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WTI über 102 Dollar – Drohnenangriffe treiben Ölpreis

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WTI klettert den dritten Tag in Folge und notiert nahe 102,70 Dollar. Drohnenangriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien heizen die Risikoprämie an. Wir analysieren, wie weit die Rally trägt, bevor Nachfrageeinbußen einsetzen.

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Willkommen zurück zu eurem Trading Podcast, schön, dass ihr wieder dabei seid. Heute schauen wir auf den Ölmarkt, denn die Lage am persischen Golf hat den Rohstoff erneut in Bewegung gebracht. West Texas Intermediate, kurz WTI, handelt zum Wochenstart in der asiatischen Sitzung bei rund 102,70 US-Dollar je Barrow. Das ist der dritte Anstiegstag in Folge, und der Auslöser ist eindeutig geopolitisch. Am Wochenende kam es zu erneuten Drohnenangriffen auf Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Saudi-Arabien. Beide Länder gehören zu den Schwergewichten der OPEC und zusammen fördern sie täglich mehrere Millionen Barrel Rohöl. Jeder Angriff auf Infrastruktur, sei es auf Raffinerien, Pipelines oder Verladeterminals, weckt sofort die Sorge vor Lieferausfällen. Genau das sehen wir aktuell im Preis. Händler bauen eine sogenannte Risikoprämie ein, also einen Aufschlag, der nichts mit der realen Angebots- und Nachfragelage zu tun hat, sondern allein die Wahrscheinlichkeit künftiger Störungen abbildet. Werfen wir einen Blick auf den Hintergrund. Der Ölmarkt war schon vor diesen Angriffen angespannt. Die OPEC Plus hält an ihrer vorsichtigen Förderpolitik fest, mehrere Mitgliedsländer können ihre offiziellen Quoten nicht einmal erfüllen, weil Investitionen in den vergangenen Jahren ausgeblieben sind. Gleichzeitig bleiben die strategischen Reserven der Vereinigten Staaten auf einem historisch niedrigen Niveau. Auf der Nachfrageseite zeigt sich China nach den Lockerungen der Corona-Beschränkungen wieder lebhafter, und auch die Reisesaison in der nördlichen Hemisphäre stützt den Verbrauch. In dieses ohnehin enge Marktumfeld treffen nun die Nachrichten aus dem Nahen Osten wie ein Funke in ein trockenes Pulverfass. Kommen wir zur Marktreaktion. WTI hat seit Freitag rund 3% zugelegt, die Nordseesorte brennt, handelt entsprechend höher in der Region von 107 US-Dollar. Auffällig ist, dass nicht nur der Spotpreis steigt, sondern auch die Terminkurve weiter in Backwardation rutscht. Das bedeutet, kurzfristige Lieferungen werden teurer gehandelt als spätere Termine, ein klassisches Zeichen für eine angespannte physische Versorgung. An den Aktienmärkten profitieren Ölwerte wie ExxonMobil, Chevron oder die europäischen Schwergewichte Shell und Total Energies. Gleichzeitig kommen Fluggesellschaften und Logistikunternehmen unter Druck, weil höhere Treibstoffkosten direkt auf ihre Margen durchschlagen. Am Devisenmarkt sehen wir den klassischen Reflex, der kanadische Dollar und die norwegische Krone, beides Rohstoffwährungen, zeigen sich fester gegenüber Euro- und US-Dollar. Auch Gold legt leicht zu, weil Anleger geopolitische Absicherung suchen. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen ziehen ebenfalls an, denn höhere Energiepreise heizen die Inflationssorgen weiter an und erhöhen den Druck auf die Notenbanken, an ihrem restriktiven Kurs festzuhalten. Was bedeutet das nun konkret für Trader? Zunächst einmal sollte man sich bewusst machen, dass geopolitisch getriebene Rallyes eine eigene Dynamik haben. Sie können sehr schnell sehr weit laufen, aber genauso abrupt drehen, sobald eine Deeskalation in Sicht ist oder zumindest erwartet wird. Wer im Öl long positioniert ist, sollte enge Stops in Betracht ziehen, denn ein einziger diplomatischer Tweet kann mehrere Prozent aus dem Preis nehmen. Auf der charttechnischen Seite ist die Marke von 105 Dollar bei WTI ein wichtiger Widerstand, darüber öffnet sich Raum bis 110. Auf der Unterseite bietet der Bereich um 98 bis 100 Dollar halt. Wichtig ist auch der Blick auf das, was Analysten Nachfragezerstörung nennen. Sobald die Preise zu lange zu hoch bleiben, beginnen Verbraucher zu sparen, Industrien drosseln die Produktion, und Regierungen greifen mit Subventionen oder Reservefreigaben ein. Genau dieser Punkt könnte näher rücken, falls WTI nachhaltig über 110 Dollar steigt. Wer im Aktiendepot diversifizieren möchte, kann Energiewerte als natürlichen Hedge gegen Inflation und geopolitische Risiken nutzen, sollte aber die hohe Volatilität dieser Titel nicht unterschätzen. Für kurzfristige Trader bieten sich Optionen oder CFDS auf den Ölpreis an, allerdings nur mit klarem Risikomanagement. Zum Abschluss der Ausblick. In den kommenden Tagen werden die Schlagzeilen aus Riyad und Abu Dhabi den Markt dominieren. Achtet auf offizielle Stellungnahmen der saudischen Ölgesellschaft Aramco und auf die wöchentlichen Lagerbestandsdaten aus den Vereinigten Staaten. Solange keine Deeskalation gelingt, bleibt der Part des geringsten Widerstands für den Ölpreis nach oben gerichtet. Danke fürs Zuhören, bleibt diszipliniert und bis zur nächsten Folge.