Im Podcast diskutieren Sina und Steven die aktuellsten News aus der Autohaus-Welt. Im Fokus stehen Entwicklungen, Trends und Themen, die Autohäuser, Werkstätten und die Automobilbranche bewegen.
Ob Digitalisierung, Kundenkommunikation, Vertrieb, Service, neue Technologien oder Veränderungen im Markt: Sina und Steven ordnen die wichtigsten Nachrichten ein, sprechen über Chancen und Herausforderungen und geben praxisnahe Impulse für den Autohaus-Alltag.
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
0:00
|
8:53
- Keyless-Systeme und Schutz vor Relay-/Verlängerungsangriffen
- Beratung im Autohaus zu Keyless-Sicherheit, Schlüsselaufbewahrung und Schutz-Zubehör
- LED-Nachrüstung bei Halogen-Scheinwerfern und Zulassungsfragen
- Abstimmung von Teileverkauf und Werkstatt bei zugelassenen LED-Kits
- Microcars mit 45-km/h-Begrenzung im Straßenverkehr
- Beratung zu Microcars für Jugendliche, Eltern, Senioren und Menschen ohne Pkw-Führerschein
- Sicherheit, Versicherung, Wintertauglichkeit, Reichweite und Ladeinfrastruktur bei Microcars
- Gestiegene Unfallzahlen im Ferienreiseverkehr um über 20 Prozent
- Schadenbusiness im Autohaus: Karosserie, Lack, Gutachten, Ersatzwagen und Teileverfügbarkeit
- Reisecheck vor Urlaubsfahrten: Reifen, Licht, Wischer und Assistenzsysteme
- Freiwillige verkehrspsychologische Nachschulung bei Bußgeldverfahren
- Grenzen zwischen Mobilitätsberatung im Autohaus und Rechtsberatung
SPEAKER_01
Willkommen zu Folge 111. Sina hier und ich habe Steven wieder am Mikro. Steven, wir gehen heute mal ziemlich praktisch rein, oder? Also weniger große Konzernstrategie, mehr was steht morgen beim Serviceberater auf dem Tresen.
SPEAKER_00
Ja, absolut. Heute wird so richtig Autohausalltag. Schlüssel, Licht, kleine Fahrzeuge, Ferienverkehr. Klingt erstmal nach Gemischtwaranladen, ist aber alles ziemlich nah am Kunden dran.
SPEAKER_01
Fangen wir mit Kieles an. Ich finde das Thema ja faszinierend, weil es so ein typischer Komfort ist super, aber Problem bleibt, Fall ist.
SPEAKER_00
Oh ja.
SPEAKER_01
Es zeigt sich weiterhin, fast jedes zweite Fahrzeug mit Kieles-System ist nicht ausreichend gegen diese Verlängerungsangriffe geschützt. Also dieses Prinzip, dass das Signal vom Schlüssel abgegriffen oder verlängert wird und zack, Auto offen, Auto weg. Und das ist für Autohäuser, finde ich, nicht nur ein Sicherheitsthema, sondern ein Beratungsthema.
SPEAKER_00
Total, weil der Kunde kommt ja selten rein und sagt, bitte erklären Sie mir die Funkarchitektur meines Schlüssels. Der sagt, mein Nachbar hat gehört, Kieles ist unsicher, soll ich das überhaupt nehmen?
SPEAKER_01
Genau.
SPEAKER_00
Und dann darfst du nicht mit Schulterzucken reagieren. Da brauchst du zwei, drei saubere Sätze. Was kann das Fahrzeug? Gibt es Bewegungssensor im Schlüssel? Gibt es Deaktivierung im Menü? Gibt's eine Schutzhülle, die wirklich funktioniert? Und ganz wichtig, nicht Panik verkaufen, sondern Risiko einordnen.
SPEAKER_01
Ja, und vielleicht auch aktiv beim Auslieferungsgespräch ansprechen. Also nicht nur, hier ist der Schlüssel, viel Spaß, sondern hey, wenn Sie Kieles nutzen, legen Sie den Schlüssel daheim nicht direkt an die Haustür. Klingt banal, aber das ist ja genau der Alltag. Und Werkstätten könnten daraus sogar eine kleine Service-Aktion machen. Sicherheitscheck, Software-Stand prüfen, Zubehör zeigen, vielleicht so ein Mini-Handout. Nicht als Angst mache, eher als wir denken mit.
SPEAKER_00
Ja, das gute alte Handout. Aber ehrlich, manchmal wirkt ein sauberer A5-Zettel besser als die siebte App-Benachrichtigung.
SPEAKER_01
Frech aber wahr.
SPEAKER_00
Und es passt zu einem zweiten Thema, LED-Nachrüstung. Da kommen ja auch viele Kunden mit halbem Wissen rein. Die haben online gesehen, Hallo gehen raus, LED rein, fertig. Und dann steht die Werkstatt da und muss sagen, Moment, ganz so einfach ist es nicht.
SPEAKER_01
Weil zugelassenes Kit, richtige Freigabe, Fahrzeugmodell, Scheinwerfervariante.
SPEAKER_00
Genau, genau, und das ist der Punkt. LED kann ein echtes Sicherheitsplus sein. Besseres Licht, bessere Sicht, weniger Stress nachts. Aber wenn die Lampe nicht zugelassen ist, wird es problematisch. Für die Hauptuntersuchung, für die Versicherung im Ernstfall und ganz banal für den Gegenverkehr, wenn es blendet. Na klar. Ich glaube, Teileverkauf und Serviceannahme sollten da richtig gut abgestimmt sein. Nicht, dass vorne einer sagt, ja, bestellen wir mal und hinten sagt der Meister, bauen wir nicht ein.
SPEAKER_01
Uch, das gibt schlechte Laune.
SPEAKER_00
Richtig schlechte Laune. Und dann heißt es wieder, das Autohaus weiß selbst nicht, was es tut. Dabei wäre es so einfach. Liste zugelassener Produkte, kurzer Prozess, klare Aussage. Passt, passt nicht, Alternative anbieten.
SPEAKER_01
Ich merke gerade, beide Themen haben so eine Gemeinsamkeit. Kunden bringen externe Erwartungen mit. Bei Kieles Komfort ohne Risiko. Bei LED mehr Licht ohne Bürokratie. Und das Autohaus muss übersetzen. Was geht sicher, was geht legal, was geht sinnvoll.
SPEAKER_00
Sehr schön gesagt, Übersetzerrolle, nicht Oberlehrerrolle.
SPEAKER_01
Ja! Bitte nicht, haben Sie etwa im Internet gekauft, sondern eher, zeigen Sie mal, was Sie da haben. Wir prüfen das.
SPEAKER_00
Exakt.
SPEAKER_01
Dann lass uns über Microcars sprechen. Diese auf 45 kmh begrenzten kleinen Fahrzeuge sieht man ja immer häufiger. Und ich gebe zu, ich schwanke zwischen niedlich und puh, das wird im Verkehr echt eng.
SPEAKER_00
Ja, vor allem auf Landstraßen oder in Stadtrandgebieten. Hinter so einem Fahrzeug bildet sich schnell eine kleine Kolonne. Leute werden ungeduldig, überholen an blöden Stellen und dann hast du ein Konfliktpotenzial, das gar nicht vom Mikrocar allein ausgeht, sondern vom Umfeld. Für Autohäuser ist spannend, wer berät diese Kunden eigentlich? Jugendliche, Eltern, ältere Menschen, Menschen ohne normalen Pkw-Führerschein. Das sind sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Da geht es um Sichtbarkeit, passive Sicherheit, Versicherung, Wintertauglichkeit, Reichweite, Ladepunkt, Abstellplatz.
SPEAKER_01
Und um Erwartungsmanagement. Also wenn Eltern denken, das ist quasi ein kleines Auto, nur günstiger, dann muss man schon sagen, naja, also es ist eben kein normaler Kleinwagen. Geschwindigkeit, Schutz, Fahrverhalten, alles anders.
SPEAKER_00
Ja, und gleichzeitig nicht abwerten, für manche ist so ein Microcar echte Mobilität. Der 16-Jährige kommt zur Ausbildung, die Seniorin wieder zum Supermarkt. Das ist schon wertvoll. Aber die Beratung muss ehrlich sein. Vielleicht sogar Probefahrt mit Eltern dazu. Einmal erleben, wie fühlt sich 45 kmh an, wenn hinten ein Lieferwagen hängt? Das ersetzt keine Broschüre.
SPEAKER_01
Diese Probefahrt wäre wahrscheinlich sehr lehrreich und sehr langsam.
SPEAKER_00
Entschleunigung als Verkaufsargument.
SPEAKER_01
So, und jetzt Ferienverkehr. Da sind die Unfallzahlen deutlich hochgegangen. Über 20% mehr im Ferienreiseverkehr. Das merkt man im Schadenbusiness natürlich. Karosserie, Lack, Gutachten, Ersatzwagen, Teileverfügbarkeit. Da hängt sofort eine ganze Kette dran.
SPEAKER_00
Ja, und Betriebe sollten da nicht erst reagieren, wenn der Hof vollsteht. Saisonplanung ist da wirklich Gold wert. Wer macht Schadenannahme? Wie werden Bilder aufgenommen? Welche Partner sind für Glas, Lack, Abschleppen verfügbar? Und ganz wichtig, wie schnell bekommt der Kunde eine klare nächste Info?
SPEAKER_01
Nicht nur wir melden uns.
SPEAKER_00
Genau, sondern wir melden uns bis morgen Mittag mit dem nächsten Schritt. Das beruhigt enorm.
SPEAKER_01
Gleichzeitig kann man vor der Reise viel abfangen. Reisecheck, Reifenluftdruck, Profil, Licht, Wischer, Assistenzsysteme sauber. Viele Kunden denken erst an sowas, wenn sie schon halb auf der Autobahn sind und das Auto voll bis unters Dach ist.
SPEAKER_00
Und wenn der Hund schon angeschnallt ist.
SPEAKER_01
Genau, dann ist es zu spät für den Bremsflüssigkeitswechsel.
SPEAKER_00
Was ich dabei spannend finde, das Schadenbusiness ist oft emotional. Nach einem Unfall sind Menschen genervt, unsicher, manchmal auch beschämt. Ein Autohaus, das dann strukturiert und ruhig führt, gewinnt unfassbar Vertrauen. Und das ist nicht nur Reparaturumsatz, das ist Kundenbindung. Wer mir nach einem Blechschaden wirklich geholfen hat, dem glaube ich später auch beim nächsten Autokauf mehr.
SPEAKER_01
Jetzt noch ein kleiner rechtlicher Seitenschlenker. Freiwillige verkehrspsychologische Nachschulung. Klingt erstmal nicht nach Autohausthema, aber es kann in Einzelfällen helfen, dass ein Bußgeldverfahren eingestellt wird.
SPEAKER_00
Echt jetzt?
SPEAKER_01
Ja, im Einzelfall. Nicht als Zaubertrick, nicht als Versprechen. Aber für Flottenkunden, Vielfahrer, Außendienstler kann das ein Hinweis sein. Es gibt Möglichkeiten, Verantwortung zu zeigen. Und manchmal wirkt das eben positiv.
SPEAKER_00
Da muss man aber sauber bleiben. Das Autohaus ist keine Rechtsberatung.
SPEAKER_01
Absolut.
SPEAKER_00
Aber es kann sagen, sprechen Sie mit einem Fachanwalt oder einer geeigneten Beratungsstelle. Es gibt solche Maßnahmen. Gerade Fuhrparkleiter sind dankbar, wenn man nicht nur Bremsbelege verkaufen will, sondern auch den Mobilitätsalltag versteht.
SPEAKER_01
Das ist eigentlich der rote Faden der Folge. Näher an den Alltag ran. Kieles nicht technisch wegwischen, LED nicht einfach verkaufen, Microcars nicht belächeln. Ferienunfälle nicht nur abarbeiten. Und bei rechtlichen Themen wissen, wo die Grenze ist.
SPEAKER_00
Genau! Und mein Praxisimpuls wäre, macht aus jedem dieser Themen einen kleinen Gesprächsbaustein fürs Teammeeting. Fünf Minuten pro Thema. Was sagen wir dazu? Wer ist verantwortlich? Gibt es ein Angebot, eine Checkliste, einen Hinweis auf der Rechnung oder im Wartebereich?
SPEAKER_01
Sehr gut. Nicht die riesige Strategiepräsentation.
SPEAKER_00
Bitte nicht.
SPEAKER_01
Sondern wirklich, was sagt Frau Müller an der Serviceannahme, wenn der Kunde mit LED-Lampen aus dem Zubehörhandel kommt? Was sagt der Verkäufer, wenn jemand Kieles skeptisch findet? Was sagt der Serviceleiter, wenn Montagmorgen drei Urlaubsschäden auf dem Hof stehen?
SPEAKER_00
Hm. Und was sagt man, wenn ein 16-Jähriger mit Mikrocarwunsch reinkommt und die Eltern daneben schon innerlich den Kaufvertrag unterschrieben haben?
SPEAKER_01
Dann sagt man, erstmal setzen wir uns alle hin.
SPEAKER_00
Sehr gut, Kaffee für die Eltern, Kakao für den Fahrer.
SPEAKER_01
Steven, schönes Schlussbild. Das war Folge 111 mit ziemlich viel Praxis. Ein bisschen Licht, ein bisschen Schlüssel, ein bisschen Ferienchaos.