Whispering Horizons

Bergen & Hardangerfjord — Der Klang von Bryggen

Whispering Horizons Season 1 Episode 6

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Bergen · Hardangerfjord · ASMR Deutsch · Norwegen · Einschlafen

Irgendwo in Bergen streicht ein Bogen über eine Saite. Die Hardangerfidel öffnet sich — und mit ihr Bergen: das Holz der Bryggen, der Regen auf den Dächern, das weite stille Becken des Hardangerfjords. Eine Klangreise durch eine Stadt, die Jahrhunderte aufgenommen hat, und durch einen Fjord, der schweigt wie etwas, das sehr alt und sehr ruhig ist. Bragi, Gott der Dichtkunst, streicht durch dieses Script wie Bogenhaar über Saiten. Kvásir, der aus dem Atem aller Götter entstand, wartet zwischen den Kapiteln. Die Sympathiesaiten schwingen mit — auch in dir.

60 Minuten · Geführte Tiefenentspannung · Norwegische Klangreise · Nordische Mythologie · Whispering Horizons

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🌿 Whispering Horizons — Nordische Destinationen und Mythen, zum Hören.

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Whispering Horizons.

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Bergen. Irgendwo in der Stadt Bergen. Streichte einen Bogen über eine Seite. Ganz langsam mit dem Gewicht des ganzen Arms fast sich selbst überlassen, der nichts will, als in diesem Moment, diesen einen Moment des Streichens, der nichts anderes will, als die Seite zum Klingen zu bringen. Die Seite gibt nach. Sie öffnet sich und aus dem Schwingen entsteht mehr als ein einzelner Ton. Was entsteht, ist ein Klangkörper aus verschiedenen Ebenen. Oben ein helles, zartes Leuchten, Sternengleich, die über die alten Holzdächer der Brückenhäuser steigt und sich flach über das Wasser des Abendfjords legt, so weit und so still. Darunter, warm und rund wie Holz, das die ganze Sonne des Tages getragen hat, der Kern des Klangs, er breitet sich aus, ohne Eile, ohne Rand und füllt die Abendluft über dem Wasser. Und tiefer noch unter allem das Summen der Sympathie Seiten. Vier Seiten, die kein Bogen je berührt hat, die einfach Antworten mit den darüberliegenden Seiten mitschwingen, weil ihr Ton in der Welt ist. Die Sympathie Seiten warten seit jeher auf genau diesen Moment. Das ist die Hardenker Fiedel. Sie klingt ein wenig melancholisch und fröhlicher zugleich. Du bist der Klangkörper, in dem sich alle Töne sammeln, deine Rippen, dein Brustbein, die warme Stille in deinem Körper. Bergen ist der Raum, in dem du klingst. Bergen hat Jahrhunderte aufgenommen. Regen, Stimmen, Holz und Salz, den Klang jeder viel, die je durch die Gassen der Brücken gegangen ist. Alles hat sich vermischt, übereinander gelegt, bis das, was hier in der Luft klingt und was hier in der Luft liegt, keiner einzelnen Quelle mehr gehört. Und du trägst dasselbe in dir. Alles, was du je gehört hast, gefühlt, vergessen und behalten hast, ist hier übereinander gelegt, wie die Schichten der Hardanger Fiedel. Du bist so gebaut, dass du antwortest. Dafür gibt es einen alten Namen. Als der lange Krieg zwischen Asen und Warnen endete, legten alle Götter beider Seiten ihren Atem in ein gemeinsames Gefäß. Jeder gab etwas von sich, das tiefer liegt als Worte, das man nicht zurücknehmen kann, wenn es einmal gegeben ist. Aus dem Vermischten formten sie quasi ein Wesen, das durch alle neuen Welten reiste und auf jede Frage antworten konnte, das lehrte, ohne je zu urteilen, das keinen Ort hatte, der nicht für einen Augenblick die richtige wurde, wenn er dort verweilte. Die Menschen, die ihn gehört hatten, beschrieben sich hinterherstiller, als hätte seine Gegenwart etwas in ihnen abgelegt, das erst nach und nach auftaute, wie der Frühling auftaut, ohne dass man den genauen Moment benennen kann. Sein Blut mit Honig vermischt wurde der Met der Dichtkunst. Bragi trank als erster, und seitdem trägt jeder Bogenstrich, der je über eine Seite gegangen ist, etwas von diesem Ursprung in sich. Auch dieser hier in den Gasten der Brücken, in dieser Abendluft über dem Wasser. Die alten Holzhäuser am Wasser tragen daher die Vielfalt der Farben, die niemand gemischt hat. Ein weiches Rotbraun, das die Jahrzehnte gebracht haben, ein verblasstes Ockergelb, dem Sonne und Regen abwechselnd zugesetzt haben. Ein stilles Grau dort, dort, wo die Feuchtigkeit des Fjords am längsten bleibt und das Hals tief in die Jahresringe eingezogen ist. Die Häuser lehnen sich leicht aneinander, jedes ein wenig anders geneigt, als hätten sie sich über die Jahrhunderte zueinander gebogen, in einer Geduld, die kein Mensch aufbringt, die nur Holz kennt, das lange genug steht. Das Holz hat den Klang aufgenommen während all der Jahre, jeden Schritt auf dem Kopfsteinpflaster, jede Stimme, jeden Regen, jede Fiedel, die je durch diese Gassen gegangen ist. Es behält alles, irgendwo in seinen Schichten, in seinen Rissen, in dem Dunkeln, das nie Licht gesehen hat. Bergen ist bekannt für seinen Regen. Die Bergenser wissen das. Der Regen gehört hierher wie das Holz und das Salz. Er tropft von den Dächern auf die Bohlen und Planken der langen Häuserzeilen. Ein leises, gleichmäßiges Klopfen, das nie aufhört, manchmal lauter, manchmal kaum hörbar, aber immer da wie ein zweiter Herzschlag der Stadt. Blechern tropfte auf die Fallrohre, ein höheres, dünneres Klingen, das sich mit dem dumpfen, trommelnden Aufschlag auf den alten Planken mischt. Hoch oben unter dem Dach hängt der Kabeljau, still und trocken in der feuchten Luft, geduldig wartend, wie alles hier wartend. Die langen Schwänze des Trockenfischs hängen reglos im Halbdunkel. Es riecht nach Salz und Meer und nach langer Fahrt. Brückend träumt, das spürst du, wenn du länger bleibst. Die Häuser lehnen sich so nah aneinander, dass der Himmel zwischen ihnen schmal wird wie ein Atemzug. Und die Gassen gehen ins Halbdunkel, ins Ungefähre, in ein Licht, das zu keiner Tageszeit ganz gehört. Irgendwo zwischen den Jahrhunderten, zwischen dem Knarren der Balken und dem Rauschen des Regens auf den Dächern, öffnet sich etwas. Ein Spüren, als wären die Menschen, die hier gelebt und gehandelt und geschlafen haben, noch nicht ganz fort. Als wäre ihr Atem noch im Holz. In Brücken gibt es keine Heizung, damit es nicht brennt, wie es so oft gebrannt hat, irgendwo auf dieser Welt. Und das Holz muss kühl bleiben, damit die Geschichte nicht noch einmal in Flammen aufgeht. Es ist kalt hier, eine stille, gedämpfte Kälte, die aus den Planken steigt und sich an den Wänden festkrallt. Der Atem macht kleine Wolken. Man geht schneller als geplant. Nur in den Schutztüor ist es warm, im Tüsch gequarte, dem deutschen Viertel, dem Herz des hanseatischen Trebens. Dort wird gehandelt, Fisch gewogen, gegessen, gefeiert ist der Schweiß von der Decke getropft und die Stimmen der Männer sich im Rauch und im Biergeruch vermischen. Kaufleute und Faktoren, Gesellen und Lehrlinge. Viele kamen jung aus den deutschen Städten und kehrten nie zurück oder erst spät, als sie Jahre in Bergen länger geworden waren als Jahre daheim. In den Lagerhäusern wird geschlafen und gearbeitet, gelebt in einer Enge, die durch langen Gebrauch zur Vertrautheit geworden ist. Die vorrangige Sprache in den Kontoren und Lagern. Und Verhandlungen ist Deutsch, das Mittel-Niederdeutsche der Hansa, das hier in der Brücke seinen eigenen Bergenton angenommen hat, gemischt mit dem Norwegischen der Gassen und dem Lateinischen der Schreibsturen. Deutsch ist die Sprache des Gewichts, der Menge, des Preises. Und manchmal, spät in der Schutzture, wenn der Abend lang und warm und laut geworden ist, ist sie auch die Sprache des Lachens. Du gehst durch die Gassen, das Pflaster rund und nass unter den Sohlen, die Häuser so nah, dass du die Maserung siehst, das Moos in den Fugen, das Lebende im Alten. Über dir ein schmaler Streifen Abendhimmel. Aus einer Tür, die einen Spalt offen steht, kommt Wärme und Licht und der erste Bogenstrich des Abends. Das Helle zuerst, das über die Dachkanten gleitet und sich über das Wasser legt. Dann der warme Kern, der den Raum zwischen den Häuserwänden füllt und vom Holz weicher zurückkommt, als wäre er durch die Jahresringe gegangen. Dann das Summen der Sympathie Seiten, die niemand gestrichen hat und die trotzdem Antworten, ruhig und stetig, ein Fundament aus Obertönen, das alles von unten trägt. Deine Brust nimmt das Summen auf, eine Wärme, die sich ausbreitet, entlang der Rippen, über die Schultern in den Rücken. Du bist wie das Holz. Du nimmst auf und behältst, wie das Holz behält. Dein Blick geht die Kasse entlang. Und zwischen den Schatten der Häuser breitet sich Licht am Ende der Häuserzeile aus. Ein Übergang vom Dunkeln ins Licht des Hafens. Ein Durchgang als Blick durch ein Fenster in das geschäftige Treiben dahinter. Für einen kurzen Moment ein Ausschnitt nur, nimmst du Teil am Leben der Menschen, die vorbeihuschen, die du erblickst durch den vom späten Tageslicht erläuterten Ausgang aus Brückgen, vorbeihuschende Menschen von links und rechts. Einkaufstaschen tragend, Kinder an der Hand ihrer Eltern, eine alte Frau, die ihren Hund Gassi führt und der am Pfosten des Eckhauses seine Marke hinterlässt. Ein Mann huscht wichtig durchs Bild, Kinder tänzeln vorbei. Weiter hinten, der Hafen, im hellen Dunst siehst du Schiffe im Hafen liegen. Manche gleiten still vorbei, andere schwanken im Wasser hin und her und werden verteut. Stille Kommandos gestikulierender Seeleute. Der Hafen liegt wie Glas in der Abenddämmerung. Worgen, die alte Bucht, um die sich Bergen seit seinen Anfängen gekrümmt hat, wie eine Hand um etwas Kostbares. Das Wasser dunkel und ruhig. Die Oberfläche lebend in einem Rhythmus so unmerklich fröhlich, dass man ihn fast nur fühlt. Die Lichter der Case spiegeln sich darin, langgezogen, leise zitternd, jedes ein kleines, warmes zu Hause im dunklen Wasser. Du sitzt auf den Granitstufen, die ins Wasser führen. Der Stein ist kalt und fest, aber beständig unter dir, so beständig, dass alles in dir etwas nachlassen kann. Das Wasser schlägt leise gegen den Stein, saugt sich zurück, kommt wieder. Es war hier, bevor Bergen seinen Namen hatte. Bragi streicht eine tiefere Seite. Und dieser Ton geht nicht über die Däche, er geht über das Wasser, flach und weit, berührt die Oberfläche des Wagens und breitet sich aus in stillen Ringen. Die Sympathie seiten antworten zeitgleich, jede in ihrer eigenen Tiefe, ein leises Akkordieren, das aus dem Innern des Instruments aufsteigt und in der Luft über dem Wasser hängt, warm und vollständig. Ansus reist darin der göttliche Atem, der auch über dem dunklen Wasser eines alten Hafens noch weht. Der tiefe Ton geht in den Bauch, in die Schwere der Beine, in alles, was ruht. Du wirst schwerer, angenehm schwer, gehalten schwer und der Stein unter dir wird deutlich, verlässlicher. Südlich der Stadt liegt ein kleines Holzhäuschen an einem stillen See. Die Heimat vieler Töne trollt Haugen, der Hügel, die Birken, der Norderswand, im Abendlicht graugrün und tief und vollkommen ruhig. Bäume spiegeln sich. Edward Krieg lebte hier und hörte, was die Landschaft und Natur uns sagt. Das leise Sprechen der Birken, wenn der Wind durch ihr junges Laub geht. Den Regen auf dem See, der jeden Tropfen einzeln hinschreibt und sofort wieder auslöscht. Er saß still und ließ es durch sich hindurch fließen. Ganz offen. Und was herauskam, war Musik, die klingt wie dieser Ort, weil sie dieser Ort ist. Er war Klangkörper, wie du jetzt Klangkörper bist, und Ansuß war auch auf seiner Zunge, vielleicht ohne Namen, aber gespürt in jeder Note, die er niederschrieb. Du sitzt auf den knarzenden Holzplanken eines Schiffes und spürst den Wind in deinen Haaren. Wind, der dich vorwärts trägt. Das Holz ist noch von der Nachmittagssonne warm, von innen warm, diese stille, tiefe Wärme, die Holz über Stunden aufgenommen hat und jetzt durch deine Handflächen zurückgibt, ohne Eile, ohne Aufhören. Das Boot gleitet lautlos über das Wasser. Der Hadangafjord breitet sich aus, weiter als du erwartet hast. Ein weites, ruhiges Becken, das das Licht dieses Aprillabends tiefer hält als jedes andere Wasser. Als wäre das Licht hier zu Hause. Das Wasser bewegt sich in sich selbst, ein inneres Atmen, kaum sichtbar, spürbar nur, wenn du die Hand über die Reling hältst und das Vibrieren durch das Holz spürst. Auf beiden Seiten des Fjords blühen die Apfelbäume. Ganze Hänge davon, weiß und rosa. So viel Blüte auf einmal, dass das Weiße von Weitem wie Licht aussieht. Wie Licht, das aus dem Grün heraus strahlt. Der Duft kommt über das Wasser, süß und frisch zugleich mit dem Grünen des jungen Laubs darunter. Diesem Grün, das die Sonne bereits in sich trägt. Du atmest ihn. Der Duft ist flüchtiger als normalerweise. Dieser Duft erreicht etwas Stilles in dir, das auf ihn gewartet hat, ohne es zu wissen. Edon geht durch die Obstgärten, Bragis Gefährtin, sie, die das Aufbrechen selbst ist, das erwache nach dem langen Schlafen des Winters. In der Edda hält sie die goldenen Äpfel, von denen die Götter essen, wenn die Jahre zu schwer werden und verisst, vergisst für einen Moment, wie alt er ist. Wo Idon geht, öffnet sich alles. Die Blüten, die Seele, der Geist. Wo Progi spielt, kommt an, was sich geöffnet hat. Sie gehören zusammen, das Stille Erneuern und die Stimme, die singt. Ein Blütenblatt löst sich von einem Zweig, der über das Wasser reicht, dreht sich einmal, zweimal, fällt so langsam, als wäre der Weg das Einzige, was zählt. Es landet auf dem Wasser, rosa, still und treibt davon. Du gehst den Hang hinauf durch die blühenden Obstgärten, das Gras weich und feucht unter den Sohlen. Deine Schritte sind kaum hörbar. Die Apfelbäume stehen in alten Reihen, die dem Hang folgen. Ihre Stämme knorrig und geduldig mit graugrüner Flechte bedeckt, die im feuchten Frühlingslicht ein stilles, lebendiges Leuchten in sich tragen. Die Bienen arbeiten zwischen den Blüten, ein tiefes, warmes Summen, das durch die Erde geht, das schon hier war, bevor der erste Baum gepflanzt wurde. Du erhebst zart die Hand unter einen Zweig, den Blüten so nah, dass du jeden einzelnen Stempel siehst, die feinen Staubfäden, das zarte Gelb im Herzen strahlend hellenweiß. Ein Blütenblatt löst sich erneut, landet auf deiner Handfläche, so leicht, dass du Angst hast zu atmen. Aber du atmest und es bleibt. Bragis gestrichene Töne kommen von unten den Hang herauf, das Helle zuerst, das über die lichten Braumkronen fliegt und deine Stirn berührt, so sanft wie das erste Licht eines Morgens. Dann das Warme, das an den Stämmen der alten Apfelbäume entlang schlängelt, den Furchen der Rinde folgend, langsam aufsteigen. Das Summen, das unter allem liegt und alles hält, tief und beständig, so vertraut, als hättest du es immer schon gekannt, als wäre es dein eigener Herzschlag nur ein wenig weiter draußen. Ansus hat dich vollständig gefunden, sanft, ohne Druck, wie der Frühling, der kommt, eines Morgens einfach da ist. Oben, wo der Hang sich ebnet und der Blick über den Fjord geht, setzt du dich unter den alten Apfelbaum, das Holz im Rücken rau und warm, jede Rille ein Jahrzehnt, jede Furche eine Geschichte, die niemand mehr kennt und die trotzdem da ist, eingeschrieben ins Holz wie Ansus in Pragis Zunge. Die blüten über dir so dicht, dass sie das Licht milde streuen. Es kommt durch sie weiß und rosa und bewegt sich mit dem Wind ganz sanft, immer wieder. Der Fjord liegt unter dir ausgebreitet. Die dunkelblaue Tiefe des Hadangafjords zwischen dem Grün der Hänge und dem Weiß des Schnees auf den Bergspitzen drüben. Sie tragen noch Winter, während hier unten bereits der Frühling blüht. Frühling und Winter, Wärme und Kälte, das Vergehen und das Kommen, alles gleichzeitig, alles friedlich nebeneinander. So war quasi, aus allem gemischt, aus keinem allein. Er trug den Winter und den Frühling in sich, die Stille und die Stimme, das Wissen aller Welten und die Demut, es weiterzugeben, ohne je etwas für sich zu behalten. Wer bei ihm saß, spürte beides auf einmal, und das war keine Verwirrung. Das war Vollständigkeit. Die tiefe Ruhe, die entsteht, wenn man aufhört, zwischen den Dingen zu wählen. Bragi spielt einen langen, ruhigen Ton. Der Bogen hebt sich nicht, er bleibt, atmet mit der Seite, lässt den Ton wachsen voll und rund und warm, trägt ihn, bis der Arm müde wird und noch darüber hinaus. Die Sympathie seiten darunter summen, stetig und treu. Dieser Ton geht hinunter in den Fjord, durch die Oberfläche und durch die Schichten des Wassers bis in die Tiefe, wo alles still ist. Ansus trägt ihn der göttliche Atem, der auch dort unten noch atmet, wo kein Licht mehr ist. Du liegst im Gras des Hangs, der Rücken im saftigen Gras, das Gesicht dem Himmel zugewandt, der tiefer wird, dunkler. Das erste zarte Sternblau. Ein Blütenblatt fällt, so langsam drehend, als wäre das Fallen selbst das Zuhause-Sein. Es landet auf deiner Brust. Sein Gewicht. Spürt man kaum. Und doch spürst du es mit dem ganzen Körper. Bragi spielt weiter ohne Eile, ohne Ziel, ohne Anfang und ohne Ende. Ein breiter, ruhiger Brogenstrich, der alle Seiten anstimmt. Die Gespielten und die Ungespielten, das Helle und das Tragende, den Ton unseren Summen und lässt sie zusammenklingen, wie sie immer schon zusammen waren. Der Klang geht über den Fjord, über die blühenden Hänge in den Steinen der Berge, in das Licht und das Holz der Brückenhäuser, in den stillen Seebertrollt Augen. Bergen nimmt ihn auf, die Erde nimmt ihn auf. Alles gibt ein wenig davon weiter. Alles behält ein wenig, wie du ein wenig behältst. Deine Rippen, das Helle, dein Bauch, das Tiefe. Dein Rücken. Dein Rücken im Gras ist der Resonanzboden, warm und geduldig. Quasi es Met in dir sorgt dafür, dass nichts verloren geht. Was eingeht, bleibt, arbeitet leise weiter in Schichten, die du nicht siehst und nicht benennen musst. Du lässt es geschehen. Das ist alles. Das ist mehr als genug. Und wenn Bragi den Bogen abhebt, klingst du noch weiter. Die Sympathie seiten in dir gehen weiter, leiser mit jedem Atemzug, aber noch da, immer noch da, ein Summen, das tiefer und wärmer wird, je stiller du bist. Das ist der Moment, dem der ganze Abend zugegangen ist. Nicht das Spielen, das Nachklingen. Nicht der Ton, das, was er in dir hinterlässt, die Wärme, die der Ton zurücklässt, wie der Sommer die Wärme im Stein zurücklässt, lange nachdem er gegangen ist. Der Abend kommt sanft über den Hardange. Die Bergspitzen auf der anderen Seite des schattigen Fjords nehmen das letzte bläuliche Licht auf. Der mit Sonne beschienene Schnee wird einen Augenblick rosa Gold. So warm, so zart, fast unwirklich schön. Und dann lässt das Licht nach, ganz sachte, und der Schnee ist wieder weiß und still. Die Obstblüten leuchten länger als andere. Sie haben den ganzen Tag Licht getrunken und kämen es jetzt zurück. Weiß und rosa gegen den dunkler werdenden Himmel. Ein leichtes Geben, bevor die Nacht kommt. Hügin und Mönin gleiten über dem Fjord. Odins Raben, Gedanke und Erinnerung, unterwegs in die Nacht in alle neuen Welten. Mönin dreht noch einmal hält inne über dem stillen Wasser. Einen Atemzug lang. Zwei, als wäre da etwas, das sie hält. Das Summen der Fiedel vielleicht, der Mäd in der Luft, quasi das Atem, der noch hier ist zwischen den Blüten über dem Wasser. Dann folgt sie ins Dunkel, und die Stille, die sie hinterlässt, ist größer als See zuvor. Die Stadt schläft, die Brückenhäuser dunkel und still. Im alten Holz der Klang aller Jahrhunderte darin ruhnt, tief in den Jahresringen. Morgen, ein schwarzes, stilles Tuch, das nur selten vom Bug eines Schiffes geteilt wird, ein paar Lichter darin, so ruhig wie Kerzen in einem windstillen Raum. Die sieben Berge überbergen, sieben dunkle, geduldige Rücken gegen den Nachthimmel aus einem Gestein, das war bevor Bergen war, und das noch hier sein wird, wenn Bergen ein anderes Wort für sich gefunden hat. Trolltaugen schläft, das kleine Häuschen am See, die Fenster dunkel. Der Nordos Wanne ruhig wie ein Atemzug. Und die Birken mit ihrem neuen Laub schimmern Licht und silbern im Mondlicht, so zart und so jung. In den Wänden des Häuschens lebt noch Klang, ganz langsam abgebend an die Nacht, an den See, an die Luft und an dich, der von hier nicht weit ist, der du nie weit von hier bist, von dem, was klingt. Bragi hat den Bogen abgelegt. Das Instrument liegt still in seinen Händen, ruht. Die Sympathie seiten klingen noch. Niemand hat ihnen gesagt, dass sie aufhören sollen. Und so klingen sie weiter. Leise, leise, noch da, ganz leise noch da, ein Summen, das sich in die Nacht auflöst und doch irgendwo hingeht, weil es in dir weitergeht, in dem Raum hinter deinem Brustbein, in deinem warmen Stille, die quasi es Med dort hinterlassen hat. Du klingst noch. Edens Frühling ist in dir, ansus, einmal gespielt, einmal gehört, einmal wirklich angekommen. Träg dich weiter, ruhig und treu, ohne dass du dafür irgendwas tun musst. Du bist der Klangkörper, Bergen ist der Raum, und der Raum hält dich vollständig, in seiner Stille, die klingt, in seiner Nacht, die warm ist, in seinen Armen, die so weit sind wie der Fjord. Der Fjord atmet langsam mit einer Lunge, die größer ist als du, die alles fasst. Das Wasser hebt sich und senkt sich, kaum merklich. Und du hebst dich mit ihm und senkst dich mit ihm. Und irgendwo zwischen dem Heben und Senken liegt die Schwelle, die du kennst, die weich ist, die schon immer auf dich gewartet hat. Du bist Klangkörper, du bist der Fjord, du bist die Stille, die noch klingt. Yggdrasil trägt. Edon hält. Bragi spielt. Schlafgut. Gute Nacht.