Future Weekly

#17 - Grundeinkommen, Comeback der Wirtschaft, Startups unter Druck

Daniel Cronin & Markus Raunig von Austrian Startups Episode 17

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Markus Raunig und Daniel Cronin diskutieren diese Woche folgende Themen:

1. News der Woche: 

  • Comeback der Wirtschaft oder gefährliche Signalwirkung? 
  • Contact Tracing vs Datenschutz, 
  • Die harte Realität der Startups in der Krise, 

2. Deep Dive: Bedingungsloses Grundeinkommen,
3. Rockstar der Woche: Florian Schicker,
4. Moonshots & Predictions: 3 Jahre Zeit zum Denken, Ausprobieren & Denken, Österreichs Comeback Chancen

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Weiterlesen:
Studie zu den Auswirkungen von Corona auf Startups: https://t1p.de/lgwi
Spaniens vermeintliches Grundeinkommen: https://t1p.de/vllz
Das Recht auf Faulheit: https://t1p.de/aren

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Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com

Production: Hanna Moser

Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com

News der Woche (Comeback der Wirtschaft, Contact Tracing vs Datenschutz, Startups unter Druck)

Daniel

Einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag oder guten Abend und herzlich willkommen zum Future Weekly Dem Startup Podcast mit mir, Daniel und auf der anderen Seite des Mikrofons. Der Markus. Räumlich getrennt, aber geistig vereinigt. Boah, schön gesagt. Oder? Finde ich auch. Auch diese Woche sehr, sehr, sehr viel zu sprechen. Wir werden darüber sprechen, warum Österreich eine unendliche Chance hat, in Pole Position zu geraten, gerade jetzt in Zeiten der Krise. Wir werden darüber sprechen, wie tatsächlich sich diese Krise auch auf österreichische Startups auswirkt. Nicht nur, wie wir es glauben, sondern wie wir wissen. Wir werden natürlich ein bisschen darüber sprechen, wie die Tech-Community auch die Krise head-on angreift. Zeitgleich werden wir immer sehr tief tauchen, diesmal tiefer und länger denn je, denn wir sprechen, über das bedingungslose Grundeinkommen. Sprechen darüber, warum es gut ist, warum es schlecht ist, warum der Name vielleicht sinnvoll ist oder auch nicht, wann es Sinn macht und wann nicht. Und warum ich jetzt in unendlichen Längen rede und fast den Faden verloren habe, aber ab habe ich verloren. Denn zeitgleich werden wir natürlich auch wie immer Moonshots und Predictions treffen. In dem Sinne, Hände waschen, lächeln und los geht's. Ja, und wir starten mit den News und ja, es sieht aus, als würde es so ganz langsam aber doch werden. Das mit dem Corona. Zumindest in Österreich. Also nicht mal mit dem Corona. Wir sehen tatsächlich, es sieht so aus, als würden die Maßnahmen greifen. Wir sehen, es sieht so aus, jetzt haben wir schon ein paar Tage hintereinander, weniger Neueinsteckung als genesene. Die Kurve geht nach unten. Und wir können sehen, das Licht am Ende des Tunnels wird immer, immer heller wird. Und ja, die ersten Lockerungen stehen bevor. Was erhalten wir davon?

Markus

Ja, Licht am Ende des Tunnels. Ja, also ich glaube, einerseits ist es sicher jetzt eine Chance für Österreich. Das muss man echt sagen, wir sind da früh dran. Sogar die Merkel sagt, Österreich war da immer einen Schritt früher dran. Und das könnte sich jetzt positiv auswirken, wenn unsere Wirtschaft da wirklich als erstes oder zumindest als eines der ersten Länder wieder halbwegs zurückkommen kann, wenn sich eine gewisse Normalität wieder einstellt, dann wäre das natürlich eine sehr spannende Chance auch für Österreich als Volkswirtschaft. Andererseits muss man definitiv sagen, ist es natürlich jetzt auch eine sehr gefährliche Signalwirkung. Weil, ja klar, es ist dieser Hoffnungsschimmer, glaube ich, der macht Sinn, weil dadurch halt auch in irgendeiner Form hoffentlich die Moral der Wirtschaft auf einem gewissen Level bleibt und man nicht allzu sehr in Verzweiflung gerät. Gleichzeitig ist das natürlich auch ein Signal an alle, okay, es könnte jetzt wieder etwas normaler werden, alle. Und ich glaube, was halt jetzt definitiv nicht passieren darf, ist, dass halt alle Leute nach draußen gehen und so tun, als wäre es wieder so wie vorher. Und dann kann es sehr schnell sein, dass wir einfach nochmal Shutdown machen müssen. Und das wäre sicher das absolute Gegenteil für Österreich, weil dann sind wir ganz, ganz hinten dran am Ende und ganz spät.

Daniel

Und du sagst genau das Richtige, das Wichtige ist, nein, es ist nicht so, dass wir auf den Knopf drücken und alles ist wieder wie vorher, sondern es wird ein bisschen gelockert. Und damit müssen wir umgehen lernen. Und wie du auch richtig sagst, wir schwimmen, wir schwimmen gerade Richtung Ufer. Dennoch, wenn wir das Ufer sehen und aufhören zu schwimmen, ertrinken wir. Das ist ganz einfach. Wir müssen weiter schwimmen, auch wenn Land in Sicht ist. Und ich glaube, du sagst es so fein, es ist aber auch gleichzeitig eine Riesenmöglichkeit für Österreich, vielleicht ein paar Plätze gut zu machen im internationalen Vergleich, wenn wir es schaffen, möglichst früh, möglichst nachhaltig die Wirtschaft wieder anzukurbeln und zu machen. Und die Chance ist da. Die Chance ist absolut da. Wir dürfen sie nur nicht verspielen. Und ich glaube, wir müssen auch als Bevölkerung einfach wissen, ja, dann wird ein bisschen geöffnet und geschaut, wie sich alles verhält und wenn da eine Gegenindikation ist, wird dann sofort wieder dicht gemacht.

Markus

Und wir halt auch gut testen. Das ist halt sicher wieder das Element. Wir brauchen super Daten, um zu monitoren, okay, wann geht die Kurve wieder auf und dann sehr schnell auch wissen, was sind die richtigen Maßnahmen und das sind ja wieder bei der Hammer und The Dance. Wo man sagt, ja, das wird uns jetzt vielleicht nur bedingt oder nur wenig schaden, aber dafür kriegen wir das wieder in den Griff. Und das muss man, glaube ich, dafür brauchen wir nochmal deutlich mehr Datenpunkte, als wir sie derzeit haben.

Daniel

Richtig, ich meine, wir warten natürlich auf die SORA-Studio, die uns vermitteln soll, wie tatsächlich hoch Österreich tatsächlich infiziert ist. Es müsste diese Tage veröffentlicht werden. Wir haben da noch nichts gehört. Sehr, sehr neugierig. Spannend war dennoch auch letzte Woche, als dann vom 1. auf den 2. April plötzlich, ich weiß nicht mehr die genaue Zahl, rund 40.000 Testungen dazugekommen sind. Das war ein schöner Lichtblick. Aber ja, ganz klar, mit den Tests steht und fällt alles. Wir dürfen uns da nicht an absolute Zahlen klammern. Dennoch sehen wir aber, dass es zumindest so aussieht, als würden wir in die richtige Richtung gehen. Und es ist halt spannend zu sehen, auch was da alles technisch passiert und wo das Ganze mit einbezahlt. Wir sehen aber, es ist ein sehr schmaler Grad zwischen gesund, gesund werden und zu schnell wieder versuchen, gesund zu sein und dann wieder krank zu werden. Ist ja eigentlich ganz einfach wie jede Art von Erkältung, oder? Wenn man zu früh aus dem Bett springt, weil man sich ein bisschen wieder gut fühlt, ist man gleich wieder krank. Ich sage nicht, dass Corona eine Erkältung ist. Das ist eine reine Analogie an der Stelle. Wenn man zu früh aus dem Bett hoppelt, sich einen Tag gut fühlt und dann bumm hat man die Lungenentzündung. Da hat uns schon die Oma vorgewarnt. Also in dem Sinne müssen wir das auch so betrachten, den Patienten Österreich ganz vorsichtig wieder rauszuführen und auf die Zeichen zu achten. Zeitgleich ist aber auch immer die Frage, welche Medikamente man denn verwendet. Das meine ich jetzt als Analogie. Da sehen wir, da gibt es einige Medikamente, die sehr hämöopathisch sind und andere Medikamente, die absolute Keulen darstellen könnten, wo auch ein Teil der Bevölkerung sagt, finde ich gut. Und ein anderer Teil sagt, finde ich nicht so gut. Ich glaube, es ist ganz klar, auf was ich hinaus will. Natürlich, klar, je höher die Darlage ist, desto höher ist die Sicherheit. Aber desto Unsicherer fühlen sich einige, weil natürlich der Staat als Lenkungsorgan möglichst viel wissen möchte.

Markus

So ist es. Ich glaube, da ist es ein sehr, sehr schmaler Grad zwischen sehr gefährlichen Situationen, wo einfach der Griff nach der absoluten Macht dann zu einfach wird. Andererseits, wie gesagt, es braucht diese Datenlage, um Entscheidungen zu treffen und uns auch international, glaube ich, gut durchzuführen. Und ich glaube, da sind wir leider auch in Österreich in einer gefährlichen Situation, weil eben halt auch durch holprige Kommunikation teilweise, durch teilweise auch generell schon einen sehr ängstlichen Zugang zur Technologie, halt auch Systeme, auch Apps, die freiwillig sind, sehr schnell schlecht gemacht werden, auch durch die Angst, dass das verpflichten wird und ähnliches. Und da glaube ich, ist sehr wichtig, dass wir offen und transparent kommunizieren. Und da ist Open Source wichtig, da ist, glaube ich, eine einfache Sprache auch für die Leute wichtig, was tun diese Apps. Wenn wir jetzt zum Beispiel auf diese App vom Roten Kreuz eingehen, glaube ich, gibt es viele gute Chancen, dass man dadurch ein deutlich besseres Bild noch einmal bekommt. Und das aber eben genau wie so eben gesagt, offen und transparent macht und in irgendeiner Form auch freiwillig. Und das glaube ich, wäre ganz wichtig, dass man das auch in der Form, dass das in der Form bei der Bevölkerung ankommt und dass das jetzt nicht dadurch geschädigt wird, dass halt dann Nationalratspräsidenten sagen, dass man über eine verpflichtende Funktion nachdenkt und so, wo dann sehr schnell auch ein Reflex bei vielen Leuten ausgelöst wird, der sagt, nein, nein, nein, niemals werde ich mir sowas installieren und so weiter. Also da, glaube ich, ist es jetzt auch für die politischen Entscheidungsträger sehr wichtig, mit viel Bedacht und mit viel Fingerspitzengefühl zu kommunizieren.

Daniel

Sehe ich ganz genauso. Und das Spannende ist auch da wieder die Analogie, wie wenn ein Konzern sich wandelt und wandeln möchte, wir sehen tatsächlich, wie stark dieser kulturelle Faktor einspielt und wie stark das Thema Kommunikation ist. Und wir werden eben sehen, wie stark Kultur uns auch in diesem Wandel beschleunigt oder bremst. Und während du so gesprochen hast, habe ich mir nun gedacht, na klar, wenn man sowas natürlich im asiatischen Bereich macht, in China, da werden kaum Leute murren und die, die murren, von denen hören wir ohnehin nicht. Sehr hart gesagt. Das klingt fast zynisch, aber das hilft natürlich, eine sehr hohe Datenlage zu schaffen. In Europa sind wir traditionell ein bisschen kritisch, aber auch so, dass wir grundsätzlich ein recht hohes Vertrauen dem Staat gegenüberbringen. Wenn ich natürlich über den großen Tümpel schaue und mir unseren amerikanischen Kollegen anschaue, das macht mir dann nochmal ein bisschen mehr Sorgen, weil natürlich auch dort wäre es sehr notwendig, eine hohe Datenlage oder eine gute Datenlage zu schaffen. Auch dort wäre bestimmt der Einsatz von so einer Technologie notwendig. Dort habe ich natürlich eine Kultur, die unfassbar skeptisch gegenüber dem Staat ohnehin ist. Und wenn sowas kommen würde, wahrscheinlich noch mehr Skepsis an den Tag bringt. Ich kann, glaube ich, noch gar nicht mehr ausmalen, wie stark Amerika wirtschaftlich noch einen Schaden von dem Ganzen tragen wird, weil sie sicherlich nicht so schnell wieder in Gang kommen, wie wir es in Europa oder Asien schaffen.

Markus

Ja, und ich glaube, die andere Seite der Medaille sieht man jetzt zum Beispiel in einem Nachbarland von Österreich in Ungarn, wo halt das Parlament ausgehebelt wurde und da ist so etwas dann brandgefährlich. Also wenn jetzt der Kollege Orban auch noch Zugriff auf ein breites Arsenal an Bewegungsdaten der Bevölkerung bekommt, dann bewegt sich das halt tatsächlich immer mehr in Richtung Alleinherrschaft und dann wird der Saga mit der Diktatur, glaube ich, sehr bald auch real werden. Und ich glaube, da muss man umso mehr wachsam sein in der Bevölkerung, dass man sich anschaut, wie sehr gibt man da auch eigene Datenpreis und wie wann muss man auch aufstehen und sagen, so geht es nicht weiter.

Daniel

Weißt du, ich finde, es ist ein bisschen, es ist die Stunde, es ist vielleicht die Stunde der Regierung, der einzelnen Regierung, ob positiv oder negativ gemeint, die jetzt gerade Aktionen setzen, die helfen oder nicht helfen. Ich glaube aber, wenn das die Stunde ist, dann ist es der Tag, es muss der Tag von Europa sein, es muss der Tag der EU sein. Weil genau in solchen kritischen Situationen braucht man auch nicht nur ein Wir auf nationaler Ebene, sondern auf europäischer Ebene. Ich glaube, ich sage das jede Woche. Nur umso mehr braucht man es und umso mehr bräuchte man in Situationen wie eben einem Orban, auch eine EU, die sehr schnell, sehr hart sich von solchen Personen distanziert und sehr klar auch in einem Schulterschluss sagt, das finden wir gut, das finden wir nicht gut. Ich glaube, ihm jetzt eine großartige Möglichkeit übrig, nicht nur für Österreich auf Proposition zu kommen, sondern Europa auch noch einmal neu zu erklären, denen zu erklären, die Europa noch gar nicht so gut verstehen, noch gar nicht so gut verstehen wollen. Zeitgleich aber auch das große, große Risiko, dass wir es wieder nicht schaffen. Weil ganz klar, wenn so etwas wie mit Orban passiert und die EU nicht hart reagiert, dann wird irgendwann der Glaube an die EU auch Schritt für Schritt noch mehr verloren gehen. Wie siehst du das?

Markus

Ja, auch das ist ein schmaler Grat. Ich bin auch eher auf deiner Seite da. Also ich glaube, man muss klare Grenzen setzen. Gleichzeitig ist halt auch die Gefahr, dass man dadurch die antieuropäischen Kräfte in diesen Ländern noch einmal deutlich verstärkt und ihnen das nochmal erleichtert, quasi Anti-EU-Propaganda zu machen und so dann früher oder später halt am Ende sicher bei einem Austritt landet. Und dann ist die Frage, was hat das generell jetzt auch aus österreichischer Perspektive? Ich glaube schon, dass das auch strategisch gesehen ein Punkt ist, wo wir uns, wie wir uns positioniert haben, als Brücke zwischen Osten und Westen, halt uns sehr schwer tun mit der Perspektive, dass man hier ja zurückfährt und quasi Länder aus der EU aus diesem Bereich ausschließt, weil das halt auch wirtschaftlich Österreich sehr stark schaden würde. Aber ich bin an und für sich insgesamt bei dir, es muss gewisse Grundprinzipien geben und da ist eine funktionierende parlamentarische Demokratie ein Grundpfeiler, der nicht ausgeschalten werden darf.

Daniel

Ich denke mir auch, und der Punkt ist, natürlich könnte es dann antieuropäische Strömung verstärken in der Zeitgleichstelle, wo du wohnst in so einem Land, dann kommt jemand und setzt das Stück für Stück um und du denkst dir, ich bin aber EU-Bürger, die müssen doch was tun und sie tun nichts. Das heißt, ich glaube, es wird auch die, die daran glauben, Schritt für Schritt immer mehr den Glauben verirren lassen. Und ich denke, das ist wie in jeder Gemeinschaft, wenn es Personen gibt, die sich nicht an die Spielregeln halten. Naja, und es gibt keine Konsequenzen, dann werden immer mehr sich denken, na gut, dann halt nicht. Verbüst denn du trampeln? Das ist, glaube ich, schon sehr, sehr, sehr schwierig. Und ich denke, Auburn wird etwas sein, was der EU lange vorgehalten wird, wenn das passiert. Deswegen meine ich, es ist vielleicht die Stunde der einzelnen Regierungen, aber es muss der Tag, es muss der Tag Europas sein. Und wenn nicht jetzt, dann weiß ich auch nicht. Aber natürlich ist es so, es ist vielleicht nicht nur auch die Stunde oder der Tag der EU, sondern es gibt ja auch Personen, die genau diese Zeit schon sehr proaktiv nutzen und sagen, ja, Unsicherheit können wir, Innovation können wir, schnell reagieren können wir. Und da gibt es viele, aber auch die, die es sehr hart trifft. Und das sind die Startups. Und da haben wir natürlich eine Studie gemacht am letzten Wochenende, die ein paar sehr interessante Zahlendaten und Fakten aufgeworfen hat, wie es denn nun Startups wirklich geht in Österreich mit der Kette. Also erzähl mal.

Markus

Ja, wir haben 104 Start-up-Gründer und Gründerinnen zur aktuellen Situation befragt und da zeichnet sich schon ein ziemlich ernstes Bild, muss man sagen. Also mehr als 80% der Startups leiden unter den Folgen der aktuellen Lage und auch nur 58% sind derzeit noch wirklich optimistisch, die Krise zu überleben. Also da gibt es bei vier von zehn Zweifel, wie es weitergeht, die sind sich nicht sicher, dass sie da durchkommen. Das ist ein sehr unsicheres Environment. Und man sieht auch, dass die größten Probleme definitiv Liquiditätsengpässe sind, die es derzeit gibt, weil es massive Umsatzeinbrüche gibt. Also im Durchschnitt haben die Startups die Hälfte ihres Umsatzes jetzt eingebüßt. Also schon eine wirklich massive, unerwartete Entwicklung hier. Und andererseits ist es halt ein katastrophales Fundracing-Umfeld derzeit. Es ist ganz, ganz schwierig, in irgendeiner Form Geld aufzustellen. Man fragt, wie die Gründer derzeit das Fundracing-Umfeld einschätzen. Und 71% haben gesagt schlecht oder ganz schlecht, also kritisch. Und dadurch haben eben auch viele Probleme. Also 42% der Startups haben gerade Fundraising-Probleme und zwei Drittel haben große Probleme wegen den einbrechenden Umsätzen. Ja, es ist definitiv die Situation nicht einfach für viele derzeit und ebenso auch für die Startups. Was dazu kommt, ist halt, dass die Startups auch sich teilweise ungeeignet sehen für die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung. Also da werden die diversen Modelle nur von 20 bis 35 Prozent der Startups genutzt. Am ehesten eh noch die Kurzarbeit, aber sowas wie der Härtefallfonds oder die Überbrückungskredite, da gibt es jeweils nur 23 und 24 Prozent Nutzungsrate und viele, also irgendwo zwischen 45 und 50 Prozent sehen sich auch als ungeeignet an, oftmals weil sie die notwendigen Kriterien nicht erfüllen. Und das ist halt auch der Grund, warum wir sehr stark auch daran arbeiten, dass es da jetzt nochmal gesondert Maßnahmen geben soll.

Daniel

Ich mag kurz mal bei ein paar Punkten einhaken. Also erstmal großartig, dass es diese Studie gibt. Großartig, dass man mal wieder nicht sagen kann, ich glaube das, sondern ich weiß das. Es gibt nur ein paar Dinge, die mich erschüttern und ein paar andere, wo ich mir denke, ja klar. Und da muss ich ganz, ganz ehrlich sagen, dass 85 Prozent unter der Krise leiden, das überrascht mich jetzt nicht, weil ich glaube, das wäre auch 85 Prozent der österreichischen Unternehmer und Unternehmer, der Menschen oder wahrscheinlich höher. Das ist alles für mich klar. Ich glaube, wir leiden alle darunter. Trotzdem ist es natürlich gut, also nicht schön, aber gut zu wissen. Was ich aber sehr, sehr kritisch finde, und das muss man auch, glaube ich, immer in diesen Kontext setzen, ist Nummer eins, dass vielleicht einige Hilfspakete nicht greifen, aber viel stärker noch, ist natürlich das Thema Fundraising. Dass 71 Prozent klar sagen, sie schätzen das Thema als relativ schlecht ein. Weil man muss natürlich ganz klar sagen, Startups sind nun mal so konzipiert, dass sie mehrere Runden machen, bis sie selbstständig funktionieren. Und wenn da gewisse Fund, gewisse Investments ausbleiben, dann ist das mehr oder minder ein Todesurteil, beziehungsweise zumindest eine extreme Bremse für die Unternehmung. Und das ist natürlich ganz brandgefährlich. Und das ist natürlich wieder wesentlich schwieriger aufzugreifen, weil wenn die Krise vorbei ist, werden einige in Gang kommen. Wenn die Krise vorbei ist, die Frage, ob dann notgedrungene Kapital am Markt ist. Und da muss die Antwort wahrscheinlich sein, nein, ist es nicht, weil viele, viele Investoren und Investoren in der Krise sicherlich viel Geld verloren haben, zumindest aber viele sichere Companies hatten, die plötzlich schwere Schläge gehabt haben, abbekommen haben. Und deswegen ist für mich diese 71 Prozent, die sagen, Fundraising, das wird eine Riesennummer, heißt für mich im Umkehrstoß, da werden sehr, sehr, sehr viele sehr, sehr böse leiden, wenn man nicht möglichst bald ja das Investieren ein bisschen mehr sexy macht.

Markus

Ja, man sieht da auch sehr schön, beziehungsweise halt in dem Fall weniger schön, wie sich das in den letzten Monaten seit dem Monitor geändert hat. Weil da haben wir auch gefragt nach den größten Herausforderungen der Startups. Und da war Kapitalakquise Fundracing nur bei 8% einer der größten fünf Herausforderungen. Und mittlerweile sehen das halt, das ist jetzt, bis die Frage wurde ein bisschen anders gestellt und so, es ist nicht 100% vergleichbar, aber wir haben diesmal gefragt, was sind derzeit eure größten Probleme? Und da haben 42% plötzlich jetzt das Fundracing angesprochen. Also das ist siebenmal so viel wie noch vor einigen Monaten. Und genauso sehen wir das bei der generellen Geschäftslage. Da war noch ganz stark im Monitor, dass alle gesagt haben, eigentlich geht es ihnen gut. Also damals, glaube ich, nur 9%, die ihre Lage als schlecht oder kritisch eingeschätzt haben. Und mittlerweile 41 Prozent. Also man sieht wirklich, wie schnell das jetzt gegangen ist, dass sich halt die ganze Ausgangssituation geändert hat.

Daniel

Und ich glaube, das ist eben genau das Thema. Und ich glaube, deswegen meinte ich, natürlich trifft es irgendwie jeden, aber es gibt Implikationen, die eigentlich deutlich kritischer zu sehen sind. Und ja, ich glaube, da kann ein Staat auch ein bisschen mithelfen. Und ja, wir haben schon so oft diskutiert, dass das Invieren mehr Spaß machen muss. Das ist in Österreich nicht unbedingt sehr, sehr, sehr schön. Und gerade während einer Krise oder nach einer Krise wird man erst recht ungern investieren wollen. Natürlich wird es ein paar geben, die sich das leisten können, aber seien wir uns ehrlich, viele investieren Geld, dass sie nicht einfach ganz locker abschreiben können. Also abschreiben einfach, auf das sie ganz locker verzichten können. Und jetzt erst jetzt umso weniger. Ja, jetzt müssen die Maßnahmen gesetzt werden, die Investments leichter machen. Kommt auch mehr Zuversicht. Richtig, genau das. Unkomplizierte Liquidität. Ja, wir hatten es ja mal, den berühmten Investment. Mit Freibetrag. Bin ich ja bis heute ein Riesenfan von. Verstehe ich bis heute nicht, dass es das nicht gibt. Und es wäre auch wieder an der Zeit, so etwas einzuführen. Aber das ist ja. Vielleicht ist das ein Moonshot. Was denkst du?

Markus

Naja, so moonshotting finde ich das gar nicht. Das ist relativ straightforward. Aber ich finde, was wäre ein Moonshot in einem Setting? Na, aber was ich schon noch bitte unfassbar eigentlich auch von den Zahlen finde, die wir da Charakter, die wir da gesammelt haben, 45% der Startups arbeiten bereits an einer Lösung für die Krise in irgendeiner Form. Also da sieht man schon noch das gewaltige, innovative Potenzial, das da steht und auch wie schnell auch Startups halt dann wirklich Probleme erkennen, die sie lösen wollen. Und das hat mich wirklich ziemlich vom Sessel geschmissen, wie ich das gelesen habe. Weil das ist schon gewaltig. Fast jedes zweite, fast die Hälfte der Startups ist mittlerweile in irgendeiner Form an Corona-Lösungen, oder bei Corona-Lösungen involviert. Also das ist schon, oder Krisenlösungen, das ist jetzt nicht nur die medizinische Seite, aber das ist schon bemerkenswert und sehr cool, finde ich. Also es ist wirklich positiv.

Daniel

Ich meine, das Lustige ist, wenn du denkst, was ein Startup ist, ist das eigentlich, wie Eric Ries so schön sagt, eine Gruppe von Personen, die an der Extreme Uncertainty arbeiten. Immer, richtig? Unter extremer Unsicherheit mit sehr hohem Risiko möglichst schnell auf Veränderungen reagieren müssen. Das Lustige ist wenn man so. Lustig, nicht lustig, aber so als Spruch. Das Lustige ist natürlich ein bisschen, wenn man so denkt, die Corona-Krise, naja, das ist ja nichts, was Startups ohnehin nicht kennen, in einer gewissen Art und Weise. Extreme Unsicherheit, hohes Risiko und täglich sich verändernde Bedingungen. Klingt nach einem normalen Start-up-Arbeitstag. Das heißt, die fühlen sich natürlich auch grundsätzlich wohl in solchen Zeiten und sind es auch gewohnt, Herausforderungen head-on anzugehen und Lösungen zu finden. Ich finde es sehr, sehr schön, es freut mich sehr, es überrascht mich aber auch gar nicht. Denn das ist letztendlich das, was wir immer tun. Quasi mitten ins Feuer zu springen und dann in der Mitte zu stehen und denken, großartig, jetzt können wir in jede Richtung löschen. Das kennen wir schon, das machen wir schon. Und es sind auch ein paar sehr spannende Dinge dabei, die in den letzten Tagen und Wochen entstanden sind. Brauchen wir jetzt alle gar nicht aufzählen. Aber das ist sehr, sehr fein.

Markus

Ja, und auch von den Großen über die Kleinen, also wo du sagst, okay, die großen Tech Companies in Amerika stellen jetzt alles um, wo Apple sich spezifisch auf die Schutzmasken fokussiert, Tesla anfängt die Beatmungsgeräte mit ihren Autoteilen zu bauen und so. Also es ist sowohl bei den großen Giganten dieses Denken, aber auch bei den ganz Kleinen. Was einfach sagt, okay, kümmern sich halt dann um Plattformen, wo, keine Ahnung, Nachbarschaftshilfe oder ähnliches. Also und natürlich auch das, was wir bei Hacte Crisis letzte Woche gesehen haben. Also da glaube ich, sieht man schon auch das sehr positive Potenzial von Technologie, von Tech, Tech-Szene auch, die sich hier voll entfalten kann und hoffentlich auch ein ganz wichtiger Teil der Lösung dieser Krise wird.

Daniel

Absolut. Und es wird und das Spannendes, du hast auch gerade Hack The Crisis angesprochen. Es ist ja auch so, es ist ja nicht ein regionales Problem, es ist ein globales Problem. Jeder macht, jeder tut, jeder probiert. Das ist schon richtig schön. Das ist schon richtig schön zu sehen, was da passiert. Und ich werde auch nicht müde, das zu sagen, es ist zurzeit ein Narrativ, der uns allen denselben Purpose vorgibt. Und das ist schon eine ganz ungewöhnliche Situation. Die ist sehr, sehr verbindend. Auch das ist irgendetwas Schönes, gewissermaßen. Aber mir fällt übrigens noch was andes ein. Ich habe, glaube ich, vor ein, zwei Wochen auf Facebook mal geschrieben, dass ich der Meinung bin, dass wir da nicht die richtigen KPIs betrachten in der Corona-Krise. Ich habe gesagt, es wäre spannend, so und so KPIs zu berechnen, die zeigen, wie sich da etwas verändert. Ich habe mir für mich mittlerweile die perfekte KPI gefunden. Weißt du, was hier ist? Nein. Das ist eine rhetorische Frage. Wie oft und wie viel Menschen Podcasts hören? Mir ist nämlich aufgefallen, dass Menschen in der Krise zurzeit einfach immer weniger Podcasts hören. Ich merke es bei mir auch selber, weil genau die Strecken, wo ich normalerweise hören würde, am Weg zu Meetings, am Weg zu Veranstaltungen, würde ich Podcasts hören, jeden Tag. Und dadurch, dass ich zurzeit einfach, naja, vom Schlafzimmer ins Büro, was bei mir ein Zimmer weiter ist, und dann wieder ins Wohnzimmer und dann wieder ins Büro gehe, was ungefähr zehn Sekunden sind, höre ich keine Podcasts. Und in dem Moment, wo wir dann die Podcasts wieder raufgehen, dann merkt man, die Bewegung geht wieder rauf. Vielleicht ist das so. Gehörte Podcasts per capita pro Land?

Markus

Das ist dann, glaube ich, eine Kennzahl für wie sehr Leute sich nicht mehr an die Regelungen halten. Möglicherweise.

SPEAKER_01

Man könnte sehen, wie sehr sie drauf scheißt. Eine tägliche Neuinfektion gepaart mit der Anzahl der Podcasts pro Tag. Und da merkt man das, wie gut sie sich oder wie schlecht sie sich dranhalten.

Daniel

Siehst du, hätten wir schon gelöst, das Problem. Wenn Infektionen immer weiter runter gehen und damit immer mehr die Podcasts raufgehen, fein, wenn die Infektionen gleich bleiben oder raufgehen, die Podcasts raufgehen, dann ist das schlecht. Sehr gut. There you go. Man kann das aber auch trollen, natürlich können die, die uns jetzt zuhören, einfach sagen, wisst ihr was? Wir müssen einfach mehr Podcasts hören, unabhängig von allen, weil Podcasts sind sowieso großartig. Wenn du das übrigens gerade hörst, gib uns einfach mal ein paar Sternchen. Du weißt schon wo. Freuen wir uns sehr. Gib ein Like oder lächel einfach die Wand an. Finden wir alles schön. Oder?

Markus

Definitiv.

Deep Dive: Bedingungsloses Grundeinkommen

Daniel

Ich würde da genau anstelle es jetzt der richtige Zeitpunkt zu sagen. Das war's mit den News für diese Woche. Bin gespannt, was nächste Woche alles bringt. Ja, man darf fast gespannt sein. Das habe ich heute, glaube ich, noch gar nicht gesagt. Das ist auch eine wichtige Kennzahl. Und ja, machen wir weiter mit einem Deep Dive, oder?

Markus

Jawohl.

Daniel

So, und jetzt machen wir weiter mit unserem Deep Dive. Und ich, ich, echt, ich Deep Dive. Weißt du, das Lustige ist, dieser Name Deep Dive, den habe ich jetzt schon mittlerweile 16 andere Male gesagt, oder du? Und ich habe ihn nicht verbunden, aber jetzt sage ich ihn gerade, ich spüre in meinem Körper dieses Gefühl von Sonne und dieses Gefühl, wenn mein Kopf voran in das kalte, blaue Nass des Meeres eintaucht, untertaucht, es spürt und dann wieder langsam auftaucht und dann die Sonne zurückkommt. Meine Fresse verlies ich das Meer. Sprit, dass Österreich den Meeranschluss nicht mehr hat. Ja, und es ist lustig, ich bin so ein Typ, manchmal, wenn ich arbeite nachts, dann ich liebe Reisen und hatte das Privileg, die letzten Jahre ein bisschen reisen zu können. Und manchmal habe ich so eine Angewohnheit, dass ich dann auf Google Maps auf den Streetview gehe von Orten, an denen ich war, die mir so gefallen. Und ja, vorgestern war ich kurz in South Carolina. Da gibt es einen wunderbaren Ort, heißt Beauford. Da war ich vor zwei Jahren für ein, zwei Tage extrem schön. Dann war ich in Miami extrem schön. Und es ist mir dann eigentlich wieder vor Augen geführt worden, wie weit das eigentlich jetzt gerade weg ist. Das ist aber auch okay. Und wie wichtig ist es, dass jede Maßnahme, die wir zurzeit setzen, bedeutet, dass wir einen Schritt näher daran sind. Und ich bin manchmal so, dass ich in meinem Kopf abweichere und sage, merke diesen Moment und freue dich auf den nächsten Moment. Und ich weiß, wenn ich das erste Mal wieder am Meer sein werde, werde ich mich daran erinnern, wie ich dort in meinem Büro saß an diese virtuelle Weise gebracht habe. Und es erschien so weit weg. Das ist dann schön zurückzudenken, wenn es gerade Sinn macht, was ich sage. Na sicher. Oder? Und ich freue mich drauf, das erste Mal dann wieder am Meer zu sein. Und ich glaube, das wird jedem anderen auch so gehen. Das müssen wir uns verdienen, das werden wir hinkriegen. Das wird ein richtig, richtig gutes Gefühl sein. Und ja, das wird eine neue Art von Dankbarkeit sein. Ich meine, ich bin sowieso jedes Mal dankbar, wenn ich am Meer bin, aber nochmal so ein Stück mehr, mehr, mehr.

Markus

Ich glaube, den Sommer werden sie eher sehen werden.

Daniel

Ja, das könnte durchaus sein. Aber es ist okay. Es ist okay, es ist halt lustig, wie unsere Generation, ich weiß, ich bin ein paar Semester älter als du, aber eigentlich damit aufgewachsen sind, mal eben hierhin und mal eben dahin zu fliegen und alles zu sehen und alles zu machen, hypermobil. Und jetzt ist das plötzlich ganz was anderes. Das ist schon lustig. Und was auch aber zeitgleich so positiv ist, man ist dann doch nicht so weit weg, weil man so gut verbunden ist und mit jedem kommunizieren kann. Das ist auch viel wert. Ich denke mir mal, wie wäre es, wenn wir kein Internet hätten? Wie wäre es, wenn wir keinen Zoom, kein Skype, kein Google Hangout hätten? Das wird die Krise nochmal schwieriger machen. Massiv. Wahnsinn. Das ist zwar absolut crazy. Ja, ich habe so eine skurrile Kindheitserinnerung noch. Ich bin ja als Kind in Portugal aufgewachsen und wenn wir dann an Weihnachten, Geburtstagen zu Hause angerufen haben, zu Hause in Irland, zu Hause in Deutschland, dann war es so, dass wir uns ums Telefon versammelt haben zu einer bestimmten Uhrzeit, wo es günstiger war, die Uhr in der Hand alle um den Hörer herum und angerufen haben und in zwei, drei Minuten dieses Telefonat runtergefeuert haben, wo auch die ganz andere Familie da war, um alles zu sagen, weil das so sauteuer war. Das ist ein Leben lange her. Und es ist gut, dass es nicht so ist. Jetzt in Zeiten der Krise, wo man einfach stundenlang reden und plaudern kann. Das ist schon fein.

Markus

Das stimmt definitiv.

Daniel

Und manchmal sind es Worte, deren inspirieren und das hat der Deep Dive gerade bei mir gemacht. Und das ist ja auch das Ziel, dass wir manchmal auf eine andere Tiefe gehen, die sonst gar nicht möglich wäre, außer in einem Podcast. Und jetzt kommen wir zu unserem eigentlichen Deep Dive, nachdem wir den Imaginären im Meer gemacht haben. Fühlt sich gut an. Die Sonne trocknet das Wasser. Wir wollen über unseren jetzigen Deep Dive reden. Und es ist ein nicht minder wichtiges Thema und es ist das bedingungslose Grundeinkommen. Wir haben uns entschlossen, darüber zu sprechen, weil wir zur Zeit in einer Krise sind, wo das manchmal vielleicht mehr Sinn machen würde denn je. Oder nicht. Es soll Länder geben, die es schon eingeführt haben oder nicht. Es ist alles Kommunismus oder nicht? Ja, da wollen wir jetzt ein bisschen drüber sprechen. Ja. Magst du vielleicht mal ganz unprätenziös erklären, was das bedingungslose Grundeinkommen ist? Wie siehst du das? Wie verstehst du das?

Markus

Also, ich glaube, das bedingungslosen Grundeinkommen, wie schon der Name sagt, ist ein Betrag, ein Geldbetrag, den der Staat bedingungslos, also unabhängig von jeglichen Bedingungen, an seine Bürger auszahlt. Und in der utopischen Grundversion meines Erachtens auch an alle Bürger. Also nicht nur die, wo es jetzt eine Notwendigkeit per se gibt, dass es einen gewissen Lebensstandard zu erreichen gilt, sondern einfach allen. Und das ist, glaube ich, die Grundidee. Gleichzeitig wird dieser Begriff natürlich auch oft für andere Dinge verwendet, die abgewandelt sind, die eigentlich Mindestsicherungen oder andere Modelle sind, die halt sehr spezifisch dann nur auf Leute gezielt sind, die eine Notwendigkeit haben, dass sie eine staatliche Unterstützung bekommen. Zum Beispiel jetzt, gerade diese Woche, haben einige englischsprachige Zeitungen, zum Beispiel der Independence, getitelt, dass Spanien das erste europäische Land wird, in dem es ein bedingungsloses Grundeinkommen geben wird, ein universelles. Gleichzeitig ist aber, wenn man sich das genauer anschaut, dass eigentlich nur eine recht breite Mindestsicherung, wo eben halt verhindert werden soll, dass halt jetzt viele Leute in den Notstand rutschen. Und das heißt, das ist eher ein Programm, das ich jetzt nicht unter dem Begriff bedingungsloses Grundeinkommen verwenden würde, wenn man es genau nimmt.

Daniel

Jetzt haben wir natürlich auch das Thema, erstmal muss ich nochmal kurz nachfragen. Bedingungsloses Grundeinkommen heißt das eigentlich auch, dass ich das bekomme, wenn ich drei Wochen alt bin? Und heißt es auch, wenn ich Donald Trump bin und Milliardär? Technisch ja, oder? Ja, jeder.

Markus

Also auch hier natürlich gibt es unterschiedliche Varianten. Aber per se ist eben auch ein Donald Trump und bei den meisten Modellen auch ein Kind so, dass es automatisch ein Einkommen kriegt.

Daniel

Es ist spannen. Du hast zu gut das Wort Utopie gewählt. Und ich glaube, man muss auch das Thema bedingungsloses Grundeinkommen auch immer in Kontext setzen. Ich glaube, es gibt, es ist ein sehr heiß diskutiertes Thema und es ist ein sehr politisch aufgeladenes Thema. Und wir wollen mal probieren, das so frei von jeglicher Politik und Dramatik zu sehen, glaube ich mal. Und das machen wir jetzt. Und ich glaube, es ist auch wichtig, dass wir alle möglichen Argumente mal ansprechen, die es denn da so gibt. Wir probieren es ein bisschen aufzudröseln und mal einen echten Diskurs zu führen. Das ist, glaube ich, so das Ziel dessen. Und ich glaube, wir sind uns beide auch bewusst, je nachdem, es gibt Argumente, die bestimmten Lagern zuzuordnen sind. Aber es ist unser Podcast, das sind unsere Regeln. Und wir sagen, das ist ein ganz nüchterner Diskurs. Wir wissen beide auch nicht, wo wir rauskommen werden. Das ist ja das Lustige. Wir bewärmen uns ja im Vorfeld auf, sagen, ja, da wollen wir drüber plaudern. Ja, da gibt es viel zu diskutieren, cool, ja gut, machen wir mal. Und dann reden wir drüber. Wir wissen ja selber noch nicht ganz, zu welcher Konklusion wir kommen.

Markus

Gut so. So, ich möchte auch kurz anknüpfen, dass das Spannende am Grundeinkommen ist ja auch, dass eigentlich interessanterweise beide politische Spektren, besonders die, sage ich jetzt mal, extremen Spektren, Gefallen an diesem Konzept finden. Weil sowohl die Ultraliberalen, also die Libertären, finden das gut, weil dadurch einerseits der Staat ein bisschen schlanker gestaltet werden könnte und andererseits unternehmerisches Denken auch in irgendeiner Form vielleicht gefördert wird und das ist halt dort dann ein sehr ultimatives Ziel. Und auf der anderen Seite ist es halt sehr auf der sehr staatlich orientierten Seite auch etwas, wo man sagt, okay, da ist eine sehr starke Absicherung gegenüber Armut hier und es ist auf der Perspektive interessant. Also das ist insofern auch ein sehr spannendes Thema, weil es nicht ganz in die üblichen Spektren des politischen Feldes auch wirklich reinpasst.

Daniel

Und vielleicht muss man auch sagen, die Diskussion des bedingungslosen Grundeinkommens ist sehr populär in den letzten Jahren geworden, gerade auch im Kontext zur Digitalisierung, wo man einfach sagt, ja, da werden immer mehr Jobs wegfallen. Deswegen ist es immer wichtiger, auch Menschen bedingungslos Geld zur Verfügung zu stellen, um grundsätzlich zu leben, richtig, und zu überleben. Und wir sehen, dass sich diese Diskussion eigentlich immer mehr zugespitzt hat, jetzt aber in Zeiten von Corona noch unendlich mehr zugespitzt hat, wo gesagt wird, bleib zu Hause, geh nicht zur Arbeit, viele sind arbeitslos geworden, viele sind selbstständig, deren Existenzen wegfallen und man sagt, jetzt erst recht wäre es doch sinnvoll, das zu haben. Richtig? Das heißt, auch die zeitliche Komponente ist jetzt sehr, sehr kritisch zu sehen.

Markus

Ja, ich glaube, generell muss man unterscheiden zwischen der Utopie, über die wir vielleicht dann nachher auch nochmal reden können, die realistisch in wahrscheinlich irgendwann 20 bis 50 Jahren uns betreffen wird, wo es halt dann wirklich darum geht, dass viele Jobs einfach automatisiert sind, dass wahrscheinlich Menschen sowieso nur mal Jobs machen müssen, die ihnen auch gefallen und dass halt die ganzen scheiß Jobs unter Anführungszeichen, ich hoffe jetzt einmal nicht zensiert, dass die sowieso von Robotern bzw. Computern übernommen werden. Und dann gibt es, glaube ich, die Dimension jetzt ganz spezifisch während dieser Krise, wo der Staat sowieso sehr viel Geld in die Hand nehmen muss, um in irgendeiner Weise zu verhindern, dass unser Wirtschaftssystem komplett zusammenbricht. Und dann gibt es die Dimension, was ist nach der Krise, was ist halt jetzige Ausgangssituation, aber Normalzustand. Und ich glaube, auf alle drei müssen wir da einen Blick werfen, weil alle drei auch wieder ganz andere Ausgangssituationen mit sich bringen.

Daniel

Und ich sage der Perspektive. Ich glaube, es ist nicht eine Perspektive. Diskutiere ich über ein bedingungsloses Grundeinkommen in Österreich. In Armenien, ich weiß nicht wo. Damit meine ich, diskutiere ich über ein bedingungsloses Grundeinkommen in einem Sozialstaat mit Netz an doppelten Boden oder in einem Land, wo es das eben nicht gibt. Auch das ist, glaube ich, etwas, was man in der Diskussion bedenken muss. Man könnte, es gibt ja auch immer wieder das Argument, naja, in Österreich technisch gesehen, es gibt ja es gibt ja ein Anrecht auf Versicherung, es gibt ein Anrecht auf eine Mindestsicherung, etc. pp. Das steht mir ohnehin zu, ohne an irgendwelche Bedingungen geknüpft zu sein. Ist das nicht schon ein bedingungsloses Grundeinkommen?

Markus

Also das Einkommen ist ja nicht bedingungslos. Du hast aber natürlich recht, dass gewisse Leistungen hier vom Staat nicht an Bedingungen geknüpft sind. Also zum Beispiel die Krankenversicherung ist, soweit ich informiert bin. Auch hier muss man sich das, glaube ich, dann nochmal genauer anschauen, aber das ist relativ bedingungslos. Und das ist meines Erachtens auch sehr sinnvoll, weil das darf man, glaube ich, und das ist etwas, was in der Diskussion auch oft dann angesprochen wird und so weiter, inwiefern sehen Leute das Grundeinkommen auch als Ersatz für unseren derzeitigen Sozialstaat oder Zusatz. Weil Ersatz halte ich persönlich nicht für sinnvoll. Also ich glaube, man darf sich nicht erwarten, wenn man jetzt ein Grundeinkommen einführt, dass man dann halt das ganze staatliche Krankenversicherungssystem und die Arbeitslosenversicherung und so, dass das dann nicht mehr Teil des Ganzen sein kann. Weil da sind auch ganz andere Elemente als die Grundabsicherung drin. Das ist ja auch ein, es sind halt gewisse Risiken, die da abgesichert werden, die, und das muss man leider wirklich sagen, halt in der Vergangenheit hat sich das gezeigt und das zeigt sich natürlich auch in Amerika, die vom Markt nur schwer abgesichert werden können. Weil halt einfach da viel, viel Raum ist, wo man halt dann durch Moral Hazard oder ähnliches das System ausnutzt, wo halt dann gewisse Medikamente so teuer gemacht werden, dass sich nur die Reichsten das leisten können, wo, ich meine, ich kann mich selbst noch erinnern, wie unglaublich anstrengend das war, eigentlich in Amerika im Auslandssemester war. Und dann habe ich eine Saudare-Krankenversicherung abgeschlossen, nur um dann drauf zu kommen, wie ein Zahn von mir dann ex gegangen ist, das alles beinhaltet außer Zähnen. Und dann halt massiv auch für Zahnbehandlungen gezahlt. Also einfach ein sehr komplexes System, was in der Form sicher schlechter funktioniert, und das muss man ehrlich sagen, definitiv schlechter funktioniert als jetzt zum Beispiel das europäische System. Und nur weil es ein Grundeinkommen gibt, fallen diese Probleme nicht weg. Und das glaube ich, da muss man, wenn man jetzt drüber sprechen, was ist derzeit, aber nicht während der Krise, sondern nach der Krise, aber wenn es normal wäre, dann glaube ich, wird ein Grundeinkommen zusätzlich zu unseren Sozialsystemen, ein bedingungsloses Grundeinkommen zumindest, nur sehr schwer finanzierbar sein. Weil das ist ein unfassbarer Geldbetrag, der da notwendig wird, wenn man wirklich allen Menschen hier zusätzlich nochmal zu den bestehenden Sozialleistungen ein Geld ausbezahlt.

Daniel

Richtig, zeitgleich sagen wir über auch, da sehe ich auch so die Diskussion Ersatz oder Zusatz. Und zeitgleich ist es aber so, es darf kein Ersatz sein. Richtig, es darf nicht so sein, dass ich mir davon diese Dinge kaufen muss. Sondern, wenn, dann macht nur ein Zusatz Sinn. Aber ein Zusatz ist extrem schwierig zu finanzieren.

Markus

Genau, also das ist meine Meinung. Ich glaube, da gibt es auch andere. Es gibt sicher Leute, die sagen, nein, es ist besser, wenn sich die Leute das selbst zahlen. Und das wird der Markt schon regeln. In meiner Wahrnehmung ist das bei diesen Themen, also jetzt besonders bei Krankenversicherungen, sehr schwierig. Und ich bin eher ein Fan, wenn man jetzt darüber reden, wie kann man Systeme gestalten, die vielleicht ein bisschen mehr Raum schaffen für, ja, sage ich mal, auch ein bisschen einen freieren Approach zum Leben, wo man sich vielleicht auch mal ein paar Jahre im Leben nehmen kann, um Dinge auszuprobieren, um vielleicht unternehmerisch tätig zu sein, dass man hier vielleicht eher gesonderte Modelle schafft, die es ermöglichen, dass die Vorteile eines Grundeinkommens zumindest zeitlich begrenzt für Menschen zur Verfügung stehen. Also ich könnte mir zum Beispiel Vorstellen, dass man sagt, jeder Mensch in Österreich hat dreimal im Leben die Möglichkeit, sich für ein Jahr eine bezahlte Auszeit zu nehmen, wo er ganz frei, was er will, entweder sich weiterbilden kann oder eben unternehmerisch was probieren soll. Oder in irgendeiner Form halt einfach sagt, ich brauche jetzt Zeit zum Denken, ich brauche Zeit zum ein bisschen runterfahren.

Daniel

Richtig. Und ich glaube, genau das ist der Punkt, wo wir unsere Diskussion auch langführen sollten, ist, wir sollten mal darüber reden, was ist denn das warum, was ist denn der Purpose dieses bedingungslosen Grundeinkommens und dann drüber zu reden, was die Ausbaustufen sein können, weil jetzt haben wir ein bisschen so das Was besprochen, aber die Intention, das ist was anderes. Und ich glaube, die Intention vom bedingungslosen Grundeinkommen sollte nicht sein, ich sitze zu Hause rum, mache keinerlei Ausbildung, spiele den ganzen Tag Playstation und mache nichts. Das ist etwas, was immer wieder vorgeworfen wird beim bedingungslosen Grundeinkommen. Das ist nicht die Intention, sondern die Intention ist, wie du so richtig gesagt hast, ist, dass man auch den Mut hat, neue Dinge zu tun, wenn man es sich leisten an Dinge zu tun. Und diese Dinge sollten vielleicht auf der einen Seite sein, dass Leute Spaß haben, ja klar. Aber vielmehr, dass Leute es nutzen, um Dinge zu probieren, die sie sonst nicht probieren könnten. Und wir sehen es ja, es gibt einige wenige, die das Privileg haben, aufgrund von familiären Settings oder wie auch immer, dass sie machen können, was sie wollen. Und egal was passiert, es wird sich jemand fangen und es wird ihnen jemals finanzieren. Viele, viele, viele Menschen haben eben nicht dieses Privileg. Und das ist, glaube ich, die Intention von einem bedingungslosen Grundeinkommen, das ich begrüße, das, glaube ich, auch du begrüßt, so wie ich das auch sehe. Und das ist etwas Spannendes. Und da gibt es einen Artikel, den ich mal gelesen habe vor einiger Zeit, fand ich ganz spannend. Eigentlich zwei Artikel, die mich sehr zum Denken gebracht haben. Die gibt es von, mein Französisch ist Grottenschlecht, also ich freue mich auf die Korrektion, wie man ihn jetzt denn wirklich ausspricht. Da gibt es einen Text, der heißt Das Recht auf Faulheit von einem gewissen Paul Lafagu. Und er weist in diesem Text das Recht auf Arbeit, das 1848 so stark proklamiert wurde, zurück. Nein, nein, Recht auf Arbeit ist das eine, aber er sagt, das schreibt er 1880, es wäre sehr sinnvoll, Menschen ein Recht auf Faulheit zu geben. Und am Anfang habe ich diesen Text gelesen und gedacht, was ist denn das für ein Mist? Klar, ich als Selbstständiger, der ich ja mittlerweile übrigens sehr glücklich sehr viel Steuern zahlen darf, weil ich mich sehr freue, was mit den Steuern jetzt in der Krise passiert. Auf jeden Fall habe ich mir gedacht, Recht auf Faulheit, was für ein Mist. Und dann gibt es noch einen kommentierten Text von einem gewissen Lässig, der in der jüngsten Vergangenheit entstanden ist. Und die Argumentation ist, dieses Recht auf Faulheit ist nicht Recht auf Faulheit, Playstation spielen, Pizza essen, Bier trinken, sondern das Recht, faul zu sein, sprich nicht arbeiten zu müssen und in dieser Faulheit zu denken. Und diese Faulheit in Anführungszeichen zu nutzen, um tief denken zu können, sich mit Inhalten zu beschäftigen, mit denen man sich nicht beschäftigen würde und dadurch auch kreativ ist. Und man könnte es auch nennen, ein Recht auf Denken. Und wenn man Menschen so etwas zur Verfügung stellt, wenn man sagt, schau, hier ist etwas, du musst nicht jeden Tag rausgehen und um das blanke Überleben kämpfen, auch zum Beispiel in Zeiten der Krise, sondern hier ist ein gewisses bedingungsloses Grundeinkommen, das du nutzen kannst, um auch Sachen auszuprobieren, dann finde ich das extrem wertvoll. Dieses Recht auf Faulheit finde ich spannend, aber wenn ich es auch bei mir sehe, für mich ist einer der größten, weil mir fragen mich Leute, siehst du dich als erfolgreich an? Ich weiß nicht, wie ich das messen kann, aber das ist das Spannende ist für mich, ja, insofern, als dass ich Zeit habe, über Dinge nachzudenken. Und das ist das größte Privileg. Zum Beispiel auch, dass wir zwei, wie jetzt zum Beispiel einen Podcast aufzeichnen können und genau jetzt dieses Gespräch führen können, ist ein unendliches Privileg. Weil wir können uns ein, zwei Stunden hinsetzen und wir haben das Recht und die Freiheit und die finanzielle Absicherung, uns an einem Wochentag zwei Stunden hinzusetzen und über sowas zu sinieren, das haben nicht viele. Wir nutzen das aber für so etwas wie jetzt und das ist etwas, was jedem zustehen sollte. Und jetzt kommt das Schwierige allerdings dran an dieser Konstruktion. Das argumentiert er auch so schön in seinem Text, der lässt er nicht. Der sagt, wenn man es aber weiter denkt, das ist nicht immer mit Geld getan und sagt, ja, bedingungsloses Grundeinkommen, aber auch das ist wieder quasi auf Recht auf Arbeit und Entlohnung und so weiter aufgedröselt. Das ist halt das Recht auf Zeit, Zeit zum Denken zu haben. Und das wird dann schwieriger, weil sagen wir, man hat zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter, die drei Kinder hat. Egal wie viel Geld ich ihr gebe, nicht egal, aber es bedarf sehr viel Geld, ist, dass sie die Zeit zum Denken bekommt. Wie schaffe ich es jedem Menschen, universell ein Recht zum Denken zu geben? Und diesen Gedankengang finde ich so schön. Wie man es dann nutzt, das ist wieder utopisch, aber ich fand das schön, dass man nicht Geld als Maßstab nimmt, sondern Zeit und intellektuelle Leistung. Das gefällt mir sehr, sehr gut.

Markus

Ja, das stimmt. Das ist etwas, glaube ich, was in der Debatte viel zu sehr auch nicht vorkommt. Weil ich glaube, was schon sehr stark vorkommt, ist, dass man am Ende sehr oft diese Bruchlinie zwischen den Befürwortern und den Gegnern, zumindest in der Utopie, ist, dass halt die einen sagen, ja, ein Mensch braucht einen Job, um glücklich zu sein, der braucht einen Sinn und es gibt ihm, sag ich mal, auch einen Antrieb jeden Morgen aufzustehen and so. Gleichzeitig gibt es eine andere Seite, und davon bin ich ein Fan, der sagt, nein, der Job must not the sin sein. Und natürlich kann das sein, and a guter Job is that, but there gibt's mehr und da gibt es viele other Dinge im Leben, die Sinn geben können anders und viele Projekte, viele Unternehmerisches Denken auch. Und das ist ja der Punkt. Viele sehen halt ihre Leidenschaft, sehen ihren Sinn darin, dass sie halt dann irgendwo einen Verein gründen oder irgendein Projekt oder ein Produkt bauen, was halt kein Geld einbringt oder so. Aber ich glaube, das ist wirklich wichtig, dass man es schafft, den Purpose, also die Leidenschaft, den Sinn der Menschen von Jobs zu entkoppeln. Und ich glaube, das ist auch eine Aufgabe, die wir uns in den nächsten Jahrzehnten stellen müssen, dass wir das halt auch gesellschaftlich unterbringen. Weil natürlich wird durch die Digitalisierung langfristig viele von den nervigen Jobs wegfallen, viele von den Jobs, die vielleicht die Leute eh nicht gerne machen. Und da, sage ich einmal, entsteht aber gleichzeitig ein Vakuum. Und dieses Vakuum, glaube ich, muss man auch gemeinsam füllen.

Daniel

Aber weißt du, was ich so schwierig finde an der Diskussion, und das ist dasselbe wie mit der Digitalisierung, die Menschen diskutieren das Was und nicht das Warum. Und du wirst immer Leute, die ihm sagen, die sagen werden, was, wir sollen Menschen fürs Nichtstun Geld geben und andere, die sagen, nein, nein, nein, man sollte fürs Nichtstun Geld bekommen. Es wird aber sehr selten in der Diskussion oder fast nie, sehe ich die Diskussion des Purpose, des Warum sollen Menschen das haben. Ja, eine gewisse Absicherung, da sagt man, nein, nein, nein, klar, hier gibt es in Europa im Sozialstaat. Aber die Diskussion, die wir gerade führen, das sehe ich zu selten so. Und es wäre viel einfacher, das zu führen. Und das ist etwas, was mich sehr stört. Und dann muss ich natürlich auch sagen, wenn ich uns so rede höre, da muss ich sagen, bin ich ein bisschen auch gegen ein komplett bedingungsloses Grundeinkommen. Weil komplett bedingungslos heißt, du kriegst das Geld, egal was du tust. Und jetzt haben wir natürlich ein bisschen eine Diskussion, es ist, was mache ich denn mit der Zeit, die ich dadurch bekomme? Und wie lange ist denn diese Zeit? Und ich glaube, es sollte schon temporär sein. Und ich glaube, es sollte schon, wie gesagt, wenn man es als Zusatz zu einem Sozialstaat sieht, nicht als Ersatz, wenn man es als Zusatz sieht, dann sollte schon daran geknüpft sein, dass ich diese Zeit für mich in irgendeiner Form sinnsstiftend nutze. Das kann man natürlich nur sehr schwer messen. Das ist auch, glaube ich, nicht unser Job, jetzt die perfekte Lösung dafür zu finden. Aber ein komplett bedingungsloses Grundeinkommen, das weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist.

Markus

Also ich glaube, langfristig schon. Ich glaube, wir werden den Punkt erreichen, wo wir am Ende einfach sagen werden, okay, wir haben so eine hohe Produktivität, die wir derzeit auch schaffen und so viel auch an Wertschöpfung, die wir unter der Bevölkerung verteilen können, dass wir jeden Menschen, egal was seine Leistung ist, egal was er am Ende beitragt, ein würdiges und gutes Leben ermöglichen können. Und ich glaube, am Ende, wenn man sich anschaut, zurückgehend.

Daniel

Dann muss ich dich kurz unterbrechen, Entschuldigung. Das sehe ich ja genauso. Ich meinte als Zusatz, weil ich glaube, das kann auch ein Sozialstaat durchaus liefern. Glaube ich, eine gewisse Sicherung und alles. Und das sollte auch so sein, dass Menschen würdig leben können. Aber ich meine, dieses on top, wenn man es on top sieht, das meinte ich damit.

Markus

Ich glaube halt, wenn wir uns jetzt den Sozialstaat anschauen, dann ist das oftmals noch nicht auf einem Level, das mein Bild vom Grundeinkommen ist, dass das halt, keine Ahnung, so etwas wie 1500 Euro im Monat ist. Also etwas, wovon man gut leben kann. Jetzt nichts, mit dem man super komfortabel ist, aber etwas, was einfach sagt, hey, ich muss mir jetzt keine Sorgen um mein Überleben machen, beziehungsweise nicht überall sparen. Gleichzeitig glaube ich, dass das halt, wie gesagt, derzeit nicht finanzierbar ist. Und ich glaube, also wenn ich jetzt ein Bild zeichnen müsste, okay, vielleicht reden wir danach nochmal kurz über, warum vielleicht jetzt speziell die Krise eine Chance ist, Dinge auch zu testen. Aber wenn wir jetzt nach der Krise sprechen, dann glaube ich, ist der Zugang, den du da überschrieben hast, dass man sagt, okay, man gibt das Menschen spezifisch zeitlich begrenzt. Vielleicht dreimal ein Jahr im Leben, wo man sagt, hier, das ist Zeit zum Denken und ich würde es jetzt nicht bürokratisch aufladen. Also ich glaube, die zeitliche Beschränkung hilft schon dabei, dass das halt auch sinnvoll genutzt wird. Und so kann man, glaube ich, wie du richtig gesagt hast, auch ein bisschen Zeit zum Denken den Menschen schenken. Und ich glaube, was es halt als Begleitmaßnahme braucht, ist, dass es halt auch gesellschaftlich eine kulturelle Veränderung dafür brauchen wird. Und das ist, glaube ich, sowieso notwendig jetzt für die Utopie, die es irgendwann einmal geben wird. Aber auch schon dafür geht es halt sehr stark wieder um das Thema Bildung. Was können wir dort verankern, damit Leute auch verstehen, wie sie diese Zeit nutzen können.

Daniel

Was ich so interessant finde, das wo wir gerade drüber reden. Ich liebe ja, ich liebe ja alle möglichen auch historischen Themen und bla bla bla. Und da gibt es ja gerade im Handwerk diese Gesellenjahre, wo die Personen auf die Wanderschaft gehen. Auf die nennt man es Pfalz? Die Wals, Pfalz? Kennst du das? Nein, okay. Das ist im traditionellen Handwerk, das ist gerade in Deutschland sehr stark verankert, ich bin mir nicht so sicher, wie das in Österreich ist, da gehen dann die jungen Gesellen auf, jetzt habe ich das richtige Wort, auf die Walz, das sind deren Wanderjahre. Und da gibt es ganz klare Regeln. Sie dürfen kein eigenes Geld haben, sie müssen herumgehen. Und das ist etwas, also es bezeichnet jetzt, ich habe jetzt Wikipedia kurz aufgemacht, dass ich wirklich keinen Mist erzähle. Das sind die Wanderjahre und bezeichnet die Zeit der Wanderschaft zukünftiger Gesellen nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit. Und sie war seit dem Spätmittelalter bis zur beginnenden Industrialisierung eine Voraussetzung der Meisterprüfung. Und sie sollten dabei neue Arbeitspraktiken, fremde Orte, Regionen und Länder kennenlernen, sowie Lebenserfahrung sammeln. Das Interessante ist, das gibt es bis heute. Es gibt klare Kleidung, sie müssen zu Fuß unterwegs sein und sie lernen alle möglichen Regionen kennen und sich selber. Und das finde ich ganz, ganz, ganz spannend. Das gibt es, wie gesagt, noch, das nennt man die Walz, wie Widerschauspieler W A L Z. Und das gefällt mir. Und würde man sagen, zum Beispiel, man gibt ein bedingungsloses Grundeinkommen, um etwas wie das zu machen. Sprich, du nutzt es, um zu reisen, du nutzt es, um zu lernen, du nutzt es, um intellektuell voranzukommen, dann ist das ganz was faszinierend, dass dadurch so viel Veränderungswachstum stattfindet. Das finde ich schon richtig schön. Und das ist ein sehr schöner Gedanke. Fehlt, vielleicht fast ein bisschen.

Markus

Ja, ich glaube, vielleicht gibt es im universitären System gibt es vielleicht schon so ein bisschen oder die Bildungskarz, vielleicht geht. Genau, Erasmus, jetzt habe ich vom Reisen an Erasmus denken müssen. Ich glaube, die Bildungskarenz geht vielleicht ein bisschen in die Richtung. Es gibt auch vom AMS gibt es dieses Unternehmergründerprogramm. Aber ich fände genau bei solchen Sachen eigentlich die Bedingungslosigkeit einen guten Anreiz, weil derzeit sind all diese Dinge an gewisse Vorleistungen gebunden, an gewisse, was tust du während der Zeit. Und ich fände es eigentlich, wenn man es zeitlich begrenzt, charmant zu sagen, Schatz, diese Zeit ist für das gedacht, nutzt sie dementsprechend, aber jetzt nicht in großer Bürokratie nachzuverfolgen, was sie tun.

Daniel

Sehe ich ganz genauso. Also nur um auch das richtig zu stellen, ich liebe übrigens die Diskussion, weil wir uns da so weit mittlerweile entfernt haben von dem, worüber wir sprechen wollten. Aber das ist ja die Idee von einem Podcast. Finde ich auch. Das heißt, vielleicht nochmal, um kurz so den Bogen zu schließen. Das heißt, wir sagen, okay, Nummer eins, wir sind beide der Meinung, es ist was Gutes. Wir sind der Meinung, es gibt jetzt gerade einen Zeitpunkt, wo es eine hohe Sinnhaftigkeit hat. Es wird eigentlich erst recht sehr interessant in 20 bis 50 Jahren, wenn die Automatisierung und Digitalisierung noch stärker vorangeschritten ist. Wir sagen auch beide, und da sind wir uns auch beide einig, dass es Sinn macht, nicht als Ersatz zum Sozialstaat, sondern zum Zusatz, dass die Diskussion eine völlig andere ist in einem Nicht-Sozialstaat. Und wir sagen, es sollte möglicherweise temporär beschränkt sein, also nicht für immer. Und es wäre sinnvoll, wenn es sinnsstiftend genutzt wird. Ich muss dir auch da persönlich recht geben, man sollte es um Gottes Willen vollkommen unbürokratisch machen. Es wäre aber spannend, wenn man kulturell diese Möglichkeit, die man im Leben bekommt, vielleicht vorher vorbereiten kann und sagen kann, schaut, du kannst machen, was du willst, du kannst von mir skiffen und Playstation spielen. Aber vielleicht nutzt du es auch für dich, um viele, viele feine Dinge zu tun. Und es liegt dann an jedem wie ein Startkapital im Leben. Und es wird den einen geben, der diese Startkapital nutzt, um ein schnelles Auto zu kaufen und ins Casino zu gehen. Und ja, weg ist die Kohle. Und andere Personen, die es sinnsstiftend nutzen. Das ist natürlich sehr stark eine Frage der Sozialisierung und der Bildung. Und da ist natürlich die Möglichkeit, wie man so etwas verankert. Und wenn man etwas kulturell verankert und sagt, da sind deine Jahre, nutze sie für dich, mach etwas draus, dann finde ich das schon sehr, sehr, sehr fein und etwas, was man vielleicht auch vorbereiten könnte. Ich glaube, man sollte niemanden dazu zwingen, man sollte es nur bereitstellen und von mir sogar sagen, schau, wenn du es nicht nutzt, dann hast du die und die Möglichkeiten. Die Diskussion ist natürlich eine völlig andere in einem Land, wo es keinen Sozialstaat gibt. Und für mich ist das natürlich, es muss so zwangsläufig sein, dass früher oder später jedes Land zum Sozialstaat wird. Ich bin ein glühender Verfechter dessen. Und ich halte alles andere für grob fahrlässig. Ich weiß, es ist ein Finanzierungsthema, aber alles andere ist grob fahrlässig. Dort ist natürlich die Diskussion für bedingungsloses Grundeinkommen dann natürlich eine völlig andere. Dort gibt es ein blanke Überleben. Und da muss man sagen, natürlich, überall, wo ein Sozialstaat nicht gegeben ist, muss ein bedingungsloses Grundeinkommen sofort geschaffen werden, dass Menschen nicht wie jetzt in Amerika auf der Straße sitzen und mit einem offenen Bein und vor sich hinrotten, weil ihnen niemand hilft, weil sie sich nicht versichern können. Das ist schrecklich.

Markus

Aber da ist dann auch die Frage, ob es nicht zuerst einen Sozialstaat bracht, bevor sie nicht mehr.

SPEAKER_01

Natürlich, aber wahrscheinlich wird das dann wieder auch eine andere Diskussion sein.

Daniel

Das Schlimme ist ja, dass oft einfach der offene Diskurs nicht gegeben ist und einfach so viel Politik mitschwabert. Und wenn du in Amerika über einen Sozialstaat sprichst, gibt es genug, die sagen, du bist ein Kommunist und du möchtest ihnen eigentlich die Waffen wegnehmen. Und eigentlich willst du nur Menschen versichern, weißt du, was ich meine? Das ist die Herausforderung, die man immer bei dieser Diskussion hat.

Markus

Ich meine, ich glaube, ein spannender Punkt derzeit ist sicher noch, okay, jetzt sind wir aktuell in der Krise, wie sehr kann das dabei auch eine Rolle spielen, weil das kann natürlich auch ein Feld sein, wo wir bestimmte Dinge testen können. Weil das ist auch ein oftmaliger Kritikpunkt rund um das bedingungslose Grundeinkommen, dass es halt ganz schwierig ist zu testen. Also es gibt noch keinen flächenden Test, es gibt ein paar Tests, die halt bestimmte Elemente davon abgetestet haben in unterschiedlichen Ländern. Aber es ist einfach von der Finanzierung so schwierig umzusetzen, einen Test, um zu sehen, wie die Bevölkerung auch darauf reagiert, dass es ganz schwierig ist, Rückschlüsse zu ziehen. Und da wäre natürlich jetzt dieses Fenster auch insofern spannend, weil jetzt sowieso einfach ein unfassbarer finanzieller Betrag notwendig sein wird, um die Wirtschaft irgendwie aufzufangen. Und da könnte das schon auch ein Element sein, besonders, und das ist jetzt ein, glaube ich, ein durchaus kontroversieller Punkt, weil halt auch gewisse Elemente vielleicht nachhaltig gar nicht so sinnvoll sind, die derzeit umgesetzt werden. Wenn man sich zum Beispiel die Kurzarbeit anschaut, ich glaube für den Arbeitgeber ein unglaublich attraktives Modell. Und natürlich, das schafft halt auch viele, es gibt einem Jobsicherheit, das ist, glaube ich, ein sehr gutes Instrument auch auf der Ebene. Gleichzeitig muss man sich schon auch anschauen, dass wir sowieso gerade in einer Zeit leben, wo ein Jobwandel passiert. Also es werden viele traditionelle Jobs mittlerweile in so eher digitale Jobs gewandelt. Es gibt eine strukturelle Arbeitslosigkeit, die so oder so irgendwo entstehen wird. Und es könnte natürlich diese Krise jetzt auch ein Wandel in diese Richtung anstoßen. Dafür fürchten wir uns aber massiv. Also ich habe das Gefühl, okay, Kurzarbeit ist halt jetzt auch etwas, das sicher strukturell noch einmal dafür sorgen wird, dass die Arbeitslosigkeit weitaus geringer bleiben wird, als wenn es das nicht gibt. Und das ist wahrscheinlich auch kurzfristig was Gutes. Gleichzeitig, wenn wir aber einfach den Leuten sagen würden, Schatz, es gibt jetzt eine Pause bei der Arbeit und ihr kriegt einfach Geld dafür, dass ihr jetzt tun könnt, was ihr wollt, ist das anderes, als dass sie Geld vom Staat kriegen für die Kurzarbeit und per se eigentlich zwanghaft nichts tun.

Daniel

Finde ich sehr schön, den Gedankengang. Und ich möchte es noch um einen erweitern. Zusätzlich, natürlich ist immer nach der Krise so, dass viele Leute sagen, boah, das war knapp, boah, das war ein bisschen. Jetzt möchte ich aber auch kein Risiko eingehen. Zeitlich wäre das natürlich auch ein ganz schöner Gedankengang, dass man sagt, jetzt erst recht Risiko, mach dir keinen Kopf, hier gibt es etwas.

Markus

Weil das natürlich auch genau die Zeit jetzt dafür ist.

Daniel

Richtig, sehe ich auch so. Und da gibt es natürlich auch einfach Personen, die das Privileg haben, wie gesagt, aus einem Umfeld zu kommen, wo sie Risiko fahren können, wie sie wollen. Die fallen weich und haben da Zugang und das ist weder gut noch schlecht. Das ist einfach so. Man könnte natürlich auch argumentieren, wenn es 1848 ein Recht auf Arbeit gab, dass man vielleicht zukünftig sagen kann, es gibt ein Recht auf Denken, aus der Faulheit abgewandelt, ein Recht auf Denken, ein Recht auf Wachsen, aber auch ein Recht auf Risiko. Und das finde ich dann natürlich auch wieder alles sehr schön. Und das ist, glaube ich, eine völlig andere Diskussion, wenn man sagt, was willst du erreichen mit diesem bedingungslosen Grundeinkommen? Und für mich ist das wie gesagt. Würdest du mir sagen, bist du der Meinung, jeder sollte Geld bekommen fürs Nichtstun? Dann sage ich, nein, natürlich nicht. Würdest du mich fragen und sagen, bist du der Meinung, dass jeder das Recht auf Denken hat? Das Recht auf Risiko, das Recht auf Freiheit, natürlich. Selbstverständlich. Das ist eine Purpose-Frage. Und das ist etwas, was wir, glaube ich, jetzt ganz interessant besprochen haben und etwas, was mir so fehlt in diesem Diskurs. Und ja, es ist, ich bin sehr neugierig, wo das Ganze hingeht. Und zeitgleich haben wir uns aber geeinigt, dass dieses Thema zurzeit jetzt vielleicht noch so gesehen werden kann, in der nahen Zukunft aber irgendwann einfach viel breiter zu sehen sein muss. Und auch das ist wieder etwas, das klingt wie eine alte Schallplatte. Natürlich die Frage, ob dann unsere Tech-Giganten, die gerade so stark am Ruder sind, ob sie aus Amerika oder aus China kommen, ob die diejenigen wären, die genug Geld recyceln würden, um das zu erlauben oder nicht. Da ist meine Antwort, nein, glaube ich nicht. Kann ich mir nicht vorstellen. Und umso mehr ist es wichtig, glaube ich, eine EU aufzubauen, die genau das schafft, in 10, 20, 30 Jahren genau so etwas zur Verfügung zu stellen. Weil ich glaube, nur so kann das sein, dass es eben dieses ökonomische. komisch, ökologisch resiliente System zu schaffen, das genau das erlaubt und dadurch allerdings eine unendliche unternehmerische Kraft freisetzen könnte und intellektuelle Kraft, die sonst nur sehr wenigen zugänglich wäre. Und das ist dann, glaube ich, wiederum eine ganz andere Diskussion.

Markus

So ist es. Also da müssen wir halt auch einfach die Produktivität hier in Europa schaffen und die Innovationskraft, damit wir das notwendige Geld haben, um sowas auch mal zu finanzieren.

Rockstar der Woche: Florian Schicker

Daniel

Genau, und nicht erwarten, dass das ohnehin kommt. Und das ist, glaube ich, das Spannende und wenn wir das frühzeitig so machen, dann kriegen wir das hin. Das heißt, fast haben wir gesagt, wir finden es gut, aber mit Einschränkung wir sehen es als notwendig an. Und wir sagen aber, es ist eine Purpose-Diskussion und viel weniger das warum. Ein klarer Moonshot eigentlich, oder? Das ist sicher ein Moonshot, ja. Fantastisch. Spannende Diskussion. Und etwas, was ich auch noch so als Moonshot sagen muss, aber auch als ja, ganz, ganz, ganz, ganz klare Prediction. Wir haben zurzeit so viele Themen, die man einfach unaufgeregt diskutieren muss. Und ich glaube, dass unser jetzt Diskurs, der die letzten paar Minuten stattgefunden hat, einer war, der, der frei von Politik war, wo man einfach äußert, was einem so durch den Kopf geht und ganz bewusst verschiedene Perspektiven auch erlaubt und auch artikuliert, ohne die Sorge zu haben, da gleich irgendwo in irgendeinen Topf geworfen zu werden. Und es ist umso wichtiger jetzt, frei von Drama, frei von Politik, solche so wichtigen Themen zu diskutieren, um dann auf eine Gemeinsamkeit zu kommen. Und ja, ich bin sehr hoffnungsvoll, dass man das vielleicht auch irgendwann schafft, durch einen klaren Purpose. Und den haben wir. So, wir haben den News der Woche erledigt, wir haben den Deep Dive der Woche erledigt, unsere klugen Zuhörer und Zuhörer wissen, dass jetzt der Zeitpunkt ist, wo wir unseren Rockstar der Woche nominieren. Und ja, da haben wir jemanden. Wie ist denn das, Markus?

Markus

Wir haben diese Woche den Florian Schicker auserkorn, das ist der CEO von dem österreichischen Webhoster EasyName. Und der hat eine sehr coole Aktion gestartet in dieser Woche. Nämlich hat er gesagt, dass er allen Usern der österreichischen Startup-Szene für das erste Jahr einen kostenlosen Webhosting-Zugang mit einer Domain in Österreich gratis zur Verfügung stellen will, jetzt während der Krise. Und ohne irgendwelche Verlängerungspflichten oder versteckte Bindung oder so, also einfach wirklich zehn Monate Free Webhosting. Was super cool ist, natürlich jetzt auch für die ganzen Projekte, die entstehen rund um die Corona-Krise. Es sind ja oft Webprojekte, digitale Projekte, die sich jetzt, die einerseits überhaupt kein Budget haben, andererseits sich jetzt auch nicht drumschlagen wollen, dass sie halt battlen gehen bei diversen Providern. Und das ist jetzt, glaube ich, eine super unkomplizierte und schnelle Variante, wie man das ohne Kosten umsetzen kann, wenn man eine Website schnell online bringt und eine wirklich bemerkenswerte Aktion, die sicher auch einiges an Umsatz kosten wird, persönlich, aber eben vielen anderen hilft und ich glaube, das zeugt von sehr viel Solidarität und auch bemerkenswert das Vertrauen, weil er sagt halt auch klar, okay, das ist für alle, die es brauchen und jeder weiß selbst, ob er es braucht oder nicht. Also das heißt sehr unbürokratisch und genau das, was man in der Zeit auch wirklich braucht.

Moonshots & Predictions: 3 Jahre Zeit zum Denken, Ausprobieren & Gründen, Österreichs Comeback Chancen

Daniel

Ein schönes Zeichen, schönes Zeichen zur richtigen Zeit. Und deswegen auch ein sehr würdiger Rockstar. Und du hast gesagt, schön auch jemand, der so viel Vertrauen mitbringt und sagt, ich traue euch, macht es, nutzt es und baut euch selber auch eure neue Existenz auf. Finde ich sehr positiv. Sehr schön. Toll. Gratuliere, lieber Florian. Unser Rockstar der Woche. Ja, und weiter geht's rasant mit unserem Moonshot und Predictions. Und da ist wieder einiges dabei. Wir haben es auch schon im Laufe des Gesprächs ganz stark angedeutet. Eine ganz kleine Prediction ist durch die Situation, in der wir uns in Österreich gerade befinden, sprich, bei uns sieht das mal mit Corona recht gut aus, haben wir eine unendlich große Möglichkeit, tatsächlich ein bisschen in Pole Position zu kommen. Voraussetzung ist allerdings Nummer eins, wir halten uns an die Regeln und gehen nicht gleich am ersten Tag kuscheln im Park mit allen, sondern machen Schritt bei Schritt. Und zweitens, wir haben aber auch den Mut und die Risikobereitschaft, neue Dinge zu tun und mitgestalten zu wollen. Riesen, riesen, riesengroße Möglichkeit, mutige Ansätze zu fahren, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Einerseits auf österreichischer Ebene und zweitens müssen wir genau diesen Gedankengang auch auf europäischer Ebene und so immer so gerne sage, aber nicht nur auf Effizienz und Wachstum getrimmt, sondern ganz klar auch auf ökonomische und ökologische Resilienz. Das ist eine Prediction. Das ist etwas, das kommt, das muss kommen. Ja. Und ich hoffe, das ganz stark.

Markus

Gut, dann werde ich vielleicht einmal anschließen mit unserem Tiptoi-Thema. Ich glaube, ein echter Mundschutz wäre, wenn wir es schaffen würden, dass wir Menschen tatsächlich zumindest zeitlich begrenzt ein paar Mal im Leben die Möglichkeit geben, ohne Sorgen ein Jahr lang Auszeiten zu nehmen. Sage jetzt mal dreimal für ein Jahr, dass man sagt, es gibt ein Grundeinkommen, das bedingungslos und die Leute in deren Zeitraum ausbezahlt werden, das ein gutes Leben in der Zeit ermöglicht und gleichzeitig Raum schafft, um Dinge auszuprobieren, um zu experimentieren, um vielleicht ein Start-up-Idee vielleicht auch mal probieren umzusetzen und somit ihnen auch, sag ich mal, einen Zeitrahmen gibt, ohne den Druck, dass man jetzt unbedingt irgendwo sofort Geld verdienen muss, gleichzeitig auch Zeit zum Denken gibt, gleichzeitig Zeit gibt, um vielleicht auch neue Perspektiven kennenzulernen und in irgendeiner Form sich zu entwickeln, auch geistig und mental.

Daniel

Das ist was sehr Schönes und vielleicht, weißt du, wenn ich dir das so zu über bedingungsloses Grundeinkommen vor ein bedingungsloses Recht auf Denken und ein bedingungsloses Recht auf Risiko. Das gefällt mir.

Markus

Jawohl. Ich glaube, ein, und das ist jetzt vielleicht meine Prediction, ich glaube, ein tatsächlich bedingungsloses, zeitlich unbegrenztes Grundeinkommen für alle, ist derzeit finanziell nicht realistisch. Nicht on top auf der Sozialstaat und das glaube ich, sollte es definitiv, wenn dann sein. Und ich glaube nicht, dass das in den nächsten 10 bis 15 Jahren kommen wird. Danach hängt es viel davon ab, wie schnell sich die Produktivität in der Zeit erhöht, wie sehr auch viele Jobs, die wir eigentlich nicht machen wollen, mittlerweile von Maschinen übernommen werden können. Irgendwann ist meine Prediction, wird es kommen, aber nicht in den nächsten 10 bis 15 Jahren.

Daniel

Und ich würde vielleicht noch eine Prediction erweitern. Ja, ich sehe es genauso. Ich könnte mir aber vorstellen, in Ländern ohne soziale Absicherung, in nicht Staaten, dass der eine oder andere probieren wird, so etwas als Ersatz einzuführen. Aber etwas, was wir beide komplett als kritisch ansehen, sondern wir haben über einen Zusatz dazu gesprochen, da sehe ich genauso, dass es jemand als Ersatz, vielleicht auch als etwas populären Ersatz, sozusagen populistischen Ersatz sehen, dann könnte ich mir schon vorstellen, vorher ist doch nicht authentisch. Ja, da sind wir diesmal ganz schön ganz schön tief, tief getaucht.

Markus

Das ist ein neuer Längenrekord, glaube ich.

Daniel

Das auch noch, ein neuer Längenrekord, ein neuer Tiefenrekord. Ja, gut, das ist ja auch nicht schlecht. So ist es. Finde ich. Immer hätten möchte. Ja, macht vielleicht Sinn, an dieser Stelle zu sagen, vielen, vielen Dank. Nicht vergessen, spread the word, auch gerne, wenn du zugehört hast und gesagt hast, so ein Mist, so ein Blödsinn. Ihr findet uns auf Social Media unter unseren ganz normalen Clarnamen, ihr findet uns auf Instagram. Ihr könnt natürlich auch alle anderen Sachen einfach innerhalb eurer Podcasts of Choice finden. Und in dem Sinne, schön die Hände waschen, schön abschalten, bleibt sicher und ja, haben Sie eine schöne Woche. Stay safe, take care und passt gut auf euch auf