Autohaus News mit Sina & Steven

Folge 59

Episode 59

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- Würth Gruppe: Umsatz- und Ergebniswachstum im ersten Halbjahr 2026 - Werkstatt-Effizienz durch bessere Materialausgabe, Nachbestellung und weniger Suchzeiten - Hedin: Verkauf der Beteiligung am Renault-Importgeschäft in Nordeuropa - Risiken schnellen Wachstums im Autohandel durch Verluste, Schulden und Integrationsaufwand - Volkswagen: geplante Reduktion der Modellpalette um bis zu 50 Prozent bis 2030 - Auswirkungen schlankerer Modellpaletten auf Verkauf, Lagerplanung und Kundenbindung - Gebrauchtwagenbewertung bei auslaufenden oder seltener werdenden Modellen - China: Ziel von 30 Prozent elektrifiziertem Fahrzeugbestand bis 2030 - Wettbewerbsdruck durch chinesische New Energy Vehicles bei Preis, Ladeleistung, Software und Apps - Bedeutung von Service, Garantieabwicklung, Teileversorgung und Restwerten im Wettbewerb mit neuen Marken
SPEAKER_01

Willkommen zu Folge 59. Ich bin Sina und bei mir ist natürlich Steven. Wir schauen wieder auf das, was gerade in Autohäusern, Werkstätten und im Handel für Stirnrunzeln, Kopfnicken oder auch so ein leises Uff sorgt.

SPEAKER_00

Hallo zusammen. Und uff ist gar nicht schlecht, weil einige Themen klingen erstmal strategisch weit weg, landen aber ziemlich schnell auf dem Schreibtisch vom Verkaufleiter oder im Teilelager.

SPEAKER_01

Ja, absolut. Lass uns mit Wirth anfangen. Die Gruppe meldet fürs erste Halbjahr 2026 steigende Umsätze und ein besseres Ergebnis, trotz eher zäher Wirtschaftslage. Und ich finde das spannend, weil Wirth ja für viele Betriebe nicht irgendein Lieferant ist, sondern wirklich tief im Werkstattalltag steckt. Verbrauchsmaterial, Werkzeuge, Ausstattung, Prozesslösungen, das ist so dieses Rückgas, das man oft erst bemerkt, wenn es hakt. Und wenn so ein Partner wächst, sagt das schon was über die Investitionsbereitschaft im handwerklichen und Kfz-nahen Umfeld aus.

SPEAKER_00

Ja, und gleichzeitig würde ich sagen, Wachstum beim Zulieferer heißt nicht automatisch, dass jedes Autohaus jetzt Champagner kalt stellt. Aber es ist ein Signal. Wenn Werkstätten weiterhin Material abrufen, wenn Ausstattung erneuert wird, wenn Prozesse nachgefragt werden, dann läuft da eben nicht nur Krisenmodus. Dann wird weiter gearbeitet, weiter optimiert.

SPEAKER_01

Genau.

SPEAKER_00

Und für Geschäftsführer ist die Frage, nutze ich diese Phase, um kleine Effizienzthemen anzupacken. Also nicht gleich die komplette Werkstatt umbauen, sondern banal, bessere Materialausgabe, weniger Suchzeiten, sauberere Nachbestellung.

SPEAKER_01

Das kling unsexy, spart aber richtig Geld.

SPEAKER_00

Total.

SPEAKER_01

Und Nerven. Ich war neulich in einem Betrieb. Da wurde ernsthaft zehn Minuten nach einem Spezialbit gesucht. Zehn Minuten. Wenn du das am Tag fünfmal hast, brauchst du keine große Strategiepräsentation mehr. Dann hast du deine Rendite schon auf dem Boden liegt.

SPEAKER_00

Ja, genau das.

SPEAKER_01

Der zweite große Punkt ist für mich Hedin. Nach sehr schnellem Wachstum wird jetzt zurückgeschaltet. Konkret mit dem Verkauf der Beteiligung am Renault-Import-Geschäft in Nordeuropa. Hintergrund: Verluste, hohe Schulden. Und das ist schon so ein kleiner Realitätscheck für den Handel, oder?

SPEAKER_00

Auf jeden Fall. Der Autohandel hatte ja lange diese Erzählung größer werden. Mehr Standorte, mehr Marken, mehr Länder, dann kommen Skaleneffekte. Und ja, die können kommen. Aber wenn Finanzierung teuer ist, Margen unter Druck stehen und die Integration nicht sauber läuft, dann wird Größe auch schwer. Sehr schwer sogar. Für regionale Gruppen heißt das nicht bitte nie wachsen, sondern eher Wachstum muss wirklich verstanden werden. Welche Marke bringt welchen Deckungsbeitrag? Wie stabil ist der Serviceanteil? Wie viel Managem-Aufmerksamkeit frisst ein neuer Standort? Und ganz ehrlich, manche Übernahme sieht in Excel hübscher aus als montags um halb acht in der Dispo.

SPEAKER_01

Schön gesagt. Montags um halb acht ist sowieso der härteste Stresstest der Branche.

SPEAKER_00

Absolut.

SPEAKER_01

Ich finde daran auch interessant, dass Importgeschäft und Händlergeschäft oft in einen Topf geworfen werden, aber operativ komplett andere Tiere sind. Import heißt Marktaufbau, Netzsteuerung, Logistik, Marketing, Restwertrisiken. Händlerbetrieb heißt Kundennähe, Werkstattdurchsatz, Verkäuferführung, lokale Reputation. Wenn da Verluste entstehen, kann man nicht einfach sagen, ach, wir verkaufen halt ein paar Autos mehr.

SPEAKER_00

Nee, eben nicht.

SPEAKER_01

Und jetzt zu Volkswagen. VW plant, die Modellpalette bis 2030 um bis zu 50% zu reduzieren. Das ist ein Brett.

SPEAKER_00

Krass.

SPEAKER_01

Oder? Für Händler klingt weniger Modelle erstmal nach weniger Komplexität. Weniger Schulungen, weniger Varianten, vielleicht klarere Kommunikation. Aber auf der Verkaufsfläche kann das auch richtig wehtun, wenn genau das Nischenmodell wegfällt, mit dem man bestimmte Stammkunden gehalten hat.

SPEAKER_00

Ja, und wir dürfen nicht vergessen, Modellvielfalt war für viele Verkäufer immer auch ein Werkzeug. Da kam jemand rein und sagte, naja, ich brauche etwas Kleines, aber nicht zu klein, höher Sitzen, aber kein SUV, Anhängerkupplung wäre schön, Budget ist knapp. Und dann hat man im Baukasten doch noch irgendwas gefunden.

SPEAKER_01

Ja, ja.

SPEAKER_00

Wenn das Angebot schlanker wird, muss Beratung präziser werden. Dann reicht nicht mehr, wir haben da bestimmt was. Dann musst du schneller herausfinden, welches Bedürfnis wirklich dahinter liegt. Platz, Preis, Status, Reichweite, Lieferzeit.

SPEAKER_01

Und Lagerplanung verändert sich auch. Wenn weniger Modelle kommen, aber vielleicht mehr Volumen auf einzelne Baureihen konzentriert wird, dann wird die Frage, welche Ausstattung dreht sich wirklich? Welche Farbe? Welches Paket? Welcher Antrieb? Fehlgriffe werden sichtbarer, weil die Ausweichmöglichkeiten kleiner werden. Und beim Gebrauchwagenbestand könnte es mittelfristig auch spannend werden. Modelle, die auslaufen oder seltener werden, können für manche Kundengruppen plötzlich attraktiver sein. Oder schwieriger zu bewerten. Je nachdem.

SPEAKER_00

Da würde ich Händler wirklich raten, nicht warten, bis der Hersteller die neue Logik komplett ausgerollt hat. Jetzt schon mal schauen, welche Modelle bringen bei uns Wiederkäufer, wo hängen Servicekunden dran, welche Fahrzeuge sind emotional wichtig, auch wenn sie nicht die größten Stückzahlen haben.

SPEAKER_01

Guter Punkt.

SPEAKER_00

Weil Kundenbindung hängt manchmal an komischen Dingen. Der eine kommt seit 18 Jahren, weil er immer den gleichen Kombi fährt. Wenn der plötzlich weg ist, musst du eine Brücke bauen. Nicht erst beim nächsten Kaufvertrag, sondern vorher.

SPEAKER_01

Das ist eigentlich Kundenkommunikation pur. Nicht tut uns leid, gibt's nicht mehr, sondern wir schauen gemeinsam, was in ihrem Alltag die beste Alternative ist. Klingt simpel, macht aber den Unterschied zwischen Abwanderung und Vertrauen.

SPEAKER_00

Ja.

SPEAKER_01

Dann noch der Blick nach China. Die Regierung will, dass bis 2030 rund 30% des Fahrzeugbestands elektrifiziert sind. Also New Energy Vehicles. Das ist nicht nur eine China-Zahl, die man abnickt und weiterschiebt. Das zeigt, wie massiv dort der Hochlauf politisch getrieben wird.

SPEAKER_00

Und dadurch entsteht Druck, nicht nur technologisch, sondern auch über Stückzahlen, Batteriekosten, Softwaretempo, Plattformen. Selbst wenn ein deutsches Autohaus keine chinesische Marke im Showloom hat, spürt es irgendwann die Vergleichsfragen der Kunden. Warum kostet das hier mehr? Warum lädt das langsamer? Warum ist die App schlechter? Und dann braucht der Vertrieb keine Angststarre, sondern Antworten, ehrliche Antworten. Nicht alles schlechtreden, nicht alles schönreden, sondern erklären, Service, Garantieabwicklung, Teileversorgung, Restwert, persönliche Betreuung, das sind echte Werte, wenn sie auch wirklich funktionieren.

SPEAKER_01

Das ist der entscheidende Zusatz, wenn sie funktionieren. Ein Kunde akzeptiert nicht mehr, dass wir kümmern uns nur ein Satz auf der Website ist. Der merkt, ob Rückruf, Terminvereinbarung, Ersatzmobilität und digitale Kommunikation sauber laufen. Genau. Also, wenn man diese Themen zusammenzieht, Wirth zeigt, dass im Werkstattumfeld weiter Bewegung ist. Hedin zeigt, dass Wachstum ohne Profitabilität gefährlich wird. VW zeigt, dass Komplexität rausgenommen werden soll. Und China zeigt, dass der Transformationsdruck nicht kleiner wird.

SPEAKER_00

Schöne Klammer. Fast zu schön für uns.

SPEAKER_01

Ich habe kurz geübt.

SPEAKER_00

Merkt man gar nicht.

SPEAKER_01

Frech. Was wäre dein Praxisimpuls für diese Woche?

SPEAKER_00

Drei Fragen fürs nächste Führungsteammeeting. 1. Wo verlieren wir in der Werkstatt täglich Zeit durch Kleinkram? 2. Welche Wachstumspläne haben wir, die ehrlich gerechnet werden müssen? 3. Welche Modelle oder Kundengruppen wären kritisch, wenn das Angebot schlanker wird? Mehr braucht's erstmal gar nicht.

SPEAKER_01

Sehr gut. Mein Zusatz? Sprecht mit den Verkäufern und Serviceberatern, bevor ihr Strategien baut. Die hören die echten Kundensätze jeden Tag. Nicht nur die schönen, auch die unbequem. Gerade die.

SPEAKER_00

Vor allem die.

SPEAKER_01

Damit sind wir durch für Folge 59. Danke dir, Steven.

SPEAKER_00

Danke dir, Sina, und danke an alle, die reingehört haben. Bis zur nächsten Runde aus der Autohauswelt.

SPEAKER_01

Macht's gut!