Amtsallerlei

#01 | Teams am Limit

Leila Adjemi Season 1 Episode 1

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

0:00 | 23:28

Personalmangel, hoher Druck und steigende Anforderungen bringen viele Teams an ihre Grenzen. Wie Führungskräfte auch in schwierigen Zeiten Orientierung geben und ihr Team handlungsfähig halten, erfährst du in dieser Folge, denn darüber unterhalte ich mich mit meiner Kollegin Iris Kümmerle von der Klip GmbH.

SPEAKER_00

Herzlich willkommen zu Amts allerlei, ein Podcast für Führungskräfte der Verwaltung mit Laila Achemy.

SPEAKER_02

Unsere Podcast-Folge Amts allerlei starte ich heute mit einem ganz brisanten Thema, nämlich Teams am Limit. Nicht nur Führungskräfte, sondern auch ganze Teams scheint momentan am Limit ihrer Leistungsfähigkeit angekommen zu sein. And genau darüber unterhalte ich mich mit meiner geschätzten Kollegin Iris Kümmerle von der Clip GmbH in Göppingen, die auch schon seit vielen Jahrzehnten Beraterin, Expertin in Verwaltungs- und sozialen Systemen ist. Und dieser Podcast will euch ein paar Tipps und Tricks beraten, wie ihr vielleicht das ein oder andere in eurer Organisation besser machen könnt oder auch vermeiden könnt. Schön, dass ihr dabei seid. Ich wünsche euch viel Freude dabei. Eure Laila. So und jetzt geht's auch schon gleich los mit Amts allerlei, der Podcast für Führungskräfte der Verwaltung. Und ich freue mich ganz besonders an diesen bedeutungsschwangeren Tag, meine Lieblingskollegin, die Iris Kümmerle, hier als Expertin mit dabei zu haben. Hallo liebe Iris. Hallo, schönen guten Tag. Liebe Iris, wir stellen uns einem ganz aktuellen Thema heute, nämlich das Thema die Leistungsfähigkeit der Teams, uns anzuschauen. Es ist klar, durch Verknappung entsteht Reibung. Wir sind in einer sehr herausfordernden Zeit. Wir haben auch mal vor einem halben Jahr darüber gesprochen, über Fachkräftemangel zu sprechen. Mittlerweile hat sich einiges im Feld geändert. Mittlerweile gibt es Einstellungsstops und wir erleben, so haben wir uns gerade eben auch schon ausgetauscht vorab, wie Teams am Rande der Erschöpfung sind und vor allen Dingen natürlich auch Führungskräfte der Teams am Rande der Erschöpfung sind. Ja, und deshalb finde ich das Thema ganz wichtig, hier vielleicht den einen oder anderen Input zu geben, die ein oder andere Idee mitzugeben, wie wir auch alle gemeinsam mit dieser sehr herausfordernden Zeit umgehen können.

SPEAKER_01

Ja, du hast schon gesagt, wir haben ja vorher ganz kurz geplaudert, wie wir es momentan erleben, die Praxis auch in den Organisationen und wir sind ja als externe Beraterinnen auch so an der Schnittstelle unterwegs von Team, von Führung, von der Organisation. Und da merkt man schon, dass gerade irgendwas zu verrutschen scheint. Und zwar in allen Branchen. Also wir sind ja zwar beim Amts allerlei, aber ich beobachte das auch im sozialen Sektor oder in Wirtschaftsunternehmen. Und von daher ist es schon wichtig, auch nochmal drauf zu schauen, finde ich, unter welchen Bedingungen Teams denn leistungsfähig sind oder auch bleiben oder wieder werden, weil das letztlich ein ganz zentraler Punkt natürlich ist. Also wir erleben eine Verknappung von Ressourcen. Du hast es gesagt, auch eine Verknappung dahingehend, dass es mittlerweile doch auch an der einen oder anderen Stelle in der öffentlichen Verwaltung Personalabbaukonzepte gibt. Das kenne ich so nicht. Also seit ich jetzt in der Beratung unterwegs war, erlebe ich das zum ersten Mal. Und gleichzeitig waren die Aufgaben ja nicht weniger. So ist es. Das heißt, mit weniger Personal geht es darum zu überlegen, wie bekommen wir in irgendeiner Form diesen Job noch hin. Und das finde ich schon eine herausfordernde Aufgabe für alle Beteiligten.

SPEAKER_02

Ja, zum einen, wie ich beobachte, werden die Aufgaben nicht nur weniger, sondern der Druck steigt dann auch noch, der Erwartungsdruck von außen, dass das ständig evaluiert und beäugt wird. Der Gemeinderat will dann so seine Kontrollfunktion wirklich auch einnehmen und macht dann noch zusätzlich Druck die Bürgerinnen und Bürger. Das berichten mir dann die Mitarbeitenden aus dem Bürgerbüro, die werden fordernder, die werden teilweise auch unverschämter. Die Presse nimmt auch jeden einzelnen Bogen mit auf, um da etwas auch nach außen zu bringen, was vielleicht auch noch nicht nach außen gehört und und und. Also rundherum scheint es sich wie in einem Art Dampfkessel so gerade zu sein, wo überall Druck, auch eine hohe Emotionalität erlebe ich dabei. Und zu der Emotionalität erlebe ich aber auch eine grundlegende Erschöpfung. Also auch so eine Erschöpfung, die dahin geht, dass manche auch wirklich ganz erfahrene Bürgermeisterinnen und Bürgermeister mit dem Kopf schütteln und sagen, ich verstehe es gerade nicht mehr. Ich weiß gerade nicht, wie ich damit umgehen soll.

SPEAKER_01

Ja, wir haben halt in der öffentlichen Verwaltung auch nochmal besondere Rahmenbedingungen. Also das eine ist für mich der, ich sage es mal, Dauerkrisenmodus seit Corona, jetzt eigentlich fünf, sechs Jahre, ist die öffentliche Verwaltung, egal ob im kommunalen oder auf Kreisebene, ist immer im Krisenmodus. Es ist eine extreme Arbeitsverdichtung, die dort rankommt. Man hat trotz allem ja einen Fachkräftemangel in Anführungszeichen, also in Personen, die die Jobs tun, es gibt einen Wissensabschluss, also da steckt ja ganz viel drin und gleichzeitig eine enorm hohe, wie kann man das nennen, Regel- und Absicherungslogik. Also es muss dann alles trotzdem perfekt sein und alles muss doppelt und dreifach geprüft sein. Und all das zusammen, glaube ich, führt zu so einer Veränderungsmüdigkeit, dass die Leute sagen, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, jetzt schon wieder was Neues. Also da muss man meines Erachtens momentan schon aufpassen, dass da nicht komplett was verrutscht. Und daher ist der Fokus, jetzt was bei mir immer so ankommt, bei meinen Kunden, ist schon auch mit darauf gerichtet, wie stärken wir Führungskräfte, das ist so die eine Seite. Und die andere aber auch, wie gelingt es uns, die Teams leistungsweg zu halten. Absolut. Um überhaupt noch irgendwie dem Thema hart zu werden.

SPEAKER_02

Ja, absolut. Das Thema Absicherung, das springt mich auch immer wieder an. Weil ich merke, dass auch das zu einer Art Erschöpfung führt. Wenn wir die ganze Zeit unsere Aufmerksamkeit dahin lenken müssen, uns abzusichern und aufzupassen, dass keine Fehler gemacht werden, weil wir tatsächlich in Deutschland sowas wie eine Klagewut haben. Ich sage immer so salopp, ich wäre für die Abschaffung der Rechtschutzversicherungen. Ich weiß, dass man das so natürlich so allgemein nicht sagen kann, aber ich sage das halt so und alle, die in dem Bereich unterwegs sind, die wissen genau, was ich damit meine, in jedem Schritt.

SPEAKER_01

Aber siehst du, Leila, siehst du irgendwo schon Ansätze, dass man von dieser Regelgeschichte Absicherungsmodus, dass man da zurücktritt? Also Bürokratieabbau, was unsere Politik ja momentan stark thematisiert, aber an keiner Stelle nehme ich das wahr. Und ich glaube, das wäre tatsächlich ein erster Schritt.

SPEAKER_02

So ist es, absolut. Aber ich finde, dieser Schritt, der muss auf beiden Seiten stattfinden. Einmal einerseits zur Gesetzgebung und andererseits aber auch aus Sicht der Bürgerschaft. Denn dieses, ich kenne meine Rechte und ich poche darauf und sonst tue ich gleich, sobald irgendetwas nicht so ganz rund läuft, kommt gleich die nächste Klage. Und das ist natürlich auch etwas nochmal auch zum Thema Fokus und auch Energiehaushalt, wenn ich das immer so stark berücksichtigen muss. Da darf nichts passieren, weil sonst passiert gleich Dend. Und ich finde, das ist schon auch ein Thema, das können wir nicht nur an die große Politik hängen, auch nicht nur an die Verwaltung, sondern durchaus auch an die Bürgerschaft. Aber gut, das ist jetzt nicht primär unser Thema, aber das ist schon auch etwas, bei dem ich merke, dass da schon auch sowas wie so eine Energie kollabiert, ja, wo dann auch so manche da sitzen und sagen, ey, ich habe keinen Bock mehr da drauf. Immer bin ich der Buhmann und ich muss es irgendwie ausbaden. Das kann ich total verstehen. Und das ist etwas, was definitiv, das wissen wir, wenn da immer so ein Art Damokles-Schwert über einem schwebt, ja, da geht Energie hin. Und das würde ich mir tatsächlich auch für alle Leistungsträgerinnen, auch du hast es angesprochen, es ist natürlich nicht nur in Verwaltungen so, sondern in Unternehmen ganz genauso, würde ich mir wünschen, dass das weniger wird, dass die da auch etwas geschützter sind. Nun gut. Also natürlich untersuchen wir, untersuche ich in meiner Arbeit immer mal wieder, wo hat es quasi das große Energieleck und das kann dann sehr unterschiedlich sein, ja, was dann in so einem Team dann so arg schwächend wirkt. Und trotzdem gibt es doch etwas, was immer wieder auch gleich ist. Das ist genau diese hohe Anforderungsflut, das ist der Druck, der von außen gemacht wird, die ständig drohende Gefahr bei Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern ist es natürlich auch nochmal die Sorge um die Wiederwahl und und und. Und in diesem Gemenge halten wir uns da auf.

SPEAKER_01

Und trotzdem gibt es ja, also um auch mal einen positiven Fokus zu richten, trotzdem gibt es ja schon ein paar Hebel, an denen man ansetzen kann. Ich glaube, es geht gar nicht so sehr darum, wie motiviere ich die Leute, sondern auch, wie schaffe ich Strukturen, die es ermöglichen, den Job gut zu bearbeiten. Also häufig ist es ja gar nicht so sehr das Motivationsproblem, weil ich erlebe die Menschen in der Regel schon sehr motiviert, sehr engagiert. Das verändert sich gerade ohne Zweifel, aber ich glaube, das Grundthema ist ein anderes, nämlich zu überlegen, wie kann ich strukturell Veränderungen anstoßen, wo braucht es den Mut, auch mal unbequeme Entscheidungen zu treffen, Klarheit zu schaffen. Da sehe ich noch ganz viele Möglichkeiten, um besser zu machen.

SPEAKER_02

Da kurz was ergänzend dazu sagen darf oder um da ein bisschen das mehr in Fokus zu rücken. Ich erlebe das tatsächlich auch so, dass die Menschen sehr, sehr motiviert sind. Nur wenn die Kraft so ausgeht und wenn dann immer wieder diese Anfeindungen kommen, aus welche Richtung auch immer oder dieser Druck wächst, dann kollabiert was weg. Und dann kann auch die stärkste intrinsische Motivation irgendwann nicht mehr für sich alleine wirken. Und das, finde ich, ist ein großer Unterschied. Denn einstmals sind diese Menschen ja für etwas angetreten, um etwas zu bewirken, um etwas zu gestalten. Und was ist es jetzt momentan? Die sagen, wir kommen gar nicht mehr zum Gestalten. Wir tun nur noch Brände löschen und das auch noch nicht mal ganz, weil da müssen wir schon zum nächsten Feuer-Einsatz. Und das macht etwas mit einem. Weil natürlich auch das Thema Selbstwirkungsgrad, ja, ich kann nicht wirklich etwas bewirken, ist ja ein Teil des Glücksprinzips, auch so ein Belohnungsprinzip. Das kann da gar nicht für sich wirken. Und wir Menschen, wir brauchen so etwas.

SPEAKER_01

Und genau da greift doch Führung.

SPEAKER_02

Absolut.

SPEAKER_01

Also ich halte es für eine ganz wichtige Führungsaufgabe, auch den Rahmen zu schaffen, dass diese Selbstwirksamkeit wieder ermöglicht wird. Also ich glaube, Führungskräfte dürfen auch nicht immer den Affen komplett auf ihre Schulter setzen im Hinblick auf Motivation, sondern Führungskräfte haben den Job, Ziellieder. Rahmenbedingungen genau zu schaffen. Also am System zu arbeiten, nicht im System zu arbeiten, also aus der systemischen Brille heraus. Also Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, da wieder hinzukommen. Und da sehe ich schon auch noch ein paar Punkte, die momentan vielleicht nicht in der Intensität bearbeitet werden. Also so ein ganz zentraler Punkt wäre für mich, Klarheit zu schaffen als Führungskraft. Also was sind unsere Ziele, mit welchen Rollen sind wir unterwegs? Wo setzen wir Prioritäten? Nicht nur sagen, was machen wir vorrangig, sondern auch mal ganz bewusst zu sagen, was lassen wir denn weg? Auch wenn es weh tut, auch wenn es sich vielleicht sich in einem graubereich bewegt, auch wenn irgendwie viele Menschen verärgert sind, aber auch das gehört dazu, Entscheidungen zu treffen. Also so Klarheit schaffen wäre für mich was. Auch immer wieder Zeitfenster zu schaffen für gemeinsame Reflexion. Auch das stelle ich fest, dass die Mitarbeitenden mal sagen, wir haben überhaupt keine Chance, mal inne zu halten und mal drauf zu gucken, was machen wir überhaupt. Dann machen wir es halt so, wie wir es können und wo wir unsere Routinen haben, aber so einen Schritt zurück zu gehen und zu sagen, hey, ist es überhaupt noch das Richtige, was wir hier tun oder in der richtigen Art? Das gelingt uns nicht. Also auch da könnte man über Strukturen, glaube ich, die ein oder andere Erleichterung schaffen, die eben nicht nur auf das persönliche Verhalten abziehen, sondern auf die Arbeitsorganisation, auf Prozesse, auf die Frage, braucht es das überhaupt noch?

SPEAKER_02

Absolut. Auch Mut zur Lücke zu haben in dem Moment. Das ist ja auch das, was immer mal wieder Führungskräften der Verwaltung angekreitet wird aus der Perspektive der Mitarbeitenden, dass sie sagen, die schützen uns nicht. Die wissen doch, was wir alles an der Backe haben und dass wir damit nicht durchkommen. Und dann wird schon wieder was angenommen, von welcher Seite her auch immer. Und das sorgt natürlich auch für Frustration. Und es sorgt auch in dieser Zeit der Verknappung durchaus nach wie vor noch dafür, dass der Blick zur Nachbarkommune oder in eine andere Stadt hineingeht, um zu gucken, ach, vielleicht ist das Gras auf der anderen Seite doch doch grüner. Meistens klappt es nicht, der Gedanke. Das kennen wir ja auch. Der Gedanke klappt schon, aber das ist ja umsetzend.

SPEAKER_01

Die Praxis dann nicht, ja.

SPEAKER_02

Das ist richtig. Ja, genau, aber diesen Fluchtimpuls, den kann ich nachvollziehen, dann zu sagen, ich will aus dem Druck raus. Genau.

unknown

Dr.

SPEAKER_02

Gutter Schmidt, bei dem ich auch gelernt habe, der hat einmal so wunderbar aufgezeigt, dass dieses Ist-Soll-Bild, dass das oft so inkongruent ist. Und damit arbeite ich auch gerne in meinen Coachings und Seminaren. So diese Form der Akzeptanz, so ist es im Moment. Jetzt ist es so, dass gerade ein Krisenmodus den anderen jagt, dass kaum noch Zeit für Konsolidierung oder Atemholen da ist. Und dann kreieren wir trotz allem immer wieder ein Sollbild. Ein Sollbild, das vielleicht veraltet ist, ja, oder so wäre es super, ja. So, genau. Je weiter weg das nämlich sogar ist, desto mehr Spannung entsteht. Und das ist wiederum eine Form, auch gerade zum Thema Führung, aber auch Selbstführung ein ganz wichtiges Thema, nämlich ein Stück weit zu akzeptieren, ja, es ist jetzt gerade so, was nicht heißt, dass wir da nicht irgendwie etwas bewerkstelligen wollen oder rauskommen wollen, sondern erstmal kurz die Akzeptanz befähigt uns in eine andere Kraft, wieder hineinzukommen, als ständig einem Sollbild hinterherzujen, was sowieso meistens, wenn wir ganz, ganz ehrlich sind, irreal ist.

SPEAKER_01

Ja, das ist ja eigentlich ganz logisch. Also lieber die kleinen Schritte und die dann auch gebührend feiern und leistbar machen als das große Ganze. Aber was wir erleben, also ich weiß nicht, ob du das auch so kennst, aber es gibt gerade schon viele Organisationen, die mal wieder ein Leitbild ins Schaufenster stellen oder sagen, ja, das machen wir mal ein Training zum Thema Team und so und haben ein Führungsleitbild oder Leitbilder Zusammenarbeit. Aber dort entsteht ja keine Leistungsfähigkeit für Teams oder für Personen, sondern letztlich entsteht sie ja eher dort, wo Organisationen bereit sind, auch mal Klarheit zu schaffen, wo Organisationen bereit sind, unbequeme Entscheidungen zu treffen, hatte ich vorher schon mal angedeutet. Also dort, wo Organisationen bereit sind, auch mal hinzuhören in Richtung Mitarbeitenden und zu sagen, okay, also wo ist vielleicht auch eine Grenze, wo die Gefahr besteht, dass das Ganze kippt. Also wir schauen ja auch sehr stark auf die Individuen, was ich per se für richtig halte, aber es gibt halt ein sowohl als auch. Und eine Verwaltung hat einen Auftrag. Und wenn ich das immer ignoriere, dass alle Beteiligten so am Limit unterwegs sind, und zwar persönlich als auch inhaltlich, passieren Fehler, es werden Zeitschienen verschoben, der Druck wird höher, dann ist es eigentlich auch eine relativ gefährliche Vorgehensweise. Also ich glaube, da muss man schon auch nochmal überlegen, wie kriegt man das gut hin, dass Organisationen leistungsfähig bleiben in ihrer Gesamtheit.

SPEAKER_02

Und da glaube ich, sind sich einige Führungskräfte dieser Tragweite noch nicht so ganz bewusst, was da tatsächlich auf dem Spiel steht. Da greift noch die alten Muster Augen zu und durch.

SPEAKER_01

Das hat ja auch funktioniert über Jahrzehnte.

SPEAKER_02

Hat definitiv und hat aber auch die Burnout-Kliniken voll gemacht. Genau mit diesem Muster. Also, wie sagte neulich mein Amtsleiter, ein Burnout muss man sich verdienen. Genau, ja. Also und genauso passiert es dann. Also offensichtlich sind wir gerade gezwungen, und wer sagt denn, dass es auch so schlecht sein muss? Wir sind gezwungen, andere Wege zu gehen. Wir sind gezwungen, in einer anderen Form auf uns selbst, aber auch auf unser System zu achten, damit es, wie so ein Organismus, ja, ich kann auch, du kennst dich ja auch sehr gut aus mit Sport, ich kann nicht einfach nur aus dem Körper rausfesporen. Ich kann nicht einfach nur den Körper, ja, jetzt, ich trainiere jetzt nicht für einen Marathon und dann trete dich trotzdem an am Tag X. Und denke dann, ja genau, und wundere mich. Und wundere mich. Also da entstehen Kollateralschäden und genau um diese geht es ja auch.

SPEAKER_01

Und das finde ich aber nochmal wichtig, weil du so das Beispiel des Sports auch bringst. Ich habe ja vorher oft von leistungsfähigen Teams gesprochen. Ich finde es auch wichtig, immer wieder zu definieren, was heißt denn eigentlich Leistungsfähigkeit? Also ich mag, wenn ich mit dem Begriff arbeite, dann zuckt schon mal der eine oder andere und sagt, das verstehen Sie eigentlich drunter, warum Leistungsfähigkeit, wir bringen doch alle unsere Leistung. Nein, naja, es geht ja nicht nur um höher, schneller, weiter, das meine ich gar nicht als Leistungsfähigkeit verstanden zu wissen, sondern wenn ich sage, ein Team muss auch eine Leistungsfähigkeit sicherstellen, dann geht es um einen klaren Auftrag, den es bekommt und den das Team zu erfüllen hat. Es geht um eine gemeinsame Verantwortung in einem Team. Auch das bedeutet für mich Leistungsfähigkeit. Wenn alle miteinander sagen, ja, wir fühlen uns verantwortlich für das Thema, das auf dem Tisch liegt, bedeutet auch, konfliktfähig zu sein. Ein spannender Punkt in der öffentlichen Verwaltung. Also auch nicht nur so der Wunsch nach Harmonie oder zu sagen, ja, ist nicht meine Zuständigkeit, da halte ich mich raus, sondern halt bewusst auch reinzugehen in Reibungen, in Auseinandersetzungen, ohne dass es persönliche Befindlichkeiten gibt. Und da muss man ja auch sagen, das ist die Verwaltung jetzt seit vielen Jahren gewohnt, unter Druck zu arbeiten. Also auch zu sagen, ja, ich hätte dann Impuls vorher so gedeutet, so den nächsten Zustand auch mal zu akzeptieren, zu sagen, ja, so ist es jetzt gerade. Und dann kann ich vielleicht dem Anspruch nicht ganz gerecht werden, den ich auch an mich habe oder den andere an mich haben, aber anders ist es nicht leistbar.

SPEAKER_02

Das sehe ich auch so. Ich sehe durchaus aber auch als Vorteil, dass da gerade ein Kulturwandel stattfinden muss. Eben nicht dieses um des lieben Friedenswillen, ja, sagt man lieber nichts, sondern nein, jetzt kommt die Eskalation wie von alleine. Weil der Witz ist ja, wenn wir so arg unter Druck sind, wenn wir auch so erschöpft sind, dann kommen ja all die Muster, die darunter immer so schön gedeckelt werden, die kommen ja auch eher mal hoch. Und das bietet uns als Gesellschaft, wie ich finde, eine ganz, ganz große Chance. Das setzt aber voraus, dass wir innerlich sagen, Challenge accepted. Wenn das nicht stattfindet, erlebe ich Systeme, die sich gegenseitig gängeln, wo so viel Ungutes untereinander entsteht, dass die Leute teilweise tagelang emotional damit beschäftigt sind, das irgendwie einordnen zu können oder zu verarbeiten. Oder wo man auch innerhalb eines Teams ständig damit beschäftigt ist, sich irgendwie zu schützen, und da sprachen wir vorhin darüber, das kostet alles Kraft. Und ich glaube, wir sind gerade so gezwungen, ganz, ganz genau auf unsere Kraft zu achten. Wo verbrauchen wir unnötig Energie und die wir an einer ganz anderen Stelle, um die PS noch auf der Straße zu halten. Nicht im Sinne von Höhe, weiter, schneller, sondern um überhaupt noch funktionsfähig zu bleiben. Ansonsten funktioniert es so nicht mehr.

SPEAKER_01

Ja, da gibt es noch viel, viel zu tun in der Richtung. Aber ich erlebe auch, dass so ein Umdenken stattfindet. Also ich glaube, langsam rückt es ins Bewusstsein, langsam wird auch erfahren, dass ein weiter so oder du hast vorher mal gesagt, Augen zu und durch, dass es keine erfolgsversprechende Strategie ist, sondern dass man diese Muster unterbrechen muss, dass man Dinge mal anders tun muss, dass man vielleicht auch über eine Verwaltung ungewöhnliche Vorgehensweisen wählen muss, um zum Erfolg zu kommen. Und ich finde, da gibt es mittlerweile schon viele, die da auch mutig sind und sagen, ja komm, lass uns mal was ausprobieren, lass uns mal neue Führungsmodelle probieren, lass mal einfach was weg, auch wenn wir wissen, das führt zu einem Aufschrei, lasst uns die Bürokratie mal an der einen oder anderen Stelle runterfahren. Also das sehe ich schon und ich glaube, da gilt es zu bestärken, also die einzelnen Führungskräfte in ihrer Rolle zu bestärken, aber auch die Teams sagen, ja, macht einen Vorschlag, wie es anders gehen kann. Die kommen ja meistens. Also es ist ja nicht so, dass es keine Ideen gäbe, zumindest erlebe ich es nicht so. Aber die werden dann halt durch die Mühlen der Verwaltung gedreht und irgendwann kommt was aus, was dann doch wieder nicht wirklich vorangeht. Aber da mal im Sinne von Experimentieren, vielleicht nach vorne gehen, sondern komm, lass uns ausprobieren. Und wenn wir feststellen, es geht nicht, dann machen wir es anders. Das vermisse ich so ein bisschen, sehe aber, dass es zunehmend Organisationen gibt, die sich da reintrauen.

SPEAKER_02

Liebe Iris, unsere gemeinsame Zeit für heute ist schon wieder vorbei. So, ihr Lieben, ich empfehle euch, schafft Rituale, schafft regelmäßige Treffen, wo ihr so etwas wie eine Beziehung zu eurem Team aufbauen könnt. Und achtet dabei, das ist wirklich auch so mein Wunsch für euch, achtet bitte auch dabei darauf, dass ihr nicht alleine, genau wie Iris Kümmerle das vorhin gesagt hatte, für das gute Team miteinander verantwortlich seid, sondern dass da wirklich auch sowas kommuniziert wird, dass jeder Einzelne aus dem Team, es geht nicht nur um die Einzelbedarfe, sondern jeder Einzelne aus dem Team ist auch für das Wohl des gesamten Teams, des gesamten Organismus, haben wir es ja vorhin auch schon genannt, des gesamten Systems mit verantwortlich. Also lasst euch da auch nicht rausbringen. Schafft aber durchaus. Ich weiß, dass die Zeit knapp ist. Ich weiß, dass die Arbeit rennt. Aber die Basis ist immer noch der Mensch. Vielen Dank, liebe Iris, und tschüss. War mir eine Freude. Tschüss.

SPEAKER_00

Vielen Dank fürs Zuhören. Weitere Informationen finden Sie unter amtsalerlei.de. Wenn Ihnen der Podcast gefällt, abonnieren Sie amtsalerlei und empfehlen Sie uns gerne weiter. Und denken Sie daran. Bleiben Sie wirksam für die Menschen, für die Verwaltung, für die Zukunft. Denn gute Führung in der Verwaltung bewegt mehr, als man oft auf den ersten Blick sieht.