MKN Küchenschnack
Ihr erhaltet einen direkten Blick in die Welt der Profiküche im Podcast "MKN Küchenschnack"
Mit einem Augenzwinkern und einer Prise Humor präsentiert euch Tom nicht nur neue revolutionäre Food-Konzepte, sondern tauchen auch tief in den Alltag und Hintergrund der Profi Küchenhelden ein.
Aber das ist noch längst nicht alles! Ihr dürft euch auf packende Geschichten und spannende Interviews mit coolen Kochgrößen der Branche freuen. Lasst euch von ihren kulinarischen Abenteuern inspirieren und holt euch wertvolle Geheimtipps direkt aus der Meisterküche.
"MKN Küchenschnack" ist der Podcast, der euer Küchenherz höherschlagen lässt. Modern, cool und vollgepackt mit Insiderwissen – ein absolutes Muss für alle Feinschmecker, Kochbegeisterten und Gastronomieprofis da draußen.
Schnallt euch an und genießt die Show!
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MKN Küchenschnack
#166 Jacob Carnott - 🏨 Hotel Ruland im Ahrtal - Wo aus Geschichte Zukunft wird. 📕 🌊 🏗️
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🎙️ Mitten im Ahrtal – Wo Geschichte Zukunft wird
Jakob Carnott hat Gewicht. 🏔️ - und wie. Ein junger Mann den man sich merken.
Im Hotel-Restaurant Ruland in Altenahr – einem Haus mit Geschichte seit 1862 – spricht er über Tradition, Verantwortung und darüber, warum Wiederaufbau nicht bedeutet, alles so zu machen wie früher.
Diese Folge ist anders.
Weniger Fragen. Mehr Zuhören. 🎧
Es geht um ein Familienunternehmen in sechster Generation.
Um eine Küche, die ehrlich bleiben will. 🍽️
Um Gastgeben als Haltung. 🤝
Um die Flut 2021 – nicht dramatisch erzählt, sondern als Teil einer größeren Geschichte. 🌊
Und es geht um etwas, das man nicht bauen kann: Atmosphäre. 🔥
Jakob spricht über sein Ahrtal 🍇
über Politik und Bürokratie 🏗️
über Handwerk und Fachkräfte 👨🍳
und darüber, warum Persönlichkeit am Ende wichtiger ist als jedes Konzept.
Ein Gespräch über Mut.
Über Verlust.
Über Neuanfang. 🌱
Und über ein Haus, das nicht nur wieder aufgebaut wurde –
sondern besser geworden ist.
Wenn Du wissen willst, wie sich echte Gastgeber anhören:
Hier ist Deine Folge. 🎙️✨
Einleitung
TomUnd heute im MKN-Küchenschnack der Jakob Kanot. Normalerweise kommen an dieser Stelle ein paar kurze Ausschnitte von der Folge, die ihr gleich anhören werdet. Heute muss ich das aber ein bisschen anders machen. Wir wisst, war ich für ein paar Tage im Ahrtal und habe dort ein paar Geschichten aufgeschnappt und in Podcast Küchenschnack gefasst. Geschlafen habe ich im Hotel Ruhland in Altena. Und dort durfte ich kennenlernen, die Familie Carnat und habe einen Podcast mit dem Jakob Carnat aufgenommen, was der Juniorchef ist. Und ich habe schon viele Menschen kennenlernen dürfen, ich habe schon viele Personen getroffen. Jakob ist was ganz Besonderes. Ich habe am Ende dieser Folge zu ihm gesagt, Jakob, ich weiß noch nicht, was dich in deinem Leben mal erwarten wird, aber ich bin mir sehr, sehr sicher, dass noch was ganz, ganz Großes kommt. Die Geschichte des Hotel Roland, die Geschichte seiner Eltern, seiner Großeltern und alles, was, ich möchte fast sagen, philosophisch damit ranhängt, wurde von Jakob so erzählt, dass ich fast in dieser Küchenschnack-Folge gar nichts sagen musste. Es war einfach nur inspirierend, es war einfach nur schön, dem jungen Mann zuzuhören. Ich wünsche euch viel Spaß. Genießt diese Folge, die wirklich etwas ganz, ganz Besonderes geworden ist.
NicHier ist der MKN Küchenschnack. Taucht ein in die Welt der Profiküchen mit Tom.
TomDanke, dass du dir die Zeit nimmst. Sehr gern. Und herzlich willkommen im MKN Küchenschnack. Vielen Dank. Wir haben uns bis gestern Nachmittag nicht gekannt. Das ist richtig, noch nie gesehen, noch nie gehört. Und als wir uns dann kurz gesehen haben, hast du mir im Vorbeigehen, du hast einen kleinen Fehler gemacht. Ja. Du hast mir nämlich einen Tipp gegeben und hast gesagt, geh mal auf Google und gib mal ein Akte. Da ist eine Dokumentation da. Und ich muss dir gesehen, ich bin sehr penibel mit der Vorarbeit, andere würden sagen, Stalker. Diese Dokumentation ist mir abhanden gekommen. Ich dachte aber gestern schon, als ich in der Küche drin stand, was hat der Mann für eine Ausdrucksweise? Ich bin nicht der Erste, der das sagt, oder? Nein, ihr sagt man schwätzen kann der Jod. Nee, du hast eine, du hast eine philosophische Art.
Jacob CarnottDas ist. Ja, ich glaube, man denkt über das, was einem um einen herum so passiert, dann doch ein bisschen mehr nach. Und ja, das ist so. Na gerade nach der Flut, da hatten viele andere Sachen im Kopf, als sich mit Fernseh auseinanderzusetzen. Und ich habe mich immer schon für die Geschichte von unserem Haus interessiert. Und mein Opa hat mir da viel berichtet und meine Tante hat das sehr genau recherchiert, unsere alte Bilder, da gehe ich sehr drin auf, so zu sehen, wie war das vor 150 Jahren hier. Und deshalb konnte ich da viel zu erzählen und erzähle auch gerne darüber.
TomJa, und das machst du wie kein anderer. Und deshalb muss ich dir gestehen, du hast die Nacht mit mir verbracht.
Jacob CarnottIch weiß es nicht, ob du das irgendwo hast. Schöne Blockbuster. Nein.
Altennahr
Jacob Carnott
TomIch hatte den Kanot im Bett. Nein, das ist wirklich, ich war sehr gut vorbereitet und ich muss ja sagen, ich habe ja auch die zwei Nächte sehr, sehr gut geschlafen und gestern Abend sehr, sehr gut gegessen. Aber gestern Abend war ich dann froh, als mich meine Bekleidungen dann endlich entlassen haben. Und ich war den ganzen Nachmittag, ich habe dann irgendwie gedacht, du musst das, da gibt es noch eine Geschichte und deshalb freue ich mich umso mehr und bin jetzt natürlich auch dummerweise noch mehr vorbereitet. Mal gucken, ob ich die Prüfung bestehe. Ja, das ist keine Prüfung. Wir sind hier in Altena, du hast es gerade angesprochen, einen der Orte, der vielleicht am schlimmsten von der ganzen Flut mit betroffen worden ist. Wir haben aber von vornherein gesagt, und das habe ich ja bei den anderen Kollegen auch gesagt, wir machen hier keinen Flut-Podcast, aber für uns ist es auch wichtig, dass diese ganze Sache, die da passiert ist, nicht komplett in Vergangenheit, in Vergessenheit gerät. Die ist Teil, leider Teil dieser Geschichte, hat aber auch neue Möglichkeiten eröffnet. Und ich habe ja früher hier meine Laufrunde durch Dorf gemacht. Ich muss sagen, alleine, da ist nicht viel los vor sieben Uhr hier, muss ich gestehen. Und da siehst du schon noch ein paar alte Schätzchen an rechts und links stehen, die zum Nachdenken anregen. Aber wir starten hier natürlich mit diesem wunderschönen Hotel, was wunderschön gelegen ist. Und vielleicht, du bist jetzt die sechste Generation. Und auch noch ein Satz von dir gestern, eigentlich wollte ich gar keinen Koch machen. Ja, genau, ich wollte eigentlich nie Koch werden.
Jacob CarnottHat super funktioniert. Ich habe immer im Service gearbeitet und hatte immer wahnsinnig Spaß daran, so mit den Gästen. Und habe bei Steinheuers in Heppingen dann anfangen dürfen, auch zwei Sterne. Und ich fand diesen klassischen Service ganz toll mit überall Silber und das war so mein Ding. Und dann war ich über zwei Jahre dort und habe für mich da so eine kleine Ausbildung erfahren. Dann habe ich überlegt, was fehlt noch, weil ich immer wusste, dass ich mal Gastronomie machen will und nach Hause kommen möchte. Und dann hat sich das so ergeben, dass ich bei Franz Keller am Kaiserstuhl eine Ausbildung angefangen habe und bin jetzt in dem Land aus Bach und habe sehr viel Spaß in der Küche.
TomJa, aber du hast eine Ausbildung als Koch dann trotzdem genau? Oder auch noch als Körper.
Jacob CarnottNein, ich habe eine ganz normale Lehre als Koch gemacht. Und das mit dem Service, das habe ich halt so von klein auf gelernt. Aber das ist, habe ich nicht, ich würde nie sagen, dass ich gelernter Restaurantfachmann bin, aber ich mache das sehr gerne.
TomAlso es ist ja so, dass 1862 im Prinzip die erste Erwähnung da ist. Das ist korrekt, ja?
Jacob CarnottJa, genau. Also das war ursprünglich, wie das bei vielen Betrieben hier an der A war, ein Betrieb mit Weinbau und etwas dazu. Also wir hatten Weinberge und in der Hauptsache war das hier eine Küferei. Also mein Ur-Ur-Urgroßvater war Küfermeister. Ja, auch schon ganz lange. Die kamen ursprünglich von Andernach.
TomGanz kurz, jetzt musst du natürlich, kannst du dir vorstellen, dass den Podcast auch jemand außerhalb des Aartals anhört. Erklär mal kurz Küfer.
Jacob CarnottDie Küferei sind Fassbinder, die bauen Weinfeste. Und dann hat sich das angeboten, weil das Aartal war im 19. Jahrhundert ein sehr beliebtes Reiseziel. Es gab unfassbar viele Postkartenmotive von hier. Die Romantiker fanden das Ahrtal ein wunderschönes Motiv. Also die meistlithografierteste Postkarte aus Preußen war ein Motiv hier von der Burg Arendal. Das muss man sich mal vorstellen. Und ich habe noch ein Original davon. Ja, die ist von 1840 ungefähr. Und das hat Touristen aus ganz Deutschland angelockt. Also einmal hatten wir diesen Kurort Bad Neuner, wo der belgische König residiert hat, später auch. Und die Belgier bleiben uns bis heute erhalten, sind mit unseren besten Kunden. Ist ja auch naheliegend, man fährt nicht lang. Und das Adel hat einfach eine sehr gute Lage dafür, so touristisch früh sehr attraktiv zu sein. Und so sind wir das Naherholungsgebiet für viele Leute, wie man bei uns hat, aus dem Colopott, aus dem Ruhrpott. Köln-Bonn, das ist so unser Stammklientel. Und diese Gästezimmer, diese ersten sechs Gästezimmer waren eben nur Nebensache. Und so ist das in den letzten fünf Generationen halt gewachsen, dass wir jetzt heute ein Hotel-Restaurant sind, das seit 160 Jahren eigentlich besteht. Hier an diesem, auch nicht in der Form, wie es jetzt ist, ungefähr unbedingt, aber seit 160 Jahren bewirften wir hier Gäste.
TomAber dein Papa, der Andreas, der hat, ich sag mal, Ende der 90er das gemacht. Ja, genau.
Der Opa als bester Gastgeber
Jacob CarnottMeine Großeltern haben den Betrieb oder haben den Betrieb ab 1957 geprägt, da haben meine Großeltern geheiratet. Und meine Oma ist gelernte Köchin auch. Die durfte ich gestern Abend im Restaurant treffen. Die ist auch noch sehr aktiv. Also die sieht sehr schlecht, aber die macht so Kartoffelchen und sowas. Die kann nicht ohne. Ich glaube, wenn die gesund, wenn die besser sehen würde, dann würde die auch noch jeden Tag mit in der Küche stehen. Die hat da einfach Freude dran. Und deshalb empfinde ich das auch nicht so, als klar, die Arbeitszeiten sind schwierig, aber das ist ja auch irgendwo Teil von zu Hause. Wenn ich sehe, meine Oma steht jetzt über 65 Jahre irgendwie hier in der Küche, dann ist das schon eine schöne Sache. Also das ist für die was, was sie am Leben gehalten hat. Und die hat auch die Arbeit nie gescheut. Meine Großeltern haben den Betrieb, wie gesagt, 57, sind die da eingestiegen. Und da war das natürlich ganz anders. Da hat man ein Busgeschäft, Busse noch und nöcher. Meine Oma hat Schweinebraten geschmort, noch und nöcher. In einer Kipradpfanne von 1921, die wir leider verloren haben in der Flut. Die hättest du noch gerne, ne? Das war ein Traum. Da wurden morgens Rührei drin gemacht, abends der Schweinebraten geschmort und alles. Das war das beste Ding. Keine Bedienungsfehler, nicht wie bei anderen Geräten, heute, wo das Touchpad nicht funktioniert. Der Kipper ist eine Katastrophe, sage ich offen und ehrlich. Die Bedienung. Kann mal der Vorstandsvorsitzende. Das ist unkommentiert. Ja, aber da kann der Vorstandsvorsitzende gerne mal vorbeikommen. Das ist unter aller Sau. Nein, und meine Großeltern haben da so für sich einen Weg gefunden, diesen unfassbaren Gästeanstrom der 70er Jahre hier an der A aufzufangen. Also wir hatten da über 200 Sitzplätze und Gästebetten, auch noch mehr als heute. Das war halt eine andere Zeit. Das war wirklich, da hat man neun Monate Geld verdient, hat drei Monate zumachen können. Und da kamen Sonderzüge. Wir sehen ja jetzt hier den Bahnsteig, der war 500 Meter länger und der Zug hat dreimal anhalten müssen, dass alle Waggons aussteigen konnten. Das ist heute. Heute kommt die Bahn gar nicht so pünktlich, dass das klappt. Da kamen die Sonderzüge aus Essen oder sowas und haben hier Leute, die haben hier Massen an Leute abgeladen. Das ist unvorstellbar. Und das ist natürlich Ende der 80er, Anfang der 90er immer schwieriger geworden, weil dieses Klientel nicht mehr herkam. Und meinem Vater ist es dann gelungen, den Betrieb so umzustellen in den letzten 20 Jahren oder 25 Jahren sind es ja jetzt schon, dass wir wirklich Gäste haben, die nicht nur zum Saufen herkommen, wie das so war, muss man sagen. Da waren die Weinfeste in der Zeit, da hat man die Stahlroleiden runtergelassen, weil sonst keine Scheibe mehr drin gewesen wäre. Man hat viel Geld verdient, keine Frage, aber es war sehr schwierig und anstrengend. Und mein Vater hat diesen Betrieb jetzt so umgestellt, dass wir ganz anspruchsvolle Gäste haben, eigentlich auch das, was wir uns hier im Ahrtal wünschen. Leute, die sich mit Genuss auseinandersetzen und weinen. Und das ist auch ein Thema, das geht nur zusammen. Und ich glaube, das haben wir im Haus ganz gut vereint. Und ja, so hat sich der Betrieb entwickelt. Ich meine, mein Vater hat auch viel mitgenommen, das ist ja so eine Sache. Ich bin jetzt auch in Österreich und noch weiter weg von zu Hause als vorher. Aber mein Vater hat die Lehre bei Steigenberger gemacht, war dann in Hamburg und bei Steinheuers auch lange, in Hepping. Da war ich dann ja auch 20 Jahre später. Ist auch ganz lustig. Gibt es da noch eigentlich Geschichten über? Ja, das ist also, mein Vater stand dann auch im schwarzen Anzug da und 20 Jahre später kam ich dahin. Und das ist dann schon irgendwie lustig, dass man von den gleichen Leuten sehr viel lernen kann. Also es ist wirklich, die Zeit bei Steinheuers war für mich sehr prägend. Und obwohl ich da ja nur Aushilfe war, ich war da nebenher. Aber da nehme ich bis heute sehr viel von mit. Und so ist auch hier in dem Betrieb sehr viel eingeflossen von diesen ganzen Eindrücken. Also meine Großeltern haben das so gemacht, wie sie meinten, so aus dem Bauch raus, mein Opa war ein sehr guter Gastgeber. Und auch wenn wir überbucht waren und die Leute 20 Minuten irgendwo hinlaufen mussten, um auf ihr Zimmer zu kommen, hat ihm das keiner übel genommen. Der hat denen schöne Geschichten erzählt und der war so der, der im Restaurant die Honneurs gemacht hat. Das war so der, ich glaube, das ist so, wenn man sich ein Hotelier vorstellt, dann passt ja mein Opa da ganz gut rein. Ich bin echt ein bisschen sprachlos, weil ich könnte ja stundenlang zuhören. Man merkt schon meine Rede an, das ist ganz schlimm. Ich rede immer weiter.
TomNein, nein, ich liebe das. Jetzt hast du gesagt, du hast dich belesen, deine Tante und alles. Wo ziehst du dieses Wissen her? Weil ich meine, du bist ja jetzt nicht Ende 40, sondern du bist ja noch ein junger Kerl. Gibt es da Bücher? Hast du das irgendwie niedergeschrieben? Oder wie dokumentierst du das?
Das Haus hat nicht nur eine Flut erlebt
Jacob CarnottJa, so die Geschichten aus dem Haus raus. Mein Opa hat, wie gesagt, sehr viel erzählt und da haben wir früher immer sehr gerne zugehört. Der war Jahrgang 27, war er auch im Krieg und der hat immer gerne davon erzählt. Wenn man den gefragt hat über die Zeit, da war die schönste Zeit seines Lebens in Kriegsgefangenschaft an der Côte d'Asur. Da lachen wir drüber, aber das war so. Sie können Stammgäste fragen, nach 20 Minuten konnte man die Urnacht stellen, ist dieser Satz gefallen. Und ja, das war so. Meine Großeltern waren 65 Jahre verheiratet und mein Opa sagte immer noch, die schönste Zeit seines Lebens war die Kriegsgefangenschaft. Mit einem zwinkernden Auge, natürlich. Nein, und meine Tante, es ist die Frau vom Bruder meines Opas, der auch schon verstorben ist, aber die ist sehr belesen und sammelt Zeitungsartikel und Bilder und hat das alles, hatte auch einen guten Überblick. Und mir war das immer wichtig zu wissen, woher kommt man und warum sind wir jetzt hier, wo wir sind. Oder ich glaube, dass das auch so einfach ein persönliches Interesse ist. Zu wissen, wie ist dieses Haus hier so entstanden. Und dann habe ich da auch mal mit meiner Tante zusammen diese Geschichte niedergeschrieben, habe oder ich sammle immer noch alte Ansichten. Es ist ja leider nach der Flut vieles weg. Und so in den Wohnzimmern hingen so viele alte Schwarz-Weiß-Bilder. Die sind verschwunden. Und das ist sehr schade, finde ich. Also ich glaube, man muss das erhalten, diese Erinnerung daran. Es ist ja auch so, dieses Haus hat, nicht dieses Haus jetzt in der Form, aber unser Betrieb hat nicht nur ein Hochwasser miterlebt. Und das Bedauerliche ist ja, dass man aus den letzten Ereignissen, das haben wir 2021, so viel zu dem Hochwasser, kann man mal sagen, gesehen, dass man von den letzten Ereignissen überhaupt kein Wissen mehr hatte. So ist unsere Wahrheit.
Tom16 sozusagen.
Jacob CarnottNein, 2016 war ja nur eine kleine Sache, aber wir hatten ja Anfang des 20. Jahrhunderts Hochwassereignisse und 1806. So, und von diesen Ereignissen ist eigentlich in dem Gedächtnis alles verschwunden, meint man. Und die Politik ist in meinen Augen da einer Ringschuld. Das ist nicht nur das, es ist ja auch, wir haben jetzt nicht nur diese Weltlage, die für uns in der Gastronomie schwierig ist. Wir haben ja auch noch ein Hochwasser. Jetzt hier vor unserer Tür ist eine Riesenbaustelle. Wir haben das Haus voll mit Gästen, da muss man erstmal morgen seine Rezeption rechtfertigen. Warum es jetzt nachts auch mal ein bisschen unruhiger war, als Leonard Weiß die Bahnstrecke gebaut hat, haben die 24 Stunden am Stück gearbeitet. Und da ist man natürlich als Hotelbetrieb in großer Erklärungsnot. Und das geht dann nur, und das muss man allen Leuten sagen in Mainz, in Berlin, das geht nur durch den persönlichen Einsatz von uns, morgens zu erklären. Wir bitten wirklich inständig um Nachsicht damit. Anders geht das nicht.
Aktuelles aus dem Ahrtal
TomAlso der Backer fängt um halb sechs Früh an, das kann ich aus Überzeugung sagen. Das stört mich jetzt nicht, weil ich ja auch mit einer gewissen Demut hier durch den Ort gegangen. Was man aber auch sagen muss, was man bei euch sofort liest, ihr gebt den Gästen ja auch eine kostenlose Bahncard, die hier fahren möchten.
Mehrwertsteuer Senkung ist Schwachsinn
Die Realität eines Gastronom I Hoteliers
Jacob CarnottGenau, das ist ja so eine Sache, die die Gemeinde eingeführt hat. Und die Bahn ist wirklich der Pulsgeber. So schnell und wie perfekt diese Bahnstrecke gebaut ist, da kann sich ganz Deutschland eine Scheibe von abschneiden. Das ist wirklich vorbildlich. Jeder Bahnsteig barrierefrei, jeder Bahnsteig so ausgestattet, dass Leute, die nicht mehr sehen können, zurechtkommen. Es ist alles nivelliert, alles gerade. Das ist wirklich eine Blaupause. Und natürlich, das ist jetzt alles mit sehr viel Geld gebaut worden. Das hat über zwei Milliarden Euro gekostet, aber das ist ja eigentlich das, was es sein müsste. Und das ist jetzt, ich meine, wir reden ja über einen Podcast über Gastronomie und ich glaube, es wird vom Gastronomen sehr viel erwartet. Und wenn der Gastronom dann wiederum selber Ansprüche stellt an den Staat oder sonst was, jetzt wird die Mehrwertsteuer gesenkt, das hat unser Branchenverband, die D. Hoga, ja gefordert, halte ich für großen Schwachsinn. Das greift die Probleme nicht an der Wurzel an. Wir haben immer noch hohe Lohnkosten, wir haben immer noch Fachkräfte. Die Antwort auf den Fachkräftemangel ist nicht, wir bilden deutsche Leute aus oder wir versuchen den Schülern, die jetzt sich orientieren müssen, an den Beruf schmackhaft zu machen. Ich habe ja auch Abitur gemacht und habe dann eine Lehre gemacht. Da wurde ich von Lehrern gefragt, bist du dir sicher? Koch? Wie kannst du nur Koch lernen? Wie kann ich Koch lernen? Ich habe ein sehr gutes Abi gemacht. Ich hätte auch besser sein können. Ich habe mehr auf der Baustelle rumgetont. Aber diese Bringschuld, diese Bringschuld, die die Politik uns gegenüber hat, wir müssen uns immer rechtfertigen. Das ist eine ganz furchtbare Sache, weil irgendwann hat nämlich auf diesen wunderschönen Beruf Gastronomie keiner mehr Lust. Und dann sind alle am Meckern, Schnitzel ist teuer, jetzt geht die Mehrwertsteuer runter. Das Einzige, was wir damit erreichen, ist, dass die Gäste sagen, warum werdet ihr nicht günstiger wurden? Die Tagesschau sagt: Ja, das kann ja an den Gast weitergegeben werden. Was ja der Hintergedanke, erstmal den Unternehmen zu helfen, nicht nützt. So, und wir haben so viele Probleme um uns herum und müssen mit so vielen Sachen klarkommen. Wir brauchen Mitarbeiter, mein Vater steht jeden Morgen um 7.30 Uhr hier an der Rezeption. Und dann haben wir eine Arbeitsministerin, die hat nichts besseres zu tun, als zu sagen, Arbeitgeber sind Männer in Maß an Zügen und in bequem Session. Mein Vater hat beide Knie kaputt, braucht eigentlich zwei neue Knie, ich will nicht rumholen. Um Gottes ist ja selber schuld. Aber dieser Einsatz, den man bringen muss, um so ein Erlebnis in der Gastronomie zu schaffen, ist so hoch geworden und das ist so undankbar, das ist wirklich traurig. Und jetzt besteht dieser Betrieb seit 160 Jahren und hat schon viele Probleme überstanden. Der hat nicht nur eine Regierungsform oder eine Staatsform mitgekriegt und das ging immer irgendwie weiter. Und ich weiß ja auch, dass ich irgendwann mal nach Hause kommen will. Und das sind schon Themen, die einen beschäftigen und die werden dann immer so weggewischt von der Politik. Das ist schon sehr bedenklich, finde ich. Weil es wird dann immer, wir kümmern uns darum, Fahrradwege in Peru. Die Bahn haben sie uns jetzt hier hingesetzt. Die Baustelle drumherum geht ja weiter. Und wir sind darauf angewiesen, dass die Gäste damit nachsichtig sind. Wir sind ein Handwerk, da kommen die Leute freiwillig hin. Und diese Freiwilligkeit, die ist auch schnell weg. Jetzt wird, wir haben Geld ausgegeben für Renovierung, für sonst was, das muss ja auch wieder reinkommen. Und wir versuchen am Ball zu bleiben, hier passiert immer wieder was. Wenn hier irgendwo eine Wand ein Fleck hat, dann wird die ganze Wand gestrichen. So, dann wird da nicht irgendwie beigearbeitet, dann wird die ganze Wand gestrichen. Und manchmal hätte, wer es mir liebt, wenn das in der Politik genauso gedacht wurde. Wir haben ein Problem und da wird dann nicht einfach beigespachtelt, da muss die ganze Wand gemacht werden. Wenn ein Loch ein Dach ist, dann mache ich da auch nicht erstmal nur zwei Ziegel, denn am besten kauft man sich dann ein neues Dach. So, es geht halt irgendwann nicht mehr weiter. Wir haben wunderschöne Zimmer jetzt neu bauen dürfen oder können. Nach dem Hochwasser noch eine große Investition wirklich. Plus eine Saunalandschaft? Genau, das war auch so ein Add-on, weil wir gesagt haben, wir müssen uns als Betrieb so einrichten, dass die Leute sagen, drumherum ist alles kaputt und man muss ehrlich sein, das Artteil ist wunderschön, aber es ist gerade schon ziemlich scheiße hier. Das kann man wirklich, das ist einfach so.
TomJa, der touristische Magnet, ähm, Turm, na wir nennen das um. Ja, die Burgang. Die Burg, Burgang, das ist alles wunderschön, aber dafür bleibst du keine Woche mehr, sag ich mal.
Jacob CarnottUnd wir haben auf der einen Seite dieses wunderschöne Tal, das seit 200 Jahren die Leute hierhin holt. Und dann haben wir eine öffentliche Hand, die jetzt anfängt, die Straßen zu sanieren. Und das ganze Aartal ist eine Baustelle. Und diese ganzen negativen Punkte, man kann sagen, das ist noch so schön und die Leute kommen und kommen, aber wir müssen einsehen, dass die Leute, die hier Urlaub machen, ja Geld dafür bezahlen. Und wenn ich irgendwo hinfahren würde, und dann geht morgen so ein 37er der Bug an, da würde ich auch auf Dach steigen. Das sind alles Themen. Die werden vor allem von der Landesregierung, das kann man ruhig verlinken in dem Podcast, weil seit die Frau Dreier weg, ist der Nachfolger, der lässt sich jetzt nicht gerade mit Ruhm bekleckern, was das angeht.
Ministerpräsidenten im Hotel
TomUnd es ist ja nicht so, dass du mit Frau Dreier schon mal unter vier Augen gesprochen hast.
Die Leute wollen keine Roboter im Restaurant
Jacob CarnottDie Frau Dreier war hier. Die hast du ja sogar mal zur Seite genommen gemacht. Die Frau Dreier war hier. Ich habe im Fernsehen einmal schnippig gesagt, sie soll mal herkommen und sich das anschauen. Und einen Tag später hatte ich von der Staatskanzlei eine E-Mail, sie kommen uns besuchen. Und dann kam tatsächlich die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, kam zu uns in den Hof gefahren. Warst du so ein bisschen aufgeregt oder warst du eher vorbereitet? Ich habe dann den Besuch von der Frau. Bis sie dann tatsächlich im Hof stand, gar nicht so richtig realisiert erstmal, dass da jetzt wirklich die Ministerpräsidentin kommt. Und das ist ja auch, ich bin sicher nicht mit allem, was sie macht, einverstanden gewesen, aber das muss man ihr zugute halten. Sie ist persönlich hierher gekommen und hat letztlich für nichts, also der Termin hat ja keinen Mehrwert. Ich habe mal erzählt, was uns hier stört. Sie hat da ja jetzt nichts draus gezogen. Ich glaube auch nicht, dass das gute Presse verursacht hat, alles ihre Besuche hier. Aber sie ist persönlich gekommen. Das muss man ja anrechnen. Das muss man ihr hoch anrechnen. Und ich glaube, das ist auch eine Sache, die geht in der Politik verloren. Wir reden jetzt so viel über Politik, aber es ist halt so, wir sind so abhängig von der Gesamtsituation in unserer Branche, dass man darüber reden muss. Also es ist, wir haben Probleme von Tierschützer ruft an, warum steht Gänsestofffleber auf der Karte im Betrieb, wo ich vorher gearbeitet habe, war das so. Da hat man eine Klage liegen, weil da irgendjemand meint, er muss ein Produkt, das ja offensicht am Markt verfügbar ist und das der Gastwirt anbietet, muss jetzt den Gastwirt verklagen. So, das ist ja bescheuert. Die Leute haben ja völlig die Relation verloren. Und das wird einfach nicht der Ernsthaftigkeit gerecht, mit der wir hier eigentlich Probleme begegnen müssen. Wir haben jetzt ein unfassbar tolles Team hier und mein Vater schafft es auch, immer neue Leute dafür zu gewinnen. Aber ich glaube, das hängt wirklich auch mit der Person zusammen. Also wir sind eine Branche und ich bleibe auch dabei, wir werden nicht durch Roboter ersetzt werden. Gute Gastronomie, da wird niemals ein Servierroboter fahren. Und ich hoffe auch, dass das so bleibt. Oder KI, die Persönlichkeit, wir merken an der Rezeption, die Leute wollen das nicht. Die Leute wollen keine Digitalisierung im Übermaß. Sie wollen Menschlichkeit. Und diese Menschlichkeit ist mit sehr hohem Arbeitseinsatz verbunden und man muss den Leuten vorsichtig beibringen, dass Arbeit Geld kostet. Die Rechtfertigung jetzt mit den Preisen, das ist unter Zimmerpreise, das ist alles. Wir können uns auf jede Diskussion einlassen, aber man muss den Leuten erklären, die Arbeit unserer Mitarbeiter kostet Geld. Und jeder will anständig bezahlt werden. Und diese öffentlichen Aufreger über den Dönerpreis oder sowas, das ist ja, das ist ja einfach unseriös. Also keiner beschwert sich ja auch, dass die Zeitung jetzt mehr kostet als vor 20 Jahren. Oder wenn wir den Preis für den Schnitzel anheben, weil es vom Kalb ist und anständig verarbeitet ist und da steht Fachpersonal in der Küche und Fachpersonal serviert das auch, die auch der deutschen Sprache mächtig sind. Und wir sind ja angewiesen auf Fachkräfte von überall, aber man muss darüber reden, wir brauchen Leute, die miteinander reden können. Und das ist Aufwand, den die Leute nicht gerne bezahlen. Und das ist auch ein Punkt, über den nicht gern besprochen wird, glaube ich.
Unser Wohnzimmer
TomJa, definitiv, definitiv. Und du findest halt, wie gesagt, ich kann da nur sagen, du findest die richtigen Worte dafür. Du versuchst. Gehen wir mal ein bisschen jetzt auf das Hotel an sich ein. Es ist ja so, auch der Auftrag des Küchenschnack ist ja an unserer Sicht so, dass wir hier auch ein bisschen für euch dastehen. Der Küchenschnack wird ja auch gehört von vielen Gästen und anderen Köchinnen und Köchen. Wie würdest du dein Hotel beschreiben aus heutiger Sicht? Was macht ihr heute? Ich meine, ich könnte mir jetzt da wirklich vieles von gestern Abend auch herbeileiten. Wir haben uns um 16.30 Uhr getroffen, wir saßen da und haben das dann auch auf uns zukommen gesehen, wie die Gäste reingekommen sind, welche Art der Gäste hier reingekommen sind. Wie würdest du das Hotel, das Gasthaus im Moment beschreiben?
Jacob CarnottIch glaube, wir sind ein Ort, der Atmosphäre schafft. Und da ist für mich Wein ein großes Thema, für den anderen ist Wein ein zweitrangiges Thema, der nächste, demnächst ist Essen sehr wichtig, oder die Speisen sind sehr wichtig. Dem anderen wiederum ist das Ambiente wichtig und ich glaube, dass wir es oder meine Eltern haben es sehr gut geschafft, einen Raum aufzubauen, der Atmosphäre hat. Und da spielt sehr vieles zusammen. Es fängt an bei Kamin, Feuer, wollte ich gerade sagen. Kaminfeuer, es ist manchmal auch ein bisschen zu warm bei uns im Lokal, das wissen wir, aber mein Vater will unbedingt, dass dieses Feuer brennt.
TomJa, du merkst auch, also als dann kleiner geworden ist, das war wie so ein Urwalk. Da ist erst der Kellner, dann die Kellnerin hin und da musste immer wieder der Block aufgelegt werden.
Jacob CarnottWir haben es, ich glaube, wir schaffen es auch, unseren Mitarbeitern zu vermitteln, dass uns diese Atmosphäre wichtig ist. Das ist uns auch auf den Zimmern wichtig. Klar, wir haben verschiedene Kategorien, aber bei uns im Haus findet, glaube ich, jeder für sich das Richtige. Also wir haben, finde ich, einen guten Mittelweg gefunden zwischen den Leuten, die möchten eine schöne Wildpastete zum Abend essen, die anderen möchten nur einen kleinen Salat haben. Der nächste möchte im Hauptgang einen Ludemer haben, den natürlich das Personal, geschulte Personal auch fachmännisch filetieren kann. Den du früh aus der A geangelt hast. Ja, der Ludemer jetzt nicht unbedingt, aber ja, die Forelle. Forelle, äußern groß, also so eine kleine Forelle, dieser Service, den Leuten, das zu filetieren, dass die Leute das noch können, das ist doch so was Tolles. Und dann gibt es eine gute Flasche Wein dazu, der nächste trinkt einfach nur ein Bier und die Kernbotschaft ist, glaube ich, bei uns, jeder findet etwas für sich und jeder wird glücklich. Also unser Haus ist so aufgestellt gerade im Moment, dass wir einem so breiten Publikum ein breites Angebot machen können. Also wir haben ja einerseits die schönen Zimmer im Brunnenhaus, in den Vier-Sterne-Kategorien sind, die sind sehr großzügig, sehr komfortabel. Dann haben wir auch zweckmäßigere, pragmatischere Zimmer für Leute, die wandern gehen und sagen, am Zimmer schlafen wir nur. Die können dann trotzdem die Sauna nutzen und das reicht ihnen. Und so findet jeder auch für sein Geldbeutel natürlich und für seine Interessen das Richtige. Wie viele Zimmer findet man jetzt vor und wie groß sind die Gasträume? Wir haben 40 Zimmer, also wir haben 80 Betten und Sitzplätze im Restaurant sind ungefähr, wenn es voll wäre, 120. Also wir sind schon auch natürlich hausgastorientiert. Wir bieten den Hausgästen immer ein schönes Menü an. Der Aller-Anteil ist allerdings sehr hoch. Also wir verstehen uns wirklich als klassischen Aller-Betrieb. Jeder kann essen, was er möchte. Selbst mein Vater ist da sehr großzügig. Wenn wir da eine Tafel haben von zwölf Leuten, kann immer noch jeder aussuchen, was er will.
TomAlso ich sag mal, gestern Abend würde ich mal sagen, waren das wahrscheinlich so irgendwas so zwischen 50 und 60 aller Kant, kann das sein? Ist das ein durchschnittlicher Abend und oder Woche?
Jacob CarnottJa, schon. Also im Winter haben wir auch schon mal nur 30, aber wir haben festgestellt, wir haben ja sieben Tage geöffnet. Wenn man das Angebot macht, kommen die Leute auch. Ich glaube, das ist eine ganz wichtige Sache. Wir erleben bei vielen Kollegen, dass sie den Mittagstisch abschaffen, dass das Angebot kleiner wird. Gerade in der Sternegastronomie ist die Wahlmöglichkeit immer geringer. Und uns ist, also ich esse am liebsten aller Karte. Ein Vorspeise, Hauptkant ist ja und dann hat man so drei Dinge, auf die man sich konzentrieren kann. Für andere Leute ist das ja total zweitrangig. Aber diese Wahlmöglichkeit, wenn jetzt hier die Tante Gerthi sitzt und kommt mit ihrer ganzen Familie mit 20 Personen essen, dann kriegen die eine Auswahlkarte. Es ist für die Küche eine Katastrophe, weil da ein Bon kommt, der ist drei Kilometer lang. Aber die Leute gehen, weil sie diese Wahl hatten und das Gefühl haben, sie haben keinen Zwang, einfach, glaube ich, glücklich heraus. Und das ist auch mit den Weinen so. Wir haben eine sehr ausführliche Weinkarte für unseren Betrieb, also es sind ungefähr 400 Positionen, wo wir uns auch viel Mühe geben, immer dabei zu bleiben. Es ist sicher nicht der perfekte Weinservice hier, aber wir versuchen, das Angebot so zu halten, dass derjenige, der einen einfach einen Spätbuch und der von der A haben möchte, glücklich wird. Gleichzeitig haben wir auch durch meine Arbeit bei Franz Keller ein schönes Sortiment französischer Weine oder Weine aus ganz Deutschland, weil wir den Gästen die Wahl lassen möchten. Und so ist das auch mit den Speisezeiten. Sonntags haben wir durchgehende Küche und um 14 Uhr haben wir nochmal das halbe Restaurant voll, weil es so viele Leute gibt, die einfach gerne sonntags so spät essen. Und ich glaube, das ist ein bisschen das Geheimnis hier, dass wir wirklich gerade gut zu tun haben, dass man jeden Tag hier etwas zu essen bekommt.
Der Tag der Flut. Geht es weiter?
TomWar das dann damals, als die Entscheidung getroffen worden ist, zu sagen, wir machen hier weiter? Ich meine, ihr habt ihr bildet ja auch den Ortskern, ihr prägt das Stadtbild, ihr habt hier diesen Biergarten, wo Radler anhalten, wo Wanderer anhalten. War das auch so der Punkt, zu sagen, jetzt auf alle Fälle? Also, ich glaube, das war ja sogar so, dass deine Eltern mit dir gesprochen haben und dass du der ausschlaggebende Punkt war, zu sagen, jetzt machen wir nochmal weiter.
Manchmal muss man sich trennen um etwas neues zu erkennen.
Jacob CarnottJa, das war schon 2021 im Sommer ein Erlebnis, das sehr einschneidend war. Also es gab so verschiedene Perspektiven darauf. Und man steht ja erstmal da vor den Trümmern der Existenz. Und das ist ja auch unser Zuhause. Dann gab es Leute, die gesagt haben, ihr wohnt ja nicht da. Das ist ja, klar, unser Privathaus ist oben am Berg, das war jetzt nicht betroffen, aber das Hotel ist ja trotzdem unser Zuhause. Und das schon sehr lange. Und mein Vater hat sehr damit gehadert, weil er natürlich die Probleme drumherum gesehen hat. Das war ja auch sofort klar. Ja, und das war wirklich schon, das ist, das ist jetzt zu sagen, das ist für den wie so ein Kindchen, aber mein Vater hat das sehr tief getroffen, weil man natürlich gesehen hat, was der was im Betrieb gemacht hat. Und wenn dann da so ein Baumschern das von der anderen Straßenseite beobachten können, wenn dann so ein Baumstamm die Scheibe vom Restaurant durchschlägt und alles schwimmt weg, da bricht man es. Ich habe meinen Vater noch nie weinen sehen, so richtig, aber in dem Moment war das schon so. Und am Tag danach, sich da zu sammeln, das war schon schwierig, weil diese Existenz, ich sag mal so, mein Vater war ja eigentlich fertig. Der hatte diesen Betrieb umgebaut und der stand da und es lief ja. Und dann kommt da so ein Hochwasser und dann ist ja auch erstmal das, was man 25 Jahre aufgebaut hat, weg. Mein Opa war da 1993 und der kam raus und hat gesagt, jetzt tun wir erstmal ein Kärtchen in der Kirche anzünden, betenden Rosenkranz und Ose H. J macht das schon. Der war ein sehr tiefgläubiger Katholik, and der hat als erstes gesagt, we machen das. Hat man nicht ganz Unrecht gehabt? Ja, hat er nicht ganz Unrecht gehabt. Mein Opa war der tiefsten Überzeugung, der ist auch hier im Haus gestorben, der tiefsten Überzeugung, dass alles gut wird. Es wird ja auch. Es dauert ein bisschen länger, aber diese Zuversicht hat uns da auch ein bisschen getragen. Also, das war schon so der Motivator, zu sagen, wir machen jetzt einen, wir haben uns halt hingesetzt mit unserem Architekten, der kam zwei Wochen nach diesem Ereignis hier ins Haus und hat schon Hans-Jürgen Nachtens, mit dem wir schon ganz lange zusammenarbeiten, er hat auch das Brunnenhaus gebaut, hat Papier und Stift mitgebracht und hat gesagt, wir machen das jetzt. Innerhalb eines Jahres bauen wir wieder auf. Dann haben wir noch einen Bauingenieur befreundet, Thomas Hanf. Das war für den hier auch ein Projekt, wo der sich wirklich reingekniet hat. Und wir haben gesagt, wir haben ein Jahr Zeit aufzubauen, weil wir so lange eine Betriebsausfallversicherung hatten. Und innerhalb eines Jahres fangen wir wieder an zu arbeiten. Und als dieses Ziel einmal gesteckt war, ging es dann noch weiter. Dann kam die Idee der Sauna noch dazu und irgendwann sitzt man dann ja bei der Kreissparkasse und muss darum bitten, dass das alles auf sicherem finanziellen Sockel steht. Und die Kreissparkasse hat dann auch zu allem Jahr und Amen gesagt, was wir angefragt haben, und anders geht es, glaube ich, nicht. Man muss den Mut haben, nach so einer Sache wirklich in die Vollen zu gehen. Wir sind in einer luxuriösen Situation, das zu sagen, das weiß ich. Aber wenn man den Betrieb selber nicht so aufgestellt hätte, wie es uns gelungen ist, das zu tun, dann hätten wir jetzt auch Probleme. Also ich glaube, man muss als Betrieb schauen, dass man besser dasteht als vorher. Die Hochwasserkatastrophe, also dieser Begriff Wiederaufbau, ist eigentlich schon falsch. Wir dürfen nicht wieder aufbauen, wie es mal war. Das hat die Politik massiv versäumt. Wir dürfen nicht alles einfach wieder aufbauen. Das ist Irrsinn. Und mein Opa, wie gesagt, der war 1992 und er hat den Krieg mitgemacht und danach musste er aufgebaut werden. Dieser, ich sage jetzt mal wirklich, alte Mann war einer der ersten, die gesagt haben: So, and jetzt müssen wir den Grundriss vom Haus nehmen und jetzt überlegen wir ganz neu, wie wir hier sind. Und mein Vater war auch sehr rigoros. Wir hatten vorne am Stammtisch so eine schöne Ecke mit so alten Platten, die hatten meine Großeltern anfertigen lassen, so 70er Jahresteil. So hässlich, dass sie wieder schön sind. Und ich wollte unbedingt diese Platten haben. Ich konnte nicht Abschied nehmen von dieser einen Wand, wo noch diese Fliesen drauf waren. Und dann kam irgendwann, der Opern hat und sagt, Junge, da kam ich hier morgens rein für die Baubesprechung, die haben gerade eben die Platten weggemacht, sag nichts, es ist besser so. Und ich glaube, diese Erkenntnis, dass man auch von manchen Dingen Abschied nehmen muss, dass es danach besser ist als vorher, die fällt vielen schwer. Das ist für viele sehr schwer zu begreifen, dass man, dass es nachher besser ist als vorher auch Abstriche machen muss. Und man muss die Chance nutzen, ästhetisch neu aufzubauen. Das ist im Artal ein großes Problem und in vielen Restaurants ist das auch ein Problem. Architektur trifft oft nicht ganz das, was so die Ästhetik ist für eine gute Atmosphäre. Uns war es ganz wichtig, das Restaurant vorne ist wie unser Wohnzimmer. Da hängen Bilder von meinem Opa an der Wand, von meinen Urgroßeltern, wie das Haus früher war. Der Teppich. Der Teppich ist von meinen Großeltern. Da sagen viele Leute, der Teppich ist schrecklich, aber hier passt er hin. Das ist wie unser Wohnzimmer, dieses Restaurant. Da muss man sich wohlfühlen. Wenn wir uns selber da wohlfühlen, fühlen sich auch andere wohl. Das ist wie mit der Speisekarte mit an. Wenn wir uns selber damit wohlfühlen, hat auch der Gast Spaß. Das ist übrigens mein Motto vom Küchenschnack. Wenn du dich mit anderen Wohlfühlst. Das war das Erste, was du gesagt hast.
TomBis jetzt fühle ich mich selber. Okay, okay. Ja, also das ist das, ja, das spürt man einfach. Das spürt man einfach. Aber jetzt habe ich dich rausgebracht mit dem Zwischending.
Jacob CarnottJa, und das ist eine, das ist so die ganze Sache hier im Haus. Also und das, was mich auch bewegt, wenn ich irgendwo zu Gast bin, was kann ich mitnehmen? Also ich gehe sehr viel essen, das macht mir viel Spaß. Meine Freundin ist auch in der Branche und das ist für uns dann auch so ein Abendurlaub, wenn man mal gut essen gehen kann. Da muss ja die ganze Atmosphäre passen. Und wenn man sich selber in die Lage des Gastes versetzt und wir schlafen auch manchmal hier im Haus in den Zimmern. So, wenn, wenn ich jetzt hier zu Gast bin, ich komme jetzt aus Österreich, ich habe zu Hause immer noch mein Kinderzimmer und dann sagt der Papa schon mal, schlaf mal im Brunnenhaus oder schlaf mal im Stammhaus und danach, beim Frühstück, reden wir dann darüber. Wie ist das? So, und wenn mir dann was auffällt, dann sind ja Sachen, die fallen einem nur auf, wenn man einmal da drin geschlafen hat. Zum Beispiel, der Vorhang ist nicht blickdicht genug. Da im Badezimmer, da funktioniert der Wasserhahn nicht richtig. Wenn die Gäste uns das nicht zurückmelden, würden wir das ja nie erfahren. Und da fahren wir, glaube ich, ganz gut mit. Also dass wir diese eigene Erfahrung in unserer Arbeit mit einbinden.
TomZum Thema Umbau gibt es ja auch so eine Geschichte. Wir sitzen jetzt hier vor oder auf der Terrasse. Die war früher nicht so groß, die ist ja um einen Meter oder zwei Meter verlängert worden. Das ist auch so eine Erfahrung, die da gekommen ist, dass er gesagt hat, wenn wir das jetzt nicht machen, dann vielleicht nie mehr.
Was ist Neu - in der Küche
Jacob CarnottRichtig, das ist eine Sache. Da stand, mein Opa hat zu Lebzeiten bereut, dass er die Terrasse nie größer gebaut hat, als sie war, weil als diese Terrasse 1963, nee 1979, wurde das erste Mal eine Sonnenterrasse hinten gebaut. Wir gucken ja auch Richtung Süden wahrscheinlich, oder? Ja, genau. Wir gucken Richtung Süden, genau. Das ist eine wunderschöne Sonnenterrasse und meine Großeltern hatten die recht klein gehalten, weil der Betrieb natürlich anders ausgerichtet war. Und auch wieder eine Sache, wir haben das besser, finde ich, aufgebaut als vorher. Es ist auch für unsere Mitarbeiter jetzt viel angenehmer. Vorher war da eine Eisentreppe, wo man über zwei Etagen arbeiten musste, unten unser Garten, der schon seit 20 Jahren besteht. Und da musste man die ganzen Speisen aus einer Küche runter eine Treppe runtertragen. Da bin ich mindestens dreimal runtergefallen mit einem ganz vollen Tablett Speisen drauf. Dann bekam ich noch von Papa zu hören, jetzt müssen wir das alles nochmal kochen. Und jetzt haben wir unten eine zweite Küche, die ist ein bisschen anders aufgestellt. Also da bieten wir so einfachere, ehrliche Gerichte an. Hier oben ist es auch ehrlich. Unten ist es halt so wirklich dieses Innengarten sitzen und jeder findet, was so vom Wanderer verlangt wird. So ein Salat mit Rumsteak drauf, Salat mit Stückchen Forelle aus der A-Döppekuchen, eine Flammkuche machen wir auch diese regionalen kleinen Spezialitäten, wo man einfach sich so reinlegen kann. Das ist, glaube ich, ganz gut zusammengefasst.
TomDie Küche musstest, durftest, habt ihr ja auch neu machen müssen. Jetzt habt ihr in Küchenblock von MKN drin gestehen. Ja, genau. Vorher stand älteres Produkt drin, sagen wir mal. Soweit alles im grünen Bereich. Die Küche hat ja auch optisch zugelegt. Das habt ihr auch mit dem Matthias Zabelberg gemacht zusammen. Der beste Küchenbauer, den es gibt. Ist das so, ja. Das Problem ist, er ist in den letzten Folgen so oft gelobt. Also das ist schon fast ein bisschen unheimlich.
Jacob CarnottEs ist so zu sehen, dass sich jemand, dessen Motto war Großküchenperfektion pur. Und wie ich den Plan von ihm das erste Mal gesehen habe, von dieser Küche, die haben wir auch vergrößert. Und jetzt ist alles auf einer Ebene. Das heißt, die Anlieferung, die Lagerhaltung und die Küche, wo wir drin arbeiten, das ist alles eine Ebene, du kannst alles auf Rollcontainern hin und her bewegen. Du hast alles zu erreichen, alles ist natürlich am neuesten Stand, alles eine Edelstahloberfläche, das ist ein Traum. Und vom Putzen her wahrscheinlich. Vom Putzen her. Muss ich an den Küchenchef erinnern, der mich ausgebildet hat, den Christian Bauer, vom schwarzen Adler, der ist, glaube ich, der sauberste Küchenchef Deutschlands. Und wie der mal in dieser Küche drin stand, hat der den Mund nicht mehr zugekriegt, weil alles schön eine Oberfläche hat und dann das Edelstahl so seinen Glanz hat. Und da kann man sich schon, das hört sich so blöd an, aber da kann man sich schon rein verlieben. Und der Herr Bauer. Klingt nicht blöd. Nein, der Herr Bauer hat mir so ein bisschen weitergegeben, dass man, wenn man das pflegt, da so viel Freude dran haben kann. Also ich hoffe, er hört das auch. Das ist schon.
TomI like Nametropping. Weißt du, was ich besonders meine? Den Nametropping dann zu verlinken. Das ist immer mein schönster Moment da.
Jacob CarnottUnd man muss zu schätzen wissen, was man da hat. Also diese Küche ist wirklich Perfektion pur. Vom Arbeiten her, die Schritte, die man macht, den Platz, den wir jetzt haben. Und das merkt man, glaube ich, auch am Arbeitsablauf und wie wir die Speisen zum Gast bringen können. Das ist einfach viel angenehmer als vorher. Vorher ist es so ein gewachsenes Produkt, denn jetzt haben wir einmal eine Küche da, die ist durchgetaktet und geplant wie ein U-Boot. Jeder Winkel ist genutzt. Und da hat der Matthias Zabelberg sich so reinvernarrt, glaube ich, in dieses perfekte Planen. Das ist sehr bewundernswert.
TomWas ist das Gericht, was du dir selber aus deiner Karte bestellen würdest, wenn du hier Gast wärst? Sicher der Sauerbraten.
Jacob CarnottMeine Freundin würde dem jetzt. Habe ich gestern Abend bestellt. Meine Freundin würde jetzt widersprechen, weil da ja Rosinen drin sind und das ist schon speziell. Nein, ich fand es super. Es ist der rheinische Sauerbraten. Mit Supplement, mit zusätzlicher Soße haben wir bekommen. Bei uns im Restaurant leben wir den deutschen Service. Das heißt, die Beilagen kommen in Legumiers, in Schalen mit auf den Tisch und der Gast kann sich selber bedienen. Und das ist dann natürlich ein Service dem Gast gegenüber, der von sehr vielen Leuten geschätzt wird, weil es es einfach nicht mehr so oft gibt. Und das ist schon. Ich komme gleich, Josef. Da ist mein Onkel Josef, der züchtet Heiland drin.
TomWas züchtet der? Achso, Heilen will.
Jacob CarnottHast du halt noch was vor, ne? Hochlandrinder und wir werden jetzt einen ganzen Bullen schlachten. Und da ist mein Onkel brennt für diese Rasse. Und das ist jetzt unser kleines Projekt. Wir schlachten einen Bullen und werden diesen ganzen Bullen verarbeiten. Zur Wuchs zu schinken. Dann werden wir einen Teil in unseren Dry Age abpacken. Und reifen lassen. Das sind so Spielereien, die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Und um ehrlich zu sein, den Preis, den wir dafür haben müssten, würde keiner bezahlen. Wir sind da sehr fair. Aber manchmal braucht man halt die Abwechslung. Und das trifft sich bei uns in der Familie ganz gut. Josef kümmert sich darum, den richtigen Bullen auszusuchen, denn jetzt gleich fahre ich mit ihm hoch in der Eifel. Und dann werden wir den Bullen beschauen, den wir dann in zwei Wochen schlachten.
Verständnis für Leute die nicht den Neuanfang gemacht haben?
TomIch möchte jetzt mal so Richtung Abschluss nochmal so deine Meinung haben. Vielleicht stimmst du mir zu, vielleicht nicht. Wenn ich jetzt durch den Ort gehe, wir sind jetzt fünf Jahre nach der Flut. Ich sag mal, es ist einiges passiert, aber man sieht es natürlich rechts und links. Mein leihhafter Eindruck ist, das braucht es locker nochmal die gleiche Zeit, um da irgendwie, ich sag mal, die letzten Pflaster drauf zu kleben. Hast du auch ein bisschen Verständnis für einige Objekte, die gesagt haben, okay, wir lassen die Pressspanplatten am Fenster außen dran und machen nicht mehr auf und gehen weg und haben halt auch das Problem, dass das den ein oder anderen Schandfleck hier gibt?
Jacob CarnottOder wie ist da dein. Man muss da ein bisschen differenzieren, glaube ich. Also es gibt Objekte und wie gesagt, das ist eine sehr elitäre und sehr vornehme Position, in der ich bin, dass ich das sagen kann. Aber es gibt Objekte, die wären besser weg. Und das ist natürlich Eigentum und das tut weh, wenn ich das so ausspreche, aber es wäre besser, wenn bestimmte Objekte hier im Ort einfach weg wären. Und ich sage immer, stellt euch vor, da wäre eine Wiese und da stünden drei Apfelbäumchen drauf. Und irgendwann baut da vielleicht einer wieder was hin und das wird schön. Aber so wie das jetzt ist, dass da dann Häuser stehen, die Spanplatten noch da haben, wo seit der Flut, außer den Schlamm rauszuscheppen, nichts passiert ist. Das ist einerseits bedauerlich. Auf der anderen Seite, das ist der zweite Punkt, ist das oft nicht die Schuld der Leute. Die staatlichen Hilfen sind ein großes Problem. Das hieß immer Stellung unbürokratisch. Unser schneller und unbürokratischer Antrag hat sechs Leitsordner umfasst. Das sind über 3000 Seiten Papier. Natürlich ist das hier auch ein gewisses Volumen finanziell, da brauchen wir gar nicht drüber reden. Aber dann darf sich die Politik nicht damit schmücken und sagen, wir machen das schneller und unbürokratisch. Das ist einfach respektlos dem gegenüber, der da jetzt noch steht, jetzt noch auf die Hilfe wartet. Da ist ein Bekannter von uns in Malchers, Bahnsteig 1, ganz tolle Weinbar, der Torstenrecht, der ist der nächste Ortho, der sich engagiert, mit der ISB ins Gespräch zu kommen. Das ist ja die Bank, die einfach nicht in die Pötte kommen. So, dann sind natürlich viele Leute, die eingeschüchtert sind, das ist der dritte Punkt, was diese Objekte angeht. Wir haben ein wirklich zerstörtes Tal, das noch eine Baustelle ist, wo es nicht sicher ist, dass die Leute so kommen wie früher. Dann kommt eine Landesbehörde, die haben da unten an der A, da gucken wir drauf, Rohre verlegt vor drei Jahren nach der Flut. Da haben wir alle gesagt, wie schön, geht so schnell. Jetzt wurde festgestellt, die sind völlig falsch verlegt. Das ist die SGD Nocht, die das beaufsichtigt. Bei uns, an unserem Parkplatz, den wir da unten haben, wird mit dem spitzesten Bleistift rumgekachtet, um jeden Zentimeter, den wir an der A sind oder nicht. Und die brauchen jetzt zwei Millionen Euro, um diese Rohre neu zu verlegen. Den Präsidenten, wenn ich den sehe, würde ich dem am liebsten Hals umdrehen. Wie man so nachlässig sein kann, und das ist, das hört sich so populistisch an, wir müssen das alles bezahlen. Wenn ich überlege, wie wir bei der Bank sitzen mussten, um unsere Finanzierung zu klären und wie die öffentliche Hand mit Geldern umgeht. Das ist unverschämt. So, und der vierte Punkt ist, dass es sehr bedauerlich ist, wenn natürlich so ein Haus so stehen bleibt. Und wir haben hier in Alten einen sehr engagierten Ortsbürgermeister, der versucht, diese Objekte dann zu erwerben und sich darum zu kümmern. Das kann aber natürlich nicht jeder tun. Da kommen wir wieder zu dem Thema mit der Gesamtsituation. Wenn die Gesamtsituation in Deutschland besser wird, dann würden sich vielleicht auch mehr Leute trauen, das wieder zu machen. Man kann den Inhabern von diesen Objekten eigentlich keinen großen Vorwurf machen. Einzelnen schon, das ist so. Aber letztlich müssen die ja auch für sich parat kommen. Das ist wirklich traurig hier im Ort. Wir hatten früher mehr Gästebetten als Einwohner, das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Altner war touristisch immer sehr stark. Und dass das heute so ist, das sind ja viele Ecken, die ich von klein auf kannte und da ist jetzt eine Müllhalde. Und wir sind zuversichtlich, dass sich das in einer Dekade verbessert. Also du rechnest so im zehn Jahresrhythmus. Ja, ich glaube schon. Es ist ja, ich habe ein Buch, Das Aartal, von Gottfried Kinkel. Es ist ein Bonner Literat. Der schreibt über eine Wanderung durch das Aartal und beschreibt auch gleichzeitig, dass noch Spuren vom letzten Hochwasser zu sehen sind, das zu diesem Zeitpunkt schon zwölf Jahre her war, als er diesen Wanderbericht durch das Aartal geschrieben hat. Der Gottfried Kinkel hat um 1840 gelebt. Jetzt muss man sich vorstellen, ich weiß nicht, ob das wegen einem Kaiser damals anders war. Da kann der Kaiser persönlich und hat die Bahnstrecke wieder eröffnet. Aber es ist doch erstaunlich, dass das Tempo vom Wiederaufbau in den letzten 200 Jahren sich nicht verändert hat. Das ist, kann mir das einer erklären? Also, wenn man diesen Reisebericht liest, der ist 200 Jahre alt. Und heute dauert es genauso lange, genauso lange diese Planerei, genauso lange dieser Aufbau wie vor 200 Jahren. Und das verstehe ich nicht.
Wie hat sich Euer handeln verändert nach 2021
TomNaja, das ist ja. Es ist halt wirklich so, es ist auch, wenn du, wenn du rumläufst und du siehst die Leute, du siehst dich, wie du damit umgehst, wie du damit lebst, was du auch erlebt hast, erleben musstest. Wir brauchen ja gar nicht davon reden, dass ja auch Menschen ums Leben gekommen sind, das wollen wir auch nicht vergessen und das ist ja auch nicht eine kleine Zahl. Es ist halt schon so wichtig, dass man sich momentan immer wieder vorführt. Und umso grandioser ist das, was ihr hier geschaffen habt. Und auch nach vorne geht. Und da werden ja manchmal auch Probleme aus anderen Ecken, die man dann hört. Ich meine, ich für meinen Teil mit Bayern und so, wir haben auch das Thema Personal und Kosten und was auch immer. Wie ist das bei dir? Meinst du dann Probleme, die im Täglichen sind, sind dann plötzlich kleiner oder werden anders betrachtet oder betrachtest du die anders als Vorderflut?
Jacob CarnottIch glaube, dass sich unser gesamtes Handeln im Betrieb ein bisschen verändert hat. Wir schauen viel mehr auf unseren perfekten Betriebsablauf als vorher. Und sehen, also mein Vater sieht, glaube ich, den Schlüssel da drin. Einmal so diese Personalführungsgeschichte. Der versteht das sehr gut, irgendwie die Stimmung so zu halten, dass das gut läuft, dann ist der persönliche Einsatz nach wie vor sehr hoch und noch intensiviert eigentlich. Also es hängt, es steht und fällt mit der persönlichen Präsenz. Die Leute wollen, dass der Gastgeber persönlich da ist. Und wir sehen das auch irgendwie als unsere Aufgabe. Also das wird sich in Zukunft auch, glaube ich, nicht ändern. Wir brauchen die Präsenz, die Zeit dafür, am Gast zu sein. Und die Probleme außenrum, die versuchen wir auch im Kleinen zu lösen. Also bei vielen Dingen sagen wir uns, wir haben es in einem Jahr geschafft, das ganze Haus wieder in Fahrt zu kriegen. Und jetzt schaffen wir auch da oben die Zimmer zu renovieren. Genauso der Umgang mit Gästekritik, wir sind dafür viel sensibler geworden als früher. Jetzt nicht, dass wir früher nicht drauf gehört hätten, aber wir sind heute viel sensibler darin geworden, zu hören, wie geht es den Gästen hier mit der Situation. And we müssen damit umgehen. Wir brauchen da sind wir wieder bei einem persönlichen Kontakt. Steigenberger, ich benenne das namentlich, die machen jetzt das la carte Restaurant zu. That was früher the Cur Hotel Bad Neuna and they have fast nichts to do, so we scheint. But woman hängt this zusammen? There is a persönlichkeit, die dahinter steht. Die Leute wollen individuellen Tourismus. That is, glaube ich, eine ganz wichtige Erkenntnis. Gerade here auf dem Land, die Leute möchten, das möchte ich selber auch, die Leute möchten abgeholt werden. Wir brauchen, es geht nur gastorientiert. Gastronomie funktioniert nur, das sagt der Name schon, wenn man sich auf die Gäste einlässt. Und das ist sicher schmerzhaft manchmal, wenn man lange Bons in die Küche bekommt, wenn abends noch Leute an der Theke sitzen. Wenn man im Urlaub ist, musste mein Vater früher schon wieder hierher fliegen, dann lagen wir einmal auf Mallorca, musste man alle in den Flieger steigen, zurück nach Köln fliegen, weil zwei Köchekrank waren. Anders geht das nicht. Das geht nicht anders. Und ich glaube, dass man nach wie vor viele Abstriche machen muss, aber man muss die positiven Dinge dieses Berufs sehen. Also das ist der schönste Beruf, den es gibt, glaube ich, nach wie vor. Und von daher machen wir uns da keine Sorgen.
TomDeshalb bringen wir das jetzt auch zum Rundenende, aber ich möchte jetzt nicht die Möglichkeit zum Schluss nochmal nutzen bei dir. Mach doch nochmal eine kleine Laudatia auf dieses Ahrtal und auf die Gäste, die hier potenziell herkommen könnten, weil ich glaube, so ein redegewandten Mann wie dich hat man auch nicht so oft neben sich sitzen. Bring mal die ganze Kiste jetzt mit allem, was passiert ist und allem Leid, was ist, doch mal zu einem positiven Abschluss. Wir haben Olivenbäumchen hinter uns, ich fühle mich ein bisschen wie in der Toskana, das Olivenöl steht da, alles wunderbar. Sag doch mal, der nächste Sommerurlaub, mein Wöschlein, hier in der schönen Ahr.
Jacob CarnottEs gibt ja immer diesen New York Times-Bericht, Must-Sea Travel. Das können Sie alles vergessen. Das A-tal ist wirklich eines der schönsten Fleckchen Erde, die wir auf der Erde haben, glaube ich. Mit vielen kleinen Betrieben, mit Gastgebern, die persönlich da sind. Das ist sicher manchmal noch so ein bisschen von gestern. Aber das ist doch das Schöne. Also diese Ursprünglichkeit, die wir hier haben. Und ja, es ist noch viel Baustelle. Man kann jetzt wieder mit der besten Bahnstrecke Deutschlands hierher reisen. Sie können ein schönes Glas Wein trinken, mit der Bahn wieder zurückfahren. Es ist doch herrlich. Und ich glaube, wenn wir jetzt noch geduldig sind und fünf Jahre abwarten, dann sind alle Schäden auch, glaube ich, beseitigt und dann ist es besser als vorher. Und vor allem die Leute, die jetzt hier wieder eröffnet haben, die sind wirklich mit ganzem Herzblut dabei. Da kann man sich sehr sicher sein.
TomPerfekter Abschluss. In 100 oder knapp 170 Folgen MKN Küchenschnack war das mit Abstand die Folge, wo ich am wenigsten gesagt habe. Das ist mal Fakt und ich habe es wirklich jede Sekunde genossen. Ich hab ein kleines Problem, ich kann in die Zukunft gucken. Ich weiß nicht, ob ich dir das schon mal gesagt habe. Und meistens habe ich auch noch recht mit dieser Zufallungsaussage und mein Gefühl, und in dem Fall würde ich sogar sagen, Wissen ist, wir werden dich irgendwo nochmal ganz groß rauskommen sehen. Schauen wir mal, vielleicht sehen wir uns nochmal, freut mich. Irgendwo wirst du nochmal eine Rolle spielen, die ich weiß noch nicht, was es ist. Es ist irgendwie so eine Mischung zwischen Bundeskanzler und Rockstar. Also meinem Papa geht es die Rolle, die ich spiele hier in der Küche.
Jacob CarnottDas glaube ich.
TomUnd am liebsten schon nächste Woche. Ich möchte deinem Papa da leicht widersprechen. Mein Gefühl sagt, wir werden dich wiederhören und dann hoffe ich dich immer remember, it started here. Tischenschnack. Wunderbar. Also ganz, ganz lieben Dank. Wirklich ein ganz, ganz toller Podcast. Danke für deine Zeit. Ich wünsche euch, also ich bewundere euch, ich bin ein richtiger Fanboy geworden in den Tagen hier. Danke für deine Zeit. Bleibt schön gesund, greift weiter an, zieht das durch, benenn die Dinge beim Namen, das ist auch ganz wichtig. Vielleicht können wir in zwei, ein, zwei, drei Jahren nochmal ein kleines Update machen. Du bist auf allen Messen, die wir haben, natürlich als Familie jederzeit angelehnt. Du hast ja da auch so einen Kontakt hier, der nicht weit weg wohnt und vielleicht sogar in dem Raum sitzt, wenn es um Karten geht und irgendwas. Also wirklich bleib uns gewogen. Danke für deine Zeit, alles Gute und bleibt schön gesund. Und den Zuhörenden, die diese Folge mit Sicherheit feiern werden, da bin ich mir ganz, ganz, ganz sicher. Bleibt nur zu sagen, streut diesen Podcast, weil in diesem Podcast war, glaube ich, alles drin, was in ganz, ganz vielen letzten Folgen immer teilweise auch umschrieben wurde und übernehmen worden. Das ist hier auf den Punkt gebracht. Teilt den, das ist die Champions Lee, habt euch nach diesen 50 Minuten auch dafür qualifiziert, diesen Podcast zu liken und zu teilen. Da gehört nämlich auch einiges dazu und bleibt uns gewogen, teilt uns, bleibt kulinarisch vor allen Dingen und bis bald. Dankeschön. Overnout. Alter, was bist du für ein Mensch?
Speaker 1Der Podcast Küchenschnack ist eine Produktion der MKN, GmbH und KG. In Zusammenarbeit mit Tom Klein. Executive Producer sind Corinna Dühl und Martin Ubel. Lineproducer sowie Audio- und Videoschnitt Jonathan und Tom. Die Postproduction übernimmt Sarah. Für Redaktion und Marketing sind Mara und Patricia verantwortlich. Wenn dir der Küchenschnack gefällt, dann folge uns gerne auf Spotify, Apple Podcast oder YouTube. Und natürlich freuen wir uns über jedes Like, jedes Abo und wenn du den Podcast mit anderen teilst. Danke fürs Zuhören.