Autohaus News mit Sina & Steven
Im Podcast diskutieren Sina und Steven die aktuellsten News aus der Autohaus-Welt. Im Fokus stehen Entwicklungen, Trends und Themen, die Autohäuser, Werkstätten und die Automobilbranche bewegen.
Ob Digitalisierung, Kundenkommunikation, Vertrieb, Service, neue Technologien oder Veränderungen im Markt: Sina und Steven ordnen die wichtigsten Nachrichten ein, sprechen über Chancen und Herausforderungen und geben praxisnahe Impulse für den Autohaus-Alltag.
Autohaus News mit Sina & Steven
Folge 62
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Willkommen zu Folge 62. Sina hier und bei mir ist natürlich Steven. Wir schauen wieder in die Autohauswelt und ich sag's direkt, heute wird es erstaunlich unsichtbar.
SPEAKER_01Unsichtbar?
SPEAKER_00Ja. Software, Sensorik, Daten, Assistenzsysteme. Also genau die Dinge, die Kundinnen und Kunden oft nicht sehen, bis sie beim Verkaufsgespräch in der Werkstatt oder auf der Rechnung plötzlich sehr sichtbar werden.
SPEAKER_01Das ist ein guter Einstieg, weil viele Betriebe noch so denken, Auto ist Blech, Motor, Reifen, fertig. Aber das Auto wird immer mehr ein rollendes Softwareprodukt. Und das verändert halt nicht nur die Technik, sondern wirklich die Abläufe im Autohaus. Du verkaufst nicht mehr nur Ausstellungspakete wie früher. Du erklärst Funktionen, Updatefähigkeit, digitale Dienste, Datenschutzfragen, vielleicht sogar Funktionen, die später freigeschaltet werden. Und im Service geht es dann um Softwarestände, Diagnose, Fehlermeldungen, Backendverbindungen. Das ist schon eine andere Liga.
SPEAKER_00Total. Und ich finde, da liegt für Autohäuser eine Riesenchance, wenn sie es gut machen. Weil viele Kunden ja gar nicht überfordert sein wollen. Die wollen einfach wissen, was kann mein Auto kann, was davon brauche ich wirklich und warum piept das Ding schon wieder beim Rückwärtsfahren. Also salopp gesagt.
SPEAKER_01Klassiker.
SPEAKER_00Aber ernsthaft. Wer da im Verkauf und bei der Übergabe sauber erklärt, schafft Vertrauen. Und wer in der Werkstatt nicht nur sagt, wir haben ein Update gemacht, sondern kurz übersetzt, was das bedeutet, der hebt sich ab.
SPEAKER_01Ja, ja, genau. Und, jetzt kommt noch ein zweiter Punkt dazu. Seit dem 7. Juli 2026 sind weitere Fahrerassistenzsysteme für neue Fahrzeuge in Europa Pflicht. Da reden wir zum Beispiel über den Notbremsassistenten, der aus Sicht der Schadenvermeidung extrem wichtig ist.
SPEAKER_00Und extrem erklärungsbedürftig.
SPEAKER_01Absolut. Denn ein Notbremsassistent ist nicht einfach, das Auto bremst immer rechtzeitig. Der hat Grenzen. Wetter, Sensorverschmutzung, Kalibrierung, Fahrbahnmarkierungen, Geschwindigkeit, alles spielt rein. Wenn Kunden das falsch verstehen, wird aus Sicherheit ganz schnell falsche Sicherheit. Und für Werkstätten heißt das, nach einem Scheibentausch, nach einem Frontschaden, nach Arbeiten an Stoßfänger oder Kamera, da reicht Schrauben allein nicht mehr. Kalibrieren, dokumentieren, erklären. Das wird zum Standardprozess.
SPEAKER_00Ich stelle mir gerade den Serviceberater vor, der sagt, wir haben den Stoßfänger gemacht und nebenbei noch die Augen des Autos neu ausgerichtet. Klingt komisch, trifft's aber.
SPEAKER_01Eigentlich ziemlich gut.
SPEAKER_00Und es hängt ja auch mit dem Unfallthema zusammen. Die Bilanz für 2025 ist schon ernüchternd. Täglich acht Verkehrstote und mehr als 1000 Verletzte. Da merkt man, warum Vision Zero zwar ein starkes Ziel ist, aber eben noch weit weg.
SPEAKER_01Ja. Und das ist so ein Moment, wo man im Autohaus nicht nur über Technik als Verkaufsargument reden sollte. Also nicht, das neue Modell hat jetzt Feature XY, sondern diese Systeme können helfen, Unfälle zu vermeiden. Aber sie müssen verstanden und gepflegt werden.
SPEAKER_00Genau.
SPEAKER_01Für Karosserie- und Lackbetriebe bleibt das Schadenbusiness natürlich relevant. Aber es verändert sich. Schäden werden vielleicht in manchen Situationen vermieden. Dafür werden einzelne Reparaturen komplexer und teurer, weil Sensoren, Radar, Kameras und Kalibrierflächen mit dranhängen.
SPEAKER_00Und damit auch die Kommunikation mit Versicherern, oder?
SPEAKER_01Voll. Da brauchst du saubere Dokumentation, vorher-nachher, Messprotokolle, Kalibrierberichte. Nicht als Bürokratie-Hobby, sondern weil sonst Diskussionen entstehen. War die Kalibrierung nötig? War sie fachgerecht? Warum kostet das so viel?
SPEAKER_00Lass uns mal kurz auf den Gebrauchtwagenbereich schauen. Da tut sich bei der DAT gerade strukturell einiges. Mit Veränderungen in Gremien und Geschäftsführung. Klingt erstmal nach Brancheninnenpolitik. Aber ich glaube, für Händler ist das nicht ganz egal.
SPEAKER_01Nee, gar nicht. Die DAT ist für viele Betriebe ja eine Art Orientierungspunkt bei Bewertungen, Marktdaten, Restwerten, Schadenkalkulation. Wenn sich dort Strukturen verändern, schaut die Branche schon hin. Bleibt die Datenqualität stabil, werden digitale Prozesse schneller, kommen neue Bewertungslogiken, gerade bei Software, Batterie, Assistenzsystemen.
SPEAKER_00Das ist spannend. Früher war ein Gebrauchtwagenwert ja stark Laufleistung, Zustand, Ausstattung, Historie. Jetzt kommt dazu Software-Sand, aktivierte Funktionen, Sensorzustand, Batteriegesundheit bei Elektro, wobei wir nicht schon wieder eine E-Mobilitätsfolge machen wollen.
SPEAKER_01Bitte nicht schon wieder Ladeinfrastruktur.
SPEAKER_00Keine Sorge.
SPEAKER_01Aber dein Punkt stimmt. Ein Auto mit sauber gepflegter digitaler Historie, aktuellen Updates und nachvollziehbarer Assistenzsystemwartung kann in der Vermarktung anders dastehen als eins, bei dem keiner weiß, was ist da eigentlich drauf.
SPEAKER_00Das heißt für den Autorausalltag digitale Fahrzeugakte ernst nehmen. Nicht irgendwo ein PDF ablegen und hoffen, dass es später jemand findet.
SPEAKER_01Ja, und Verkäufer brauchen Zugriff auf verständliche Infos. Nicht nur Werkstattcode 74711, sondern was wurde gemacht? Warum ist das gut? Wie erkläre ich es einem Kunden in 30 Sekunden?
SPEAKER_0030 Sekunden, die Königsdisziplin.
SPEAKER_01Wirklich?
SPEAKER_00Dann ein Thema, das etwas außerhalb vom klassischen Showroom liegt, aber viele Betriebe indirekt trifft. Deutschland fehlen über 120.000 Berufskraftfahrer. Das ist eine irre Zahl. Und man denkt erst, betrifft Speditionen. Aber Autohäuser hängen da mit drin. Teilelogistik, Fahrzeugtransporte, Reifenlieferungen, Hohl- und Bringdienste, Nutzfahrzeugkunden, wenn Transport knapp wird, wird es im Betrieb schnell ungemütlich.
SPEAKER_01Genau, und für Händler mit vielen Gewerbe- oder Flockenkunden ist das auch ein Beratungsthema. Wenn ein Handwerksbetrieb Lieferfahrzeuge braucht, aber keine Fahrer findet, dann redet man plötzlich über Routenplanung, Automatisierung im Fuhrpark, Standzeiten, Verfügbarkeit. Das Fahrzeug ist nur ein Teil der Lösung.
SPEAKER_00Vielleicht ist das überhaupt ein roter Faden. Autohäuser müssen immer stärker Problemversteher werden. Nicht nur Autorinnstellen, Schlüssel übergeben, fertig. Beim Privatkunden, welche Assistenzsysteme brauche ich wirklich? Beim Gebrauchtwagenkunden, was bedeutet digital gepflegt? Beim Flottenkunden, wie halte ich meine Mobilität am Laufen, wenn Personal und Logistik knapp sind?
SPEAKER_01Und dann kommt noch die strategische Ebene. Einige markengebundene Händler schauen sich zusätzliche Marken oder Geschäftsfelder an, um Risiken breiter zu streuen. Nicht aus Abenteuerlust, sondern weil Abhängigkeit von einer Marke, einer Modellpolitik, einem Margensystem gefährlich werden kann.
SPEAKER_00Warte mal, heißt das Mehrmarke als Sicherheitsgurt fürs Autohaus?
SPEAKER_01Schöner Satz. Ja, vielleicht. Aber Sicherheitsgurt heißt nicht, einfach irgendwas dazustellen. Mehrmarke bedeutet Schulung, Teileversorgung, Werkstattkompetenz, Prozesse, Standards, IT-Schnittstellen. Wenn du das nicht sauber planst, hast du nachher nicht weniger Risiko, sondern mehr Chaos.
SPEAKER_00Das ist so ein Punkt, den man leicht unterschätzt. Von außen sieht es aus wie neues Logo an die Fassade, fertig. Intern heißt es, wer kann die Fahrzeuge erklären? Wer darf sie reparieren? Wie laufen Garantieprozesse? Wo kommen Ersatzteile her? Und wie verhindere ich, dass das Team sagt, nicht noch ein System bitte?
SPEAKER_01Genau dieser Satz fällt wahrscheinlich in vielen Betrieben öfter als Chefs denken.
SPEAKER_00Sehr sicher. Wenn wir das mal bündeln. Software definierte Fahrzeuge, Assistenzpflichten, komplexere Schadenprozesse, Datenqualität bei Bewertungen, Fahrermangel, Me Markenstrategien, das klingt alles groß. Was ist dein praktischer Impuls für diese Woche?
SPEAKER_01Ich würde sagen, nehmt euch ein einziges digitales oder sicherheitsrelevantes Thema und macht daraus einen klaren Standard im Betrieb. Zum Beispiel, wie erklären wir Notbremsassistent und Kalibrierung? Ein Blatt für Verkauf, eins für Service, drei einfache Kundensätze. Nicht 80 Seiten Prozesshandbuch.
SPEAKER_00Liebe ich.
SPEAKER_01Und dann testen. Versteht es der Azubi? Versteht es der Kunde? Versteht es der Kollege am Telefon? Wenn ja, habt ihr einen echten Schritt gemacht.
SPEAKER_00Mein Impuls wäre, bei jedem Gebrauchtwagen nicht nur Lack, Reifen, Historie checken, sondern auch digitale Transparenz. Software stand, Assistenzsysteme, Nachweise. Und dann in der Anzeige oder im Gespräch nicht technisch prahlen, sondern Nutzen übersetzen.
SPEAKER_01Ja, Kundensprache schlägt fachchinesisch.
SPEAKER_00Immer. Steven, das war Folge 62. Überraschend viel Unsichtbares, das im Autohaus ziemlich sichtbar wird.
SPEAKER_01Schöner kann man es kaum sagen.
SPEAKER_00Danke euch fürs Zuhören. Wenn ihr im Betrieb gerade an Assistenzsystemen, digitaler Fahrzeugakte oder Mehrmarkenstrategie tüftelt, nehmt einen kleinen Prozess. Macht ihn klar, macht ihn wiederholbar. Wir hören uns in der nächsten Folge.
SPEAKER_01Bis dann und bleibt beweglich.