Im Podcast diskutieren Sina und Steven die aktuellsten News aus der Autohaus-Welt. Im Fokus stehen Entwicklungen, Trends und Themen, die Autohäuser, Werkstätten und die Automobilbranche bewegen.
Ob Digitalisierung, Kundenkommunikation, Vertrieb, Service, neue Technologien oder Veränderungen im Markt: Sina und Steven ordnen die wichtigsten Nachrichten ein, sprechen über Chancen und Herausforderungen und geben praxisnahe Impulse für den Autohaus-Alltag.
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- Karrierewege in Autohäusern von Praktikum, Ausbildung bis Quereinstieg
- Glinicke als Beispiel für offensive Arbeitgeberkommunikation
- Quereinsteiger aus Hotellerie, Einzelhandel und Logistik im Autohaus
- Sichtbarmachung echter Mitarbeitergeschichten im Recruiting
- Onboarding und Buddy-Systeme für neue Mitarbeitende
- Schülerpraktika, Werkstatttage, Elternabende und Schulkooperationen
- Berufsbild Kfz-Mechatronik mit Diagnosetechnik und Problemlösung
- Kaufmännische Aufgaben im Autohaus: Buchhaltung, Disposition, Marketing, Garantie, Serviceassistenz, Teilelogistik
- Anpassung von Stellenanzeigen für Quereinsteiger
- Bezahlungstransparenz und Entwicklungsperspektiven im Recruiting
- Wettbewerb der Autohäuser mit Industrie, Handel, öffentlichem Dienst und Start-ups um Fachkräfte
- Erster Arbeitstag und Mitarbeiterbindung im Autohaus-Betrieb
SPEAKER_01
Hallo und willkommen zu Folge 103, Sina hier. Und Steven sitzt mir gegenüber mit diesem Blick, der sagt, es gibt keine fette Modellpremiere, aber trotzdem Gesprächsstoff.
SPEAKER_00
Absolut. Hallo zusammen. Ich würde sogar sagen, gerade weil es nicht der nächste große Autoknall ist, wird's spannend. In vielen Autohäusern dreht sich gerade viel um Menschen. Nachwuchs, Quereinsteiger, Ausbildung, Karrierewege. Also nicht Blech, sondern Betrieb.
SPEAKER_01
Schön gesagt.
SPEAKER_00
Danke, war auch vorbereitet.
SPEAKER_01
Okay, dann lass uns da direkt rein. Mir ist aufgefallen, dass Händlergruppen wieder sehr offensiv zeigen, hey, bei uns kannst du nicht nur Verkäufer oder Kfz-Mechatroniker werden, sondern vom Schülerpraktikum bis zum Quereinstieg gibt es irgendwie zehn Türen rein. Klinike ist da gerade so ein Beispiel, das in der Branche herumgereicht wird.
SPEAKER_00
Ja genau, und es ist viel mehr als so ein hübsches Karriereposter im Eingangsbereich. Früher war es oft, wir suchen Azubis, bitte bewerben, Punkt. Heute müssen Autohäuser erklären, wie ein Berufsleben bei ihnen aussehen kann. Was passiert nach der Ausbildung? Kann ich wechseln? Vom Service in den Verkauf, vom Teilelager ins Marketing, vom Büro in die Dispo. Diese Beweglichkeit ist ein echtes Argument.
SPEAKER_01
Und gerade bei Quereinsteigern finde ich das spannend. Weil viele denken ja immer noch, Autohaus, da musst du Benzin im Blut haben und seit dem fünften Lebensjahr wissen, was ein Drehmoment-Schlüssel ist.
SPEAKER_00
Oder du wurdest quasi in einer Direktannahme geboren.
SPEAKER_01
Genau. Aber in Wahrheit brauchen die Betriebe ja Leute mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten. Organisation, Empathie, kaufmännisches Denken, Ruhe am Telefon, Konfliktfähigkeit. Also vieles davon lernt man nicht zwingend in der klassischen Autolaufbahn.
SPEAKER_00
Ja. Und da steckt für Autohäuser eine riesige Chance drin. Wenn jemand aus der Hotellerie kommt, aus dem Einzelhandel, aus der Logistik, dann bringt die Person oft Serviceverständnis mit. Vielleicht keine Ahnung von Garantieprozessen, klar. Aber die Haltung gegenüber Kunden, die ist manchmal Gold wert. Fachwissen kann man aufbauen. Haltung ist schwerer nachzuschulen.
SPEAKER_01
Oh, guter Satz.
SPEAKER_00
Schreib ihn auf.
SPEAKER_01
Schon passiert. Aber jetzt mal praktisch. Wenn ein Autohaus merkt, wir kriegen kaum Bewerbungen, was wäre dein erster Hebel? Nicht die große Employer-Branding-Kampagne mit Drohne über dem Schauraum, sondern wirklich Montagmorgen 10 Uhr.
SPEAKER_00
Erster Hebel, die Karrierewege sichtbar machen. Und zwar konkret. Nicht bei uns haben Sie Entwicklungsmöglichkeiten, das klingt wie aus dem Kopierer. Sondern Anna hat als Auszubildende im Service angefangen und koordiniert heute Werkstatttermine. Mehmet kam aus dem Einzelhandel und ist jetzt im Teilevertrieb. Lisa hat ein Praktikum gemacht und leitet inzwischen ein kleines Team. Solche Geschichten. Echt, kurz, mit Gesicht und dann bitte nicht nur auf irgendeiner Unterseite verstecken, sondern im Betrieb leben. Beim Tag der offenen Tür, auf dem Bildschirm im Wartebereich, bei Schulbesuchen, auf den Ausbildungsflyern. Menschen bewerben sich nicht bei Prozessen, sie bewerben sich bei Menschen.
SPEAKER_01
Das klingt so simpel, aber viele machen es nicht. Oder sie machen es zu glatt, da steht dann dynamisches Team, familiäres Umfeld, attraktive Vergütung. Und man denkt, okay, das steht halt überall.
SPEAKER_00
Jaja, dieses Bullshit-Bingo.
SPEAKER_01
Darf man das sagen?
SPEAKER_00
Im Podcast locker.
SPEAKER_01
Gut, dann Bullshit-Bingo. Aber ernsthaft. Ich glaube, junge Leute merken sofort, wenn das nur Fassade ist. Wenn auf der Karriereseite alle lächeln und im echten Betrieb keiner guten Morgen sagt, dann ist die Show nach zwei Tagen Praktikum vorbei.
SPEAKER_00
Exakt, und da sind wir beim zweiten Hebel, onboarding. Viele Autorhäuser kämpfen hart um Bewerber und verlieren sie dann in den ersten vier Wochen, weil niemand richtig zuständig ist. Der neue Azubi steht rum, der Quereinsteiger bekommt fünf Systeme erklärt und keinen Kontext. Und nachmittags heißt es, ja, musste halt fragen, wenn was ist.
SPEAKER_01
Uff.
SPEAKER_00
Ja. Und fragen ist schwer, wenn du noch gar nicht weißt, was du nicht weißt.
SPEAKER_01
Das ist so war. Ich hatte neulich ein Gespräch mit einem Serviceleiter, der meinte, sie haben für neue Leute jetzt so eine Art Buddy-System. Nicht revolutionär, aber wirksam. Eine feste Person, täglicher kurzer Check-in, erste Woche mit Plan, zweite Woche mit kleinen eigenen Aufgaben, dritte Woche Feedback. Und plötzlich bleiben Leute.
SPEAKER_00
Genau das, kein Raketenbau. Aber es braucht Disziplin. Und Führungskräfte müssen verstehen, Nachwuchsgewinnung ist nicht nur HR, das ist Teamaufgabe. Wenn der Werkstattmeister genervt auf jede Frage reagiert, kann das beste Recruiting vorne nichts retten.
SPEAKER_01
Jetzt wird es kurz unbequem.
SPEAKER_00
Muss auch mal, weil viele Betriebe sagen, der Markt gibt keine Leute her. Stimmt teilweise. Aber manchmal gibt der Betrieb auch keine gute Erfahrung her. Das tut weh, aber da muss man ehrlich sein.
SPEAKER_01
Okay, aber lass uns nicht nur schimpfen. Was machen gute Autohäuser denn gerade besser?
SPEAKER_00
Sie öffnen früher die Tür. Schülerpraktika, Werkstatttage, Elternabende, Kooperationen mit Schulen. Und sie erklären Berufe anders. Nicht du wechselst Öl und Reifen, sondern du arbeitest mit Diagnosetechnik, du löst Fehler, du sorgst dafür, dass Menschen mobil bleiben. Im Verkauf nicht du verkaufst Autos, sondern du berätst bei großen Entscheidungen, du koordinierst, du baust Beziehungen auf.
SPEAKER_01
Das verändert sofort den Klang des Jobs.
SPEAKER_00
Total, und beim kaufmännischen Bereich genauso. Viele Jugendliche wissen gar nicht, was in einem Autohaus alles passiert. Buchhaltung, Disposition, Marketing, Garantie-Sachbearbeitung, Serviceassistenz, Teilelogistik. Das ist ein kleines Ökosystem.
SPEAKER_01
Autohaus als Dorf.
SPEAKER_00
Ja! Mit Kaffeemaschine als Dorfplatz.
SPEAKER_01
Und manchmal als Konfliktzone.
SPEAKER_00
Auch das.
SPEAKER_01
Was ich noch wichtig finde, Quereinsteiger brauchen andere Stellenanzeigen. Wenn da steht, drei Jahre Branchenerfahrung zwingend, Herstellerportalkenntnisse, DMS-Erfahrung, am besten gestern angefangen, dann fühlen sich alle raus, die man eigentlich gewinnen will. Man müsste viel klarer trennen. Was ist wirklich Pflicht? Was können wir beibringen? Und dann auch den Mut haben, Lernzeit einzuplanen. Sonst ist Quereinstieg nur ein schönes Wort.
SPEAKER_00
Ja, und da gehört auch Bezahlungstransparenz zumindest ein Stück weit dazu. Nicht jede Zahl muss öffentlich sein, okay. Aber wenn ich jemanden aus einem anderen Beruf holen will, muss diese Person einschätzen können, lohnt sich der Wechsel. Welche Perspektive gibt es nach sechs Monaten, nach einem Jahr? Sonst bleibt das Risiko komplett beim Bewerber.
SPEAKER_01
Und Autohäuser sind ja selbst im Wettbewerb. Nicht nur mit anderen Autohäusern, sondern mit Industrie, Handel, öffentlichem Dienst, Start-ups, allem.
SPEAKER_00
Genau. Und deshalb reicht dieses alte Selbstverständnis nicht mehr, wir sind eine bekannte Adresse in der Region, also kommen die Leute schon. Nein, man muss als Arbeitgeber genauso beraten, überzeugen und nachfassen wie im Vertrieb.
SPEAKER_01
Schöne Brücke. Recruiting als Verkaufsgespräch, aber bitte ohne Druck.
SPEAKER_00
Ja, eher als Beziehungsaufbau. Und da kann ein Autohaus seine regionale Stärke ausspielen. Kurze Wege, echtes Team, sichtbare Chefs, Kunden aus der Nachbarschaft. Wenn das glaubwürdig ist, ist das ein Pfund.
SPEAKER_01
Mein Impuls für die Woche wäre: Nehmt euch eine Stunde und fragt drei Mitarbeitende, wie bist du eigentlich hier gelandet? Was war dein erster Schritt? Was hat dich gehalten? Daraus entstehen wahrscheinlich bessere Karrieretexte als aus jedem Agenturworkshop.
SPEAKER_00
Sehr gut. Und mein Impuls, schaut euch euren ersten Arbeitstag an. Also wirklich aus Sicht einer neuen Person. Wo parkt sie? Wer begrüßt sie? Gibt es einen Plan? Weiß das Team Bescheid? Wenn das wackelt, da anfangen, nicht erst beim Hochglanzvideo.
SPEAKER_01
Obwohl Hochglanzvideo mit Kaffeemaschine als Dorfplatz.
SPEAKER_00
Bitte nicht.
SPEAKER_01
Okay, gestrichen. Steven, danke dir. Das war weniger Motorhaube, mehr Menschen. Aber ich glaube, genau das bewegt die Autohäuser gerade massiv.
SPEAKER_00
Absolut, und am Ende hängen Umsatz, Servicequalität und Kundenzufriedenheit eben an Leuten, die morgens gern durch die Tür kommen. Klingt kitschig, ist aber so.
SPEAKER_01
Damit machen wir zu. Danke fürs Zuhören, bleibt dran, schaut auf eure Teams und bis zur nächsten Folge.