Stadt Wien Podcast

Stadt | Land | Strom: „Die wilde Wien“ (Folge 1)

Stadt Wien

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Unser heutiger Streifzug führt uns durch die Wasserlandschaft Wiens, abseits der Donau. Viele Wienerwaldbäche – wie zum Beispiel der Ottakringer Bach, der Alserbach oder der Währinger Bach – sind aus dem gegenwärtigen Stadtbild verschwunden, weil sie in die Kanalisation integriert wurden und seither meist „unsichtbar“ fließen. Sie waren aber maßgeblich prägend für die Entwicklung Wiens und haben im Laufe der Geschichte der Stadt unterschiedliche Funktionen erfüllt. Dabei ist es – wenig überraschend – auch immer wieder zu Konflikten zwischen den unterschiedlichen Nutzungen bzw. Interessen gekommen. Der größte dieser Bäche aus dem Wienerwald ist sogar ein Fluss – der Wienfluss oder kurz die Wien. An ihr lagen die allerersten Siedlungen und um sie herum wuchs die Stadt heran, der sie ihren Namen gab. Andreas Schindler und Karl Schmoll haben auf der Expedition entlang der „wilden Wien“ eine absolute Expertin an ihrer Seite – Prof. Dr. Verena Winiwarter führt uns von der Quelle im Wienerwald bis zur Mündung in den Donaukanal und durch eine spannende, jahrhundertelange Nutzungsgeschichte.

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-Sie hören den Stadt-wien-podcast. Stadt, Land, Strom– Streifzüge durch Wiens Kulturlandschaften mit den beiden Natur- und Landschaftsvermittlern Andreas Schindler und Karl Schmoll Umweltgeschichte und Stadtökologie einer Metropole. Die wilde Wien.-Wer kennt nicht die Wien und deren Unarten? Sie ist als Schattenseite Wiens fast weltbekannt. Ein gleiches Exemplar ist in den kultivierten Ländern nirgends zu finden. Jedermann, der sonst überall das fließende Wasser mit Vergnügen betrachtet, wendet sich mit Unwillen von dieser Ausgeburt der verwahrlosten Natur ab. Hallo Andreas!-Hallo Karl, wer redet denn da so schlecht über unseren Wienfluss?-Das Zitat stammt von dem Althistoriker Viktor von Domaszewski und ich habe es deshalb ausgewählt, weil sein Befund aus dem Jahr 1878 bezeichnend ist für das über lange Zeit schwierige Verhältnis von Wien zu seinen Gewässern.-Unser heutiger Streifzug führt uns durch die Wasserlandschaft Wiens und gleich vorweg dabei lassen wir die Donau bewusst einmal außen vor, sie liefert genug Stoff für mindestens eine eigene Expedition. Jetzt wollen wir den anderen, meist unsichtbaren Gewässern der Stadt nachgehen.-Es handelt sich um eine Vielzahl von kleinen Bächen und Flüssen, die heute kaum im Bewusstsein der Wienerinnen und Wiener verankert sind. Diese Fließgewässer entspringen nordwestlich der Stadt im Wienerwald queren die Stadt im Verborgenen und entwässern in südöstlicher Richtung in die Donau.-Die Wienerwaldbäche zum Beispiel der Ottakringerbach, der Alserbach oder der Währingerbach sind aus dem gegenwärtigen Stadtbild verschwunden, weil sie in die Kanalisation integriert wurden und seither meist unsichtbar fließen.-In der heutigen Ausgabe unserer Reihe Stadt, Land, Strom wollen wir sie ins Rampenlicht drücken, denn die Wienerwaldbäche waren so maßgeblich prägend für die Entwicklung der Stadt, dass sie es verdient haben, genauer behandelt zu werden.-Man muss sich nur die Siedlungsmuster der Vorstädte und Vororte anschauen, die sich allesamt entlang dieser Wasserläufe erstrecken und der größte dieser Bäche aus dem Wienerwald ist sogar ein Fluss, der Wienfluss oder kurz die Wien. An ihr lagen die allerersten Siedlungen und um sie herum wuchs die Stadt heran-Und je größer die wurde, umso mehr wurde in den Wienfluss eingegriffen. So sehr, dass er heute auf seinem Weg durch die Stadt in vielen Abschnitten überwölbt verläuft. Eingepfercht in ein gemauertes Bett und mehr oder weniger schnurgerade.-Dass die heute meist gemütlich dahinplätschernde Wien eigentlich einen Alpinen Charakter hat-und sogar als Wildwasser gilt,-scheint auf den ersten Blick unwahrscheinlich. Eine Ahnung davon geben die Bilder vom tausendjährlichen Hochwasser im September 2024. Die Wienerwaldzuläufe der Wien brachten enorme Niederschlagsmengen aus dem Umland in die Hauptstadt und das rasend schnell.-Dazu braucht es auch gar kein tausendjährliches Hochwasser, wie das von 2024. Über die Jahrhunderte haben Starkregenereignisse oder die Schneeschmelzen im Frühling immer wieder zu verheerenden Überschwemmungen geführt. Wichtige und sehr teure Infrastruktur wie Wehren, Brücken oder Mühlen, über die wir heute auch noch ausführlich reden werden, wurden in kürzester Zeit vernichtet.-Genauso gefürchtet wie das Hochwasser waren aber auch die Zeiten mit Niedrigwasser, denn jahrhundertelang warf man alles, was man loswerden wollte, einfach in die Wien. Fäkalien, Schlachtabfälle, sämtlichen Unrat,-und wenn der ganze Dreck der Stadt nur sehr langsam weggespült wurde, was vor allem im Sommer der Fall war, wenn es nicht regnete, war das nicht nur für empfindliche Nasen eine Herausforderung. Im neunzehnten Jahrhundert war die Wien, eine stinkende Kloake und zu Recht ein gefürchteter Krankheitsherd.-Auch darum wurde viel an ihr herumgedoktert-viel Stoff also für eine spannende Expedition. Und wir sind sehr glücklich, die wahrscheinlich kompetenteste Reiseführerin zu diesem Themenkomplex gefunden zu haben.-Sie ist Umwelthistorikerin, Mitbegründerin des Zentrums für Umweltgeschichte Wien, ehemalige Professorin an der Universität Klagenfurt und der BOKU Wien,-ist Mitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften, war Wissenschafterin des Jahres-und hat uns bei unserem ausführlichen Gespräch hervorragenden Kaffee und schöne Geschichten aufgetischt.-Professor Verena Winiwarter. Los geht die Reise entlang des Wienflusses vom Wienerwald bis zum Donaukanal und durch unterschiedliche Zeiten. -Und weil es keinen Fluss ohne Quelle gibt, fangen wir doch mit der Suche nach dem Ursprung des Wienflusses an. Der Name Wien liefert dabei erste Hinweise. Wien leitet sich vom althochdeutschen Namen Wenia ab und der wiederum vom keltoromanischen Wort Wiedunia, was so viel wie Waldbach bedeutet. Wieso ist dieser Waldbach so wichtig? Für die Stadt? Ja sogar namensgebend? Und warum hat die Wien den Ruf, so wild zu sein?-Alle Flüsse, die in die Donau münden innerhalb Wiens, sind für die Stadt wichtig. Der erste, der wichtig geworden ist, das war tatsächlich die Wien der größte Zubringer auf dem Stadtgebiet, die Wien entspringt im Wienerwald und das ist wichtig, sie ist nämlich eigentlich ein ziemlich kleiner Fluss, was das Einzugsgebiet angeht, und das ganze Einzugsgebiet liegt auf einem geologischen Untergrund, der wasserundurchlässig ist. Und das heißt, wenn es in diesem Einzugsgebiet ein großes Niederschlagsereignis gibt, zum Beispiel ein großes Sommergewitter, dann kann der normal sehr kleine Wienfluss, den man dann eigentlich eher Wienbacherl nennen würde, sehr plötzlich sehr stark anschwellen und ein unglaubliches Hochwasser produzieren.-Wie mächtig so ein Wienflusshochwasser aussieht, konnte man zuletzt 2024 erleben. Da hat nicht viel gefehlt und die Wien wäre übergelaufen. 2000 mal mehr Wasser als normal hat sie damals durch die Stadt gejagt.-Genau da hat der Fluss gezeigt, was seine Naturgewalt ist? Gleichzeitig kann man aber eine Stadt nicht entwickeln ohne Wasser, und das Wasser ist früher, wir sagen mit einem Fachbegriff multifunktional heißt er nichts anderes, als für mehrere Funktionen für mehrere Zwecke genutzt worden. Und diese technologische Überformung der Stadt hat dazu geführt, dass wir die Konflikte, die sich durch verschiedene Nutzungen desselben Gewässers ergeben haben, zwischen den Nutzerinnen und Nutzern, die haben wir ausgelagert an die Technologie und haben alle diese verschiedenen Gewässer quasi monofunktional gemacht und die ganzen Wienerwaldbäche, die, wenn sie sich anschauen, wie sich Wien entwickelt hat, sieht man diese langgestreckten Siedlungskerne entlang der jetzt quasi nach Wien hereinkommenden Straßen, ja, manche haben ja den Bach im Namen, die Alserbachstraße zum Beispiel, da ist der Bach drinnen, ja, aber auch die Ottakringer Straße zieht den Lauf des Ottakringerbachs nach und diese Bäche haben bis zu einem Gewissen Grad für Trinkwasser gesorgt, sie haben aber auf jeden Fall als Brauchwasser gedient, also fürs Waschen und dann an der Wien auch für die Gerber und die Färber und für Energiegewinnung, für die viel Mühlen, diejenigen, die das Wasser zum Waschen nach dem Färben benutzt haben und diejenigen, die dann ihre Wäsche drin waschen wollten und die, die ihre Pferde drin tränken wollten, die waren sich nicht einig, was jetzt die Beste Nutzung dieses Wassers. Sie sind eine zweite Sache, für die alle diese Gewässer genutzt worden sind, war ja Abfallbeseitigung und das, was wir heutzutage ja überhaupt nicht mehr sehen, nämlich die Abfuhr unserer eigenen Exkremente, ja, das kennen wir auch aus diesen Rechtsaufzeichnungen, die man Weißtümer nennt. Jedes, jede Grundherrschaft hatte ein Weißtum, und ich kenn ein Weißtum, das steht drinnen man soll mit dem Ausleeren der hauseigenen Sickergrube auf ein Press des Bachs warten, sprich auf ein Hochwasser, ja, wenn der Bach groß ist, da geht man dann hin und schüttet ordentlich Fäkalien rein, also die Wien war eine stinkende Kloake.-Anfang des 19. Jahrhunderts leiten 140.000 Menschen ihre privaten Abwässer samt Fäkalien in den Wienfluss ein. Dazu kommen die Abwässer von etlichen Färbereien, Gerbereien, Schlacht und Fleischbetrieben, Leimsiedern und Brauereien. Nach heutigen Maßstäben entsprach das Wasser der Wien der schlechtesten Gewässergüteklasse-Trinken konnte man das Wasser der Wien also bestimmt nicht. Um an halbwegs sauberes Trinkwasser zu gelangen, musste man danach graben.-Gutes Wasser ist in Wien sehr stark aus Brunnen gekommen, es gab zu Zeiten, wo Wien schon gewachsen war, so Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, gab es ungefähr 10.000 Brunnen in Wien Grundwasserbrunnen und wir können auch heute noch an der Besiedlung Wiens sehen, wo es besonders schwer war, an dieses Grundwasser zu kommen, nämlich auf der Schmelz, wo bis heute eine sehr lockere Bebauung ist, sind so, wie sagt man da jetzt? Also Schrebergärten, weil dort eben ein größeres Gebiet sich nicht entwickelt hat, weil das Grundwasser so weit unten ist, weil dort halt ein Hügel ist. In der Topographie der Stadt, um die Geschichte einer Stadt zu verstehen, muss man die Topographie verstehen, also wie das Gelände geformt ist, wo das Wasser herkommt und wo es hinfließt. Das sind die drei Faktoren, von denen wir ausgehen, dass Sie auch die Stadtentwicklung von Wien erklären können. Wenn wir jetzt uns anschauen, die Schmelz ist so ein Hügel, der zweite große Hügel ist der Wienerberg, auch dort Grundwasser recht tief, daher sehr schwer zu bekommen. Die soziale Dimension dieser Wassernutzung war bis zur ersten Hochquellenwasserleitung sehr, sehr deutlich ausgeprägt, die ersten Wasserleitungen waren ja auch ein Hofwasserleitungen, die wurden für den Wiener Hof angelegt. Wien ist eine Residenzstadt, das ist deswegen wichtig, weil nur in einer Residenzstadt so viel Geld vorhanden ist, dass man sich gewisse Wasserbauten überhaupt leisten kann und auch so viel Notwendigkeit für prestigeträchtiges Bauen vorhanden ist, dass man vieles auch baut, wie zum Beispiel das Schloss Schönbrunn an einem Platz, wo man besser kein Schloss hinbauen würde, weil es nämlich an der wilden Wien liegt.-Und wieso hat man dann Schönbrunn ausgerechnet dort gebaut? Ist das der Herrschaft nicht auch mal auf den Kopf gefallen?-Also die Geschichte des Schlosses Schönbrunn beginnt ja mit der Gatterburg, das kennen Sie bis heute in der Gatterburggasse, ja, und die Gatterburg war die Burg in einem Tiergatter in einem kaiserlichen Jagdpark dort war ein schöner Zaun beziehungsweise eine Mauer rundherum. Damit die Viecher nicht raus können, dass selbst die unbegabteren Herrscher noch was abschießen können, so hat man das damals ja gemacht. Dort gibt es übrigens auch den schönen Brunnen in diesem Areal, nach dem Schönbrunn seinen Namen hat, und wenn sie dort heute hingehen, sehen Sie einen schönen, barocken, tempelartigen Bau, innen mit wunderbaren, künstlichen Stalaktiten verziert, aus dem dieser Brunnen gequollen ist heutzutage ist das nicht mehr in Betrieb, aber der schöne Brunnen, an dem sich einst einer dieser Herrscher, ein Karl, erquickt hat nach der Jagd, der gibt dem ganzen Gelände seinen Namen, der Teil der Mauer rund um den Schloss, damals noch nicht Park, sondern um das kaiserliche Jagdgebiet, der Teil der Mauer, der dieses kaiserliche Jagdgebiet umschlossen hat, der nahe der Wien war, der ist mehrfach bei Wien Hochwässern, auch kaputt gemacht worden. Also das hat mir immer wieder aufbauen müssen, um dort die Tiere davor zu schützen, dass sie daraus können und ich denke, dass man argumentieren kann, wobei, da muss ich schon zugeben, also eine wirkliche historische Studie dazu, ob es da Belege dazu gebe, gibt es nicht. Aber ich glaube, dass man sehen kann, Maria Theresia musste ja ihre Herrschaft befestigen, weil sie ja keine Kaiserin sein durfte, weil es gab ja eine rein männliche Erbfolge, und der große Widersacher war ja der König von Frankreich, der Versailles gebaut hat, an einer Stelle, wo man eigentlich keinen Park bauen kann und dann eine eigene Maschine bauen musste, um diesen Park zu bewässern. Und das war barocke Machtentfaltung und das Schönbrun an der wilden Wien liegt. Und das ist genauso ein Grund, man baut ein Schloss dorthin, wo es schwierig ist, ein Schloss zu bauen, um zu zeigen, man kann das.-Herrschaft, -Herrschaft und Herrschaft, also im Gegensatz zu heute, wo jeder Herrscher Zugriff auf soziale Medien hat, war ja zu demonstrieren, dass man oder Frau herrscht, eine schwierige Aufgabe und das hat man mit Prachtbauten gemacht, die dann auch gestochen, in Kupfer gestochen wurden und transportiert wurden, auf dass möglichst viele Menschen sehen, diese Herrscherin, dieser Herrscher hat Macht und Macht, hieß damals immer auch Macht über die Natur, und das sieht man auch an den barocken Gärtnen. Jeder Buchsbaum wird irgendwie entweder zur Kugel oder zum Kegel oder ganz schlimm wirklich zum Würfel geschnitten, um zu zeigen hier habe ich Macht über die Natur und das Wilde Wasser der Wien war genau ein solcher Moment, wo man Macht über Natur beweisen konnte. Wir können das auch ins 19. Jahrhundert weiterdenken. Da geht es dann um die Technologie als Machtmittel und die Ingenieure, das waren lauter Männer, die sich um die Regulierung dieser diversen Wiener Gewässer gekümmert haben, die hatten schon auch eine Vorstellung davon, dass sie mit ihren Arbeitern und mit ihren späterhin auch dampfbetriebenen Baggern macht über die Natur haben. Das berühmteste Zitat in diesem Zusammenhang ist vom Tulla, vom Regulator des Rheins, der hat das mal geschrieben, jeder Fluss braucht nur ein Bett.-Punkt. Stadt, Land, Strom. Die wilde Wien.-Die ersten großen Eingriffe in den Wienfluss standen im Zeichen der Energienutzung links und rechts der Wien wurde ihr Wasser in Mühlbäche, also künstliche Gewässer, abgezweigt, um Mühlen anzutreiben,-die Mühlen waren die Kraftwerke der vorindustriellen Zeit, Wirtschaftsmotoren. Zitat aus dem Buch Wasserstadt Wien.-„Kein Mehl und damit kein Brot, keine scharfen Waffen und Werkzeuge, kein gewalkter Wollstoff und keine Kanonen ohne Mühlen“-mit ihrer Hilfe ließ sich Energie aus dem Wasser schöpfen. Und zwar im wörtlichen Sinn. 1825 gab es 110 Mühlen in Wien, sie setzten Mahlsteine in Bewegung, aber auch Sägen, Stampfen, Bohrer, Pumpen, Hämmer und viele andere Maschinen. Jahrhundertelang zählten sie zu den bedeutendsten und wertvollsten technischen Einrichtungen der Stadt,-und die ältesten dieser Mühlen sind an den Mühlbächen der Wien dokumentiert.-Der Wienfluss hatte zwei künstliche Arme der eine ist linksufrig beim Meidlinger Wehr abgezweigt und der hat die Dorotheamühle, die Kirchenmühle, die Mollardmühle und die Dominikanermühle betrieben und ist dann beim Gumpendorfer Wehr wieder in den Wienfluss eingemündet und daran erinnert übrigens die Wehrgasse im fünften Bezirk, die heißt nach diesem ehemaligen Gumpendorfer Wehr. Beim Gumpendorfer Wehr zweigt dann rechtsufrig der zweite Windmühlbach ab und der speist die Bärenmühle, die Schleifmühle und die Heumühle und ist dann beim Schikaneder Steg in den Wienfluss gemündet. Und das ist ein sehr, sehr altes System der Energiebereitstellung, also im Stadtgebiet kann man das kaum noch sehen. Die Hofmühlgasse erinnert an diese Hofmühle, das war früher die Dorothea-mühle, also die Dorotheamühle, wurde irgendwann mal in Hofmühle umbenannt, nach dem letzten Besitzer, dem Herrn Karl Hof, das hat nichts mit dem Wiener Hof zu tun. Ja, also aufpassen, die Volksetymologie macht da manchmal ziemlichen Unsinn. Wenn sie aber Lust haben, einem Mühlbach zu folgen, empfehle ich, durch die Mollardgasse zu spazieren, und zwar oben gleich bei der Feuerwehr am Gürtel loszugehen und die ganze Mollardgasse entlang zu gehen, dass sehen Sie, auch, wenn Sie gehen, dass diese Gasse ein bisschen gebogen ist und das ist, weil sie ganz genau dem 1856 zugeschütteten Mühlbach folgt und sie heißt Mollardgasse, so wie damals die Mollardmühle geheißen hat.-Und wer waren die Besitzer dieser Mühlen? Wer konnte sich das leisten?-Die Mühlen hatten eine ganz eigene Rechtsgeschichte, weil sie ja so wahnsinnig wichtig waren für die Energieversorgung. Deswegen gibt es sehr viele Mühlen, die entweder zu einem Kloster gehören, also Dominikaner Mühle zum Beispiel. Die Dorotheamühle gehört dem Augustiner Chorherrnstift Sankt Dorothea. Das sind, das sind also Teile von dem, wie eine geistliche Grundherrschaft funktioniert, und dann gibt es in Wien gibt es den Ortsteil Kaisermühlen, haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Kaisermühlen, Kaisermühlen heißt? Wahrscheinlich nicht, weil jeder nimmt diese Namen einfach hin, so wie Spittelau, ja, oder ich weiß nicht, eben auch Kaisermühlen und Kaisermühlen heißt deswegen so, weil der Kaiser in Kaisermühlen an der Donau Schiffsmühlen hatte.-Kurze Zwischenfrage was sind Schiffsmühlen?-Also gut Schiffsmühlen? Die Schiffsmühle ist an einem wilden Fluss wie der Donau eine sehr intelligente. Ich würde das adaptive Infrastruktur nennen, das ist angepasst an die Wildheit des Gewässers. Einerseits Donauoberlauf. Da ist wirklich genug Energie da, um Mühlen zu betreiben, es ist großartig, ja, da ist aber auch genug Energie da, um Mühlen zu zerstören. Deswegen baut man nicht ein fixes Ding in die Donau hinein, sondern man legt zwei Schiffe Nebeneinander das eine ist das Mahlschiff, das andere ist dieses Versorgungsschiff quasi, wir kennen die ältesten dieser Schiffsmühlen aus der Zeit der ersten Türkenbelagerung. 1529. Ja, und die Müller haben dann seit dem 17. Jahrhundert auch eine eigene Schiffsmüllerzunft, es gibt übrigens auch eine Schiffsmühlenstraße in Wien und der Kaiser hat auch solche Mühlen gehabt, die haben sehr viel Mehl für die Versorgung des Militärs produziert. Sie müssen sich vorstellen, Mehl kann man ja unter vorindustriellen Bedingungen nicht transportieren, es geht nicht, ja, es gibt Säcke, da wird das Mehl sofort nass, da kommen, alle möglichen Tierlein, die das gerne fressen möchten, also man kann nur das Korn transportieren, das Korn wird in die Stadt gebracht und hier dann frisch vermahlen und dann relativ frisch verarbeitet. Die militärische Versorgung war ein großer Teil dessen, was die Schiffsmühlen geleistet haben, ein anderer, und zwar der, der historisch länger besteht, ist das in den Schiffsmühlen Roggen vermahlen wurde im Gegensatz zu anderen, die dann Weizen vermahlen haben, Weizen für das teure weiße Brot, Roggen für das billige, dunkle Brot, also die Roggenvermahlung in diesen Mühlen hat noch länger angehalten, als diese militärische Bedeutung war. Aber mit der Donauregulierung, mit den großen der großen Donauregulierung sind die sogenannten Haftplätze für diese Mühlen alle verschwunden. Wir können aber auch darüber reden, dass das auch soziale Effekte hat. Wenn jemand mit seinem Korn zur Mühle kommt und der Müller vermahlt das, das dauert ja eine Weile und während dieser Zeit mussten sich diese Besitzer des Korns oder diejenigen, die das gebracht haben, auch irgendwie amüsieren, deswegen sind das normalerweise zu Kerne von kleinen Siedlungen geworden, in denen es ein Gasthaus gab, dann konnte man dort auch sich amüsieren, auf nicht ganz legale Weise. Also spielen die Vorfeld im Vorfeld dieser Mühlen, gibt so quasi Spielhöllen. Man kann sich auch mit Damen anfreunden. Für eine gewisse Zeit gegen einen Gewissen Geldbetrag. Also die haben dann auch eine schlechte Reputation. Diese Gegenden, um die es Mühlen gibt und die Müller wie alle mächtigen Menschen haben auch immer wieder eine relativ schlechte Presse gehabt, ja, aber sie haben eine für die Stadt und ihren Metabolismus vitale Funktion ausgeübt. Ohne Mehl kein Militär und keine großen Bevölkerungsmengen.-Jetzt haben wir uns etwas vom Wienfluss entfernt, von den Schiffsmühlen an der Donau, zurück an den Wienfluss. Auf Spurensuche nach der ehemals so wichtigen Mühleninfrastruktur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts mussten die Mühlen und Mühlbäche der Industrialisierung und Urbanisierung weichen Dampf und später Strom machen, unabhängig von der Wasserkraft des Flusses.-Die Mühlbäche werden schließlich zugeschüttet und verschwinden, wie auch die Mühlen selbst aus dem kollektiven Gedächtnis der Stadt zu den letzten Zeugen des Mühlwesens an der Wien zählt die Heumühle im vierten Bezirk, sie steht dort seit 700 Jahren und ist damit eines der ältesten profanen Gebäude Wiens.-Wiens die Heumühle, an die heute noch die Heumühlgasse erinnert, die war früher auch als Steinmühle bekannt und das Heiligen Geistspital war Gewährnehmer dieser Mühle in den ältesten Aufzeichnungen, die mir jetzt erinnerlich sind. Das Heilige Geistspital ist ein Spital im mittelalterlichen Sinn, man hat zwar auch Kranke behandelt, aber vor allem war das eine Sozialeinrichtung, also irgendwie kann man sich das so vorstellen, ein bisschen wie die Caritas heute, ja, das Bürgerspital war auch bestiftet, also die hatten für sie zur Verfügung stehende, eigentlich relativ große Ländereien, damit sie Geld verdienen können, mit dem sie dann ihre Pflegetätigkeiten vollbringen können. Die Heumühle hat dann eine interessante Geschichte genommen, als das Bürgerspital nicht immer so wahnsinnig erfolgreich war als Wirtschaftsakteur, im Endeffekt hat dann im 18. Jahrhundert das Bürgerspital diese Mühlrechte abgetreten. Und sie müssen sich vorstellen, die Wasserrechte an dieser Mühle haben 30.000 Gulden betragen, das ist eine wirklich große Summe, also das Wasserrecht an so einer Mühle ist finanziell auch sehr wertvoll gewesen, auch daher hat man Mühlen gehabt, so quasi als also der Vorläufer des heutigen Betonsparbuchs. Die Heumühle malt natürlich kein Heu, das hat gar nichts, der Name kommt nicht von dem, was vermahlen wurde, auch die Bärenmühle hat keine Bären vermahlen, ja, die Schleifmühle hingegen hat tatsächlich Schleifsteine betrieben mit der Energie der Mühle, die Heumühle ist als Gebäude erhalten und wenn sie durch die Heumühlgasse gehen und man kommt dann ins quasi, man kommt in einen modernen Bau hinein, in dessen Innenhof ein kleines Gebäude steht, das heute noch benutzt wird, und dieses kleine Gebäude steht tiefer, das geht man ein Paar Stufen hinunter zu diesem Gebäude und das zeigt Ihnen, wo früher die Geländekante war und wo der Mühlbach, der auch die Heumühle versorgt hat, sich befunden hat. Das ist eins der wenigen alten profanen Gebäude, dass wir noch haben, also Kirchen halten länger als profane Gebäude und die. Ich Pflege regelmäßig mit Studenten aus Barcelona, die sich für die Stadt Wien interessieren, entlang dieses Mühlbachs zu gehen, also durch die Wehrgasse und dann zur heumühle und dann ist zwischendurch ist mal ein Gebäude, das nicht mehr erlaubt, dass man direkt durchgeht, aber man kann bis zum Bärenmühl-Durchgang gehen, der ja die Bärenmühle auch zumindest namentlich in Erinnerung behält, der Name dieser Mühle geht auf ein Gasthaus zurück, das direkt daneben gelegen ist, das zum schwarzen Bären hieß. Ja, also das war auch eine der Mühlen, die bis 1856 in Betrieb waren. Warum hat man diese Mühlbäche zugeschüttet? Einerseits, weil das Energiesystem sich gewandelt hat und die Dampfmühlen in Budapest dann die Stadt Wien versorgt haben. Die ganze Versorgungslandschaft von Wien hat sich ja im 19. Jahrhundert massiv geändert. Durch die Eisenbahn konnte man plötzlich von viel, viel weiter her sehr schnell Dinge bringenen. Und die Dampfmühlen in Budapest konnten Wien ganz gut versorgen. Ja, aber solange wir noch in dem alten eigentlich solaren Energieregime drin waren, weil Wasserenergie ist ja letztlich Solarenergie über ein Paar Schritte hinweg. Solange man das noch hatte, hatte man den Zwang, Mühlen zu betreiben, zugeschüttet sind sie eigentlich aus hygienischen Gründen geworden. Erstens war ihr Business Case, um das modern zu sagen, irgendwie abgearbeitet, da waren nichts mehr zu holen finanziell. Auch Mühlen, die ja viel aus Holz gebaut waren, mussten regelmäßig gewartet werden. Von jemanden, dessen Beruf wahrscheinlich auch bei Robert Lemke niemals erraten worden wäre zwar nämlich ein Mühlenarzt. Ein Mühlenarzt, den würde man heute wahrscheinlich als Mühleninstallateur bezeichnen oder sowas, das war die Berufsgruppe, die diese Verschleißteile der Mühlen ständig repariert hat. Da ist auch interessant, wie viel Spezialwissen uns verloren gegangen ist in der Zeit. Wenn Sie in der großen Enzyklopädie des Herrn Grünitz nachlesen, die man übrigens online in 272 Bänden nachlesen kann. Dann sehen sie, dass für für jeden Teil eines solchen drehenden Mühlenrades eigene Holzsorten verwendet worden sind. Und das war, zum Teil war das ausschlaggebend dafür, dass so eine bewegliche Holzinfrastruktur im Wasser lange hält. Das war ein super Spezialwissen, von dem heute nichts mehr als lebendiges Wissen vorhanden ist. Also die Leute früher haben nicht weniger gewusst als wir heute, sie haben nur andere Dinge gewusst.-Apropos vergessene Berufsgruppen. Bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts landeten die allermeisten Fäkalien zuerst in Senkgruben. Die mussten natürlich regelmäßig geräumt, sprich ausgeschaufelt werden und diesen undankbaren Job erledigten sogenannte Nachtführer.-Der Name rührt daher, dass aus hygienischen Überlegungen heraus die Arbeiten in der Nacht durchgeführt wurden. Bis zum Morgengrauen mussten die Exkremente aus der Stadt geschafft werden, zum Großteil landeten sie in den Wienerwaldbächen und schließlich im Donaukanal.-Die Arbeit als Nachtführer war nicht nur schmutzig, sondern auch sehr gefährlich, denn in den Senkruben und Kanälen konnten giftige Gase entstehen. Immer wieder starben Arbeiter, weshalb 1833 ein Strick zur Sicherung eingeführt wurde, damit der Bewusstlose schnell hochgezogen werden konnte.-Die Nachtführer verschwinden erst, als 1873 die erste Wiener Hochquellwasserleitung eröffnet wird die 95 Kilometer lange Leitung, die große Mengen, bestes Trinkwasser beziehungsweise Spülwasser nach Wien bringt, wird zum Symbol für die Befreiung von Wassernot, Gestank und Seuchengefahr.-Mit einem Schlag hatte die Stadt genügend Wasser zur Verfügung, um auch das Abwassersystem auf neue und weit hygienischere Beine zu stellen. Die Senkgruben wichen dem Wasserklosett und Wien bekamen eine moderne Schwämmkanalisation.-Diese Megabauprojekte im Zeichen der Hygiene und der technischen Erneuerung der Stadt verschlangen riesige Summen und hätten ohne den Griff in die Staatskasse nicht realisiert werden können.-Wie Sie Wissen, es gibt ja nicht entweder Geld oder kein Geld, es ist immer eine Frage der Allokation, will eine Kommune will ein Staat, will eine, auch eine Person wie dafür Geld ausgeben? Ja oder nein? Dann haben Sie die Wahl. Aber gerade bei der ersten Hochquellenwasserleitung ist es ja so, die sind beim Sprengen des ersten größeren Tunnels, sind die, die des eigentlich Betrieben haben, es war eine zivile Einrichtung, so quasi eine Firma, die sind am Ende ihres Budgets und auch am Ende ihres Lateins, und dann gibt es halt damals noch einen Kaiser, an dem man sich wenden kann, und den Kaiser, kann man sagen, wir haben da ein Problem irgendwie, wir haben jetzt eigentlich alles, was wir budgetiert haben, für den ersten Tunnel ausgegeben und sind mit dem noch nicht durch, könnten wir vielleicht ein bisschen Hilfe bekommen. Und der Kaiser schickt seine Pioniere und die Pioniere sprengen im Endeffekt dann die Hochquellenwasserleitung für Wien durch, und das ist etwas, was man nicht kann, wenn man keinen Kaiser hat, der einem Pioniere schicken kann, wenn man mit seinen eigenen Berechnungen die Naturgewalten unterschätzt hat. Und für alle diese großen Infrastrukturen sind immer öffentliche Akteure verantwortlich, deswegen ist diese Idee von Public Private Partnerships und des private wird es richten, die halte ich aus der Geschichte Herr für nicht irgendwie belegbar. Und man sieht ja, was passiert, wenn eine Wasserversorgung privatisiert wird. Die Berliner haben es am eigenen Leib erlebt. Es wird nicht in die Erhaltung dieser Infrastruktur investiert, aber dafür wird das Service teurer. Und jetzt kaufen ja etliche deutsche Städte ihre Wasserversorgungen zurück. Ja, seit Jahren, also insofern ist, glaube ich, die öffentliche Hand für solche großen Infrastrukturprojekte der Beste Träger. Denn es geht um Wohlfahrt.-Wie schlimm die Situation vor der Modernisierung des Wiener Wassersystems war, davon zeugt auch im Buch aus dem Jahr 1815. Es heißt Wien von seiner übelsten Seite betrachtet der praktische Arzt Nikolaus theodor Mühlebach schreibt dort-„Es sind zwei fließende Gewässer, der Wienfluss und der Alserbach, welche in jenen Vorstädten, die sie durchströmen, ungemein viel zur Verderbnis der Luft beitragen. Die meisten Kinder leiden an der Drüsenkrankheit, fast alle haben ein aufgedunsenes, ungesundes Aussehen.“-Wie kann man das beseitigen und wie kann man die ständigen Typhus-Epidemien in der Stadt beseitigen? Nur indem man eine ganz unabhängige Wasserversorgung macht, die nicht aus dem Grundwasser kommt, das ja durch diese Beziehung Grundwasser, Oberflächenwasser auch verschmutzt ist. Ganz schlimm, wenn Sie Ihren Trinkwasserbrunnen direkt neben Ihrer Sickergrube anlegen. Ja, da sind sie ziemlich gesichert krank, weil kommen die bakteriellen Teile der Fäkalien wandern da in das Trinkwasser und dann wird man an Typhus krank.-Zu Beginn der 1830er Jahre bricht eine in Europa bisher unbekannte neue Seuche wie eine Naturkatastrophe über den Kontinent herein-in den Jahren 1831/32 wütet die Cholera erstmals auch in Wien. Über 2000 Menschen sterben an der bakteriellen Krankheit. Und nicht ohne Grund wird der miserable Zustand des Wienflusses für diese Katastrophe mitverantwortlich gemacht die Politik reagiert und investiert in die rigorose Umgestaltung des Wienflusses und seiner Zubringer.-Natürlich erwarten wir von Regierungen als Bürgerinnen und Bürger, dass sie die Dinge im Griff haben und wenn so eine Choleraepidemie kommt, vor allem aber auch unter den Soldaten der Garnisonen in Wien Unglaubliches anrichtet, dann ist die Erwartung, ihr kümmerts euch da darum. Denken Sie an die Covid-Pandemie? Ja, wenn sowas passiert, erwarten wir von Politikerinnen und Politikern, dass sie was tun und das in den Griff kriegen. Wir sind dann vielleicht nicht ganz zufrieden damit, wie sie es in den Griff kriegen, aber sie sollen es in den Griff kriegen. Andererseits hat es die technischen Möglichkeiten gegeben und diesen technologischen Hype und dann war, glaube ich, auch eine Idee, dass man die Grundstückspreise anheben kann, also da gibt es auch einen durchaus einen ökonomischen Zug, man braucht die Energie nicht mehr, weil es gibt die Eisenbahn und den Dampf, man kann also verzichten auf die Mühlbäche. 1856 werden sie zugeschüttet. Und diese Kombination aus die öffentliche Situation ist günstig für so ein Projekt und wir haben handfeste ökonomische Gründe und die technischen Möglichkeiten, das zu tun, wenn wir die technischen Möglichkeiten haben, wollen wir es auch gerne zeigen, dass wir es können. Ja, ist ein technologische Optimismus. Wien will eine moderne Stadt sein, es soll, es soll ja, die Weltausstellung ist ja ein Problem wegen der Cholera. Also das führt zu einem Klima, in dem das dann möglich wird. Man muss was tun und ist, ich glaube, dass man sehen muss, diese Multifunktionalität vorindustrieller und frühindustrieller Gewässer, die als Abwasserkanäle gedient haben, genauso wie als Transportmittel genauso wie zur Energiegewinnung genauso wie als Brauchwasser für die Industrien. Ob das jetzt Wäschereien oder Färbereien oder Gerbereien waren, diese multifunktionalen Gewässernutzungen, die werden in immer mehr verschiedene technische Infrastrukturen ausgelagert und diese technischen Infrastrukturen tendieren dazu, unsichtbar zu sein.-Im Zuge der Hygienisierung der Stadt verschwinden die Wienerwaldbäche nach und nach aus dem Stadtbild und damit auch aus dem Bewusstsein der Menschen. Sie werden in die Kanalisation integriert und großteils überbaut-auch der Wienfluss wird Gegenstand und Werkzeug dieser groß angelegten Modernisierung der städtischen Wasserinfrastruktur gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts soll der Wien ihre Wildheit endgültig ausgetrieben werden-sie wird in den gebautes Flussbett gezwängt, komplett reguliert und zu einem Sinnbild der vermeintlichen Herrschaft der Technik über die Natur.-Der Wienfluss, der Wienfluss war eine Herausforderung für Ingenieure. Es hat in den 1870er Jahren hat es ja ganz, ganz absurd erscheinende Regulierungsprojekte für die Wien gegeben. Ja, also überlegen Sie mal die vollständige Ableitung des Wienflusses zur Liesing oder gegen Simmering in den Donaukanal und das Flussbett dann für Straßen und Bahnen nutzen? Können Sie sich ein Wiental vorstellen, wo so eine vierspurige Autobahn dort geht, wo der Wienfluss war? Und das, was an Wasser kommt. fließt in die Liesing. Das war in den 1870er Jahren, war das ein Projekt, das es gegeben hat. Was zum Teil gemacht worden ist, ist die Einwölbung des Windflusses, das kennen Sie? Ja, also Herr Naschmarkt steht ja zum Beispiel über dem Wienfluss, damals war die große Zeit der Eisenbahn, also man braucht da Eisenbahn, bitte, ja, dort, wo heute die U4 fährt, war ja auch eine Stadtbahntrasse, es ist ja das dann zum Teil auch verwirklicht worden, die es gab ja die Wiental-Donaukanallinie, die WD, die als Stadtbahn mit Dampf ja eine frühe öffentliche Infrastruktur war. Man hat auch irgendwie die Idee gehabt, diese Ärgerlichkeit, dass die Wien mal wenig und mal viel Wasser hat, durch große Reservoirbecken auszugleichen, also ein riesiges Reservoir zu bauen und dann eine Zuleitung zu machen, wo immer gleich viel Wasser kommt, dass das alles nichts geworden ist, das freut uns heute. Retrospektiv bin ich ja ganz froh über all die Dinge, die nichts geworden sind. Wir haben in dem Wasserstadt Wien Buch ein eigenes Kapitel über Planungen, die nicht umgesetzt wurden, das war eines der lustigsten Kapitel, also das waren schon so Ingenieurträume.-Das angesprochene Kapitel heißt die umgebaute Wasserstadt und ist wie das ganze Buch Wasserstadt Wien schwer zu empfehlen. Das Werk wiegt gute zwei Kilo, fast 460 Seiten ist käuflich zu erwerben-oder gratis als PDF Download zu bekommen. Darin findet man vieles zu den Themen der heutigen Folge, aber auch noch viel, viel mehr. Über die Donau zum Beispiel haben wir heute nur sehr wenig gesprochen,-aber das holen wir nach bis bald. Also hören sie wieder rein-und zum Abschluss noch einmal einen herzlichen Dank an unsere Expeditionsleiterin, Professor Verena Winiwarter. Wir sehen uns hoffentlich bald wieder.-Sehr gern geschehen. Ich freue mich, wenn jemand gern aus der Geschichte lernen möchte. Stadt, Land, Strom. Streifzüge durch Wiens Kulturlandschaften mit den beiden Natur und Landschaftsvermittlern Andreas Schindler und Karl Schmoll Umweltgeschichte und Stadtökologie einer Metropole.-Das war ein Stadt Wien-Podcast.

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