Immer wieder Deutsch | Learn German (B1 - B2 Intermediate)

#7 - Müllproblem & schlaue Raben in Berlin | Learn German Listening Practice

Lehrer Ben Season 1 Episode 7

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Darum geht es in dieser Folge (B1/B2 German):
Ich wohne aktuell in Japan und habe dort ein interessantes Experiment mit meinem Hausmüll gemacht. Warum wartet hier jeder bis exakt 8 Uhr morgens? Außerdem reisen wir zurück in meine alte Heimat Berlin-Kreuzberg. Warum stehen dort monatelang alte Sessel auf der Straße? Und am Ende erzählung ich dir eine faszinierende Geschichte über die extrem schlauen Berliner Raben (Vögel), die mich auf meinem Balkon beobachtet haben.

Useful vocabulary to listen for:

  • der Müll / die Müllabfuhr = the garbage / garbage collection
  • die Mentalität = the mentality
  • der Sessel = the armchair
  • die Raben & Krähen = the ravens & crows
  • schlau = smart / clever
SPEAKER_00

Hi, willkommen bei immer wieder Deutsch. Heute reden wir über Müll.

Das Müllproblem

SPEAKER_00

Und zwar, ich wohne ja im Moment in Japan und es gibt einen Platz vorm Haus, an dem man zweimal die Woche seinen Müll wegbringen kann. Also den ganz normalen Hausmüll kann man rausstellen und dann wird der von der Müllentsorgung abgeholt. Und man hat eine bestimmte Uhrzeit, wann der Müll abgeholt wird. Und zwar immer 8 Uhr morgens, an zwei bestimmten Tagen pro Woche. Und das bedeutet, einmal pro Woche ist das auch am Wochenende, was heißt, man muss früh aufstehen, also schon um sieben Uhr oder so den Müll rausbringen. Und bis jetzt haben das alle Leute hier immer so gemacht. Also sie haben den Müll morgens rausgebracht. Und ich habe mich immer gefragt, warum niemand den Müll abends rausstellt. Und habe gefragt, ob man das darf. Und ja, man kann das machen, aber es macht keiner, weil es niemand macht. Also die meisten Leute wissen wahrscheinlich nicht, dass man den Müll den Abend vorher rausstellen darf. Also habe ich den Müll einfach mal abends rausgestellt und sehe da plötzlich, jetzt ungefähr zwei Wochen später oder drei Wochen später, nach dem dritten Mal, stehen plötzlich heute Abend sehr viele andere Müllbeutel draußen. Und ich denke, das ist eigentlich sehr interessant, weil das zeigt ein bisschen einen Unterschied in der Mentalität zwischen Deutschland. Vielleicht, ich weiß nicht, ob das ein guter Beweis dafür ist, aber

Mentalität Deutschland und Japan

SPEAKER_00

ja, die Leute schauen hier eher darauf, was andere Leute machen und denken, ah, vielleicht, wenn ich den Müll abends rausstelle, ist das nicht gut. Oder die anderen Leute denken vielleicht etwas über mich, wenn sie mich sehen. Aber wenn jemand anders es macht, machen sie es auch. Ich glaube, die Deutschen sind manchmal ein bisschen ähnlich wie die Japaner in ihrer Mentalität. Also es gibt gewisse Ähnlichkeiten, aber beim Müll sind sie auf jeden Fall anders.

Müll in Berlin

SPEAKER_00

Ja, bei mir in Berlin, in meiner alten Wohnung, hatte man eigentlich draußen immer einen Bereich, wo man den ganzen Tag den Müll wegwerfen kann. Also man hatte mehrere große gelbe Tonnen und blaue Tonnen und schwarze Tonnen. Und ja, es gab keine bestimmte Uhrzeit. Man hat nur gesagt, man soll nicht mitten in der Nacht wegwerfen, weil das ein bisschen laut ist, aber eigentlich war das immer offen und man konnte da immer rein. Also man hat einen Schlüssel gebraucht, um dort in diesen Bereich reinzukommen. Aber es gab keine zeitliche Begrenzung oder so. Und ja, das ist hier in Japan sehr anders. Also ich habe gehört, das ist teilweise von Haus zu Haus sehr anders, die Regeln, wann man den Müll wegbringt und wann man ihn rausstellen darf. Aber ja, das ist ein interessanter Unterschied, denke ich. Thema Müll: Es ist auf jeden Fall sehr sauber hier überall. Also draußen auf den Straßen. Ich sehe sehr wenig Müll. Das erinnert mich ein bisschen an das Dorf in Deutschland oder die kleineren Städte in Deutschland. Dort gibt es auch eigentlich echt wenig Müll, muss ich sagen. Berlin ist da auf jeden Fall ein großes Stück anders. Berlin hat in vielen Bereichen ein echtes Problem mit Müll draußen, finde ich. Vor allem in Kreuzberg, in Neukölln. Ich habe in Kreuzberg gewohnt und in meiner Umgebung kam eigentlich die Müllabfuhr gar nicht hinterher, den ganzen Müll wegzuräumen, der in einer Woche entsteht, auf der Straße oder neben der Straße am Bürgersteig zum Beispiel. Ja, die Leute stellen zum Beispiel oft alte Möbel, die sie nicht mehr brauchen, einfach vor ihr Haus, also in Deutschland, in Berlin. Und denken vielleicht, okay, das ist noch nicht kaputt. Vielleicht kann jemand noch diese Möbel gebrauchen. Aber dann kommt zum Beispiel der Regen oder schlechtes Wetter und niemand kann es mehr gebrauchen, weil es kaputt geht, weil es einfach draußen steht. Und dann bleibt es dort stehen für manchmal sogar mehrere Monate.

Der einsame Sessel

SPEAKER_00

Also ich hatte das einmal bei mir in der Straße in Berlin stand ein Sessel, also ein kleiner, ja, wie sagt man, ein Stuhl zum Sofa, also ein Sessel, ja. Man kann darauf sitzen. Und dieser Sessel stand dort, ich glaube, seit Februar in einem Jahr, bis zum nächsten Jahr, bis ins neue Jahr. Und dann nach Silvester, also im Januar des nächsten Jahres, nach Neujahr, kam dann irgendwann die Reinigung und hat den Sessel mitgenommen. Und ja, das ist sehr interessant, weil dieser Sessel hat sich innerhalb von einem Jahr von einem relativ normalen Sessel verändert in etwas Komisches, was nicht mehr aussah wie ein Sessel. Weil teilweise auch Tiere darauf gelandet sind, vor allem die Raben und die Krähen in Berlin, also diese Vögel, schwarze Vögel. Aber die sind sehr schlau. Ich weiß nicht, ob ihr das schon mal beobachtet habt, wie schlau diese Vögel sind.

Rabenfreund

SPEAKER_00

Ich hatte in meiner Wohnung in Berlin einen Balkon und vor meinem Haus waren viele Bäume und man hat dort oft Raben gesehen. Und wenn man auf dem Balkon gesessen hat, kamen sie manchmal vor das Haus auf den Baum. Also sie konnten direkt von dem Baum, vom Ast, von dem Baum, direkt auf den Balkon blicken. Und wenn man draußen auf dem Balkon gegessen hat, dann haben sie einen beobachtet. Und ich hatte einmal versucht, den Raben ein bisschen Futter auf den Balkon zu legen. Also an die Seite, wo sie das gut sehen können, habe ich ein paar Nüsse hingelegt und bin wieder rein in meine Wohnung. Und innerhalb von ein paar Sekunden habe ich gesehen, wie die Raben vom Baum kamen und sich das Futter geholt haben. Und irgendwann kamen die immer öfter zu meinem Balkon und hatten weniger Angst und haben wirklich jeden Tag vor meinem Haus gewartet. Manchmal, wenn ich mit meinem Hund spazieren war, haben sie gesehen, dass ich rauskomme und sind mir hinterhergeflogen und haben immer auf den Bäumen gewartet, ob ich vielleicht etwas für sie habe. Aber ja, weiter habe ich auch nicht versucht, diese Freundschaft zu verstärken. Ja, das war's heute. Ich danke euch fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal.