Im Podcast diskutieren Sina und Steven die aktuellsten News aus der Autohaus-Welt. Im Fokus stehen Entwicklungen, Trends und Themen, die Autohäuser, Werkstätten und die Automobilbranche bewegen.
Ob Digitalisierung, Kundenkommunikation, Vertrieb, Service, neue Technologien oder Veränderungen im Markt: Sina und Steven ordnen die wichtigsten Nachrichten ein, sprechen über Chancen und Herausforderungen und geben praxisnahe Impulse für den Autohaus-Alltag.
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- Pebble Beach als Bühne für exklusive Supersportwagen und limitierte Serien
- Halo-Effekt von High-End-Modellen auf normale Fahrzeuge im Autohaus
- Emotionale Markeninszenierung im Autohaus jenseits von Rabatt, Leasingrate und Lieferzeit
- Übersetzung von Design, Technologie und Performance exklusiver Modelle in Verkaufsgespräche
- Produktschulungen und Morgenrunden für Verkaufsteams zu neuen Premiummodellen
- Showroom-Impulse mit Clips, Bildmotiven und Fragen zu exklusiven Neuheiten
- Einbindung des Servicebereichs bei leistungsstarken und selten genutzten Fahrzeugen
- Kundenabend „Performance und Pflege“ mit Themen wie Lackschutz, Reifen, Bremsen und Batteriepflege
- Social-Media-Kommunikation von Autohäusern zu Herstellerneuheiten mit eigener Stimme
- Exklusive Fahrzeugpremieren als Gegenbewegung zu Plattformisierung, Gleichteilen, Software und Abo-Modellen
SPEAKER_01
Willkommen zu Folge 98. Steven, schön, dass du da bist. Ich habe das Gefühl, die Autohauswelt spricht gerade erstaunlich viel über, naja, eigentlich über Autos, die kaum jemand jemals im Hof stehen haben wird. Pebble Beach, Supercars, Einzelstücke, limitierte Serien. Warum ist das trotzdem relevant für den ganz normalen Autohaus-Alltag?
SPEAKER_00
Weil Begehrlichkeit eben nicht am Stückzahlziel hängt. Also klar, wenn da ein extrem seltener Sportwagen vorgestellt wird, verkauft der Händler um die Ecke davon nicht plötzlich fünf Stück am Samstagvormittag. Aber diese Fahrzeuge laden Marken emotional auf. Die sorgen dafür, dass Kunden überhaupt wieder sagen, boah, hast du den gesehen? Und genau dieser Satz ist im Verkauf Gold wert. Total. Weil du dann einen Gesprächseinstieg hast, der nicht mit Rabatt, Lieferzeit oder Leasingrate anfängt.
SPEAKER_01
Ja, und das ist ja fast schon Luxus inzwischen. Also ein Kundengespräch, das nicht sofort bei was geht am Preis startet.
SPEAKER_00
Exakt. Pebble Beach war früher gefühlt so dieses Oldtimer-Sammler Champagner auf dem Rasending. Und jetzt nutzen Hersteller diese Bühne immer stärker, um neue, sehr exklusive Modelle zu zeigen. Schneller, stärker, seltener. Das ist natürlich ein kleines Segment. Aber das Signal dahinter ist groß. Marken wollen wieder Faszination erzeugen. Nicht nur Effizienz, Reichweite, CO2, Software-Stand.
SPEAKER_01
Warte mal, das finde ich spannend. Weil Autohäuser ja oft sagen, wir müssen digitaler werden, schneller antworten, Lied sauber bearbeiten, Prozesse schlanker machen. Alles richtig. Aber wenn die Emotion fehlt, wird's halt Excel mit Reifen.
SPEAKER_00
Excel mit Reifen, sehr schön.
SPEAKER_01
Ist doch so. Der Kunde kommt rein und dann liegen da Finanzierungsblätter, Ausstattungscodes, Lieferfristen. Aber nirgendwo steht, warum macht mich dieses Auto an? Warum drehe ich mich nochmal um, wenn ich abgeschlossen habe?
SPEAKER_00
Ja, ja, genau.
SPEAKER_01
Und diese High-End-Neuheiten liefern eben Bilder, Geschichten, Haltung.
SPEAKER_00
Genau, und jetzt kommt der praktische Teil. Ein Autohaus muss so ein Modell nicht im Bestand haben, um davon zu profitieren. Es reicht oft, wenn das Team die Story kennt. Nicht auswendig wie eine Pressemappe, sondern so, dass man im Gespräch sagen kann, schauen Sie mal, diese Designsprache, diese Technologie, dieses Performance-Denken, das sehen Sie in abgeschwächter Form auch hier bei unserem Modell.
SPEAKER_01
Also Halo-Effekt, aber bodenständig übersetzt.
SPEAKER_00
Genau. Der Supersportler macht die Marke begehrlich. Und der Kunde kauft vielleicht den SUV, den Kombi, den Gran Turismo, was auch immer. Aber er kauft ein Stück von dieser Strahlkraft mit. Und da sehe ich in vielen Betrieben noch Luft nach oben. Da steht dann ein Verkäufer neben einem Premium-Fahrzeug und redet zuerst über Kofferraumvolumen. Nicht falsch, ne? Kofferraum ist wichtig. Aber wenn jemand emotional angefixt ist, dann musst du erstmal die Tür aufmachen für Begeisterung. Danach kannst du immer noch über Liter, Garantie und Wartung sprechen.
SPEAKER_01
Was wäre denn konkret dein Tipp? Sagen wir, ein Autohaus führt eine Premium-Marke. Vielleicht nicht direkt Supersportwagen, aber schon eher gehoben. In Pebble Beach werden exklusive Neuheiten gezeigt. Was macht das Autohaus am nächsten Tag anders?
SPEAKER_00
Erstens, Morgenrunde im Verkauf. Zehn Minuten. Was wurde gezeigt? Welche Designelemente, welche Leistungsdaten, welche Materialien, welche Idee steckt dahinter? 2. Zwei, drei Gesprächsbrücken formulieren. Also nicht, da gibt es ein Auto, das Sie sich eh nicht leisten können, sondern diese Linie zeigt, wo die Marke hin will. Drittens, im Schauraum kleine Impulse setzen. Ein Bildschirm, ein kurzer Clip, ein Bildmotiv, vielleicht ein Aufsteller mit einer Frage. Was macht ein Auto besonders?
SPEAKER_01
Nicht nur 0,99% Leasing.
SPEAKER_00
Bitte nicht nur. Natürlich braucht es Angebote. Aber wenn alles nach Abverkauf schreit, wirkt Premium schnell billig.
SPEAKER_01
Krass guter Satz.
SPEAKER_00
Und viertens, Service einbinden. Das vergessen viele. Gerade bei exklusiven oder leistungsstarken Fahrzeugen wollen Kunden wissen, wer kümmert sich später, wer versteht die Technik, wie wird gepflegt, gewartet, geschützt. Da kann die Werkstatt richtig Vertrauen aufbauen.
SPEAKER_01
Das heißt nicht nur Verkaufsevent, sondern auch Servicekompetenz sichtbar machen.
SPEAKER_00
Ja, vielleicht ein Abend für Bestandskunden, Performance und Pflege. Da muss kein Hypercar in der Mitte stehen, da reicht ein hochwertiges Kundenfahrzeug, ein Aufbereiter, ein Serviceberater, vielleicht jemand aus dem Teilebereich. Und dann redet man über Lackschutz, Reifen, Bremsen, Standzeiten, Batteriepflege bei selten genutzten Fahrzeugen. Das ist nah am Alltag und trotzdem emotional.
SPEAKER_01
Ich mag daran, dass es nicht so künstlich ist. Also nicht, wir tun jetzt mal so, als wären wir alle Konkurjuroren mit Leinenanzug. Sondern wir nehmen das Momentum und machen daraus etwas, das für unsere Kunden wirklich Nutzen hat.
SPEAKER_00
Genau. Und es gibt noch einen Punkt, Kundenkommunikation. Viele Autohäuser posten Neuheiten einfach mit Herstellerbild und jetzt informieren.
SPEAKER_01
Das ist, naja, schwierig.
SPEAKER_00
Ja. Besser wäre, ein Verkäufer oder eine Verkäuferin stellt sich kurz vor ein Modell im Showroom und sagt in 30 Sekunden, warum sprechen gerade alle über diese Formsprache und was davon finden Sie bei uns in der Ausstellung? Das wirkt viel persönlicher.
SPEAKER_01
Aber da kommt dann sofort, unsere Leute wollen nicht vor die Kamera.
SPEAKER_00
Klar. Dann fang klein an. Kein Hochglanzfilm. Ein kurzes Voice-Over, ein Foto aus dem Showroom, eine Story mit Umfrage. Was ist Ihnen wichtiger? Seltenheit, Leistung oder Design. Hauptsache, das Autohaus klingt nicht wie ein kopierter Prospekt.
SPEAKER_01
Ja, weil Menschen kaufen nicht bei Prospekten. Also meistens nicht.
SPEAKER_00
Noch nicht.
SPEAKER_01
Bitte nicht auf Ideen bringen. Was ich mich frage, ist diese neue Welle der extrem exklusiven Premieren auch eine Gegenbewegung zu der ganzen Rationalisierung im Markt? Also Plattformen, Gleichteile, Software, Abo-Modelle. Und dann kommen Hersteller und sagen, guckt mal, wir können noch träumen.
SPEAKER_00
Ja, ich glaube schon, die Branche ist in vielen Bereichen sehr technisch, sehr regulatorisch, sehr kostengetrieben geworden. Und diese seltenen Fahrzeuge sind fast wie ein Ventil. Sie zeigen, Auto kann noch Kunstobjekt sein, Statussymbol, Ingenieursleistung, Sammlerstück. Für Autohäuser heißt das aber nicht, dass sie abheben sollen. Im Gegenteil, Sie müssen diese großen Emotionen in kleine, glaubwürdige Kundenerlebnisse übersetzen.
SPEAKER_01
Gib mir ein Beispiel.
SPEAKER_00
Ein Kunde bringt sein Fahrzeug zur Inspektion. Statt nur Schlüssel abgeben, Rechnung fertig, könnte der Serviceberater sagen, übrigens, passend zur Marke haben wir gerade ein paar spannende Neuheiten im Gespräch. Wenn Sie fünf Minuten haben, zeige ich Ihnen nachher kurz was. Das ist keine harte Verkaufssituation. Das ist Beziehungspflege. Oder im Verkauf. Wenn jemand eigentlich ein vernünftiges Firmenfahrzeug sucht, kann man trotzdem einen emotionalen Anker setzen. Die gleiche Marke zeigt im Top-Segment gerade, wie sie Performance versteht. Bei Ihrem Modell merken Sie das eher an Fahrwerk, Lenkung, Sitzposition. Dann fühlt sich selbst die rationale Wahl wertiger an.
SPEAKER_01
Das ist schön, rationale Wahl wertiger machen. Und gleichzeitig muss man aufpassen, dass es nicht arrogant wird, oder? Gerade wenn es um seltene Luxusautos geht.
SPEAKER_00
Absolut, kein, das ist nur für besondere Kunden, sondern eher, das ist die Spitze dessen, was die Marke kann. Und jeder Kunde kann daran teilhaben, auch wenn er ein anderes Modell fährt. Über Design, über Servicequalität, über Beratung, über das Gefühl, ernst genommen zu werden.
SPEAKER_01
Also die eigentliche Aufgabe fürs Autohaus lautet, nicht neidisch nach Pebble Beach schauen, sondern fragen, was davon in den eigenen Betrieb passt.
SPEAKER_00
Perfekt zusammengefasst. Und manchmal sind es Kleinigkeiten, ein besser vorbereitetes Team, ein mutigerer Social Post, ein Verkäufer, der wieder mit leuchtenden Augen über Autos spricht. Das merkt der Kunde sofort.
SPEAKER_01
Und wenn die Augen nicht leuchten?
SPEAKER_00
Dann vielleicht erstmal Kaffee. Oder eine kurze Produktschulung, die nicht nur aus PDFs besteht.
SPEAKER_01
Sehr gut. Mein Fazit für Folge 98. Exklusive Neuheiten sind kein Randthema für ein paar Sammler, sondern ein Erinnerungszettel an die Branche. Autos brauchen wieder Geschichten. Und Autohäuser können diese Geschichten vor Ort lebendig machen.
SPEAKER_00
Ja, und bitte mit eigener Stimme, nicht mit Katalog Deutsch.
SPEAKER_01
Amen. Steven, danke dir. Und euch danke fürs Zuhören. Bis zur nächsten Folge. Bleibt neugierig, bleibt nah an euren Kunden und vergesst nicht. Ein bisschen Gänsehaut verkauft manchmal besser als die dritte Nachkommastelle in der Rate.