Amtsallerlei
Ein Podcast für Führungskräfte der Verwaltung
Amtsallerlei
#02 | Hass und Hetze
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Wer ein öffentliches Amt übernimmt, muss Kritik aushalten – aber wo hört sie auf und wo beginnt Hass und Hetze? In dieser Podcastfolge spricht Leila Adjemi mit Martina Ansorge von der Starken Stelle darüber, wann Meinungsfreiheit endet, welche Grenzen im Netz gelten und wie sich Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gegen Beleidigungen, Diffamierungen und Bedrohungen rechtlich wehren können.
Herzlich willkommen zu Amts allerlei, ein Podcast für Führungskräfte der Verwaltung mit Laila Achemy.
SPEAKER_01In meiner heutigen Podcast-Folge geht es um ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und uns vermutlich die nächsten Jahre noch weiter beschäftigen wird. Nämlich um das Thema: Ist Hass, Gewaltandrohung und Hetze eigentlich Meinungsfreiheit? Ja, und für dieses spannende Gespräch habe ich mir Martina Ansor eingeladen von der Starken Stelle. Sie ist Juristin mit Schwerpunkt Opferschutz und Mitarbeiterin der bundesweiten Ansprechstelle für den Schutz kommunaler AmtsträgerInnen beim Deutschen Forum für Kriminalprävention. Und ihr ist es eben auch so ein wichtiges Ding, dass wir offen darüber sprechen, was könnt ihr ganz im Konkreten tun, falls ihr davon betroffen seid. Denn ihr habt alles Recht der Welt, euch sicher zu fühlen. Wir reden darüber, warum Hass, Hetze und Gewaltantruhung eben keine Meinungsfreiheit sind, sondern Straftaten und was Führungskräfte in der Verwaltung ganz konkret tun können, um sich und ihr Team, aber, muss man leider auch heute dazu sagen, ihre Familien besser schützen zu können. Ja, und wie immer gibt es dabei auch praktische Tipps für den Führungsalltag. Also reinhören lohnt sich auf alle Fälle. Ich freue mich, dass ihr wieder mit dabei seid. Eure Laila. So, auf meine heutige Gesprächspartnerin, nämlich die Martina an Sorge, habe ich mich ganz besonders gefreut. Heute geht es um etwas schwerwiegendere Themen, die euch im Alltag vielleicht an der einen oder anderen Stelle beschäftigen. Und ja, dann begrüße ich jetzt ganz herzlich die liebe Martina. Hallo Martina, schön, dass du dabei bist. Hallo Lala, vielen Dank für die Einladung. Liebe Martina, Starke Stelle. So heißt es, wo du deine Kraft und dein ganzes Know-how mit hineingibst. Und magst du uns vielleicht ganz kurz erzählen, was heißt es denn? Wo bist du denn jetzt und was macht ihr denn da genau?
SPEAKER_02Die Starke Stelle ist eine bundesweite Ansprechstelle für von Hass und Gewalt bedrohte kommunale Amt-Zummandatstragen. Wir sind eine Projektstelle, die seit letztem Jahr August erreichbar ist, also im operativen Geschäft und sind für alle wirklich niederschwellig erreichbar.
SPEAKER_01Toll. Wir haben uns ja kennen und lieben gelernt, nämlich bei dem Kommunalkongress des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. Und da habe ich dich gehört bei einer Keynote, gerade auch zum Thema Hetze und Hass im Netz. Und da hat auch die Nancy Faser eine Keynote dazu gehalten, die mich auch sehr beeindruckt hat, wo es wirklich auch darum geht, sich zu schützen und auch Wege zu finden, wenn dann vielleicht so eine Shitstormwelle losgeht, wenn man sich bedroht fühlt, was man dann an der einen oder anderen Stelle machen kann. Und etwas, was ihr da auch angesprochen habt, ist genau das, wovon ich gestern auch gehört habe. Ich habe gestern nämlich ein Bürgermeisterseminar gegeben. Und beim Mittagessen habe ich natürlich von unserer heutigen Podcast-Aufnahme erzählt. Und prompt erzählte mir ein Bürgermeister, aha, das ist ja spannend, weil er hat nämlich einmal auch einen Bürger gehabt, der entsprechende auch falsche Tatsachen ins Netz gestellt hat, der ihn beschimpft hat, beleidigt hat, bedroht hat und daraufhin hat er Anzeige erstattet. So, und dann bekam er die Antwort, naja, das wird jetzt hier nicht weiterverfolgt, weil ein Mensch des öffentlichen Lebens müsse sich das ja gefallen lassen. Dass er bedroht wird, dass er beschimpft wird und dass eben Falschaussage getan wird. Und das ist ja auch etwas, was beim Kongress angesprochen wurde, auch bei euren Keynotes, und wo wir auch ganz entschieden sagen, wenn ich das so sagen darf, dass das absolut nicht der Fall sein kann. Genau.
SPEAKER_02Das ist, also das ist ganz wichtig, uns auch immer wieder zu sagen, dass das nicht zum Amt dazu gehört. Hass und Gewalt, Bedrohung, Beleidigung, das gehört nicht zum Amt dazu. Und das sind ja persönliche Anfeindungen. Das hat ja auch schon mit der Sache überhaupt nichts mehr, also mit der Amtsausübung zu tun. Und wir können mal gucken, ob wir über den Fall, also ob wir da noch dran bleiben, aber also das als grundsätzliche Info und Aussage ist das ganz, ganz wichtig, auch das wirklich einzusagen, dass es eben nichts mit Aushalten ist oder dass man sich ein dickeres Fell noch zulegen soll, das überhaupt nicht. Also, das ist etwas, was man eben nicht, was nichts zum Amt dazugehört. Punkt.
SPEAKER_01Ja, und manchmal wird es ja auch als Meinungsfreiheit deklariert. Ich sage doch nur meine Meinung. Ich werde doch noch hier, in was für einem Land sind wir denn, dass man noch seine Meinung sagen kann. Also Hass und Hetze oder persönliche Beleidung, genau wie du gerade gesagt hast, man darf ja durchaus auch unterscheiden zwischen Person und der Sache. Und dann darf man nicht hinterher, wenn man persönlich angegangen oder bedroht wird, beschimpft wird, hinterher sagen, ja, nimm es doch einfach nicht persönlich. Die sitzen dann bei mir hier im Coaching und erzählen dann, wie verletzt sie zum Teil auch sind oder wütend sie das Ganze macht, sie sich machtlos gegenüber dem fühlen und dann heißt es halt nur, da nimm es doch nicht persönlich. Nein, die haben es ja persönlich gemeint. Das ist ja dann auch noch verlogen an der Stelle. Es geht erstmal um die Verletzung. Und Meinungsfreiheit hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ich die Grenzen einer Person, der Öffentlichkeit, egal welche Führungskräfte es betrifft, einfach so, dass ich da die Grenzen so drüber latschen darf, dass ich da beleidigen und da mein, ja, mich auch so emotional abarbeiten darf.
SPEAKER_02Genau, also in dem, spätestens in dem Moment, wo die Anfeindungen persönlich werden. Und da muss man auch wirklich sagen, das kann sogar auch innerhalb der Gremien passieren. Also es ist nicht nur in Anführungsstrichen, wirklich in Anführungsstrichen, dass es von außen kommt, sondern zunehmend ist es ja so, dass auch innerhalb der Gremien eben dieser raue Ton, das gab es früher auch, aber das war anders, aber dass es eben nicht mehr ein rauer Ton ist im Sinne von hitzigen, politisch orientierten, also im Fokus stehenden Debatten um die Sachthemata, sondern um das persönliche Anfeinen geht. Und es ist wirklich, da muss man eigentlich so schnell wie möglich auch gucken, innerhalb der Gremien, wie man schafft, wenn man noch parteizugehörig ist, ob man da innerhalb der Partei schon mal einen Konsens findet, fraktionsübergreifend ja auch, dass man einfach ein Statement quasi dann über die Fraktionsgrenzen hindeckt, zum Beispiel verfasst, um zu sagen, Nee, mit uns nicht. Also dass nicht der Ton und nicht dieses kommunizieren.
SPEAKER_01Man darf, wie ich finde, wenn ich mir gerade auch so Gemeinderatssitzungen anschaue, man darf kontrovers diskutieren und es darf auch emotional sein. Ich finde oftmals, dass nicht das Wort alleine entscheidend ist, was da verletzt, sondern die Intention. Und jemand, der eloquent ist und sich vielleicht besser ausdrücken kann und trotzdem die Intention hat, jemanden persönlich zu verletzen, dem einfach eine reinzuwürgen, dann kommt das an. Und da braucht man auch hinterher, wie ich finde, nicht eine Art Wortglauberei zu machen, ja, ich habe doch nur das gesagt und nicht mal das darf man sagen, sondern es geht um die Intention. Und ich schärfe meine Klientinnen und Klienten auch darin, genau das auch für sich in Anspruch nehmen zu können und zu sagen, halt stopp, nein, das ist für mich so nicht in Ordnung.
SPEAKER_02Ich finde es auch wichtig, selbst wenn jemand nicht so eloquent ist und im Prinzip nur immer so mantramäßig das Gleiche wiederholt oder überhaupt sowieso schon nicht mehr an der Sache, weil das ist ja auch einigen innewohnend, die dann wirklich ganz schnell vom Sachtthema weggehen und dann irgendwelche Monologe da halten wollen. Und wir haben ja auch die Ehrenamtinnen und Ehrenamtler ganz doll im Fokus, die da abends neben Familie, neben dem Job, neben dem Ganzen sitzen. Und dann kommen die auch nicht zum Sachtthema. Und das ist natürlich maximal frustrierend, wenn man da sitzt und das eine sind die persönlichen Anfeindungen, das andere kann eben noch eine andere Störung sein. Aber insgesamt ist es so, dass das frustriert und den Job, den viele ja aber immer noch, das ist bei dir in der Praxis bestimmt auch so, als ganz, ganz besonders vielfältig. Und das hüpfen wir auch immer wieder und das ist so wirklich so berührend auch tatsächlich, dass der eben nicht ausgeüben werden kann, weil jemand stört. Also sowohl innerhalb des Gremiums als auch natürlich durch Störung von außen.
SPEAKER_01Und ich habe mich jetzt in Vorbereitung für unseren Podcast so ein bisschen versucht, schlau zu machen. Und da gab es diverse Zahlen. Also da steht im Netz beispielsweise, wenn ich bei ChatGPT was eingebe, dass etwa 64 Prozent der Bürgermeisterinnen, und dazu zählen wir bitte auch Amtsleiter, wir zählen aber auch Dezernentinnen, wir zählen auch Landräte. Darüber haben wir vorhin gesprochen. Also letztendlich alle Führungskräfte der Verwaltung, Regierungspräsidenten und so weiter. 64 Prozent davon haben zumindest gemeldet, weil die Dunkelziffer ist ja noch viel, viel höher, wie wir wissen. Dass sie mittlerweile schon beleidigt wurden, bedroht wurden, angegriffen wurden. Und das steht beispielsweise im Kommunalreport von München. Dann die Körperstiftung hat veröffentlicht, dass 57 Prozent der Behördenstatistiken zeigen, dass Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger seit 2024 im Übrigen messbar steigen. Und das ist wirklich auch etwas, es gibt kaum eine Coaching-Sitzung, bei der dieses Thema nicht auch angesprochen wird. Und ich finde das ganz ehrlich ziemlich erschreckend, weil ich bin sehr, sehr froh, dass all die Führungskräfte der Verwaltung diesen Job auch noch machen. Ja, er ist schon schwer genug. Aber das ist wirklich etwas, ja, wo auch ich so dastehe und denke, wow, das kann und darf es nicht geben. Wo ist denn da der Schutz eigentlich?
SPEAKER_02Also wobei ich nicht nur die Führungskräfte also so sehen würde, sondern auch einen Ortsbeirat, der ja auch ein Mandat hat, beziehungsweise ein Amter ausübt, aber die ja alle zusammen nur funktionieren. Also die Basis unserer Demokratie ist wirklich in der Kommune und die funktioniert ja wirklich durch so viele Mosaiksteinchen. Und ich weiß nicht, ob du auch die Zahlen von dem kommunalen Monitoring, das ist ja so eine ganz tolle Studie, aber über mehrere Jahre schon und nur die kommunalen eben im Fokus hat. Da sagen auch im letzten Zeitraum, sechs Monate, sagen immer so um die 34 bis 36 Prozent, was sie Anfeindungen erlebt haben. Also im letzten Zeitraum, nicht irgendwann, sondern das sollen die eigentlich so ganz spannend ist, also was da passiert natürlich, das Anfeindungsgeschehen, das ist leider wirklich sehr divers. Also wir haben den analogen Bereich und den digitalen. Und es ist so, dass Frauen, wenn sie jung sind, zum Beispiel vielleicht einen Migrationshintergrund haben oder als Beispiel von den Grünen kommen, die Wahrscheinlichkeit von Anfeindungen, die auch wirklich auf die Personen dann eben ausgerichtet sind, davon Opfer werden, die ist nochmal signifikant höher als bei Männern. Und das ist auch das, was ich so ganz, ganz schlimm finde und wo wirklich eigentlich alle sagen, hier geht es so nicht weiter, es werden die Familienangehörigen mit reingezogen sind. Das ist wirklich, da sagen auch die alten Gestanden, also die Politiker, die schon seit Jahrzehnten machen, die sagen, nee, also da ist wirklich Schluss, das hat da nichts mehr mit dem Amt oder der Kommunalpolitik.
SPEAKER_01Unit Recht. In dem Bürgermeisterseminar erzählte mir mal ein Teilnehmer, dass er von zu Hause aus angerufen wurde, von seiner Tochter, und die hat gesagt, Papa, da steht ein Mann bei uns im Wohnzimmer. Viele wohnen ja auch im Orb. Also im Grunde genommen weiß ja jeder, wo der Bürgermeister wohnt. Und das war jetzt ein Bürger, der war jetzt nicht wirklich gefährlich, aber der halt dem Bürgermeister dringend sprechen wollte, weil er wütend war und sauer war, der hat sich Zutritt verschafft, hat die Familie quasi überrumpelt, ja, wenn da die Kinder an der Tür stehen und aufmachen. Und dann stand der im Wohnzimmer und wollte mit dem Bürgermeister reden und der hat gesagt, dann ist er mal nach Hause gegangen.
SPEAKER_02Genau, da müssen wir gucken, dass wir die Leute eben nicht alleine lassen. Also wir haben es eben schon kurz angesprochen, also was die Basis der Demokratie ist, dann ist das wirklich Herzkammer, ne, die Kommune. Absolut. Und weil das Anfeindungsgeschehen ja auch so stark war und eher zunimmt als abnimmt, wird das ja politisch gesehen, deshalb gibt es die starke Stelle. Weshalb wir auch wirklich, also wir sind für die kommunalpolitisch Engagierten, sind wir da. Und wir sind ja eine Verweisberatung. Das heißt, wenn sich jemand an uns wendet, und wirklich, das muss gar nicht so ein ganz schlimmer Fall sein, sondern eigentlich, wenn der Schuh drückt oder aber man sich überlegt, man möchte sich vielleicht präventiv irgendwie so ein bisschen rüsten und sowohl den analogen als auch digitalen Bereichen gerne immer an uns wenden. Also vielleicht haben wir nachher noch die Gelegenheit, nochmal diese Telefonnummer oder so zu sagen. Aber ganz, ganz wichtig ist wirklich zu sagen, es gibt ein Netzwerk aus den Sicherheitsbehörden, das heißt, die allermeisten Länder haben sensibilisierte Ansprechstellen, auch schon in den Polizeien, in den Landeskriminalämten zum Beispiel. Und zwar sensibilisiert für dieses kommunalpolitische, für diesen Kontext, weil das noch was anderes ist, wenn man persönlich angegangen wird, wenn es eben diesen politischen Kontext hat, als wenn es, sag mal, das ist nicht weniger schlimm, aber so eine Beleidigung über Nachbaren. Das ist ein anderer Kontext. Und das weiß man, das sieht man und da passiert halt auch schon einiges. Und dann haben wir auch in der Justiz natürlich dann Ansprechstellen, aber ganz viele Möglichkeiten, auch über zivilgesellschaftliche Organisationen, da Unterstützungskontakte dann anzubieten. Das ist uns ganz, ganz wichtig und wirklich von, wir sehen das ja, die Auswirkungen von solchen Angriffen, die sind immens. Also das ist wirklich das, nochmal, um kurz auf die Komo-Zahlen zu kommen vom BKA, über 80 Prozent derjenigen, die Anfeindungen erleben, die sagen, das macht auch was mit mir und zwar, das ist im Bereich von Schlafstörung über auch eine Rufschädigung, gerade im ländlichen Bereich. Du hatte eingangs angesprochen, diese falschen Tatsachen behaupten, die im Übrigen auch einen Straftatbestand an sich schon erfüllen im Zweifel. Also die Möglichkeit, sich da auch entsprechend zu wehren, ist aber wirklich auch zu depressiven Verstimmungen und so. Und deshalb ist es so wichtig, auch zu wissen, erstens, man ist nicht alleine, also das liegt nicht an einem selber, aber man muss das nicht aushalten. Und es gibt Hilfe. Also und eben deshalb sich lieber einmal zu viel als zu wenig, aber wirklich einfach mal an uns wenden, um zu gucken, was können wir tun, was gibt es, wo ist der Bedarf? Und dann entsprechende Content.
SPEAKER_01Also das Wort Präventiv fand ich jetzt schon mal was ganz Wichtiges, weil ich glaube, da sind die wenigsten dabei. Ich erlebe es eher so, dass wenn es irgendeinen Vorfall gab, ja, wofür vielleicht noch nicht mal die Commune zuständig war, also sprich auch Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. And it passiert etwas anders tragisch when it was passiert. Dann habe ich schon Bürgermeisterinnen und Bürgermeister erlebt, sowohl als auch, dass sie Morddrohungen bekommen haben, dass sie Anfeindungen aus ganz Deutschland bekommen haben, dass a riesigstorm in Gang gekommen is. And I erlebe ganz viele, dass sie ganz viel aushalten anders wirklich in Aktion treten, sobald die eigene Familie bedroht wird. And ich würde spontan sagen, aber da bin ich jetzt nicht die Fachfrau, deshalb rate ich auch dich nochmal dazu. Mein Impuls auch als Laila, auch als Mensch und aber auch als Coachin wäre, nein, die Grenze ist schon lange, schon lange überschritten und ihr dürft euch viel, viel früher melden. Wie siehst du das? Ab wann kann und soll sich da jemand, der da betroffen ist, bei euch melden, beispielsweise?
SPEAKER_02Also wirklich, im Prinzip, das klingt so salopp, aber wenn der Schuh drückt, dann jedenfalls. Also wenn man merkt, irgendwie, man kommt über die eigenen Ressourcen und mit eigenem meinen wir nicht, wir wollen nicht von der Person noch mehr verlangen, sondern in der Partei, in der Wählervereinigung oder was immer man aufgestellt ist. In dem Gremium. Also da ist es natürlich auch wichtig, dass man sich da auch stützt und schläft. Also wir hören immer wieder, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, wie man vorstellt. Aber wirklich sich an uns wenden und zu fragen, so können wir hier was machen, weil auch die Polizei zum Beispiel, die einen Präventionsauftrag dem Grunde nach hat, wird auch wirklich so gesagt, wenn man weiß, es gibt jetzt eine hitzige Abstimmung oder eine Bürgerversammlung steht bevor. Und ganz ehrlich, wir wissen nicht, wie die Leute da ticken. Im Vorfeld, also weit im Vorfeld, nicht am Vorabend oder morgens, wenn es abends stattfindet, aber wirklich da überlegt, wen können wir kontaktieren, damit wir einfach ein Konzept haben. Und es gibt auch so Pläne, Krisenpläne quasi, die man sich sowohl für den analogen als auch digitalen Bereich, also im digitalen Shitstorm kommt. Und man ist eben kein Bundespolitiker oder Landespolitikerin, die noch das Büro haben, die dann alles filtert, sondern dass man sich überlegt, wer macht das in so einer Zeit für mich? Also ne? Und wie gehe ich damit um? Also man ist nicht emotional, man kann es nicht antizipieren, wirklich, dass ja wirklich zu viel verlangt. Aber die Tatsache, sich auf etwas vorbereitet zu haben, einen Plan zu haben, entlastet schon mal viele und dann auch die entsprechenden Kontakte nicht noch suchen zu müssen. Weil das ist auch so eine Sache, nur ein Prozent ungefähr derjenigen, die von diesen Anfeindungen betroffen waren, haben eine Beratungsstelle aufgesucht über die Jahre. Was uns auch angezeigt, was ist enorm wichtig und 10% der Umzeige erstattet oder elf. Wobei das so wichtig ist zu sagen, okay, es gibt Unterstützungsangebote. Wir können nicht versprechen, dass immer alles perfekt passt oder dass wir was ungeduldigen anders nicht. Aber wir können wirklich gucken, welcher Kontakt passt jetzt, damit man nicht damit alleingelassen ist. Weil das darf auch keinen Fall sein. Dem wurden wir unbedingt entgegenwirken.
SPEAKER_01Das finde ich auch was ganz Spannendes, denn nämlich in der Psychologie sagt man, ein Trauma beispielsweise entsteht immer dann, also ein wirklich psychologisches Trauma entsteht dann, wenn wir das Gefühl von Ohnmacht haben. Also wenn wir das Gefühl haben, wir haben überhaupt keine Skills, um in irgendeiner Form darauf adäquat reagieren zu können. Und immer wenn wir die Möglichkeit, wenigstens der inneren Bewegung haben, immer wenn wir die Möglichkeit haben, uns Hilfe zu suchen, so dass in irgendeiner Form eine Veränderung auch stattfindet, dann haben wir eine ganz andere Form of Resilienz and it manifestiert sich eben nicht auch als Trauma. Ich erinnere mich jetzt gerade auch an den Fall, der jetzt vor einiger Zeit stattgefunden hat. Ich denke, da wurdest du auch mit involviert, wo eben, ich bin jetzt bei den sozialen Medien, wie schnell da ein Shitstorm passieren kann, weil eben eine Aussage nicht im Zusammenhang mit der eigentlich gestellten Frage veröffentlicht wurde. Und auf einmal scheint es so, als würde jemand, in dem Fall war es ein Bürgermeister, etwas verharmlosen und mit einem Lächeln in die Kamera. Und auf einmal entsteht ein Shitstorm vom Allerfeinsten. Und es ist ja heutzutage eine Welle. Da muss man auch erstmal klarkommen, was da passiert mit auch mit Morddrohungen. Der Gemeinderat hat sofortigen Rücktritt gefordert. Die Leute waren auch aus der Partei auf einmal alle weg. Und das ist etwas, wo ich auch angeschrieben wurde von diversen Stellen. Laila, bitte schnell kümmere dich. Wir haben richtig, richtig Angst um diesen Amtsträger.
SPEAKER_02Also wir als starke Stelle waren da nicht involviert, aber wir hatten natürlich von dem wirklich furchtbaren Fall gehört. Und bei uns ist das so, dass wir, also meine Kollegin und ich, wir arbeiten wirklich bedarfsorientiert. Und wenn wir Kontakt noch nicht haben, dann sehen wir zu, dass wir ihn irgendwo finden. Und unter anderem war das auch so, dass uns gesagt wurde, wir wissen gar nicht, wie wir mit der Presse umzugehen haben. Also das war jetzt nochmal eine andere Kategorie. Beispiel, der Schwager vom Bürgermeister kriegt das Baulandbilliger, wird im Raum erzählt. Oder das Haus vom Bürgermeister wurde bei der Kanalisation früher angeschlossen. Oder was auch sich die Leute dann. Was behauptet wird. Und dann ist das in der Presse. Wie geht man damit um? So dass wir auch da dann jemanden gefunden haben, der selber auch Kommunalpolitiker ist, seit Jahrzehnten Journalist auch ist, genau sowas auch beruflich macht, den wir dann zum Beispiel auch in den meisten Fällen vermitteln können. Wenigstens für eine Ersteinschätzung. Oder das war auch Teil von, also ein Workshop bei uns auf unsere Veranstaltung, der Umgang mit der Presse, mit Medien in Krisensituationen. Also das sind wirklich auch Anforderungen, die ja an die Kommunalpolitikerinnen und Politiker gestellt werden. Die sind da mit völlig allein gelassen, weil sie eben keinen Presemitarbeiter haben, Referent oder so. Ja, also deshalb, da ist es so, dass man dann natürlich gucken muss, wie wird man, wie kann man Unterstützung da finden.
SPEAKER_01Ja, das halte ich für was ganz, ganz Wichtiges. Liebe Martina, da könnte ich jetzt noch eine ganze Weile mit dir darüber reden. Wahrscheinlich treffen wir uns auch an anderer Stelle dann wieder. Liebe Martina, unsere gemeinsame Zeit für heute ist schon wieder vorbei. Vielleicht doch auch noch etwas, wenn es um das Thema geht, Umgang mit psychisch kranken. Ich spreche jetzt gerade auch von Stalking und da möchte ich allen Führungskräften der Verwaltung raten. Geht bitte nicht in Gespräche, verliert euch nicht in Erklärungen und handelt nicht einfach nur an der Stelle aus gesundem Menschenverstand heraus. Wenn jemand psychisch krank ist, kann das durchaus sein, gerade wie im Falle von Stalking, dass die Person, auch wenn ihr beispielsweise sagt, hör auf damit, ich möchte das nicht, dass die dann hört, ja, wir sehen uns morgen zum Pizza essen, weil ich dich liebe oder sowas. Das kommt dann, ich sage jetzt mal so, übertrieben, sowas kommt dann bei denen an. Also das heißt, bitte, wenn ihr den Eindruck habt, da ist eine psychische Krankheit dahinter, wendet euch sofort an entsprechend ihr, wahrscheinlich auch an euch, Matthias, oder kann man sich da auch? Also auf jeden Fall die Polizei, also bei Stork und gerade in dem Kontext sofort die Polizei dann. Also wendet euch bitte umgehend und schnell an die Polizei. Und da braucht es, auch wenn sich das erstmal so ein bisschen unmenschlich anfühlt, es braucht eine ganz, ganz klare Grenze. Ansonsten kann sich das sehr, sehr lange hinziehen und ihr werdet wirklich keine Freude mehr haben mit diesen Menschen. Die ticken anders. In diesem Sinne finde ich, habt ihr das Recht, dass ihr für euch sorgt, dass ihr euch geschützt fühlt, dass ihr Anlaufstellen habt, wo ihr Orientierung findet. Nochmal, das Wort Prävention finde ich was ganz Wichtiges. In the heutigen, genau ich sehe die Martina hier auf Nicken, in the heuchel is the gefahrt, dass es shitstorms gibt, wie aus dem Boden herausgestampft. Also erkundigt euch, bitte ignoriert this thing, denn you have all ready to good and sicher to find. And I danke you, lie Martina, for dash mitmachen. And ich danke dir für die Einladung. Dann tschüss. Tschüss.
SPEAKER_00Vielen Dank fürs Zuhören. Weitere Informationen finden Sie unter amtsalerlei.de. Wenn Ihnen der Podcast gefällt, abonnieren Sie Amtsalerlei und empfehlen Sie uns gerne weiter. Und denken Sie daran. Bleiben Sie wirksam für die Menschen, für die Verwaltung, für die Zukunft. Denn gute Führung in der Verwaltung bewegt mehr, als man oft auf den ersten Blick sieht.