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Anleiherenditen steigen – warum Aktienmärkte das Risiko unterschätzen

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Investoren warnen vor einem möglichen Renditeschock am Anleihemarkt, der die unvorbereiteten Aktienmärkte treffen könnte. Besonders Technologie- und Wachstumswerte stehen im Fokus. Wir analysieren die Lage und was Trader jetzt beachten sollten.

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Herzlich willkommen zurück zu unserem Trading Podcast. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Heute schauen wir auf ein Thema, das in den letzten Tagen immer lauter an den Märkten diskutiert wird: die steigenden Anleiherenditen und die Frage, warum die Aktienmärkte dieses Risiko bisher weitgehend ignorieren. Investoren warnen mittlerweile offen davor, dass ein plötzlicher Renditesprung der Auslöser für die nächste Korrektur werden könnte. Besonders Technologie und Wachstumsaktien stehen im Fokus. Werfen wir zunächst einen Blick auf den Hintergrund. Die Renditen auf zehnjährige US-Staatsanleihen haben sich in den vergangenen Wochen wieder nach oben bewegt und nähern sich erneut kritischen Marken. Auch in Europa ziehen die Renditen an, getrieben von hartnäckiger Inflation, robusten Arbeitsmarktdaten und einer Notenbankpolitik, die zwar Zinssenkungen in Aussicht stellt, sich damit aber sichtlich Zeit lässt. Hinzu kommt eine massive Emissionsflut, das US-Finanzministerium muss enorme Summen am Markt unterbringen, um die Haushaltsdefizite zu finanzieren. Wenn das Angebot an Anleihen schneller wächst als die Nachfrage, müssen die Renditen logischerweise steigen, damit Käufer gefunden werden. Genau das passiert gerade im Hintergrund, während die Aktienmärkte in vielen Indizes weiter neue Hochs markieren oder zumindest sehr nah dran sind. Kommen wir zur Marktreaktion. Und genau hier liegt das Problem, vor dem mehrere prominente Investoren warnen. Die Aktienmärkte preisen aktuell ein nahezu perfektes Szenario ein. Stabile Gewinne, sinkende Zinsen im Jahresverlauf, eine sanfte Landung der Konjunktur und obendrauf den künstliche Intelligenzboom. Der Sund P500 notiert auf historisch hohen Bewertungsniveaus, das Kursgewinnverhältnis liegt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Der Nasdaq ist von wenigen Megacaps getrieben, der DAX hat sich oberhalb von 22.000 Punkten etabliert. Doch unter der Oberfläche zeigt sich Nervosität. Die Risikoprämie für Aktien gegenüber Anleihen ist auf den niedrigsten Stand seit über 20 Jahren gefallen. Im Klartext: Anleger bekommen für das Risiko, in Aktien investiert zu sein, kaum noch eine Mehrrendite gegenüber risikoarmen Staatsanleihen. Sollte die Rendite 10jähriger Tregeries spürbar über die Marke von 4,5% steigen, könnten Umschichtungen einsetzen. Großanleger, Versicherungen und Pensionsfonds würden Kapital aus Aktien abziehen und in Anleihen umparken. Das wäre der klassische Auslöser für einen Ausverkauf, und der würde zuerst die zinsensitivsten Segmente treffen. Was bedeutet das nun konkret für Trader? Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, welche Sektoren bei einem Renditeschock am stärksten unter Druck geraten. Das sind in erster Linie Wachstumswerte, deren Bewertungen stark von zukünftigen Gewinnen abhängen. Je höher der Diskontierungszins, desto niedriger der heutige faire Wert dieser zukünftigen Gewinne. Technologieaktien, insbesondere die hochbewerteten künstliche Intelligenznamen, sind hier besonders anfällig. Aber auch Immobilienwerte, Versorger und kleinere Unternehmen mit hohem Refinanzierungsbedarf gehören zu den Verlierern. Profiteure wären dagegen Banken, weil sie von steigenden Zinsmargen profitieren, sowie defensive Sektoren mit stabilen Cashflows und niedrigen Bewertungen. Trader sollten ihre Portfoliopositionen also kritisch durchleuchten. Wie hoch ist mein Anteil an langlaufenden Wachstumsstories? Habe ich Klumpenrisiken in einzelnen Technologietiteln? Ein Blick auf die impliziten Volatilitäten am Optionsmarkt zeigt zudem, dass Absicherungen über Put-Optionen aktuell vergleichsweise günstig sind. Wer das Risiko ernst nimmt, kann Hedges aufbauen, ohne dabei sofort komplett aus dem Markt zu gehen. Auch das Beobachten der Anleiherenditen sollte Pflicht werden. Die 10-jährige US-Rendite ist derzeit der wichtigste Indikator für die Risikobereitschaft am Aktienmarkt. Wer hier morgens einen kurzen Blick auf die Charts wirft, erkennt Stimmungswechsel oft früher als jede Schlagzeile. Und nicht zuletzt, Liquidität ist ein Asset. Cash zu halten ist in Phasen erhöhter Unsicherheit keine verlorene Zeit, sondern Optionalität. Wer Pulver trocken hält, kann bei einer Korrektur deutlich günstiger nachkaufen. Kommen wir zum Ausblick. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Renditen weiter steigen oder ob neue Konjunkturdaten und Aussagen der Notenbanken den Druck mildern. Klar ist, die Diskrepanz zwischen sorglosen Aktienmärkten und nervösen Anleihemärkten kann nicht ewig bestehen. Eine der beiden Seiten wird sich anpassen müssen. Bleibt wachsam, beobachtet die Renditen und denkt an Risikomanagement. Wir hören uns in der nächsten Folge wieder. Bis dahin, gute Trades und einen kühlen Kopf!