Ungehalten - Der Wochenkinder-Podcast
Willkommen bei „Ungehalten“ – dem autobiografischen Podcast der Wochenkinder. Wir sind Nelia und Alexander. Wir wollen herausfinden, wie die Kindheit mit dem Erwachsenenleben zusammenhängt und ob es tatsächlich nie zu spät ist, eine glückliche Kindheit zu haben.
Wir wollen erklären, was Wochenkinder sind, was das mit den Kindern, den Eltern und Erziehern gemacht hat und wie es den Wochenkindern heute geht. Wir werden unsere Geschichten erzählen und Erziehungswissenschaftler, Psychotherapeuten sowie Kulturschaffende zur Kinderbetreuung befragen. Denn die Frage wann gebe ich mein Kind erstmals dauerhaft in fremden Händen ist auch heute umstritten und ein hoch emotionales Thema.
Ungehalten ist ein Podcast von Wochenkindern für Wochenkinder und alle, die herausfinden wollen, warum wir so ticken, wie wir ticken und was das mit unserer Kindheit zu tun hat.
Beginnend am 1. Juni 2026 erscheint alle zwei Wochen eine neue Folge immer am Montagmorgen.
Der Podcast ist ein Projekt des „Wochenkinder eV“ und wurde durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.
Ungehalten - Der Wochenkinder-Podcast
05 - Allein gelassen: Alexanders Kindheit in der Wochenkrippe
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In dieser sehr persönlichen Folge von „Ungehalten" öffnet sich Podcast-Host Alexander und erzählt erstmals ausführlich von seiner eigenen Kindheit als Wochenkind in der DDR der 1970er Jahre. Schon mit neun Monaten wurde er unter der Woche in eine Wochenkrippe in Leipzig gegeben, weil seine alleinerziehende Mutter keine andere Betreuung fand und schon nach sechs Wochen wieder arbeiten musste.
Zwischen alten Fotos, Entwicklungsbögen und den liebevoll zusammengestellten Erinnerungsbüchern seiner Mutter sucht Alexander nach Spuren einer Zeit, an die er sich selbst kaum erinnern kann – und stößt dabei auf schmerzhafte Details, etwa die Vermutung, seine Geburtstage ganz allein in der Krippe verbracht zu haben.
Offen und mit spürbarer Zurückhaltung spricht er über das Gefühl des Verlassenseins, über nächtliche Einsamkeit als Schlüsselkind und darüber, wie schwer es ihm bis heute fällt, große Nähe und Liebe wirklich anzunehmen.
Zwischen Dankbarkeit für seine Mutter und leiser Wut über ein System, das Mütter zur schnellen Trennung von ihren Babys zwang, entsteht ein bewegendes Porträt kindlicher Prägung – und die Ankündigung, dass seine Mutter in der nächsten Folge selbst zu Wort kommen wird.
Ich kann mich auch erinnern, dass ich am Wochenende früh wach geworden bin und es war niemand da. Dann kamen sie eben nach Hause, aber da war es eben schon um sieben oder um acht. Klar, alleinerziehend, ich war eben doch ein klassisches Schlüsselkind auch. Also ich bin erste Klasse, weiß ich nicht, vielleicht die erste Woche gebracht worden, aber danach bin ich immer alleine gegangen, natürlich. Willkommen bei Ungehalten, dem autobiografischen Podcast der Wochenkinder. Wir sind Nelja und Alexander, und wir wollen herausfinden, wie die Kindheit mit dem Erwachsenenleben zusammenhängt.
SPEAKER_02Und ob es tatsächlich nie zu spät ist, eine glückliche Kindheit gehabt zu haben. Ja, hallo Alexander.
SPEAKER_00Hallo Nilja, schön, dass es wieder klappt.
SPEAKER_02Ja, ich freue mich auch, dich zu sehen. Wir sind ja heute zu einer neuen Folge verabredet, in der wir mal beispielhaft in eine konkrete Biografie eintauchen wollen, also in eine Biografie eines Wochenkinds, nämlich in deine.
SPEAKER_00Uh. Die emotional ungewohnte Situation, ich soll mein innerstes nach außen kehren, ja.
SPEAKER_02Ja, bist du bereit?
SPEAKER_00Ich bemühe mich.
SPEAKER_02Dann fangen wir vielleicht einfach mal mit der Frage an, wie hast du denn erfahren, dass du Wochenkind warst?
SPEAKER_00Das war in meiner Familie kein Geheimnis. Insofern gab es jetzt nicht einen Tag, so nach dem Motto, du hast jetzt, wir sind nicht deine leiblichen Eltern, was wir dir immer schon mal sagen wollten oder so, wo es vielleicht so ein klares Datum gibt. Sondern das war eben einfach so und tauchte immer mal so zwischendurch in den Gesprächen auf und hat mich auch nicht weiter beschäftigt und ich habe dementsprechend auch nicht nachgefragt. Es hat mich dann eben erst beschäftigt, als ich selber Vater geworden bin und dann habe ich angefangen, auch selber Nachforschung anzustellen. Es gab damals aber noch nicht so viel, was man finden konnte. Es gab keine Bücher oder so, was man lesen konnte. Und dann, als eben die Frage anstand, dass mein Kind in die Krippe selber gehen soll, da war das eben auch nochmal so ein Thema. Da habe ich dann vielleicht intensiver nachgefragt, weil mir dann eben auch aufgefallen ist, was das für ein großer Schritt ist, eben zum ersten Mal in fremde Hände zu geben für längere Zeit. Und da ist mir das bewusst geworden. Und bei dem zweiten Kind eben nochmal, und da gab es dann auch zum ersten Mal so leichte Missstimmungen, vielleicht mit meiner Mutter. Also, ja.
SPEAKER_02Was hast du denn rausgefunden? Oder was weißt du denn über die Umstände, die jetzt in deinem Fall dazu geführt haben, dass du ein Wochenkind geworden bist?
SPEAKER_00Also ich glaube, der wichtigste Punkt war, dass meine Mutter, also erstmal musste man ja nach sechs Wochen wieder arbeiten gehen. Das war ja schon mal erstmal die Herausforderung und sie war alleinerziehend. Das heißt, ein Stück weit ist sozusagen mein Vater schuld, auch weil er sich da jetzt nicht groß gekümmert hat um die, um die Erziehung. Und dann hat sie eine Zeit überbrückt mit meiner Oma, die sich viel gekümmert hat, auch verkürzt gearbeitet hat, viele Wochenenden so auch gemacht hat oder mich abgeholt hat. Und natürlich meine Tante. Einmal war selber gerade schwanger und dann mit meiner Cousine eben war sie ja eh zu Hause und deswegen konnte sie sich auch kümmern und da haben sie eben die ersten neun Monate überbrückt und dann hat meine Mutter einfach gar keinen anderen Platz gefunden. Also ich glaube, das war einfach ein Problem, einen Betreuungsplatz zu finden, also einen Tageskrippenplatz. Ich nehme an, dass wenn sie einen bekommen hätte, dass sie den angenommen hätte, mich aber irgendwie unterbringen musste und es gab eben nur die Wochengrippe. Also es war jetzt kein Wunsch von ihr originär, mich in die Wochengrippe zu geben.
SPEAKER_02Du hast vorhin schon mal kurz anklingen lassen, deinen Vater, der ist ja in Anführungsstrichen, hast du so ein bisschen angedeutet, schuld gewesen wäre auch daran, an der Situation. Bist du sauer auf ihn? Machst du ihm Vorwürfe?
SPEAKER_00Nein, grundsätzlich mache ich überhaupt niemanden Vorwürfe, also weder meiner Mutter noch meinem Vater. Und natürlich hätte ich mir das anders gewünscht. Auch meine Mutter hätte sich das anders gewünscht. Auf der anderen Seite, man kann ja niemanden zwingen. Also das wäre die Alternative gewesen, ja, dass er aus reinem Pflichtgefühl da geblieben wäre und sie hätten dann geheiratet und sie hätte zu Hause bleiben können, aber sie wären nicht glücklich gewesen. Das wäre ja auch für alle Beteiligten irgendwie nicht schön gewesen. Und nach 30 Jahren hätte man festgestellt, wir lassen uns durchscheiden und alles ganz furchtbar. Und auch für ein Kind, was in unglücklichen Verhältnissen aufwächst. Ich weiß nicht, ob das, also das. Was er natürlich hätte machen können, er hätte sich von Anfang an kümmern können und er hat dann später sehr viel auch geholfen. Er hat immer, er war immer finanziell da, es ist ja auch keine Selbstverständlichkeit leider bei manchen Vätern. Er hat auch sonst, wo er helfen konnte, geholfen, also handwerklich oder was auch immer er besorgen konnte. Es gab ja, ging ja viel um Beziehungen in der DDR und die hat er auch immer spielen lassen, wenn er sie gehabt hat. Und er hat auch mich zeitlich betreut. Er hätte das natürlich noch stärker machen können, er hätte es von Anfang an machen können. Ich glaube, er hat am Anfang, er war einfach auch ein Stück weit überrascht oder geschockt. Und ich war ja jetzt in dem Sinne kein geplantes Kind, kein Wunschkind, sondern eher ein Unfall. Aber meine Mutter hatte sich dann sehr drauf gefreut und wollte mich unbedingt haben. Und meine Vermutung ist, dass das jetzt nicht abgesprochen war mit meinem Vater, also dass da unterschiedliche Erwartungen eine Rolle gespielt haben. Also meine Mutter hat wahrscheinlich gedacht, okay, wir sind zusammen und dann, wenn es dann ein Kind gibt, ist ja selbstverständlich, dass man sich dazu bekennt und dass dann der nächste Schritt kommt. Und für meinen Vater war wahrscheinlich genauso klar, nee, das ist zwar jetzt eine Beziehung, aber es ist eben locker und nein, ich will gar keine Kinder, schon gar nicht jetzt und ich will auch gar nicht heiraten. Er hat ja dann später ganz explizit gesagt, ich werde nie heiraten, ich will das nicht und ich werde vielleicht dann alleine alt werden und alleine sterben und ein bisschen ist es so gekommen, er lebt jetzt seit sehr langer Zeit auch allein, ja. Also insofern war das keine Überraschung eigentlich.
SPEAKER_02Also deine Mutter oder deine Eltern waren nicht verheiratet, als deine Mutter mit dir schwanger geworden ist, aber sie waren ein Paar, oder? Oder war das auch nicht so ganz klar?
SPEAKER_00Also ich ja, aber wie fest das Paar war, das ist wahrscheinlich Interpretationssache. Also sie haben nicht zusammen gewohnt, zum Beispiel. Insofern war, war es schon eine feste Beziehung, aber auch noch nicht lange. Und jetzt waren ja beide jung und ich glaube, mein Vater hatte einen sehr dehnbaren Begriff von Treue oder so. Und sie haben wahrscheinlich, ich glaube, auch eine gewisse Sprachlosigkeit in der Generation. Ich glaube, es ist ja immer noch so schwierig. Aber da hätte vielleicht doch einfach mal sehr deutlich darüber sprechen können, wie er die Sache sieht. Das hat er von sich aus nicht angesprochen. Meine Mutter hat es wahrscheinlich, meine Vermutung, auch nicht aktiv angesprochen, wahrscheinlich, weil es für sie logisch war. Es ist ja so, man fragt ja eigentlich meistens nicht, sind wir jetzt eigentlich zusammen? Und handelt die Bedingungen aussehen bis heute so und ich glaube, vor 50 Jahren erst recht.
SPEAKER_02Und liest, deine Mutter hat dir ja ein Buch gemacht oder zwei Bücher und ich durfte da mal kurz einen Blick reinwerfen und mal ein bisschen blättern. Spielt das Ganze ja Anfang der 1970er Jahre, also zwar in der DDR, aber trotzdem in den 1970er Jahren. Ich will auf die Rolle als Alleinerziehende hinaus. Weißt du da was drüber, wie deine Mutter diese Rolle gesehen hat, also ihre Rolle als Mutter, erstmal so per se und dann die Rolle als alleinerziehende Mutter?
SPEAKER_00Leider sehr wenig und es fällt mir natürlich sehr schwer, mich auch in die Zeit hin zurückzudenken und auch in ihre Erlebniswelt damals zurückzudenken und hineinzufühlen. Und wahrscheinlich war das auch der Impuls für sie, mir eben zwei Bücher zu machen, wo Briefe aus der Zeit drin sind, Fotos und ihre Gedanken einfach, damit ich das nachvollziehen kann, wie sie ihr gegangen ist. Ich glaube, geschämt hat sie sich nicht. Also ich glaube, das war jetzt nicht mehr so das gesellschaftliche Thema alleinerziehend, dass das jetzt ein Stigma war oder so. Das glaube ich weniger, aber natürlich war sie unglücklich, dass es eben nicht geklappt hat und dass jetzt alles viel schwieriger ist. Und ich glaube schon, dass es eben schwer ist und ist ja an sich ein wahnsinniger Einschnitt, zum ersten Mal Mutter oder Vater zu werden. Und wenn man dann das dann alleine bewältigen muss, das natürlich ungleich schwieriger und dann eben auch so ambivalent. Auf der einen Seite freut man sich natürlich, dass man, dass da jetzt irgendwie ein kleines Baby da ist. Auf der anderen Seite, wenn es dann damit einhergeht, dass ja in dieser Zeit eben, dass sie sich getrennt haben und es Streit gab und es mit Enttäuschung verbunden ist. Also ich bin vier Tage vor Weihnachten geboren worden, meine Mutter war also über Weihnachten im Krankenhaus und mein Vater ist darüber informiert worden, hat sie aber nicht besucht. Das muss ja eine unglaubliche Enttäuschung für sie gewesen sein und sie muss sich wahnsinnig verlassen gefühlt haben und nur meine Oma hat sie besucht und also das, das stelle ich mir schon schwierig vor und eben sehr ambivalent, ne? Und das hat man wahrscheinlich dann als Baby irgendwie, hat sich das ja ein Stück weit wahrscheinlich auch übertragen. Also die Gefühle der Mutter sozusagen, die man weiß nicht warum oder so, ne, aber es überträgt sich ja auf das Baby dann klar. Also auch diese Traurigkeit dann wahrscheinlich.
SPEAKER_02Jetzt habe ich gelesen oder weiß auch aus Erzählungen von dir, die ersten neun Monate warst du zu Hause, ne? Also die drei Frauen, das heißt, deine Mutter, ihre Schwester und ihre Mutter, also deine Oma, haben sich so abwechselnd um dich gekümmert. Und deine Mutter konnte nach sechs Wochen dann wieder arbeiten gehen oder musste auch wieder arbeiten gehen. Die Alternative wären, glaube ich, 200 Mark Sozialhilfe oder sowas. Gab es, glaube ich, auch in der DDR gewesen, was nicht zum Leben gereicht hätte, auch nicht mit dem Unterhalt von 160 Mark noch von dem Vater dazu, als ist sie arbeiten gegangen. Und du warst dann ab dem neunten Monat in der Wochengrippe.
SPEAKER_00Jetzt habe ich es auch gerade gelesen, deswegen, also wenn das stimmt, was da so steht, 135 Mark wären sogar nur gewesen. Unterhalt 160 dann später. Und man muss natürlich sagen, also ich glaube, verdient hat sie auch nur 750 oder so. Also die Summe muss man anders einordnen, aber trotzdem wäre es natürlich zu wenig gewesen, auch wenn die Miete nur, keine Ahnung, 35 oder 50 Mark war. Also das war einfach keine Alternative, allein zu Hause zu bleiben. Ich weiß auch gar nicht, ob das gegangen wäre. Es gab ja eigentlich auch so eine Art Arbeitspflicht. Es war ja gesellschaftlich nicht erwünscht, zu Hause zu bleiben.
SPEAKER_02Ja, es gab nicht nur ein Recht auf Arbeit, sondern auch eine Pflicht zu arbeiten. Man musste zu Hause, man musste arbeiten gehen. Wenn man zu Hause war, brauchte man schon eine sehr treffende Begründung oder Entschuldigung, sonst konnte man auch als sogenanntes asoziales Element verhaftet werden. Also dafür sind Leute auch in den Knast gesteckt worden, dass die nicht arbeiten waren. Aber gut, anderes Thema. Aber wie sah denn das jetzt aus? Also du warst in der Wochengrippe dann von Montag bis Freitag oder von der Dienstag.
SPEAKER_00Also, soweit ich gelesen habe, von Dienstag bis Freitag, meine Oma hat, also die hat sich wirklich immer sehr eingebracht, auch später noch, auch bei meinem Bruder. Und die hatte keinen Partner, also ihr Mann ist eben gefallen und dann hat sie einfach, solange ich klein war oder mein Bruder klein war, hat sie auch keinen Mann gehabt und das war ihre Erfüllung. Also das war so meine Mutter auch, glaube ich, immer die Rettung. Also immer wenn irgendwas war, sie konnte sich auf meine Oma verlassen. Also die hat viel abgefangen und die ist dann eben auch dem Arbeitgeber, ich glaube, es war die Post oder so, und hat dann eben gesagt, sie möchte gerne verkürzt arbeiten und ist montag zu Hause geblieben, sodass ich wohl von Dienstag bis Freitag in die Wochenkrippe gegangen bin. Und ich weiß aber nicht, wie lange das ging. Also ich glaube nicht, dass das die gesamte Zeit war. Ich glaube, nach einem halben Jahr oder spätestens nach einem Jahr wird sie dann, wird das schon auch Montag bis Freitag gewesen sein, ja. Und soweit ich es weiß, war, also hat meine Oma und mein mein Vater, der da in das Auto besessen hat, mich, die haben mich in die Wochengrippe gebracht und haben mir dann eben erzählt, sobald ich um, um sobald die um bestimmte Ecken gebogen sind, habe ich angefangen zu weiden und dann, weil ich eben schon wusste, wo es lang geht und ich wollte eben nicht abgegeben werden. Also es war wahrscheinlich nicht schön. Sie haben das eben auch als ein Erlebnis beschrieben, was sie belastet hat. Ich nehme an, dass meine Mutter das auch mal gemacht hat, aber meistens war sie dann schon auf Arbeit und musste ja sehr zeitig anfangen, ich weiß nicht, also halb sieben war, glaube ich, Dienstbeginn. Und ich ja, ich weiß nicht, wie das mit der Abholung war, das kann ich nicht sagen. Das Einzige, was ich, was mir berichtet wurde, ist eben, dass ich dann erstmal an dem Freitag nicht mehr gesprochen habe, sondern erstmal die Räume der Wohnung abgelaufen bin und erst ab Samstagmorgen wieder gesprochen habe. Ja, das ist das, was ich da darüber weiß. Ich glaube, ich war häufig krank und meine Mutter ist dann mit mir auch zu Hause geblieben. Das war vielleicht auch nochmal so ein Ding, dass ich da so, also jetzt nicht knallhart jede Woche weg war und ich bin auch am Wochenende abgeholt worden. Das war ja auch nicht selbstverständlich, aber ja, war eben trotzdem in meiner Wochengrippe und ich glaube, keine Ahnung, das für mich eine Blackbox-Schick war sicherlich nicht immer.
SPEAKER_02Hast du Erinnerungen daran? Irgendwas? Und wie war das in der Urlaubszeit? Warst du mit deiner Mutter am Urlaub oder wo warst du, wenn sie Urlaub hatte?
SPEAKER_00Ich weiß es nicht hundertprozentig, aber ich glaube, Urlaub war halt nicht so, wie man es sich heute vorstellt. Von wegen drei Wochen dahin und dorthin. Das war ja schwierig, überhaupt einen Platz zu bekommen, selbst in der DDR, also innerhalb der DDR irgendwie, keine Ahnung, Harz, Erzgebirge, Ostsee, das war ja alles, ich kann mich noch erinnern, dass man wahnsinnig froh war, wenn man überhaupt einen Platz da bekommen hat. Und dann sind wir da, weiß ich noch, war ich mal ein oder zwei Wochen mit meiner Oma an der Ostsee und das war da, man würde heute sagen, die Gartenlaube wurde da vermietet, das war so unter aller Sau. Aber wir haben uns gefreut, dass wir da überhaupt einen Platz hatten. Also es war an sich überhaupt schwierig, da was zu bekommen. Und ich glaube, es war die Ausnahme. Also ich weiß, dass mit meiner Oma öfters weg war, immer so eine Woche, oder dass ich eben auch, ja, also mit meinem Vater war, glaube ich, erst später, der hat, also je älter ich wurde, umso mehr hat er sich für mich interessiert oder desto mehr konnte er mit mir anfangen. Also als Baby war da, glaube ich, nicht so viel. Ich glaube, meine Mutter ist auch alleine in Urlaub gefahren, weil sie die Erholung brauchte. Für mich war das, als ich das erfahren habe, eine große Enttäuschung, dass ich eben dachte, okay, auch am Wochenende, die ja eigentlich reserviert waren für mich, weil ich eben schon, weil wir in der Wochenzeit, also in der Zeit der Woche keine gemeinsame Zeit hatten, wäre das auch schön am Wochenende. War leider auch nicht immer so.
SPEAKER_02Sondern? Was war da?
SPEAKER_00Na, dass meine Oma sich eben gekümmert hat und meine Mutter ist mit einer Freundin in Urlaub gefahren. Ich weiß es nicht, ob das jetzt oft war oder selten war. Oder also ich habe nur aus den Briefen eben von dem Buch rekonstruiert, dass sie auf jeden Fall da in dem ersten Jahr zweimal war. Ich glaube auch, sie hat dann gesagt, die brauchte die Erholung, ich kann das total nachvollziehen. Gleichwohl ist es ja aus meiner Sicht trotzdem eben schade. Also ich war bestimmt gut aufgehoben bei meiner Oma, aber ich glaube, es war eh so wie eine Art Ersatzmutter. Ich hatte dann auch später, also sie lebt nicht mehr, sie ist seit zwölf Jahren tot, ein sehr enges Verhältnis, auch noch, sagen wir, wo andere vielleicht ihre Oma nicht mehr so oft besuchen. Also ich habe jedes Jahr zum Beispiel Silvester mit ihr gefeiert, als Kind am Anfang notgedrungen, weil meine Mutter gerne unterwegs sein wollte. Und dann hat sich diese Tradition aber bewahrt, wo andere dann schon auf Party gegangen sind, bin ich mit 14, 15 bei meiner Oma Silvester gewesen und fand das irgendwie lustig. Also das ist so, ja, so als Beispiel für das enge Verhältnis. Die war da mal so ein bisschen die Rettung und also das war jetzt, ich hatte da nichts auszustehen, aber gleichwohl ist meine Mutter trotzdem eben noch auch allein in Urlaub gefahren. Und ich weiß gar nicht, ob sie das Geld hatte oder die Beziehung, dass wir jetzt allein, also wir haben das später auf jeden Fall gemacht, da war ich aber schon älter. Ob jetzt wirklich so als Zweijähriger, das glaube ich eher nicht, nein.
SPEAKER_02Wie war denn das zu Kindergeburtstagen? Also du warst ja dann dein, also als du ein Jahr alt geworden bist, warst du ja schon in der Wochengrippe. Jetzt erinnere ich mich an den ersten Geburtstag meines ersten Kindes. Das war ein riesengroßes Fest mit vielen, vielen Gästen. Weißt du, wie dein erster Geburtstag gefeiert wurde, ob der gefeiert wurde?
SPEAKER_00Wobei, das macht man ja irgendwie, ich weiß gar nicht, macht man das für das Kind oder macht man das auch für sich selber oder für andere?
SPEAKER_02Auf jeden Fall. Für das Kind und für sich selber und für andere, würde ich sagen. Also in meinem Fall war das so.
SPEAKER_00Also ich habe das ja mit meinen Kindern auch gemacht und ich glaube, die Kinder begreifen das in dem Alter noch gar nicht. Ich finde es okay, dass man das macht, aber man kann schon vor. Also es stresst die, glaube ich, auch wahnsinnig. Und ja, das ist ja eher so ein Zeichen eben für sich selber auch, ne? Vor einem Jahr bist du geboren worden, du bist jetzt da und wir haben dich lieb und also das Kind kriegt das ja so noch nicht mit, außer die Gefühle natürlich. Ich habe mir darüber gar keine Gedanken gemacht, muss ich gestehen, bis ich die Entwicklungsbögen gesehen habe. Also dadurch, dass die Kinder ja in der Wochenkrippe waren und nicht zu Hause, musste man ja irgendwie die Verbindung mit den Eltern schaffen, um auf einen Wissensstand zu kommen, was können die Kinder und da sie eben meistens in der Krippe waren, hat man einmal im Quartal einen sogenannten Entwicklungsbogen ausgefüllt und nach immer gleichen Standards wurde dort eben abgefragt, was können die Kinder.
SPEAKER_02Die Erzieher haben denen ausgefüllt, ne?
SPEAKER_00Also genau, die Erzieher, ich weiß nicht, ob das jetzt dann die Chefin war oder wer auch immer, auf jeden Fall, wurden mit allen Kindern die gleichen Tests gemacht. Also kann das Kind mit der aus der Tasse trinken, was kann es für Wörter sagen, kann es Perlen auffädeln? Also je nach Alter so kann es Farben unterscheiden oder welche Wörter spricht es sich ja. Und dann wurde das standardisiert. Also ich glaube, da wurden farbliche Kreise drumgezogen um diese Frage. Also Rot bedeutet, er kann es nicht, grün bedeutet, es kann es. Ich weiß nicht, ob es auch so eine Art neutrale Farbe noch gab, kann ich nicht sagen. Und dann gab es aber noch die Möglichkeit einer Einschätzung handschriftlich. Das haben die auch genutzt. Und da waren die auch mal im Duktus knallhart, so was sie da geschrieben haben. Also das habe ich mir mal aufgeschrieben. Da steht zum Beispiel bei mir, das Trinken aus der Tasse muss noch geübt werden. Mit Alexander müssen viele Bewegungsübungen durchgeführt werden, Sprache muss noch gefördert werden. Alexander muss es noch lernen, auch beim Mittagsschlaf sauber zu bleiben. Das war ein großes Problem, tatsächlich, auch bis ich in die Schule gekommen bin. Also ich weiß, ich kann nicht sagen, ob das eine Spätfolge der Wochenkrippe war, aber tatsächlich war ich auch im Kindergarten viele, viele Jahre nicht sauber. Das war ein Riesenproblem. Genau, also dieses hier mit, das ist Dezember 73, also da war ich sozusagen zwei Jahre alt. Er ist auch auf dem Gebiet der Spieltätigkeit mit didaktischem Material ungeschickt. Auch knallhart, das sozusagen den Eltern so zu schreiben. Alexander auf dem Gebiet der Sprachentwicklung fördern, intensive Bilderbuchbetrachtung. Also es gab klare Anweisungen an die Eltern. Auch beim Singen muss Alexander noch mehr Interesse zeigen. Das ist ja auch lustig, ne? Man muss Interesse zeigen, also entweder man hat ein Interesse oder nicht. Aber das haben die da eben so reingeschrieben. Naja, und jedenfalls habe ich dann eben diese Entwicklungsbögen gelesen. Fand das an sich schon wirklich problematisch oder hat schon was mit mir gemacht. Und dann sehe ich dieses Datum da. Das ist eben der 19.12.1973. Und wenn ich so zurückblättere, ist es eben auch der 19.12.1972. Und ich bin am 20.12. geboren. Das heißt, das war ein Tag vorher. Immer. Und dann habe ich nachgeschaut, was das für ein Wochentag ist. Und das war eben mitten in der Woche, einmal ein Dienstag, einmal ein Mittwoch. Und dann wäre die Frage: Wo habe ich meinen Geburtstag verbracht? Und ich nehme ihm sehr, sehr stark an in der Wochengrippe. Also sowohl den ersten als auch den zweiten. Das hat mich schon ein Stück weit schockiert. Und ich habe dann meine Mutter gefragt und sie kann sich nicht erinnern. Also sie wusste jetzt ad hoc nicht, ob wir den Geburtstag gefeiert haben. Aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, weil sie hätte Freier nehmen müssen, sie hätte mich in der Woche ohne Auto aus der Wochengrippe abholen müssen, feiern, was ja vielleicht auch nicht so einfach ist in der Woche. Sie war ja alleine. Also was wäre das für eine Feier gewesen und dann hätte sie mich am nächsten Tag wieder früh zurückbringen müssen. Also meine Vermutung ist sehr stark. Ich war da nicht zu Hause.
SPEAKER_02Ja, das ist schon ein Unterschied. Also, wenn ich mir das vorstelle jetzt mit meinen Kindern, das wäre ein Unding gewesen, also das nicht zu feiern. Bei uns war das halt wirklich ein großes Ereignis. Bei dir ja wahrscheinlich auch mit deinen eigenen Kindern. Ja. Ist schon anders. Das haben die schon anders gemacht mit uns.
SPEAKER_00Ich weiß nicht, das wäre ja auch mal interessant, dann zu fragen: vielleicht haben wir ja auch mal eine Erzieherin hier und wie sind die mit den Geburtstagen umgegangen? Haben die das ignoriert, haben die da
SPEAKER_02In den Einrichtungen jetzt muss man.
SPEAKER_00Ja, oder haben die da pro Forma irgendwie, keine Ahnung, gab es eine Extraparation, Zwiebelkreis.
SPEAKER_02Hast du da Erinnerungen an deinen Kindergarten oder an irgendwas später, was mit Geburtstag gefeiert wurde?
SPEAKER_00Also im Kindergarten wurde bestimmt Geburtstag gefeiert mit fünf oder so. Ich wollte gerade sagen, auch in der Wochenkrippe, wenn die Kinder dann den dritten Geburtstag gefeiert haben, das kann man ja eigentlich nicht mehr ignorieren. Wobei mit drei ist ja dann genau das Datum, wo man eigentlich in den Kindergarten kommt. Ja, ich weiß es nicht. Also auch am fünften Geburtstag oder so habe ich keine Erinnerung an Kindergarten, aber ich gehe ganz fest davon aus, dass da irgendwas passiert ist. Dass man da zumindest füreinander gesungen hat oder so. Aber noch nicht Happy Birthday.
SPEAKER_02Nee, Happy Birthday bestimmt.
SPEAKER_00Zum Geburtstag fehl Glück oder weil heute dein Geburtstag ist.
SPEAKER_02Ja, sowas. Genau, weil heute dein Geburtstag ist, das kommt mir auch in den Kopf.
SPEAKER_00Leider so ein bisschen aus der Mode gekommen, aber ja.
SPEAKER_02Aber ich glaube auch, dass das insgesamt, dass das so Zeitgeist ist. Also dass man, ich erinnere das zumindest jedenfalls so und höre das auch aus den Geschichten von anderen Gleichaltrigen, dass mit Geburtstag damals grundsätzlich anders umgegangen wurde, jedenfalls mit Kindergeburtstagen. Das waren nicht so eine großen Dinger, Nummern. Das wurde nicht so groß gefeiert, glaube ich, insgesamt, wie das heute gemacht wurde. Aber das passt ja auch so ein bisschen zu dem, ne? Das ist ja was ganz wie die Individuelles und das war ja zu DDR-Zeiten jetzt nicht unbedingt das Hauptaugenmerk darauf, das Individuum zu feiern, sondern es ging ja immer mehr irgendwie um das Kollektiv.
SPEAKER_00Ja, wobei ich mich, also weit ich mich erinnern kann, schon, wir hatten in der Klasse eben auch Kinder, die kirchlich aufgewachsen waren, weil es ja super selten war, aber da habe ich schon deutliche Unterschiede gemerkt. Einmal was den familiären Zusammenhalt betrifft, aber was eben auch solche Feste betrifft. Und in meiner Erinnerung haben die sowas eben zum Beispiel auch viel stärker gefeiert. Wobei überhaupt Kindergeburtsogarten schon. Also ich kann mich schon erinnern, dass wir dann eben alle auf dem Tisch gesessen haben und dieses Spiel mit der Schokolade, wo man immer, wenn man eine Sechs gewürfelt hat, musste man sich mit Zeschal, Handschuhe und dann mit Besteck die Schokolade essen und das war mal ein Riesenhallo oder Topf schlagen oder so Sachen. So klassische Spiele, also war schon, hat man schon gemacht. Wobei ja eben 20. Dezember, ne, das ist natürlich eine extreme Besonderheit. Kurz vor Weihnachten, keiner hat Zeit, das war immer schon so, das Schicksal, das kennen ja alle, die in dieser Zeit Geburtstag haben und dann konnte man sich das schönreden, okay, man kriegt ein Geschenk für Geburtstag und Weihnachten zusammen und das ist dann ein bisschen größer, war die Chance auf ein großes Geschenk, aber ja, mit Feiern war eh schon immer problematisch, weil davor hat keiner Zeit, danach auch nicht. Also wann, ne, wie lange kann man das aufheben? Man kann ja da nicht mitten im Januar plötzlich den Geburtstag nachholen. Klar, bin ich ein bisschen neidisch auf Leute, die im Sommergeburtstag haben und schön draußen feiern können.
SPEAKER_02Nein, sei nicht neidisch.
SPEAKER_00Die haben aber bestimmt andere Probleme, da sind bestimmt alle im Urlaub gemacht.
SPEAKER_02Kann ich dir genau erzählen? Ich bin so ein Kind, ich habe immer einen Sommergeburtstag und der erste Geburtstag bei mir, der gefeiert wurde, da war ich sechs Jahre alt. Vorher gab es überhaupt keine Kindergeburtstage und ich hatte auch genau einen Gast. Das war halt meine Spielfreundin aus dem Dorf von meiner Oma. Und es gab dann auch noch großen Knatsch, weil meine Mutter ihr zuerst den Kranz geflochten hat und nicht mir als Geburtstagskind an meinem ersten Geburtstag, der überhaupt gefeiert wurde. Aber egal.
SPEAKER_00Also das ist aber schon ein bisschen hart, oder? Also nur ein Kind, also ich kenne das so, dass mit jedem Jahr durfte man ein Kind mehr einladen.
SPEAKER_02Ja, so war es bei meinen Kindern auch. Also bei meinen Kindern habe ich das so gemacht. Aber kennst du das von dir aus deiner Zeit?
SPEAKER_00Ich weiß es leider nicht mehr.
SPEAKER_02Also ich würde wirklich sagen, das hat sich ordentlich was verändert. Auch das, was du erzählst, mit diesem Schokoladespiel und Topschlangen und so, das kenne ich auch alles, aber nicht von meinen Geburtstagen. Also das waren dann irgendwie eher die Geburtstage anderer Leute. Vielleicht gibt es da, habe ich mich noch nie gefragt, aber vielleicht kann ich das nicht so schön.
SPEAKER_00In einer der kommenden Folgen wird es ja dann um dich gehen und da werde ich mir das abspeichern und nochmal, das ist schon eher, glaube ich, ungewöhnlich, dass die Geburtstage nicht gefeiert wurden so und dass du da nur ein Kind eingeladen hast zum sechsten Geburtstag. Also ich glaube, das kennen die meisten anders.
SPEAKER_02Und ich habe das immer für nochmal gehalten. Okay, zurück zu dir.
SPEAKER_00Ist notiert.
SPEAKER_02Wochengrippe. Warst du denn mal da? Hast du deine Wochengrippe mal ausfindig gemacht?
SPEAKER_00Tatsächlich, also sie steht noch und ist eine schöne, alte, große Villa in Leipzig-Leutsch, wunderbares Gebäude. Ja, und ich kannte die Adresse. Ich bin viele Jahre da immer vorbeigelaufen, weil ich mit meinem Vater immer zum Fußball gegangen bin.
SPEAKER_02Und du wusstest auch, dass das deine Wochengrippe war.
SPEAKER_00Und da wusste ich nicht, dass es meine Wochengrippe ist. Also mein Vater ist da immer, hat immer das Auto ein Stück weggestellt vom Stadion und dann haben wir da mal einen Spaziergang zum Stadion hingemacht und sind da immer zufällig vorbeigelaufen und ich wusste es nicht. Und er hat das auch nie angesprochen. Mir ist es nur hinterher bewusst geworden, dass wir da jahrelang alle 14 Tage vorbeigelaufen sind. Ja, und dann bin ich jetzt, das ist jetzt erst vor einem Jahr, glaube ich, zum ersten Mal da gewesen. Also man konnte richtig auch sehen, bin dann außen noch so ein bisschen rumgelaufen. Es gibt da so einen kleinen Garten. Und wenn man sich Bilder anguckt von Wochenkrippen, da wären ja dann oft die, da wurden dann die Kinder eben auch mal in den Garten im Sommer rausgelassen oder man hat die Kinderwagen rausgeschoben. Ich glaube, die sind ja nicht, wenn man jetzt so, also offiziell haben die vier Kinder betreut, aber Erzieherinnen haben ja erzählt, dass sie manchmal bis zu zehn Kinder betreuen mussten. Jetzt haben die sind die nicht mit zehn Kinderwagen durch den Park geschoben, sondern die haben die, glaube ich, einfach auf dem Balkon gestellt oder eben in den Hof. Und das konnte man auch richtig sehen. Da gibt es so einen schönen großen Balkon und eben diesen Hof. Da kann ich mir das vorstellen, damit die Kinder mal Frischluft haben. Es war ja auch üblich, irgendwie Babys im Kinderwagen auch bei Minusgraden dick eingepackt, einfach mal so eine Stunde rauszustellen. Habe ich mit meiner Großen auch noch gemacht. Später habe ich mir das gar nicht mehr getraut, denn ich weiß nicht, ob das heute noch so gemacht wird. Schadet eigentlich nicht, aber es ist schon recht merkwürdig.
SPEAKER_02Ich habe das mit meiner Großen auch gemacht. Die hat immer wunderbar geschlafen draußen. Also ja, das hängt vielleicht auch vom Kind ab. Keine Ahnung. Aber hast du denn mal Erzieherinnen getroffen? Erzieher, Erzieherinnen aus der Zeit, also entweder deine eigenen oder andere, mit denen du gesprochen hast?
SPEAKER_00Ich kenne niemanden aus dieser Wochenkrippe. Ich habe es aber auch nicht jetzt gezielt probiert. Ich weiß ja, dass andere Wochenkinder das gemacht haben, auch erfolgreich waren. Ich habe das nicht aktiv recherchiert. Also ich habe versucht überhaupt, weil ich ja eben auch mal darüber schreiben wollte und einen Film darüber machen wollte, schon 2008 und es dann aber im Sander verlaufen ist. Und da hatte ich eben Jugendämter auch angeschrieben und die haben ja auch Kontakte zu Erzieherinnen hergestellt. Ich habe auch mit einigen telefoniert und habe auch jetzt ab und zu mal mit welchen gesprochen, aber nicht mit einer aus meiner Wochengrippe. Also ich kenne da keiner, wäre natürlich mega interessant, aber ich kenne jetzt die haben unterschrieben, diese Entwicklungsbögen, da gäbe es ja die Namen und das ist der Anhaltspunkt, dann beim Jugendamt zu fragen, wer hat da mit diesem Namen gearbeitet, müsste man sich jetzt ein bisschen beeilen. Ich bin 53, die sind natürlich entsprechend älter. Ich weiß gar nicht, ob die sich da so dran erinnern können vielleicht. Weiß nicht. Also wenn es jemand sieht, der sich erinnert, Leipzig Leutsch, 72, 73, Alexander Teske.
SPEAKER_02Ja, dann schreib an ungeeignetwochenkinder.de.
SPEAKER_00Genau.
SPEAKER_02Wie geht's dir denn? Also hast du Fotos aus der Zeit, also aus diesem Wochenkrippenambiente von dir in der Wochengrippe? Gibt es da Fotos?
SPEAKER_00Nein, also ich nehme an, dadurch, dass die Eltern nicht mit in die Wochengrippe hinein durften, wussten die auch nicht, wie es drin aussieht und die haben natürlich dann auch keine Fotos machen können. Es war ja eh nicht so, wie heute, man zückt das Handy und macht ein Foto. Und Selfie bei der Abgabe im Wochenkrippe. Nein, also Fotos waren ja generell viel seltener und noch einen besonderen Moment. Ich habe sehr, sehr viele Fotos, wo mein Vater eine Kamera hatte und auch in der Dunkelkammer selber entwickelt hat, was zur damaligen Zeit ungewöhnlich war, deswegen gibt es viele Fotos aber aus der Wochengrippe gar nicht. Also weder davor noch drin oder ich weiß, dass andere welche haben, aber ich habe keine, leider. Also finde ich natürlich mega interessant. Ich kenne überhaupt gar kein Bild. Also auch nicht von anderen Kindern aus dieser Wochengrippe oder irgendein Bild von innen aus der Zeit.
SPEAKER_02Aber und wenn du so Fotos von dir siehst, also als Säugling oder kleines Kind, was du dann ja schon warst, mit neun Monaten bis zwei Jahren, was geht dir da durch den Kopf oder was empfindest du da?
SPEAKER_00Also es ist tatsächlich total schwer, darüber zu sprechen, weil ich auch Angst habe, da zu viel hinein zu interpretieren. Also es gibt natürlich Bilder, wo ich zum Beispiel weine und dann könnte man da jetzt irgendwas hineininterpretieren, aber Kinder weinen nun mal auch irgendwie schnell wegen sonst was, weil nicht irgendwas weggenommen wurde oder weil sie hingefallen sind oder so. Und grundsätzlich ist es natürlich so, dass diese Bilder, die existieren, einen sehr engen Ausschnitt meines Lebens zeigen. Also es sind besondere Momente, ne? Die haben nicht zusammengeblebt. Das heißt, das ist ja schon was Besonderes, wenn mein Vater da war, meine Mutter hat gar keine Bilder, glaube ich, gemacht. Dann hat er fotografiert mich oder sie oder uns beide und dann vielleicht mal mit dem Selbstauslöser auch mal ein seltenes Bild zu dritt. Aber das waren immer schon, man hat sich da eben am Wochenende getroffen, war schon was ganz Besonderes. Insofern hat das ja jetzt auch überhaupt keinen Alltag abgebildet. Da gab es eben vielleicht ein Bild vom Geburtstag oder vom Weihnachten oder von wenigen, die haben häufig Wochenendausflüge gemacht, hat mein Vater die eben abgeholt und dann ist man irgendwie in die Umgebung in die Dübene Heide und hat sich da, dann gibt es halt Bilder aus dem Wald und dann kann man da jede Menge hineininterpretieren. Es gibt eins, da sieht man meine Mutter, eine schöne Frau zur damaligen Zeit, so im Hintergrund, und ich laufe nah auf die Kamera zu und sie schaut so mir hinterher und ich bin vorne groß, laufe auf die Kamera zu. Da könnte man jetzt alles Mögliche hineininterpretieren, aber das finde ich so, ja, weiß nicht. Kann man, muss man nicht. Also mich fasst es wahnsinnig an, sowas zu sehen, auf jeden Fall.
SPEAKER_02Weil, also was muss ich das so?
SPEAKER_00Naja, weil ich mir vorstelle, wie es mir ging. Und ich lache häufig natürlich auf diesen Bildern oder bin auch fröhlich. Also ich glaube, ich war schon so eine Art Wirbelwind. Es gibt, also hier von diesem einen Buch ist eben das Titelbild, da laufe ich durch die Ostsee und es ist eigentlich saukalt, glaube ich. Also weil ich habe Anorok an und bin aber voller Lebensfreude und stapfe so durch diese Ostsee und mir läuft das Wasser in die Gummistiefel rein, ja, und das stört mich gar nicht so. Aber das sind, ich glaube, ich bin war, also wenn ich jetzt was hineinterpretieren würde, dann würde ich sagen, ich war glücklich, weil es war jemand da, der sich von morgens bis abends um mich gekümmert hat und es waren eben Mama und Papa da und das ist natürlich ein absolut seltener Moment. Und dann stelle ich mir ihm auch vor, ich habe eben auch gelesen oder das war ja eben auch üblich, meine Mutter hat mich eben alleinerziehend natürlich auch ab und zu mal allein gelassen und ist einkaufen gegangen zum Beispiel. Und hat dann unter uns wohnt, so eine ältere Frau, die hat sich dann manchmal um mich gekümmert oder und dann hat sie einfach Bescheid gesagt, wenn was ist oder wenn er schreit, dann hat er die wahrscheinlich einen Schlüssel und ist dann hochgegangen oder so, aber allein die Tatsacht, ich hätte mein Kind nie, hätte mein Kind nie alleine gelassen. Also allein, wenn, keine Ahnung, um einen Müll runterzuschaffen oder ein Paket anzunehmen, wäre ich dann schon unruhig gewesen, weil sich unbegründet, aber trotzdem so eine Angst, da könnte irgendwas passieren und ich bin nicht da und ich hätte nie die Ruhe gehabt, eine Stunde einkaufen zu gehen und mein Kind allein zu lassen. Das ist völlig unvorstellbar. Aber klar, man muss einfach auch wirklich gar keinen Vorwurf an meine Mutter. In der Zeit sehen, es war eine Zeit, in der man die Kinder im Kinderwagen vor dem Laden abgestellt hat. Ich glaube, das hat dann erst aufgehört, als mein Kind weggekommen in Dresden, ist nie aufgeklärt worden. Da hat das so ein bisschen Bruch bekommen. Aber ansonsten war das über, wenn man da Fotos sieht, da hat man immer ein, zwei Kinderwagen vorm Laden gesehen.
SPEAKER_02Da möchte ich auch daran erinnern, ja, ja. Ja, ich glaube auch, das war Zeitgeist. Also man ist damals tatsächlich anders umgegangen mit Kindern.
SPEAKER_00Diese, also ich kann, als ich mich dann erinnern konnte, so mit sechs und sieben Jahren hatte ich eben auch so Momente, wo ich alleine war, wo ich zum Beispiel abends aufgewacht bin und meine Oma, die mich ins Bett gebracht hat, ist dann eben schon nach Hause gegangen und hat, ich habe eben schon geschlafen, aber meine Mutter war noch nicht da und dann bin ich eben doch aufgewacht und war eben alleine und da hatte schon große Momente von Traurigkeit oder ich hatte so ein Meerschweinchen, dann habe ich mich eben das rausgenommen und habe mich eben dann im Floh hingesetzt und habe das auf den Schoß genommen und gestreichelt und eine ganze Stunde und habe mich voll nobeln lassen, bis meine Mutter dann irgendwann nach Hause gekommen ist.
SPEAKER_02Wie alt warst du da?
SPEAKER_00Naja, so sechs, sieben, acht. Und ich kann mich auch erinnern, dass ich am Wochenende früh wach geworden bin und es war niemand da. Und dann kam sie eben nach Hause, aber da war es eben schon um sieben oder um acht oder vielleicht auch um neun, ich weiß es nicht. Aber Kinder wachen eben manchmal auch schon um sechs auf und wenn sie noch kleiner sind.
SPEAKER_02Wie wo kam sie denn daher? Von der Nachtschicht oder was?
SPEAKER_00Nee, die hat keine Nachtschicht gearbeitet, die war bei ihrem Freund. Und das ist jetzt nicht oft vorgekommen oder so. Ich bin ja überhaupt kein vernachlässigtes Kind. Im Gegenteil, sie hat sich toll gekümmert und alles. Aber sowas gab es eben auch. Und es ist ja wahrscheinlich so, dass man sich eben an diese wenigen Momente, wo es vielleicht nicht so, wo eben was schief gegangen ist oder da erinnert man sich eben dran. Man erinnert sich ja nicht an die 99 Momente, wo alles super war, sondern eben an diesen einen, wo was schief gegangen ist, warum auch immer. Ich bin wahnsinnig froh, wie dann später die Lebensentwicklung mit diesen Startbedingungen gelaufen ist. Also weil ich glaube, die Startbedingungen waren nicht ideal. Kein Wurw an meine Eltern, aber es. Die haben ihr Bestes gegeben, aber ich glaube, es war, also heute würde man sagen, es war schon manchmal etwas schwierig. Klar, alleinerziehend, ich war ihm doch ein klassisches Schlüsselkind auch. Also ich bin erste Klasse, weiß ich nicht, vielleicht die erste Woche gebracht worden, aber danach bin ich immer alleine gegangen, natürlich. Alleine hin früh und auch nachmittags alleine zurück und dann war ich auch zwei, drei Stunden alleine, wie dann jemand nach Hause gekommen ist. Das war völlig normal.
SPEAKER_02Und nach dem, also Schule, dabei bei uns war ja nicht mit der Schule, die Schule zu Ende, sondern es gab ja danach noch Hort. Also man war dann bis 16, 17 Uhr im Hort. Und dann warst du noch alleine?
SPEAKER_00Das ist eine gute Frage. Weil ich war natürlich im Hort. Da habe ich auch aktive Erinnerungen dran und auch an dieses wunderschöne Muttiheft und so weiter und auch, dass ich abgeholt wurde. Manchmal hat mein Vater mich abgeholt, manchmal meine Oma, meistens natürlich meine Mutter. Aber ich nehme auch an, dass ich von dort auch schon alleine gegangen bin. Wenn ich allein in die Schule gegangen bin, bin ich wahrscheinlich auch von dort, also ja, weiß ich gar nicht. Aber ich habe aktive Erinnerungen daran, dass ich von der Schule allein nach Hause gegangen bin und eben den Schlüssel umhängen hatte und so. Und schon oft auf mich alleine gestellt war. Gab auch keinen, ne? Heute würde man anrufen. Das war ja alles noch nicht so. Wir hatten eben auch sehr spät, dann wir hatten überhaupt ein Telefon, das war ja schon Luxus, aber eben dieser Kontakt war gar nicht da. Man hat das eben irgendwie alles gelöst. Und dann gab es, wenn ich nach Hause gekommen, dann lag ein Zettel auf dem Tisch von meiner Mutter, wo sie mir eben geschrieben hat, was ich heute zu machen habe. Und dann habe ich meine Hausaufgaben gemacht oder habe dann eben aber auch eingekauft oder Treppe gewischt oder was auch immer. Und dann bin ich runtergegangen, wieder spielen und abend um sechs war, war Treffen zum Abendbrot. Und wenn ich Viertel nach sechs nicht da war, dann war meine Mutter wahnsinnig unruhig natürlich, weil sie wusste nicht, wo ich bin und hatte Angst. Aber das war also so dieses, war da schon viel in einer sehr frühen Zeit sehr viel auf mich allein gestellt.
SPEAKER_02Kannst du da mit deiner Mutter drüber reden? Also über die Zeit in der Wochengrippe und generell über dieses, über deine Kindheit, über das Alleinsein?
SPEAKER_00Also nicht unser Lieblings-Smalltalk-Thema, klar, aber wir haben drüber gesprochen und ich finde es auch ganz großartig, dass wir überhaupt drüber sprechen können, weil ich weiß ja, dass es in vielen Familien, wo die Wochengrippe eine Rolle spielt, überhaupt ein wahnsinnig belastendes Thema ist, dass es oft zu Streit kommt. Ablehnung. Klar, man muss ja seine eigene Rolle hinterfragen und dann gibt es Ablehnungsreflexe oder man fühlt sich an den Prager gestellt zu Unrecht. Und darum geht es, glaube ich, den meisten Wochenkindern gar nicht. Sie haben einfach keine Erinnerung dran und möchten gern so viel wie möglich erfahren darüber. Und deswegen fragen sie und spüren aber eben so eine Ablehnung. Und ich weiß, dass sehr viele Eltern da eben nicht drüber sprechen oder dass es eben dann einen Streit gibt oder sich angeschrien wird oder manche Eltern das ihren Kindern auch verschwiegen haben und die haben das erst dann nach dem Tod erfahren oder kurz vorm Tod. Und deswegen bin ich ihr sehr dankbar, dass wir überhaupt drüber sprechen konnten. Die war da mal offen, weil sie hat jetzt nie gesagt, wir sprechen da nicht drüber. Oder im Gegenteil, ich meine, ich weiß, dass es eine absolute Besonderheit ist, dass sie sich damit auseinandergesetzt hat und eben auch diese Bücher gemacht hat, wo sie das aktiv angesprochen hat, mir diese Entwicklungsbögen gegeben hat, die Fotos aus der Zeit herausgesucht, eingescannt und mir ihre Gedanken, soweit sie das noch kann, aufgeschrieben hat, wie sie sich gefühlt hat. Das ist schon mal ganz großartig und ich weiß, es ist auch schwer. Also ich kann mich auch nicht mehr an alles erinnern, was vor 30 Jahren war. Insofern weiß sie eben auch nicht mehr alles, was vor 53 Jahren war.
SPEAKER_02Hast du den Eindruck, dass sie sich da was schönredet?
SPEAKER_00An der einen oder anderen Stelle sicherlich. Aber auch das ist überhaupt kein Vorwurf, das ist einfach ganz menschlich und normal und ich mache das sicherlich genauso bei bestimmten Sachen, weil das erträglicher ist, so weiterzuleben, als ich jetzt immer zu zermartern und zu sagen, ich hätte das anders machen müssen oder können oder das ja irgendwie auch ein Stück weit schwer auszuhalten. Und sie schreibt ja auch, sie würde die ein oder andere Entscheidung heute anders treffen. Na klar. Ich habe ja nie an ihrer Liebe jetzt gezweifelt. Also ich habe mich schon immer geliebt gefühlt. Gleichwohl manchmal so war natürlich der Gedanke da, dass jedes Kind möchte, glaube ich, die Nummer eins sein im Leben der Eltern. Und ist dann vielleicht auch ein bisschen eifersüchtig und ungerecht, wenn man das Gefühl hat, es ist nicht so. Und ich mache bei ihr schon einen sehr großen Lebenshunger in der Zeit aus, wenn ich mir das auch so anschaue. Und auch normal, natürlich, klar, wenn man alleinerziehend ist und den starken Wunsch hat, eine Familie zu haben, dann muss man ja irgendwie aktiv was dafür tun. Tinder gab es noch nicht, also muss man raus auf die Piste und die Kontakte erhöhen und jemanden kennenlernen. Und das war ja, glaube ich, sehr wichtig. Und da musste sie halt immer hin und her austarieren. Und das ist vielleicht in meinen Augen heute ganz strenge Sicht nicht hundertprozentig immer gelungen, aber ich muss dazu sagen, dass wir immer, also wir hatten später mal ein sehr, sehr gutes Verhältnis. Ich habe das auch nie in Frage gestellt. Und die Wochengrippe ist eigentlich so das Einzige, was dann sehr, sehr spät irgendwann so Missstimmung gebracht hat und zwischen uns stand oder wo ich bestimmte Sachen hinterfragt habe oder wo es vielleicht auch mal eine Sprachlosigkeit zwischen uns gab, die eigentlich sonst nicht existiert hat.
SPEAKER_02Du hast erzählt, deine Mutter hat diese zwei Bücher für dich gemacht und du hast auch erzählt, und das hat mich sehr überrascht, dass du dir die gar nicht so gerne angeguckt hast. Ich weiß nicht genau, wie du es formuliert hast, aber so ungefähr, du scheust davor zurück oder bist davor zurückgescheuert, dir die anzugucken. Man könnte jetzt ja auch denken, interessant, stürze ich mich drauf, mal gucken, lauter historische Dokumente, die Eigensicht meiner Mutter, könnte ja auch spannend sein.
SPEAKER_00Ich habe mich natürlich total gefreut, dass sie es gemacht hat und ich habe sie auch durchgeblättert und ich meine, sie auch gelesen zu haben. Gleichwohl ist es, glaube ich, in meinem Gehirn nicht angekommen. Sonst hätte ich nicht erzählt, ich bin ab Monat sieben in der Wochenkrippe und lese dann, ich bin erst ab Monat neun in der Wochenkrippe. Ich habe es also quasi überlesen und das ist kein Einzelfall. Da steht doch eindeutig drin, dass sie mich nur zwei Wochen gestillt hat. Ich habe das aber gar nicht, nicht als Information bei mir angekommen. Wir haben uns dann letztens darüber unterhalten und dann war ich mega überrascht, wie du hast mich nur zwei Wochen gestillt. Ich habe generell so einen Widerwillen, mich näher mit dem Thema zu beschäftigen, weil ich denke, es geht mir eigentlich gut und komme gut durchs Leben. Ich habe keine, bin ich depressiv oder ich mache Dinge gerne, die ich mache und ich klar, also mir ist bewusst, dass es ein Stück weit Verdrängung ist, will mich damit nicht auseinandersetzen, habe jetzt aber eben auch keinen inneren Antrieb oder kein Bedürfnis so und mache das dann. Ich habe mir das eben jetzt nochmal angeguckt, weil ich wusste, wir sprechen darüber und habe das eben auch wirklich auf den letzten Drücker gemacht. Also wirklich erst heute. Und obwohl ich jetzt schon sehr lange weiß, dass wir darüber sprechen werden, hätte das ja wirklich in aller Ruhe vorbereiten können. Und ich habe da keinen Drang, mich näher damit zu behalten. beschäftigen. Vielleicht ist da im Unbewussten so eine Angst, dass da man irgendwas rauskriegt, was mir nicht gefällt oder was mich dann beschäftigen wird, was mich rausbringt. Also jetzt keine exzessive Lust, mich mit der Zeit zu beschäftigen, muss ich zugeben.
SPEAKER_02Und trotzdem sitzen wir hier, ne? Trotzdem machen wir diesen Podcast. Also du sagst auf der einen Seite, du hast keine Lust, sich damit zu beschäftigen und auf der anderen Seite beschäftigen wir uns jetzt schon eine ganze Weile und wahrscheinlich auch noch eine ganze Weile sehr intensiv damit.
SPEAKER_00Also ja, ich habe große Lust gehabt auf diesen Podcast und ja, generell mich mit dem Thema zu beschäftigen, würde auch einen Film machen oder darüber schreiben, habe ich ja auch immer schon. Aber es ist eher so eine inhaltliche Befassung und die Folge heute, dass es wirklich um mich geht, weil jetzt nicht, habe ich es nicht in dem Sinne forciert oder vorgeschlagen oder gesagt, oh ja, lass uns das machen und wir reden jetzt mal eine Stunde über mein Seelenleben. Das ist okay, ich will mich nicht verweigern oder da irgendwie einen schlanken Fuß machen und sagen, wir können nur über dich reden oder über alle anderen und nicht über mich. Deswegen gehört es eben einfach dazu, denke ich dann, um ehrlich zu sein. Und natürlich ist mir auch klar, wenn wir darüber sprechen, ist natürlich, sag mal, unsere Glaubwürdigkeit auch, spielt ja auch eine Rolle. Und wenn meine Mutter, sag mal, schon sich damit beschäftigt hat und auch mit uns darüber sprechen würde, dann klar, ist es natürlich auch logisch, erstmal vorher zu fragen, was in meine Erinnerung. Ist aber nichts, womit ich jetzt Reklame machen würde und jetzt in meinem Freundeskreis groß rumschicken würde. Guck mal, da rede ich eine Stunde über meine Wochengrippezeit, das musst du dir unbedingt anhören.
SPEAKER_02Also du beschäftigst dich gerne damit so als Sachthema, aber du möchtest du beschäftigst dich nicht so gerne mit dir und dem Zusammenhang.
SPEAKER_00Ich habe auch großes Interesse, mit anderen über die Zeit zu sprechen. Und dann spielt, glaube ich, mein persönliches Erleben ja auch eine Rolle. Also, dass ich das nachvollziehen kann oder die richtigen Fragen stellen kann oder so. Und bringen mich da so auch gerne ein. Aber natürlich, also es gibt ja die Geschichte, dass wir uns, es gibt ja so ein Wochen oder gab ein Wochenkriptentreffen im Störitzland, wo sich zum ersten Mal 50 Wochenkinder bundesweit getroffen haben. Und dann hast du so ein Kennenlernspiel vorbereitet, alle Wochenkinder mit Therapieerfahrung gehen auf die eine Seite, die ohne Therapieerfahrung auf die andere. Und ich war der Einzige, der auf der anderen Seite stand, also der also keine Therapieerfahrung hat. Und ich glaube, das sagt ja einfach was. Das heißt ja nicht, dass ich der Einzige bin, der jetzt nicht traumatisiert ist oder der das nicht notwendig hatte, in die Therapie zu gehen, sondern der das wahrscheinlich ein Stück weit weggeschoben hat für sich. Ich habe immer mal so Versuche unternommen und aus verschiedensten Gründen ist es dann nie zu einer längeren Therapie gekommen. Es gab immer nur so diese Probestunden und das heißt schon, ich bin jetzt nicht so mega belastet, aber natürlich könnte man sich das näher angucken und ich bin einfach nicht scharf drauf.
SPEAKER_02Weil ich glaube, damit bist du auch in guter Gesellschaft, auch wenn du jetzt in dem Spiel vielleicht der Einzige warst, der auf der anderen Seite stand. Aber ich glaube, es gibt noch mehr Leute, die da nicht so scharf drauf sind, sich das anzugucken.
SPEAKER_00Na klar, aber ich sage mal, ab einem bestimmten Leidensdruck würde ich es ja auch machen und das wahrscheinlich auch für andere dann einfach, dass sie das Gefühl haben, okay, das beeinträchtigt meine Lebensqualität so stark, dass ich es mir angucken muss.
SPEAKER_02Hast du das Gefühl, das ist jetzt so? Du bist an so einem Punkt?
SPEAKER_00Nö. Ich denke, es kann auf keinen Fall schaden, weil natürlich hatte ich vielleicht einfach ein Stück weit Glück, weil es waren eben nicht sechs Wochen, sondern erst neun Monate. Da sind ja schon mal so ein paar Grundlagen gelegt und dadurch, ich meine, manche sind ja dann nach Hause auch gekommen am Wochenende nicht in so einen schönen Haushalt. Und bei mir war da aber durch meine Mutter und meine Oma aber trotzdem viel Liebe. Auch das ist ja, dass ich Resilienzfaktoren ausbilden konnte und dann später gut durchs Leben gekommen bin. Insofern glaube ich schon, da ist nicht so der Mega-Druck, Leidensdruck da oder ich bin jetzt nicht kurz davor, zusammen zu klappen und einen Burnout zu haben und zu denken, okay, ich muss mir das jetzt angucken, weil sonst habe ich einfach kein schönes Leben und das kann nur besser werden oder so, das ist ja häufig, glaube ich, auch eine Motivation. Dann glaube ich es macht ja keiner gerne und keiner rennt da jetzt freiwillig hin und sagt, oh, das ist so toll.
SPEAKER_02Wenn du dem kleinen Alexander was sagen könntest, also wenn der große erwachsene Alexander dem Kleinen was sagen könnte, was wäre das?
SPEAKER_00Also ich habe ja grundsätzlich mit diesem ganzen, ich fremde damit wahnsinnig, ne? Mit diesen ganzen, ich sag mal so, böse Sprüchen oder oder was macht das mit dir? Und wenn du den Arm nehmen könntest, was würdest du ihm sagen, dem Kind von damals? Und das Kind in dir muss Heimat finden. Ich mache mich darüber immer so ein bisschen lustig, deswegen fällt mir das wahnsinnig schwer, das ernsthaft zu beantworten. Und das gibt es ja auch so, wir haben mal Gruppentherapie gemacht oder so, eigentlich eher so zum Kennenlernen. Und dann heißt es ja auch immer so, jetzt hört ihr mal einen Hör hinein. Und ich dann denke ich immer, ja, wenn da nichts ist, also ich habe da immer den Hang, das durch den Witz wegzuschieben. Deswegen fällt mir das total schwer, so eine Frage zu beantworten. Ich, also wenn ich das jetzt ernsthaft mache, dann würde ich ihm sagen, es ist alles gut geworden. Also ich hadere nicht damit. Also es ist jetzt nicht so, dass ich es trösten müsste oder so, vielleicht ein bisschen. Also schon so nach dem Motto, das war jetzt nicht optimal und du hattest es schwer, aber am Ende ist alles gut geworden. Trotz allem.
SPEAKER_02Du hast einen jüngeren Bruder, ne? Wie viel ist der jünger?
SPEAKER_00Achteinhalb Jahre jünger. Auch sehr lustig, meine Kinder sind auch achtinhalb Jahre auseinander.
SPEAKER_02Ja, so viel zu Familienmustern. Der war nicht in der Wochengrippe. Nein. Oder? Siehst du irgendeinen Unterschied? Macht es einen Unterschied? Also siehst du einen Unterschied in seinem Leben, in deinem Leben, in seinem Verhältnis zu deiner Mutter, in deinem Verhältnis zu eurer Mutter?
SPEAKER_00Also wenn ich davon ausgehe, dass Wochengrippe mich geprägt hat, wird es vielleicht einen Unterschied geben. Ich kann ihn aber nicht sehen. Also ich werde nicht sagen, ich habe ein anderes Verhältnis zu unserer Mutter als meinem Bruder. Hab da auch nie, es hat mich nie beschäftigt, habe jetzt nicht gedacht, oh, der musste nicht in die Wochengrippe gehen oder so. Das ist kein. Aber wenn ich jetzt drüber nachdenke, klar, wird es da einen Unterschied gegeben haben, aber ich denke dann einfach, dafür gab es ja später Momente, wo es schwerer hatte, als ich. Es gibt ja nicht nur die Zeit der Wochengrippe, insofern. Nö, also das wäre aber eine interessante Frage für meine Mutter tatsächlich, glaube ich. Also ob das für sie einen Unterschied macht oder ob sie das anders erlebt hat. Klar, man erlebt ja sozusagen das mit dem zweiten Kind immer nochmal anders und intensiver, weil man älter ist und viel mehr reflektiert und deswegen das vielleicht auch bewusster wahrnimmt. Beim ersten Kind ist es halt, das läuft dann eher so neben, also da ist man noch jung und da läuft das so nebenbei oder es wird irgendwie und beim zweiten denkt man, glaube ich, viel mehr nach. Ich glaube, sie ist einfach froh, dass sie es nicht machen musste. Sie schreibt ja auch in dem Buch, dass die Wochenkrippe für mich und für sie Horror war. Das schreibt sie natürlich unter dem Eindruck, weil sie weiß, dass mich das sehr beschäftigt und sie seitdem, glaube ich, auch beschäftigt. Ich weiß nicht, wenn ich es zum Beispiel nie angesprochen hätte, inwieweit das für sie überhaupt ein großes Thema gewesen wäre, bestimmt war das für sie auch sehr schwer. Will auch gar nicht, also bestimmt hat sie auch drunter gelitten. Aber ein Stück weit leidete jetzt vielleicht auch darunter, dass ich mich hier so beschäftigt.
SPEAKER_02Im Sinne eines Vorwurfs, du sagst ja, es ist kein Vorwurf, aber sie fühlt es vielleicht als Vorwurf, oder? Oder da kommt so schlechtes Gewissen auf.
SPEAKER_00Natürlich, na klar. Wir haben ein gutes Verhältnis und das ist kein, also die Wochengrippe hat da keinen, du musstest da nicht hin, ich musste da hin, dass da irgendwie so ein Neidgedanke oder so, das ist völlig fremd.
SPEAKER_02Ich meine das gar nicht nur oder gar nicht unbedingt im Sinne von Neidgedanke, sondern wirklich, siehst du einen Unterschied in der Beziehung? Siehst du eine andere, eine engere Beziehung zu haben? Siehst du irgendwas, was anders ist zwischen deinem Bruder und deiner Mutter und dir und deiner Mutter?
SPEAKER_00Also ich würde sagen, nein, aber weil, wie gesagt, ich hatte ein enges, gutes Verhältnis zu meiner Mutter. Also irgendeine Folge muss das ja gehabt haben. Ein Jahr, drei Monate, sagen wir, vier Tage abgegeben zu sein.
SPEAKER_02Woran merkst du den Knacks? Also was ist die Stärke?
SPEAKER_00Also ich merke manchmal, sie hat sie sehr emotional und sie kann sehr viel Liebe geben und ich kann das schwer annehmen. Ich kann damit ganz schwer umgehen und das nicht nur mit ihr so, sondern ich kann das auch von anderen Menschen schwer annehmen. Und ich glaube, dass das möglicherweise eine Folge sein könnte. Also ich kann mit großen Gefühlsschwankungen schwer umgehen. Wenn jemand sehr emotional ist und sehr, also auch mir positive Gefühle entgegenbringt als Paket, also richtig als im Überschwang bin ich immer so ein bisschen, gehe ich auf Distanz und was ja eigentlich total schade ist. Also was für ein Geschenk, wenn jemand mir viele positive Gefühle entgegenbringt. Zum Beispiel Liebe, aber kann ja auch anderes sein und ich das, ich kann das schon annehmen, aber nicht so hundertprozentig. Das ist immer so eine ganz kleine Ablehnung oder so ein so ein möglicherweise hinterfragen, ist das jetzt, ist das ernst gemeint, wird das bleiben? Ja, also ich hatte zum Teil auch da durchaus eine Ablehnung, dass, also wenn jemand zu schnell, zu, also so Freundinnen, zu emotional waren, mich mit Liebe zugeschüttet haben, dass ich, dass das dann den Effekt hatte, dass ich auf maximale Distanz gegangen bin. Das war dann eigentlich so gutes Ende. Wenn das im falschen Moment zu schnell, zu viel war, das war nichts für mich. Das tut mir auch mal total leid, aber eine wahnsinnige Angst für mich gewesen, dass das, wenn mir jemand wirklich sehr nahe steht, dass das nochmal passiert. Weil das ist ja auch nicht schön. Also, wenn ich denke, okay, ist eigentlich alles in Ordnung, aber ich kann das ja jetzt nicht erzwingen, ich will das jetzt nicht mehr. Aber das ist ja mein ganz großes Thema, ich weiß einfach nicht. Jeder hat Themen in seinem Leben, was vielleicht nicht so hinhaut und was ist eine mögliche Folge der Wochenkrippe und was wäre auch so ein Thema für mich.
SPEAKER_02Ja, das weiß man immer nicht, weil die Vergleichsversuchsreihe fehlt. Man hat ja nur sein eigenes Leben als Versuchsreihe. Aber ich finde, man kann schon so ein bisschen was rausfinden, indem man sich mit anderen unterhält, also mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, also wie jetzt zum Beispiel mit anderen Wochenkrippenkindern. Und wenn man dann immer gleiche Geschichten hört, dann liegt es schon nahe, dass das vielleicht doch, dass da was, dass das eine mit dem anderen zu tun haben könnte. Was uns zum Thema Selbsthilfegruppen bringt, aber das machen wir nochmal in einer anderen Folge. Ich würde jetzt gerne abschließend nochmal fragen: Was denkst du von heute darüber, wie die Gesellschaft mit Kindern und Eltern in der DDR so generell umging, insbesondere auf, also in Bezug auf Wochenkrippen. Also wie viel Verantwortung gibst du der sozialistischen Gesellschaft von damals, dass es so war? Und wie viel ist es individuelle Entscheidung?
SPEAKER_00Ich würde sagen, heute ist es vor allem eine individuelle Entscheidung. Man hat viel mehr Wahlfreiheit. Auch heute gibt es natürlich gesellschaftliche Zwänge, aber der Spielraum ist größer, der war damals, glaube ich, ohne erwachsendenken dabei gewesen zu sein. Aber so wie ich es mir heute zusammenreihe, war der kleiner. Und insofern würde ich sagen, das System oder die gesellschaftlichen Verhältnisse der Staat tragen die Hauptschuld, wenn man überhaupt eben von Schuld sprechen kann, wenn man das möchte, diese Schuldzuweisung oder wenn man das, da würde ich die Hauptverantwortung sehen. Und die haben das aber natürlich auch nicht. Ich meine, letzten Endes waren das auch Individuen, die das entschieden haben und Menschen, die dahinter standen, aber die haben das ja auch nicht aus bösem Willen getan. Die waren natürlich auch davon überzeugt, was Gutes zu tun. Sie kamen aus der Nazi-Zeit, sie wollten das anders machen, sie wollten es besser machen. Man wollte den Menschen zu einem guten Menschen erziehen und hat eben gedacht, das Kollektiv ist die Lösung, weg vom egoistischen Individuum. Und generell ist es eine gute Idee, Menschen zusammen und vor allen Dingen eben Kinder und auch schon Kleinkinder fremd zu betreuen, gemeinsam betreuen zu lassen, nach einem einheitlichen Muster zu gleichen Zeiten. Aus heutiger Sicht sicherlich eine absolute Fehlentwicklung, aber in der damaligen Zeit eben eine aufentregend neue Idee. Und man hat ja teilweise noch gedacht, man, die Kinder kriegen in den ersten drei Monaten eh nichts mit. Und dann ist es ja, dann ist es eine gute Idee, sie gemeinsam zu erziehen und zu gemeinsamen Zeiten auf den Topf zu setzen und sie sollen all die gleichen Lieder lernen und oh, Vorstellung eigentlich, aber eben nicht auf ein Kind einzeln einzugehen. Aber da sehe ich die Hauptverantwortung, ja. Also was ich richtig schlimm finde, also ich meine, man kann ja diesen Erziehungsgedanken, das kann ich noch ein Stück weit nachvollziehen. Aufbruch in eine neue Zeit, gerade so in den 60ern, 70ern vielleicht nicht mehr ganz so, da waren ja auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse schon da, dass es eigentlich nicht gut war. Die wussten das ja, dass es den Kindern nicht gut tut. Aber es kann ich ein Stück weit noch nachvollziehen. Dann haben sie ja gesagt, okay, wir machen die Einrichtung besser. Aber dass man die Frauen gezwungen hat, zum Beispiel so schnell wieder arbeiten zu gehen, das finde ich natürlich auch aus heutiger Sicht noch richtig katastrophal und wütend, macht mich wütend und dann kann ich auch nicht nachvollziehen, den Menschen heute, die die DDR glorifizieren und verklären und da war alles so toll und für die Frauen war es so toll, nichts war toll. Also die waren nur auf dem Papier gleichberechtigt, die mussten arbeiten gehen und mussten trotzdem noch den Haushalt machen und die Kindererziehung haben sie auch die Hauptlast getragen und sind trotzdem nicht in Führungspositionen gekommen und dann, wo dieses Angebliche, wir waren so Sozialstaat und dann musste man nach sechs Wochen wieder arbeiten gehen. Also ich kann mir das gar nicht vorstellen. Also ich war bei zwei Geburten dabei und es ist ja so eine irre Anstrengung. Ich weiß, wie kann man nach sechs Wochen wieder arbeiten gehen und da die Menschen dazu zwingen und auch diese Bindungen zum Kind so zu kappen und zu zerstören, ganz bewusst, das finde ich schon schwierig. Und ich finde eben alle Versuche, das eben heute zu wiederholen, auch schwierig. Es gibt ja so 24-Stunden-Kitas. Ich kann das total nachvollziehen. Das gibt zum Beispiel bei Umkreis von Krankenhäusern, dass dann, wenn man, wenn beide Ärzte sind, dass sie ein Betreuungsproblem haben, weil man im Schichtdienst ist. Und dass man auf so eine Idee kommt. Aber dass man das mit Steuergeldern noch unterstützt, finde ich nicht gut. Und man muss sich die, man muss die Folgen einfach kennen. Ich würde sie zumindest sagen. Und ich finde es eben schade, wenn Menschen denken, das Leben kann so weitergehen, auch wenn ich jetzt ein Kind habe. Also ja, man muss nicht 18 Jahre jetzt zu Hause sitzen und seinen Job verzichten, ist natürlich Quatsch. Und ja, auch eine zufriedene Mutter ist auch ganz, ganz wichtig. Und es kann auch der Papa zu Hause bleiben. Aber wenn man mich fragen würde, in meiner idealen Welt wäre das schon gut, wenigstens das erste Jahr und idealerweise vielleicht noch das zweite Jahr einer sich zu Hause drum kümmert.
SPEAKER_02Ich danke dir für deine Offenheit und für deine Bereitschaft, trotz Widerwillen, dich darauf einzulassen und Frage und Antwort zu stehen. Wir werden ja in einer der nächsten Folgen deine Mutter hier haben. Das können wir, glaube ich, ja schon so ankündigen.
SPEAKER_00Ich bin wahnsinnig aufgeregt. Nein, ich finde es ganz toll, dass sie es macht und sehr ungewöhnlich und ja, bezieht dann mal ganz andere Sichten. Ich bin gespannt.
SPEAKER_02Ja, und dann haben wir vor allem auch jemanden nochmal, der als Zeitzeuge spricht. Also sie kann dann oder wird uns dann ja hoffentlich ihre Sichtweise auf die Dinge zur Verfügung stellen. Da bin ich auch sehr gespannt darauf, was sie selber erzählt.
SPEAKER_00Ja, geht ja auch weniger um die persönliche Sicht, sondern also klar, die wird sie sagen, aber eben stellvertretend für eine Generation.
SPEAKER_02Ja, dann kommen wir für heute zum Ende.
SPEAKER_00Genau. Und wenn es Kritik gibt, wenn ihr Anregungen habt, wenn ihr Vorschläge habt, wen wir noch so einladen könnten, außer meiner Mutter, wenn wir vielleicht, ja, wenn wir irgendwas falsch dargestellt haben in euren Augen oder wenn ihr andere Erfahrungen gemacht habt, wenn ihr selbst ein Wochenkind seid, meldet euch gerne. Wir haben eine eigene E-Mail extra eingerichtet. Lesen die auch ungehalten.wochenkinder.de. Ansonsten hinterlasst uns gerne ein Like oder ein Abo und hört gerne wieder rein. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.
SPEAKER_02Danke dir. Bis zum nächsten Mal.
SPEAKER_00Danke dir.
SPEAKER_02Tschüss.
SPEAKER_00Dieser Podcast wurde mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.