Future Weekly
Die zwei Startup Veteranen Daniel Cronin und Markus Raunig sprechen mit jeder Menge Humor über Technologie, Unternehmertum und die Zukunft. Jeden Donnerstag analysieren sie die interessantesten News der Woche und küren Rockstars, die die Welt von morgen prägen. Jeden Sonntag begrüßen sie im Deep Dive visionäre Gäste für einen Blick hinter die Kulissen aktueller Trends und formulieren gemeinsam Moonshots & Predictions. Ein Podcast der verschiedene Welten verknüpft und mit mutigen Thesen inspiriert.
Future Weekly
#349 - Bianca Busetti über Profitabilität, Pause & algorithmisches Design
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Im Deep Dive hat Markus diese Woche Bianca Busetti zu Gast. Bianca ist CO-Founder und CPO von Journi. Im Podcast spricht sie darüber, wie sie die Fotobuch-Branche revolutioniert haben, ihren Weg zur Profitabilität und vieles mehr!
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Redaktion & Produktion: Jakob Seybold
Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com
Production: Hanna Moser
Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com
Einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag, guten Abend, willkommen bei Future Weekly, dem Startup Podcast. Heute mit mir Markus und weil Sonntag ist, weil Deep Dive Tag ist, natürlich wieder mit einem großartigen Gast und das ist heute die Bianca Bussetti. Hallo Bianca.
SPEAKER_01Hallo Markus, vielen Dank für die Einladung.
SPEAKER_00Wir freuen uns sehr, dass du heute hier bei uns bist. Und wir starten mit einem Blick auf dein LinkedIn-Profil und da steht Bianca Bussetti, CPO a Journey, Building the Number One Place to Print Memories. Also erzähl einmal, was hat es damit auf sich?
SPEAKER_01Ja, genau, also bei uns geht es wirklich darum, Fotobücher und Printprodukte zu erstellen. Und wir haben einfach vor einigen Jahren in den Space reingeschaut und bemerkt einfach, wie traditionell und relativ veraltet dieser ganze Space ist. Relativ langweilig etwas verstaubt und vor allem hat es sehr, sehr lange gedauert für den Kunden, solche Produkte zu erstellen. Und da haben wir dann die Köpfe zusammengesteckt und uns überlegt, wie kann man denn das nicht automatisieren und Technik mit reinbringen ins Spiel. Also in unserem Fall Artificial Intelligence, um das zu automatisieren und für den Kunden schön und schnell zu machen. Und das ist das, mit dem wir jetzt am Markt schon relativ erfolgreich vertreten sind.
SPEAKER_00Jawohl, definitiv eine der wirklich bemerkenswerten Success-Stories auch des österreichischen Startup-Ökosystems. Machen wir vielleicht mal einen Schritt zurück. Wenn du da an die kleine Bianca zurückdenkst, also die Zeit, dass du vielleicht fünf oder acht oder zehn Jahre alt warst. Hattest du damals auch schon eine Leidenschaft für Fotos, eine Leidenschaft für Unternehmertum? Wie hat das alles begonnen?
SPEAKER_01Ja, gute Frage. Also bei mir hat vieles mit dieser Leidenschaft für Design begonnen. Und auch schulmäßig oder zu Hause, ich habe immer gezeichnet. Meine Eltern haben immer gesagt, es war einfach für mich, ein Spielzeug zu finden, weil eigentlich wollte ich immer nur Stift und Papier wollen. Und eben mit dem Zeichnen hat es irgendwie begonnen. Und dann ist es auch schulisch eben sehr stark in diese Richtung Kunst und Design dann eben. Und HTL habe ich dann besucht. Eben diese technische Richtung war auch eigentlich ganz früh dabei. Und so ist irgendwie diese Affinität zu Design und Technik entstanden. Und ja, ich wollte eigentlich früher immer Architektin werden. Und irgendwie hat sich dann über die Studienzeit eben auch für das Industriedesign-Studium nach Wien gekommen. Und da hat sich dann herausgestellt, wie cool das doch eigentlich ist. Mit diesen Fähigkeiten kann man ja eigentlich auch eine Firma gründen und ein eigenes Produkt designen. Und in der Zeit habe ich dann eben meine zwei Co-Founder kennengelernt. Und so ist das eigentlich erst dann in die Richtung eben Startup und das eigenes Gründen gegangen.
SPEAKER_00Hast du uns da quasi im Schnelldurchlauf durch sicher 20 Jahre durchgeführt? Vielleicht ein, zwei Rückfragen. Du hast gemeint, du wolltest eigentlich Architektin werden und hat dann aber Industrial Design studiert. Wie kamst du zu dieser Entscheidung?
SPEAKER_01Also ich habe schon in der HTL fünf Jahre lang den Schwerpunkt Industriedesign quasi schulisch durchgemacht. Und das liegt eigentlich wirklich daran, dass die Schule sehr nahe zu meinem Heimatort war. Und meine Eltern da so ein bisschen eine gute Chance gefehen haben, diese Designaffinität zum einen zu unterstützen. Und ja, es war einfach eine naheliegende Schule, an die ich gehen könnte. Und das hat dann aber einfach extrem gut gepasst. Also mir hat es extrem viel Spaß gemacht, physikalische Produkte zu entwerfen und die ganzen Software-Tools kennenzulernen. Und so ist dann eigentlich auch die Entscheidung, das Gleiche weiter zu studieren, relativ neuelliegend gewesen. Und ich habe dann eben versucht, in Wien auf die Angewandte reinzukommen. Das ist ja auch nicht ganz so einfach. Sie haben damals zehn Studenten eben aufgenommen. Und ja, da habe ich das Glück gehabt, eben eine davon zu sein. Und ja, so hat das alles ganz gut gepasst und dann war Architektur auch schnell wieder vergessen.
SPEAKER_00Okay, und dann auf der angewandten Industriedesign. Und was macht man dann mit Industriedesign? Was hast du gemacht? Hast du schon während der Uni auch nebenbei gearbeitet oder bist du dann nach der Uni dargestanden? Hast du gedacht, okay, wo gehe ich jetzt hin? Was war so der nächste Schritt?
SPEAKER_01Also durch das, dass diese Technik, also immer mit Computer einfach groß geworden durch meinen Papa, der war Computertechniker. Wir haben immer zu Hause von klein auf schon Computer gehabt. Das hat mir immer Spaß gemacht. Und deswegen habe ich auch meinen ersten Job neben der Uni, also 30 Stunden habe ich immer neben der Uni gearbeitet, was eh relativ viel war. Das war auch immer schon quasi Graphic-Design oder Interface Design. Also es war immer schon digital. Und insofern war für mich auch nie so wirklich im Blickwinkel, dass jetzt später nur physikalische Produkte entwerfen wird. Da habe ich mich nicht wirklich gesehen. Ich habe das immer so mit der Schnittstelle gesehen, zu einem digitalen Produkt, digitalen Interfaces entwerfen. Und bei Czerny haben wir jetzt im Endeffekt genau beides. Also ich bin bei uns verantwortlich sowohl für die Physical Products, die wir ja mit Produzenten gemeinsam produzieren und herstellen. Aber da bin ich quasi für Produktentwicklung gemeinsam mit ihnen. Plus natürlich eben das, was unser Kernbusiness ist, alles was digital ist und unsere eigene Software, das ist einfach meine große Leidenschaft.
SPEAKER_00Spannend. Jetzt, wenn man auf deinem LinkedIn-Profil ein bisschen rumscrollt, dann steht da, dass du 2012 auch die Trophy vom Pioneers Festival designt hast. Wie ist es denn dazu gekommen?
SPEAKER_01Ja, ich meine, das Netzwerk, du kennst es eh, jeder kennt es ja ein bisschen jeden, wo wir begonnen haben. Waren wir alle noch im Sektor 5 und so alle Startups, so alle Messuger und so weiter. Wir waren einfach alle extrem eng und so hat sich das übers Netzwerk eben ergeben, dass dann Andi und Jürgen damals auf mich zugekommen sind und gesagt haben, hey, das wäre doch cool, du bist doch auf der Angewandten und ihr macht es doch auch eben hin und wieder in eure Werkstätten so Physical Products und wollt ja dann nicht unsere Trophy machen. Und so ist es damals entstanden, es war ein sehr, sehr cooles Projekt.
SPEAKER_00Also damit quasi schon von den Kinderstunden der österreichischen Startup-Szene mit dabei gewesen.
SPEAKER_02Absolut, ja.
SPEAKER_00Dann hast du bei mir als Co-Founder und CPO gearbeitet. Du warst dann noch in einem Zwischenstopp bei MyShuga und danach kam Joani, beziehungsweise auch schon irgendwie währenddessen. Vielleicht magst du so ein bisschen, da merkt man schon, du warst richtig tief in der Startup-Szene drin, aber wie hat sich denn dieser Prozess auch für dich ergeben, dass du da mehrere Projekte zuerst, aber wie hast dich denn das eine herausgekristallisiert?
SPEAKER_01Genau, also wir, wir drei Gründer, also Andreas, Christian und ich, wir haben uns auf einen Stanford Online Entrepreneurship Kurs kennengelernt. Das ist immer so unsere Klischeegeschichte, weil sie haben da die Local-Teilnehmer quasi zusammengebracht und wir waren halt in der Gruppe der Wiener. Und so ist es eigentlich damals entstanden, dass wir uns kennengelernt haben und Mia Via war unser erstes gemeinsames Projekt. Und das war das Projekt, wo wir dann tatsächlich schon unsere Jobs dafür aufgeben haben und richtig Vollzeit rein. Und hatten dann auch schon die ersten zwei Mitarbeiter in Österreich. Und haben dann auch schon Angels für das Projekt gefunden. Und das war damals ein Marktplatz für Insider-Tipps, für quasi so Mini-Reiseführer. Das war eigentlich, wie wir ursprünglich begonnen haben. Wir wollten eben das Problem lösen, dass wenn man in ein fremdes Land fährt, dass man doch eigentlich coole Insider-Tipps haben will. Und nicht einen riesengroßen Lonely Planet-Reiseführer, sondern wirklich so condensed coole Insider-Tipps. Und dann ist es eigentlich relativ klar rauskommen, dass von unseren ersten tausend Usern das Feedback eigentlich stark in die Richtung gegangen ist. Okay, wir finden eure Plattform wirklich cool, aber wir benutzen das eigentlich eher als Dokumentationstool. Also sie haben das eher für sich genutzt, die Software, weil sie die Software cool gefunden haben, um eben ihre Momente niederzuschreiben, ihre Reisemomente. Und so ist es dann eigentlich dazu gekommen, dass wir gesagt haben, okay, vielleicht ist dieser Marktplatz-Idee, der Gedanke, nicht das Gelbe vom Ei. Und dann haben wir eigentlich relativ schnell das Konzept versucht umzuschwenken auf eben Mobile. Wir wollten dann unbedingt eine App programmieren, weil bis dahin waren wir nur im Web. Und so ist es dann eigentlich zu dieser Reiseblog-Idee von Journey gekommen. Und genau, dazwischen waren wir dann mit dem Team auch noch in der USA. Das war 2014 im Sommer. Da waren wir dann schon sechs Leute, also wir drei Gründer und noch drei, haben eben komplett motiviert an der Journey-App gebastelt und waren dann auch schon am Markt. Und ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie wir dann alle gemeinsam in unserem Airbnb unsere ersten 10.000 User gefeiert haben. Das war ein absoluter Hochmoment. Und ja, das Problem war aber einfach, wir haben kein Funding für die ganze Sache gekriegt. Und die Idee war quasi, wir zeigen in den USA, was wir alles erreichen können, wie weit wir kommen können. Und dann kommen wir zurück nach Österreich und dann kriegen wir sicher eine Funding-Runde. Das ist natürlich nicht so aufgegangen, wie wir uns das vorgestellt haben. Und dann kam eben die Pause. Und in der Pause bin ich dann eben zu Mashuga gegangen und da Christian und der Andi zurück zu Pioneers. Und ja, irgendwie hat die Pause dann doch nicht allzu lang gedauert. Das war eben 2015. Das war fast ein Jahr, wo wir ausgesetzt haben. Und am Ende von dem Jahr haben wir halt wieder die Köpfe zusammengesteckt und haben uns angeschaut, wie sich die Plattform dann so weiterentwickelt hat. Und wir haben ja keinen Euro in Marketing damals investiert. Also das war einfach nur eben ein Reisetagebuch und du hast Familie und Freunde dazu einladen können. Und durch diesen Einladungseffekt ist die Plattform einfach von alleine weitergewachsen. Und wir sind so innerhalb von dem einen Jahr von 10.000 User auf 100.000 User gewachsen. Und dann haben wir gesagt, das gibt es ja nicht, die Leute finden das cool, wir müssen da weitermachen. Wir können nicht aufhören. Da ist mehr dahinter. Ja, und so haben wir dann circa Ende 2015 versucht, noch einmal ein Runde Geld aufzustellen, öffentliches Funding anzukriegen von AWS. Und das hat dann geklappt und seitdem gibt es nur noch Steilberger.
SPEAKER_00Das kann ich mir vorstellen, dass wenn man erzählen kann, dass man 100.000 User schafft, ohne sich, während man sich ein Jahr überhaupt nicht darum kümmert, das ist schon ein bemerkenswerter Proof of Concept. Wie seid ihr dann mit den Investoren auch vorgegangen? Also wie habt ihr die dann tatsächlich gefunden und potenziell auch ausgewählt? Was war euch der wichtigste?
SPEAKER_01Genau, also für uns war es zuerst, muss ich sagen, was absolut geholfen hat, war von AWS, die Seed, Finanzierung zugesagt zu bekommen für eben den Technologieteil, für den wir da angesucht haben, eben diesen Layouting-Agorithmus zu entwickeln. Und mit dieser Funding-Zusage war es dann wirklich viel, viel einfacher, Angels bei unserem Markt auch zu überzeugen, weil es so quasi wie so Proof of Concept oder so Siegel, quasi öffentliches Siegel war. Und ja, unsere erste Anlaufstelle war natürlich der Hansi, den wir natürlich schon jahrelang gekannt haben und er hat uns gekannt, er hat unsere Geschichte gekannt. Er war einfach nur davor noch nie so richtig überzeugt. Und das war jetzt vielleicht nicht unbedingt genau der Zweig, in dem er sonst investiert. Und wir haben ihn dann am Karlsplatz auf einen Café getroffen und haben ein Fotobuch mitgebracht von einer Konkurrenz und haben ihm gesagt, ciao, Hansi, das wollen wir jetzt machen. Wir haben jetzt einen Journey Blog auf 100.000 User skaliert und die Leute fragen danach, die wollen Fotobücher ausdrucken. Und wir glauben, wir können den Space eben innovieren und digitalisieren und einfacher machen. Und das hat ihn dann wirklich überzeugt. Und wo wir dann den Hansi mit an Bord gehabt haben, hat er auch noch einmal in seinem Netzwerk ein bisschen herumgefragt. Und eben Katharina und Armin von Spock waren auch schon sehr lange Mentoren, die wir uns ausgetauscht haben. Und die waren dann auch an Bord. Und das waren dann so für uns die wichtigsten Zusagen, weil wir einfach gewusst haben, haben sie ein extrem gutes Netzwerk, wird super Input kommen, es wird uns extrem weiterhelfen. Und Katja und Armin haben halt einfach schon beide Apps selbst aufgebaut und haben natürlich auch Top-Input, genau den, den wir eigentlich suchen, und das hat dann einfach perfekt gepasst.
SPEAKER_00Und das heißt, ihr hattet dann auch wirklich das Kapital, um diese Idee des Fotobuchs umzusetzen. Was hat denn das für dich dann auch bedeutet? Weil du hast ja schon gemeint, okay, einerseits hast du Softwareprodukt, das Design auf der Ebene gemacht, aber mit einem Fotobuch kommt halt dann schon noch einmal auch ein Hardware-Element, sage ich jetzt mal, dazu. Wie bist du das angegangen?
SPEAKER_01Voll. Also es war für mich extrem aufregend, weil wir haben die Jahre davor eben schon eben Web-Interfaces oder App-Interfaces gebaut, meiner Meinung nach sehr, sehr erfolgreich. Immer versucht, den Kunden im Mittelpunkt zu haben, alles sehr einfach zu gestalten, einfach zu bedienen und einfach schön und ansprechend. Und da waren wir schon, glaube ich, sehr gut. Und dann ist eben diese ganze Komponente dazukommen, okay, Technologie, also wie schaffen wir jetzt Sachen komplett zu automatisieren. Das war komplett neu. Da habe ich sehr viel mit dem Christian, mit unserem CTO die Köpfe zusammengesteckt, wie kann so ein Algorithmus ein Buchlayouten wie ein Designer. Da war quasi für ihn mein Input wichtig. Also wir haben quasi gemeinsam Regeln aufgestellt und Regeln gebaut, wie denn so ein AI funktionieren kann. Und das Thema Fotobuch, eben Physical Product, war eine extreme Herausforderung, den richtigen Partner zu finden. Da war ich natürlich auch viel unterwegs in Deutschland, Österreich, UK, haben uns da einige Produzenten angeschaut und sind dann eigentlich relativ schnell auf einen Produzenten komplett eingeschossen gewesen und gesagt, das ist genau das Richtige. Und mit dem haben wir dann circa ein Jahr später, nach der ganzen Entwicklungsphase, haben wir unser erstes Buch dann gelauncht. Und dann war es immer noch ein harter und schwerer Weg. Ob da.
SPEAKER_00Ja, Vater wird einem nie. Aber warum hat dich dieser eine Produzent oder euch dieser eine Produzent dann überzeugt? Weil du hast schon sich so angehört, als wäre da ein Effekt dabei gewesen, der ihn von allen anderen auch abgehoben hat.
SPEAKER_01Absolut, und das war einfach Innovation und wie er mit Kunden gemeinsam zusammenarbeiten wollte. Und da hat man einfach gemerkt, der hat uns nicht abgetan als kleiner Fisch, der jetzt bei ihm ein paar Bücher drucken will, sondern der hat sich unsere Story angehört und der hat dann das wirklich geglaubt, dass wir das hochskalieren können. Und dass wir die richtigen Ziele im Blick haben und coole Ideen haben. Und der wollte es mit uns gemeinsam umsetzen. Und der wollte da mitpartizipieren und gemeinsam groß werden. Und so war es jetzt am Ende auch. Und ja, es war sowohl für ihn als auch für uns eine richtig coole gemeinsame Erfolgsgeschichte. Und da hat man einfach gemerkt, wo wir, wo wir bei den Produzenten waren und uns die einzelnen Produktionsstätten angeschaut haben, wie modern sind denn die verschiedenen Produktionszentren aufgestellt, was sind so ihre Denkweisen. Und da sind wir schon viel mit eben so mit diesem verstaubten Business in Berührung gekommen. Da hat sich natürlich ein großer Gap aufgemacht zwischen sehr traditionellen Hersteller, traditionellen Prozesse, wenig Motivation zu innovieren und Neues zu probieren. Und dann eben auf der anderen Seite der Hersteller, mit dem wir dann groß geworden sind, der einfach total offen war für Neues und sich angehört hat, was wir denn für Ideen haben und uns nicht abgetan hat als komplette Neulinge, die wir ja absolut waren. Aber es war einfach auch ein Diskutieren auf Augenhöhe und das war extrem cool.
SPEAKER_00Der Fotobuchspace ja einer, der durchaus hochkompetitiv ist. Da gibt es ja einige, sag ich jetzt mal, sehr traditionelle Player, die halt in, weiß nicht, im Big Bow oder im DM oder so und dann gibt es, ich weiß nicht, Shutterfly, glaube ich auch. Und die gab es wahrscheinlich auch immer so dieses Thema, okay, kommt vielleicht Google über Google Fotos daher. Wie seid ihr mit dem Thema Wettbewerb umgegangen?
SPEAKER_01Eigentlich immer sehr Gesund, muss ich sagen. Also ich glaube, der ganze Space, das Schöne am Space ist, dass er einfach so groß ist, dass jeder seinen Anteil haben kann. Und das haben wir auch gemerkt, wo wir in den Space reingegangen sind. Es ist jetzt von Anfang an nicht darum gegangen, irgendwie Wettbewerb zu verdrängen, sondern jeder Hersteller hat so ein bisschen eine eigene Philosophie. Und es gibt halt auch traditionelle Hersteller, wie jetzt so du gesagt hast, den Piper, so Alaze. Die zielen halt vielleicht eher auf einen Kunden ab, der wirklich gerne sehr viel Zeit in die Herstellung vom Fotobuch steckt, der wirklich jedes Detail ganz genau so einrichten will, wie er sich das eben vorstellt. Das sind vielleicht auch kreativere Leute oder vielleicht sogar Fotografen teilweise. Und da haben wir unsere Chance gesehen, dass wir der Player sein können für ein Marktsegment, das vielleicht noch gar kein Fotobuch erstellt hat, oder das einmal probiert hat, aber dann war es einfach zu mühsam und sie haben dann aufgeben. Und das waren eigentlich die, die wir am Anfang adressiert haben. Und auch hauptsächlich jetzt immer noch adressieren. Es waren Leute, die innerhalb von ein paar Minuten ein richtig schönes Fotobuch haben wollten, ohne jetzt Designer und super kreativ zu sein, aber wo der Output trotzdem so ausschaut, als hätte es ein Designer gemacht. Und insofern haben wir bis jetzt eigentlich ohne Probleme gut wachsen können.
SPEAKER_00Und das ist sehr erfolgreich seit, wenn ich das richtig, recherchiert habe, seit 2018 profitabel. Und das muss man jetzt dazu sagen, ich glaube aktuell sind alle Startups dabei, irgendwie profitabel zu werden, weil halt auch irgendwie die Finanzierungslage gerade so ausschaut. Damals war das aber nicht so. Damals glaube ich, gab es viele VCs, die gesagt haben, wenn man profitabel ist, Startup ist es eigentlich ein.
SPEAKER_01Machst du was vorzeichnen? Ja, genau.
SPEAKER_00Genau, weil da wächst man eigentlich nicht schnell genug. Wie ist es dazu gekommen, dass ihr so früh diesen geschafft habt, aber auch, wie seid ihr damit umgegangen, dass manche Leute gesagt haben, das ist eigentlich der falsche Weg.
SPEAKER_01Ja. Ja, spannendes Thema. Das war durchaus, so wie du sagst, oft ein Kritikpunkt, so quasi, ja, will man das denn eigentlich und kann man nicht mehr investieren. Unser Space hat schöne Margen und was wir mit unserem Produkt geschafft haben, ist, es funktioniert fast ein bisschen wie eine Subscription. Also es ist kein Subscription-Modell. Aber durch das, dass wir so viel Zeit und Liebe in die Produktentwicklung gesteckt haben und die Kunden wirklich überzeugt sind, sowohl wie einfach es ist, in der App zu benutzen, als auch vom finalen physikalischen Produkt, bestellen sie immer wieder. Und sie bestellen im Jahr im Durchschnitt über zweimal. Und das ist das, wo für uns relativ schnell dann herausgekommen ist, dass wir profitabel werden können. Und als wir es dann waren, haben wir natürlich immer noch geschaut, okay, wie können wir schneller wachsen, welche Kanäle können wir online investieren für die User Acquisition und so weiter. Und wir haben da auch nicht zurückgehalten. Wir haben immer das maximale Wachstum probiert, das funktioniert hat. Nur haben wir so optimieren können, dass die Kosten relativ schnell wieder abgedeckt worden und zurückgekommen sind. Und deshalb sind wir seit 2018 profitabel und genießen es sehr, weil mit dem, was wir uns da wirtschaften, haben wir bis jetzt auch unsere ganzen risikoreicheren Projekte einfach jetzt selbst finanziert und dadurch natürlich auch viel weniger Shares hergeben. Und trotzdem aber nie Probleme gehabt, eben so etwas wie jetzt, zum Beispiel, wir sind in die USA gegangen, das war auch sehr kapitalintensiv. Oder wir haben eben viel in Hightech-Projekte gesteckt oder AI, Machine Learning, Research in die Bereiche. Das sind jetzt alles keine Projekte, die sich sofort rendieren, aber wir haben es geschafft, das einfach selbst zu finanzieren. Und es hat durchaus so Jahre oder Monate oder Jahre gegeben, wo dann von den Investoren schon einmal hinterfragt wurden, ist, ja, aber kann man nicht schneller wachsen oder kann man nicht mehr ausgeben, sollen wir nicht doch noch Geld aufstellen? Und eigentlich bin ich recht froh, dass auch wir drei Gründer, wir waren da immer vielleicht ein bisschen zurückhaltender. Wir wollten immer gerne ein effizientes Unternehmen aufbauen. Und das ist uns, glaube ich, gut gelungen.
SPEAKER_00Jetzt hätte mich interessiert noch, hattest du manchmal das Gefühl, dass das euch erschwert hat, Mitarbeiter zu bekommen oder vielleicht auch ein bisschen weniger Publizit dadurch bekommen habt. Weil das ist natürlich oft auch in so Zeiten, wo das Geld, ich sage jetzt mal, unter Anführungszeichen auf der Straße liegt und jede Woche wird eine neue Rekord-Investmentrunde angekündigt. Und dann macht man still und leise sein Ding und ist dabei profitabel und sehr erfolgreich, aber oft wissen das die Leute gar nicht. Habt ihr damit zu kämpfen, ja?
SPEAKER_01Absolut. Also ich glaube, generell Cherny war jetzt nicht unbedingt eine Company, die jetzt so viele unbedingt gekannt haben. Und so wie du sagst, eben viele andere haben halt große Runden angekündigt und wir haben halt im stillen Kämmerchen profitablen und Umsätze gemacht. Das war natürlich schwer, manchmal Leute zu finden, weil die, die jetzt so richtig beim Hype dabei sein wollten und so zu einem Startup gehen, das immer wieder in der Presse ist, die werden nicht zu uns kommen. Wir haben trotzdem extrem coole Leute gefunden und ein extrem cooles Team aufgebaut. Vielleicht war deshalb, vielleicht sind zu uns alle anderen gekommen, die perfekt zu uns passen. Und ja, vielleicht war das so ein bisschen ein Aussortieren. Aber um ehrlich zu sein, abgesehen jetzt von Developers haben wir eigentlich immer ganz gut heiren können. Und für Entwickler ist es, glaube ich, generell für jeden relativ schwer. Aber auch das haben wir gut hingekriegt.
SPEAKER_00Ich glaube, die, die für den Hype kommen, sind dann halt auch schnell wieder weg und haben. Also es war vielleicht wirklich auch ein guter Weg, Leute zu finden, die wirklich für die richtigen Gründe einsteigen und auch nachhaltig dabei sind. Du hast schon ein bisschen angesprochen, Investoren haben manchmal schon ein bisschen gefragt, wollt ihr nicht aggressiver werden? Wie ist denn das? Weil grundsätzlich ist ja ein Thema, wenn man Investoren mit an Bord holt, dass ja irgendwie die das Geld auch wieder sehen wollen, also dass es irgendwie ein Liquiditätsevent braucht. Wie geht es dir mit dem Thema um? Ist das für euch schon klar, es muss irgendwann mal ein Exit geben oder seid ihr mit euren Investoren da auch Hauptsache darüber gefunden, die sagen, wenn wir regelmäßig Dividende bekommen, sind wir auch happy? Was ist da die Situation?
SPEAKER_01Genau. Ja, also wir stehen jetzt eigentlich an einem Punkt, wo wir derzeit nicht aktiv auf ein Exit hinarbeiten. Die Investoren sind da voll mit an Bord, weil sie sehen, wie wir wachsen. Also die letzten zwei Jahre waren wir immer bei je über 70 Prozent. Das passt gut. Sie war sehr happy. Und wir arbeiten jetzt eigentlich darauf hin, 100 Millionen Umsatzcompany zu werden im First Place. Und vielleicht triggert das ja dann wieder einen potenziellen Exit. Aber das ist jetzt kein Event, auf das wir hinarbeiten, sondern unser Goal ist wirklich, die Firma zu skalieren, den Markt noch auszubauen, gewisse Märkte ein bisschen mehr zu bespielen und vielleicht auch das Produktportfolio auszubauen und einfach dadurch eben auch mehr Umsatz zu generieren und größeren Marktshare einzunehmen. Und das ist gerade extrem motivierend für uns, für das ganze Team. Und ja, da braucht es ja nicht unbedingt immer so diesen Weg hin zum Exit.
SPEAKER_00Jetzt hast du vorher schon einmal kurz das Thema Machine Learning AI angesprochen. Vielleicht kannst du einmal erzählen, was das für eine Rolle bei euch spielt und wie auch eure Produkte durch AI besser geworden sind.
SPEAKER_01Ja, es ist ein Kernthema für uns. Egal ob wir Dinge durch Hochtechnologie, also Machine Learning oder Artificial Intelligence lösen oder durch extrem einfache UX. Wir investieren extrem viel in Technologie, auch in Research, wir haben verschiedenste Projekte schon gehabt, Duplicate, Detection oder wie ästhetisch ist ein Foto. Solche Bereiche, da schauen wir uns extrem viel an. Und es ist einfach ein Kernthema für uns, weil wir glauben, dass in Zukunft der Hauptträger oder der Haupterzeuger von einem Printprodukt wird Technologie sein. Und je früher man da beginnt und mit dabei ist, und für uns war das ja schon immer ein Grundpfeiler vom Unternehmen, desto größer kann man vielleicht dann später mitmischen. Insofern sehen wir das einfach als extremes Kernthema in dem Bereich und investieren da auch extrem viel.
SPEAKER_00Was mich da jetzt interessiert, weil ein großes Thema bei künstlicher Intelligenz ist ja auch irgendwie Copyright und wie wird das auch, sag ich mal, das Künstlerische in unserer Welt verändern. Jetzt aus deiner ganz persönlichen Perspektive auch als Designerin. Ich hätte ganz am Anfang, du hast angesprochen, jetzt von Algorithmen gebaut, wie schaut ein schönes Fotobuch aus? Ich kann mir vorstellen, dass da am Anfang noch sehr viel Gestaltungsraum auch von dir persönlich drin war. Also jedes Buch war irgendwie basierend auch auf deinen Principles und sage ich einmal so auch auf deinen Designüberzeugungen. Und hast du das Gefühl, dass durch künstliche Intelligenz du jetzt, dass da weniger DNA von dir drinsteckt oder hast du das Gefühl, dass du der künstlichen Intelligenz auch etwas mitgeben kannst, dass das trotzdem da drin steckt?
SPEAKER_01Soll ich coole Frage. Genau, so wie du sagst, also wo wir begonnen haben, ist es viel um Regeln gegangen. Also das ist nichts anderes, als wie wenn jetzt ein Grafiker ein Magazin oder ein Buch setzt, der verfolgt ja auch im Endeffekt gewisse Designregeln. Und nichts anderes haben wir gemacht, als quasi solche Designregeln unserer Sisi beizubringen. Und insofern die ersten oder die Layout-Eck-Pfeiler, auf denen unser Layout aufgebaut wurde, sind sicher vollkommen von mir inspiriert. Aber das würde ich jetzt sagen, ist kein persönliches Design, sondern das sind einfach so typische Design-Principles, die wir versucht haben, da umzusetzen, mit gewissen Grid Layouts oder Whitespace und Balance und Symmetrie, genau, solche Regeln. Und das Spannende ist ja jetzt eigentlich, dass wir in die Richtung gehen, dass wir dann das persönliche Design ja lernen können. Sprich, wenn du bei uns ein Buch machst und wir merken, okay, auf den ersten paar Seiten veränderst du vielleicht gewisse Layouts. Und wir lernen dann vielleicht, okay, der Markus, der mag das, wenn sein Datum oder seine Titel immer oben zentriert sind und er mag es lieber, wenn ein bisschen mehr Whitespace vielleicht auf der Seite ist und die Bilder alle schön nebeneinander sind und achtet vielleicht auf Symmetrie. Und das ist jetzt so der nächste Schritt, den wir gehen wollen, dass wir richtig personalisiert lernen und wir dann dein Buch zur Verfügung stellen. Und deine Design-DNA quasi in dein Buch reinbringen.
SPEAKER_00Spannend. Jetzt klingt das, wenn man sich das so anhört, nach einer, ja, nach dass das einfach eine einzige Erfolgsstory war. Ja, also einfach zur Profitabilität und so. Jetzt einfach die Startup-Realität kennen, kann ich mir vorstellen, dass es auch bei euch natürlich eine Achterbahnfahrt war und schon auch viele Höhen und Tiefen gegeben hat. Vielleicht kannst du da ein bisschen erzählen, was waren denn so Punkte, wo du daran gezweifelt hast, dass das was wir.
SPEAKER_01Da waren viele. Ja, ich glaube, wir haben so die super dramatische Rollercoaster-Story hingelegt. Von eben beginnen, große Idee, Angels finden, dann drauf kommen, dass vielleicht die Kunden das Produkt gar nicht unbedingt so wollen, aber eigentlich wollen wir ein anderes Produkt. Dann den Angels davon Bescheid geben, so quasi, hey, ihr habt es gerade investiert, aber eigentlich wollen wir jetzt ein anderes Produkt bauen. Das war so der erste Schock, aber die sind Gott sei Dank voll motiviert mit dabei geblieben. Dann USA, dann ist uns das Geld ausgegangen, dann wirklich dieses Einjahr Pause. Alle drei Mitarbeiter haben wir kündigen müssen. Es war extrem hart. Das war sicher die schwierigste Zeit, weil da war auch für mich so die Frage, ist das jetzt eine Pause oder ist es einfach aus? Du warst das jetzt? Weil das waren doch schon drei Jahre, drei bis vier Jahre, wo wir schon da eben Zeit und Liebe einfach reingesteckt haben und ja, persönliches Geld. Und da dann das Team gehen zu lassen und selber sich wieder für einen Job zu bewerben. Das war extrem hart damals. Und da muss man auch sagen, ist das Glück auch, dass man noch seine Co-Founder hat, weil bei uns war es immer der Andi, der positiv geblieben ist und alle motiviert hat. Und dann haben wir uns hin und wieder getroffen und haben darüber geredet, ob wir den nicht wieder weitermachen sollen. Und er hat uns immer wirklich zusammengehalten und motiviert. Und ja, dann eben für AWS beworben. Da war dann auch kurz unsicher, kriegen wir das, kriegen wir das nicht. Das war also wieder so ein nächster Zipperpunkt. Ja, und dann war eigentlich das Schwierigste, okay, wir haben jetzt wieder Geld gekriegt, du hast wieder Runway für eine gewisse Zeit, kriegst du jetzt die BS auf den Boden und kannst du irgendwas umsetzen, um wirklich schon Revenue zu generieren und wieder die nächste Investitionsrunde aufzustellen. Und das war für uns die Zeit, wo wir eben den Algorithmus gebaut haben, das Fotobuch gelauncht haben. Und dann haben wir gedacht, das wird jetzt alles verändern, weil die Leute können dann ja Fotobücher bestellen und das wird einfach super und das wird dann funktionieren. Ja, das hat auch nicht funktioniert. Und es war dann tatsächlich so, dass viele der Kunden zwar natürlich Fotobücher bestellt haben, aber wir haben einfach nur nicht so eine Masse an Kunden gehabt, die wir hätten über Marketing einkaufen können und konvertieren können zum Buch. Und da war unser Hauptproblem wirklich das Geschäftsmodell von, wir waren eine Reiseblogging-Plattform, also Journey Blog, wo du wirklich zuerst ja eigentlich auf Urlaub gehst und über die Reise schreibst und deine Fotos hochlädst und dann kommst du irgendwann zurück und dann bestellst du vielleicht ein Buch. Und das war für uns das Hauptproblem, warum Marketing bei uns nie ganz aufgegangen ist. Weil der Zyklus vom eben die App schalten bis hin zum Konvertieren und das tatsächliche Produkt kaufen war einfach viel zu lang. Und insofern hat das auch noch nicht für uns den erfolgreichen Aufwärtstrend bedeutet. Und ich kann mich noch gut erinnern, wir fahren jedes Jahr mit dem Team auf einen Teamretreat, setzen uns dann auch immer zusammen und machen so Reflections, wie kann es weitergehen, was sind die nächsten Schritte. Und damals, das war 2017, waren wir in Mallorca und haben uns überlegt, okay, was können wir jetzt als nächstes machen, das mit dem Fotobuch, das ist cool und die Leute lieben das, aber wie kann man es vermarkten und wie kann man auch die User Acquisition wirklich funktionierend hinbekommen? Und ja, da waren wir noch relativ ratlos, was der nächste Schritt wirklich sein kann. Es hat viele Ideen gegeben, aber nichts jetzt komplett Konkretes, wo man sagt, nein, das probieren wir uns, das wird fix funktionieren. Und dann waren wir auf einer Konferenz in Barcelona, der Andi und ich, und haben wieder mit verschiedensten Leuten dort gesprochen und unsere Produkte vorgestellt und unsere App. Und eigentlich ist uns da erst dann so richtig aufgefallen, wie begeistert alle von dem Print-Teil von unserer Lösung waren. Und der ganze Blogging-Teil, der ja quasi davor war, das hat nicht alles so ganz überzeugt. Und das wollte da vielleicht nicht jeder machen. Aber diesen Use Case mit, man hat einen Haufen Fotos und mit einem Klick kann man daraus ein Fotobuch machen, das war eigentlich das, wo alle so extrem begeistert waren. Und ich weiß noch, wir waren dann, wir haben gesagt, okay, naja, jetzt gehen wir da hinten hin auf einen Tisch und dann machen wir nochmal Brainstorming und überlegen wir, was könnte man da machen. Und da sind wir dann mit der Idee aufgekommen, warum machen wir denn nicht nur aus dem Print-Teil eine eigene App? Und so ist dann schon eine Print entstanden. Und das war dann unser großer Durchbruch.
SPEAKER_00Das war dann auch wahrscheinlich besser zu vermarkten, weil Leute dann halt auch bestehende Fotos nehmen konnten, schätze ich, oder?
SPEAKER_01Absolut, genau. Wir haben die gleiche Technologie zum Großteil benutzen können, weil der große Unterschied war, dass eben dein Fotobuch dann eben vielleicht keine Texte zuerst gehabt hat. Also du kannst natürlich welche hinzufügen, aber. Bei Cerny Blog hat es halt eben schon Texte gegeben und Fotos. Insofern ist es natürlich ein cooles Fotobuch am Ende. Aber bei Jenny Print haben wir trotzdem die Technologie benutzen können, zum Beispiel Metadaten aus den Fotos auszulesen und automatisch Landkarten zu generieren. Also all diese Sachen, die wir technologisch schon für Genny Blog umgesetzt gehabt haben, haben wir Gott sei Dank eben in der Jenny Print App auch eins zu eins so einbauen können. Und das war das, was die Leute einfach überzeugt hat. Und so hat dann eben auch das Marketing Gott sei Dank funktioniert.
SPEAKER_00Okay, aber das heißt, ihr habt mittlerweile eigentlich einen sehr guten Blick über was kostet euch ein neuer User, was bringt auch ein User euch vielleicht vom Lifetime Value, also so ein bisschen diese einfache Rechnung User Economics. Die könnt ihr mittlerweile ganz gut machen. Was ist denn, wenn du jetzt so in die Zukunft schaust, was siehst du noch als größte Herausforderung für euch?
SPEAKER_01Also jetzt sind wir wirklich so in einer typischen Scale-Up-Phase, wo wir lernen müssen, auf welchem Markt ist was wichtig, brauchen wir spezielle Physical Products auf gewissen Märkten, wie muss das Marketing in gewissen Märkten anders sein? Gibt es verschiedene Defaults in gewissen Ländern? Das sind jetzt so die Feinheiten, an denen wir gerade arbeiten. Und ja, das Produkt einfach weiter noch einfacher, noch schneller und vielleicht aber trotzdem auch für den einen oder anderen auch noch mehr Personalization anbieten. Das sind jetzt so die coolen Challenges, die gerade vor uns liegen.
SPEAKER_00Vielleicht letzte Frage, bevor wir uns zu unserem Speedround kommen. Weil du jetzt gerade auch angesprochen hast, unterschiedliche Märkte, unterschiedliche Kunden auch oder User auch. Wie war denn generell das Thema Märkte von Anfang an von euch? Weil ihr wart ja, nein, ihr wart nicht nur ein digitales Produkt, aber schon die Acquisition war wahrscheinlich digital. Wart ihr von Anfang an ganz Europa oder global sogar oder wie seid ihr da vorgegangen?
SPEAKER_01Genau, also unser Produzent ist, oder unser erster Produzent, mittlerweile haben wir ja sechs, war ist in Bayern, in Deutschland und von dort aus haben wir durch sein Netzwerk eigentlich von Anfang an schon global verschicken können. Macht es viel Sinn? Ja oder nein? Das war damals unsere einzige Option. Und wir haben mittlerweile eben je nach Größe vom Markt, sobald es wirklich Sinn gemacht hat, sobald wir optimieren haben können, Nachhaltigkeit ist uns auch extrem wichtig. Also sobald man einfach was Gutes machen kann, indem man Wege optimiert, Wege verkürzt und eine Vor-Ort-Produktion einfach machen kann, dann haben wir das gemacht. Wir haben jetzt zwei Produzenten in den USA, wir produzieren in England, in Australien und mit zwei Produzenten in Deutschland. Und wir haben sehr lokal im Marketing begonnen. Also wir waren sehr fokussiert auf Dach. Und das ist nach wie vor unser größter Markt. Aber wir haben dann Schritt für Schritt eigentlich so Fokusmärkte immer wieder dazugenommen und mit einzelnen Projekten eben ausprobiert, wie können wir die USA groß machen, wie können wir Frankreich groß machen, was können wir in Italien noch machen. Also wir haben uns die Märkte immer angeschaut. Natürlich war man schon verfügbar. Aber in ein Land einfach nur verfügbar zu sein und eben von dort auch bestellen zu können, wäre es wirklich gezieltes Marketing in dem Bereich zu machen. Das sind dann auch wieder eben zwar ein paar Schuhe und da haben wir, glaube ich, sehr viel dazu gelernt über die letzten Jahre.
SPEAKER_00Cool. Sehr, sehr coole Story. Wenn du jetzt so zurückschaust auf die letzten zehn Jahre, was ist dein größtes Learning?
SPEAKER_01You know it's best. It's your startup. Und das geht so ein bisschen zurück auf die Journey Print App, weil eigentlich alle Investoren und Freunde uns davon abgeraten haben, eine zweite App zu launchen. Und deshalb ist das mein größtes Lernen.
SPEAKER_00Und was ist dein bester Lifehack?
SPEAKER_01Dass man nicht auf Dinge wartet, sondern einfach einmal macht. Einfach umsetzen.
SPEAKER_00Hast du eine Buchempfehlung für uns?
SPEAKER_01Ja, und zwar Good to Great und Jim Collins.
SPEAKER_00Sehr gut. Und hast du ein Lieblingsprodukt?
SPEAKER_01Ja, das ist so ziemlich die härteste Frage, die man, glaube ich, am Vordermanager stellen kann. Auch gesehen von unseren extrem coolen Physical Products und unseren Apps, wenn ich ein anderes Produkt auswählen muss, habe ich echt viel überlegt. Nehme ich jetzt eine App oder nehme ich ein Physical Product und am Ende würde ich sagen, ist es vielleicht einfach mein Gravel Bike. Ich habe letztes Jahr angefangen, mehr Rad zu fahren und das hat viel verändert und deshalb ja ein kurzes Produkt, mein neues Bike.
SPEAKER_00Du, und wenn bist du übrigens in bester Gesellschaft, ist auffallend. Viele Startupper haben eine besondere Beziehung zu ihren Rädern. Aber jetzt stelle dir vor, du wachst einmal auf und möchtest eine Radtour machen. Das Wetter ist wunderschön und du kommst dorthin, wo du deinen Rad erwartest und irgendjemand hat das gestohlen. Was ist dann dein Lieblingsschirmwort?
SPEAKER_01Fuck. Ja, absolut. Ich will zu offen.
SPEAKER_00Auch da bist du in bester Gesellschaft mit einem herzhaften Fuck. Kommen wir zu unserer letzten Rubrik. Und das sind natürlich Moonshots und Prediction. Wir brauchen von dir, liebe Bianca, einen Moonshot für die Zukunft. Eine große Vision frei nach JFK. Etwas, das dadurch, dass du es aussprichst, ein bisschen realer wird. Und andererseits eine Prediction, eine ganz nüchterne Vorhersage für die nächsten fünf bis zehn Jahre.
SPEAKER_01Ja, ich werde es eigentlich mit der Prediction starten. Wir haben es schon teilweise ein bisschen im Gespräch gehabt, aber einfach dieser Fact, dass viele Produkte, also nicht nur Fotobücher, sondern auch viele andere Produkte, jetzt schon und vor allem über die nächsten Jahre einfach hauptsächlich von Technologie erstellt werden, meiner Meinung nach. Und für den Nutzer einfach nicht mehr so viel Aufwand sind. Weil Technologie soll einfach als Hilfe gesehen werden und auch als Hilfe eingesetzt werden. Und ja, es spielt für uns natürlich auch eine Riesenrolle und eine wichtige Rolle, dass wir da einfach in so automatische Lösungen investieren und dem Nutzer eigentlich dadurch Arbeit und Zeit abnehmen. Die Zeit, die sie einfach auch vielleicht schöner oder in andere Dinge investieren und nutzen können. Und ja, das wäre für mich so die nüchterne Prediction, die glaube ich eh relativ klar auf der Hand liegt. Und der Moonshot wäre für mich, da habe ich auch ein bisschen drüber nachgedacht, was mir auch persönlich ein bisschen am Herzen liegt, dass einfach durch die Hilfe der Technologie wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge bleibt. Weil ich manchmal eigentlich relativ mit traurigem Blick auf das jetzige Geschehen schau und die Kids ständig am Smartphone und Virtual Reality und so weiter. Es fehlt so ein bisschen, dass sich die Gesellschaft einfach wieder in eine Richtung entwickelt, wo das Miteinander mehr wert ist und ja, wo man sich auf das Wichtige besinnt, einfach Zeit miteinander verbringt. Man hat es während Wohner eigentlich schön gesehen, wie spannend da der Umschwung war, wieder hinzu, hey, telefonieren wir doch einmal. Oder es wäre doch so schön, wenn wir es wieder mal treffen könnten. Und das wäre für mich der Moonshot, dass man es schafft, dass Technologie wieder mehr zu einem Hilfsmittel wird, Mittel zum Zweck und dass Technologiefirmen immer darauf pushen, den Kunden so lange wie möglich auf ihrer Plattform zu behalten, stundenlang auf YouTube und Instagram zu verbringen, sondern einfach Momente zu erleben, an die man sich am Ende auch wirklich gerne erinnern möchte, die man vielleicht ausdrucken will oder sich mit Janny dann nochmal in Gedanken ruft. Das ist auch so das, wo wir so ein bisschen unsere Mission sehen, unsere Vision. Im Endeffekt, dass wir, dass Leute bei uns ihre Momente wiedererleben können. Ganz einfach in Form von Geschichten.
SPEAKER_00Das sind wunderschöne Schlussworte. Liebe Bianca, vielen Dank fürs Vorbeischauen, fürs Teilen von einer bemerkenswerten Erfolgsstory. Vielen Dank auch an euch da draußen fürs Dabeisein. Wir hören uns wieder am Donnerstag mit einer neuen News-Episode und wünschen euch bis dahin einen großartigen Start in die Woche.