Immer wieder Deutsch | Learn German (B1 - B2 Intermediate)

#30 - Natürliches Deutsch, Input & Immersion (B1-C1) | Learn German Listening Practice

Lehrer Ben Season 1 Episode 30

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Warum klingt das Deutsch aus dem Lehrbuch im echten Leben oft so künstlich? In dieser Folge von Immer wieder Deutsch sprechen wir über den Unterschied zwischen Kursräumen und der Realität auf der Straße. Ich räume mit dem Mythos auf, dass man für den Beruf kompliziertes „Business-Deutsch“ braucht, und erkläre, warum starre Vokabeln wie „erläutern“ im Alltag fast nie benutzt werden. 

📚 Nützlicher Wortschatz & Redewendungen:

  • auf Knopfdruck – Sofort, ohne Vorbereitung oder Nachdenken eine Leistung erbringen.
  • Wörter weglassen – Im gesprochenen Deutsch Sätze verkürzen (z. B. „Cool!“ statt „Das ist cool!“).
  • erläutern – Ein gehobenes Wort für erklären, das fast nur in schriftlichen Aufgaben oder Büchern vorkommt.
  • das Füllwort – Kleine Wörter (wie ja, also, ähm), die beim Sprechen Zeit verschaffen und den Sprachfluss natürlicher machen.
  • der Arbeitsweg – Die Zeit und Strecke, die man täglich benötigt, um zur Arbeit und zurück nach Hause zu kommen.
  • etwas imitieren / nachsprechen – Eine fremde Sprechweise exakt kopieren, um Betonung und Rhythmus zu verinnerlichen (auch bekannt als Shadowing).
  • die Balance – Das ausgewogene Verhältnis zwischen zwei Aspekten (hier: 80% Input zu 20% Output).


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– Lehrbuch vs. Realität: Was ist natürliches Deutsch?

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Hallo, willkommen zurück bei Immer wieder Deutsch. Heute rede ich über Natürliches Deutschlernen. Was ist eigentlich natürliches Deutsch? Ihr könnt euch das sicherlich denken. Das ist das Deutsch, was man im Alltag spricht, was normale Leute benutzen in Deutschland, auf der Straße, im Supermarkt, mit Freunden und so weiter und so fort. Natürliches Deutsch ist anders als das Deutsch, was man im Buch lernt, im Lehrbuch lernt. Vielleicht, wenn ihr einen Kurs macht, einen Deutschkurs, dann habt ihr sicherlich ein Lehrbuch. Und manchmal hat man auch so Audiobeispiele, also so Hörbeispiele. Und ich finde immer, das ist gut für eine Prüfung, aber nicht gut für das echte Leben. Wie kann man also sein natürliches Deutsch verbessern? Ich denke, der beste Weg ist, einen Podcast zu hören, wie hier zum Beispiel, oder Content auf YouTube zu schauen, der möglichst wenig bearbeitet ist. Das Gute an einem Podcast ist, dass man sehr viel Input bekommt in einer kurzen Zeit. Und in den meisten Podcast-Apps kann man auch Untertitel sehen, also ein Transkript sehen und mitlesen, wenn man etwas nicht versteht. Und vielleicht auch Wörter nachschlagen und suchen, wenn man sich nicht sicher ist. Ich finde, die beste Methode ist eigentlich einfach zu hören und sich zu konzentrieren und gar nicht so viel auf das Handy zu gucken oder mitzulesen, sondern einfach den Podcast zu hören und zu versuchen, so viel wie möglich zu verstehen. Das Gute an einem Podcast ist oder an den Podcasts, die regelmäßig erscheinen, ist, dass man eigentlich fast jeden Tag etwas Neues zum Hören hat. Und wenn man immer wieder den gleichen Podcast hört, hat man auch eine Möglichkeit, sich an die Sprache von einem Menschen zu gewöhnen. Ich mag zum Beispiel für das Sprachenlernen von Japanisch am meisten diese Art von Podcast, wie hier, also wie ich ihn mache. Ich mag, wenn eine Person die ganze Zeit einfach normal redet. Natürlich versuche ich ein bisschen ruhiger und langsamer zu reden. Aber trotzdem benutze ich ganz normales Deutsch, was ich normal auch benutze. Und vielleicht merkt ihr, dass gar nicht so schwierige Grammatikpunkte in meiner Sprache vorkommen. Und das ist relativ normal im Alltag. Das ist sogar relativ normal, wenn man irgendwie

– Der Mythos „Business-Deutsch“ & steife Lehrbuchwörter (wie „erläutern“)

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in einer deutschen Firma arbeitet. Ich habe immer wieder Schüler auf iTalkie, die mich fragen, was kann ich machen, um Businessdeutsch zu lernen? Und ich finde, ehrlich gesagt, es gibt gar kein richtiges Business-Deutsch. Also keinen großen Unterschied zum normalen Deutsch. Außer, ja, man spricht jetzt mit seinem Chef. Dann natürlich sagt man dann zum Beispiel nicht du, sondern sie, je nachdem, wie gut man seinen Chef kennt. Aber eigentlich sind die Wörter und die Sätze, die man benutzt, nicht sehr anders. Also man spricht zum Beispiel nicht so, wie man in einer E-Mail schreibt. Oder wie das in einem Lehrbuch häufig beschrieben wird. Wenn man also einen schwierigen Artikel liest und man denkt selber, oh wow, ich kann nicht so kompliziert Deutsch sprechen, ich kann nicht so sprechen wie in diesem Artikel, dann ist das ganz normal. Ich würde sagen, ich kann auch nicht so sprechen auf Knopfdruck. Ich müsste mich vorbereiten, denke ich, und ein bisschen langsamer sprechen, damit ich meine Sätze gut formulieren kann. Deutsch ist eine sehr genaue Sprache und deswegen muss man manchmal gut überlegen, wie man seine Sätze konstruiert. Jetzt zum Beispiel, die letzten paar Sätze waren relativ lang. Aber eigentlich spricht man nicht immer so. Meistens, wenn ich mit meinen Freunden rede, lassen wir teilweise viele Wörter einfach weg. Zum Beispiel, wenn man irgendwas cool findet, sagt man nicht, wow, das ist cool, sondern man sagt einfach, wow, cool. Oder cool. Das ist ja cool, zum Beispiel. Ja, das war vielleicht ein schlechtes Beispiel. Aber ihr werdet das verstehen, wenn ihr viel normale deutsche Videos schaut. Also ich empfehle euch, vielleicht irgendeinen deutschen YouTuber zu finden, den ihr mögt oder interessant findet und dann einfach sehr oft Videos von dieser Person zu schauen. Weil das ist eigentlich eine sehr gute Möglichkeit, normales Deutsch zu hören. Das Deutsch, was man an der Sprachschule lernt, bereitet einen meistens auf die Prüfung vor. Und man sollte nicht versuchen, immer alles zu benutzen, was man in einem Buch lernt. Also manche Dinge klingen einfach unnatürlich, wenn man sie in echt sagt. Und was mir oft auffällt, ist, ja, vielleicht muss man gar nicht so komplizierte Sätze machen. Es ist besser, eine Pause zu machen, den Satz zu beenden und dann einfach alles ein bisschen kürzer zu machen oder zu sagen. Das ist natürlich auch so mit Vokabeln. Es gibt zum Beispiel für Sprechen oder Erklären sehr viele Worte im Deutschen. Zum Beispiel erläutern. Oder, ja, jetzt fällt mir natürlich kein anderes Wort ein. Ich bin mir sicher, es gibt noch andere. Nehmen wir mal Erläutern als Beispiel. Das sagt man nicht in echt. Aber man sieht es sehr oft in Aufgaben und im Buch, aber ich glaube, ich habe fast noch nie jemanden dieses Wort benutzen gehört. Bitte erläutere deine Gedanken oder bitte erläutere, was du dazu denkst. Die meisten Leute würden einfach sagen: Ja, bitte sag deine Meinung oder bitte sag, was du denkst. Das sind so Dinge, die man nur lernt, wenn man entweder schon in Deutschland wohnt und viele deutsche Freunde hat und ihnen immer zuhört, dann gewöhnt man sich daran. Oder das sind Dinge, die man lernt, indem man einfach viel Input hat. Einer meiner besten Schüler auf iTalkie, ich würde sagen, ja, C2-Niveau. Und er spricht wirklich sehr, sehr natürlich Deutsch. Er kommt ursprünglich aus Singapur. Wenn du das jetzt hörst, dann weißt du sicherlich, dass ich über dich spreche. Und

– Das Erfolgsgeheimnis: C2-Niveau durch Podcasts & YouTube

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er ist einer der Schüler, bei denen ich merke, er schaut wirklich viel deutschen Content, er schaut deutsche YouTube-Videos, er hört deutsche Podcasts. Und deshalb ist, wenn er spricht, er drückt sich sehr natürlich aus. Ich weiß nicht, wie groß sein Wortschatz ist, wie viele Wörter er kennt. Manchmal im Unterricht fragt er mich, was bedeutet das oder was bedeutet dieses Wort. Also es gibt sicher viele Wörter, die er nicht kennt, aber trotzdem spricht er sehr, sehr natürlich. Also man braucht vielleicht gar nicht so viele Vokabeln, um natürlich sprechen zu können. Ich glaube, sehr viel ist einfach Gewohnheit. Also man muss diese Verbindung im Gehirn aufbauen, um zu wissen, was natürlich klingt und was nicht. Und das kann man nur machen, indem man sehr, sehr, sehr viel hört oder schaut. Und ich denke, ja, lesen, lesen hilft auch. Aber geschriebenes Deutsch ist ganz anders als gesprochenes Deutsch. Also in einem Buch werden Dinge eigentlich nicht abgekürzt. Ja, also man hat auch einfach diese kleinen Füllworte nicht, wie zum Beispiel also oder ähm oder ja, ich sage sehr oft dieses Ja, wie ihr schon merkt. Aber das sind eben so kleine Dinge, die das Deutsch natürlich klingen lassen. Deshalb versucht doch mal, irgendwie einen YouTuber zu finden oder eine Person zu finden, der ihr sehr oft zuhören könnt und versucht eine Routine zu schaffen. Vielleicht, dass man jeden Tag etwas schaut oder jeden Tag etwas hört und ja, dass man fast schon ein Vorbild hat in der Sprache. Ich hatte das auch so beim Japanischlernen. Ich habe mir einen japanischen YouTuber ausgesucht und wirklich die ganze Zeit seine Videos geschaut und manchmal versucht, die Dinge nachzusprechen, die er sagt. Zu schauen, ob ich genauso schnell sprechen kann. Und das hilft wirklich sehr. Also es gibt diese so kleine Details, die einem Normalen nicht auffallen, die das alltägliche, natürliche Sprechen eben noch natürlicher machen. Wann man eine Pause macht, diese kleinen Füllworte und natürlich auch die Betonung von einem Satz. Ja, das sind eben alles so Kleinigkeiten, die am Ende die eigene Sprache perfekt machen. Und die man nicht aus einem Buch lernen kann oder nicht aus einer App lernen kann. Ich finde auch relativ schwierig, das irgendwie in einem Kurs oder so zu lernen.

– Die 80/20-Regel: Warum Pendeln die beste Lernzeit ist

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Die Wahrheit ist, man muss einfach viel Zeit investieren. Es dauert wahrscheinlich viele, viele hunderte Stunden von Input, bis man selber diese Dinge imitieren kann. Das klingt erstmal ein bisschen viel, aber wenn man überlegt, okay, ich höre und schaue jeden Tag insgesamt eine Stunde deutsches Material, ich denke eine Stunde am Abend oder insgesamt eine Stunde pro Tag, kann eigentlich jeder irgendwie finden. Selbst wenn es nicht eine Stunde ist. Wenn man überlegt, man macht das jeden Tag eine Stunde, ein Jahr lang. Das sind 365 Stunden Input. Natürlich, wenn man die Zeit erhöht, hat man eben auch mehr Stunden am Ende des Jahres. Ich hatte eine Zeit, ich habe wirklich jeden Tag versucht, drei Stunden Input zu bekommen. Also ich habe meinen ganzen Arbeitsweg, das waren immer so 40 bis 50 Minuten. Ich habe auf dem Hinweg Podcast gehört, auf dem Rückweg. Das sind schon fast zwei Stunden jeden Tag, die ich normal mit anderen Dingen verbracht hätte in der Bahn. Also man macht eh nichts Produktives meistens. Ja, und so habe ich schon pro Tag irgendwie fast zwei Stunden Input einfach auf meinem Arbeitsweg gehabt. Dann abends noch eine halbe Stunde oder 45 Minuten aktiv ein Video schauen oder einen Podcast hören und dabei mitlesen. Und schon hat man innerhalb von einer Woche ja über 20 Stunden Input. Das sind in vier Wochen 80 Stunden, also pro Monat. Das sind auf zwei Monate schon fast 200 Stunden. Also 160 Stunden. Ja, man muss selber entscheiden, wie viel Zeit man investiert. Aber ich denke, Input ist der einzige Weg. Und dann natürlich noch den Output irgendwann ein bisschen zu üben. Aber ich denke, das ist ja vielleicht 80% Input, 20% Output ist eine gute Balance. Ich danke euch fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Macht's gut.