Autohaus News mit Sina & Steven

Folge 54

Episode 54

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

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- Lynk & Co Europa: neue Führung und Umstrukturierung - Lynk & Co Abo- und Direktvertriebsmodell - Rolle lokaler Autohäuser bei Übergabe, Probefahrt, Service und Rücknahme - Hersteller-Direktvertrieb vs. Händler-Wertschöpfung - Rückkehr der E-Auto-Prämien-Diskussion - Auswirkungen möglicher E-Auto-Förderung auf Kaufentscheidungen - Gebrauchtwagenpreise für gebrauchte Elektroautos - E-Auto-Beratung zu Reichweite, Ladeinfrastruktur und Alltagstauglichkeit - Geely-Konzernstrategie in Europa - Mehrmarken-Logik bei Geely, Lynk & Co und verwandten Marken - Garantie, Teileversorgung und Serviceprozesse neuer Marken - Wettbewerbsradar und Kundenfeedback im Autohaus-Alltag
SPEAKER_00

Willkommen zu Folge 54. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Steven, ich habe das Gefühl, in der Autohaus-Welt ist gerade weniger so ein einzelner Paugenschlag das Thema, sondern eher ganz viel Verschiebung unter der Oberfläche.

SPEAKER_02

Hm, total.

SPEAKER_00

Also, neue Vertriebsstrukturen. E-Autokunden, die wieder anders ticken, Herstellergruppen, die sich sortieren. Und mittendrin das Autohaus, das morgens trotzdem die Werkstatt aufschließt und sagt, okay, was machen wir jetzt konkret?

SPEAKER_02

Ja, genau. Der Kunde steht ja nicht im Showroom und sagt, bitte erklären Sie mir die europäische Markenarchitektur. Der sagt, ich brauche ein Auto und warum ist das jetzt teurer, billiger, online, offline, Abo, Leasing, hä?

SPEAKER_00

Hä? Das ist eigentlich die perfekte Zusammenfassung der Branche.

SPEAKER_01

Leider ja.

SPEAKER_00

Lass uns mit Link und Co. anfangen. Da passiert in Europa gerade einiges. Neue Führung, neue Strukturen. Offenbar der Versuch, das Ganze wieder klarer auszurichten. Und ich finde das spannend, weil Link und Co. ja immer so ein bisschen dieses Versprechen hatte, Auto nicht klassisch besitzen, eher flexibel nutzen, digital buchen, Community-Gefühl. Aber in der Praxis muss das ja irgendwo landen.

SPEAKER_02

Ja, und zwar beim Kundenkontakt.

SPEAKER_00

Genau.

SPEAKER_02

Und da wird es für Autohäuser interessant. Weil dieses ganze Abo- und Direktmodell schön klingt, aber sobald etwas nicht funktioniert, Kratzer bei Rückgabe, Software zickt, Reifenfrage, Ladeproblem, Übergabetermin, dann will der Kunde einen Menschen. Nicht ein Portal mit drei Buttons.

SPEAKER_00

Aber würdest du sagen, das ist eine Chance für Händler oder eher so, Vorsicht, die Marke baut Strukturen um. Da weiß man nicht, wie stabil das wird.

SPEAKER_02

Beides. Also wenn ich Autohaus wäre, würde ich nicht sofort sagen, super, da springe ich blind rein. Aber ich würde mir sehr genau anschauen, welche Rolle lokale Partner spielen können. Übergabe, Probefahrt, Serviceannahme, Rücknahmeprozesse. Das sind Dinge, die ein Autohaus viel besser kann als irgendein zentrales System. Nur die Marge muss stimmen. Sonst wird das Autohaus zum Erfüllungsgehilfen mit WLAN.

SPEAKER_00

Erfüllungsgehilfe mit WLAN ist bitter.

SPEAKER_02

Ist aber so.

SPEAKER_00

Und es passt zu diesem größeren Trend. Hersteller wollen direkte Kundenbeziehungen, aber die unangenehmen Stellen im Alltag sollen bitte reibungslos vor Ort gelöst werden. Da muss der Handel aufpassen, dass er nicht nur die Arbeit bekommt, sondern auch den Wertanteil.

SPEAKER_02

Ja, und das bedeutet, Verträge lesen, Prozesse sauber definieren, Verantwortlichkeiten klären. Wer haftet bei einer verspäteten Rückgabe? Wer erklärt dem Kunden die Rechnung? Wer bekommt die Daten? Wer darf Zusatzgeschäft machen? Zubehör, Versicherung, Servicepakete, das ist ja nicht Kleinkram, das ist Ertrag.

SPEAKER_00

Zweiter Punkt. E-Premie. Oder sagen wir besser, die Rückkehr der Prämiendiskussion. Kaum steht wieder ein möglicher Zuschuss im Raum, merkt man sofort, wie sensibel der Markt reagiert.

SPEAKER_02

Oh ja.

SPEAKER_00

Kunden schieben Entscheidungen. Verkäufer hängen in Gesprächen fest. Soll ich jetzt bestellen oder warten? Und das ist für Autohäuser wahnsinnig anstrengend, weil du eigentlich beraten willst. Aber plötzlich berätst du zur politischen Wahrscheinlichkeit.

SPEAKER_02

Und genau da braucht man einen Standardsatz im Verkauf, nicht so ausweichend, sondern klar, zum Beispiel, wir kalkulieren Ihnen das Angebot nach heutigem Stand. Wenn sich Förderbedingungen ändern, prüfen wir gemeinsam die Optionen. Punkt. Nicht spekulieren, nicht versprechen. Voll. Weil das Schlimmste ist, wenn Verkäufer aus Nettigkeit sagen, ach, da kommt bestimmt was. Und drei Wochen später kommt nichts oder es gilt nur für bestimmte Fahrzeuge, dann ist Vertrauen weg.

SPEAKER_00

Ich würde sogar sagen, Autohäuser sollten intern eine Mini-FAQ bauen. Drei, vier Antworten für Verkauf, Empfang und Telefonzentrale. Denn die Frage kommt ja nicht nur im Beratungsgespräch. Die kommt beim Servicetermin, bei der Probefahrt, per Mail, am Samstag kurz vor Feierabend.

SPEAKER_01

Immer Samstag.

SPEAKER_00

Immer Samstag. Und wenn dann jeder anders antwortet, wirkt das Haus unsicher.

SPEAKER_02

Und bitte auch Gebrauchtwagen nicht vergessen. Wenn Kunden glauben, neue E-Autos könnten bald gefördert werden, fragen sie sofort, was heißt das für den Preis meines gebrauchten Stromers? Da braucht der Einkauf Nerven und der Verkauf gute Argumente.

SPEAKER_00

Wobei die Argumente ja langsam besser werden. Reichweiten sind alltagstauglicher, Ladeinfrastruktur ist nicht perfekt, aber sichtbar besser. Und viele Kunden kennen inzwischen jemanden, der elektrisch fährt. Das nimmt Angst raus.

SPEAKER_02

Ja, aber es bleibt ein Erklärprodukt.

SPEAKER_00

Absolut.

SPEAKER_02

Und zwar nicht technisch überfrachten. Ich sehe manchmal Angebote, da steht jede Ladeleistung, jede Batteriekapazität, jede Paketbezeichnung. Aber keiner sagt, für Ihren Arbeitsweg reicht das locker und auf der Urlaubsfahrt machen Sie hier und hier Pause. Das ist der Unterschied.

SPEAKER_00

Das ist eigentlich ein super Praxisimpuls. E-Auto-Beratung als Lebenssituationsberatung. Nicht hier ist der Akku, sondern wie sieht Ihr Dienstag aus?

SPEAKER_02

Schöner Satz.

SPEAKER_00

Danke, den schenke ich dir.

SPEAKER_02

Mäh mich.

SPEAKER_00

Dann noch Gili als großes Stichwort. Nicht nur als einzelne Marke, sondern als Konzern, der in Europa mit verschiedenen Konzepten unterwegs ist. Und ich glaube, für Händler wird diese Mehrmarkenlogik immer anspruchsvoller. Weil Kunden nicht mehr sauber trennen, das ist Premium, das ist Abo, das ist Chinesisch, das ist schwedisch geprägt, das ist elektrisch, das ist hybrid. Die sehen einfach ein Auto und fragen, ist das gut?

SPEAKER_02

Das ist einfach aber ja.

SPEAKER_00

Oder?

SPEAKER_02

Total. Und da braucht das Autohaus eine klare Übersetzung. Nicht die Konzernstruktur erklären, sondern nutzen. Also, welche Marke steht wofür? Welche Kundengruppe passt? Welche Serviceprozesse sind vorhanden? Wie sieht Teileversorgung aus? Welche Garantiezusagen kann ich wirklich sauber vertreten?

SPEAKER_00

Und ich finde, das betrifft auch die Teams. Verkäufer müssen heute viel mehr Markenkontext verstehen als früher. Früher warst du vielleicht der Volkswagen-Mensch, der Opel-Mensch, der BNW-Mensch. Jetzt kommen Kunden mit drei Screenshots von völlig unterschiedlichen Herstellern rein und erwarten, dass du alles einordnest.

SPEAKER_02

Echt jetzt?

SPEAKER_00

Ja.

SPEAKER_02

Und dann sagt der Verkäufer nicht selten, kenne ich nicht, kann ich nichts zu sagen. Verständlich, aber gefährlich. Besser wäre, ich ordne Ihnen das gern ein. Service, Garantie, Wiederverkauf, Lieferzeit, Finanzierung. Also vom Datenblatt weg hin zur Entscheidungsberatung.

SPEAKER_00

Heißt das, Autohäuser brauchen so eine Art Wettbewerbsradar im Alltag?

SPEAKER_02

Ja, aber bitte nicht als 80-seitige Präsentation, die keiner liest. Eher kurze Montagsrunde, was fragen Kunden gerade? Welche Modelle tauchen in Zahlungsnahmegesprächen auf? Welche Einwände hören wir? 15 Minuten reichen.

SPEAKER_00

Oh, das mag ich.

SPEAKER_02

Und dann dokumentieren. Drei Stichpunkte ins CRM oder ins Teamwiki. Sonst ist das Wissen nur im Kopf von dem einen Verkäufer, der zufällig viel YouTube schaut.

SPEAKER_00

In jedem Autohaus gibt es diesen einen.

SPEAKER_02

Natürlich, der heißt meistens nicht offiziell Produktmanager, ist es aber.

SPEAKER_00

Grüße gehen raus.

SPEAKER_02

Aber im Ernst, das ist gerade die große Aufgabe. Nicht jeder Trend muss sofort eine Strategieänderung auslösen. Aber ein Autohaus sollte früh merken, worüber Kunden sprechen, bevor es im Bestand, in der Werkstattplanung oder bei Restwerten wehtut.

SPEAKER_00

Und vielleicht ist genau das der rote Faden dieser Folge. Strukturen ändern sich, Förderdebatten verunsichern. Neue Markenwelten werden komplexer. Aber der Vorteil des Autohauses bleibt Nähe. Wenn die Nähe gut organisiert ist.

SPEAKER_01

Schön gesagt.

SPEAKER_00

Nicht nur nett sein, sondern vorbereitet nett sein.

SPEAKER_01

Das ist ein Schulungstitel.

SPEAKER_00

Vorbereitet nett sein. Modul 1.

SPEAKER_01

Mit Zertifikat.

SPEAKER_00

Sehr gut. Dann machen wir hier den Deckel drauf. Danke, Steven, für die Einordnung.

SPEAKER_02

Sehr gern. Und an alle im Handel und Service. Hört euren Kunden diese Woche mal besonders genau zu. Da steckt meistens schon die nächste Marktbewegung drin.

SPEAKER_00

Genau. Danke euch fürs Zuhören. Bis zur nächsten Folge. Macht's gut!