Autohaus News mit Sina & Steven
Im Podcast diskutieren Sina und Steven die aktuellsten News aus der Autohaus-Welt. Im Fokus stehen Entwicklungen, Trends und Themen, die Autohäuser, Werkstätten und die Automobilbranche bewegen.
Ob Digitalisierung, Kundenkommunikation, Vertrieb, Service, neue Technologien oder Veränderungen im Markt: Sina und Steven ordnen die wichtigsten Nachrichten ein, sprechen über Chancen und Herausforderungen und geben praxisnahe Impulse für den Autohaus-Alltag.
Autohaus News mit Sina & Steven
Folge 48
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Willkommen zu Folge 48. Ich bin Sina und bei mir ist natürlich wieder Steven. Steven, ich habe das Gefühl, die Autohauswelt dreht gerade nicht einfach schneller. Sie dreht so ein bisschen eckiger. Mehr Werkstatt, mehr Prozesse, mehr Preisgefühl beim Kunden.
SPEAKER_00Ja, absolut. Und weniger Hochglanz, Showroom, Romantik, ne? Also nicht weg, aber der Alltag entscheidet gerade extrem stark im Service. Vielleicht starten wir genau da. Reparaturgeschäft. Da passiert gerade viel rund um fairere Reparaturmöglichkeiten, Zugang zu Infos, Teileversorgung, diese ganze Frage, wer darf was reparieren und zu welchen Bedingungen. Für Autohäuser mit Werkstatt ist das nicht irgendein politisches Randthema. Das berührt ganz direkt After Sales-Umsatz, Kundenbindung und auch die Frage, ob ein Betrieb beim älteren Fahrzeug noch attraktiv bleibt.
SPEAKER_01Toll. Und ich finde es spannend, viele hören bei solchen Themen sofort nur Bürokratie. Aber in der Praxis heißt das doch, kann ich dem Kunden eine bezahlbare Reparatur anbieten, ohne dreimal zu sagen, äh, müssen wir erst beim Hersteller freischalten lassen, dauert, kostet, keine Ahnung.
SPEAKER_00Genau. Und das ist so ein Vertrauensmoment. Wenn der Serviceberater vorne sauber erklären kann, wir haben Zugriff, wir können diagnostizieren, wir können Alternativen anbieten, dann bleibt der Kunde eher im Haus. Gerade bei Fahrzeugen aus der Garantie raus.
SPEAKER_01Wobei, Steven, ich glaube, der Knackpunkt ist, nur weil Rahmenbedingungen besser werden, ist der Betrieb noch nicht automatisch besser aufgestellt.
SPEAKER_00Oh ja.
SPEAKER_01Man braucht Leute, Schulung, Datenprozesse, Teilelogik. Und jemanden, der das nicht nur technisch versteht, sondern auch in ein Kundengespräch übersetzt.
SPEAKER_00Ja, ja, genau. Das führt schön zu Stillantis und Eurorepper. Die wollen Eurorepper auf der Automechanik in Frankfurt groß zeigen, also diese Mehrmarken, Werkstatt und Teilemarke. Und ich glaube, das ist ein ziemlich deutliches Signal. Der Wettbewerb im Aftersales wird nicht kleiner, sondern breiter. Es geht nicht mehr nur um Originalteil oder freie Werkstatt. Dazwischen entstehen immer mehr Angebote, die preisbewusste Kunden abholen wollen.
SPEAKER_01Gerade bei älteren Autos, oder?
SPEAKER_00Total. Ein acht Jahre alter Kleinwagenkunde tickt anders als jemand mit Neuwagen-Leasing. Der will mobil bleiben, aber nicht das Gefühl haben, die Reparatur kostet mehr, als das Auto emotional noch wert ist. Und da können Autohäuser, wenn sie clever sind, eigene Pakete bauen. Zeitwertgerecht, transparent, schnell.
SPEAKER_01Ich musste gerade lachen, weil dieses emotional noch wert so wahr ist. Manche Kunden hängen an ihrem Auto wie an einem Familienmitglied. Aber sobald der Kostenvoranschlag kommt, ist es plötzlich nur noch die alte Kiste.
SPEAKER_00Exakt.
SPEAKER_01Und da passt auch das nächste Thema rein. Karosserie und Unfall. Dieses Motto Instand setzen statt ersetzen, also wirklich reparieren, nicht sofort ein neues Teil dran schrauben. Ich finde das handwerklich total spannend, aber auch kaufmännisch, weil es Kosten senken kann, nachhaltiger wirkt und in Zeiten hoher Schadenkosten für Versicherer und Kunden einfach relevanter wird.
SPEAKER_00Ja, klar. Und es ist ein Image-Thema. Eine gute Karosserieabteilung kann plötzlich wieder glänzen, nicht nur im Lack. Aber dafür brauchst du echte Fähigkeiten. Ausbeulen, richten, kalkulieren, dokumentieren. Das ist nicht mal eben Azubi, hol den Hammer.
SPEAKER_01Bitte nicht.
SPEAKER_00Vor allem muss der Prozess sitzen. Fotos, Schadenaufnahme, Abstimmung mit Versicherung, Kundenfreigabe, Teileentscheidung. Wenn du da chaotisch bist, frisst dir der günstigere Reparaturweg den Vorteil wieder weg. Dann hast du Rückfragen, Standtage, Leihwagenkosten, schlechte Stimmung.
SPEAKER_01Und schlechte Stimmung am Empfang ist das teuerste Ersatzteil.
SPEAKER_00Oh, den schreibe ich mir auf.
SPEAKER_01Mach das. Aber ernsthaft. Ich glaube, viele Betriebe unterschätzen, wie sehr Kunden inzwischen Prozessqualität spüren. Nicht technisch im Detail, aber sie merken, ruft mich jemand an, bekomme ich Bilder, verstehe ich, warum etwas gemacht wird? Oder fühlt sich das an wie eine Blackbox?
SPEAKER_00Da sind wir beim Glas- und Schaden-Business. Klass Deutschland hat sich im internationalen Bellron-Wettbewerb den Titel geholt. Und egal wie man zum Wettbewerber steht, das zeigt, wie stark Training, Standards und Geschwindigkeit in diesem Segment zählt. Und Autohäuser sollten das nicht nur als Konkurrenz sehen, sondern als Benchmark. Wie schnell ist unsere Terminvergabe, wie sauber ist die Annahme, wissen unsere Leute, wie sie Steinschlag, Kalibrierung, Assistenzsysteme erklären. Denn Windschutzscheibe ist heute nicht mehr nur glas rein, fertig.
SPEAKER_01Da hängt Kamera, Sensorik, Kalibrierung, manchmal gefühlt ein halbes Rechenzentrum dran.
SPEAKER_00Genau. Und wenn der Kunde am Ende sagt, warum dauert das beim Autohaus länger und klingt komplizierter, dann hast du ein Kommunikationsproblem, selbst wenn du technisch sauberer arbeitest.
SPEAKER_01Hm. Lass mal kurz vom Werkstattboden in den Verkauf wechseln. MG erweitert gerade sein Angebot. Unter anderem mit dem MG4 Urban und dem siebensitzigen MGS9. Ich finde daran spannend, dass MG offenbar nicht nur auf einen einzelnen E-Auto-Hype setzt, sondern die Zielgruppen breiter zieht. Kompakter zugänglicher Einstieg auf der einen Seite, großes Familienauto auf der anderen. Ja!
SPEAKER_00Und für Händler heißt das, Beratung wird wieder wichtiger. Beim Kompakten geht es vielleicht um Preis, Pendelstrecke, Laden zu Hause. Beim Siebensitzer reden wir über Familie, Urlaub, Anhängelast vielleicht, Platz, Sicherheit, Alltag. Das sind ganz andere Gespräche.
SPEAKER_01Glaubst du, solche Modelle bringen wieder mehr Leute spontan ins Autohaus?
SPEAKER_00Spontan? Schwierig. Aber sie geben gute Gesprächsanlässe. Ein siebensitziges Fahrzeug ist selten ein reiner Online-Klick. Da wollen Leute Sitze klappen, Kinderwagen reinschieben, dritte Reihe testen. Und beim MG4 Urben kann der Händler punkten, wenn er nicht nur sagt, hier ist die Rate, sondern so passt das Auto in deinen Alltag.
SPEAKER_01Also wieder dieses alte neue Thema. Nicht Datenblatt runterbeten.
SPEAKER_00Bitte nicht.
SPEAKER_01Sondern übersetzen. Und vielleicht ist das die Klammer dieser Folge. Im Verkauf wie im Service reicht es nicht, das Angebot zu haben. Eurorepper, Karosserieinstandsetzung, Glasprozesse, neue Modelle, alles schön. Aber der Betrieb muss daraus ein verständliches Versprechen machen.
SPEAKER_00Sehr schön gesagt. Ich würde sogar sagen, das Versprechen muss am Telefon anfangen. Wenn die erste Antwort schon unsicher ist, müsste ich mal fragen, vielleicht nächste Woche. Dann kann hinten die beste Werkstatt der Welt stehen, der Kunde ist innerlich schon halb weg.
SPEAKER_01Hart, aber wahr.
SPEAKER_00Praxisimpuls also, nehmt euch ein Thema pro Woche. Zum Beispiel zeitwertgerechte Reparatur. Baut drei klare Sätze für Serviceannahme, Website und WhatsApp. Was bieten wir an? Für wen ist es sinnvoll? Wo sind Grenzen? Das klingt banal, aber es macht Teams sicherer.
SPEAKER_01Und bitte einmal mit echten Menschen testen. Nicht nur intern mit dem Satz, unsere prozessoptimierte Karosseriekompetenz ermöglicht effiziente Schadensteuerung.
SPEAKER_00Wenn das jemand zu mir sagt, ersetze ich mich selbst statt das Bauteil.
SPEAKER_01Wunderschön. Dann halten wir fest, Reparatur wird strategischer, mehr Markenservice wird sichtbarer, Handwerk bleibt Gold wert und im Verkauf zählen echte Alltagsszenarien.
SPEAKER_00Genau, und wer Prozesse gut erklärt, gewinnt Vertrauen. Klingt einfach, ist aber gerade der große Unterschied.
SPEAKER_01Das war Folge 48. Danke, Steven.
SPEAKER_00Danke dir, Sina. Bis zur nächsten Runde.
SPEAKER_01Macht's gut und bleibt neugierig im Autohaus-Alltag.