Amtsallerlei
Ein Podcast für Führungskräfte der Verwaltung
Amtsallerlei
#03 | Urlaub macht krank?
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Warum werden so viele Menschen ausgerechnet im Urlaub krank? Erfahre, was wirklich dahintersteckt – und wie Erholung endlich wieder gelingen kann, darüber spreche ich mit der Allgemeinärztin Ulrike Mehling.
Herzlich willkommen zu Amtsalerlei, ein Podcast für Führungskräfte der Verwaltung mit Laila Achemy.
SPEAKER_01Schön, dass ihr wieder dabei seid. Urlaub macht krank, klingt verrückt, passiert aber häufiger als du denkst. Willkommen bei unserer neuen Podcast-Folge. Kaum beginnen die Ferien, meldet sich plötzlich der Körper, Erkältung, Migräne, Erschöpfung oder einfach das Gefühl, nicht abschalten zu können. Warum ist es eigentlich so? Genau darüber spreche ich jetzt gemeinsam mit der Ärztin Eure Gemäling darüber, weshalb Körper, Psyche und Geist untrennbar zusammengehören. Mit über 30 Jahren Erfahrung als Ärztin sowie Ausbildungen in der Hypnotherapie, PEP nach Michael Bohne und der Logosynthese zeigt sie, warum echte Erholung mehr braucht als einen Ortswechsel und wie Urlaub tatsächlich neue Kraft schenken kann. Hör jetzt rein und gönn dir die Impulse, die deinen nächsten Urlaub nachhaltig verändern können. Und ja, wenn dir die Podcast-Folge gefällt, abonniere am allein, teile den Podcast mit Kolleginnen und Kollegen oder Menschen, denen diese Folge auch gut tun könnte und hinterlass uns eine Bewertung oder einen Kommentar. So hilfst du mit, dass unser Podcast noch mehr Menschen erreicht und möglichst weit fliegt. Vielen Dank, eure Laila. Ach, und auf die heutige Podcast-Folge habe ich mich ganz besonders wieder gefreut. Hallo liebe Ulrike. Hallo, liebe Laila. Wie schön. Ulrike Mehlings, sie ist Ärztin seit vielen, vielen Jahren und ich komme auch gleich auf den Punkt, nämlich es geht um das ganz wichtige Thema Sommerzeit. Viele Leute gehen jetzt in den Urlaub und freuen sich vielleicht sogar das ganze Jahr schon auf diese Zeit. Und wer kennt es nicht, dann ist endlich der Urlaub gar, man ist angekommen und batsch. Die einen spüren es körperlich, die anderen spüren es vielleicht psychisch oder mental, dass sie jetzt erstmal mehr oder weniger ausgebremst werden. Deshalb heißt auch die heutige Podcast-Folge Urlaub macht krank, was wirklich dahinter steckt. Und dafür habe ich mir eben die liebe Ulrike Mehling-Netz-Expertin eingeladen, um mit ihr gemeinsam zu besprechen. Vielleicht können wir es vermeiden, mit 250 Sachen in die Tiefgarage zu fahren und da in die Erfahrung zu machen, wie es einem dann eben geht und die erste Urlaubszeit dann erstmal im Hotelzimmer zu verbringen. Ja, liebe Ulrike, danke, dass du mit dabei bist.
SPEAKER_02Ja, ich freue mich, dass ich dabei sein kann und freue mich über deine Einladung, da was zu sagen. Also ich ist ja, wir müssen ja gucken, wo kommen wir her in dem Moment. Wir kommen ja nicht aus einem gleichmäßigen Alltag, wenn wir in den Urlaub gehen, sondern ganz oft kommen wir wirklich aus sehr angespannten, sehr anstrengenden Situationen. And then sorgt unser Körper mit den Stresshormonen dafür, dass wir durchhalten, dass wir funktionieren, dass wir all das schaffen, was wir uns vorgenommen haben, dass wir dem Druck standhalten können anders bringen. And when we then in den Urlaub fahren and we can unself die, das Meer genießen. Endlich! Endlich, uns verwöhnen lassen and die Sonne auf dem Bauchscheinen, dann ist es eben ganz oft so, dass dann der Körper sagt, halt, Moment mal, das sind so viele Veränderungen auf einmal, damit jetzt muss ich erst mal die Notbremse ziehen.
SPEAKER_01Absolut. Und dann erzählen mir auch meine Klientinnen und Klienten, dass sie, bevor sie überhaupt in Urlaub konnten, versucht haben, den Schreibtisch wieder freizukriegen, dass sie versucht haben, in der Zeit natürlich auch noch private Dinge zu organisieren. Eine Reise will ja auch vorbereitet sein. Dass sie versucht haben, auch für die kommende Zeit so ein bisschen wie vorzuarbeiten, damit dann nicht das grausame Erwachen nach dem Urlaub stattfindet, wenn sie dann wieder da sind. Also das heißt, im Grunde genommen, wenn wir ganz ehrlich sind, findet nicht nur eine ganz typische Alltag, sondern vielleicht sogar auch eine Zwei- oder Dreifachbelastung statt. Das heißt im Grunde genommen auch da schon ein Maximum nochmal an Stresslevel.
SPEAKER_02Genau. Man will ja den Schreibtisch leer haben und man will nicht allen, die da bleiben, die Arbeit überhäufen, sondern will sich mit einem guten Gefühl in den Urlaub entlassen können. Aber es ist eben so, dass dieses Vollgas, was man vorher hat, das sein Tribut fordert. Und dass es eben genau nicht gut ist, sich dann nur hinzulegen und nichts zu machen.
SPEAKER_01Ah ja, das finde ich ja einen ganz spannenden Hinweis, den du da gibst.
SPEAKER_02Ja, ich glaube, es ist wirklich ganz wichtig, dass die ganzen Stresshormone, die ja da sind, im Umlauf sind, die wir ja nicht einfach so abschütteln können. Und ganz oft ist es ja so, wenn man im vollen Betrieb ist, dass man auch eine gewisse chronische Stressreaktion schon verinnerlicht hat und dass der Körper weiter so läuft. Dass der Körper eben auf Hochtouren läuft, dem muss man eben auch Rechnung tragen. Und deswegen wäre es gut, wenn man sich bewegt, wenn man das abläuft, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man also wirklich spazieren geht, wenn man schwimmt, wenn man aktiv ist und sich neben nicht nur hinlegt und gar nichts mehr macht. Weil dann ist es wirklich so, dass der Körper dermaßen runterfährt, dass er eben auch empfänglich wird für Infekte. Und dann wird man eben krank.
SPEAKER_01Ja, Stichwort Cortison, ne? Und das Cortisol, das da die ganze Zeit einen auch mit am Laufen gehalten hat und dann im Flieger, das ist mir persönlich tatsächlich schon mal passiert, dass ich im Hinfliegen zum Urlaubsort mir dann was eingefangen hatte und dann schon am zweiten Tag, hurra, dann einen fetten Virus hatte. Genau.
SPEAKER_02Das ist ein guter Hinweis schon, wenn man zum Beispiel im vollbesetzten Flieger auf die Reise geht, dass man dann vielleicht sogar mit Maske sich hinsetzt. Wir haben uns ja jetzt schon ziemlich dran gewöhnt. Früher war das ja eher ungewöhnlich, das kannten wir ja nur von den Asiaten, dass die im Infektfall oder wenn die in großen Menschenansammlungen waren, sich eine Maske aufgesetzt haben. Das wäre sogar meine Empfehlung, wenn man in den Urlaub fliegt. Ach, tatsächlich.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_02Unter Umständen, sich oder zumindest überwiegend im Flieger eine Maske aufzusetzen, weil das ist wirklich eine Infektschleuder ohne Gleichen.
SPEAKER_01Und auch Stichwort Cortison, Cortisol, das dann auch erstmal so abgebaut wird und dann wir entsprechend infektanfälliger sind oder dass eben auch Entzündungen, die vielleicht davor so im Körper vor sich hingeschlummert haben, mehr wieder ausbrechen können. Du hast gerade gesagt, dass es auch wichtig ist, wenn man eben aus so einer High-Level-Stresssituation kommt, dass man dann nicht sich einfach nur in den Liegestuhl hineinlegt und meint, okay, jetzt wäre es gut, die Sonne auf dem Bauch scheinen zu lassen, sondern dass man wirklich in Bewegung bleibt. Das halte ich auch für was Wichtiges, zumal ich auch mal gelernt habe in einer meiner Ausbildungen, dass Adrenalin sich nicht alleine durch Entspannungstechniken oder überhaupt Entspannungsmomente abbaut, sondern Adrenalin will uns ja aktivieren. Adrenalin, wenn wir das prähistorisch gesehen anschauen, will uns ja helfen, uns zu verteidigen vorm Säbel-Zahntiger. Und auch wenn der vielleicht heutzutage Gemeinderat, nein, Quatsch, kleiner Schatz, am Rande, wie auch immer dieselbe Zahntiger in der heutigen Zeit aussehen können. Dass wir da weglaufen können, dass wir uns und unsere Brut verteidigen können und dass es dann doch auch Sinn macht, tatsächlich in die Bewegung hineinzugehen.
SPEAKER_02Genau, weil diese ganzen Stresshormone, Adrenalin, Noradrenalin und der Gegenspieler ist Cortisol, die sollen ja Energie bereitstellen. Und wenn wir diese Energie quasi gar nicht abrufen, dann kann es wirklich dazu kommen, dass unser Körper dadurch auch durcheinander kommt. Also deswegen ist Bewegung gut und das Ablaufen und sich Abschwimmen oder wie auch immer, dass man sich in Bewegung begibt um diesen bereitgestellten Zucker, Cholesterin, was alles wirklich aktiviert wird als Stressreaktion, um das Ganze abarbeiten zu können. Weil das eben gerade bei einer chronischen Belastung, also, und die meisten von uns kommen ja aus Dauerbelastungen, das automatisiert weiterläuft. Auch wenn wir Urlaub haben, der Körper funktioniert erstmal so weiter wie vorher. Und deswegen müssen wir dem auch Rechnung tragen, dass wir uns da wirklich möglichst bewegen und viel in die Natur gehen. Die Natur hat ganz viele Ressourcen. Viel ins Grüne, viel ans Wasser, in die Weite gucken und sich dabei bewegen. Das ist das beste Rezept, denke ich.
SPEAKER_01Ja, und das wirklich auch ernst nehmen, ne? Dann, wenn man da so ein Bedürfnis auch hat, da. Genau.
SPEAKER_02Sich wirklich auch mal zu gucken, wir bewegen uns ja, wenn wir im Büro arbeiten, bewegen wir uns ja viel zu wenig. Und das ist ja auch mit eine Ursache für viele sogenannte Stresserkrankungen oder Zivilisationserkrankungen. Und wenn wir die Möglichkeit haben, im Urlaub entspannt uns zu bewegen, das kann man was Besseres kann man dem Körper nicht zufügen, sozusagen, ja.
SPEAKER_01Ich habe das deshalb auch gerade so bewusst gesagt, weil ich viele Leistungsträgerinnen und Leistungsträger kenne, die dann sagen, jetzt habe ich aber Urlaub mit der Familie, jetzt muss ich für die Familie da sein. Und dadurch eben auch schon mal, wie so eine innerliche Dissonanz entsteht, eigentlich müsste ich jetzt für die Familie da sein und Zeit mit der Familie verbringen, aber ich kann doch jetzt nicht, was weiß ich, ein, zwei Stunden mich da rausziehen, weil das mache ich ja schon in meinem Alltag genügend.
SPEAKER_02Ja, dieser Zwiespalt ist natürlich schwierig. Aber es ist, und das kann man ja vielleicht sich überlegen, dass man das kombiniert. Dass man einfach dann die Familie schnappt und sagt, okay, jetzt gehen wir Tretboot fahren oder jetzt schwimmen wir alle eine Runde oder also die Kinder, denen geht es ja ähnlich, die bewegen sich ja auch heutzutage oft viel zu wenig. Und dann ein bisschen Fantasie zu entwickeln und sich eher so einen halbaktiven Urlaub planen. Natürlich ist es genauso wichtig, auch sich mal hinzuhauen und ein Buch in die Hand zu nehmen oder einfach nur übers Meer zu gucken. Das ist genauso wichtig. Aber eben gar nichts tun, wäre eben kontraproduktiv. Und dann kommen oft die, dann merkt der Körper, jetzt kann ich endlich loslassen. Und jetzt dann fährt unter Umständen auch die Abwehr in den Keller und dann geht es los mit den ganzen Zipperleien und Rückenschmerzen und Infekten, die dann so kommen können.
SPEAKER_01Oh ja, da fühle ich mich auch sehr angesprochen. Da habe ich auch viele Erinnerungen. Ich habe für mich mittlerweile auch bestimmte Techniken entwickelt, auch wie so eine Art Cool-Down auch aussehen kann. Dass ich mir am Anfang noch nicht gleich erlaube, auch wenn ich merke, ui, jetzt ist aber wirklich der Kanal voll und ich würde mich am liebsten nur noch hinlegen und ausruhen, sondern dass ich dann wirklich für mich wie so eine Art Programm mache, wie so einen Cooldown, um runterzukommen. Und dann nach einer Weile merke ich, aha, und jetzt tut es mir auch gut, nach und nach dann immer weniger auch am Programm zu haben. Apropos Programm, das finde ich auch eine ganz wichtige Angelegenheit. Viele berichten auch darüber, dass sie so sehr fremdbestimmt sind in ihrem Alltag. Und auf einmal ist so die große Freiheit innerlich, ja, da sind keine Termine. Manche haben wirklich den Tag auf halb Stunden durchgetaktet. Und auf einmal ist der ganze Tag gefühlt frei. Und wir sprachen jetzt gerade so über den Körper und da finde ich im Übrigen auch die Psyche ganz wichtig, weil mir viele dann darüber berichten, dass sie sich so gefreut haben auf ihren tollen Urlaub in einer tollen Gegend, aber sie wie in so Art depressive Zustände dann hineingerauscht sind. Und ich glaube, dass es auch sehr hilfreich sein kann, eben nicht zu denken, so bis zum Urlaub halte ich durch und dann wie ins Off hinein katapultiert werde. Denn das Gehirn rast ja weiter. Das Gehirn ist gewohnt, so unfassbar viel Futter zu haben, sich mit so vielen Themen zu beschäftigen, auch anderen, ich nenne das ja auch Realitäten räumen. Und auf einmal wird man so auf sich selbst zurückgeworfen. Und dann kann es durchaus auch passieren, dass sowas wie so eine innere Mailbox anspringt, die da sagt, ach übrigens, deine ganzen Nachrichten von den letzten Wochen und Monaten, die du dir nie angehört hast, da wärst du ja jetzt bereit zuzuhören. Und dann kommt der ganze Kladeradatsch, aber wie so eine Welle und auf einmal.
SPEAKER_02Ja, das ist gut, gut möglich. Und die kann man natürlich auch schlecht vorbeugen. Was macht man damit mit den ganzen Gedanken? Also ich glaube wirklich, dass man sich ganz gut ein Programm machen sollte. Was ich auch noch ganz wichtig finde, ist der Schlaf. Also dass man sieht, dass man zwar ausreichend Schlaf bekommt, aber eben auch nicht plötzlich sehr viel länger schläft in den Morgen hinein, weil der Rhythmus vom Körper oft noch ein anderer ist. Ah, ja auch so. Und dass man, oder Thema Alkohol, wenn man sagt, okay, jetzt so im Urlaub, jetzt kann ich abends meinen Wein trinken, das macht natürlich auch den Schlaf schlechter und weniger erholsam. Also da wirklich ganz, ganz gezielt gucken, in kleinen Mengen zu denken, wirklich nur mal für den Genussenglas und nicht mehr, damit der Schlaf, die Schlafarchitektur nicht kaputt geht und man dann auch nicht erholsam schläft. Weil man schläft zwar besser ein mit Alkohol, aber die Schlafqualität ist schlechter. Und also das sind mehrere Aspekte, dass man morgens nicht bis in die Puppen schläft, sondern auch rechtzeitig aufsteht und diesen Rhythmus noch so ein bisschen nachklingen lässt aus der Arbeitswelt, weil sonst der Ganze wirklich der Körper komplett durcheinander kommt.
SPEAKER_01Ja, und manche sagen dann, ach, das nervt mich und ich will jetzt einfach was anderes haben, aber Fakt ist, wir funktionieren nun mal so. Und das Gehirn können wir dann auch nicht ausstellen und dann nur noch denken, ja, jetzt gucken wir schon aufs Meer und das müsste reichen. Natürlich, das Gehirn ist so gewohnt, gefüttert zu werden, das rattert und macht weiter. Und dann kann es eben passieren, wenn es von außen diesen Input nicht mehr hat, dann holt es halt innere Themen hervor und rattert und Gedanken. Da finde ich es zum Beispiel auch immer recht hilfreich zu sagen, wenn wir merken, ach, die Gedankenspirale setzt so ein und vielleicht geht es in eine ungute Richtung, dann immer wieder zu überprüfen, halt stopp, denke ich oder werde ich gedacht. Oder auch halt, stopp, ist dieser Gedanke jetzt tatsächlich sinnvoll? Also auch im Sinne von, ist es produktiv, tut es mir gut oder bringt es mich in etwas hinunter? Und da finde ich es auch so spannend, weil manche sagen, ich kann das nicht anhalten. Doch, können wir anhalten, das ist übrigens Übungssache. Natürlich kann man jetzt nicht sagen, ich bin jetzt im Urlaub und ich beschäftige mich zum ersten Mal mit der Macht meiner Gedanken oder Selbstregulation. Auch da hilft dann wirklich auch ganz konsequent zu sagen, ich habe ein bestimmtes Programm, vielleicht schaue ich mir irgendwas an oder dass ich mir auch ein Buch mitnehme, dass ich dann sage, ich lese jeden Tag meinetwegen 20 Minuten. Und dann wirklich auch ein bisschen Disziplin braucht es dann auch an der Stelle, auch im Urlaub, um eben nochmal, wir funktionieren nun mal so, ob es einem in dem Moment dann so reinpasst oder nicht. Wir brauchen dann, wenn wir aus einer hundertprozentigen Struktur herauskommen oder auch aus einem hundertprozentigen Fremdgesteuert sein, auf einmal in eine hundertprozentige Freiheit, brauchen wir einen Übergang. Genau.
SPEAKER_02Und da unser Urlaub ja begrenzt ist, ist manchmal der Übergang der ganze Urlaub. Also deswegen ist es wichtig, den ganz bewusst zu strukturieren und zu planen, was habe ich vor, wo kann ich meinem Gehirn trotzdem Futter geben und damit ich langsam wieder in die Entspannung kommen kann und nicht zu erwarten am ersten oder zweiten Tag, jetzt fahre ich total runter. Das geht manchmal nach hinten los.
SPEAKER_01Absolut. Da fällt mir auch gerade noch ein, viele berichten mir dann nach dem Urlaub so ein bisschen wie mit einem schlechten Gewissen, ach, ich habe jetzt doch ein bisschen gearbeitet. Ich habe mir meinen Laptop mitgenommen, obwohl meine Frau gesagt hat, lasst es. Aber irgendwie geht es mir damit besser. Was hältst du denn da davon? Heißt es jetzt wirklich 100% Urlaub? Oder welche Erfahrung hast du als Ärztin auch so in deiner Praxis dazu gemacht?
SPEAKER_02Also ich glaube, es ist besser, wenn man, wenn ein Thema sehr beschäftigt und ich kenne das auch, dass dann plötzlich Sachen durch den Kopf schießen und denkt, ach oh Himmel, das hast du ja völlig vergessen. Oh Gott, ja genau. Und ich glaube, es ist einfacher, diesem Impuls kurz nachzugeben und die Sache zu erledigen, als wenn man dann 20 Mal am Tag darüber nachdenkt, hätte ich es jetzt machen sollen, hätte ich es nicht machen sollen. Also wenn es ein kurzes, knackiges Erledigen ist von bestimmten Dingen, dann sollte man es einfach machen, damit man es aus dem Kopf hat. Oder aufschreiben. Manchmal hilft es auch, eine Liste zu machen und zu sagen, okay, was steht an für die Zeit danach, dass man das auch wirklich aus dem Gedächtnis verbannen kann und sagen, ich muss das mir jetzt nicht merken, weil ich habe meine Liste. Das kann man genauso gut auch machen, wenn einem was beim Einschlafen, vorm Einschlafen einfällt, Zettel und Stift neben das Bett aufschreiben, dann kann man es sozusagen gedanklich loslassen und trotzdem entspannt einschlafen, weil man weiß, ich habe es ja aufgeschrieben, ich kann es nicht vergessen.
SPEAKER_01Ja, finde ich auch einen wichtigen Tipp. Und wenn ich jetzt schon hier so eine Ärztin vor mir sitzen habe, liebe Ulrike, was meinst du, was sollte auf alle Fälle dann mit in so eine Reiseapotheke? Jetzt gehen wir mal davon aus, dass der Urlaub nicht im Schwarzwald ist, sondern dass man weiter wegfliegt oder so.
SPEAKER_02Ja, also was natürlich immer mal sein kann, dass man, weiß ich nicht, Kopfschmerzen kriegt, Rückenschmerzen, Zahnschmerzen, dass man auf alle Fälle ein Schmerzmittel mitnimmt, was man selber auch verträgt, wo man weiß, das vertrage ich, da gibt es ja verschiedene Möglichkeiten. Dann, wenn man ein bisschen weiter wegreißt, womöglich einen anderen Kontinent, dass man auf alle Fälle was gegen Durchfall dabei hat, weil oft dann doch das Trinkwasser anderes ist oder wenn man Salat gegessen hat, der dann doch irgendwie mit Wasser gewaschen ist, was man nicht verträgt. Also ein Durchfallmedikament ist wahrscheinlich sinnvoll. Ja, und auf alle Fälle was gegen Insekten. Also so ein Repellant, was eben auch geeignet ist für die Tropen, eventuell, muss man sich halt vorher kundig machen. Ich will jetzt keine Firma nennen, um nicht jetzt irgendein Reklame zu machen. Aber das ist auf alle Fälle sinnvoll. Und etwas natürlich zum Sonnenschutz, ganz, ganz wichtig. Wir müssen unbedingt Sonnenschutz nehmen, weil wir, gerade wenn wir von, wie du sagst, 250 in die Tiefgarage, unsere Haut ist ja an nichts gewöhnt. Und wir brauchen wirklich, ich würde immer empfehlen, wenn wir in eine südliche, wärmere Ecke reisen, wirklich einen ganz hohen Sonnenschutzfaktor zu wählen, so wie Faktor 50 zum Beispiel. Weil die Haut keine Gelegenheit hatte, vorher eine sogenannte Lichtschwiele aufzubauen und sich selber zu schützen. Und das, was wir heute der Haut zumuten, kriegen wir in 20, 30 Jahren wieder zurück.
SPEAKER_01Oh wow.
SPEAKER_02Mein dermatologischer Chef hat mal gesagt, die schönen Braunen von heute sind die Backpflaumen von morgen. Ach Gott. Also es macht unsere Haut kaputt, wenn wir uns nicht schützen. Es sieht dann auch irgendwann nicht mehr schön aus, davon abgesehen, dass das Hautkrebsrisiko steigt. Also da sollte man unbedingt was mitnehmen. Und eben auch für danach, ja, Hautpflege für die, wenn man eben doch dann Sonne abgekriegt hat, dass man ja Haut wieder Feuchtigkeit geben kann und sie schützen kann. Ob man jetzt noch ein Antibiotikum würde ich jetzt nicht empfehlen, weil man doch nicht weiß, was da, weil es zu viele verschiedene Möglichkeiten gibt und zu viele verschiedene Keime, auf die man dann sozusagen einwirken möchte, da ist man besser wirklich vor Ort, beim Arzt vor Ort aufgehoben, wenn es irgendeine Infektion gibt, einer Wunde oder Dinge, die dann wirklich, oder sowas wie Malaria oder so, da muss man sich natürlich vorher kundig machen, ob es eine Stand-By-Medikation braucht, was man mitnehmen muss. Aber so, ich denke mal, Schmerzmittel, was gegen Durchfall, Sonnenschutz, Unhautpflege, da ist man schon ganz gut dabei.
SPEAKER_01Stichworte Ärzte vor Ort, die kennen ja auch die Europäer.
SPEAKER_02Genau.
SPEAKER_01Ich hatte mal so ein Schild gelesen auf Sri Lanka, drinking water, but not for European stomach.
SPEAKER_02Ja, genau. Dass man da sich, ja, dass man in manchen Gegenden ist es sogar wichtig, Zähne zu putzen mit Wasser aus der Flasche und nicht aus der Leitung, weil wir es einfach nicht gewohnt sind, was da an Keimen eventuell rumschwirrt. Und bis wir uns dran gewöhnt haben, sind wir längst wieder zu. So das Risiko sollte man nicht eingehen.
SPEAKER_01Ja, liebe Ulrike, vielen Dank. Unsere gemeinsame Zeit für heute ist schon wieder vorbei. Vielleicht so zum Schluss noch ein kleiner Tipp: meinerseits: überprüf, welcher Typ du bist. Bist du derjenige, der sofort in the action muss? Bist du derjenige, der noch bestimmte Themen abarbeiten muss, um innerlich dann auch Ruhe zu bekommen? And when da vielleicht das eine oder andere Thema noch dabei ist aus dem Arbeitsalltag, dann empfehle ich zu sagen, okay, and ich nehme mir jetzt eine halbe Stunde Zeit, also begrenze das Ganze. And in dieser halben Stunde, oder meinetwegen auch in dieser einen Stunde kau ich auf dem Problem um und danach ist Urlaub dran. Und meinetwegen macht er das am nächsten Tag wieder. Aber damit sich nicht dieses wie so eine Art Darnocleschwert, das Problem, diese Problematik durch den ganzen Urlaub so zieht, um dafür dann auch wieder wirklich Raum zu haben, Neues zu entdecken, die Batterien wieder auffüllen zu lassen. Und ich glaube, wir sind uns auch alle einig darin, dass nur vom Ausruhen alleine wir uns auch nicht erholen, sondern wir brauchen andere Sinneseindrücke, wir brauchen andere Nahrungen, so wie wir dann auch in anderen Ländern Gewürze haben, die uns nochmal anders wärmen oder nähren, andere Inspirationen. Und in diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen Urlaub. Ich bedanke mich bei dir nochmals, liebe Urike. Gerne, ich war gerne dabei. Und ich sage tschüss, schönen Urlaub.
SPEAKER_00Tschüss.de. Wenn Ihnen der Podcast gefällt, abonnieren Sie Amtsallerlei und empfehlen Sie uns gerne weiter. Und denken Sie daran, bleiben Sie wirksam für die Menschen, für die Verwaltung, für die Zukunft. Denn gute Führung in der Verwaltung bewegt mehr, als man oft auf den ersten Blick sieht.