Stadt Wien Podcast

Bürgermeister Michael Ludwig: „Wir setzen Impulse für mehr Wachstum“

Stadt Wien

Österreichs Wirtschaft erholt sich langsam, aber doch. Die Zeichen in Wien stehen auf Wachstum. Mit Christine Oberdorfer spricht Bürgermeister Michael Ludwig über Schwerpunkte auf dem Arbeitsmarkt und Zukunftsbranchen. Und er erklärt, was das etwa für den Klimaschutz heißt. 

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-Herzlich Willkommen beim Stadt Wien Podcast. Die wirtschaftliche Lage bewegt viele von uns. Am Arbeitsmarkt, in den Unternehmen und im Alltag. Christine Oberdorfer spricht mit ihrem Gast darüber, wo Wien steht, welche Zukunftsbereiche Hoffnung machen und wie Wirtschaft und Klimaschutz Hand in Hand gehen können.-Die österreichische Wirtschaft erholt sich nach rund zwei Jahren langsam, aber doch. Unser Thema ist heute die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in Wien. Schwerpunkte am Arbeitsmarkt, Zukunftsbranchen und was das für Themen wie den Klimaschutz heißt. Dazu begrüße ich Bürgermeister Michael Ludwig im Studio. Danke fürs Kommen.-Schönen guten Tag und grüß Gott.-Zur Orientierung, wo stehen wir denn in Wien auch im Vergleich zum Rest Österreichs wirtschaftlich?-Es hat in den letzten drei Jahren eine Rezession in Österreich gegeben und Wien hat stark dagegen gehalten. Wir waren in den letzten zwei Jahren das einzige Bundesland mit einem Wirtschaftswachstum. Aber natürlich spüren auch wir die Wirtschaftsentwicklung, die verbunden ist mit geringeren Ertragsanteilen, die wir zugesprochen bekommen von Seiten des Bundes. Und von daher müssen auch wir Maßnahmen der Konsolidierung setzen, so wie alle anderen Gebietskörperschaften auch. Wir haben allen für sich eine günstige Ausgangslage, denn die Pro-Kopf-Verschuldung ist im Bundesländervergleich, ziemlich im Schnitt, denn man muss bedenken, dass Wien Bundesland und Gemeinde ist. Also das heißt, wenn man einen ordentlichen Vergleich zwischen den Bundesländern herbeiführen will, dann muss man immer auch die budgetäre Situation der Gemeinden beim jeweiligen Bundesland mit dazu rechnen. Das ist in Wien eben ident Land und Gemeinde. Und von daher setzen wir gezielt im Rahmen der Konsolidierung auf der einen Seite auf Maßnahmen des Sparens, aber auch gleichzeitig auf Wirtschaftsimpulse, denn wichtig ist auch, die Wirtschaft wieder in Gang zu setzen und zu vermeiden, dass das zarte Pflänzchen der Konjunkturentwicklung auch durch Sparmaßnahmen abgewürgt wird.-Sie sprechen ja auch immer wieder vom Wirtschaftsmotor Wien. Woran lässt sich denn das festmachen?-Das lässt sich am Wirtschaftswachstum festmachen. Also wir haben mehr als 120 Milliarden Bruttoregionalprodukt, das sich auch weiterentwickelt. Wir haben Höchststand bei der Beschäftigung, wenngleich auch wir merken, dass die Arbeitslosigkeit steigt. Sie steigt geringer als im Österreichschnitt, aber sie steigt auch bei uns in Wien. Allerdings bei einem Höchststand von 940.000 Beschäftigten. Und das hängt mit Sicherheit auch damit zusammen, dass wir gezielt Impulse setzen in den verschiedensten Wirtschaftsbereichen. Dazu gehört der Tourismus. Wir sind weltweit die Stadt mit den meisten Kongressen und Konferenzen. Mit insgesamt 6.600 Firmentagungen und Konferenzen haben wir andere Städte wie Barcelona und Paris wieder überholt. Und von daher setzen wir mit vielen Impulsen auch darauf, den Tourismus zu stärken. Aber zum Zweiten sind wir auch ein starker Industriestandort. Nicht mit rauchenden Schlotten, aber ganz stark im Bereich Life Science, Biotechnologie und Pharmazie. Alle großen internationalen pharmazeutischen Unternehmungen haben entweder Forschungs- oder Produktionsstätten in Wien. Und das sind zum Teil sehr boomende Bereiche der Wirtschaft. Und das fördern wir auch ganz gezielt. Auch in der Kooperation zwischen der Stadt Wien mit Wirtschaft, also Unternehmen, Privatunternehmen, aber auch wissenschaftlichen und universitären Einrichtungen. Dazu haben wir vor mehr als 20 Jahren schon den Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds WWTF gegründet, um mit Calls auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu unterstützen, zu fördern. Und das ist für viele auch internationale Unternehmungen attraktiv, gemeinsam mit Universitäten zusammenzuarbeiten.-Sie haben den Tourismus genannt als Stärkefeld und Life Science. Was sind denn weitere Stärken von Wien als Wirtschaftsstandort?-Ja, das sind neben den Produktionsbereichen vor allem Dienstleistungsunternehmen und überall dort, wo auch sehr viel Know-how erforderlich ist. Dazu gehören eben Bildungseinrichtungen wie Universitäten. Wir haben rund 200.000 Studierende mit neun Universitäten, sechs Privatuniversitäten, fünf Fachhochschulen sind wir der wichtigste Universitätsstandort im deutschsprachigen Raum. Und von daher nutzen wir das gezielt, um beispielsweise auch in innovativen Wirtschaftsbereichen wie all das, was sich auch mit Maßnahmen gegen den Klimawandel richtet, tätig zu sein. Hier gibt es auch eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Wien, wo wir regelmäßig auch einen Green Economy Report präsentieren, wo Unternehmen zeigen, wie sehr es möglich ist, Wirtschaft und Ökologie in Verbindung zu bringen.-Sie haben gerade die Universitäten genannt. Die Uni Wien ist jetzt unter den 100 besten Universitäten der Welt gereiht. Wie wichtig ist denn das für eine Stadt wie Wien?-Ja, das ist sehr wichtig, dass wir bedeutende Bildungsinstitutionen haben, die auch attraktiv sind für internationale Forscherinnen und Forscher, die gerne nach Wien kommen, weil die Lebensqualität hier eine sehr gute ist und auch die Bedingungen an einer Universität, an einer Fachhochschule oder an einem Wissenschaftsbetrieb tätig zu sein. Und von daher ist es gerade für innovative Unternehmen wichtig, auch Fachkräfte zu haben, die mit einer entsprechenden Ausbildung hier auch innovative Schritte in der Wirtschaft ermöglichen.-Wir haben jetzt gesprochen von den Stärkefeldern der Wirtschaft. Wo muss denn Wien noch stärker werden? Wo gibt es da noch viel zu tun?-Ja, wir setzen ganz stark darauf, dass wir unsere hohe Kompetenz, die wir im Bereich der Daseinsvorsorge haben, weiter ausbauen. Wir sind in Österreich im Spitzenfeld, was Photovoltaik betrifft. Da sind wir mittlerweile der stärkste Anbieter von Sonnenstrom, der drittstärkste Anbieter, was Windkraft betrifft. Auch deshalb, weil wir jetzt ein privates Unternehmen zugekauft haben, um Möglichkeiten zu haben, in diesem Bereich auszubauen. Wir sind stark im Bereich Geothermie, aber auch Großwärmepumpen. Und das sind Technologien, die es uns ermöglichen, dass wir unsere großen Vorhaben, nämlich 2040 klimaneutral zu sein, erreichen. Und dass wir das große Projekt Raus aus Gas auch im entsprechenden Zeitplan realisieren. Das heißt, dass wir unabhängig sind von Gas und umweltschädlichen Substanzen und ganz stark in alternative Energieformen investieren.-Stichwort Klimaschutz. Hält denn oder halten denn die Klimaziele, die die Wien sich gesetzt hat, angesichts auch der Einsparungsmaßnahmen?-Ja, wir haben ja schon seit langer Zeit ein Klimaschutzprogramm der Stadt Wien, an dem wir sehr konsequent arbeiten, seit über 20 Jahren. Das auch dazu geführt hat, dass die CO2-Emissionen pro Kopf halb so hoch sind, wie im Österreichschnitt. Und wir haben uns mit dem Klimafahrplan auch vorgenommen, dass wir das Klimagesetz, das wir als einziges Bundesland beschlossen haben, das auch nicht vom Bund bis jetzt beschlossen werden konnte, dass wir diesen Weg konsequent voranschreiten und mit dem Klimafahrplan auch eine Möglichkeit haben zu überprüfen, auch die Bevölkerung die Möglichkeit hat zu überprüfen, ob wir die politischen Vorgaben auch einlösen.-Wien liegt ja seit vielen Jahren ganz an der Spitze der verschiedensten Lebensqualitätsrankings. Wie sehr trägt denn diese Lebensqualität auch zur wirtschaftlichen Stärke bei? Und wie werden wir denn wieder Nummer 1?-Ja, erfreulicherweise sind wir in vielen internationalen Rankings an der Spitze gereiht. Zuletzt auch in drei verschiedenen, immer an den ersten Platz gereiht. Ich habe gesagt, das ist schon mittlerweile so Usus, dass es nur mehr für die Medien attraktiv ist, wenn wir mal am zweiten Platz sind. Also von daher ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern Ergebnis einer sehr konsequenten Politik und auch dem Fleiß der Wienerinnen und Wiener und zeigt, dass wir hier auch mit privaten Unternehmen genauso wie mit öffentlichen Einrichtungen im besten Einvernehmen sind. Und für die internationalen Betriebsansiedlungen ist die Lebensqualität ein wichtiges Asset. Neben den Hard Facts ist gerade das, was im sozialen Bereich ist, also egal, ob das Bildungseinrichtungen sind, aber auch Wohnverhältnisse, auch für viele Entscheidungsträger in internationalen Unternehmungen wichtig und entscheiden sich deshalb sehr gerne für Wien. Pro Jahr sind mehr als 200 internationale Unternehmen in Wien angesiedelt. Das in regelmäßiger Reihenfolge. Also von daher gehe ich davon aus, dass wir diesen hohen Standard auch weiter aufrechterhalten.-Ganz Österreich muss sparen. Wir haben schon drüber gesprochen. Und Wien geht da auch mit einem guten Beispiel voran. Wie haben Sie denn die Schwerpunkte für die aktuellen Maßnahmen gesetzt? Welche Überlegungen stehen denn da dahinter?-Wir haben uns vorgenommen, dass wir schon in diesem Jahr 500 Millionen Euro einsparen. Das werden wir auch im nächsten Jahr tun. Und so wie der Konsolidierungsbedarf errechnet ist, gehen wir davon aus, dass die Hälfte des gesamten Konsolidierungsaufwandes der Bundesländer von Wien kommt. Also wir haben da ein sehr konsequentes Sparprogramm kombiniert, aber auch mit Impulsen der Wirtschaft und damit verbunden Einnahmen, die wir über eine gut funktionierende Wirtschaft auch wieder für die Stadt Wien, aber auch natürlich für den Bund, so kreieren können.-Konkret zu den Maßnahmen. Wie überlegt man sich das? Wie kann man sich das vorstellen? Wie überlegt sich eine Stadt? Wo kann ich einsparen? Wo muss ich Geld ausgeben? Wie investiere ich weiter?-Es sind alle Ressortbereiche aufgerufen, in ihrem Wirkungsumfeld zu schauen, welche Möglichkeiten bestehen. Generell kann man sagen, die Betroffenen haben nie eine Freude damit. Egal welche Maßnahmen man setzt, da stößt man natürlich auf wenig Begeisterung. Aber in Summe gesehen ist es wichtig, dass man auch für die Zukunft sicherstellt, dass es wirtschaftliche Bewegungsmöglichkeiten gibt. Das Schlimmste ist, dass man in ökonomische Abhängigkeiten gerät. Und das wollen wir vermeiden. Diese Gefahr besteht auch nicht für Wien. Aber man muss Vorkehrungen treffen, dass eine solche Situation nicht eintritt.-Sie haben die letzte Bundesregierung ja immer wieder wegen der fehlenden Maßnahmen gegen die Inflation kritisiert. Wie hält denn Wien da dagegen?-Naja, es war meines Erachtens ein schwerer Fehler der letzten Bundesregierung, nicht eingegriffen zu haben in die stark steigende Inflation. Das hat ja auch dazu geführt, dass wir im Vergleich der EU-Länder die höchste Inflation gehabt haben. Mit negativen Auswirkungen auf Haushalte, aber auch auf den Wirtschaftsstandort. Weil natürlich die Wettbewerbsfähigkeit darunter leidet. Und es sind Maßnahmen im Steuerrecht gesetzt worden von der letzten Bundesregierung, die gravierende, nämlich negative Auswirkungen auf alle Gebietskörperschaften gehabt hat. Weil es eben keine Gegenfinanzierung zum Beispiel bei der Abschaffung der kalten Progression gegeben hat. Alleine diese Maßnahme kostet die Stadt Wien in dieser Legislaturperiode eine Milliarde Euro. Nur damit man sich auch die Dimensionen vor Augen führen kann. Und von daher ist diese Kritik an der Bundesregierung, wie ich meine, berechtigt gewesen. Und es müssen die jetzigen Entscheidungsträger Maßnahmen setzen, das zu kompensieren. Eine der Maßnahmen, die wir in Wien gesetzt haben, war der Umstand, dass wir zwei Jahre hindurch die Miete bei Gemeindewohnungen nicht erhöht haben. Erfreulicherweise hat der Bund versucht, hier ähnliche Maßnahmen zu setzen. Aber auch da ist Wien vorangegangen.-Zum Thema Arbeitsmarkt. Sie setzen ja vor allem Maßnahmen für Gruppen, die es im Job ein bisschen schwerer haben, für Frauen zum Beispiel. Jetzt gibt es die Frauenstiftung. Gibt es da schon erste Ergebnisse, erste Erfolge?-Ja, erfreulicherweise haben sich ja Frauen schon gemeldet, schon wie wir diese Frauenarbeitsstiftung angekündigt haben. Ziel ist, Frauen zu erreichen, die im ersten Ausbildungsweg keine entsprechende Qualifikation erwerben konnten. Und es sind vor allem auch Frauen, die oft unter schwierigen Rahmenbedingungen beruflich tätig sein wollen oder sich weiterbilden wollen, um eine andere Funktion zu erreichen. Es sind viele Alleinerzieherinnen. Und das ist auch Ziel dieses Frauenförderprogramm und dieser Stiftung, dass man junge Frauen unterstützt, um sich auch weiter zu qualifizieren. Und damit auch die Möglichkeit haben, besser zu verdienen und sich auch stärker in der Gesellschaft durchzusetzen.-Am Arbeitsmarkt Jugendliche und Menschen 50 plus sind ja auch so eine verstärkte Zielgruppe. Was wird da getan?-Ja, wir haben ja in Wien ein einmaliges Instrument, den sogenannten WAFF, den Wiener Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerförderungsfonds, der jetzt ja auch Jubiläum feiert und auch schon in den letzten Jahren gezielt Personengruppen unterstützt hat, die Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt haben. Also zum Beispiel die ältere Generation am Arbeitsmarkt, aber auch Frauen, die wieder ins Berufsleben, zum Beispiel nach einer Karenz, einsteigen wollen. Und jetzt wenden wir uns ganz stark zu auch jungen Menschen am Arbeitsmarkt. Wir haben vor, dass wir 1.000 junge Menschen zusätzlich qualifizieren, auch mit Förderung für die Unternehmen, die diese jungen Menschen einstellen. Ziel ist all jene, die länger als sechs Monate arbeitslos sind, in einen Job zu bringen. Das wären, wenn uns das gelingt, alle, die in einer solchen Situation sind. Und wir sind bereit, hier einige Monate den Unternehmen die Lohnnebenkosten zu einem großen Teil zu finanzieren, um damit auch einen Anreiz zu schaffen, diese jungen Menschen ins Berufsleben zu integrieren. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass das ein wichtiger Impuls sein wird, junge Menschen verstärkt auch in den Arbeitsmarkt einzubeziehen.-Zurück zu den wirtschaftlichen Schwerpunkten. Die Medienbranche ist ja auch stark unter Druck. Gleichzeitig werden zuverlässige Informationen ja auch immer wichtiger. Es gibt die Wiener Medieninitiative. Was ist das denn?-Sie haben recht, die Arbeitssituation für journalistisch tätige Menschen wird immer schwieriger. In den letzten 20 Jahren sind insgesamt 2.000 journalistische Arbeitsplätze verloren gegangen. Alle Medienhäuser sind unter einem starken ökonomischen Druck. Und wenn man davon ausgeht, dass der Journalismus die vierte Säule in der Gesellschaft ist, neben Legislative, Exekutive und Judikative, ist es bedeutsam, auch aus demokratiepolitischen Überlegungen heraus, die Medienwelt zu unterstützen, auch finanziell zu unterstützen. Wir haben das in Wien schon seit 2018 gemacht mit der Medieninitiative. Wo es darum gegangen ist, vor allem innovative Projekte zu unterstützen. Und auch Maßnahmen in den Medienhäusern, die sicherstellen, dass es zusätzliche Arbeitsplätze gibt. Wir haben auch einen Frauenbonus eingerichtet, dass Frauen in journalistischen Berufen besonders unterstützt werden. Und von daher gehe ich davon aus, dass wir diese Medieninitiative mit dem nächsten Call, der rund 600.000 Euro ausmacht, einen wichtigen Impuls geben. Und damit auch sicherstellen, dass der Medienstandort Wien zumindest im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützt werden kann.-Ein Thema ist auch immer wieder der lokale Handel. Der schwächelt ja auch, ist sehr unter Druck durch den Onlinehandel. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf tausende Arbeitsplätze in Wien. Was tut die Stadt denn da, um die regionalen Händler*innen zu stärken?-Also zum einen ist es wichtig, dass wir auch in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien Geschäftsstraßen beispielsweise unterstützen. Wir haben jetzt, gerade wenn es um die Weihnachtsbeleuchtung geht, auch die Möglichkeit deutlich zu machen, dass es schon ein besonderes Ambiente in unserer Stadt gibt und dass der stationäre Handel in Kombination mit der Gastronomie gerade jetzt auch in der Vorweihnachtszeit eine gute Gelegenheit bietet, Einkäufe zu tätigen. Und Sie haben recht, der Internethandel, insbesondere von jenen Ländern, die hier ganz stark in den Markt drängen, führt dazu, dass der stationäre Handel leidet. Und es ist zum Teil eine deshalb ungerechte Konkurrenz, weil hier mit anderen Rahmenbedingungen gearbeitet wird. Es sind zum Teil Produkte, die nicht dem Konsumentenschutz entsprechen, auch nicht der Qualität, die wir sonst gewohnt sind. Und von daher haben wir sehr viel Druck gemacht, auch auf Ebene der Europäischen Union, dass die Zollwertgrenzen abgeschafft werden. Denn bis jetzt war es so, dass auch durch Stückgelungen viele Pakete nach Wien und nach Österreich gekommen sind, um eben diese Zollwertgrenzen nicht zu überschreiten. Und von daher ist es gut, wenn die Europäische Union hier festgelegt hat, und da war unser Druck sicher mit verantwortlich, dass hier diese Zollwertgrenzen abgeschafft werden und dass hier mehr Gerechtigkeit, auch im Vergleich zwischen Internethandel und stationären Handel einkehrt. Aber wichtig ist zu betonen, der stationäre Handel bietet Möglichkeiten, die diese internationalen Plattformen nicht bieten, nämlich gute Beratung, gute Qualität, auch die Möglichkeit beispielsweise umzutauschen und auch ein Gegenüber zu haben, mit dem man auch nach dem Handel noch in Kontakt treten kann.-Wenn wir uns die Wirtschaft jetzt ein bisschen im größeren Zusammenhang anschauen, von Arbeitgeber*innen, Arbeitnehmer*innen, Wirtschaft und Soziales, Wachstum und Umwelt, sind das aus Ihrer Sicht tatsächlich gegensätzliche Interessen, die da aufeinanderprallen?-Nein, sehe ich überhaupt nicht. Ich bin ein großer Verfechter der Sozialpartnerschaft und gerade auch die Lohn- und Gehaltsverhandlungen der letzten Wochen haben gezeigt, dass die Sozialpartner hier immer gemeinsame Lösungen finden, dass hier auch die Gewerkschaften sehr verantwortungsvoll agieren, nicht nur aus Standes-politischen Überlegungen, sondern immer auch das Ganze im Auge haben. Von daher war die Sozialpartnerschaft immer auch mit ein Garant für die positive Entwicklung der Zweiten Republik. Ich verstehe auch, dass viele andere Länder dieses Modell kopieren wollen, weil es eben sehr erfolgreiche Wirtschaftsdaten mit sich bringt. Ich denke, Sozialpartnerschaft wird auch in Zukunft eine Rolle spielen und diesen Antagonismus und unterschiedliche Interessen, die es natürlich immer gibt, auf eine vernünftige Art und Weise zu einem Ausgleich bringt.-Wie sehen Sie das mit Wirtschaft, Wirtschaft- und Klimaschutzthemen? Wie hängen die zusammen?-Ich sehe eine große Chance für den Wirtschaftsstandort Wien, nämlich zu zeigen, dass es Unternehmen gibt, die in Kooperation mit der Stadt Wien zeigen, dass Maßnahmen gegen den Klimawandel auch wirtschaftlichen Erfolg bringen kann. Also wir haben beispielsweise mit dem Modell der Großwärmepumpen, wo wir alternative Energieformen nutzen, und auch ökologisch sehr saubere Energie herstellen, international großes Interesse ausgelöst. Also wir können da auch Visitkarte sein im internationalen Wirtschaftsbetrieb und zeigen, dass es auch viele Unternehmen, Firmen gibt aus Wien, aus Österreich. Die mit dieser Technologie reüssieren können. Das gilt auch für viele andere Produkte, die hergestellt werden. Und noch einmal möchte ich auch den Green Economy Report erwähnen, den die Wirtschaftskammer gemeinsam mit der Stadt Wien herausbringt und zeigt, dass wir sehr innovative Firmen haben, die gerade in diesem Bereich sehr erfolgreich tätig sind und Arbeitsplätze schaffen und wirtschaftlichen Erfolg lukrieren.-Wenn wir in die Zukunft schauen, was sind denn die zukünftigen Stärkefelder, wo Wien sich wirtschaftlich mehr engagieren wird?-Es ist mit Sicherheit im Bereich des Kongresstourismus, da sind wir schon sehr gut, das wollen wir weiter ausbauen. Das ist ja der Grund, dass wir auch die Infrastruktur weiter ausbauen, auch die verkehrstechnische Infrastruktur. Der Flughafen Wien-Schwechat ist eine Erfolgsgeschichte. Wir haben mit dem Hauptbahnhof neue Möglichkeiten, an den transeuropäischen Netzen tätig zu sein. Wir werden jetzt den Spatenstich in den nächsten Tagen durchführen für den internationalen Bus-Terminal. Und wir haben ein sehr erfolgreiches Tourismusjahr hinter uns. Bereits in den nächsten In der Halbzeit haben wir 8,8 Millionen Besucherinnen und Besucher in Wien gehabt. Das heißt, das wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein neues Rekordjahr 2025. Und wir konzentrieren uns da ganz stark im Bereich Tourismus auf Kongress- und Konferenztourismus, auf qualitätsvollen Tourismus. Und erfreulicherweise haben wir die Hotelkapazitäten auch im 4- und 5-Sterne-Bereich ausgebaut. Und das lukriert auch Umsatz, nicht nur für die Touristikbranche, sondern für die Gastronomie, den Handel, für alle Teile der Wirtschaft. Das Zweite ist, dass wir gezielt auch in Betriebsansiedlungen, auch im Industriebereich Tätigkeit setzen. Da ist die Wirtschaftsagentur sehr engagiert unterwegs. Wir haben pro Jahr mehr als 200 internationale Unternehmen, die sich in Wien ansiedeln. Und das Dritte sind sicher die Produktionsfelder, die im Bereich Klimaschutz relevante Maßnahmen sind. Also hier zeigen wir, dass Ökologie und Ökonomie in sehr guter Art und Weise zu verbinden sind und auch zum Vorteil des Wirtschaftsstandortes und der Umwelt.-Wenn wir nochmal zurückkommen zu den Jobs. Welchen Rat geben Sie denn jungen Menschen für ihre berufliche Zukunft? Jetzt nicht nur als Bürgermeister, sondern vielleicht auch ganz persönlich aus Ihrer Sicht und aus Ihrer Erfahrung.-Immer eine Ausbildung abschließen und immer sich dort engagieren, wo man auch die eigenen Stärkefelder sieht. In der derzeitigen Situation brauchen wir Fachkräfte in ziemlich allen Branchen. Egal ob das Pädagogik ist, ob das Pflege ist, ob das im Bereich Industrie und Gewerbe ist, ob das in Dienstleistungen ist. Also von daher sollte man immer die eigenen Stärkefelder sondieren und sich dort engagieren und ganz wichtig, immer eine Berufsausbildung abschließen, egal welche. Und wir haben ein breites Angebot. Vom dualen Ausbildungssystem. Wir werden jetzt die größte und attraktivste Schule Österreichs errichten in der Seestadt Aspern. Es wird eine Berufsschule sein, um zu zeigen, dass die duale Ausbildung für uns ganz, ganz wichtig ist. Die Lehre hat Zukunft in allen Branchen. Das wollen wir auch damit zeigen. Wir haben als erstes Bundesland und lange Zeit einziges Bundesland den kostenfreien Kindergarten eingeführt, 2020 die kostenfreie Ganztagsschule. Das wollen wir fortsetzen, auch mit dem besonderen Modell der Campus-Schulen, weil wir der Überzeugung sind, Bildung und Qualifizierung ist wichtig für die Arbeitswelt, aber auch für jeden Einzelnen in unserer Gesellschaft. Und die Universitäten. Schon erwähnt, neun Universitäten, sechs Privatuniversitäten, fünf Fachhochschulen sind eine Möglichkeit, dass wir insgesamt 200.000 Studierende in Wien betreuen. Das sind zehn Prozent der gesamten Bevölkerung. Wir sind damit auch der wichtigste Universitätsstandort im deutschsprachigen Raum. Das bedeutet, auch alle großen Unternehmen, aber auch Klein- und Mittelbetriebe haben ein sehr umfassendes Angebot an qualifizierten Fachkräften.-Aus Ihrer persönlichen Sicht?-Ja, ich denke, dass es vor allem im Dienstleistungsbereich sehr attraktive Aufgaben gibt. In der Pädagogik beispielsweise, in der Elementarpädagogik, also im Kindergarten genauso wie im Schulbereich. Und erfreulicherweise ist es uns gelungen, durch besondere Maßnahmen das Berufsfeld der Pflege zu attraktivieren. Wir haben ja ein Wiener Pflegegeld auf den Weg gebracht, das dazu geführt hat, dass wir doppelt so viele Ausbildungsplätze auch besetzen konnten. Also wir haben mehr Menschen, die sich dafür interessieren, als wir derzeit aufnehmen können. Wir haben in der Fachhochschule Campus Wien, auch als Stadt Wien finanzierte Möglichkeiten geschaffen, einen Zubau mit neuen Ausbildungsplätzen zu realisieren und werden in den nächsten Jahren 16.000 qualifizierte Pflegekräfte in Ausbildung bringen und damit dann auch in den Sozial- und Pflegebereich bringen. Und es ist schön zu sehen, ich habe ja bei einigen dieser Lehrgänge auch mit dabei sein dürfen, mit welcher Begeisterung auch junge Menschen diese ganz wichtigen Aufgabenfelder in Angriff nehmen.-Begeisterung als Schlüsselwort, wenn es um Ausbildung geht.-Ja, Ausbildung ist ganz wichtig und wie gesagt, wir haben ja durchaus auch junge Menschen, die ihre Ausbildung nicht abschließen und von daher ist für uns wichtig, dass wir auch im zweiten Bildungsweg im Rahmen des lebensbegleitenden Lernen zusätzliche Qualifikationen vermitteln und man merkt, dass man dann mit einem Schlag ganz neue Möglichkeiten hat.-Danke, Herr Bürgermeister, danke für Ihre Erklärungen, für Ihre Ausführungen.-Danke Ihnen für die Einladung.-Danke für den Besuch.-Zu Gast bei Christine Oberdorfer war Bürgermeister Michael Ludwig.

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