Karmel-Impulse
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Edith Stein: Inspiration für Leben und Bildung in unserer Zeit - Dr. Cordula Haderlein
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Bildung und Entfaltung der Individualität - Edith Steins Pädagogik „Edith Stein: Inspiration für Leben und Bildung in unserer Zeit“ Referentin: Dr. Cordula Haderlein (Schulamtsdirektorin Forchheim, Bayern) Dr. Haderlein zeigt auf, welche Impulse Edith Steins Biographie und ihr Bildungsverständnis für die aktuellen Herausforderungen in Schule und Gesellschaft bereithalten.
Dr. Cordula Haderlein (Forchheim / Bayern), Lehrerin an Mittelschulen (Bayern), Promotion über die Pädagogik Edith Steins, 2009 Schulleitung einer großen Grund- und Mittelschule (Forchheim). Seit 2017 ist sie am Staatlichen Schulamt im Landkreis Forchheim tätig, seit 2019 als Fachliche Leitung.
Vortrag am 6. März 2026.
Referentin: Dr. Cordula Haderlein (Forchheim / Bayern)
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Das Denken von Edith Stein kann auch heute unser Leben inspirieren. Und ganz besonders dann, wenn wir, wie wahrscheinlich viele von Ihnen, überlegen, wie Bildung gestaltet sein sollte. Das Werk Edith Steins ist ja inzwischen vollständig ediert und umfasst 28 Bände. Für unser Thema heute sind vor allem Ihre bierathischen und philosophischen Schriften von Bedeutung, sowie die Texte, die in vier Bänden unter dem Titel Schriften zur Anthropologie und Pädagogik zusammengefasst sind. Ich werde jetzt nicht so sehr auf Ihr Leben eingehen, weil ich einfach davon ausgehe, dass Sie alle mit Edith Steins Leben befasst waren oder sind, beziehungsweise vielleicht kriegen Sie dann Lust, sich im Nachgang damit zu beschäftigen. Die Zeit ist einfach bemessen und da haben wir jetzt heute den anderen Schwerpunkt. Wenn Ihnen Edith Stein bekannt ist, dann ist Ihnen bekannt, dass Edith Stein ein Mensch war, der alles sehr grundsätzlich anging. And auch die Frage der Bildung geht sie grundsätzlich an, als sie beruflich damit befasst war. In a brief on your freundin and Taufpatin, Hedwig Konrad Martius, in February 1933, was Pädagogik eigentlich ist? This zunächst überraschend. Doch nach der ersten Verblüffung ist deutlich, es gibt keine einfache and schnelle Antwort auf diese Frage. Edith Stein selbst schreibt weiter: Man kann keine Klarheit darüber bekommen, wenn man nicht Klarheit in allen Prinzipien Fragen hat. Du, Klarheit in grundlegenden Fragen ist also sowohl für die wissenschaftliche Grundlegung der Pädagogik als auch für das alltägliche pädagogische Handeln notwendig, auch wenn wir in unserem pädagogischen Alltag manchmal die Zeit dafür vermissen. Ja, und so selbstverständlich diese Aussage klingt, gerade diese Klarheit in Prinzipienfragen steht heute auch nicht im Mittelpunkt der europäischen Bildungsdiskussion. Stattdessen stehen häufig Leistungsmessung und Effizienz im Fokus des öffentlichen Internets. Und das mag durchaus sinnvoll erscheinen, wenn wir überlegen, wofür wir die jungen Leute bilden und wie die Anschlüsse ausschauen sollen und die Abschlüsse, aber leicht gerät aus dem Blick, dass Bildung mehr ist als sich messen lässt, viel mehr als sich messen lässt. Und wichtige Aspekte von Bildung werden so übersehen. Wir möchten Sie deshalb heute Abend und auch im Verlauf dieses Wochenendes auf eine kleine Reise mitnehmen. Eine Reise zu den bildungosophischen Gedanken Edith Steins. Diese Gedanken sind fernab von jeder Rezeptpädagogik, die uns das Leben vielleicht manchmal erleichtern könnte. Aber diese Gedanken führen uns genau zu dem, was Kinder schon immer brauchten und was auch Kinder im 21. Jahrhundert brauchen. Edith Stein konnte ihren Anspruch, eine vollständige Grundlegung der Pädagogik zu entwickeln, nicht mehr verwirklichen, das wissen wir alle. Dennoch ist es möglich, aus ihren erkenntnistheoretischen und anthropologischen Schriften sowie aus ihren pädagogischen Stellungnahmen die leidenden Motive ihrer Bildungsidee herauszuarbeiten. Diese Motive sind Individualität, Freiheit und Verantwortung. Um diese drei Begriffe wird es heute in meinem Vortrag gehen. Und wie sich die Gedanken konkret in die Praxis umsetzen lassen, das wird morgen auf dem Programm stehen. Individualität, Freiheit und Verantwortung als Logos, als Grundlage der Bildung. Eine pädagogische Anthropologie, mit der wir ja auch häufig beschäftigt sind als Pädagoginnen und Pädagogen, beschreibt, was der Mensch ist. Sie sagt aber nicht, was der Mensch sein soll. Für Stein ist der Glaube die wichtigste Quelle über das Wissen, über den Menschen. Der Glaube sagt uns, was wir über den Menschen, sein Ziel und Weg zu seinem Ziel wissen können. Dabei stehen Steins theologische Überlegungen grundsätzlich in Übereinstimmung mit ihren phänomenologischen Einsichten. Lediglich in Fragen der Geschlechteranthropologie stützt sie sich ausschließlich auf theologische Argumente. Diese lassen sich allerdings, so meine ich, durch neuere Forschungsergebnisse bestätigen. Welche Konsequenzen ergeben sich nun aus Steins anthropologischen Überlegungen? In ihrem Werk Aufbau der menschlichen Person schreibt sie hinter allem Tun des Menschen ein Logos, der ist überlegen Sie das für Tun, ein Leitmotiv, das Sie in ihrem Leben haben, das sie in ihrem Leben bewegt, das Sie erkennen vielleicht in ihrem Leben. Dieser Logos, der sich für Stein in der philosophisch-theologischen Anthropologie gründet, hat für Stein eine doppelte Bedeutung. Zum einen bezeichnet er die objektive Ordnung des Seienden, in der auch das menschliche Tun eingefügt ist. Und zum anderen meint er eine im Menschen lebendige Auffassung dieser Ordnung, also wirklich lebendig, nicht nur als theoretisches Konstrukt, die es ihm ermöglicht, dieser Praxis, dieser Ordnung, also sinngemäß, zu handeln. Für Steins Bildungsidee ist die Grundlage. Und der zeigt sich eben in den bereits erwähnten drei Begriffen, Individualität, Freiheit und Verantwortung. Dabei gehört es für Stein im scholastischen Denken zum Bildungsprozess, dass eine Materie eine Form annimmt, die sich zum Abbild eines Urbilds macht. Bildung wird also verstanden als Verwirklichung einer bereits angelegten Form. Der Ausgangspunkt dieser Entwicklung ist die Person selbst. Der Logos, Individualität, Freiheit und Verantwortung wird daher sowohl für die Ziele der Bildung als auch für die Gestaltungsmöglichkeiten maßgeblich. Kommen wir zum philosophischen Ausgangspunkt von Edith Stein, das Ich, als Grundlage von Selbstgestaltung und Weltgestaltung. Nach Edith Stein besitzt jeder Mensch, wie jedes Lebewesen, einen inneren Kern, der seinen leiblichen Entwicklungsprozess steuert. Dieser Kern liegt der Nun zugrunde, entwickelt sich jedoch nicht selbst. Im Unterschied zu Pflanzen und Tieren haben beim Menschen jedoch Leib und Seele personale Gestalt. Das bedeutet, im Menschen wohnt ein Ich, das sich seiner selbst bewusst ist. Dieses Ich schaut in eine Welt hinaus, ist von Grund auf frei und kann Kraft dieser Freiheit Leib und Seele legen. Der Mensch lebt aus seiner Seele heraus, zugleich formt er durch seine geistige Tätigkeit. Sie können die Präsentation dann gerne bekommen, Sie müssen jetzt nicht fotografieren oder mitschreiben, oder zumindest nicht die Präsentation mitschreiben. Also ein Mensch formt durch seine geistige Tätigkeit sein aktuelles Leben und sein dauerhaft leiblich-seelisches Sein. Doch die Ständigkeit, die der Mensch in einer bestimmten Richtung entfaltet, ist ihm zugleichgegeben. Jede Handlung ist eine Anregung, eine Antwort auf eine Anregung und ein Ergreifen dessen, was ihm dargeboten wird. Dabei bleibt der Mensch an die körperlichen Möglichkeiten und an die Wesensstruktur Seele gebunden. Das Ich kann so handeln, muss es aber nicht. Der Maßstab hierfür, für das Handeln, ist die Vernunftsgesetzlichkeit. Und sie richtet sich darauf, das als gut erkannte zu verwirklichen. Doch weil die Person frei ist, kann sie die Vernunfgesetzlichkeit nicht nur erkennen, sie kann auch entscheiden, ob und in welchem Maß sie dieser Vernunft folgt. Damit beschreibt Stein drei Komponenten menschlichhandelns. Das Können, begründet im individuellen Menschen, das Wollen, begründet im individuellen Ich, und das Sollen, begründet im individuellen Wertfühlen des Menschen. Für Stein ist das Können eng mit Freiheit verbunden. Freiheit definiert sie als Bewusstsein des Könnens. Freiheit letztlich ist für sie das Bewusstsein, ich kann. Freiheitsbewusstsein und Könnensbewusstsein bedingen einander. Ohne das Wissen und die eigene Freiheit kann Freiheit nicht verwirklicht werden. Ebenso wenig kann sie ohne das Bewusstsein des Könnens verwirklicht werden und die eigenen Möglichkeiten können ohne dieses Bewusstsein auch nicht realisiert werden. Damit dieses Könnensbewusstsein besteht, braucht der Mensch einen Anruf, eine Aufforderung, tätig zu werden. Das, was eine freie Person kann, erfährt sie erst, wenn sie handelt oder wenn eine Forderung an sie herantritt. Damit eine Möglichkeit Wirklichkeit wird, braucht es den Willen. Das Können ist sozusagen auf den Willen angewiesen. Der Willen ist der einzige Bereich der ursprünglichen Anlage, in dem man sich auf beschränkte Möglichkeiten berufen könnte. Indem man sich nicht auf beschränkte Möglichkeiten berufen könnte, laut Stein, denn hier gilt als einziges Ultraposemo obligator. Für seinen Willen trägt der Mensch nach Stein die volle Verantwortung. Wir sehen also den Menschen frei und dass es einen objektiven Maßstab für das Handeln gibt, ein vernünftiges und ein unvernünftiges Wohnen. Und damit ist die Richtstur gegeben, ein Sollen, an dem sich der Mensch orientieren kann. Mit dem Sollen ist Verantwortung verbunden, die Verantwortung, die eigene Freiheit verantwortlich zu gebrauchen, innerhalb der eigenen Möglichkeiten. Die Freiheit des Ichs in Verbindung mit dem Bewusstsein ermöglicht der Person somit grundsätzlich aktive und bewusste Gestaltung, Selbstgestaltung und Gestaltung ihrer Umwelt. Damit der Mensch eine Gestaltungsmöglichkeit als solche überhaupt erkennen kann, muss ein Bewusstsein des Könnens vorhanden sein. Ein Bewusstsein für dieses Können kann nur durch Handlungserfahrungen entstehen. Und gleiches gilt für die Freiheit. Die Freiheit ist nach Stein als Wesensapriori unveränderbar und unabhängig von den äußeren Bedingungen vorhanden. Doch die Freiheit kann nur realisiert werden, wenn auch ein Bewusstsein von ihr vorliegt. Die Freiheit des Menschen geht so weit, dass die Person entscheiden kann, ihre Freiheit als freie Person zu nutzen oder nicht. Sieht in jedem Menschen die Verwirklichung einer göttlichen Idee und doch, selbst in der Beziehung zu Gott, bleibt der Mensch frei. Der Mensch ist keine Marionette in einem göttlichen Welttheater. Er agiert frei und ist verantwortlich dafür. Er ist ein neues Wesen, das Verantwortung für seine Handlungen trägt. Freiheit und Verantwortung sind die beiden zentralen Begriffe in Egensteins Bildungsphilosophie und sie stehen in einem untrennbaren Zusammenhang. Weil der Mensch frei ist, kann und muss er Verantwortung tragen. Und weil er Verantwortung tragen kann, ist er frei. Eine wichtige Voraussetzung für den Gebrauch von Freiheit und Vernunft ist die Reflexionsfähigkeit. Sie ermöglicht es dem Menschen, über sich selbst nachzudenken und seine Möglichkeiten und sein eigenes Verhalten zu beurteilen. Auch diese Entwicklung der Reflexionsfähigkeit ist eine Sache der Freiheit der Person. Edith Stein sagt, es ist Sache der Freiheit, sich selbst zu suchen, in die eigene Tiefe zu steigen und sich als Ganzes zu erfassen. Darum sieht es Stein auch als Schuld der Person, wenn die Seele nicht zum vollen Sein und zur Vollgestalt gelangt. Weil der Mensch sowohl seine Möglichkeiten als auch seine tatsächlichen Handlungen erkennen kann, kann eine mögliche Diskrepanz zwischen den beiden wahrnehmen. Aufgrund seiner Freiheit steht der Mensch sich selbst gegenüber in der Verantwortung, die in ihm angelegten Möglichkeiten, seine Fähigkeiten und sein Wesen zu verwirklichen. Gerade für den Bildungs ist für uns aber wichtig, Freiheit und Verantwortung wachsen stufenweise. Der Mensch verfügt nicht von Anfang an über den vollen Gebrauch seiner Vernunft und seiner Freiheit, vielmehr erwacht die geistige Aktivität schrittweise. Und daraus ergibt sich eine Schule, die sich an Edith Steins Bildungsidee orientiert, unterstützt den Menschen bei der Verwirklichung seiner Freiheit. Wenn sie historisch zurückgehen, das war zu Edith Steins Zeiten, nicht unbedingt selbstverständlich. Reformpädagogik kam auf, aber es gab auch genug Vertreter, die ganz klar gesagt haben, wie sich ein Kind einfügen muss. Diese Schule sollte Gelegenheiten schaffen, die das Können im Handeln erfahrbar machen. Und sie soll die Entwicklung der Reflexionsfähigkeit fördern. Und dabei, Sie denken an die Freiheit, bleibt entscheidend, Bildung kann niemals erzwungen werden. Die Freiheit des Menschen bedeutet, dass es letztlich Sache des Individuums bleibt, ob es dem Ruf zur Bildung hört und ihm folgt. Für uns Pädagoginnen und Pädagogen manchmal ganz schwer auszuhalten. Mit der Freiheit verbindet sich deshalb immer auch Verantwortung. Verantwortung ist für Edith Stein eine zutiefst persönliche Angelegenheit, die nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt werden kann. Wenn wir auf Edith Steins Denken schauen, wird deutlich, Bildung ist für Edith Stein weit mehr als die Vermittlung von Wissen. Bildung bedeutet, den Menschen in seiner Individualität ernst zu nehmen, den Menschen in seiner Freiheit zu stärken und ihn zur Verantwortung zu führen. Edith Stein sieht die Person als einen Menschen, der die Möglichkeiten in sich trägt, eine Person, die frei ist, eine Person, die Verantwortung für ihr Leben übernehmen kann. Darum besteht die Aufgabe von Bildung nicht, einen Menschen zu formen wie ein Material, sondern eher darin, Räume zu öffnen, Möglichkeiten zu schaffen, damit die Menschen entdecken können, wer sie sind und was ihnen angelegt ist. Soweit meine Ausführungen und ich darf nicht weitergeben.