Immer wieder Deutsch | Learn German (B1 - B2 Intermediate)

#12 - Sprachen lernen wie ein Baby (B1-C1) | Learn German Listening Practice

Lehrer Ben Season 1 Episode 12

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Darum geht es in dieser Folge (B1-C1 German): Lernen Kinder eine Fremdsprache wirklich viel schneller und müheloser als Erwachsene, oder verwechseln wir da einfach etwas? In dieser Folge spreche ich über ein Thema, das mich auch in meinen Unterrichtsstunden auf iTalki ständig begleitet. Ich teile meine eigenen Erfahrungen mit dir, wie es war, als Erwachsener Japanisch zu lernen, und warum der immense Druck bei Sprachprüfungen oft der falsche Weg ist. Außerdem reisen wir kurz zurück in meine eigene Kindheit auf den Spielplatz im Kindergarten: Ich erzähle dir von einer sehr umstrittenen Regel beim Fangenspiel und wie ich damals ganz intuitiv die Bedeutung des Verbs „gelten“ verstanden habe. Am Ende erfährst du, warum das Gehirn vor allem massiven „Input“ durch Hören und Lesen braucht, wie du Frustration im Sprachkurs vermeidest und wie Apps wie Anki dich dabei unterstützen können.

🔑 Wortschatz & Redewendungen aus dieser Folge (Einfach erklärt):

  • verwechseln mit (Verb) – Zwei Dinge oder Personen fälschlicherweise für das jeweils andere halten (z. B. „Man verwechselt oft schnelles Lernen mit der Abwesenheit von Druck“).
  • umstritten (Adjektiv) – Wenn es zu einem Thema oder einer Regel viele verschiedene Meinungen gibt und viel darüber diskutiert wird; nicht eindeutig geklärt.
  • gelten / gelten als (Verb) – Gültig sein oder für etwas Bestimmtes gehalten werden. Beim Spiel bedeutet „Das gilt nicht!“, dass eine Aktion gegen die Regeln war oder nicht zählt.
  • nachlassen (Verb) – Schwächer, weniger oder schlechter werden (z. B. „Die Effizienz des Gehirns oder das Gedächtnis lässt im Alter etwas nach“).
  • in verbaler Form (Nomen/Adjektiv-Verbindung) – In gesprochener oder wörtlicher Form; ausgedrückt durch Sprache.
  • vorgefertigt (Adjektiv) – Etwas, das schon im Vorfeld fertiggestellt wurde und direkt einsatzbereit ist (z. B. vorgefertigte Vokabelkarten bei Anki).
  • sich anstrengen (Verb) – Große Mühe geben, viel Energie und Fleiß für eine Aufgabe aufwenden.
  • frustrierend (Adjektiv) – Enttäuschend oder entmutigend, besonders wenn man trotz großer Anstrengung nicht das gewünschte Ziel erreicht.


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Können Erwachsene noch Sprachen lernen?

Speaker

Hallo, willkommen zurück bei immer wieder Deutsch. Heute reden wir über "Kann man als Erwachsener noch gut Sprachen lernen?" Oder: "lernt man vielleicht als Kind leichter eine Sprache?" Ich rede oft mit meinen Schülern auf iTalki darüber, weil sie natürlich im Moment Deutsch lernen und ich zum Beispiel auch Japanisch gelernt habe oder Englisch gelernt habe. Und das natürlich nicht als Kind gelernt habe. Englisch zum Teil, aber ja eigentlich nur die Grundlagen. Aber Japanisch habe ich auf jeden Fall als Erwachsener gelernt. Ich höre von manchen Leuten die Meinung, dass es für Kinder ja viel leichter wäre, eine Sprache zu lernen. Ich glaube, das stimmt für die allererste Sprache, die man

Meine Erfahrung: Schulenglisch vs. Japanisch

Speaker

lernt. Vielleicht. Für mich war das natürlich Deutsch. Aber ich weiß nicht, ob das zum Beispiel genauso für eine Zweitsprache gilt. Ich habe diese Erfahrung nur zum Teil mit Englisch gemacht in der Schule. Also in meiner Schule haben wir das ab der dritten Klasse angefangen zu lernen. Also da war ich ungefähr acht oder neun Jahre alt. Und das war natürlich am Anfang ziemlich einfaches Englisch. Und man lernt die Grundlagen und einfache Grammatik, wie man Hallo sagt und wie geht es dir und so weiter und so fort. Also vielleicht auf dem A1-Niveau bis zur vierten Klasse ungefähr. Aber ja, wenn ich darüber nachdenke, ich war relativ jung und mein Fortschritt war doch relativ

Faktor Druck: Warum Kinder ohne Ziele lernen

Speaker

langsam. Und ich glaube, manche Leute verwechseln, dass Kinder schneller Sprachen lernen, damit, dass Kinder vielleicht nicht so stark darüber nachdenken, wie lange sie dafür brauchen. Und nicht in Prüfungen über ihre Ziele nachdenken. Sie haben vielleicht überhaupt keine Ziele. Sie denken sich einfach, ich möchte diese Sprache sprechen. Oder vielleicht müssen sie diese Sprache sprechen. Und es gibt keinen Druck, zum Beispiel, ich muss bis Ende des Jahres meine Deutsch-B2-Prüfung schaffen und ich werde nicht besser. Ich glaube, viele erwachsene Menschen setzen sich vor allem beim Deutschlernen natürlich diese Sprachprüfungen als Ziel. Aber ich weiß nicht, ob das so effizient ist. Oder nicht effizient, aber ob das der richtige Weg ist. Weil

Was zählt: Sicherheit & Selbstbewusstsein

Speaker

eine Prüfung ist eben nur eine Prüfung. Und das, was eigentlich zählt, ist das Gefühl beim Sprechen, die Sicherheit. Vielleicht ist auch wichtig, wie selbstbewusst man spricht auf der Sprache. Ich kenne viele Leute, die eine andere Sprache sprechen und Fehler machen, aber super selbstbewusst sprechen. Und deswegen hat man eigentlich überhaupt kein Problem damit. Wo war ich überhaupt stehen geblieben? Ich glaube, wenn man darüber nachdenkt, dass ein Kind mit einer Sprache aufwächst, dass es wie zu versuchen, sich eine Farbe vorzustellen, die nicht existiert. Also wenn man sich vorstellt, dieses Kind hat noch keine Sprache in seinem Kopf. Also, wie denkt es über die Welt? Oder wie denkt es im Alltag nach, wenn keine Sprache existiert? Das können wir uns eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Ich habe ein paar ältere Schüler, die mir gesagt haben, sie glauben, es liegt an dem Alter, dass sie nicht mehr so viele neue Informationen aufnehmen können. Aber ich glaube, das stimmt nicht. Ich glaube, oftmals fehlt vielleicht die richtige Motivation, die Sprache zu lernen und natürlich auch die Zeit. Als Kind, wenn man seine erste Sprache lernt, also seine Muttersprache, verbringt man den ganzen Tag damit, diese Sprache zu hören. Und

Kindheitserinnerung: Fangenspiel im Kindergarten

Speaker

das Wichtigste ist, man hat keine Angst, Fehler zu machen, etwas falsch auszusprechen. Man macht natürlich sehr viele Fehler als Kind beim Sprechen. Aber eigentlich korrigieren Kinder das untereinander in einer ganz natürlichen Art und Weise. Ich erinnere mich zum Beispiel noch, als ich ein Kind war, gab es den Moment, wir haben, ich glaube, im Kindergarten fangen gespielt. Also Fangenspielen ist eine Person, versucht die anderen Leute zu fangen, also zu berühren. Und dann ist die nächste Person dran. Ja, ich glaube, ihr wisst, was ich meine. Und bei diesem Fangenspiel gibt es verschiedene Regeln, wie zum Beispiel bei uns hieß das immer Haus. Die Hausregel. Das war, wenn man an einem bestimmten Ort war, war man im Haus, also sicher, man konnte nicht gefangen werden von den anderen Kindern. Oder dem Kind, das gerade die anderen fängt. Und diese Hausregel war sehr umstritten beim Fangenspiel auf dem Nicht-Schulhof im Kindergarten. Im Kindergartengarten sozusagen. Ja, diese Regel war eben ein bisschen umstritten. Und dort habe ich das erste Mal gehört, dass ein Kind gesagt hat, das gilt nicht, das gilt

Wie ich das Wort „gelten“ gelernt habe

Speaker

nicht. Also etwas gilt, also gelten, das Verb, das bedeutet sozusagen als etwas angesehen werden. Also zum Beispiel, etwas wird als sicher angesehen, das gilt als sicher. Und beim Fangenspiel hat das ein bisschen eine andere Bedeutung. Also in diesem Fall heißt das gilt nicht. Hat dieselbe Bedeutung wie das zählt nicht oder das ist unfair. Oder das ist nicht Teil der Regel beim Spiel. Also dieses Kind ist schon im Haus, im sicheren Bereich beim Fangenspiel. Und wenn ich es berühre, gilt das nicht. Und ich erinnere mich komischerweise genau an diesen Moment, wo ich dieses Wort gelten das erste Mal gehört habe und ich nicht wusste, was es bedeutet. Ich habe danach auch nie gelernt, was es bedeutet, sondern einfach dieses Wort akzeptiert und verstanden, in welchem Kontext man es benutzt, in welchen Momenten dieses Wort noch benutzt werden kann. Und das war sehr

Input-Methode: Meine japanische Podcast-Routine

Speaker

natürlich. Und ich glaube, das ist so ein bisschen wie beim Podcast hören. Also wenn man sehr oft einen Podcast hört. Ich habe für das Japanisch Lernen sehr oft einen Podcast gehört. Ich höre ihn immer noch jeden Tag eigentlich. Immer so 10 bis 20 Minuten, wenn ich Zeit habe. Und dadurch habe ich wirklich viele Wörter gelernt, die ich irgendwann das erste Mal benutzt habe auf Japanisch. Und einen kurzen Moment dachte, Moment mal, existiert dieses Wort überhaupt? Ich glaube, ich habe dieses Wort noch nie vorher gesagt oder geschrieben, aber es war irgendwie einfach da in meinem Kopf. Und ich konnte es verwenden. Und ja, ich glaube, das ist ein bisschen so, wie man Wörter als Kind lernt. Es kann natürlich sein, dass mit dem Alter irgendwie die Effizienz vom Gedächtnis oder vom Gehirn nachlässt. Aber ich glaube nicht, dass das so einen großen Unterschied macht. Ich glaube, der größte Unterschied

Gehirn eines Kindes

Speaker

ist, dass ein Kind 24,7, wenn es nicht schläft, die Sprache hört und verwenden muss. Weil außer dieser Sprache noch nichts im Kopf existiert in verbaler Form, also in wörtlicher Form. Und natürlich, wahrscheinlich, wenn die ersten Neuronenwege im Gehirn gebildet werden, funktioniert das alles etwas schneller, weil das Kind ist noch im Wachstum und das Gehirn wahrscheinlich auch. Aber ich habe keine Ahnung davon. Ich denke, auch als Erwachsener kann man noch relativ gut eine Sprache lernen. Man muss nicht die ganze Zeit Grammatik auswendig lernen. Ich glaube, das bringt nicht viel. In meinen Augen ist Grammatik nur eine Anleitung, die Sprache

Grammatik als Anleitung & die Macht von Input

Speaker

zu sprechen. Die Regeln für diese Sprache. Und das Hören und Lesen vor allem auch ist, wie man sein Gehirn trainiert. Man braucht diesen Input einfach. Und deshalb glaube ich, ist es sehr wichtig, dass man viel liest, viel schaut auf der Sprache und viel hört. Ich glaube, das ist vielleicht, nachdem man die Grundlagen der Grammatik hat, 80% vom Sprachenlernen und der Rest ist Vokabeln

Vokabeln wiederholen mit Anki-Decks

Speaker

wiederholen. Ich benutze zum Beispiel Anki, die App oder Webseite. Das ist kostenlos. Und es gibt viele vorgefertigte Kartendecks, mit denen man gut eine Sprache lernen kann. Oder die meistbenutzten Wörter. Und damit kann man eigentlich schon sehr gut einsteigen in normalen Content, den Leute aus diesem Land auch normal schauen würden. Man darf nur nicht immer versuchen, alles zu verstehen. Und bei jedem kleinen Ding, was man nicht versteht, aufgeben. Das ist nicht gut, denke ich. Aber was weiß ich schon. Jeder Mensch lernt anders. Ich bin sicher, es gibt Leute, denen hilft es super viel mit einem Buch zu lernen oder mit einem Kurs

Frustration im Sprachkurs bewältigen

Speaker

zu lernen. Aber ich glaube, vor allem in einem Kurs ist das Problem, dass Menschen unterschiedlich schnell lernen und es ein bisschen frustrierend ist, wenn man mit einem Kurs fertig ist und man sollte zum Beispiel B2-Level erreichen. Man hat aber das Gefühl, man ist noch nicht auf B2-Level, obwohl man diesen Kurs gemacht hat und sich angestrengt hat. Für diese Leute empfehle ich, hört mehr, lest mehr, macht was euch interessiert und habt keine Angst. Habt keine Angst, Fehler zu machen oder etwas nicht zu verstehen. Werdet wieder wie ein Kind. Gooo-Gaga. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.