Autohaus News mit Sina & Steven
Im Podcast diskutieren Sina und Steven die aktuellsten News aus der Autohaus-Welt. Im Fokus stehen Entwicklungen, Trends und Themen, die Autohäuser, Werkstätten und die Automobilbranche bewegen.
Ob Digitalisierung, Kundenkommunikation, Vertrieb, Service, neue Technologien oder Veränderungen im Markt: Sina und Steven ordnen die wichtigsten Nachrichten ein, sprechen über Chancen und Herausforderungen und geben praxisnahe Impulse für den Autohaus-Alltag.
Autohaus News mit Sina & Steven
Folge 51
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Willkommen zu Folge 51. Steven, schön, dass du da bist. Wir schauen wieder auf das, was gerade in Autohäusern und Werkstätten für Gesprächsstoff sorgt. Und ich sag's direkt, es geht diesmal um ziemlich gegensätzliche Signale. Einerseits neue Einfachheit beim E-Auto, andererseits harte Einschnitte im Handel. Klingt nach Autohausalltag, oder?
SPEAKER_01Absolut. Glamour und Bauchschmerzen in einer Folge. Passt leider ziemlich gut.
SPEAKER_00Fangen wir mit dem Glamour an. Wobei Glamour ist vielleicht genau das falsche Wort. Slate, diese neue US-Marke, will mit einem extrem reduzierten Elektro-Pickup starten. Eine Farbe, keine große Ausstattungsorgie, keine tausend Pakete, klarer Preis. So ein bisschen E-Auto entzaubern, runterbrechen, bezahlbar machen. Und ich finde das spannend, weil viele Kundinnen und Kunden ja nicht sagen, ich will unbedingt noch drei Displays und acht Assistenzpakete verstehen. Die sagen eher, was kostet mich das Ding, wie weit komme ich, passt es in mein Alltag?
SPEAKER_01Ja, ja, genau. Das ist für den Handel eine richtig interessante Denksportaufgabe. Wir reden seit Jahren über Digitalisierung, Konfiguratoren, Individualisierung, Sonderausstattung als Marge und dann kommt jemand und sagt, nö, ein Auto, eine Idee, fertig. Das kann im Verkauf brutal angenehm sein. Du musst nicht erst 40 Minuten erklären, warum Paket B nur mit Felge C geht, aber nicht mit Sitz D.
SPEAKER_00Dieses Paket-Tetris.
SPEAKER_01Genau, und für manche Verkäuferinnen und Verkäufer wäre das wahrscheinlich fast erholsam. Aber es nimmt natürlich auch Spielräume. Wenn du nicht über Ausstattung differenzierst, musst du über Beratung, Vertrauen, Finanzierung, Service und Lieferung punkten. Also eigentlich über das, was ein gutes Autohaus sowieso können sollte.
SPEAKER_00Glaubst du, so ein simples E-Fahrzeug hätte hierzulande überhaupt eine Chance? Also Pickup ist ja nicht gerade der deutsche Brot- und Buttermarkt.
SPEAKER_01Als Pickup vielleicht begrenzt, klar, aber das Prinzip dahinter, das könnte sehr wohl überschwappen. Stell dir einen kleinen E-Transporter vor oder ein günstiges Stadtauto für Pflegedienste, Handwerker, Lieferdienste. Kein Lifestyle-Gedöns, sondern robust, simpel, kalkulierbar. Gerade Gewerbekunden wollen oft keine Romantik. Die wollen TCO, Standzeit, Ladekonzept, fertig.
SPEAKER_00Voll.
SPEAKER_01Und privat gibt es auch viele, die bei E-Mobilität noch denken, zu teuer, zu kompliziert, zu viel Technik. Wenn du denen sagst, hier ist ein Auto, das macht nicht alles, aber das, was es macht, macht es bezahlbar. Dann hörst du im Schauraum plötzlich andere Fragen.
SPEAKER_00Ja. Und die Beratung wird dadurch nicht weniger wichtig, sondern anders. Weniger Ausstattungsberatung, mehr Nutzungsberatung. Also passt die Reichweite, wo wird geladen, was passiert im Winter, wie sieht es mit Garantie, Batterie, Wartung aus? Und ganz ehrlich, das ist doch viel näher am echten Kundenproblem. Ich musste dabei auch an das alte Model-T-Prinzip denken. Standardisierung als Verkaufsargument. Nicht, weil Menschen keine Auswahl mögen, sondern weil Auswahl manchmal einfach stresst.
SPEAKER_01Ja, sie können jede Farbe haben, solange Sie. Na gut, den Spruch kennt jeder. Aber der Punkt bleibt, in einer Zeit, in der selbst ein Lenkradheizungspaket gefühlt ein juristisches Dokument braucht, kann Einfachheit richtig modern wirken.
SPEAKER_00So, und jetzt der harte Schnitt. Die Autolöwengruppe. Insolventas Delantis Händler. Mehrere Standorte machen dicht, nur für einen Standort gibt es wohl eine Anschlusslösung. Das ist schon ein ziemlicher Einschlag, gerade regional.
SPEAKER_01Ja, und da geht es eben nicht nur um ein Logo am Gebäude. Da hängen Servicekunden dran, Mitarbeitende, offene Aufträge, Gewährleistungsthemen, Gebrauchtwagenbestände, lokale Markenpräsenz. Wenn sieben Standorte verschwinden, entsteht sofort Bewegung im Markt.
SPEAKER_00Und Unsicherheit.
SPEAKER_01Total. Kunden fragen sich, wo gehe ich jetzt hin? Wer kennt mein Fahrzeug? Was ist mit meinem Leasing, meinem Wartungsvertrag, meiner laufenden Reklamation? Für umliegende Betriebe ist das eine Chance, ja. Aber keine, bei der man einfach die Arme aufmacht und sagt, kommt alle rein. Du musst vorbereitet sein.
SPEAKER_00Was heißt vorbereitet konkret?
SPEAKER_01Erstens, Kommunikation. Wenn du in der Region Stelante Service anbietest oder angrenzende Marken betreust, dann muss deine Website, dein Google-Profil, deine Telefonansage, dein Service-Team klar signalisieren, wir können helfen. Nicht aggressiv, nicht nach dem Motto, endlich sind die weg, sondern sachlich und beruhigend.
SPEAKER_00Ja, sensibel bleiben.
SPEAKER_01Genau, zweitens Kapazität. Wenn plötzlich neue Servicekunden kommen, bringt dir das nichts, wenn dein nächster Werkstattermin in sechs Wochen ist, dann ist der erste Eindruck direkt kaputt. Also vielleicht kurzfristig Slots prüfen, Teileprozesse anschauen, Annahme vorbereiten.
SPEAKER_00Und Personal?
SPEAKER_01Da könnten gute Leute frei werden. Serviceberater, Mechatroniker, Teileprofis, Verkäufer. Wer als Autohaus ohnehin sucht, sollte nicht warten, bis Bewerbungen zufällig reinflattern. Aber auch da, respektvoll. Für die Betroffenen ist das keine Marktchance, sondern erstmal ein Einschnitt.
SPEAKER_00Das finde ich wichtig. Diese Branche ist lokal sehr eng verwoben. Man kennt sich. Man sieht sich bei Schulungen, bei Innungsthemen, bei Herstellerveranstaltungen. Da braucht es Fingerspitzengefühl. Gleichzeitig zeigt so ein Fall auch, wie dünn die Luft im Handel geworden ist. Hohe Investitionen, neue Vertriebsmodelle, Margendruck, Personalthemen, Transformation in der Werkstatt. Das ist nicht nur ein Buzzword-Bingo, das landet irgendwann in der Bilanz.
SPEAKER_01Und manchmal wird von außen unterschätzt, wie komplex ein Autohaus eigentlich ist. Das ist Verkauf, Bankprodukt, Versicherung, Werkstatt, Teilelogistik, Kundenbetreuung, Herstelleranforderungen, Immobilienbetrieb, alles gleichzeitig. Und wenn an drei Stellen Druck entsteht, reicht ein guter Showroom allein nicht mehr.
SPEAKER_00Warte mal, das ist eigentlich die Verbindung zwischen den beiden Themen, oder? Slate sagt, macht das Produkt einfacher. Und der Händleralltag sagt, bitte, bitte, macht auch die Prozesse einfacher.
SPEAKER_01Oh, sehr guter Punkt. Genau das! Ein simples Fahrzeug bringt nur dann wirklich Entlastung, wenn dahinter auch simple Prozesse stehen. Bestellung, Finanzierung, Übergabe, Softwareupdates, Teile, Garantieabwicklung. Wenn das Auto einfach ist, aber das Backend ein Labyrinth, hat der Handel nichts gewonnen.
SPEAKER_00Willkommen zum unkomplizierten E-Auto. Bitte füllen Sie diese 17 Portale aus.
SPEAKER_01Ganz genau. Und dann noch drei Passwörter, die nach 48 Stunden ablaufen.
SPEAKER_00Klassiker.
SPEAKER_01Aber im Ernst, für Autohäuser ist die Frage jetzt, wo Sie selbst vereinfachen können. Muss jede Probefahrtanfrage durch fünf Hände? Muss jeder Servicekunde dreimal dasselbe erzählen? Muss ein Gebrauchtwagenangebot so formuliert sein, dass nur der Verkaufsleiter es versteht?
SPEAKER_00Also, Hausaufgabe der Woche: Komplexität finden und rauswerfen.
SPEAKER_01Ja, und zwar nicht als großes Strategieprojekt mit 80 Folien. Einfach mal einen Kundenprozess nehmen, Online-Anfrage bis Rückruf, Werkstatttermin bis Rechnung, Inzahlungnahme bis Angebot und ehrlich durchgehen. Wo nerven wir Menschen?
SPEAKER_00Das tut manchmal weh.
SPEAKER_01Soll es auch ein bisschen. Aber es lohnt sich.
SPEAKER_00Dann nehmen wir aus dieser Folge mit, bezahlbare, einfach erklärbare E-Autos könnten ein echter Türöffner werden. Wenn Handel und Hersteller nicht wieder alles verkomplizieren. Und bei Schieflagen im Händlernetz gilt, Chancen sehen, aber sauber, menschlich und vorbereitet handeln.
SPEAKER_01Sehr schön zusammengefasst. Und vielleicht noch, Einfachheit ist kein Rückschritt. Manchmal ist sie genau das Premium-Erlebnis, das Kunden wirklich wollen.
SPEAKER_00Starkes Schlusswort. Steven, danke dir.
SPEAKER_01Danke dir, Sina.
SPEAKER_00Und euch danke fürs Zuhören. Wenn ihr im Autohaus gerade merkt, wo Prozesse zu kompliziert sind, sprecht drüber, probiert was aus. Wir hören uns in der nächsten Folge. Bis dahin.