Rätsel sein, aber bitte nicht so aussehen.

SPEAKER_00

Genau. Und da sind interne Abläufe entscheidend. Wer darf Hochvoltfahrzeuge bewegen? Wer macht Annahme? Welche Fragen stellt der Serviceberater? Gibt es eine Checkliste für Ladeprobleme, App-Verbindung, Geräusche, Reifenbild? Das klingt trocken, aber das ist am Ende Kundenerlebnis.

SPEAKER_01

Und es spart Zeit, weil wenn vorne sauber gefragt wird, muss hinten nicht dreimal nachtelefoniert werden.

SPEAKER_00

Absolut.

SPEAKER_01

Ich finde auch spannend, dass dieser ganze E-Automarkt gerade so zweigeteilt wirkt. Einerseits sehr viel Druck über Preis, Verfügbarkeit, neue Modelle. Andererseits oben diese Prestige- und Performance-Welt. Und ein Autohaus steht irgendwo dazwischen und muss beides erklären.

SPEAKER_00

Ja, und ohne sich zu verzetteln, mein Impuls wäre, segmentiert eure Kommunikation stärker. Nicht jede E-Mail an E-Auto-Interessenten muss gleich klingen. Der Pendler braucht andere Infos als der Dienstwagenfahrer. Und der Performancekunde will vielleicht wissen, welche Räder freigegeben sind, wie Thermomanagement funktioniert oder ob Trackday-Nutzung überhaupt sinnvoll ist.

SPEAKER_01

Warte mal, Trackday im Autohaus-Newsletter?

SPEAKER_00

Nicht unbedingt als Einladung zum Reifen vernichten, aber als Haltung. Wir verstehen dein Fahrzeug. Wir wissen, was dich interessiert. Und wenn du sportlich fährst, reden wir nicht nur über Wallboxen, sondern auch über Verschleiß, Garantiebedingungen und Serviceintervalle.

SPEAKER_01

Das ist gut.

SPEAKER_00

Und auf der Verkaufsfläche kann man das runterbrechen. Kleine Stationen laden unterwegs, App-Funktionen, Reifen- und Winterbetrieb, Batteriepflege, Assistenzsysteme. Nicht wie Museum, sondern anfassen, ausprobieren, Fragen stellen.

SPEAKER_01

Ja, und Verkäuferinnen und Verkäufer müssen nicht alles auswendig wissen. Aber sie brauchen dieses Selbstvertrauen. Ich kann dich führen. Ich weiß, wen ich im Haus dazuhole. Ich kenne die nächsten Schritte.

SPEAKER_00

Total. Dieses Zusammenspiel Vertrieb und Service wird wichtiger. Früher war Verkauf oft Abschluss, Übergabe, Tschüss. Bei modernen E-Autos ist die Übergabe fast der Anfang. App koppeln, Ladeprofil erklären, erste Softwarethemen, vielleicht nach zwei Wochen ein kurzer Check-in.

SPEAKER_01

So ein kleiner Anruf. Und? Schon einmal versehentlich den Lademodus falsch eingestellt?

SPEAKER_00

Genau. Oder haben Sie schon rausgefunden, warum das Auto morgens nur bis 80% lädt? Und dann ist es kein Problem, sondern ein Servicemoment.

SPEAKER_01

Das finde ich schön. Problem in Servicemoment verwandeln. Klingt ein bisschen nach Beraterkalender, aber stimmt halt.

SPEAKER_00

Ja, entschuldige die Formulierung.

SPEAKER_01

Akzeptiert.

SPEAKER_00

Danke.

SPEAKER_01

Wenn wir das Ganze mal auf den Alltag im Autohaus runterkochen, was wären deine drei Sofortmaßnahmen?

SPEAKER_00

Erstens, E-Auto-Gespräche emotionaler machen. Nicht nur Zahlen, sondern Fahrerlebnis, Ruhe, Komfort, Beschleunigung. 2. Serviceannahme für E-Themen standardisieren, also klare Fragen zu Laden, App, Software, Geräuschen, Reifen. 3. Nachbetreuung einplanen. Ein kurzer Kontakt nach Übergabe kann wahnsinnig viel Frust verhindern.

SPEAKER_01

Kurz und brauchbar, sehr gut.

SPEAKER_00

Und du?

SPEAKER_01

Ich würde ergänzen, macht euer Team neugierig. Lasst Verkäufer mal mit den Technikern sprechen. Lasst Serviceberater eine Probefahrt machen. Lasst Azubis App-Funktionen erklären. Dieses Wissen liegt oft irgendwo im Haus, aber nicht dort, wo der Kunde gerade fragt. Oh, das ist stark. Und wenn dann mal so ein elektrischer Exot vorfährt, dann steht nicht das halbe Team ratlos drumherum, sondern sagt, cool, wir wissen, worauf wir achten müssen.

SPEAKER_00

Statt bitte nichts anfassen, das sieht teuer aus.

SPEAKER_01

Genau. Obwohl, ein bisschen stimmt das ja.

SPEAKER_00

Ein bisschen.

SPEAKER_01

Damit sind wir für Folge 12 durch. Elektrische Exoten sind vielleicht nicht das tägliche Brot im Autohaus, aber sie zeigen ziemlich gut, wohin Beratung, Service und Kundenerwartung unterwegs sind.

SPEAKER_00

Schön gesagt und beim nächsten Mal schauen wir wieder, was sich in Vertrieb, Werkstatt und Markt bewegt. Bis dahin neugierig bleiben und vielleicht mal die eigene E-Auto-Übergabe kritisch anschauen.

SPEAKER_01

Danke fürs Zuhören. Macht's gut!