Autohaus News mit Sina & Steven

Folge 61

Episode 61

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

0:00 | 8:23
- Absatzdruck bei BMW, Volkswagen und Audi im ersten Halbjahr 2026 - Schwächere Automärkte in China und komplizierteres US-Geschäft - Margendruck im Autohaus durch Herstelleraktionen, Rabatte und Sonderkonditionen - Vertriebscontrolling nach Deckungsbeitrag, Standtagen, Finanzierungskosten und Bonifikationen - Kundenberatung zu Marktschwankungen, Restwerten, Haltedauer und Wiederverkauf - Rolle des stationären Handels gegenüber Online-Preisvergleich - Nutzfahrzeug- und Lkw-Handel mit Fokus auf Standzeit, Teileverfügbarkeit und mobile Services - Händlervertretungen und Verbandsarbeit im Nutzfahrzeugbereich - Lehren aus dem Truck-Service für Pkw-Betriebe: klare Kommunikation zu Kosten, Zeitfenstern und Prioritäten - E-Scooter-Haftung auf Autohausgeländen, bei Ersatzmobilität und Kundenverkehr - 60 Jahre Lamborghini Miura - Nachwuchsgewinnung, Bürokratie und Werkstattrealität in regionalen Kfz-Organisationen
SPEAKER_00

Hallo und schön, dass ihr wieder dabei seid bei Folge 61. Ich bin Sina, mir gegenüber sitzt Steven. Kaffee steht, Stimmung ist, naja, sagen wir, branchenrealistisch.

SPEAKER_01

Sehr schönes Wort. Branchenrealistisch heißt bisschen Druck, bisschen Hoffnung und irgendwo blinkt wieder eine Motorkontrolleuchte.

SPEAKER_00

Genau. Steven, lass direkt rein. Was beschäftigt Autohäuser gerade am stärksten?

SPEAKER_01

Für mich ist es gerade dieser Mix aus Absatzdruck bei großen deutschen Marken und gleichzeitig einer gewissen Müdigkeit im Handel. BMW, Volkswagen, Audi, da laufen die Stückzahlen im ersten Halbjahr 2026 nicht überall so, wie man es gerne hätte. China schwächelt, die USA sind komplizierter geworden und am Ende landet dieser Druck halt nicht abstrakt in irgendeiner Konzernzentrale, sondern beim Verkäufer, beim Verkaufsleiter, beim Disponenten. Und der bekommt dann Ziele, Aktionen, Sonderkonditionen und muss trotzdem sauber kalkulieren.

SPEAKER_00

Ja, weil mehr Rabatt ist ja nicht automatisch mehr Geschäft. Das ist so ein Klassiker, oder? Der Kunde freut sich, der Hersteller freut sich vielleicht über Zulassungen, aber im Autohaus bleibt manchmal nur heiße Luft und ein voller Hof.

SPEAKER_01

Voll.

SPEAKER_00

Was würdest du einem Betrieb raten, der gerade merkt, okay, die Marke schiebt, aber meine Marge wird dünn.

SPEAKER_01

Erstmal nicht in Panik in jede Aktion springen. Ich weiß, das kling leichter gesagt als getan. Aber man muss pro Modell wirklich nüchtern rechnen. Standtage, Finanzierungskosten, erwartete Bonifikation, Inzahlungnahmen, Anschlussgeschäft. Und dann auch mal sagen, dieses Paket nehmen wir mit, jenes nicht. Viele Autohäuser haben inzwischen ein ganz gutes Bauchgefühl. Aber bei solchen Marktschwankungen reicht Bauchgefühl nicht mehr.

SPEAKER_00

Also mehr Controlling im Vertrieb.

SPEAKER_01

Ja, aber bitte nicht als Excel-Straflager. Eher als täglicher Realitätscheck.

SPEAKER_00

Excel-Straflager, das sehe ich direkt vor mir.

SPEAKER_01

Ist doch so.

SPEAKER_00

Was ich spannend finde, diese Absatzthemen kommen beim Kunden ja auch an. Nicht in Details, aber so als Gefühl, oh, geht's der Marke gerade schlecht? Kriege ich später noch Teile? Ist mein Restwert sicher? Wie sollten Verkäufer damit umgehen?

SPEAKER_01

Nicht wegwischen. Wenn ein Kunde fragt, würde ich nicht sagen, ach Quatsch, alles super. Sondern eher, der Markt bewegt sich ja. Genau deshalb schauen wir gemeinsam auf Haltedauer, Ausstattung, Wartungshistorie und Wiederverkauf. Also die Unsicherheit in Beratung übersetzen. Das ist professioneller als Schönreden.

SPEAKER_00

Ja, und das ist ja eigentlich eine Chance für den stationären Handel. Online kann ich Preise vergleichen, klar. Aber diese Einordnung, was bedeutet das für meinen Fuhrpark, für meine Finanzierung, für meine nächsten vier Jahre, das ist Autohaushandwerk.

SPEAKER_01

Absolut. Und gerade bei gewerblichen Kunden. Die fragen nicht nur, was kostet das Auto. Die fragen, wie zuverlässig ist die Lieferplanung, wie schnell bekomme ich Werkstatttermine, was passiert, wenn mein Fahrer liegen bleibt.

SPEAKER_00

Damit sind wir bei einem Thema, das oft untergeht. Nutzfahrzeug und Lkw-Handel. Da bewegt sich auch einiges. Etwa bei Händlervertretungen und Verbandsarbeit. Klingt erstmal trocken, aber für Betriebe ist das ziemlich wichtig, oder?

SPEAKER_01

Total. Im Pkw-Bereich reden alle über Showroom, Leads, Probefahrt. Im Nutzfahrzeugbereich geht es knallhart um Standzeit. Wenn ein LKW nicht fährt, verdient der Kunde kein Geld. Deshalb sind Teileverfügbarkeit, Werkstattfenster am Abend, mobile Services und klare Ansprechpartner viel wichtiger als irgendein Hochglanzmoment.

SPEAKER_00

Ja klar.

SPEAKER_01

Und wenn Händler sich da stärker organisieren, ist das ein Signal. Wir brauchen in der Transformation nicht nur Herstellerstrategien, sondern auch eine Stimme aus der Praxis, weil der Händler weiß, wo es klemmt.

SPEAKER_00

Da würde ich gern kurz einhaken. Meinst du, Pkw-Händler können von Nutzfahrzeugbetrieben lernen?

SPEAKER_01

Oh ja!

SPEAKER_00

Was denn?

SPEAKER_01

Verbindlichkeit. Klingt hart, aber im Truck-Bereich ist Kommunikation oft sehr direkt. Fahrzeug steht, Problem, Lösung, Zeitfenster. Punkt. Im Pkw-Service verlieren wir uns manchmal in höflichen Floskeln. Der Kunde will aber wissen, wann ist mein Auto fertig, was kostet es, was ist kritisch, was kann warten.

SPEAKER_00

Echt jetzt ja. Dieses Wir melden uns dann, ist so ein Satz, der altert wie Milch.

SPEAKER_01

Sehr schön.

SPEAKER_00

Ein anderes Randthema, das aber erstaunlich nah am Autohausalltag ist. E-Scooter und Haftung. Viele denken, was hat das mit mir zu tun? Aber auf Betriebsgeländen, bei Ersatzmobilität, bei Kunden, die mit Roller ankommen, da gibt es schnell Grauzonen.

SPEAKER_01

Ja, und es ist so ein typisches, merken wir erst, wenn was passiert, Thema. Wer darf womit auf den Hof? Wo stehen Leihroller? Sind Probefahrtbereiche klar getrennt? Was passiert, wenn ein Kunde mit dem Scooter zwischen Gebrauchtwagenreihen durchfährt und sich lang macht? Genau, kein Riesendrama im Alltag, aber ein guter Anlass mal die Hausregeln, Beschilderung und Versicherungsthemen zu prüfen. Gerade größere Betriebe mit viel Kundenverkehr sollten das nicht dem Zufall überlassen.

SPEAKER_00

Und vielleicht auch Mitarbeitende briefen. Empfang, Serviceannahme, Verkauf, die müssen ja wissen, was sie sagen dürfen.

SPEAKER_01

Ja, nicht erst diskutieren, wenn der Roller schon unter dem Vorführer liegt.

SPEAKER_00

Dieses Bild.

SPEAKER_01

Sorry?

SPEAKER_00

Nein, passt. Lass kurz die Stimmung drehen. Es gibt auch schöne Nachrichten. 60 Jahre Lamborghini-Miura. Und ich weiß, die meisten Autohäuser verkaufen kein Miura. Überraschend. Aber dieses Jubiläum zeigt doch, wie stark automobile Emotion immer noch ist.

SPEAKER_01

Ja, danke. Genau das. Der Miura ist ja nicht nur ein altes Auto. Das ist ein Poster im Kinderzimmer, ein Geräusch, eine Silhouette. Und selbst ein ganz normales Autohaus kann daraus lernen, Menschen kaufen Mobilität, klar. Aber sie erinnern sich an Geschichten, an die erste Probefahrt, an den Geruch im Innenraum, an den Moment, wo jemand sagt, das ist er.

SPEAKER_00

Das klingt fast romantisch, Steven.

SPEAKER_01

Ist es auch. Und trotzdem wirtschaftlich relevant. Wenn mein Schauraum wirkt wie ein Wartezimmer beim Finanzamt, darf ich mich nicht wundern, wenn Kunden nur noch nach dem niedrigsten Preis fragen.

SPEAKER_00

Autsch.

SPEAKER_01

Ist doch wahr.

SPEAKER_00

Was wäre ein kleiner realistischer Impuls? Nicht jeder Betrieb baut jetzt eine Markenerlebniswelt.

SPEAKER_01

Muss er auch nicht. Ein sauber kuratierter Bereich reicht. Ein besonderes Gebrauchfahrzeug mit Geschichte, ein Foto eines langjährigen Kunden, ein kleines Technik-Exponat, ein Monitor mit Übergaben, aber bitte echt nicht stockig. Und Verkäufer sollten wieder mehr erzählen dürfen. Nicht labern, sondern erzählen.

SPEAKER_00

Also weniger Prospektaufsagen, mehr Beziehungen.

SPEAKER_01

Exakt.

SPEAKER_00

Ich nehme noch einen Punkt rein. Regionale Kfz-Organisation. Da geht es gerade viel um Nachwuchs, Bürokratie, Werkstattrealität. Und ich glaube, das unterschätzen manche Geschäftsführer. Die große Transformation entscheidet sich nicht nur im Vorstand, sondern auch in der Berufsschule und am Teilelager.

SPEAKER_01

Sehr richtig. Wenn Betriebe keine jungen Leute finden, hilft die beste Vertriebsstrategie nichts. Und Nachwuchs gewinnt man nicht mit einem laminierten Zettel, wir bilden aus. Man muss zeigen, bei uns lernst du moderne Diagnose, Kundenkontakt, Verantwortung und ja, du wirst vernünftig behandelt.

SPEAKER_00

Ja, ja, genau.

SPEAKER_01

Und Bürokratie? Viele Werkstätten äzen unter Dokumentation, Nachweisen, Herstellerportalen, Gewährleistungsprozessen. Das ist nicht sexy, aber es frisst Zeit. Wer da intern klare Zuständigkeiten schafft, entlastet die Meister- und Serviceberater massiv.

SPEAKER_00

Das ist so ein Satz, den man eigentlich ausdrucken müsste. Entlastet eure Meister.

SPEAKER_01

Bitte in Großbuchstaben.

SPEAKER_00

Okay, Abschlussrunde. Wenn ein Autohaus diese Woche nur drei Dinge anpackt, welche?

SPEAKER_01

Erstens, Vertriebsaktionen nicht nur nach Stückzahl, sondern nach Deckungsbeitrag und Standtagen bewerten. Zweitens, Kundenfragen zu Marktschwankungen aktiv in Beratung übersetzen. Drittens, im Service kleine Risiken prüfen. Vom Hochverkehr bis zur Ersatzmobilität.

SPEAKER_00

Ich ergänze, ein bisschen Emotion zurück in den Betrieb holen. Nicht kitschig, aber spürbar. Autohaus darf sich nicht anfühlen wie Passwort zurücksetzen.

SPEAKER_01

Schöner kann man es nicht sagen.

SPEAKER_00

Dann war es das mit Folge 61. Danke, Steven.

SPEAKER_01

Danke dir, Sina, und an alle draußen. Gute Geschäfte, ruhige Serviceannahmen und möglichst wenige Roller unter Vorführwagen.

SPEAKER_00

Bis zur nächsten Folge.