Autohaus News mit Sina & Steven

Folge 49

Episode 49

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- Xpeng X9 als chinesischer Luxus-Van mit Produktion in Österreich - Gewerbliche Nutzung des Xpeng X9 für Hotels, Shuttle-Dienste und Chauffeur-Services - Xiaomi SU7 als möglicher Import nach Deutschland - Herausforderungen bei Import, Homologation, Garantie, Ersatzteilen und Service für neue chinesische E-Autos - Wachsende Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos - Batteriegesundheit, Ladehistorie, Softwarestand und Garantie bei E-Gebrauchten - Finanzierung, Leasingrückläufer, Wallbox-Beratung und Ladekarten für gebrauchte E-Autos - Polestar-Ausbau physischer Standorte in Deutschland - Polestar-Standorte Leipzig und Mannheim - Rolle lokaler Autohäuser bei Probefahrt, Inzahlungnahme, Service und Kundenvertrauen - Neue Markenpartnerschaften für Autohäuser mit Anforderungen an Systeme, CI, Training und Werkstattprozesse
SPEAKER_00

Hallo und schön, dass ihr wieder dabei seid bei Folge 49. Steven, ich hab das Gefühl, in der Autohaus-Welt klopfen gerade an allen Türen neue Marken, neue Modelle, neue Vertriebswege. Und alle fragen sich, ist das jetzt Chance, Stress oder beides?

SPEAKER_01

Beides, immer beides. Das ist so ein bisschen wie im Service am Montagmorgen, du hoffst auf planbar und dann steht plötzlich jemand mit einem exotischen Stromer auf dem Hof und sagt, der macht da so ein Geräusch.

SPEAKER_00

Sehr schönes Bild. Lass uns direkt reingehen. Ein Thema, das ich spannend finde, der XPeng X9. Ein chinesischer Luxusvan, aber gebaut in Österreich. Das ist ja schon. Hä?

SPEAKER_01

Ja, genau das macht ihn so interessant, weil da eben nicht mehr nur dieses alte Klischee greift, China Marke kommt, günstig, bisschen Ausstattung, schauen wir mal, sondern hier geht es um ein Fahrzeug, das sehr hochwertig auftreten will, viel Komfort bietet, preislich aber offenbar nicht komplett in der Luxusliga abhebt. Für Autohäuser heißt das, die Vergleichsgespräche werden schwieriger. Der Kunde sagt nicht mehr nur, ich will Pan A oder Pan B, sondern warum bekomme ich bei dem neuen Anbieter so viel Ausstattung fürs Geld? Und darauf muss der Verkauf eine gute Antwort haben.

SPEAKER_00

Und es ist ja nicht nur Familienauto, ne? Ich habe sofort an Hotels, Shuttle-Dienste, Chauffeurservice gedacht.

SPEAKER_01

Total. Gerade diese Business-Nutzung ist spannend. Wenn du als Händler Gewerbekunden betreust, dann musst du solche Fahrzeuge zumindest kennen. Nicht zwingend im eigenen Portfolio haben, klar. Aber wenn der Unternehmer im Gespräch sagt, ich habe da diesen X9 gesehen, viel Platz, viel Komfort, elektrischer Antrieb, dann darfst du nicht gucken wie ein Reh im Fernlicht.

SPEAKER_00

Schönes Autohaus-Bild heute bei dir.

SPEAKER_01

Danke, ich bin warm gelaufen.

SPEAKER_00

Was ist denn aus deiner Sicht der eigentliche Druckpunkt für etablierte Marken? Preis? Ausstattung? Oder dieses Signal, wir können auch Europa?

SPEAKER_01

Das Signal, also Preis ist wichtig, Ausstattung auch, aber europäische Fertigung nimmt manchen Kunden ein Stück Unsicherheit. Nicht komplett, aber ein Stück. Da ist dann weniger dieses Bauchgefühl von oh, weit weg, was passiert im Garantiefall. Und für Händler ist die Botschaft, neue Wettbewerber lernen schnell. Die kommen nicht mehr nur über das Datenblatt, sondern über Vertrauen, Design, Komfort, Verfügbarkeit. Das trifft den Handel direkt, weil Beratung nicht mehr bei Markenlogo und Motorleistung endet.

SPEAKER_00

Ja, und parallel schielt der Markt auf den Xiaomi SU7. Der wird ja schon als eine Art China-Porsche herumgereicht. Da ist für Deutschland offenbar Bewegung drin, aber die große Frage bleibt, wer bringt den wirklich auf die Straße und wer kümmert sich danach drum?

SPEAKER_01

Exakt. Und da trennt sich dann Showroom-Glanz von Autohausalltag. Import ist das eine. Aber Homologation, Garantie, Teile, Software, Werkstattprozesse, Schulungen, das ist die eigentliche Musik. Ein freier Importeur kann damit Aufmerksamkeit erzeugen, keine Frage. Aber wenn beim Kunden nach sechs Monaten ein Assistenzsystem spinnt oder ein Karosserieteil gebraucht wird, dann zeigt sich, ob das Geschäftsmodell trägt.

SPEAKER_00

Also nicht nur, wow, der sieht aus wie ein Supersportler, sondern kann ich den am Dienstag um 8 Uhr in die Werkstatt bringen?

SPEAKER_01

Ganz genau. Und da haben klassische Autohäuser sogar einen Vorteil, wenn sie ihn ausspielen. Vertrauen, Erreichbarkeit, Ersatzmobilität, persönliche Ansprechpartner. Das klingt altmodisch, ist aber bei neuen Marken plötzlich wieder ein echtes Verkaufsargument.

SPEAKER_00

Warte mal, das ist ein guter Punkt. Viele reden immer davon, dass Direktvertrieb oder neue Player den Handel umgehen. Aber in dem Moment, wo es kompliziert wird, wird der lokale Betrieb wieder wertvoll.

SPEAKER_01

Ja. Und kompliziert wird es immer. Spätestens beim zweiten Software-Update.

SPEAKER_00

Oder wenn die App sagt, Fahrzeug nicht gefunden.

SPEAKER_01

Oh ja.

SPEAKER_00

Lass uns auf Gebrauchte schauen. Bei gebrauchten E-Autos dreht sich gerade die Stimmung. Vor gar nicht so langer Zeit waren viele Händler vorsichtig. Standtage, Restwerte, Batteriefrage, Förderchaos. Jetzt hören wir immer öfter, Nachfrage ist da, teilweise mehr Nachfrage als Angebot.

SPEAKER_01

Das ist wirklich bemerkenswert. E-Gebrauchte waren lange so ein Regal, an dem alle vorbeigelaufen sind und gesagt haben, interessant, aber lieber nicht anfassen. Jetzt kommen mehr Kunden, die sagen, Neuwagen ist mir zu teuer, aber elektrisch will ich trotzdem fahren. Und wenn dann ein zwei- oder dreijähriger Stromer mit nachvollziehbarer Historie dasteht, guter Batteriewert, vernünftiger Preis, dann ist das plötzlich ein attraktives Produkt.

SPEAKER_00

Was heißt das praktisch für Händler? Einfach mehr E-Autos ankaufen?

SPEAKER_01

Nicht blind, bitte nicht. Der Ankauf muss sauberer werden. Batteriegesundheit dokumentieren, Ladehistorie soweit möglich erklären, Ausstattung prüfen, Softwarestand kennen. Und im Verkauf nicht drumherum reden. Kunden haben Angst vor der Batterie wie früher vor dem Zahnriemenriss, nur digitaler. Wenn du transparent sagst, hier ist der Zustand, hier ist die Garantie, hier sind realistische Reichweiten, dann nimmst du Druck raus.

SPEAKER_00

Und Finanzierung?

SPEAKER_01

Riesenthema. Leasing-Rückläufer, Finanzierungsangebote, vielleicht auch Pakete mit Wallbox-Beratung oder Ladekarte. Autohäuser müssen eh gebrauchte, nicht wie gebrauchte Verbrenner verkaufen, nur mit anderem Antrieb. Das ist ein eigenes Beratungsgespräch.

SPEAKER_00

Jetzt kommt Polestar dazu, mit mehr physischer Präsenz in Deutschland. Leipzig, Mannheim, insgesamt deutlich mehr Standorte als bisher geplant. Was liest du daraus?

SPEAKER_01

Dass reine Online-Sichtbarkeit nicht reicht. Gerade im Premium-Elektrobereich wollen viele Kunden anfassen, sitzen, fahren, fragen. Polestar hat ein modernes Markenbild, aber am Ende will der Kunde wissen, wo ist mein Ansprechpartner, wo mache ich Probefahrt, wo kläre ich die Inzahlungnahme? Für Händler kann das spannend sein, weil solche Marken Partner brauchen, die lokal Vertrauen herstellen.

SPEAKER_00

Aber es ist auch Aufwand. Neue Marke heißt, neue Systeme, neue CI, neues Training, neue Prozesse.

SPEAKER_01

Absolut. Und genau deshalb sollten Betriebe nicht nur auf die Marge im Prospekt schauen. Passt die Marke zur Region? Gibt es genug Zielkunden? Kann die Werkstatt die Technik abbilden? Wie stark ist die Unterstützung bei Leadbearbeitung, Probefahrt, After Sales? Wenn das nicht zusammenpasst, wird aus spannende neue Marke ganz schnell noch ein Login mehr.

SPEAKER_00

Der Albtraum jedes Verkaufsleiters. Noch ein Portal. Noch ein Passwort.

SPEAKER_01

Und natürlich läuft das Passwort am Samstag ab.

SPEAKER_00

Sicher. Wenn wir das alles zusammenziehen, XPeng mit europäischer Produktion. Xiaomi als möglicher Importkracher. E-Gebrauchte plötzlich gefragt. Polestar mit mehr Standorten. Was ist dein Impuls an Autohäuser für die nächste Zeit?

SPEAKER_01

Nicht warten, bis der Kunde besser informiert ist als das Team. Das passiert nämlich schnell. Macht kurze interne Updates. Welche neuen Marken tauchen auf? Welche Modelle fragen Kunden an? Wie bewerten wir E-Gebrauchte? Welche Antworten geben wir auf Batterie, Garantie, Service? Und ganz wichtig, nicht jede neue Entwicklung ist eine Bedrohung. Manche ist ein Türöffner. Wenn ein Kunde wegen eines Xiaomi-Videos reinkommt, kannst du mit ihm über Elektromobilität, Finanzierung, Alltag und Service sprechen. Das ist eine Chance.

SPEAKER_00

Schön gesagt. Also weniger Panik, mehr Vorbereitung.

SPEAKER_01

Genau, und vielleicht ein bisschen Neugier. Die Branche verändert sich sowieso, da kann man auch mit offenen Augen vorne mitlaufen, statt hinten zu schimpfen.

SPEAKER_00

Das nehmen wir als Schlusswort. Danke dir, Steven. Und euch danke fürs Zuhören. Wenn ihr im Autohaus gerade solche neuen Anfragen bekommt, exotische E-Autos, gebrauchte Stroma, neue Marken, sprecht im Team drüber. Wir hören uns in der nächsten Folge.

SPEAKER_01

Bis dann!